vonMargarete Stokowski 17.10.2019

taz Buchmesseblog

Margarete Stokowski und taz-Autor*innen bloggen live von den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. | Alle Infos unter: taz.de/buchmesse

Mehr über diesen Blog

Zweiter Buchmessetag erledigt, würd ich sagen. Nichts geschafft, cool. Außer eine kurze Lesung, das wär aber auch peinlich gewesen, wenn ich das nicht geschafft hätte. Heute sind alle verkatert gewesen (außer ich, funny), weil gestern KiWi-Party war, interessant, eine neue Institution.

Also, KiWi-Party: Tausend Leute in einem Schuhkarton. Oben, am Einfang, komplett überfüllt, Einlasssperre, Viertelstunde warten, dann endlich rein, im Eingangsbereich je fünf Leute pro Quadratmeter, drei davon kennt man und zwei will man nicht kennen, irgendein Typ sagt zu seiner Begleitung: „und das hier ist übrigens Margarete Stokowski, soll ich euch mal vorstellen“, ich weiß nicht, ob ich ihn kenne, unterhalte mich aber gerade, gehe irgendwann weiter, unterhalte mich weiter, wieder der Typ von schräg hinten, „äh ja das hier ist Marg… ah jetzt guckt sie grad nicht“, keine Ahnung, was er will. Von unten – also von der eigentlichen Party – kommen klatschnass verschwitzte Menschen, ich entscheide nie im Leben da runter zu gehen, eine tapfere Kriegerin bringt Weißwein für alle. Die Leute, die von unten kommen, haben immer wirrere Blicke, sie scheinen um Jahre gealtert. Gehe irgendwann.

Heute dann eine kurze Lesung gehabt und zu allen Veranstaltungen, die ich sehen wollte, zu spät gewesen, alles irgendwie verpasst, immer irgendwie zu lang gebraucht mit allem. Eine Freundin zum Kaffeetrinken getroffen nach der Lesung, auf dem Innenhof der Messe gesessen, sie hat von ihrem Job als Buchhändlerin erzählt. Darüber, wie sie neulich einem Stammkunden ein Buch von einem Autor empfohlen hat, den sie sehr gut findet, und der Stammkunde es dann aber nicht gut fand oder sich ewig drüber aufgeregt hat, wie schlecht es angeblich war. 1-Stern-Amazon-Rezension, aber in live, sozusagen. Und dass neulich eine Frau in den Laden kam, die sagte, sie hätte gern „das Buch von marga owski“ (also so wie ich auf Twitter & Instagram heiße). Lustig.

Lustig auch die Frau, die dann, als wir wieder in die Halle wollten, mich von hinten antippte: „Sag mal kurz, wie du heißt bitte?“ – „Margarete.“ – „Stokowski?“ – „Ja.“ – „Ah.“ – „Ja?“ – „Ja, ich war mir nicht sicher.“ – „Ok?“ – „Ja… also ja… tschüß!“ – Weiß auch nicht, was sie wollte, hatte auf dieser Messe in eineinhalb Tagen jetzt mehrere solcher Begegnungen, manche eigenartig, aber ok.

Später dann am Suhrkamp-Stand gewesen, wollte eigentlich was zum Thema „Buchcover und soziale Medien“ schreiben, und bei Suhrkamp ist gerade ein Buch erschienen, das ich dafür benutzen wollte, hab es dann am Stand gesehen und gefragt, ob ich eins kriegen kann, fürs Blog, hatte auch schon eine PDF-Version davon, aber wollte fürs Foto natürlich ein gedrucktes, aber: nö. Normalerweise kriegt man an den Fachbesuchertagen zumindest bei den großen Verlagen alle Bücher, zu denen man etwas schreiben will, aber bei Suhrkamp irgendwie nicht, auch wenn da 50 Stück davon liegen, „ich kann Ihnen das hier nicht einfach geben“ – „Hmm, naja, ich sollte es ja eh per Post noch kriegen, hat aber vor der Messe nicht geklappt, dann könnten Sie es mir ja jetzt geben…?“ – „Nee, das kann ich nicht, wer SIND Sie denn überhaupt, sind Sie Presse?“ – „Ja, wie gesagt, Stokowski, taz-Buchmesseblog,…“ – „Nee also das können wir nicht machen.“ Ja gut. Hätte wahrscheinlich sagen sollen, ich bin Schriftstellerin, ich komme von Tolstoi, ich komme von Homer etc., fiel mir aber leider nicht ein.*

Dann, beste Sache heute: Rausgefunden, dass man auf einer der Messehallen aufs Dach kann, danke Hendrik für den Tipp, natürlich sofort gemacht, sehr gute Aussicht über die Stadt, gerne wieder! Alter, fahre seit sieben Jahren hier her und wusste das nicht, bin generell sehr gerne auf Dächern, liegt eventuell an meiner Körpergröße, unklar. Sehr schön, jedenfalls, mal rauszukommen, und auf all das zu blicken, was uns nie gehören wird, mein Sohn.

*Nachtrag: Das Buch kam dann doch noch zu mir, danke Suhrkamp!

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/buchmesse/2019/10/17/lieber-nicht-nach-unten/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.