vonMargarete Stokowski 16.03.2013

taz Buchmesseblog

Margarete Stokowski und taz-Autor*innen bloggen live von den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. | Alle Infos unter: taz.de/buchmesse

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Die ganze Buchmesse ist ein einziges Von-A-nach-B. Während man bei A ist, sagt man, dass man gleich noch zu B muss, und wird gefragt ob man denn abends auch zu C gehe, und später bei C redet man darüber, dass man bei B leider nicht so lange bleiben konnte. Wenn man dann bei D ist, sagt man, C war aber letztes Jahr irgendwie cooler.

Nach dem Comic-Festival bin ich noch ein bisschen auf dem Messegelände. Am taz-Stand sind alle ein bisschen gestresster als ich und das Internet geht wieder nicht. Überhaupt ist auf der ganzen Messe das W-Lan beschissen, was blöd ist, wenn man bloggen muss.

Dann gehe ich zum Blauen Sofa, weil da gerade David Wagner ist, und ich werde wohl dieses Buch lesen müssen, unbedingt. Und ich weiß jetzt schon, dass das eines dieser Bücher sein wird, die ich allen Leuten dann andrehen will, damit sie sie auch lesen.

Man soll ja auf Buchmessen immer Bücher klauen, das ist irgendwie der Rock’n’Roll des Intellektuellenlebens, aber mir ist gar nicht so nach Bücherklau, ich bin schon ganz überbüchert. Überbucht, wollte ich zuerst schreiben, aber überbucht bin ich gar nicht.

„Ich hab das nicht eingeplant, dass ich noch signieren muss“, sagt David Wagner. Er wollte den Zug um Sieben kriegen, jetzt ist es Viertel vor. Ein bisschen süß naiv. Buchpreisträger müssen so viel signieren, dass wenn man all ihre Signaturen zusammenpacken würde, das schon ein neues Buch wäre, und wahrscheinlich würde sich das sogar total super verkaufen, weil alle Leute das Nachfolgebuch vom Buchpreisträger wollen, in dem auch ihre Signatur ist, und sie würden sich das natürlich auch signieren lassen wollen.

Und dann ist das Taxi gerade so schnell genug, und er hüpft in den Zug und die Türen gehen zu und er ist raus aus der Buchmessewelt und muss vermutlich zuhause erst mal ganz dringend chillen.

Ich fahre mit der Tram in Richtung Südvorstadt, es ist voll, sehr voll, natürlich. Von C nach D nach E.

Alle Leute stehen sehr dicht gedrängt. Ein Handy klingelt irgendwo zwischen den Menschen. Neben mir steht eine Frau mit kurzen grauen Haaren, die offenbar gerade vom Einkaufen kommt. Sie verdreht die Augen. „Ich bin inner Straßenbaaaahn,“ sagt sie genervt und mit ganz affiger Stimme. „Bin gleich zuhausöö…. noch drei Stationen… ich hör dich nicht so gut… kannst mich abholen.“ Die Leute um sie herum lachen. „Na ist doch so!“, sagt sie, „was anderes hört man doch da nicht.“ Alle nicken. In meiner Tasche brummt es. Mein Handy. „Hallo“, sagt M., „bist du gleich da?“ „Bin gleich da“, sage ich, „noch fünf Stationen oder so… ja, ich komme da hin. Bis gleich.“ Ich sage das alles nur ganz leise.

Und dann klingelt das Handy von der Frau mit den grauen Haaren. Sie geht ran und sagt sehr, sehr knapp und pragmatisch: „Nächste ist Kurt Eisner. Bis gleich.“

Man kann nicht über die Buchmesse bloggen, ohne irgendwo noch ein Bild vom blauen Sofa reinzupacken.
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