vonfini 21.07.2020

Finis kleiner Lieferservice

Eine philosophische Werkzeugprüfung anhand gesellschaftlicher und politischer Phänomene.

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Sie will’s nicht wissen, denn
sie mag dich mehr als du dich.
Das ist bescheuert, aber
schwer ist es nicht…
(Pascow: Too doof to fuck)

Wenn ich mich umschaue, besteht mein hetereosexueller Bekanntenkreis größtenteils aus Lost Boys und absolut gar nicht losten Frauen – deren Männer allerdings in der Regel Lost Boys sind. Mehr oder weniger lost, mehr oder weniger bewusst, mehr oder weniger zugänglich, mehr oder weniger verletzend – aber halt schon zuhause in diesem traurigen Tal aus Selbstmitleid und Selbsthass. Ich habe Partnerschaften zu Lost Boys und ihre Dynamik lange beobachtet und bestimmte, immer wieder kehrende Muster feststellen müssen. Ohne Anspruch auf Zustimmung, Vollständigkeit oder Sauberkeit. Aber vielleicht hilft es der ein oder anderen Partnerin ihre eigene Rolle zu verändern bzw. dem ein oder anderen Lost Boy seine Partnerin nicht früher oder später zu verlieren.

Denn was für Beziehungsgefüge entstehen hier eigentlich? Was finden nicht-loste Frauen an ihrem Lost Boy so anziehend? Und in welcher Rolle finden sie sich irgendwann wieder, wenn sie eine Partnerschaft zu ihm versuchen? Irgendwo zwischen geliebter Mutter und verhasster Lehrerin? 

Zwei klassische Exemplare: Chris (31) und Robert (34)

Chris sitzt mit mir in einer Runde von Menschen, man lacht und trinkt, hängt in gemütlichen Vintage-Sesseln und unterhält sich in hochtrabender Sprache über akademische Themen. Er nimmt ein weißes Tütchen aus seinem Bauchbeutel und schüttelt es prüfend. Ich frage einen Freund, der neben mir sitzt: „Warum nimmt Chris in so einem Setting MDMA?“ – „Weil‘s nice ist!“ Er beobachtet Chris, der seine Fingerkuppe anleckt und den Finger danach in das Tütchen dippt. „Naja… und man fühlt halt mehr. Die Schutzmauern sind dann weg.“ Chris führt eine offene Beziehung zu einer beeindruckenden Frau, verdient mit einem grünen Bürojob seinen Lebensunterhalt und bekommt parallel seinen Master nicht fertig. Chris ist ein Paradebeispiel des klassischen Lost Boys. 

Robert übertreibt es nicht so maßlos mit Drogen, ist ansonsten aber ähnlich situiert wie Chris. Weil ein Lost Boy eigentlich höheres anstrebt, als seine aktuelle Lage vermuten lässt, wollte Robert jüngst mit einer Bekannten in eine frisch renovierte Berliner Altbauwohnung ziehen, die sich keiner von beiden alleine leisten konnte. Eine Woche nachdem seine Bekannte schon in der Wohnung wohnte, teilte er ihr mit, dass er hin und her überlegt hätte und sich das alles einfach nicht leisten und vorstellen könne – und leider nicht mit einziehen könne. Dass sie insofern ein riesiges Problem bekam, war ihm durchaus bewusst, aber er sah sich nicht in der Lage, es zu lösen. Einen Sonntag später zog er dann spontan doch ein. Auf Nachfrage, was denn da gelaufen wäre, zuckte er verzweifelt mit den Schultern: „In so einer WG sieht mich dann ja jemand in meiner ständigen Unzulänglichkeit mit mir selbst.“

Definition eines Lost Boys

Ein kurzer, pauschalisierender Abriss über den Lost Boy im Allgemeinen: Er ist zwischen 25 und Ende 30, sieht nach herkömmlichen Schönheitsidealen gut aus, ist gut womöglich sogar höher gebildet, kommt aus solidem Hause und ist richtig gut in bestimmten Bereichen (soll heißen: Er hat ein Talent, ist begabt für irgendwas). Von außen betrachtet, hat er alle Voraussetzungen, die es einem Menschen ermöglichen, in dieser Gesellschaft zu einem wie auch immer gearteten „erfolgreichen“ Leben zu kommen. Oder sagen wir vorsichtiger: Im Rahmen des gesellschaftlich Möglichen ein Leben zu gestalten. Aber irgendwie will das nicht so richtig klappen. Der Lost Boy scheitert dauerhaft oder immer wieder, er ist zu feinfühlig für Stresssituationen, häufig traurig oder melancholisch, dadurch sehr tiefgründig und reflektiert. Er ist allerdings auch schnell überfordert mit Emotionalität und Zuneigung, noch schneller eingeengt, unter Druck gesetzt und zu Fluchtreaktionen provoziert.

Obwohl er sehr viel leidet und sich abgeschottet von fremden Blicken lustvoll im eigenen Schmerz ergeht, meidet er unangenehme Situationen und Konfrontationen, weil er (negative) emotionale Anstrengung und Aufwühlung schwer aushalten kann. Eigentlich möchte er weder Leid noch Negativität in seinem Leben haben, bleibt aber dennoch anhaltend darin verhaftet. Entscheidungen kosten ihn eine immense Kraftanstrengung, wenn er sie denn überhaupt unternimmt und nicht dem Zufall oder der Umgebung überlässt. Er kreist stattdessen in wiederkäuendem Selbstmitleid um die eigenen Verletzungen aus Kindheit und Jugend – oder ignoriert sie so vollständig, dass er nicht mehr weiß, wie alt seine Geschwister sind. Immer wieder flüchtet er in diverse Parallelwelten: Drogen und Partys, sinnloser und riskanter (!) politischer Aktivismus, Zocken, die dunklen Tiefen des Internets oder fiese Imageboards sind so die nächsten Orte, an denen der Berg eigener Probleme scheinbar erträglich wird. Orte, an denen Leid durch Oberflächlichkeit, grenzenlose Zuneigung, Aggression, Magie oder Humor erträglich wird.

Kleiner wird das Leid da allerdings nicht, ganz im Gegenteil verwachsen sich die Probleme dann häufig zu unlösbaren, derartig miteinander verschränkten Katastrophen, dass jemand kommen und den Lost Boy retten muss. Das sind in den 20ern dann häufig noch die Eltern, die das Kinderzimmer weiterhin beheizt lassen oder hier und da mal 2.000 € zuschießen. Allerdings sehen die das irgendwann auch nicht mehr ein oder knüpfen ihr Engagement an entsprechende zu erbringende Leistungen. Wer dann zur Verfügung steht, ist die Partnerin:

Robert besitzt beispielsweise ein großes Auto, das aber inzwischen seit über einem Jahr auf einem Parkplatz steht. Der Grund dafür ist eine eingeschlagene Heckscheibe, die nicht einfach zu ersetzen ist – man müsste die gesamte Heckklappe austauschen. Das kostet entweder viel Geld oder viel Zeit und Robert fühlt sich unwohl, wenn er auf Schrottplätzen nach alten Autoteilen suchen muss. Er benutzt also für den spontanen Umzug in die schöne Altbauwohnung das Auto seiner Freundin. Sein eigenes Auto steht immer noch auf dem Parkplatz, hat inzwischen eine leere Batterie und keinen TÜV mehr.

Zwischen Größenwahn und Selbsthass

Lost-Boy-Partnerinnen sind meistens auch noch etwas freigiebiger mit ihren Ressourcen, als andere Menschen und auch als die eigenen Eltern – denn sie haben den Leidensweg nicht von Anfang an begleitet und sind auf keinen Fall (Mit-)Schuld an der Misere. Sie bleiben für 2-5 Jahre und versuchen, den Lost Boy zu retten. Sie versuchen, ihm zu zeigen, dass das Leben lebenswert ist, dass es sich lohnt, sich ein kleines bisschen zusammen zu reißen, dass es einfach ist, Probleme dann zu lösen, wenn sie noch klein und vereinzelt auftauchen, dass Frustrationen händelbar sind und nicht zuletzt: dass der Lost Boy liebenswert ist. Denn die immer wiederkehrenden Schleifen um die eigene Verletztheit führen dazu, dass der Lost Boy kein angemessenes Selbstwertgefühl entwickelt hat, das seinen realistischen Grundlagen entspricht. Einerseits hält er so wenig von sich selbst, dass besagte Gestaltung seines eigenen Lebens oder gar Fürsorge für sich selbst nicht mal eine Option sind. Auf der anderen Seite ist er allerdings auch der Überzeugung, dass er nicht ganz „normal“ ist und seine Situation auf jeden Fall anders als die von jedem anderen. Insgesamt empfindet er sich als so wertlos und andersartig, dass gewöhnliche Zufriedenheit oder gar Glück ihm nicht zustehen. Daraus entsteht ein krampfhafter Größenwahn, der dazu führt, dass man(n) mindestens die Weltrevolution anführen, der nächste Andy Warhol sein oder Ulysses 2.0 schreiben muss. Etwas so Großartiges würde die eigene Wertlosigkeit ausgleichen und bekommt deswegen sämtliche Aufmerksamkeit, Zeit und sonstige Ressourcen. Alltägliche Kleinigkeiten und Menschen fallen bei diesem Fokus schnell unter den Tisch, das eigene Leben wird nicht gestaltet, sondern der Jagd nach einer niemals zu erreichenden Utopie untergeordnet.

Da dieser Schluss schon zu Selbstwahrnehmung führen und Konsequenzen nach sich ziehen könnte, wird er jedoch häufig nicht getroffen – stattdessen ist es „die Welt“ in der kein Glück möglich, die grausam und wertlos ist. Zugegeben: Diese Welt – und nahezu jede Funktion darin – ist grausam und letzten Endes wertlos. Sie beruht auf der Ausbeutung von Mensch und Natur, ist laut und hässlich, verachtend und vernichtend. Da ist keine Utopie, die wir erleben werden. Und jetzt?

Wieso überhaupt „Lost Boys“?

Die Popkultur kennt den Rebel without a cause natürlich auch: Da muss er dann allerdings irgendwann sterben, wenn er sich seiner gesellschaftlichen Rolle nicht anbequemt oder er durchläuft eine übernatürliche Läuterung, um dann als strahlender (aber immer noch an sich selbst zweifelnder) Spiderman die Welt zu retten. Wir kennen die Lost Boys natürlich auch von Peter Pan, der sie anführt und ihnen einen Ort gibt, an dem sie niemals erwachsen werden zu müssen.

Dank Disney kennen die meisten Menschen nach 1958 die Geschichte von Peter Pan recht gut und häufig angereichert mit nostalgischen Gefühlen. Unabhängig der Abweichungen vom Roman, ist es auch dieser Film, der meine Überlegungen über die Lost Boys inspiriert hat. 

Kurz zur Erinnerung: Disneys „Peter Pan“

Es ist der Abend bevor Wendy „erwachsen werden“ soll – so hat es ihr Vater angeordnet, weil sie zu alt ist, um ihren Brüder Fantasiegeschichten über Peter Pan zu erzählen und sie so zu Unheil anzustiften. Denn der Vater hält Peter Pan im Gegensatz zu Wendy für ein Hirngespinst und jemand, der erwachsen ist oder werden soll, hat mit „beiden Beinen fest auf der Erde zu stehen“. Es ist die letzte Nacht im Kinderzimmer, obwohl Wendy weint: „Ich will ja gar nicht erwachsen werden!“ Als Peter Pan dann kommt – Wendy ihm seinen Schatten wieder annäht – und er erfährt, dass er ihr das letzte Mal dabei zuhören kann, wie sie Geschichten von seinen Abenteuern erzählt, will er das nicht zulassen und nimmt sie mit nach Nimmerland. Er tut das, mit den Worten: „In Ordnung, dann bist Du jetzt unsere Mutter.“ Um sie mit nach Nimmerland nehmen zu können, bringt Peter Wendy das Fliegen bei: Man braucht eine schöne Phantasie – und „ein bisschen Glanz“. Der Glanz kommt ganz pragmatisch von der Fee Tinkerbell, die den ganzen Film über eifersüchtig versucht, Wendy zum Verschwinden zu bringen. Parallel bekommen wir von Käpt`n Hook mit, der entgegen aller Vernunft eine offene Rechnung mit Peter begleichen will, da dieser ihm die Hand abgehackt und sie einem Krokodil zum Fraß vorgeworfen hat – das nun Hook immer wieder heimsucht.

Wendy und ihre Brüder erkunden Nimmerland, wobei Wendy immer wieder in unangenehme Situationen kommt: Sie möchte sich beispielsweise die Meermädchen anschauen und Peter begleitet sie. Die Meermädchen haben allerdings nur Interesse an Peter, der umringt und angehimmelt eine seiner Abenteuergeschichten erzählt. Wendy hingegen wird von den Meermädchen niedergemacht und ausgelacht. Als sie Peter bittet, ihr beizustehen, winkt er ab: „Die machen doch nur Spaß!“
Als Peter zum Häuptling der Indianer wird (um die entführte Prinzessin zurück zu holen), steht Wendy erneut abseits und bekommt die Anweisung: „Frau, geh essen machen!“. Das ist der Moment, ab dem sie genug hat: „Ich denke nicht daran, ich gehe jetzt nach Hause!“ Sie versucht Peter das zu sagen und ihn zu bitten, sie nach Hause zu bringen. Er jedoch hört ihr nicht zu und lässt sie mit den Worten stehen: „Wendy, hast Du mir denn sonst gar nichts zu sagen? Alle anderen bewundern mich!“ Sie geht daraufhin zurück zu den anderen Lost Boys.

Weswegen nicht genau das „Mutter-Sein“, das an Wendy unablässig von den Lost Boys und Peter Pan als Rolle herangetragen wird, ebenfalls ein „erwachsen sein“ bedeutet, wird im Film dadurch thematisiert, dass sie zurück im Hauptquartier den Lost Boys ein Bild vermittelt, was Mutter-Sein bedeutet. Sie erzählt von ihrer eigenen Mutter und dem, was sie alles für ihre Kinder ist und leistet. Daraufhin bekommen die Lost Boys Heimweh und wollen ebenfalls Kinder dieser Mutter sein. Peter nicht, er schleudert Wendy entgegen: „Geh nur und werd‘ erwachsen, aber ich warne Dich: Wenn Du erstmal erwachsen bist, kannst Du nie mehr zu mir kommen!“ Sie geht dennoch und wird von Hook entführt. Kurz bevor sie dabei über die Planke geschickt wird, taucht Peter auf und rettet sie. Er bezwingt Hook („Wer Pan einen Feigling nennt, muss sterben!“ – Marty McFly lässt grüßen) und bringt sie am Ende mit seinem neuen goldenen Schiff nach Hause.

Fremde Narrative statt einer Autorenschaft über das eigene Leben

Der kleinste gemeinsame Nenner, der alle Abstufungen von Lost Boys eint und damit womöglich auch des Pudels Kern darstellt, ist die Unwilligkeit die Autorenschaft über das eigene Leben an zu nehmen. Hier kommen für gewöhnlich die eigenen Vorstellungen (ich werde mal Prinzessin, Astronaut, Superstar usw.) in Konflikt mit der Realität oder den gegebenen Voraussetzungen. Die Autorenschaft über das eigene Leben muss insofern die ursprünglich angestrebte Grandiosität immer ein bisschen beschneiden und in Einklang mit dem bringen, was dann tatsächlich möglich ist. Konkreter noch geht es deswegen nicht nur um die Gestaltung des eigenen Lebens, sondern um das Narrativ, das es erzählt. Jeder Lost Boy kränkelt an einem übermächtigen Narrativ, welches meist aus dem Elternhaus heraus lange in das eigentliche Erwachsenenleben hineinwirkt. Gemeint ist hier nicht unbedingt der sogenannte Elternauftrag, sondern die Geschichte, die um Entstehung, Aufwachsen, mögliche Hindernisse und sogar diverse Charaktereigenschaften herum innerhalb der Familie erzählt wird.

Diese Geschichten sind selten zutreffend und begleiten jeden von uns. Ein Aspekt des „Erwachsen-Werdens“ ist es, dieses ursprüngliche Narrativ abzulegen und ein eigenes – oder auch mehrere – zu entwickeln und zu gestalten. Es ist nicht einfach, das Narrativ, an dem der betroffene Lost Boy kränkelt, frei zu legen, da es nicht unbedingt kommuniziert wird. Beispiele für solche Narrative sind: Der einzige Sohn – kostbar und bedroht; der Kränkliche – schwach und unfähig; das Wunder des Lebens – großartig in seiner gesamten Existenz; der Fels in der Brandung oder der Partnerersatz (meist für die Mutter); der Sohn eines gescheiterten Vaters usw. Sie unterscheiden sich inhaltlich nicht unbedingt von denen, die Frauen oder Nicht-Lost Boys mitgegeben werden. Narrative, die womöglich einen Lost Boy hervorbringen, sind auch nicht ausschließlich positiv oder negativ belegt, was sie eint, ist ein Absolutheitsanspruch und vielleicht auch eine gewisse potentiell auch tragische „Großartigkeit“, die damit einhergeht. Um sich von seinem Herkunftsnarrativ zu befreien, müsste der Lost Boy unter Umständen ein durchschnittliches Narrativ entwickeln. Also eins, das den Fähigkeiten und realen Gegebenheiten von Mitte 20-Jährigen entspricht, die nicht zufälligerweise genial sind.

Letzte Ausfahrt vor der Mittelmäßigkeit: Vom Lost Boy zu Peter Pan

Eine andere Möglichkeit mit der eigenen Grandiosität umzugehen ist, vom Lost Boy zu Peter Pan zu werden. Um die Definition klarer zu machen: Jeder Peter Pan war ein Lost Boy, aber nicht jeder Lost Boy wird ein Peter Pan. Bei Peter Pan geht es nicht primär darum, der Anführer der Lost Boys zu sein, sondern darum, das Erwachsenwerden bewusst und nachhaltig abzulehnen. Peter Pan ist sich im Gegensatz zum Lost Boy darüber bewusst, dass er lost ist, er weiß, warum und dass er ein angepasstes Leben verweigert, er weiß, dass er auf die Weise weder besonders alt noch eine funktionierende Partnerschaft haben wird. Peter Pan hat keine Partnerin mehr, denn er hat Wendy klar gesagt, dass er nicht mit ihr kommt. Damit wird die Großartigkeit des Narrativs ebenfalls nicht aufgegeben, aber sozusagen negiert, der Lost Boy nimmt als Peter Pan seine Verlorenheit an und zelebriert das Anti-Heldentum. Peter Pan begegnet uns beispielsweise als kleiner bis mittelgroßer Drogendealer, Piercer ohne Studio und Krankenversicherung, Partyorganisator oder Goa-DJ. Er ist insofern irgendwie sympathischer als der Lost Boy, als dass er niemanden über sein Lost-Sein täuscht, er tut nicht mehr so, als wolle er Teil der Welt sein oder irgendwann werden, sondern organisiert und verteidigt den Ausstieg. Seine Flucht ist endgültig und ab einem bestimmten Punkt auch nicht mehr reversibel (entweder, weil er einfach stirbt, durch zu viele Drogen degeneriert oder im Gefängnis landet). Keine zukunftsorientierte Haltung, aber durchaus eine Möglichkeit, mit der Negativität der Welt umzugehen – und dazu noch eine ziemlich populäre, wenn man erneut einen Blick in die Pop-Kultur und ihre besonders großen Stars wirft: #club27.

Aber Wendy darf nur mit ins Nimmerland, wenn und solange sie die Mutter ist. Was passiert also mit seiner Partnerin, wenn der Lost Boy zu Peter Pan wird? Warum ist es ihre Aufgabe, in seiner Welt irgendetwas (positives) zu gestalten? Wann ist es die Partnerin, die im Umgang mit der Negativität gestärkt und geschützt wird – oder der irgendeinen Weg durch diese hässliche Welt geboten wird? Ein trauriger, gequälter Blick der besten Freundin ist wohl die Antwort.

Das Lost Boys Syndrom II – Der Lost Boy und das Patriarchat

Das Lost Boys Syndrom III – Praktische Anregungen für Lost Boys und ihre Partnerinnen

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