vonMargarete Stokowski 11.10.2018

taz Buchmesseblog

Margarete Stokowski und taz-Autor*innen bloggen live von den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. | Alle Infos unter: taz.de/buchmesse

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Facebook schickt mir eine Erinnerung, dass ich heute vor 6 Jahren auch auf der Buchmesse war und nachts um halb drei schrieb: „Mein Hotelzimmer ist nur 6 Quadratmeter groß, aber es kann sich drehen!“ Ich kann mich nicht dran erinnern, aber so ist das ja manchmal. Am selben Tag später schrieb ich: „Also ich bin für Bob Dylan.“ Interessant. Da haben sie ja dann auf mich gehört sozusagen.

Inzwischen ist mein Hotelzimmer größer, aber dafür stabil ausgerichtet. Komme gerade vom Rowohltparty-Ersatz, das heißt, Trinken im Frankfurter Hof. Der Frankfurter Hof ist ein Hotel mit einer Bar, wo sich auf der Buchmesse immer alle treffen, die nicht wissen, wohin sonst. Auf der Webseite vom Hotel steht: „Die Autorenbar ist wie ein guter Roman: eine ganz eigene Welt und unendlich zeitlos. Hier treffen sich Geschäftsleute, die Frankfurter Lokalprominenz und zur Buchmesse Literaten und Verleger aus aller Welt. Kosten Sie mittags einen echten Royal High Tea und abends einen rauchigen Whisky oder exklusive Cocktailklassiker.“ Das Wort „Kosten“ ist dabei zentral, denn alle Getränke kosten sowas um die 20 Euro und alle tun so, als wär das in Ordnung und stehen rum und hoffen, dass etwas passiert, was sie nächstes Jahr erzählen können.

Naja, meistens passiert auch irgendwas. Ich habe gestern geschrieben, die Frankfurter Buchmesse ist oft so bizarr, und tatsächlich kann ich keine Veranstaltung nennen, auf der man mit so irrer Regelmäßigkeit auf eigenartige Art angemacht wird oder Anmachversuche Dritter mitbekommt. Leute, die im Frankfurter Hof übernachten, haben die schlichteste Form von Anmache, weil sie in diesem Hotel pennen, dass tausend Euro pro Nacht kostet und dann reicht es ihnen einfach zu fragen, ob man mit hochkommen will, weil – keine Ahnung, weil sie vielleicht davon ausgehen, dass jede Frau, die gerade eigentlich nur an ihnen vorbei zum Klo gehen will, sich nichts anderes wünschen kann als eines dieser teuren Betten zu bevögeln. Heute fragt mich ein englisch sprechender Vogel, ob ich irgendwo hin mitkommen will. Ich verstehe nicht, wohin, und sage nein; wieder was verpasst.

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Weil die Rowohlt-Party also heute nicht stattfindet, stehen alle rum, zwischen New Yorker Frauen mit silbernen Schuhen und Jet-Lag-Typen, die versuchen würdevoll zu torkeln, und reden darüber, dass es früher mehr Buchmessepartys gab. Man hört aus mehreren glaubhaften Quellen, dass es eine Party gab, die „Feinschmecker-Party“ hieß, ist aber leider nicht mehr.

Helge Malchow, KiWi-Verleger, erzäht wie Bret Easton El­lis hier mal auf einem Tisch gestanden hat und „Where is Eck­hart?“ rief, weil Eckhart ihm Drogen besorgen sollte, aber stundenlang nicht auftauchte, und da fragt man sich angesichts dieser Stadt schon, warum das so schwierig war. Ausgerechnet in Frankfurt, dieser Stadt, die so räudig ist, dass man jedes Mal, wenn man hier ankommt, denkt, man wird gleich von Ratten aufgefressen.

Außer man ist im Frankfurter Hof, wo es aber letztlich dann doch immer ganz schön ist, auch wenn die Leute drumrum nicht von der Sorte sind, dass man sie gern kennenlernen will. Spiegel-Investigativ-Reporter Stefan Kuzmany fasst mit geschultem Blick zusammen: „Hier sind nur irgendwelche besoffenen Agenten.“ Ja, und wir.

 

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https://blogs.taz.de/buchmesse/2018/10/11/feiern-in-frankfurt/

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kommentare

  • Das Hotelzimmer in dem Du wohnst, hat übrigens das Patriarchat gebaut, genauso wie die kleinen elektronischen Helferlein die du so gerne benutzt. Und wenn wir schon dabei sind, höre auf Elektrizität zu verschwenden, das kommt nämlich auch vom bösen, weißen Mann! Du könntest nichts von alldem tun, was du tust, wenn es ihn nicht gegeben hätte. Klar wird das nicht veröffentlicht, aber das wird euch auch nichts nutzen. Eine Filterblase ist halt auch nur eine Blase und die Realität, ist eben die Realität.

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