vonMargarete Stokowski 10.10.2018

taz Buchmesseblog

Margarete Stokowski und taz-Autor*innen bloggen live von den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. | Alle Infos unter: taz.de/buchmesse

Mehr über diesen Blog

Endlich wieder bloggen. Letzte Buchmesse hab ich verpasst, also die Leipziger, weil ich krank war. Normalerweise wird man immer erst nach der Buchmesse krank, vor allem nach Frankfurt, was wohl daran liegt, dass die Frankfurter Buchmesse erstens länger dauert und es zweitens mehr Alkohol aufs Haus gibt. Das führt aber auch dazu, dass es in Frankfurt oft lustiger ist. Aber auch insgesamt bizarrer. (Mehr dazu später, morgen.)

Sitze im ICE und freue mich auf die Messe, aber auch nicht übermäßig euphorisch. Wahrscheinlich haben die meisten, die das hier lesen, mitbekommen, dass vor ein paar Wochen die Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz ziemlich unwürdig und sehr plötzlich rausgeschmissen wurde. (Hier was aus der taz über den Rauswurf und hier die FAZ, hier und hier sind unsere zwei offenen Briefe.) Schätze mal, die Jungs von Holtzbrinck haben sich gedacht, bis zur Buchmesse ist das alles wieder vergessen, aber das stimmt natürlich nicht.

Ich habe ein sehr schlechtes Gesichtergedächtnis, deswegen google ich heute alle paar Stunden Dr. Joerg Pfuhl, den CEO von Holtzbrinck, mit Bildersuche, damit ich ihn noch mal in live auf die Sache ansprechen kann, falls ich ihn sehe. Leider weiß ich nicht, welche seiner Brillen auf den vielen Fotos aktuell ist und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht mal, ob er zur Messe kommt.

Allen meinen Vorrecherchen zufolge („Na, Bock auf Frankfurt?“), ist die Stimmung bezüglich der Messe bei vielen diesmal halbgeil bis trotzig. Die einen haben Stress mit Nazis, die anderen keine Ahnung, bei welchem Verlag sie in Zukunft sein werden. Weit verbreitet aber auch: die Sturheit, sich die Messe nicht versauen zu lassen. Wobei die Infrastruktur diesmal nicht ganz steht. Die Rowohlt- und die Fischer-Party fallen aus. Rowohlt fällt aus, weil der Verlag umzieht und es dann eine Einweihnungsfeier geben soll, und Fischer – keine Ahnung.

abo

Social Media seit 1978: Die taz bietet täglich radikal unabhängigen Journalismus. 10 Wochen für 10 Euro.

Die Titanic hat angekündigt, auszuhelfen: „Da sich failing Rowohlt und fake Fischer dazu entschieden haben, aus purem Geiz ihre Buchmessenfeiern abzusagen“, schrieb Chefredakteur Tim Wolff, „bieten wir allen Literaten, die sich mit ihrem Werk ausweisen können, auf unserer Party Asyl – gegen einen fairen Preis von nur 29,95 Euro.“

Neben mir im Zug sitzt ein Mann, der die irre Eigenschaft besitzt, sehr laut Techno hören zu können und dabei zu schlafen. Vor ihm in diesem Netz, in dem man immer Dinge vergisst, steckt Max Czolleks „Desintegriert euch!“, was lustig ist, weil: vor mir auch. Bin aber noch nicht weit gekommen mit Lesen. Bin überhaupt in den letzten Tagen zu nichts gekommen, weil ich vorletzte und letzte Woche drei Lesungen hatte – eine dreiteilige Buchpremiere sozusagen – und davon krank geworden bin.

Jetzt wieder gesund, außer dass ich alle paar Stunden einen Hustenanfall von der Sorte kriege, dass alle drumrum denken, ich sterbe. Glaube, das sind Grüße von meinem Asthma, das sich ansonsten die meiste Zeit zurückhält. Jedenfalls habe ich nicht wenig Panik, diese Sorte Hustenanfall auf dem Blauen Sofa zu kriegen oder bei einem anderen Fernseh-/Radio/Podiums-Termin. Das wär so unlustig für mich: „Die letzten Tage des Patriarchats“ vorstellen und dann selber halb krepieren.

Eine Kollegin fragt, warum ich mir kein Codein besorgt habe. Hätte ich tun sollen, zu spät. Kann Eckhart von Hirschhausen eigentlich Rezepte ausstellen während seiner Signierstunden?

Jetzt hat Deniz Yücel angerufen, der auch zur Messe kommt. Schön! Er sagt, er hat ein schlechtes Gewissen von Berlin nach Frankfurt zu fliegen. Ich hab gesagt, ich glaube, es ist okay, er hat über ein Jahr lang eine extrem günstige CO2-Bilanz gehabt, glaube ich, da kann er sich das jetzt auch mal gönnen. Freue mich jetzt doch wieder sehr auf die Messe.

(PS.: Die Anginetten auf dem Foto sind komplett eklig, nicht kaufen. Das Minze-Tee-Zeug, das in der Flasche war, bevor ich Wasser reingemacht hab, auch. Hashtag #Reiselust-ich passt aber natürlich, haha. Schrecklich.)

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/buchmesse/2018/10/10/endlich-wieder-frankfurt/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.