vonAchmed Khammas 05.04.2021

Der Datenscheich

Erneuerbare Energie, Science Fiction, Technikarchäologie und Naher Osten – verifiziert, subversiv, authentisch.

Mehr über diesen Blog

Der Weg des Schamanen von Vasily Mahanenko (2015/2018) ist die russische Version des Lebens in der Virtualität eines Computerspiels. Was anscheinend auf den Erfahrungen des Autors beruht – heißt der Held des Romans, der zu acht Jahren Haft in dem Spiel Barliona verurteilt wurde, wo er Zwangsarbeit in den Minen leisten muß, doch Daniel Mahan (ohne -enko).

Die Eintracht von H. C. Schneider (2019) hat keineswegs mit Fußball zu tun – sondern ist der Name eines Refugiums in einer Galaxie, deren Völker seit tausend Jahren Krieg gegeneinander führen.

Roter Mond von Kim Stanley Robinson (2018/2019) spielt im Jahr 2048, als China und dieUSA bereits Kolonien auf unserem Trabanten besitzen. Ein spannender und empfehlenswerter Roman aus der näheren Zukunft.

LUNA – Drachenmond von Ian McDonald () ist ein weiterer Mond-Roman, wobei die dortige Herrschaft in diesem Fall von fünf mächtigen Familien ausgeht – den ‚Fünf Drachen‘, die ethnisch unterschiedliche Dynastien darstellen und jeweils einen der wichtigen Wirtschaftssektoren führen. Es ist der dritte und letzte Roman dieser Saga.

Planet 86 von Dan Abnett (2011/2012) wird als ‚ultimative Acrion-Story‘ verkauft, was den Tatschen schon recht nahe kommt – denn die Journalistin Lex Falk, die zur Berichterstattung durch einen Computerchip mit einem Frontsoldaten verbunden wird, muß plötzlich in den fremden Körper alleine zurechtkommen, als der Soldat beinahe getötet wird.

Die Siliziuminsel von Quifan Chen (2019) gehört zu den neu gehypten chinesischen SFs, wobei das Thema ein eher globales ist: Der Elektroschrott der Welt – der im vorliegenden Fall auf einer kleinen Insel abgeladen und dort verwertet wird, wo sich ein Amerikaner, der eine Recyclingfabrik errichten will, dessen Dolmetscher und das Müllmädchen Mimi begegnen.

Bedenke Phlebas von Ian Banks (1987/2019) ist zwar nicht der beste Roman über die ‚Kultur‘ – aber der Auftakt der Reihe, und diesen sollte man unbedingt gelesen haben, bevor man sich in den Genuß dieser wunderbaren, mehrere Bände umspannenden Grand-Space-Opera hineinfallen läßt!

Cold Storage – Es tötet von David Koepp (2014/2019) beschreibt den Schrecken eines mutierten Killerpilzes … gegen den die gegenwärtige sogenannte ‚Corona-Pandemie‘ ein Fliegenschiß ist. Wer also wirklich das Fürchten lernen will: Hier ist das richtige Schulbuch dafür.

Zerbrochene Sterne von Cixin Liu u.a. (2019/2020) umfaßt eine lange Reihe der besten chinesischen SF-Stories und Essays, von denen viele tatsächlich äußerst interessant bzw. vergnüglich zu lesen sind. Sehr ordentlich ist auch die allgemeine Bearbeitung durch die sinnvolle Einleitung und den Anhang, der aus Anmerkungen sowie Hinweisen auf die Übersetzer/innen besteht.

NSA von Andreas Eschbach (2018/2020), der zu meinen absoluten Lieblingsautoren gehört. Diesmal hat er sich mit seinem Roman über das ‚Nationale Sicherheits-Amt‘ ein weiteres mal übertroffen – mit der Überlegung, was wohl wäre, wenn das Dritte Reich bereits über funktionierende Computer verfügt hätte … die natürlich auch zur totalen Überwachen eingesetzt werden. Wie die ‚reale‘ NSA es ja auch in breitestem Umfang tut.

Ikarus von Andreas Brandhorst (2015/2019) ist aufgrund seiner Dichte und den vielen ‚neuen‘ Begriffen etwas anstrengend zu lesen – was dem Autor auch selbst bewußt ist, wie man anhand des fast 12-seitigen Glossars am Ende leicht erkennt. Erzählt wird die Geschichte des ermordeten Regierungsrats Takeder, der einige Stunden später in einem Klon mit 20-tägiger Lebenszeit wieder erwacht, mit der Aufgabe den eigenen Mörder zu finden.

Am Ende der Zeit von Thomas Carl Sweterlitsch (2018/2019) ist die spannende Geschichte um eine bereits in der 1990ern entwickelte Geheimtechnologie, mit der Raumschiffe Zeitreisen durchführen können. Und dann gibt es da den ‚Terminus‘, der möglicherweise das reale Ende der Zeit bedeutet.

Unter uns die Nacht von Becky Chambers (2018/2019) erzählt von einer Menschheit im Exil, deren Siedlerschiffe um eine neue Sonne kreisen, sowie von einer Galaktischen Union, die nun auch die Exodus-Flotte vereinnahmen möchte.

Rache von Alastair Reynolds (2016/2018) ist eine rasante Story um den Raumpiraten Captain Rackmore, der zusammen mit seiner Crew auf kleinen Welten und entlegenen Planeten wertvollen Schätzen nachjagt, wie antike Artefakte und verloren geglaubte Technologien. Wodurch er es mit mächtigen Feinden zu tun bekommt.

Feuerstürme und Feuerträume vom Vielschreibern Andreas Brandhorst (2007/2016 bzw. 2015/2019) sind der 5. und 6. Teil der Kantaki-Saga, in der es um der Krieg gegen die Graken geht, welche mit einer riesigen Anlage und dem Einsatz von Solarenergie den letzten Widerstand der Menschen brechen wollen.

Botschafter der Sterne von Baoshu (2011/2021) gilt als ein von Cixin Liu autorisierter Trisolaris-Roman, ja sogar als ‚Dortsetzung‘, kann dem Original aber nicht das Wasser reichen, und schon gar nicht den Sake. Es sind mehr Hintergrundbetrachtungen als Dialoge, eher Kontemplation als Action. So sei es nur den Fans empfohlen – denn andere werden damit kaum etwas anfangen können.

Armada von Ernest Cline (2015/2017) ist ein weiterer Roman um Computerspiele des Autoren, der mit seinem später verfilmten Ready Player One Weltruhm errang. Diesmal geht es um virtuelle Raumschlachten, die sich dann aber als real entpuppen. Anders gesagt: Ender‘s Game läßt grüßen.

Arena von Jolly Jennings (2016/2017) kann sich gleich dahinter einreihen, denn hier ist es eine virtuelle Gladiatorin, die sich durch die Level kämpfen muß.

QUAZI von Dergej Lukianenko (2016/2017) könnte man dem Zombie-Genre zuordnen – denn die sogenannte Quazis sind gestorbene und wieder auferstandene Menschen. Die sich allerdings gesittet benehmen, schneller, klüger und ausdauernder als normale Menschen sind … und dazu auch noch unsterblich. Einfach gesagt: russisch düster.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/datenscheich/2021/04/05/literatur-schamanistisch/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.