vonHans Cousto 03.11.2013

Drogerie

Aufklärung über Drogen – die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.

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Magic Mushrooms – hierzulande Zauberpilze genannt – sind psilocybinhaltige Pilze. In Europa ist der Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) am meisten verbreitet, aber auch der Blauende Kahlkopf (Psilocybe cyanescens) und der Azurblauverfärbende Kahlkopf (Psilocybe azurescens) gedeihen hierzulande in der freien Natur. Vor allem in Mittel- und Südamerika kommen die Arten Kubanischer Kahlkopf (Psilocybe cubensis), Aztekischer Kahlkopf (Psilocybe aztecorum) und Mexikanischer Kahlkopf (Psilocybe mexicana) vor. Der Mexikanische Kahlkopf wird auch „Teonanacatl“ (Gott-Pilz) genannt. Den Azteken galt der Pilz als „Fleisch der Götter“. Bis in die Neuzeit ist der Gebrauch von Zauberpilzen zu rituellen Zwecken dokumentiert. Albert Hofmann, der 1943 die Wirkung von LSD entdeckte, isolierte 1958 aus dieser Pilzart erstmals die Hauptwirkstoffe (Psilocybin und Psilocin) der psilocybinhaltigen Pilze.

Mexikanische Kahlköpfe

Die Abbildung 1 zeigt Mexikanische Kahlköpfe. Foto: Alan Rockefeller, Bearbeitung: Ak ccm (cc).

Die Wirkung der Zauberpilze ähnelt jener von LSD, ist aber von kürzerer Dauer. Generell ist eine Veränderung der Wahrnehmung und des Bewusstseins zu beobachten. Wie bei vielen psychedelischen Drogen sind die Effekte sehr individuell und können bei unterschiedlichen Konsumenten unterschiedlichste Effekte hervorrufen. Gesundheitliche und soziale Schäden, die durch den Konsum von Zauberpilzen hervorgerufen werden, sind im Allgemeinen geringer als jene, die durch den Konsum der meisten anderen Drogen in Erscheinung treten.

In der Studie „Ranking van drugs – Een vergelijking van de schadelijkheid van drugs“ (Ranking von Drogen – Ein Vergleich von der Schädlichkeit diverser Drogen) des Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu in Bilthoven im Auftrag des Ministeriums für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport haben 20 Experten die Gefährlichkeit von Drogen für das Individuum wie auch für die Gesellschaft untersucht. Zum Expertenteam gehörten Apotheker, Ärzte, Biologen, Epidemiologen, Psychiater, Toxikologen sowie Experten der Polizei. Die Niederländer untersuchten die akute sowie die chronische Toxizität von Drogen, das sogenannte Abhängigkeitspotenzial und zudem die individuelle sowie die gesellschaftliche soziale und allgemeine Schädigung. In den folgenden Abbildungen sind die Ergebnisse in der Übersicht dargestellt.

Akute Toxizität von Drogen
Die Abbildung 2 zeigt die akute Gefährdung durch Vergiftungserscheinungen nach der Einnahme verschiedener Drogen, auch akute Toxizität genannt. Zum Vergrößern der Abbildung, bitte Bild anklicken. Die relative Gefährlichkeit wird in einer Skala von 0 bis 3 angezeigt. Null bedeutet keine Gefährdung, 3 zeigt ein Höchsmaß an Gefährdung an. Crack und Heroin haben den höchsten akuten Gefährdungswert von 2,4; gefolgt von Methamphetamin mit 2,0 Gefähdungspunkten, gefolgt von Kokain, Alkohol und Methadon mit jeweils 1,9 Punkten. Die Zauberpilze (Violett markiert) liegen mit 0,9 Punkten auf Rang 15 und Cannabis (Grün markiert) mit 0,8 Punkten auf Rang 16 der 19 untersuchten Substanzen.

Chronische Toxizität von Drogen
Die Abbildung 3 zeigt die chronische Toxizität, das heißt die Gefährdung nach Dauerkonsum von verschiedenen Drogen. Alkohol liegt hier mit 2,5 Punkten auf Rang 2, Cannabis mit 1,5 Punkten auf Rang 8 und die Zauberpilze liegen mit 0,1 Punkten auf dem letzten Rang (Rang 19). Zauberpilze haben gemäß dieser Studie mit Abstand die geringste chronische Toxizität.

Abhängigkeitspotenzial von Drogen
Die Abbildung 4 zeigt das sogenannte Abhängigkeitspotenzial von Drogen, das heißt die Gefahr, sich von einer bestimmten Droge abhängig zu machen. Auf Rang 1 mit 2,9 Punkten liegt hier Heroin, gefolgt von Tabak und Crack mit jeweils 2,8 Punkten. Alkohol liegt hier mit 2,1 Punkten auf Rang 6, Cannabis mit 1,1 Punkten auf Rang 12 und LSD sowie die Zaubepilze mit 0,0 Punkten auf den letzten Rängen 18 und 19.

Individuelle soziale Schädigung
Die Abbildung 5 zeigt die individuelle soziale Schädigung durch Drogen, respektive die soziale Gefährdung der Konsumenten. Hierunter versteht man das Risiko, dass der Konsument eingeht, sozial ausgegrenzt zu werden. Die Skala wird hier von Crack mit 2,6 Punkten angeführt, gefolgt von Heroin mit 2,5 Punkten. Auf Rang 3 liegt Alkohol mit 2,2 Punkten gefolgt von Tabak mit 2,1 Punkten. Cannabis liegt hier mit 1,3 Punkten auf Rang 10 und die Zauberpilze mit 0,7 Punkten auf Rang 18.

Individuelle Schädigung insgesamt
Die Abbildung 6 zeigt die individuelle Schädigung durch Drogen insgesamt, das heißt die gesundheitliche und soziale Gafährdung insgesamt von Konsumenten von Drogen. Das höchste Risiko gehen Konsumenten von Crack und Heroin ein. Crack liegt mit 2,63 Punkten auf Rang 1 gefolgt von Heroin mit 2,53 Punkten. Auf Rang 3 liegt Tabak mit 2,20 Punkten gefolgt von Alkohol mit 2,16 Punkten. Cannabis liegt mit 1,19 Punkten auf Rang 12 und die Zauberpilze liegen mit 0,40 Punkten auf dem letzten Rang.

Gesellschaftlicher Schaden insgesamt
Die Abbildung 7 zeigt den gesellschaftlichen Schaden durch Drogen insgesamt. Auch hier liegt Crack auf Rang 1 (mit 2,41 Punkten). Auf Rang 2 folgt hier Alkohol mit 2,36 Punkten. Tabak liegt auf Rang 4 mit mit 2,27 Punkten, Cannabis auf Rang 11 mit 1,26 Punkten. Die Zauberpilze liegen auch hier auf dem letzten Rang und erreichen gerade einmal 0,31 Punkte.

In Großbritannien wurden in den Jahren 2007 und 2010 unter Federführung von David Nutt ähnliche Studien durchgeführt. Auch in diesen Studien (Ein vernünftiger Maßstab zur Bewertung der Gefahren von Drogen und Alkohol ist die schädlichste Droge, noch vor Crack und Heroin) wurde Alkohol stets als wesentlich gefährlicher eingestuft als Cannabis, dennoch gib es auch einige Unterschiede in der Rangfolge der Schädlichkeit bei verschiedenen Substanzen, wobei die Korrelation sehr hoch ist.

David Nutt et al.: Die Gefährlichkeit von Drogen
Die Abbildung 8 zeigt die Gefährlichkeit von Drogen (individuelle und gesellschaftliche Gefährdung insgesamt) gemäß Studie von David Nutt et al. aus dem Jahr 2010. Die relative Gefährlichkeit wird hier in einer Skala von 0 bis 100 angegeben, 0 heiß null Gefährdung und 100 heißt höchstmögliche Gefährdung. Alkohol rangiert hier auf Rang 1 mit 72 Punkten, Tabak auf Rang 6 mit 26 Punkten und Cannabis auf Rang 8 mit 20 Punkten. Die Zauberpilze liegen auch hier auf dem letzten Rang mit 6 Punkten und weisen somit gemäß dieser Studie auch hier die geringste Gefährlichkeit auf.

 

Cannabis Social Clubs
Cannabis Social Clubs organisieren für ihre Mitglieder den Anbau und die Verteilung psychoaktiver Hanfprodukte in kontrollierter Qualität jenseits von Schwarzmarktstrukturen. Gesundheitsgefährdende Streckmittel werden verhindert. Damit wird ein wichtiger Schritt in Richtung Gesundheitspolitik getan. Ökonomisch wird ein Abwandern von Gewinnen in dunkle Kanäle blockiert, da die Cannabis Social Clubs sich als non-profit Unternehmen verstehen (gemeinnützige Genossenschaften oder Vereine) und nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind. Cannabis Social Clubs sind in der Lage, sich in sozialer und kultureller Hinsicht zu engagieren und eine sinnvolle, nicht auf Abstinenz ausgerichtete Prävention zu unterstützen. Cannabis Social Clubs sind ein Modell, in dem transparent, kontrolliert und reguliert Hanf angebaut und verteilt wird und somit auf diese Weise die Sicherheitspolitik des Landes unterstützt wird. In Spanien gibt es bereits hunderte von Cannabis Social Clubs, die erfolgreich funktionieren. In Deutschland werden gerade die ersten Petitionen für Cannabis Social Clubs lanciert.

Am Samstag, 8. Juni 2013 fand im KUBIZ in Berlin die Veranstaltung „Cannabis Social Clubs in Deutschland: Diskussion über die Umsetzung“ statt. Organisiert wurde sie von ENCOD (European NGO Council on Drugs and Development) mit Hilfe von Near Dark und dem Hanf Museum Berlin. Michael Kleim hielt dort eine viel beachtete Rede, die vom „Bewusstseinsbeweger“ am 9. Juni 2013 auf YouTube hoch geladen wurde und hier in voller Länge als Skript aufgerufen werden kann.

 

Magic Mushroom Social Club

Magic Mushroom Social Clubs sind ein Pendant zu Cannabis Social Clubs. Sie bieten die gleichen Vorteile wie Cannabis Social Clubs, sind jedoch nicht auf die Kultur von Pflanzen, sondern auf die Kultur von Zauberpilzen ausgerichtet. Das Züchten von Zauberpilzen verlangt mehr Sachkunde als das Züchten von Cannabispflanzen, insbesondere, da bei einigen Arbeitsgängen steril gearbeitet werden muss. Gemeinschaftlich gelingt dies oft besser, als wenn ein Laie beginnt, mit der Pilzzucht zu experimentieren. Da Zauberpilze als weniger gefährdend eingestuft werden als Cannabis und viele andere Drogen, ist auch die Schwelle für eine amtliche Genehmigung von Magic Mushroom Social Clubs wohl niedriger einzustufen als dies bei den Cannabis Social Clubs der Fall ist. Magic Mushroom Social Clubs sind auf jeden Fall geeignet, den Bedarf an „neue psychoaktive Substanzen“ (NPS) zu senken. Dies ist vor allem deshalb relevant, weil die Risiken, die mit dem Konsum von NPS verbunden sind, bis dato kaum bekannt sind.

Mischkonsum von Cannabis und Zauberpilzen

In den Jahren 2000 bis 2002 führten Joachim Eul, Gundula Barsch und Tibor Harrach eine Studie zu Prävalenzen und Konsumbewertungen von Formen des Drogenmischkonsums durch. Die Erhebung erfolgte vorwiegend an Parties und anderen Veranstaltungen unter freiem Himmel mittels eines standardisierten Fragebogens. Befragt wurden 1.289 Personen, 515 an Technoparties respektive an der Loveparade, 386 an der Hanfparade in Berlin, am Hanffest in Hamburg und anderen für die Hanfszene typischen Veranstaltungen und 379 an alternativen Straßenfesten (Teilgruppe ohne spezielle Szenenzuordnung). Insgesamt machten 1.218 Personen eingehende Konsumangaben zu Alkohol und illegalisierten Drogen, 1.166 davon (95,7%) hatten Erfahrungen mit dem Konsum von mindestens einer illegalisierten Substanz. Datenquelle: Joachim Eul, Gundula Barsch, Tibor Harrach: „Prävalenzen und Konsumbewertungen – Drogenmischkonsum anders verstehen“, in: Wiener Zeitschrift für Suchtforschung, Jg. 27 2004 Nr. 4, S. 49-60. Eine Übersicht der Ergebnisse kann hier aufgerufen werden.

Der Mischkonsum von Cannabis und Zauberpilzen wurde von 93% der Personen, die mit dieser Kombination Erfahrungen gesammelt hatten, für „gut“ befunden. Bei Cannabis und LSD lag dieser Anteil bei 82%. Diese beiden Kombinationen waren die einzigen von allen beurteilten Kombinationen, die fast ausschließlich für „gut“ befunden wurden. Bei den Personen, die mit mindestens einer illegalisierten Substanz Erfahrungen gesammelt hatten, wurde für die am besten bewertete Kombination (Cannabis/Zauberpilze) auch die höchste Lebenszeitprävalenz (27,8%) unter den Kombinationen von jeweils zwei illegalisierten Substanzen, also ohne Kombinationen mit Alkohol, festgestellt. In der Hanfszene lag die entsprechende Lebenszeitprävalenz bei 33,9%, in der Technoszene bei 27,9% und in der Gruppe ohne Szenenbezug bei 20,9%. Bei den Personen, die sowohl mit Cannabis als auch mit Zauberpilzen jeweils einzeln Erfahrungen gesammelt hatten, lag die Lebenszeitprävalenz sogar bei 45,5%. Das heißt, dass fast die Hälfte (45,5%) der Personen, die sowohl Cannabis als auch Zauberpilze als einzelne Droge kannten, auch mindestens eine oder mehrere Mischkonsumerfahrung(en) mit Cannabis und Zauberpilzen gemacht hatten. In der Hanfszene lag die entsprechende Lebenszeitprävalenz bei 54,3%, in der Technoszene bei 43,5% und in der Gruppe ohne Szenenbezug bei 38,1%.

Vor dem Konsum von Psychedelika sollte man jedoch auf jeden Fall Fachinformationen für den nichtmedizinischen Gebrauch von Psychedelika genauestens studieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob man die Zauberpilze für rituelle, hedonistische oder ludische Zwecke nutzen will.

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https://blogs.taz.de/drogerie/2013/11/03/pladoyer-fur-magic-mushroom-social-clubs/

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kommentare

  • Es ist in so Studien schade, dass meist nicht zwischen den Schäden oder Gefahren durch die Substanz selbst und den Gefahren, die erst durch die Kriminalisierung entstehen unterschieden wird. (z.B. bei Heroin kommen die körperlichen Schäden primär von den Streckmitteln und Konsumumständen und damit stark von der Kriminalisierung).

  • Ich weiß zwar nicht, wie diese Studie im Detail durchgeführt wurde und kann sie deshalb nicht bewerten, aber das hier gezeigte deckt sich in etwa mit meinen Erfahrungen und den meines (weiteren) Umfelds.

    Ich bin End-Zwanziger, habe eine Berufsausbildung, nebenbei selbstfinanziert an einer Privatuni (als einer der Semesterbesten) studiert und habe einen meiner Meinung nach sehr guten und angesehenen Job. Und ich bin Gelegenheitskonsument von Ecstasy. Der Grund ist einfach: Es geht einem während und nach dem Konsum wesentlich besser als bei Alkohol. Man wird währenddessen nicht aggressiv und hat danach auch keinen Drang, weiter zu machen. Ecstasy ist laut dieser Studie sogar weniger Schlimm als Cannabis (und als Alkohol & Tabak sowieso).

    Problem ist aber überall, dass man nie weiß, was drin ist. Und das wird auch in diesem Artikel adressiert. Wenn der Staat dieses „Gebiet“ kontrollieren und Vorgaben definieren würde, würde es weniger Tote durch Verunreinigungen/Überdosen und mehr Steuereinnahmen geben. Ominöse Vertriebswege, die evtl. auch andere Verbrechen finanzieren, würden so ausgetrocknet werden.

    Nun wird der kritische Leser sagen „wenn du nicht weißt, was/wieviel drin ist, nimm es nicht“. Nun, der normale Konsument (zumindest in meinen Kreisen) nimmt ohnehin erstmal einen kleinen Teil und wartet, wie es wirkt.
    Die anderen vorgebrachten Argumente gelten unberührt davon.

    Ich hätte ehrlich gesagt Angst um meinen Ruf und meine Arbeitsstelle, wenn ich so etwas veröffentlichen würde. Vielen Dank für den Beitrag!

  • Guter und längst überfälliger Artikel, vielen Dank! Ich hoffe das schließt den Wahrnehmungsgraben ein bisschen zwischen jenen, die „Drogen“ vornehmlich aus Massenmedien „kennen“ und jenen, die echte Erfahrungen gemacht haben.
    Habe selbst habe bis zum 18. Lebensjahr nur Alkohol und Nikotin konsumiert, dann Gras, später Pilze und LSD, und ich muss sagen: Während die ersten drei genannten mich eher zurückgeworfen haben, haben mich psychedelische Drogen wahnsinnig weit vorwärts gebracht, so von wegen Verständnis was im Kopf eigenlich vorgeht (z.B. wie stark unbewusst man im Alltag mit seinen tausend Ängsten und Sorgen durch die Welt geht und schlecht drauf ist ohne zu wissen warum bzw., dass man es vor allem äußeren Dingen zuschreibt obwohl wirklich alles! ne Kopf-und Einstellungssache ist).
    Man muss die Sache halt ernst nehmen und darf nicht (wie 80% der Menschen die Alkohol trinken…) etwas Negatives kompensieren oder beiseite drücken wollen, das kommt sonst viel stärker zurück… aber wer unter Beachtung von Set&Setting LSD konsumiert, dem werden höchstwahrscheinlich (wenn auch nur für kurze Zeit) die Augen irgendwann aufgehen, und dann sucht man das Glück auch irgendwann ohne die Droge (durch Meditation z.B.)

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