vonHans-Peter Martin 09.04.2020

Game Over

Hans-Peter Martin bloggt über die globale Titanic der Politik und Wirtschaft – und wie es doch ein „New Game“ geben kann. Krieg oder Frieden.

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Stand 9. April 2020

Deutschland

In der deutschen Bundesregierung macht eine Studie die Runde, die sich mit möglichen Unruhen in Deutschland beschäftigt. Durch Kurzarbeit und Insolvenzen rutschen viele Menschen sozial ab. Existenzangst breitet sich aus. Mit einem Anstieg bei den Lebensmittelpreisen sei zu rechnen.

Ein Viertel der Befragten in Deutschland erklärten Anfang April, dass „Unruhen oder Plünderungen zu ihren Hauptsorgen oder Bedenken bezüglich der COVID-19/Corona-Pandemie gehören“.

USA

Das Corona-Virus trifft die afroamerikanische Bevölkerung und Latinos weitaus stärker. In Chicago etwa  ist das Todesrisiko für Afroamerikaner sieben Mal höher als für Weiße. Armut, häufigere Vorerkrankungen und schlechterer Zugang zur Gesundheitsversorgung sind die Hauptursachen.[1][1]

Waffenverkäufe vor allem an Weiße nahmen in den USA zuletzt stark zu. Sobald Afroamerikaner Geschäfte oder gar Krankenhäuser oder Wohnviertel Gutbetuchter stürmen, wird geschossen werden. Scharmützel wohl schon früher. Die National Guard wird wohl zu Einsätzen kommen. Was für ein Präsidenten-Wahlkampf zieht da herauf.

Detroit

In Detroit, das in den 1960ern mit die stärksten Unruhen in den USA durchlebte, so berichtet soeben ein afroamerikanischer Aktivist, schwanken viele zwischen Depression und stärker werdender Aggression.

Detroit-Spital Sinai-Grace: „Conditions are so drastic at Sinai-Grace that on Sunday night, all of the emergency room’s night shift nursing staff –seven in total — staged a sit-in, where they refused to work and demanded that more nurses be sent in to help.“ „There’s times walking into that hospital it looks like a third world country in a war zone,“ one Detroit emergency medical technician, who has transported patients to Sinai-Grace.[2]

Italien

In Süditalien schützt die Polizei bereits jetzt Lebensmittelmärkte von Lidl gegen Plünderungen.[2][3] Beschäftigte bei den Paketversendern wehren sich gegen gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen. Stichwort Kanonenfutter.

Italien, Frankreich, Spanien

Das Versagen von Teilen des öffentlichen Gesundheitssystems ist offensichtlich. Die wirtschaftlichen Folgen werden dramatisch. Die Straßen werden sich füllen – mit Demonstranten.

Großbritannien

Gute Frage. Vermutlich bis zum August mehr Corona-Tote als in Italien, Spanien und Frankreich zusammengenommen.[4]

Ungarn

Rückkehrer aus dem Ausland machen sich Sorgen um die Versorgung mit Grundlegendem. In wenigen Wochen, so rechnen sie, wird es zu Engpässen und massiven Protesten kommen. Polizeieinsatz und auch Militäreinsatz inklusive.

Afrika

In zahlreichen Staaten ist, sobald sich das Virus entsprechend ausgebreitet haben wird, mit blutigen Aufständen zu rechnen.

Brasilien

In den ersten Favelas, etwa in der Rocinha in Rio de Janeiro, werden die ersten Corona-Fälle gemeldet. Mehr als zehn Millionen Menschen leben in dem südamerikanischen Land in solchen, oft den staatlichen Ordnungskräften entzogenen Siedlungen sehr beengt und häufig ohne direkten Zugang zu sauberem Fließwasser. Das brasilianische Gesundheitsministerium bemüht sich gerade, sich mit Drogenbossen zu arrangieren. Das wird seinen Preis haben.

Peru

Schon jetzt ist das Militär angewiesen, die Ausgangssperren mit Waffengewalt durchzusetzen. Vor allem im Norden des Landes wird das schwierig und auf Widerstand stoßen.

Indien

Millionen Wanderarbeiter wurden nach Hause geschickt. Es droht ihnen Hunger. Mit heftigem Einsatz staatlicher Kräfte ist zu rechnen.[5]

Gaza-Streifen

Der britische “Guardian” berichtet: “The healthcare system in Gaza risks being overrun if just a few dozen people in the territory become infected with the coronavirus, the Palestinian Centre for Human Rights has said. There are currently just 93 ventilators available in local hospitals.”

Österreich

Unmut macht sich vor allem in Wien breit. Die Polizei greift gegen Menschengruppen durch, die sich auf Grünflächen treffen. Einzelne Handgreiflichkeiten. Österreich bleibt seinem Ruf treu: Revolutionen finden woanders statt.

 

Zum Weiterlesen:

Das Buch: Game Over – der globale Systemcrash. Penguin Verlag München.

Fußnoten:

[1] https://www.nytimes.com/2020/04/08/nyregion/coronavirus-race-deaths.html?action=click&module=Well&pgtype=Homepage&section=New%20York

[2] CNN 9.4.2020, https://edition.cnn.com/2020/04/09/us/detroit-hospital-workers-sinai-grace-coronavirus/index.html[2]

[1] https://www.spiegel.de/politik/ausland/coronavirus-in-usa-afroamerikaner-staerker-gefaehrdet-als-weisse-a-cc23f093-30ac-4ef9-8451-bbe7de612689

[2] https://rep.repubblica.it/pwa/generale/2020/03/27/news/coronavirus_sud_supermercati-252506550/?ref=RHPPTP-BH-I252518439-C12-P4-S2.4-T1

[3] https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/die-corona-krise-bedroht-nun-auch-den-sueden-italiens-16698084.html?premium

[4] https://covid19.healthdata.org/united-kingdom

[5] https://www.faz.net/aktuell/politik/corona-in-indien-vollstaendige-ausgangssperre-fuer-1-3-milliarden-16695787.html

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