vonMargarete Stokowski 16.10.2019

taz Buchmesseblog

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Erster Tag geschafft, lustig bisher. In der Bahn nach Frankfurt eine Frau gesehen, die zwei Sitze weiter saß und mein erstes Buch gelesen hat. Mir hatten schon öfter mal Leute erzählt, dass sie irgendwen gesehen haben, der – ok meistens die – eines meiner Bücher irgendwo in einem Bus oder Park gelesen hat, und naja gut, es ist nicht so bizarr, die Bücher verkaufen sich, also liest die wohl auch wer, aber ich hab das selbst noch nie gesehen, und es war merkwürdig, weil ich da ständig hingucken musste. Wie guckt sie? Lacht sie? Sie hat gegähnt! (Glaube ziemlich sicher, sie hat mich nicht erkannt, glaube die Taschenbuch-Ausgabe hat hinten kein Foto drin, aber weiß es nicht ausm Kopf.)

Dann doch auch mal auf was anderes konzentriert. News von Handke. LOL. Falls es jemand nicht mitbekommen hat: Nobelpreisträger Peter Handke hatte ein kleines Presse-Event und hat sich dabei komplett zum Affen gemacht. Er wurde drauf angesprochen, dass unter anderem Saša Stanišić die Nobelpreis-Entscheidung kritisiert hat und sagte darauf hin: „Ich steh vor meinem Gartentor, und da sind 50 Journalisten – und alle fragen nur wie Sie, und von keinem Menschen, der zu mir kommt, höre ich, dass er sagt, dass er irgendetwas von mir gelesen hat, dass er weiß, was ich geschrieben hab. Es sind nur die Fragen: Wie reagiert die Welt? Reaktion auf Reaktion auf Reaktion. Ich bin ein Schriftsteller, ich komme von Tolstoi, ich komme von Homer, ich komme von Cervantes, und lasst mich in Frieden und stellt mir nicht solche Fragen!“

Es ist jetzt glaube ich ungefähr acht Stunden her, dass ich das gelesen hab, und ich lache mich immer noch tot. Wie geht das? Er kriegt den fucking Nobelpreis und beschwert sich, dass nicht genug Leute seine Bücher loben? Er kommt von Homer??

Er will jetzt angeblich nie wieder Journalistenfragen beantworten, was natürlich irgendwie erleichternd ist, dann muss man nicht noch mehr darüber lesen, wie er seine Frau misshandelt hat und dass er sich Hitler manchmal recht nahe fühlt.

Schlimm allerdings, dass jetzt natürlich sehr viele Gespräche auf der Messe mit einer einzigen Pointe auskommen. „Kommst du grad vom Rauchen?“ – „Nee ich komme von Homer.“ / „Kommst du nachher mit zu Suhrkamp?“ – „Ich komme von Tolstoi“ / „Willst du auch noch Sekt?“ – „Stell mir nicht solche Fragen!“

Jedenfalls, dann endlich auf der Messe angekommen, gleich mal im Gastland eingezeckt, Norwegen. Eine Veranstaltung mit Karl Ove Knausgård und Juergen Boos (Direktor der Buchmesse), Boos sagt am Anfang, dass er sehr aufgeregt ist, er habe Jahre auf diesen Moment gewartet, mit Knausgård reden zu dürfen, aber dafür ist es dann auffällig langweilig. Eigentlich sollte es ums Schreiben gehen, tut es aber irgendwie nicht. Boos redet mit Knausgård über Knausgård, Knausgård redet über Männer, die er gut findet (Handke, Munch), beide Männer auf der Bühne sehen irgendwie lustig gleich aus, irgendwie gleicher Körperbau, gleiches Alter, gleiche graue Haare, gleicher Anzug, ich entferne mich unauffällig.

Laufe bisschen durch die Norwegen-Halle und frage mich, was ich eigentlich schon so gelesen habe an norwegischen Büchern, denke erstmal: nichts, vielleicht?, sehe dann aber „Sofies Welt“ rumliegen und „Der Mann und das Holz“, okay ja mindestens die. Die Halle ist insgesamt langweilig, es gibt rumliegende Bücher und einen Tisch mit Dosen, an denen man riechen soll, hab ich nicht gemacht.

Laufe zurück zum taz-Stand, durch den Kalender-Gang, also ein langer Gang mit sehr vielen Kalendern, vergesse immer, dass Kalender auch zur Buchmesse gehören. Warum eigentlich? Oder hängen die da bei jeder Messe? Katzen, Giraffen, Jagdkalender, Leuchttürme, Baden-Württemberg. Wer kauft das alles?

Komme in Halle 4.1 an und sehe ein riesiges Plakat am Dumont-Stand: Werbung für ein Buch von Stig Sæterbakken, darüber ein Zitat von Knausgård: „Einer der wichtigsten Autoren meiner Generation“ – wenn es nicht eh so riesig wäre, dass das Zitat viel zu hoch ist zum Drankommen, müsste ich mich arg zusammenreißen, da nicht mal abends dazuzuschreiben: „…außer mir natürlich, hehe.“ (No offence, vielleicht netter Typ, keine Ahnung, aber bescheuertes Zitat.)

Sitze am Ende bei Rowohlt rum, es gibt Sekt, von irgendwo kommt Jazz, das ist auch so eine eigenartige Tradition: Abends, wenn die Hallen zumachen, aber die Aussteller_innen noch einen trinken usw., kommt IMMER von irgendwo Jazz. Ich persönlich hasse Jazz, finde die Tradition aber fast schon wieder schön.

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https://blogs.taz.de/buchmesse/2019/10/16/maenner-die-von-maennern-kommen/

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