von 10.10.2013

Buchmesseblog

taz-Autor*innen bloggten live von den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. Ein Schmöckerladen für Buchliebhaber*innen.

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suhrkamp

 

Der Rowohlt-Empfang findet traditionell in dem Restaurant der Kunsthalle Schirn statt. Obwohl irrsinnig viele Leute zugegen sind, ist die Schlange an der Damentoilette überschaubar. Was um so mehr verwundert, als die Toiletten eine absolute Offenbarung sind. Warm schmiegt sich die Klobrille an die nackte Haut, was zunächst etwas verstörend ist, da ja Wärme und Intimbereich Bakterienassoziationen hervorruft. Aber damit nicht genug. Das Klopapier ist leider bereits aufgebraucht, aber das macht nichts, denn: Hier kommt das Neorest Washlet.

 

Von hinten und von vorne wird mit einstellbarer Intensität Wasser und Luft in den Intimbereich gepumpt, die Position der Düse ist ebenfalls modifizierbar. Die Funktion Rear (soft) aktiviert die Reinigung des hinteren Intimbereichs mit einem besonders sanften Wasserstrahl, die Funktion Osciliating bewegt die Düse für eine intensivere Reinigung vor und zurück. Flush, ok, das ist jetzt etwas vorhersehbar, aktiviert die Tornadospülung, davon gibt es aber auch eine wassersparende Variante. Nach der Massage kann man auch den Power Deodorizer benutzen, der für eine verstärkte Geruchsabsaugung  zuständig ist. Nicht zu vergessen den trocknenden warmen Luftstrahl.

 

Offenbar sind aber nicht alle Frauen von dieser Multifunktionstoilette so beeindruckt wie ich, denn sonst bräuchte jede, die sich wie ich durch sämtliche Funktionen tippt, eine halbe Ewigkeit. Aber das Geschehen jenseits der Waschräume war auch recht unterhaltsam, besonders die Suhrkamp-Aufkleberaktion, die dafür sorgte, dass auf den obligatorischen Understatement-Jackets der Messe-Besucher obiger Brüller prangte. Da können noch so viele Seidenschals um den Hals hängen. Oder ein geringelter Baumwollschal um den Hals des taz-Kulturredakteurs, den der Verbrecher-Verleger  (völlig zurecht) als Sex-Schal bezeichnete. Bleibt die Frage, warum der Herr bei Schals an Sex denkt – oder umgekehrt.

 

Nicht zu vergessen die Einstecktücher. Mir wurde ein Mann aus Wien vorgestellt, dessen fesches Einstecktuch ich lobte. Daraufhin sagte er, es sei ein doofes Einstecktuch, und stopfte es tief in die Jackentasche. … Weil…? … Er denkt, dass wenn jemand wie ich es gut findet, es nicht gut sein kann? … Er schon 72 mal für das Einstecktuch gelobt wurde und er es nicht mehr hören kann? Er schon 72 mal für das Einstecktuch gelobt wurde, aber ansonsten niemand mit ihm geredet hat?  … Er in in diesem Augenblick sich erst des Einstecktuchs bewusst wird und nicht weiß, wie es in seine Jackentasche gekommen ist? … Er immer, wenn er das Einstecktuch sieht, an Sex denkt und den Gedanken nicht ertragen kann? Ich bin ratlos.

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https://blogs.taz.de/buchmesse/2013/10/10/aktiviert-die-normale-tornadospulung/

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kommentare

    • So, jetzt löse ich die Ankündigung von weiter unten ein.
      Letzte Woche hatte ich die Buchmesse-Artikel durch Zufall entdeckt und alle gelesen. Nach dem Beitrag zu diesem besonderen Klo-Apparat muss ich erst mal sehr lachen. Dass Sie da neben diesen ganzen Besäufnissen und schwer überblickbaren Bücher-Massen-Angebot Ihre Aufmerksamkeit Ungewöhnliches auf dem Klo richteten. Sie haben sich bei mir jetzt als Autorin eingeprägt. Klar, Ihren Latte-Macchiato-Artikel kenne ich. Ich schickte Ihnen damals für die Bekannte ein Päckchen mit einem Teddy und Rat, wenn ich mich richtig erinnere. Heute denke ich an das Thema aber eher nur, wenn ich zufällig am Zionskirchplatz in Prenzlauer Berg vorbeifahre. Durch das Klo-Thema haben Sie sich bei mir jetzt eingeprägt. Das ging mir bei Margarete Stokowski schon so. In Ihrem ersten von mir wahrgenommenen Artikel beschrieb sie sich selbst beim Sex mit ihrem Freund. Krass, ich las weiter. Wie er zum Orgasmus kam. Sie spielte dabei irgendwie Stadt, Land, Fluss mit sich selbst. Krass und naiv gleichzeitig. Ich dachte beim Lesen so etwas wie: Das kann doch nicht wahr sein, was da ein Mensch in der taz veröffentlicht. Sex ist ein Thema, mit dem ich, eine Frau, mich tagsüber bestimmt einhundert Mal befasse. Ob Männer das präsenter denken, wer weiß das schon. Nach dieser Kolumne war sie (Margarete Stokowski, Sie lesen das hier vielleicht auch: was’n das fürn seltsames Ende in der Szene heute (23.), null verstanden, auch nicht, was das für „Termine“ waren, wahrscheinlich Arzttermine, gute Besserung, is auch egal, muss ich nicht wissen), war sie als Mensch für mich vorstellbar. Ein echter Mensch, der in der taz über echte Probleme schreibt. Spannend, möchte ich mich mit bilden, daran argumentativ reiben bei Themen über Ismen, Bauhaus, was auch immer. Viele AutorInnen der taz kann ich mir nicht als Mensch vorstellen. Da denke ich dann, ok, das könnte ein Pseudonym sein. Gibt es glaube ich auch, manche Texte haben komisch unterschiedliche Schreibstile. Wer ist das? Ist dann meine Frage. Text ignorieren, ist dann die übliche Antwort. Zu weit weg, Fiktionsgefahr – so leicht möchte ich mich nicht für dumm verkaufen lassen – und Realitätsferne zu hoch. Die Texte überfliege dann höchstens. Nicht so in Zukunft Ihre Texte. Ich finde Ihre Schreibe authentisch (außerdem frage ich mich jedes Mal beim Sehen des Korrespondenten Vornamevergessen Niemann in der Tagesschau, ob das der Ex-Mann ist, mit dem Sie im einstigen World-Trade-Center heirateten und das in einem Artikel beschrieben, muss ich auch nicht wissen).
      Zum Schluss, ja die Klospülung. Ich finde praktischere Intimhygiene so zwischen Job und Zuhause bei wenig Zeit sehr interessant. Deshalb schrieb ich, dass das wohl ein sehr gutes Produktplacement gewesen sein muss, da ich fortan in Klo-Zeiten viel daran dachte, dass ich das auch ausprobieren will. Tja, wäre bestimmt viel zu teuer, Gerät für Reiche. Umständliche Instandhaltung. Kein öffentliches Gebäude wird sich das anschaffen. Ich würde das sicher nicht kaufen. Die Idee aber, sehr lesenwert.

      Laber-Rhabarber, müde, bis zum nächsten Text.

      • Irgendwie kann ich nicht in allen meiner Browser bei euch kommentieren. Vorgestern hatte ich vergessen: Das Duzen überlas ich zuerst. Auf taz.de fühle ich mich meistens gesietzt. Duzen gefällt mir besser. Macht die Kommune – was die ausmacht hat sich mir nicht wirklich erschlossen – gemütlicher!

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