Posts Tagged ‘Olympia Press’

09.03.2009 von Schröder & Kalender
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Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer (2)

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

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Valerie Solanas

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Mit einigen anderen Titeln der Olympia Press New York schickte mir Maurice Girodias 1969 das Manuskript der ›Society For Cutting Up Men‹ von Valerie Solanas. Eine paranoide, surrealistische Theorie, also innerhalb des Wahnsystems schlüssig. Ich antwortete ihm umgehend: »Machen wir!« Maurice hatte Valeries Manifest im Jahr 1968 – gleich nach dem Warhol-Attentat – veröffentlicht. Er zahlte Valerie ein Pauschalhonorar von 500 Dollar, ich überwies ihm für die deutschen Rechte ein flat fee von 1000 Dollar.

Die deutsche Übersetzung erschien 1969 bei März mit einem Nachwort des ›Arbeitskreises Frauenemanzipation‹, dem auch einige Frauen des ›Weiberrats der Gruppe Frankfurt‹ angehörten. Von dieser Gruppe stammt der ›Rechenschaftsbericht‹ mit den komischen abgehackten Pimmeln der Genossen Schauer, Gäng, Kunzelmann, Krahl und Rabehl, wie Jagdtrophäen an der Wand aufgereiht. Auf der Rückseite des Flugblatts outeten die Frauen fünfzig weitere SDS-Schwanzträger mit einem Solanasnahen Text, dessen Schlußzeile lautete: »Befreit die sozialistischen Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen!« Mir konnte ja in dieser Richtung nichts passieren, weil Valerie mich zum »contact man of the mob« ernannt hatte. Damit gehörte ich zu den wenigen Männern, die der Vernichtung durch die Frauen entgehen sollen, per Gnadenerlaß der Anführerin der Society For Cutting Up Men.

Als Valerie Solanas gefragt wurde, warum sie auf Andy Warhol geschossen habe, antwortete sie: »Ich habe eine Menge schwerwiegender Gründe, lesen Sie mein Manifest und Sie wissen, wer ich bin.«

Valerie Solana – das s am Ende ihres Namens fügte sie später hinzu – wurde 1936 in Atlantic City, New Jersey geboren. Sie wuchs in desolaten Familienverhältnissen auf, die Mutter war Trinkerin und gewalttätig, der Vater quälte sie mit sexuellen Übergriffen. Mit 13 kam Valerie in ein Mädcheninternat für straffällige Jugendliche und legte später im Fach Psychologie ein Examen an der University of Maryland ab.

In New York begann Valerie Solanas zu schreiben, darunter ein Theaterstück ›Up Your Ass‹, das sie Andy Warhol gab, und das ›S.C.U.M.-Manifesto‹. Ihr Manifest verkaufte sie hektographiert in den Cafés von Greenwich Village. Zuweilen schlug sie sich auch mit Prostitution durch.

1968 hatte Valerie Solanas eine kleine Nebenrolle in dem Andy Warhol Film ›I A Man‹ für ein Honorar von 25 Dollar. Vorher hatte Andy Warhol ihr gestanden, daß irgend jemand in der Factory das einzige Manuskript ihres Theaterstücks  ›Up Your Ass‹ weggeworfen habe. Ein Jahr später zog Valerie Solanas eine 32er Beretta Automatik und schoß auf Andy Warhol. Dem Polizisten, der sie festnahm, sagte sie: »Er hatte zu viel Kontrolle über mein Leben.«

Im ›März-Mammut. März Texte 1 & 2‹ haben wir Andy Warhols Bericht ›Nachdem sie mich niedergeschossen hatte, drehte sich Valerie um und schoß auf Mario Amaya‹ veröffentlicht.

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08.10.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (16)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit dem Comic-Roman Lucy’s Lustbuch: Erst mal wieder Alfred von Meysenbug, uns allen ja schon bekannt aus den vorangegangenen Erzählungen, der Mitarbeiter und Gefolgsmann von Günter Amendt, auch Zeichner von ›Sexfront‹, damals in Frankfurt ein scharfer Tunichtgut, politisch und sexual-politisch. 1968 war von ihm im Heinrich Heine Verlag ›Super-Mädchen. Das Ende der Verkäuferin Jolly Boom‹ erschienen. Als Modell für Jolly diente ihm Carla Aulaulu, eine von Rosa von Praunheims Musen, die ganze Clique traf sich oft in der Römerstadt bei einer Künstlermutter. Alfred bot mir für März einen neuen Comic an, er wollte viel Geld damit verdienen, beschrieb das Projekt so: »Das Mädchen Lucy wird zum ›Bravo‹-Girl des Jahres gewählt, das Ganze ist eine Polemik gegen die ›Bravo‹-Generation und den Konsumismus.« Fand ich gut. ›Lucy’s Lustbuch‹ sollte der Titel heißen. Meysenbug hing bei seinen Figuren dem Prinzip der Wirklichkeitsdopplung an. Das mußte so sein, weil er nicht frei zeichnen konnte, er brauchte genaue Vorlagen. Es war deshalb entsprechend kompliziert: Zunächst fertigte er ein Storyboard jeder Szene an, also eine Skizze, dafür mußten seine Freunde und Freundinnen posieren. Die Szene wurde danach fotografiert, und er begann dann erst, das Foto zum Comic umzuzeichnen. Die Hauptdarstellerin des neuen Comics hieß Lucy, gehörte zum Kreis der Frankfurter Boheme-Mädchen, die Pornographie als Befreiung propagierten, wozu auch Diddy Wah Diddy, also Fatima Igrahim, zählte. … weiter lesen

01.10.2006 von Schröder & Kalender
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Außerordentlich und obszön – Bildertausch (2)

von Schröder & Kalender

Wir sind in Köln und wissen daher nicht, wie der Bär flattert.

doris-hella.jpg
Das Bild ›Doris / März‹ (Acryllack auf Leinwand) ist eine Arbeit des Malers Berndt Höppner aus dem Jahr 1970. Höppner gehörte zur Kölner Künstlergruppe Exit und war mit Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla befreundet. Er gestaltete auch den Schutzumschlag für Brinkmanns Gedichtband ›Gras‹ und illustrierte ›Gummibaum. Hauszeitschrift für neue Dichtung‹ (Hrsg. von R.D. Brinkmann Nr. 1 und 2). Das Bild ›Doris / März‹ von Berndt Höppner hängt seither in den jeweiligen Büros des März Verlags. … weiter lesen

04.09.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (9): Otto Schily moderiert

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit dem Pornofilmer Wolfgang Gremm und seinem Rechtsanwalt Otto Schily: Die Pressekonferenz mit den Filmschnipseln der Brüder und Schwestern war unerwartet glücklich und mit durchschlagendem Erfolg gelaufen. Jetzt stand mir noch eine andere harte Aufgabe bevor, denn auf dem Frankfurter Flughafen wartete Rechtsanwalt Otto Schily. Zur Pressekonferenz war er vorsichtshalber nicht gekommen, der Consigliere der Brothers and Sisters Company, aber mit Gremm, Geissler, Vesper und den beiden Mädchen war ich jetzt unterwegs zu ihm. Sie hatten mir dräuend geflüstert: »Genosse Schily macht für uns die Exklusivverträge. Damit das klar ist: Nur wir sind berechtigt, deine Pornofilme zu drehen, nur unsere Filme werden von Olympia Film vertrieben, nur wir können sie machen.« Weil kein Journalist mehr in der Nähe war, sagte ich: »Das bereden wir mit dem Rechtsanwalt, ist immer gut, so was mit Anwälten zu besprechen.« Ich wollte sie erst mal nur möglichst weit weg von Frankfurt haben und für die nächsten Tage auch von Pressemenschen fernhalten. Ich mußte sie trockenlegen, damit sie nicht gleich merkten, daß ich nicht daran dachte, ihren Scheiß zu vertreiben. Hinein in den Flughafen mit der Truppe, da sitzt in einer offenen Bar der Genosse Schily vor einem Schweppes. Er sah schon so aus wie heute, … weiter lesen

28.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (8)

von Schröder & Kalender

Wir sind unterwegs und wissen nicht wie der Bär flattert.

Und so geht’s weiter: Bedrohlich nahte der Termin der Pressekonferenz in Kranichstein, für die ich die ersten drei Filme angekündigt hatte. Ich zahlte den Steglitzer Kopierer, die Sechzehn-Millimeter-Rollen kamen in Frankfurt an. Wieder das Problem: Wer führt uns die Dinger vor? Du mußt bedenken, das war wie ein Kilo Koks, das du mit dir rumschleppst, diese blöden Pornofilme. Du konntest nicht einfach in einen Schneideraum gehen und sagen: »Hier, hallo, ein Hunni, und laß das mal laufen.« Es wäre schon gegangen, aber wir hatten Schiß und machten uns die Sache damit unnötig schwer. Schließlich, auf tastenden Umwegen, fanden wir einen Typen im Taunus, der in einer aufgelassenen Zwergschule in Neu-Anspach eine Trickfilm- und Filmerwerkstatt betrieb, Siegfried Claudé. Weil Claudé in Ratibor geboren wurde, einer Stadt in Oberschlesien, gaben wir ihm den Decknamen Ratibor. In Terminkalendern, Vertragsentwürfen, Telefongesprächen und dergleichen wurde einzig der Name Ratibor benutzt, du siehst also, wir haben uns für unsere Aktivitäten durchaus geheimdienstlicher Mittel bedient.

Zu Ratibor in seiner Schule gleich hinter der Saalburg am Limes fuhren wir, er spielte uns gegen ein gesalzenes Honorar die Berliner Filme ab. Da saßen wir, im voraus bereit zu jeglicher Verteidigung unseres Produktes: »Nööö, ist doch eigentlich ganz gut.« Aber es blieb uns nur zu sagen: »Ach du Scheiße, das ist nicht zu glauben!« Es war in jeder Hinsicht schlecht, auch technisch, hoppelige Bilder. Diese Typen hatten in ihrem bekifften Dilettantismus meist mit der Handkamera rumgewackelt, und wenn die Kamera glücklich mal stand, blieb sie quälend drauf auf einer ebenfalls bekifften, unendlich langsamen Vögelei zweier Berliner Blumenkinder, die sich volldoof gegenseitig anlächelten. … weiter lesen

24.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (7)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit der Planung der Olympia-Pornofilme im Jahr 1969: Die Darmstädter Staatsanwälte begannen das ›Barbara‹-Buch zu verfolgen – ein Musterprozeß, um mich und die Olympia Press wegzufegen. Es setzte das lange Gerede in der Presse über Pornographie ein. Nachdem man sich drei Monate überschlagen hatte, erlahmte langsam die Lust, darüber zu schreiben, etwas Neues mußte her. Das ergab übrigens immer die besten Realisate hinterher, einfach etwas anzukündigen, von dem ich noch nicht wußte, wie es aussehen sollte, beispielsweise das ›Mammut‹. Wie stellt man sich das Buch vor und: »Wie soll es heißen?« Eine Planung, wie sie beim Kinderzeugen nicht möglich ist, man kann sich ja nicht vornehmen: »Das Kind soll Almut oder Hartmut heißen. Jetzt fangen wir mal an zu ficken.« So wird gewöhnlich ein Kind nicht produziert, aber im kreativen Bereich geht das. »Der Film heißt Pornofilm, ich bringe mir jetzt bei, einen Pornofilm zu drehen.« So wie Dominique, als ich noch nicht wußte, wer Dominique ist, mir nur dachte, das muß eine Frau mit einem Kopfschuß sein, weil mir Yvonne Menne mit hochgedünkelter Nase sagte: »Eh, kennst du Dominique?« »Nö, kenne ich nicht.« »Also die macht jetzt im Vogelsberg, bei Birstein, eine Brotbackschule auf.« »Wieso, ist sie Bäckerin?« »Nein! Sie macht doch in der Jazzgass die ›Dominique‹. Sie hat aber im Vogelsberg ein Haus gekauft und wird den Frankfurtern das Brotbacken beibringen.« Wo wir doch alle wissen, daß Dominique noch nicht mal eine Ente braten kann, obwohl sie schon dreihundert gebraten hat in ihrem Leben. Sie kauft immer zwei Enten, schiebt sie rein, und jeder sitzt später da und lutscht wie in diesem Märchen an den Knochen, denkt sich: na ja, lustige Unterhaltungen, es ist eben schön, nur die Ente ist trocken und kalt. … weiter lesen

22.08.2006 von Schröder & Kalender
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Otto Beisheim kündigt immer fristlos

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Zu der Meldung, daß der Metro-Gründer und Multimilliardär Otto Beisheim nach Kritik an seiner SS-Vergangenheit die Zehn-Millionen-Stiftung für das Tegernseer Gymnasium auflösen will, hier eine Episode aus dem Jahr 1997. Der Herr reagiert bei Kritik immer mit fristloser Kündigung:

Na ja, anderen Leuten sind eben andere Sachen peinlich. Zum Beispiel meine Argumente einem Hans Werner Richter, der in seiner Grunewaldvilla auf Fernseh- und Senatskosten literarische Live-Sendungen fürs ZDF moderierte. Eingeladen waren außerdem die Verlegerin Renate Gerhardt und Maurice Girodias, der Gründer der Olympia Press, dem wiederum war es peinlich, daß sich in der Nacht zuvor eine Schneidezahnkrone gelöst hatte. Sein notdürftig geklebtes Provisorium fiel ihm während der Sendung mehrfach heraus. Es wurde zum fünfunddreißigsten Mal diskutiert: Pornographie und Literatur – Zensur und Kunstvorbehalte. Meine Beiträge waren inkompatibel mit dem silberzüngigen Sprechen des Mannes mit dem kleinen Hut. Seine Gruppe-47-Suada, die ollen Literaturbegriffe paßten nicht… weiter lesen

16.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (6)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Und so geht’s weiter: Den Druckauftrag gab ich an eine Firma, deren Namen ich so erfolgreich vergaß wie Tante Elfis Lakritze. Wegen der Staatsanwälte durfte doch niemand wissen, wo die Liebespositionen hergestellt wurden, nackt auf nackt im Bild war in jenen Zeiten ebenso verpönt wie Sex mit Tieren heute. Erst als der Drucker mich nach dem Impressum fragte, fiel mir siedendheiß ein, daß dieser klandestine Titel ja keinesfalls bei Olympia Press erscheinen durfte, um das Geschäft mit der geschriebenen Pornographie nicht mit nackten Liebespositionen zu belasten, und erst recht war das nichts für März, weil der Avantgardeverlag sonst in die Nähe von Beate Uhse gerückt wäre. Also saß ich wieder einen Abend in meiner Formaldehydkabine und überlegte mir, wie ich denn um alles in der Welt den Verlag für mein ›Einmaleins für Zwei‹ nennen könnte. Weiß der Teufel, wie die Synapsen klickerten, es fiel mir die Porta Westfalica ein. Vielleicht, weil ich in den Wäldern um sie herum meine pubertierende Jugend verbracht und mir als Knabe oft, im Angesicht des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf den Sandsteinklippen des Wesergebirges hockend, einen runtergeholt hatte. … weiter lesen

08.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (5)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.

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Und so geht’s weiter mit dem Foto-Shooting für das Stellungsbuch ›Einmaleins für Zwei. 111 Liebesvariationen‹:

Maurice Girodias kam alle zwei Monate nach Frankfurt, verspürte aber kein Bedürfnis, mich im Darmstädter Keller zu besuchen, saß lieber im ›Intercontinental‹ in einer Suite und berichtete mir dann von weltweiten Olympia-Press-Gründungsplänen. Der Grund seiner häufigen Besuche war vor allem, bei jedem Treffen einen Scheck von dreißig- oder vierzigtausend Mark à conto der Tantiemen entgegenzunehmen. So hatten wir es mündlich vereinbart, denn einen schriftlichen Lizenzvertrag gab es noch nicht. Girodias erhielt, wenn ich einen Titel aus seinem amerikanischen Programm übernahm, einen Vorschuß von tausend Dollar à conto der Autorentantieme von siebeneinhalb Prozent vom Ladenpreis. Zusätzlich war als Abgeltung für die Benutzung des Olympia-Press-Logos eine Lizenzgebühr von sieben Komma fünf Prozent vom Nettoverkaufspreis vereinbart, die für Girodias’ Genfer Holding bestimmt war. Diese trug den seltsamen Namen Euratom SA, hatte also, bevor Maurice sie übernahm, ganz anderen Zwecken gedient.

Girodias wurde zum Kuckuck, der nach immer mehr Geld schrie. Wenn er den Scheck eingelutscht hatte, redete er über neue Buchprojekte. Einer seiner Lieblingspläne war ein Fotopornoroman, Arbeitstitel ›Swedish Family‹. … weiter lesen

02.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (4)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in nordöstlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit dem Jahr des Schweins: Im Sommer 1969 erschienen bereits drei Pornotitel im Monat. Die Leute konnten nicht genug davon kriegen. Auch die Kulturtypen fuhren darauf ab, die Zeitungen waren voll von der tollen Olympia Press. Das junge Team von ›Titel, Thesen, Temperamente‹ besuchte uns gleich nach der Gründung im Keller, Hansjürgen Rosenbauer machte einen Bericht über die neuen Verlage. Etwas peinlich, weil Hansal, Beitlich und Heinzlmeier kein Wort über das Kollektiv rausbrachten, dafür sagte Kade um so mehr über Sozialismus, und ich spulte meine Thesen zur neuen Sensibilität und zum Thema Literatur und Pornographie ab. Zahlreiche Interviews folgten, das ›ttt‹-Team vom Hessischen Rundfunk kam häufiger, sie waren eben alle scharf: Hansjürgen Rosenbauer, Hansgeorg Dickmann, später auch seine Frau Barbara, die bei ›ttt‹ als Redaktionssekretärin angefangen hatte, und Eva Demski, die sich besonders für ›Laß jucken, Kumpel‹ interessierte. Junge Huren, alte Nonnen – heute sind solche Leute Intendanten von Radio Brandenburg oder schreiben feinsinnige Essays über Venedig und imitieren Reich-Ranicki. Damals waren sie spitz wie Nachbars Lumpi und weniger an »Sprrrache!« interessiert als am Ficken. … weiter lesen