25.05.2012 von Wolfgang Koch

Extrem schnell ermitteltete Tatsachen/ Foto: W. Koch
»Mit einem wahren Feuerwerk ist Samstagabend der 20. Life Ball in Wien eröffnet worden«. – Sterbenskranken helfen und gleichzeitig Busen blitzen lassen geht nicht. HIV-Positive trösten und gleichzeitig gut essen geht nicht. Man kann auch nirgendwo außer in Österreich für Aids-Kranke Geld sammeln und gleichzeitig für den Kauf von Edelsteinen werben.
»Warum die Linksradikalen die beste Wahl für Griechenland sind …«. – Nein, Linkssein allein genügt nicht. Wenn der Vorsitzende der Syriza-Partei, Alexis Tsipras, nicht Englisch spricht, soll er bleiben, wo der Pfeffer wächst. Es reicht schon, dass der Rest der Europäischen Union keine griechischen Bilanzen lesen kann.
»Zum ersten Mal hat die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) zu einem Tag der offenen Tür geladen«. Foren-Kommentar in einer sogenannten liberalen Tageszeitung: »wer dort hingeht unterstützt die politik von netanjahu der eine kriegsalianz geschmiedet hat«. – Replik: wer in moschee… weiter lesen
22.05.2012 von Wolfgang Koch
Ich bin dem Künstler zum ersten Mal bei einer Hochzeit auf einem Schloss in der Steiermark begegnet. Als das Tanzgelage bereits in vollem Gang war, zog er für das Brautpaar einen einzelnen roten Kinderschuh aus der Sakkotasche. Dabei war dem Mann an jeder seiner Fasern anzumerken, dass es sich von dem ärmlichen Objekt, das er eigenhändig präpariert und signiert hatte, weit schwerer trennte als die anderen Gäste von ihren sündteuren Hochzeitsgeschenken.

Sie verstehen jetzt vielleicht: Wir haben es bei Daniel Spoerri mit einem großen Sammler zu tun haben, einem Grandseigneur der Archive. Sein Zuzug nach Österreich und die Eröffnung seines Ausstellungshauses und Esslokals in Hadersdorf am Kamp 2009 gehört zu den glücklichsten Gewinnen, die die österreichische Kunstszene in den letzten Jahren zu verbuchen hatte.
Der Anthropologin Margit Berner ist es zu verdanken, dass man im prachtvollen Wiener Naturhistorischen Museums (NHM) auf die Idee verfiel, diesen Ausnahmekünstler… weiter lesen
17.05.2012 von Wolfgang Koch

Die Wiener Fotografin Barbara Krobath, 53, hat sich längst einen Namen mit herausragende Reportagen gemacht. Seit 2006 realisiert diese Frau, die seit ihrem 12. Lebensjahr mit großer Hingabe Menschen fotografiert, auch Kunstprojekte im öffentlichen Raum. Heute prangt in Laa/Thaya eine weithin sichtbare Riesenhornisse als Fliesenbild auf einem Silo, im Stift Zwettl steht die überdimensionale Holzskulptur der »Strickliesl«, und auch in Wiens U-Bahnschächten hat die Künstlerin Spuren gelegt, mit denen sie mehr als bloß kulturelle Trauerarbeit leistet.
Letztes Wochenende installierte Krobath nahe dem Schutzhaus Eibel-Teichhütte im niederösterreichischen Bezirk Lilienfeld ein »Meditationskunstwerk« für Kühe. Dafür ordnete sie 300 Straßenpflöcke in »einer Art Kreisverkehr« auf der grünen Wiese an. Die Stichworte, die Künstlerin zu ihrem Werk gibt, weisen in Richtung Buddhismus. Das Mandala im Grünen möge die Konzentrationsfähigkeit der BetrachterInnen vertiefen, sagt sie, und generell die Ich-Anhaftung vermindern helfen.
Wie Thangkas gehören auch Mandalas zu Ikonografie des Mahāyāna, also der… weiter lesen
17.05.2012 von Wolfgang Koch
Die Wiener Fotografin Barbara Krobath, 53, hat sich längst einen Namen mit herausragende Reportagen gemacht. Seit 2066 realisiert diese Frau, die seit ihrem 12. Lebensjahr mit großer Hingabe Menschen fotografiert, auch Kunstprojekte im öffentlichen Raum. Heute prangt in Laa/Thaya eine weithin sichtbare Riesenhornisse als Fliesenbild auf einem Silo, im Stift Zwettl steht die überdimensionale Holzskulptur der »Strickliesel«, und auch in Wiens U-Bahnschächten hat die Künstlerin Spuren gelegt, mit denen sie mehr als bloß kulturelle Trauerarbeit leistet.
Letztes Wochenende installierte Krobath nahe dem Schutzhaus Eibel-Teichhütte im niederösterreichischen Bezirk Lilienfeld ein »Meditationskunstwerk« für Kühe. Dafür ordnete sie 300 Straßenpflöcke in »einer Art Kreisverkehr« auf der grünen Wiese an. Die Stichworte, die Künstlerin zu ihrem Werk gibt, weisen in Richtung Buddhismus. Das Mandala im Grünen möge die Konzentrationsfähigkeit der BetrachterInnen vertiefen, sagte sie, und generell die Ich-Anhaftung vermindern helfen.
Wie Thanghas gehören auch Mandalas zu Ikonografie des Mahāyāna, also der zweiten
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11.05.2012 von Wolfgang Koch
Der Grieche Ktesias aus Knidos, der 401 v.u.Z. am Hof Artaxerxes II in Persien lebte, berichtet von einem indischem Wildesel, der dem Pferd gleicht und auf der Stirn ein spitzes Horn von einer Elle Länge trägt:
»Wer aus den Bechern trinkt, die man aus diesem Horn fertigt, wird, wie man sagt, weder von Magenkrämpfen befallen noch von Epilepsie, und auch Gift kann ihm danach nicht schaden«.
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»Klingt nach einem Wundermittel«, sagte ich zu meiner Lehrerin, »hilft gegen die schlimmsten Leiden der Welt. Ist eigentlich Erleuchtung auch ein Heilmittel?«.
LEHRERIN: Nein, Erleuchtung ist keines. Sie haben ganz richtig geraten: Ktesias war Arzt, er fasste das ganze Halbwissen seiner Zeit über Indien zusammen. Seiner Ansicht nach war das fabelhafte Tier außerordentlich schnell und wehrhaft. Er sagte, weder ein Pferd noch ein anderes Tier könne es in der Verfolgung einholen. Auch sei es unmöglich, das Wesen lebendig zu… weiter lesen
10.05.2012 von Wolfgang Koch
Noch eine sagenhafte Geschichte aus der Schatztruhe der kambodschanischen Buddhisten:
Ein zu Unrecht abgeurteilter Mann flehte den König an: »Herr, die Verzweiflung in meinem Herzen ist groß« – Der Despot erwiderte: »Nun, so bringe mir doch dieses Tier her. Falls du es aber nicht findest, lasse ich dich töten«.
Die Jagd des Mannes nach der Verzweiflung in seinem Inneren verlief ergebnislos. Erst ein Walderemit schenkte dem tief bekümmerten Selbstbeobachter, um ihn zu retten, eine überaus gefährliche Dose. Er dürfe sie, schärfte der Eremit ihm ein, erst in dem von innen verschlossenen Palast des Despoten öffnen. Sogleich sprangen daraus ein Tiger, ein Löwe, ein Elefant, eine Schlange und ein Rhinozeros hervor und massakrierten den König samt seinem Hofstaat.
Anschließend verließ das Tier Verzweiflung seinen dankbaren Besitzer, der nun der neue Herrscher war, um fortan im Wald auf den nächsten Einsatz zu warten.
ooooOOOOOoooooooOOOOOoooo… weiter lesen
09.05.2012 von Wolfgang Koch
In der Zeitschrift »Sonne Kambodschas« tauchte 1935 folgende Geschichte auf:
Ein Wurm erblickte einen Raben und sah sein letztes Stündchen gekommen. »Grausam wie der Rabe ist, wird er mich gleich fressen«, dachte er. Dann richtete er das Wort an ihn: »Okay, einverstanden, wenn du mein Rätsel lösen kannst, darfst du mich fressen«.
Der Rabe war einverstanden. »Was ist am Allersüßesten?«, fragte der Wurm. – »Na, Zucker und Honig«, antwortete der Finsterling.
»Falsch«, beschied ihm der Wurm, und da der Rabe darauf brannte, die richtige Antwort zu hören, ließ er sich auf einen weiteren Deal mit ihm ein.
»Die Lösung schenke ich dir nur, wenn du mich am Leben lässt!« – »Gut«, antwortete der Rabe, der wissbegierig war. »Das Allersüßeste sind die ehrlichen Worte, die aus unserem Mund kommen«.
Der Dialog zwischen den beiden Tieren wiederholte sich in den folgenden Tagen stets… weiter lesen
08.05.2012 von Wolfgang Koch
Vers 35 des Khaggavisāna-Sutta aus der Lehrdichtung Sutta-Nipāta (I.3):
»Abstehend von Gewalt bei allen Lebewesen,
Nicht eins von ihnen irgendwie verletzend,
Nicht Sohn sich wünschend, noch Gefährten,
Allein mag wandern man, dem Nashorn gleich«.
OOOOOOuuUUUUuuOOOOOO
Kennen Sie diese Weltformel?, fragte meine Lehrerin.
ICH (seitwärts sitzend, überrascht): Weltformel? Sie meinen, das sei so eine Art Theory of Everything, mit der sich alle Probleme lösen lassen?
In Milde, heiter, antwortete sie:
»Weltformel ist nur ein anderes Wort für Baustelle, eine Baustelle des Denkens. Der Vers zeigt uns die existenzielle Situation des Unterwegs-Seins auf dem Pfad des Dhamma. Wir sollen uns aufmachen wie ein Nashorn, das von der Steppe in den Wald wandert«.
ICH: … einsam wandern, ohne Mitmeditierende?
LEHRERIN: Ohne Gefährten und am Ende auch ohne Lehrer. Jede Reise hat ja die Struktur einer Rückkehr aus… weiter lesen
06.05.2012 von Wolfgang Koch
»Wenn sich das Rad der Buddha-Lehre immer weiter dreht, welche Drehung muss dann als häretisch und welche als gültig angesehen werden?«
Diese Frage wurde schon zu Lebzeiten des Buddha gestellt. Er gab Mahapajapati Gottami (Skrt. Gautama), seiner Tante und Ziehmutter, zugleich der ersten Frau, der er widerstrebend die Ordination als Nonne erlaubt hatte, folgenden Rat:
»Von welcher Lehre auch immer du feststellst, dass sie zur Leidenschaft und nicht zur Leidenschaftslosigkeit, zur Fessel und nicht zur Loslösung, zur Habsucht und nicht zur Genügsamkeit, führt, von solch einer Lehre kannst du mit Sicherheit bestätigen: Das ist nicht der Dhamma (Skrt. Dharma), das ist nicht der Vinaya (Ordensregeln), das ist nicht die Lehre des Meisters.«
oooOOOoOOOooo
Was sagt Ihnen das, fragte mich meine Lehrerin.
ICH: Der Buddha spricht in der dritten Person von sich. Das ist, wenn jemand seine eigenen Gedanken verteidigt, immer verdächtig, nicht wahr?
Sie… weiter lesen