vonMargarete Stokowski 10.10.2012

Buchmesseblog

taz-Autor*innen bloggten live von den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. Ein Schmöckerladen für Buchliebhaber*innen.

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Für die Pause: Vagina-Cupcake, tazpresso und Kondom

Arni kam zu spät zur Signierstunde und ich hatte keine Lust zu warten. Viel cooler als den Terminator finde ich sowieso Lady Bitch Ray, die gerade ein neues Buch geschrieben hat: „Bitchism – Emanzipation, Integration, Masturbation“. Die Pressevorstellung ist im Raum „Aspekt“ in 3C West, zwanzig oder dreißig Leute sind gekommen, viele machen Fotos oder filmen.

Dr. phil. Reyhan Şahin, so heißt sie in echt, redet über Mösenmeditation und Penispilates. Sie erklärt Fellatiotechniken für „charmante Schlecker“ und warum „patriarchale Schwanzstrukturen“ krank machen. Das Wort „Bitch“ soll endlich auch in Deutschland positiv besetzt werden, sagt sie. In Amerika sei das schon so. Sie habe das Buch geschrieben, als sie schwere Depressionen hatte, jetzt will sie allen, denen es ähnlich geht, Mut machen. Sie spricht über ihre Anfänge als Rapperin, über ihre Therapie, den Tod von Robert Enke, Amy Winehouse.

„Worauf würde eine Bitch nie verzichten?“, fragt eine Journalistin. „Auf ’nen harten Schwanz, auf Bücher und auf Unabhängigkeit.“ Wieso sie so eine derbe Sprache verwende, wo sie doch promoviert sei, fragt eine andere. „Ich rede privat so, ich hab mir das nicht systematisch ausgesucht oder so“, sagt Lady Bitch Ray. „Ich habe ein hohes Aggressionspotential, das kompensiere ich damit.“

„Wen möchten Sie auf der Buchmesse noch treffen?“, fragt ein Mann. „Wenn ich Arnold Schwarzenegger treffe, trete ich ihm vor’s Schienbein. Weil er sich nicht schämt zu schreiben, wie er seine Frau betrogen hat und wegen seiner Scheißpolitik.“ Wen noch? „Sonya Kraus würde ich Bitchism in die Hand drücken. Weil sie bei diesen patriarchalen Spielchen mitspielt.“ Und wenn sie Thilo Sarrazin trifft? „Dem werde ich mit meiner türkischen Kanakenvagina ins linke Auge ejakulieren.“

Ein Typ vom Verlag sagt, es wird gleich noch eine kleine Zelebrationsrunde durch Halle 3.0 geben. „Das ist ’ne Demo!“, sagt Lady Bitch Ray. „Gegen patriarchale Strukturen in der Verlagsbranche!“ Mit einer Gruppe rosa-schwarz-knapp gekleideter Frauen zieht sie los, ruft „Gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung!“ in ein pinkes Megafon, die Frauen antworten: „Bitchism!“. Aus einem Ghettoblaster dröhnt ein Song von Lady Bitch Ray. Die Frauen verteilen Vagina-Cupcakes (siehe Foto oben) und Penis-Schokolade.

Die Kameraleute können kaum Schritt halten. Zwei Männer bleiben irritiert am Rand stehen. „Ist das jetzt für oder gegen Sexismus?“

Mit viel Rosa: Die Oberbitch und ihre Mitbitches
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