Archive for September, 2006

27.09.2006 von Ernst Volland
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Das Tanzohr

von Ernst Volland

 

 

 

 

Das Tanzohr.                                                                                 

 

Er sparte sein Taschengeld und bestellte

heimlich das Zaubermittel. In Illustrierten sah er immer

wieder die Anzeige für das Zaubermittel in einer Wimmelanzeige.

Der kleinformatige Hinweis war schlicht wie beeindruckend und

hatte das Motto: Vorher- Nachher. Neben diesen beiden

Worten sah man das Portrait eines Mannes.

Der Unterschied der beiden sonst gleichen Personen bestand in der Stellung

der Ohren. Bei einem Foto lagen sie eng am Kopf an bei dem anderen

Foto standen sie weit ab.

Das Kleingedruckte informierte, dass jeder, der das Mittel kauft und benutzt,

seine wie auch immer abstehenden Ohren für immer angelegt haben

wird.

Der Preis für das Wundermittel war exorbitant hoch, jedenfalls für

einen Schüler, der von seinen Eltern gezwungen wird, eine Tanzschule

zu besuchen und kein eigenes Geld verdient.

Die drohende Tanzstunde war der Anstoß, sich dieser

Methode zu bedienen. Erweiter lesen

21.09.2006 von Ernst Volland
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Mr. Go

von Ernst Volland

 

 

Mr. Go                                                                                 

 

Nachts um zwei Uhr kreist der Joint im dunklen Lokal.

Es ist das Mr. Go. An der Wand flimmert ein Farbfilm, Thomas Crown

ist nicht zu fassen. Die Bilder sind kaum zu erkennen, der Raum ist

mit dicken Rauchwolken gefüllt und ab und zu huscht

ein Schatten durch die helle Leinwand, die einzige

Lichtquelle im Raum. Auf Bänken und am Boden hocken

Menschen in Jeansjacken, rauchen, trinken und versuchen

mit ihrem Nachbar zu kommunizieren, was schwierig ist, denn aus

Lautsprechern dröhnt Musik. Innagadadavida.

Ich ziehe an einem mir im Dunkel gereichten Berliner dreifach

gepackten Joint und gebe weiter. Seit einer Stunde

sitze ich hier mit meiner Freundin in einem Ort ohne Zeit und Raum.

Unsichtbare Wellen der Übereinstimmung, ein echtes Gefühl

von Peace durchzieht die Szene, das Saugen am Joint verbindet und

ersetzt jede Kommunikation.

„Da liegt jemand in derweiter lesen

18.09.2006 von Ernst Volland
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Der Kuss

von Ernst Volland

 

 

Der Kuss

 

Der große Wagen hält abrupt am Straßenrand.  Ich stehe an der Auffahrt

Richtung Hannover, um nach Berlin zu kommen.

Am Steuer des Viertürers sitzt ein Mann in einem braunen

Ledermantel.

„Steigen Sie ein,“ sagt er, nachdem ich meine Richtung genannt habe,

„ein Stück kann ich sie mitnehmen.“

Ich werfe meinen Rucksack auf den hinteren Sitz und nehme

vorn Platz. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz beim Autostop,

sich so zu platzieren, dass man sich mit dem Fahrer unterhalten kann.

Der schneeweiße Wagen gleitet über die Fahrbahn. Der Motor ist kaum zu hören.

„Etwas Musik vielleicht? Wählen Sie doch bitte den Sender.“

Ich drücke auf die Senderknöpfe, bis ich eine mir vertraute Melodie

höre.„Hit the road Jack” von Ray Charles.
“Toller Sänger.”

Der Fahrer klopft mit den behandschuhten Fingern auf das Lenkrad.

„Richtig toller Sänger.“

Er erzählt mir, dass er in der Schuhbranche arbeitet,weiter lesen

12.09.2006 von Ernst Volland
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Revier

von Ernst Volland

Am frühen Morgen ziehen dunkle Wolken auf. Es ist der 1. Mai. In dieser

Jahreszeit kann es immer regnen. Ich befinde mich auf der Autobahn

Richtung Hannover, das Ziel ist Gelsenkirchen. Der Wagen ist vollgestopft

mit Ware: Plakate, Postkarten, Sticker und Bücher.

Hans Günter schläft auf dem Beifahrersitz, in der Hand eine nicht

angezündete Zigarette.

„Noch zwanzig Kilometer bis Hannover, Hans Günter.“

Die Zigarette rutscht ihm beim Umdrehen zur Fensterseite aus der Hand.

„Weck mich in Gelsenkirchen.“

Auf Hans Günter kann man sich verlassen. Kaum haben wir unseren Stellplatz

zwischen einem Döner- Stand und einer 3. Welt Gruppe in Augenschein

genommen, zieht er den Tapetentisch aus dem Auto, spannt Seile auf,

die weit aus unserem Feld hinausragen und befestigt die Plakate.

Der Gewerkschaftsbund hat wie in jedem Jahr zu einem großen Maifest

eingeladen und zweihunderttausend Gäste werden erwartet.

Die Sonne scheint und schon kommenweiter lesen

08.09.2006 von Ernst Volland
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Kriege, Berge, das Meer

von Ernst Volland

Nürnberg hat das bedeutendste Spielzeugmuseum Deutschlands.

Immer, wenn es mich nach Nürnberg treibt, gehe ich in dieses Museum.

Im fränkischen Umfeld der Stadt befand sich Ende des 19. Jahrhunderts

die größte Spielzeugindustrie, die vorwiegend in Heimarbeit produzierte.

Ein Scherpunkt des Museums bilden Blechspielzeuge und ich selbst

habe eine kleine Sammlung, die in einer Schrankvitrine in meiner

Wohnung steht.

Ich verbinde den Besuch des Spielzeugmuseums mit einem

Rundgang durch die renovierte Altstadt. Mitten im Kern

liegt auf einem großen freien Platz ein langer großer Eisblock.

Es ist das neue Museum für zeitgenössische Kunst. Der lange

Quader bildet in seinem milchigen Glas und seiner strengen Form

einen radikalen Kontrast zu den Renaissancebauten der

Altstadt Nürnbergs, eine gelungene Architektur.

Ich steuere auf die Eingangstür zu und begebe mich direkt

in den ersten Stock zur Ausstellung „Die zeitgenössische

deutsche Kunst und der Krieg.“

Neben meiner Spielzeugsammlungweiter lesen

06.09.2006 von Ernst Volland
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Schreibtischbilder

von Ernst Volland

 

 

 

 Schreibtischbilder                                                               

 

 

 

Ich bin mit einem Seestück aufgewachsen.

Das Bild hängt über dem Schreibtisch solange ich denken kann.

Vor dem Schreibtisch sitzt mein Vater und raucht Zigarren

der Marke Rössli, schaut sich die Kopie seiner Nahkampfspange und seines

Eisernen Kreuzes an, nimmt  abwechselnd  eine Auszeichnung  in

die Hand, dreht sie zwischen seinen fleischigen Fingern und seufzt.

„Eigentlich ist der Russe ein gutmütiger Mensch.“

Das Gemälde zeigt eine unruhige See. Links ragt ein großes dunkles

Segelboot bis fast an die obere Kante des Bildes. Das Schiff fährt gerade aus

einer Flussmündung, drohende Wolken ziehen am Horizont auf

und es wird schwierig sein, durch den Sturm zu steuern.

Das fast Quadratmeter große Bild wirkt sehr alt, es ist durchgehend in

einem dunklen Ton gehalten und es ist nicht klar, ob diese dunkle

Färbung durch die Jahre entstanden sind oder vom  Künstler als 

bewusstes kompositorischesweiter lesen

04.09.2006 von Ernst Volland
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Nächtliche Begegnung

von Ernst Volland

 

 

 

 

Nächtliche Begegnung                                               

 

 

 

 

Am frühen Nachmittag fuhr ich mit dem Fahrrad in

das Haus der Familie, beglückwünschte die Hausherrin

zu ihrem schönen Fest, überreichte ein kleines Geschenk und

setzte mich in die Runde. Kaffe und Streuselkuchen

wurden gereicht und unmittelbar anschließend kam die erste „Lüttje Lage“

auf den Tisch, Bier und Korn.

Gegen  ein Uhr nachts fuhr den gleichen

Weg zurück, innerlich gestärkt und warm, eine Pudelmütze

auf dem Kopf, die man mir spontan über die Ohren gezogen hatte.

An einer Brücke stand ein einzelnes Auto aus dem plötzlich

zwei Polizeibeamte heraussprangen und mich fest-

hielten. Ich hatte nicht bemerkt, dass es sich

um ein Polizeiauto handelte, es nieselte leicht.

Der eine Beamte hielt mich am Arm fest, der andere

packte beide Hände um den Gepäckträger, um mich zu stoppen.

„Absteigen, sofort absteigen.“

Ich hielt an.

„Geht mein Rücklicht nicht?“weiter lesen