vonMargarete Stokowski 16.10.2019

taz Buchmesseblog

Margarete Stokowski und taz-Autor*innen bloggen live von den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. | Alle Infos unter: taz.de/buchmesse

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Ich packe meinen Koffer – und da geht es schon los, ich besitze gar keinen Koffer, aber ist ja Literatur hier, hehe. Endlich wieder Buchmesse, endlich wieder Buchmesseblog! Es kommt mir vor, als wäre die letzte Buchmesse (Leipzig) irrsinnig lange her, aber vielleicht ist auch einfach viel passiert in letzter Zeit.

Hier wird in den nächsten Tagen also wieder schön was weggebloggt (schreibe diesen Text noch von zuhause aus, fahre in ein paar Stunden nach Frankfurt). Eine Angst muss man bei dieser Messe wirklich nicht haben: dass die Gesprächsthemen ausgehen. Viel los im Literaturbetrieb. „Literaturbetrieb“ ist so ein lustiges Wort, es klingt für mich immer so als würden wir alle zusammen in einer riesigen Fabrik arbeiten, irgendein gigantischer zehnstöckiger Backsteinbau, in dem morgens (oder so) immer alle eintrudeln, die Verleger_innen, Kritiker_innen, Autorin_innen, Lektor_innen, Presseleute und alle möglichen anderen Leute, die Hälfte geht um fünf Uhr nachmittags nachhause, die sogenannten Eulen bleiben da, Rotwein ausm 10-Liter-Kanister, alle koksen, hach, Familie.

Ist aber gar nicht so, natürlich, und „der Betrieb“ kommt immer nur bei Veranstaltungen zusammen, Messen, Preisverleihungen, Premieren, sowas, und ein ziemlich relevanter Faktor dabei sind normalerweise die Verlagspartys, von denen es diesmal aber nicht so viele geben wird, weil alle sparen. Leider fällt auch die Rowohlt-Party schon wieder aus, wie auch letztes Jahr, traurig, weil die Rowohlt-Party am Mittwoch für mich immer der eigentliche Anfang der Messe war (manche sind seit Montag da, wegen Buchpreis, ich nie). Sie war gar nicht mal immer geil, aber wichtig trotzdem. Meist stand man im Innenhof der Schirn, viel zu eng, die Ellbogen irgendwelcher Feuilletonisten im Gesicht (wenn man nicht gerade 1,90 ist) und freute sich, wenn jemand sagte: „Ich geh nochmal rein, soll ich was mitbringen?“, und dann ging man doch irgendwie immer auch mit rein, weil kein Mensch ohne Tablett sieben Weißweinschorlen balanciert kriegt. Diesmal also keine Rowohlt-Party, es gibt irgendeinen Empfang stattdessen, hab vergessen wo, werde ich noch rausfinden.

Alle reden über Handke und den Nobelpreis, alle reden über Saša Stanišić und den Buchpreis, und hier schon mal die wichtigste Info als Service-Information zur diesjährigen Messe: In diesem Hörbuch (ganz am Anfang) hört man, wie der Autor seinen Namen ausspricht. Ein unglaublich tolles Buch, wie alle Bücher von Stanišić, aber natürlich sollen Sie das sich nicht kostenlos auf YouTube reinziehen, falls Sie das Geld haben, es zu kaufen. (Olivera Stajić hat auf Twitter ebenfalls eine Hörprobe eingesprochen, sehr langsam gesprochen.)

Wer sich noch nicht ausreichend vorbereitet fühlt für die nächsten Tage: Hier die Dankesrede von Saša Stanišić zum Nachhören, und hier noch ein Interview aus dem Spiegel, Verlegerin Barbara Laugwitz redet über ihren Rausschmiss bei Rowohlt und ihren Wechsel zu Ullstein (hier eine abfotografierte Seite bei Twitter, falls jemand nicht hinter die Paywall kommt, ist aber nicht der ganze Text). Alles daran ist lesenswert, hier nur ein Zitat: Der Spiegel fragt Laugwitz, ob sie ihren Job verloren hat, weil sie eine Frau ist – Das wäre ein bisschen einfach“, sagt sie. „Aber es waren ausschließlich Männer an meiner Kündigung beteiligt, das schon. Komisch, ich habe mich vorher eigentlich nie als Frau in der Verlagswelt gesehen, jetzt tue ich es.“

Und damit auf nach Frankfurt.

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https://blogs.taz.de/buchmesse/2019/10/16/ich-packe-meinen-koffer/

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kommentare

  • Zur Buchmesse ein kleines Gedicht über das Buch:

    DAS BUCH

    Vom Papyrus über
    Gutenberg zum E-Book

    Größte Erfindung der Menschheit,
    Auf Papier gespeichertes Wissen.
    Dieses Mittel gegen Dummheit
    Sollten wir tunlichst nicht missen.

    Bücher sind ein herrlicher Schatz,
    Für manche auch ein rotes Tuch.
    Spannend erzählt Satz um Satz,
    Sind doch einige auch ein Fluch.

    Der Mensch braucht die Literatur,
    Er hat immer schon geschrieben.
    Ohne Bücher wäre arm die Kultur,
    Nichts von klugen Ideen geblieben.

    Die großen Dichter und Denker,
    Ihre epochalen Werke;
    Dem Leben fehlte ein Lenker,
    Im Geiste wären wir Zwerge.

    Goethe und Schiller nicht bekannt,
    Wohl ein schmerzlicher Gedanke;
    Shakespeare und Tolstoi unbenannt,
    Marx und Bibel nicht im Schranke.

    Halten wir Bücher in Ehren,
    Bewahren uns die Leselust.
    Hier in des Pegasus Sphären
    Vergessen wir den Alltagsfrust.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Mit freundlichen Grüßen

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