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vonAchmed Khammas 01.04.2019

Der Datenscheich

Erneuerbare Energie, Science Fiction, Technikarchäologie und Naher Osten – verifiziert, subversiv, authentisch.

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In dieser Woche verweise ich auf eine Reihe äußerst unterschiedlicher SF-Romane, die – vorneweg gesagt – alle sehr lesbar sind.

Die Reise von Marina Lostetter (2017/2019) ist das interessante Debüt einer jungen amerikanischen Autorin, die bisher nur einige Kurzgeschichten veröffentlicht hatte. In dem Buch spielt sie die Idee der jahrhundertelangen Reise eines Raumschiffs durch, dessen Crew alle paar Jahrzehnte geklont wird, um stets frisch zu sein. Falls nicht eine der Genreihen ausgesondert wird, aufgrund abweichenden Verhaltens beispielsweise. Und da am Ziel der Reise ein Alien-Artefakt die Erforscher erwartet, eine riesige Konstruktion voller Rätsel, entwickelt sich die Geschichte schließlich zu einer genußreichen Space Opera.

Habitat von Peter Cawdron (2016/2019) spielt auf dem Mars, wo ein großes internationales Team den ersten Versuch zur Besiedlung macht – bis die Meldungen von der Erde mit Berichten über einen Atomkrieg enden, und damit auch jeglicher Nachschub. Der unerwartete Plot, der etwas mehr Raum verdient hätte, setzt der Sozialstudie über die Spannungen zwischen einer Identität als ‚Marsianer‘ und den jeweiligen terrestrisch-nationalen Loyalitäten das Sahnehäubchen auf.

Der Zwillingseffekt von Tal M. Klein (2017/2018) ist ein weiteres beachtliches Debüt, das ein gutes Stück ‚voraus‘ angesiedelt ist, nämlich im Jahr 2147. Angesichts der gegenwärtigen Debatte über das Thema KI ist es äußerst ansprechend, daß der Held der Geschichte, Joel Byram, den Beruf eines KI-Coaches ausübt. Was vielleicht auch eine Antwort auf die diesbezüglichen Panikmacher wäre. Probleme tauchen erst auf, als Byram bei einem Teleport versehentlich dupliziert wird und damit eine Kaskade völlig irrer und gefährlicher Reaktionen lostritt. Ein Verschwörungsthriller mit Tiefgang, der großen Lesespaß bietet.

Extraterrestrial – Die Ankunft von Larry Niven und Jerry Pournelle (1974/2017) ist nichts anderes als der gute alte Roman Der Splitter im Auge Gottes, an den sich die eingefleischten Fans ganz sicher gut erinnern werden. Das eindringliche Werk über die Begegnung der Menschen einer fernen Zukunft mit einer anderen hochentwickelten Spezies zählt zu den besten Büchern des Generes ‚Erstkontakt‘. Die Außerirdischen haben ein in ihrer Geschichte wurzelndes tragisches Geheimnis, dem sie zu entfliehen versuchen – während der ganz spezielle Horace Hussein Bury, ein mächtiger interstellarer Kaufmann, sie als die größte Bedrohung betrachtet, der die Menschheit je ausgesetzt war. Logisch, daß sich daraus ein ziemlich weitreichendes Spannungsfeld ergibt.

Und schließlich – in Anbetracht der Filmfortsetzung von Iron Sky (die aufgrund der Erwartungshaltung und zu viel Maskeraden allerdings nicht mehr ganz so einschlägt, wie der Vorgänger), kann man das folgende Buch wärmstens empfehlen:

Iron Sky – Renate und die Mondnazis von Johanna Sinisalo (2017/2019) könnte einmal zu den Raritäten des Genres gezählt werden, denn nur selten erscheint das Buch zum Film erst lange nach diesem. Nun, hier erfahren wir einiges über den Hintergrund aus Renates Perspektive, geschrieben viele Jahre nach Zerstörung der Erde in den Resten der Hakenkreuz-Festung auf der Rückseite des Mondes. Mit dem Buch wird quasi die zeitliche Lücke zwischen den beiden Filmen überbrückt … doch es wäre schöner gewesen, wenn man dies auch in eine Art Vorspann aufgenommen hätte, denn wer Iron Sky – The Coming Race ohne Vorwissen anschaut, könnte ziemlich aufgeschmissen sein.

Die politische Anmerkung:

Große Aufregung um ein Facebook-Posting der Klima-Ikona Greta Thunberg, weil sie ihre Meinung zur Atomkraft geändert hätte. Diese könne nämlich Teil einer kohlenstofffreien Energielösung sein.

Nach einer Korrektur heißt es nun: „Persönlich bin ich gegen Atomkraft, aber laut dem IPCC kann sie ein kleiner Teil einer sehr großen neuen kohlenstofffreien Energielösung sein, …“ wobei die meisten Redaktionen den Rest des Eintrags unterschlagen haben (Lücke, Leute, Lücke!!), denn dort geht es – gar nicht so dumm – folgendermaßen weiter: „ … besonders in Ländern und Regionen, wo erneuerbare Energien nicht flächendeckend eingesetzt werden können – obwohl Atomkraft extrem gefährlich, teuer und zeitintensiv ist. Aber laßt uns mit der Debatte warten, bis wir auf das ganze Bild schauen können.“

Kann man der 16-jährigen verübeln, daß sie sich auf einen Bericht des Weltklimarats stützt – wenn sie doch selbst zugibt, noch nicht ‚das ganze Bild‘ geschaut zu haben? Sollte nicht vielmehr der konstruktive Weg beschritten werden, ihr dabei zu helfen? Und gibt es noch wen, der nicht weiß, auf was ich dabei anspiele?! Kann ihr jemand einen Tip geben?

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