
Der Rowohlt-Empfang findet traditionell in dem Restaurant der Kunsthalle Schirn statt. Obwohl irrsinnig viele Leute zugegen sind, ist die Schlange an der Damentoilette überschaubar. Was um so mehr verwundert, als die Toiletten eine absolute Offenbarung sind. Warm schmiegt sich die Klobrille an die nackte Haut, was zunächst etwas verstörend ist, da ja Wärme und Intimbereich Bakterienassoziationen hervorruft. Aber damit nicht genug. Das Klopapier ist leider bereits aufgebraucht, aber das macht nichts, denn: Hier kommt das Neorest Washlet.
Von hinten und von vorne wird mit einstellbarer Intensität Wasser und Luft in den Intimbereich gepumpt, die Position der Düse ist ebenfalls modifizierbar. Die Funktion Rear (soft) aktiviert die Reinigung des hinteren Intimbereichs mit einem besonders sanften Wasserstrahl, die Funktion Osciliating bewegt die Düse für eine intensivere Reinigung vor und zurück. Flush, ok, das ist jetzt etwas vorhersehbar, aktiviert die Tornadospülung, davon gibt es aber auch eine wassersparende Variante. Nach der Massage kann man auch den Power Deodorizer benutzen, der für eine verstärkte Geruchsabsaugung zuständig ist. Nicht zu vergessen den trocknenden warmen Luftstrahl.
Offenbar sind aber nicht alle Frauen von dieser Multifunktionstoilette so beeindruckt wie ich, denn sonst bräuchte jede, die sich wie ich durch sämtliche Funktionen tippt, eine halbe Ewigkeit. Aber das Geschehen jenseits der Waschräume war auch recht unterhaltsam, besonders die Suhrkamp-Aufkleberaktion, die dafür sorgte, dass auf den obligatorischen Understatement-Jackets der Messe-Besucher obiger Brüller prangte. Da können noch so viele Seidenschals um den Hals hängen. Oder ein geringelter Baumwollschal um den Hals des taz-Kulturredakteurs, den der Verbrecher-Verleger (völlig zurecht) als Sex-Schal bezeichnete. Bleibt die Frage, warum der Herr bei Schals an Sex denkt – oder umgekehrt.
Nicht zu vergessen die Einstecktücher. Mir wurde ein Mann aus Wien vorgestellt, dessen fesches Einstecktuch ich lobte. Daraufhin sagte er, es sei ein doofes Einstecktuch, und stopfte es tief in die Jackentasche. … Weil…? … Er denkt, dass wenn jemand wie ich es gut findet, es nicht gut sein kann? … Er schon 72 mal für das Einstecktuch gelobt wurde und er es nicht mehr hören kann? Er schon 72 mal für das Einstecktuch gelobt wurde, aber ansonsten niemand mit ihm geredet hat? … Er in in diesem Augenblick sich erst des Einstecktuchs bewusst wird und nicht weiß, wie es in seine Jackentasche gekommen ist? … Er immer, wenn er das Einstecktuch sieht, an Sex denkt und den Gedanken nicht ertragen kann? Ich bin ratlos.
[…] 2013 hab ich zusammen mit Julia Niemann gebloggt, die hat übers Klo geschrieben. […]