22.12.2011 von Wolfgang Koch
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FAMILIENAUFSTELLUNG IN DER WIENER FORSCHUNGSLANDSCHAFT

von Wolfgang Koch

Seit einem Jahr ist Österreichs Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen als Wiens Stadtbeauftragter für Universitäten und Forschung tätig. Das langjährige Zugpferd der Partei hat im Oktober 2010 sein Gemeinderatsmandat trotz tausender Vorzugsstimmen und dem Erreichen eines Direktmandates nicht angetreten. Stattdessen werkt der Nationalratsabgeordnete nun ehrenamtlich, und mit einer Büroinfrastruktur ausgestattet, die jährlich mit 220.000 Euro zu Buche schlägt, zum Wohl der akademischen Eliten.

Während andere Figuren der Grünen Funktionseliten Lobbyarbeit für Ministerien und Energieriesen betreiben (wessen Interessen werden dabei eigentlich vertreten?), wühlt sich der Professor für Volkswirtschaftslehre mit routinierter Zurückhaltung in die facettenreiche Materie der Hochschulpolitik. Endlich einmal, möchte man rufen, ein zukünftiger Staatssekretär, der sich würdig auf seine Aufgabe vorbereitet.

Die Persistenz seiner Aggregate verhilft Van der Bellen seit 16 Jahren zum Image eines Antipolitikers, der er natürlich keineswegs ist. Die Signale der Nachdenklichkeit, die er klug auszusenden versteht, sind in der österreichischen Politik immer noch so selten gestreut,… weiter lesen

21.12.2011 von Wolfgang Koch
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WAS SAGT UNS DER VERGLEICH DER NACHRUFQUOTEN AUF ALD?

von Wolfgang Koch

9 Medien und 3 Autoren:

Vaclav Havel is dead. The Czech president, dissident, and playwright believed in the power of the powerless. He was 75… NY TimesWash PostTelegraphLA TimesGuardianBloombergIndependentNY SunEconomistMax FisherDavid RemnickTimothy Garton Ash

5 Medien und 52 Autoren:

Christopher Hitchens, polemicist, literary critic, anti-theist, raconteur, is dead. He was 62… NY TimesAPGuardianTelegraphWash PostGraydon CarterBenjamin SchwarzChristopher BuckleyNicholas ShakespeareMatt LabashJohn LloydJames FentonJacob WeisbergAnne ApplebaumTimothy NoahJustin EH SmithPeter HitchensJulian BarnesTimothy Garton AshDavid FrumDavid CornIan McEwanPeter WehnerDavid UlinJason CowleyNickweiter lesen

20.12.2011 von Wolfgang Koch
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EIN LOB FÜR DIE NEUE SPORTART DES BLOG BOXING

von Wolfgang Koch

Wienblog: Warum, Herr Koch, beschimpfen Sie die Wiener Gratiszeitungen als »Drecksblätter«?

Koch: Also, bitte das tue ich gar nicht! Ich nenne Österreich und Heute  »Verdrecksblätter«, weil diese Medien in Partnerschaft mit den Wiener Linien die öffentlichen Verkehrsmittel wochentags in Müllhalden verwandeln. Der halbalphabetisierte Wiener bezeigt damit die tägliche Portion Verachtung gegenüber seinesgleichen: Die Menschen lassen das bedruckte Papier einfach in der Bahn liegen, trampeln drauf herum, bis dann aus Zuwanderern zusammengestellte Putzkolonnen ihr Ausgeschiedenes wieder wegmachen.

Wienblog: Spricht da nicht Überheblichkeit gegenüber den bildungsferneren Schichten aus Ihnen? Schließlich kann nicht jeder auf dem Weg zur Arbeit die F.A.Z. studieren.

Koch: Also nach meiner Beobachtung verteilen sich die Lese-Surrogat-Junkies ziemlich gleichmäßig über alle sozialen Schichten im Wiener Raum. Früher, als ich noch Printjournalist war, gab es ja mit der Tageszeitung täglichAlles ein ganz ähnlich niveauloses Medienexperiment. Damals habe ich argumentiert, da würden doch wenigstens die der Buchstabenwelt entfremdeten Menschen an die… weiter lesen

14.12.2011 von Wolfgang Koch
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WIE DER WIENER SOZIALDEMOKRAT ROTE ZWIEBEL ZERTEILT

von Wolfgang Koch

Nicht erst seit Alfred Gusenbauers missglückter Kanzlerschaft, doch seit dieser mit Aplomp, ist jeder Arbeiteraristokrat in Österreich ein höchstdekorierter Feinschmecker.

Man erinnert sich gerade noch dunkel an die Gründung jenes ominösen Clubs 45 durch sozialdemokratische Amtsträger 1973. Bereits damals trieb die Genussfreude der Genossen an der Seite des Décadent Udo Proksch mörderisch-sinnliche Blüten.

Was ist das gegen heute?  

Um den Anspruch auf klassenkämpferisches Brutzeln, Braten und Blanchieren vor Jahresende noch einmal kräftig aufzupflanzen, erhalten dieser Tage die Mitglieder der Wiener SPÖ einen Kalender mit politisch korrektem Küchenwissen zugesandt. Titel: »Die besten Rezepte für Wien 2012«.

Die Parteipublikation ist randvoll mit Inseraten parteinaher Unternehmen und Organisationen. Da gibt es eine Sozialbau AG, die »mehr als ein Dach über dem Kopf« anbietet; eine adrette Samariterin, der angeblich Gutes zu tun »gut tut«; eine Bank, die versichert, dass das »Leben voller Höhen und Tiefen« sei, und quasi im Gegenzug eine Versicherung, die… weiter lesen

02.12.2011 von Wolfgang Koch
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MUSEUM LEOPOLD: HERMANN NITSCH IM STRUDEL DES KOYAANISQATSI

von Wolfgang Koch

Der arme Hermann Nitsch! Seit drei Jahrzehnten muss er der Historisierung seiner eigenen Arbeit beiwohnen, während er doch zugleich immer noch qual- und lustvoll malt, komponiert und schreibt wie bereits vor einem halben Jahrhundert.

Im Zug der ständig verbreiterten Vermittlung seines in alle Sinnesrichtungen ausufernden Werkes kommt es heute immer öfter zu einer dramatischen intellektuellen Verzwergung des Orgien Mysterien Theaters. Einem Publikum, das zu faul ist, Katalogtexte und die Schriften des Künstlers zu lesen, wird das nötige Wissen in Einführungsvorträgen, in Künstlergesprächen und Popvideos zu einem leicht bekömmlichen Brei verkocht, damit es nur mehr zu schlucken und nicht mehr zu kauen hat.

Am 1. Dezember 2011 versammelte das Museum Leopold gleich fünf exemplarische Vertreter der leeren Wortblase auf einem Podium mit der thronenden österreichischen Kunstlegende. Aufgeweckte Jungintellektuelle, schnittige Kapazunder des Wiener Geisteslebens, gestandenen Kunsttheoretiker und Philosophen verirren sich praktisch nie mehr in solche Veranstaltungen, denen die Bezeichnung »Diskussion« unbedingt streitig… weiter lesen

04.11.2011 von Wolfgang Koch
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DIE ARCHITEKTUR-UTOPIEN DES TIEFENGLÄUBIGEN HERMANN NITSCH

von Wolfgang Koch

Eigentlich hätte man sich diese Schätze aus dem Gesamtkunstwerk des Aktionisten und Theaterreformers Hermann Nitsch ja in der international angesehenen Grafiksammlung der Wiener Albertina erwartet, doch Albertina-Direktor Klaus Albert Schröder hat vermutlich wieder einmal genug damit zu tun, Regenschirme über seine Exponate zu spannen, und so schließt eben das Museum Leopold den neuesten Kunstvogel in der Donaumetropole ab: Hinter seiner Muschelkalkfassade im MuseumsQuartier zeigt es über ein ganzes Stockwerk Architekturzeichnungen, Grafikmappen, Partituren und Aktionsrelikte des 1938 geborenen österreichischen Künstlers.

Kurator Carl Aigner hält das zeichnerische Werk überhaupt für die »bildnerische Grundlage des Orgien Mysterien Theaters«, weil Hermann Nitsch darin seine ersten Aktionspläne Ende der 1950er-Jahre festgehalten hat. Dem muss hinzugefügt werden, dass Hermann Nitsch als 19jähriger die Ausbildung der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien absolviert hat, und dass er auch auch als Grafiker bereits im Berufsleben stand, bevor er sich für das freie Künstlertum entschied.

Die Ausstellung im Wiener MuseumsQuatier… weiter lesen

22.10.2011 von Wolfgang Koch
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ÖSTERREICH BRAUCHT KEINE ARMEE

von Wolfgang Koch

21.10.2011 | Von Wolfgang Koch (Die Presse)

Die öffentliche Debatte rund um Österreichs Bundesheer greift zu kurz. Die Frage lautet nicht: Allgemeine Wehrpflicht oder Hightech-Berufsheer?, sondern: Wozu überhaupt ein Heer?

Drei Tage vor seiner dritten und finalen Herzattacke, am Dreikönigsabend 1920, stellte der große österreichische Völkerrechtsgelehrte Heinrich Lammasch eine Schrift fertig, die sich als weitblickender erweisen sollte als alles, was die Gründerväter der Ersten Republik zur Zukunft zu sagen wussten. Die einzige Alternative zu einem neuerlichen Völkermord, schrieb Lammasch, sei die Verpflichtung der Staaten „zu einer wechselseitigen Versicherungsanstalt“, zu einer Dachgesellschaft der Nationen, die jedem einzelnen Staat das Recht gibt, von den anderen zu verlangen, dass sie, ebenso wie er selbst, auf das bisher ausgeübte Souveränitätsrecht verzichten.

Die allen Pariser Friedensverträgen vorangestellte Satzung des tatsächlich realisierten Völkerbundes verpflichtete ihre Mitglieder erstens zu gegenseitiger Hilfe bei Angriffen, zweitens zu einer Reduzierung der Rüstung und drittens zu offener Diplomatie. Lammasch ging einen kühnen… weiter lesen

18.10.2011 von Wolfgang Koch
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ZEHN JAHRE »ALLIANZ FÜR DEN BLAUEN MONTAG« IN ÖSTERREICH

von Wolfgang Koch

Seit nunmehr zehn Jahren bringt die »Allianz für den blauen Montag«, der über 50 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Kirchen, Gewerkschaften und Wirtschaft angehören, den gesellschaftlichen Wert individueller freier Zeit, wie sie der blaue Montag ermöglicht, ins öffentliche Bewusstsein. In einem Festakt, zu dem anlässlich dieses Jubiläums der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer ins Parlament eingeladen hatte, wurde heute Bilanz gezogen: Worin besteht der Gewinn des blauen Montags für Ober- und Unterklassen? Was wurde bereits erreicht? Was sind die aktuellen Herausforderungen?

Fritz Neugebauer, der die zahlreichen Gäste aus Mali, Burkina-Faso, Osttirol, Großpolen und USA begrüßte, meinte, die Allianz sei zwar noch jung, sie baue aber auf einer sehr, sehr alten Idee auf, sei der blaue Montag doch das älteste Sozialgesetz der christlich-jüdischen Zivilisation überhaupt.

Der blaue Montag schaffe Ruhe für das Erleben von Nichtstun. Die aus dem Arbeitsprozess abgezweigte Zeit und die Pflege sozialer Netzwerke könne nicht hoch genug geschätzt werde, betonte Neugebauer… weiter lesen

13.10.2011 von Wolfgang Koch
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GENIALER ERFOLG DER WIENER GRÜNEN: 100-EURO-TARIF BEI ÖFFIS DURCHGESETZT

von Wolfgang Koch

Die Wiener Presse feiert dieser Tage einen politischen Verrat der Sonderklasse. Von der »Neuen Kronenzeitung« bis zum Qualitätsblatt »Der Standard«, von der Wochenzeitung »Falter« bis zum sozialdemokratischen U-Bahnverdrecksblatt »Heute« – alle sind sich darüber einig: Mit der rot-grünen Tarifreform der öffentlichen Verkehrsmittel ab Mai 2012 haben die Grünen ihre sozial- und verkehrspolitischen Ideale verraten.

Es stimmt, dass die neuen Koalitionspartner der Ratshaus-SPÖ im Oktober 2010 das mutige Wahlversprechen abgegeben haben, den Preis einer Jahreskarte der Wiener Linien auf 100,- Euro abzusenken. Und genau das ist nun auch herausragend kreativ umgesetzt worden. Deshalb schäumen die Autofahrerparteien und die ihnen hörigen Medien.

Die Jahreskarte für die Wiener Linien wird es ab 1. Mai 2012 um 365,- Euro geben (bisher kostete das Jahresticket 449,-), und die Gebühr für Schwarzfahren wird auf die außergewöhnlich sympathischen 100,- Euro angehoben. Um also in den zeitlosen Genuss der neuen Öffi-Tarife zu kommen, brauchen die rund 240.000 Jahreskartenbesitzerinnen in Hinkunft… weiter lesen

26.09.2011 von Wolfgang Koch
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PETITION ZUR MEDIEN- UND MEINUNGSUNFREIHEIT IN UNGARN

von Wolfgang Koch

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Werner Faymann! Sehr geehrter Herr Außenminister Dr. Michael Spindelegger!

Seit April 2010 regiert in unserem Nachbarland die neu angetretene Fidesz-Regierung unter Viktor Orban mit einer verfassungsgebenden 2/3-Mehrheit im ungarischen Parlament. Ungarn steht im Zeichen der Wende. Der starken Ansage von Ministerpräsidenten Orban, mindestens 20 Jahre an der Macht bleiben zu wollen, folgten Taten. Die Fidesz-Regierung hat keine Zeit verloren:

In atemberaubender Geschwindigkeit wurde begonnen, die satte parlamentarische 2/3-Mehrheit dafür zu nutzen, die politischen Spielregeln im Land zu ändern.

Im ersten Jahr der Regierung Orban beschloss das Parlament über hundert neue Gesetze, teilweise mit empfindlichen sozialen Einschnitten, etwa bei Pensionen und öffentlich Bediensteten.

Mit dem international viel kritisierten neuen Mediengesetz wird die Freiheit der Medien und der Meinungsäußerung empfindlich eingeschränkt. Im Eilverfahren wurden Verfassungsänderungen, zuletzt eine große Verfassungsnovelle beschlossen – Kompetenzbeschneidung beim Verfassungsgerichtshof inkludiert.

Ohne Einbindung der repräsentativen Gewerkschaften ist ein neues Arbeitsgesetzbuch in Vorbereitung, das –… weiter lesen