Posts Tagged ‘Andy Warhol’

26.09.2009 von Schröder & Kalender
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Mammut (2)

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.

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Aus einer Besprechung des ›März-Mammut. März-Texte 1 & 2‹ von Diedrich Diederichsen aus dem Jahr 1984, die der ›Spiegel‹ bestellt, aber nicht abgedruckt hatte, ebenso wenig wie die von Rainald Goetz. Aus dem Diederichsen-Text veröffentlichen wir hier eine kurze Passage:

»Herausragend in ‘Mammut’ sind dennoch nicht nur die Schröder-Texte. Der Komplex Terrorismus mit Vespers und Gudrun Ensslins Reisefotoalbum und Wolfgang Pohrts Amnestie-Kampagne und einem Brief über Vesper von Jugendfreund Henner Voss, Gunnar Heinsohns erste materialistische Beschreibung der Hexenverfolgung, der Komplex Psychoanalyse/Otto Groß, Franz Jung etc., der Komplex Upton Sinclair / Henry Ford / U.S.-Anti-Semitismus der 30er Jahre. Man könnte noch viel mehr saugute Texte aufzählen, fast ebensoviel Mystik-Unsinn und moderne Literatur – die den Kampf gegen die Post-Literatur von Schröder, Warhol, Schröders Halbwelt-Spezi Hamlet Kuper, Tom Wolfe etc. so niederschmetternd verliert. Je neuer sie ist, desto schrecklicher ihre Niederlage. Wie peinlich so ein Essay, der fordert, die Literatur möge sich doch überall bedienen und ihre Scheu vor der Trivialität verlieren – ganz neu, hab ich noch nie gehört -, gegen das wirkliche Leben, egal ob es in ‘Mammut’ von einem Aufsatz Charles Darwins oder einer Dummheit Hubert Burdas, aber von der Gestalt wie ein eigener Beitrag behandelt, vertreten wird.

Da Schröder Lebensgeschichte betreibt, betreibt er automatisch auch Wirkungsgeschichte. Gegen Ende von ‘Mammut’ dokumentiert er ein paar Reaktionen auf ‘Cosmic’. In diesem Zusammenhang bringt er, ebenfalls erstmals in Deutsch, einen Ausschnitt aus Tom Wolfes ‘The Electric Kool-Aid Acid Test’, ein Buch, das auch schon fast 20 Jahre alt ist, ‘Die gefrorene Friedensversammlung’. Wolfe erzählt darin, wie Ken Kesey und seine Merry Pranksters in den 60er Jahren absolut punkmäßig eine Friedensversammlung sprengen, absolut aktuell, absolut richtig. Die, die in den 60ern wirklich weit vorn waren, sind es bedauerlicherweise immer noch. Eine Alternative zur liberalen Dummheit hat sich nicht durchsetzen können. Am Ende von ‘Mammut’ steht eine alte Utopie (aus den 60er Jahren) ’1994′, die die Hippies als Agenten des Establishments ausweist. Auch das ist leider wahr geworden/geblieben. Der Weg dahin, dadurch und daran vorbei, die Geschichte der letzten 20 Jahre als Geschichte des Scheiterns steht in ‘Mammut’. Schröder, Warhol und Wolfe haben ihren Humor nicht verloren.«
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Die vollständige Version der beiden Besprechungen druckten wir in unseren ›Vorinformationen für Buchhandel und Presse Juni bis November 1985‹ ab und erlebten eine Überraschung. Die Auflage von 10.000 war sofort vergriffen, wir mußten 10.000 nachdrucken. Diese gingen – kostenlos versteht sich – wieder weg wie die warmen Semmeln. Seitdem sind die März-Vorinformationen 1985 ein Rarum, der seltene Fall einer Werbedrucksache, die heute Geld kostet. Den vollständigen Text von Diedrich Diederichsen kann man auf der Seite der Filmzentrale lesen, als Anhang zur Rezension der ›März-Akte‹, also bitte runterrollen.

›März Mammut. März-Texte 1 & 2. 1969 bis 1984‹. Herausgegeben von Jörg Schröder. Leinen, 1.276 Seiten mit zahlreichen Illustrationen, März Verlag, 1984. 

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Die Mäzenatenausgabe ist noch lieferbar: › März Mammut. März-Texte 1 & 2. 1969 bis 1984, Vorzugsausgabe der Erstausgabe 1984 in 150 numerierten und vom Herausgeber und MÄRZ-Verleger Jörg Schröder dem Mäzen handschriftlich gewidmeten Exemplaren. 1274 S. m. zahlr. Abb. Säurefreies, alterungsbeständiges, 60 g/qm-Papier von Schoeller & Hoesch, Gernsbach. Fadenheftung. Gelber Seidentafteinband mit Blindprägung des Schriftzuges ›Mammut‹ und rote Rückenprägung des Schriftzuges ›MÄRZ‹. Rotes Kapital- und Lesebändchen. 150,00 Euro
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Zum 15jährigen Bestehen von März erschien ›März-Mammut‹. Titel und Themen: Initiation, Vanille, Rote Horizonte, Tiere, Schulkampf, Kernzonen, Kindheiten, Mlle. Brigitte Bardot, Aggression und Widerstand, Hamlet-Chiffren, Schwarze Musik, Gewissensbisse, Wirte und Parasiten, Gott als Frau, Existenzfeste, Terror, Opfer, Rausch, Blutsterne, vom Spiralismus zum Neo-Banalismus, Taubnesseln, Postmoderne, Kokain und Mutterrecht, Joviale Russen, Eingemachtes u.v.a.

›Mammut‹ ist ein dickes Buch. Die erste Vorstellung in den ›März-Zitaten‹ findet man hier, einige weitere werden folgen.

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09.03.2009 von Schröder & Kalender
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Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer (2)

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

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Valerie Solanas

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Mit einigen anderen Titeln der Olympia Press New York schickte mir Maurice Girodias 1969 das Manuskript der ›Society For Cutting Up Men‹ von Valerie Solanas. Eine paranoide, surrealistische Theorie, also innerhalb des Wahnsystems schlüssig. Ich antwortete ihm umgehend: »Machen wir!« Maurice hatte Valeries Manifest im Jahr 1968 – gleich nach dem Warhol-Attentat – veröffentlicht. Er zahlte Valerie ein Pauschalhonorar von 500 Dollar, ich überwies ihm für die deutschen Rechte ein flat fee von 1000 Dollar.

Die deutsche Übersetzung erschien 1969 bei März mit einem Nachwort des ›Arbeitskreises Frauenemanzipation‹, dem auch einige Frauen des ›Weiberrats der Gruppe Frankfurt‹ angehörten. Von dieser Gruppe stammt der ›Rechenschaftsbericht‹ mit den komischen abgehackten Pimmeln der Genossen Schauer, Gäng, Kunzelmann, Krahl und Rabehl, wie Jagdtrophäen an der Wand aufgereiht. Auf der Rückseite des Flugblatts outeten die Frauen fünfzig weitere SDS-Schwanzträger mit einem Solanasnahen Text, dessen Schlußzeile lautete: »Befreit die sozialistischen Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen!« Mir konnte ja in dieser Richtung nichts passieren, weil Valerie mich zum »contact man of the mob« ernannt hatte. Damit gehörte ich zu den wenigen Männern, die der Vernichtung durch die Frauen entgehen sollen, per Gnadenerlaß der Anführerin der Society For Cutting Up Men.

Als Valerie Solanas gefragt wurde, warum sie auf Andy Warhol geschossen habe, antwortete sie: »Ich habe eine Menge schwerwiegender Gründe, lesen Sie mein Manifest und Sie wissen, wer ich bin.«

Valerie Solana – das s am Ende ihres Namens fügte sie später hinzu – wurde 1936 in Atlantic City, New Jersey geboren. Sie wuchs in desolaten Familienverhältnissen auf, die Mutter war Trinkerin und gewalttätig, der Vater quälte sie mit sexuellen Übergriffen. Mit 13 kam Valerie in ein Mädcheninternat für straffällige Jugendliche und legte später im Fach Psychologie ein Examen an der University of Maryland ab.

In New York begann Valerie Solanas zu schreiben, darunter ein Theaterstück ›Up Your Ass‹, das sie Andy Warhol gab, und das ›S.C.U.M.-Manifesto‹. Ihr Manifest verkaufte sie hektographiert in den Cafés von Greenwich Village. Zuweilen schlug sie sich auch mit Prostitution durch.

1968 hatte Valerie Solanas eine kleine Nebenrolle in dem Andy Warhol Film ›I A Man‹ für ein Honorar von 25 Dollar. Vorher hatte Andy Warhol ihr gestanden, daß irgend jemand in der Factory das einzige Manuskript ihres Theaterstücks  ›Up Your Ass‹ weggeworfen habe. Ein Jahr später zog Valerie Solanas eine 32er Beretta Automatik und schoß auf Andy Warhol. Dem Polizisten, der sie festnahm, sagte sie: »Er hatte zu viel Kontrolle über mein Leben.«

Im ›März-Mammut. März Texte 1 & 2‹ haben wir Andy Warhols Bericht ›Nachdem sie mich niedergeschossen hatte, drehte sich Valerie um und schoß auf Mario Amaya‹ veröffentlicht.

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01.02.2009 von Schröder & Kalender
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Underground Film

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.

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Parker Tyler, einer der eigenwilligsten Filmkritiker Amerikas, war an den Anfängen des New American Cinema aktiv beteiligt. Er war der erste, der über die Arbeiten solcher Filmemacher wie Stan Brakhage, Gregory Markopoulus, Kenneth Anger, Jack Smith, Shirley Clarke, Ed Emshwiller und Andy Warhol analysierte und sie als Abkehr von den Traditionen des existierenden Avantgardefilm verstand.

In dieser Darstellung des Phänomens Underground-Film untersucht er die Filme der amerikanischen Autoren, zusammen mit denen der Vorläufer des europäischen Underground-Films, wie Chris Marker, Peter Weiss, Peter Kubelka u. a. Er dokumentiert das Erscheinungsbild der heutigen Richtungen und Techniken und spürt ihre Ursprüngee im Dada und Surrealismus, in den frühen Filmen Buñuels, Cocteaus, Hans Richters und Robert Wienes auf. Formenvielfalt, Ideologien und Inhalte werden auf ihre ästhetischen und psychologischen Modelle hin analysiert, die medienhistorische Relevanz der real-time-Filme von Andy Warhol behandelt, sowie auch der pathologische Infantilismus der Filme der weniger begabten Autoren.

Tyler ordnet den Underground-Film in das kulturelle Gesamtklima der sechziger Jahre ein, und das neue Verständnis des Mediums Film, die Veränderung der Sehgewohnheiten, das Abenteuer des Films als Kino des Bewußtseins sind durchgehende Themen des Buches.

Parker Tyler, ›Underground-Film. Eine kritische Darstellung‹. Aus dem Englischen von Max Looser. 244 Seiten sowie zahlreiche Illustrationen, März Verlag 1970 (nur noch antiquarisch erhältlich). … weiter lesen

01.12.2008 von Schröder & Kalender
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Wie wir uns einmal selbst begeisterten (1)

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Freitag, den 5. Dezember 2008, um 20:30 Uhr, NBI Club, (Kulturbrauerei), Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin. satt.org und SuKuLTuR präsentieren: DIE BEGEISTERUNGS-SHOW 9 mit alle 3, Barbara Kalender, Jörg Schröder, Tobias Lehmkuhl, Robert Mießner, Christina Mohr und vielen Gästen. Wir lesen aus ›Schröder erzählt‹.

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Da am Freitag bei der Show unsere literarische und verlegerische Arbeit Zielobjekte der Begeisterug sein sollen – was uns sehr freut! –, brachte uns dies auf die Idee zu erzählen, wie wir uns einmal selbst begeisterten:

Nach Jahren der Überlegungen, ob und wie ich die 1969 begonnenen ›März-Texte‹ fortsetzen soll, faßte ich Ende 1983 den spontanen Entschluß, zum März 1984, nämlich zum fünfzehnjährigen Bestehen des Verlages, die Anthologie doch zu produzieren. Ich hatte Beiträge dafür über ein Jahrzehnt gesammelt, und wie du dir denken kannst, lag ein Zehnfaches von dem vor, was später dann aufgenommen wurde, ein umfangreiches Material aus Texten von März-Autoren, aber auch von anderen, dazu zahlreiche Fundsachen — ach, was rede ich, zehnfaches, ein zwanzigfaches Material, all das war in Hängemappen und Ordnern versammelt.
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