vonAchmed Khammas 10.07.2021

Der Datenscheich

Erneuerbare Energie, Science Fiction, Technikarchäologie und Naher Osten – verifiziert, subversiv, authentisch.

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Der Astronaut von Andy Weir (2021) ist nach dem Roman Artemis, der eher den Charakter eines Jugendbuches hat, ein weiteres Spitzenwerk des Autors, der mit seinem (später verfilmten) Der Marsianer bereits viele Millionen Leserinnen und Leser begeisterte. Auch diesmal handelt es sich anfangs um eine 1-Mann-Show – die dann über einen wundervollen Erstkontakt aber einen ganz besonderen Drive bekommt, der so witzig wie liebevoll ist. Eine irre Idee mit weitreichenden Folgen – und spannend ab der 1. Sekunde. Ach ja, und eine Hommage an die Beatles ist das Buch auch noch. Sehr zu empfehlen.

42 Grad von Wolf Harlander (2020) ist ein weiterer Thriller zum Thema Klimawandel, der hier allerdings mit einem fragwürdigen politischen Hintergrund und gesteuertem Ökoterrorismus gewürzt ist. Als überall in Europa, und besonders in Deutschland, die Flüsse versiegen und eine monatelange Hitzewelle die Ernten vernichtet, eskaliert die Gewalt und führt die Behörden und die Betroffenen bis an ihre Grenzen – oder darüber hinaus. Trotz der etwas flachen Charaktere und der mangelnden Tiefe spannend geschrieben. Man sollte das Buch allerdings nicht mit in den Sommerurlaub nehmen (sic!).

Singularity von Jushua Tree (2021) spielt in einer dystopischen Welt mit ‚überflüssigen Menschen‘ und in einer hochentwickelten VR, die Einsätze auf fernen Planeten simuliert. Der junge deutsche Autor, der eigentlich Benjamin Krämer heißt, konstruiert eine interessante Verquickung von Realität und Fiktion, die sich ausgesprochenen gut lesen läßt und diverse überraschende Wendungen enthält.

Portal der Welten von Adrian Tchaikovsky (2020/2021) erinnert stark an Die lange Erde (und dessen Folgebände) von Stephen Baxter und Terry Pratchett, da sich der Roman um Parallelwelten dreht – und mehrfach Luftschiffe auftreten. Die rasant erzählte Geschichte weist aber eine Fülle eigener Ideen und charakterstarker Figuren auf, die den Roman zu einem sehr zu empfehlenden Lesespaß machen.

Exit this City von Lisa-Marie Reuter (2021) beschreibt Deutschland als verarmtes Agrarland, einen Aufstand der Plantagenarbeiter, eine künstliche Biene zur Bestäubung, deren Stich jedoch tödlich ist, und viele weitere schräg wirkende Dinge, die zusammengenommen jedoch eine höchst filigran aufgebaute Zukunftsvision vermitteln, die dann doch nicht so abwegig ist. Dafür um so erschreckender. Darüber hinaus ist nur noch zu sagen: Der Roman reißt mit, wie Stromschnellen!

Futurum Zwei von B. F. Skinner (1970/1972) wird allgemein nicht als SF betrachtet. Dennoch behandelt das im Original Walden Two genannte Buch die Vision einer aggressionsfreien Gesellschaft – und ist damit auch 50 Jahre nach seinem Erscheinen ein futuristisch-visionäres Werk mit Vorbildcharakter, das heute vielleicht noch wichtiger ist als damals.

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