Archive for Juli, 2006

30.07.2006 von Ernst Volland
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Untergrund

von Ernst Volland

 

Untergrund                                                                                        

 

 

 

 

 

 .

Manchmal sehe ich einzelne Personen oder Pärchen ratlos vor den

Fahrkarten- Automaten stehen.

Mir ist aus eigener Erfahrung bekannt, dass die Bedienung  der Automaten

eine spezielle Erkenntnis erfordert, die weit über akademische Grade hinausgeht.

Jede Stadt hat ihre eigenen Automaten mit einem spezifischen System.

.

Jetzt steht ein gut gekleideter Mann in fortgeschrittenen Alter

mit einem Schein vor einem U-Bahn Automaten, vermutlich ein

Hamburger. Er schaut  mich fragend an. Er hat kein Problem mit

dem U- Bahn Netz, er weiß wohin er will und wie er dahin kommt,

Kopfschmerzen  bereitet ihm vielmehr, wie er zahlen kann, da er kein

Kleingeld hat, nur einen Fünf Euro Schein. Es ist kalt, der eisige Wind

bläst die Stufen hinunter,  streift  uns und schiebt sich weiter durch den ganzen

Schacht bis zum anderen Ausgang. Der Automat nimmt keine Scheine.

Auf dem Bahnsteig verkehrtweiter lesen

27.07.2006 von Ernst Volland
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Der Fettstuhl

von Ernst Volland

 

 

Der Fettstuhl                                                                                       

 

 

Eines Tages las ich über einen Streit zwischen der Witwe von

Joseph Beuys und dem Assistenten von Joseph Beuys, der

eigentlich kein Assistent war, sondern eher ein Manager .

Sie stritten sich über zwei Fettstühle. Frau Beuys war im

Besitz eines Fettstuhles und der  Assistent war im Besitz

eines Fettstuhles. Der Streit entzündete sich  vor der

ersten großen Retrospektive des Künstlers im Gropius- Bau zu

Berlin. Für die Ausstellung war nur ein Fettstuhl vorgesehen,

ein zweiter machte keinen Sinn. In der inzwischen schon

juristisch öffentlich geführten Auseinandersetzung bekämpften 

sich die beiden Parteien, wer den originären, den ersten,

den also einzig bedeutenden Fettstuhl besitze, der in der

Ausstellung gezeigt werden sollte.

Das brachte mich auf eine Idee.

In einer kleinen Galerie in Nijmwegen, Holland, hatte ich 

einmal eine Ausstellung. Der Galerist zeigte Endeweiter lesen

25.07.2006 von Ernst Volland
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Hamburg

von Ernst Volland

Hamburg

Wir fahren am Michel vorbei in Richtung Binnen Alster.

Das Stammlokal meines Freundes ist das Köpi und bevor er seinen

Wunsch äußert, lenke ich das Auto in Richtung Kneipe.

„Kannst du hier mal anhalten, nur einen Moment?“

fragt meine Freund, kurbelt das Fenster herunter und steckt

seinen Kopf aus dem Auto.

Der Bürgersteig ist dicht gedrängt mit vielen Menschen, die

eilig hin und herlaufen. Ein Pärchen steht direkt neben dem Auto.

Sie zünden sich eine Zigarette an.

„Hallo, please, Kurfürstendamm, where is the Kurfürstendamm?
Kurfürstendamm!“

Das Pärchen schaut sich an und beugt sich gleichzeitig zu meinem

Freund herunter.

„No, no, hier not Kurfürstendamm“. Der angesprochene Mann zeigt

mit dem Finger auf den Boden.

Hier not Kurfürstendamm, hier not Kurfürstendamm, no no“

Und seine Begleitung fügt hinzu

„Hier Hamburg! Hamburg.“

Mein Freund lässt sich nicht aus der Ruheweiter lesen

24.07.2006 von Ernst Volland
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Mustermann

von Ernst Volland

Mustermann

Eines Tages liegt ein Brief im Briefkasten mit der Aufforderung,

an einem Freitag um 9 Uhr zur Musterung der Bundeswehr zu erscheinen.

Pünktlich stehe ich mit etwa fünfzig jungen Männern vor der Kaserne.

Jeder nennt seinen Namen, bekommt eine Nummer, ich die Nummer 9,

und die erste Untersuchung beginnt. Blutdruck, Kniebeugen mit

ausgestreckten Armen, Blutabnahme fertig und ins nächste Zimmer.

„Setzten Sie sich auf diesen Stuhl.“

Ein Arzt steht mit dem Rücken zu mir am geschlossenen Fenster.

Sein linker ausgestreckter Arm deutet mit dem Zeigefinger

auf einen mitten im Raum stehenden Stuhl.

Langsam dreht der Arzt sich um und geht zu seinem Schreibtisch.

„Irgendwelche Kinderkrankheiten, Masern, Mumms und dergleichen?“

„Ja, Masern, ich glaube Masern hatte ich.“

„Längere Aufenthalte im Krankenhaus?“

„Nein.“

„Irgendwelche Geisteskrankheiten in der Familie?“

„Ja, sicher. Sie wissen doch, heute ist doch jeder so ein bisschen Plemplem.“

Der Arzt hebt seinen Kopf und schaut mich an.

„Können… weiter lesen

21.07.2006 von Ernst Volland
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Student

von Ernst Volland

Über eine studentische Agentur wurden

Tages und Stundenjobs vermittelt. Ich suchte einen

längeren Job, nicht nur für ein paar Stunden einen Keller leer

räumen oder alle Teppiche einer Wohnung klopfen. Man kann

damit manchmal Glück haben und einen guten Stundenlohn erzielen,

muss aber auch Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen, wie

das völlige Verschmutzen der Kleidung, oder sehr üble Gerüche

inhallieren.

Unangenehm war einmal das Aufräumen einer

Wohnung in Anwesenheit einer alten Dame,

die anschließend verreisen wollte und daher ihren Kühlschrank

gereinigt und leer wünschte. Sie versuchte mich zu überzeugen,

dass es auch zu meinem Job gehöre, von ihr angefangene Joghurtbecher erst

aufzuessen und dann in den Müll zu werfen. Sie nötigte mich jeden Obst und

Gemüserest zu vertilgen, auch wenn der Frucht schon jeder

Geschmack entwichen war. Als das Beharren auf den Jobpflichten

mich nicht überzeugte, kam sie mit der moralischen Tour

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