vonMargarete Stokowski 12.10.2018

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Heute war also der Tag, wo keine Fischer-Party war und auch keine Hanser-Party. Eigenartige Messe. Wer feiern wollte, ist zur Party eines neu gegründeten Verlags gegangen, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe.

Jetzt brummt mein Handy und S. schreibt: „Sag mal, wo bist du eigentlich die ganze Zeit?“ S. treffe ich auf Buchmessen normalerweise ungefähr alle paar Stunden und ab zweistelligen Uhrzeiten immer mit Sektglas in der Hand. Wobei ich zu einstelligen Uhrzeiten ja nie wach bin, deswegen weiß ich gar nicht, wie sie das da macht. Bin jedenfalls im Hotel und habe ausgerechnet, dass ich schon 30 Prozent meiner Termine (Interviews oder Veranstaltungen) erledigt hab, wobei „ausgerechnet“ ein leichter Euphemismus dafür ist, 3 von 10 abzuzählen.

Das Hotelzimmer übrigens, sponsored by patriarchy, hahaha. Zu meinem letzten Blog-Text hier hat ein aufmerksamer Zeitgenosse einen Kommentar geschrieben: „Das Hotelzimmer in dem Du wohnst, hat übrigens das Patriarchat gebaut, genauso wie die kleinen elektronischen Helferlein die du so gerne benutzt. Und wenn wir schon dabei sind, höre auf Elektrizität zu verschwenden, das kommt nämlich auch vom bösen, weißen Mann! Du könntest nichts von alldem tun, was du tust, wenn es ihn nicht gegeben hätte. Klar wird das nicht veröffentlicht, aber das wird euch auch nichts nutzen. Eine Filterblase ist halt auch nur eine Blase und die Realität, ist eben die Realität.“

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Ich hab den natürlich freigeschaltet. Viel zu lustig um ihn für mich zu behalten. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, das Hotel hier ist so abgefahren hässlich, das kann nur das Patriarchat gebaut haben. Aber hey, wer baute das siebentorige Theben, und wer schmierte wem dabei die Brote?

In letzter Zeit habe ich mehrere Kommentare oder Nachrichten dieser Sorte bekommen. Die beste war die, wo stand: „In meinen Augen sollten die Frauen und vor allem Sie wieder viel mehr Demut und Respekt gegenüber Männern aufbringen, die Ihr leichtes Lotterleben überhaupt ermöglichen.“ Die Leute wissen nicht, was für Spaß sie mir bereiten, wenn sie mir so einen Kack schicken. Mein „leichtes Lotterleben“, das ist Lyrik in meinen Ohren.

Schnell ins Bett, weil morgen um 9 Uhr wieder Messe, und das ist früh fürs Lottergirl, sehr früh.

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https://blogs.taz.de/buchmesse/2018/10/12/lotterleben-im-hotel/

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kommentare

  • Klar, dass man als Lesbe nicht viel für „alte weise“ Männer, oder „junge schwarze“ übrig hat, und dass das Leben in Polen auch nix ist!

    Aber Überheblichkeit bleibt Überheblichkeit!
    Wir haben ein deutsches Sprichwort (falls Sie das als Ausländerin kennen): Hochmut kommt vor dem Fall!

  • Das Patriarchat ist auch nicht mehr was es mal war…
    Danke für die Einsichten in eine spannende Arbeit und auch wenn ich nur die Sektflaschen als Klickbait wahrgenommen und den Artikel überflogen hab, denke ich: „Was für ein Problem haben diese Männer mit dem Patriarchat? Ist es die Angst davor, entdeckt worden zu sein? Oder fürchten die einen Machtverlust? Und hat deren Mutti nicht genug Rückgrat gehabt, sie zu achtsamen und liebevollen Menschen zu erziehen?“ Das Rad des Wandels dreht sich permanent und die Frage ist nur, ob man sich vor den Karren spannen lässt, der Stein im Weg ist oder mitfahren will.
    Ich wünsche dir Kraft und Gelassenheit für das ‚Lotterleben‘ und die aktive Gestaltung unserer Wissensgesellschaft!

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