vonHans-Peter Martin 20.03.2020

Game Over

Hans-Peter Martin bloggt über die globale Titanic der Politik und Wirtschaft – und wie es doch ein „New Game“ geben kann. Krieg oder Frieden.

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20. März 2020:

Diese Zeilen schreibe ich mit großer Betroffenheit, basierend auf einer mehr als 40 Jahren langen Erfahrung im Journalismus und in der Politik, anknüpfend an die Bücher „Die Globalisierungfalle“ (mit Harald Schumann 1996),  „Die Europafalle“ (2009) und „Game Over“(2018).

Spätestens die Nachrichten aus dieser Nacht lassen mich immer mehr zum Schluss kommen, dass weltweit fundamentale Verwerfungen unausweichlich sind: Das US-Militär fliegt eine Million Corona-Testsets aus der Lombardei, wo sie DRINGEND gebraucht würden, in die USA aus, zum Schutz der USA. Der Hersteller ist in Italien beheimatet, aber auch mit den USA verbunden.

Der US-Weltkonzern 3M wird vom deutschen Zoll daran gehindert, medizinische Schutzkleidung in die USA und in die Schweiz zu exportieren.

Fondsmanager warnen eindringlich vor dem Kreditausfall bei so vielen Unternehmensanleihen. Das wird Banken, Pensionsfonds,  viele Kleinanleger ins Herz treffen.

Etc etc.

Jetzt sind wir im Corona-Krieg. Das unknown Unknown erweist sich als Crash-Auslöser, der Schwarze Schwan fliegt.

Wenn die großen Corona-Probleme noch einige Wochen anhalten werden – und warum sollten sie es nicht tun? -, werden dramatische ökonomische und politische Folgen rund um den Erdball nicht mehr zu verhindern sein. Noch immer haben so viele Menschen den Ernst der Lage nicht begriffen.

Eine Weltfinanzkrise und globale ökonomische Verwerfungen bislang ungeahnten Ausmaßes erscheinen logisch. Viele, viele Tote, zuerst durch das Virus, dann durch neuen Hunger in so vielen Ländern werden uns begleiten. Auch in bislang so wohlhabenden Staaten werden sehr viele Menschen um ihre berufliche Existenz gebracht werden – so viele Rettungsschirme kann es gar nicht geben. Die Staaten werden Geld drucken und Geld drucken und Geld drucken, um zunächst zu helfen. Doch dann? Wird eine Angebotsverknappung eine große Inflation verhindern können? Etc. etc.

Nach all den Umbrüchen in den nächsten Monaten und wohl zwei Jahren wird sich dann endlich die Vernunft durchgesetzt haben und die große Mehrheit der Menschen in den Staaten, in denen offene Diskussionen möglich sind, (wieder) zur Einsicht gelangen, dass nur ein funktionierender Sozialstaat ein demokratisches System ermöglichen kann. So war das schon nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch aus heutiger Sicht halte ich das für die eher unwahrscheinliche Variante.

Viel eher gibt es das um sich greifende Bestreben nach autoritären Lösungen, bis hin zum Faschismus. Das Modell China droht zu triumphieren, der kapitalistische Überwachungskommunismus. Wieder so ein Treppenwitz der Geschichte.

 

In diesem Blog „Game Over“ werde ich ab sofort fortlaufend entsprechende Gedanken und Hinweise veröffentlichen und bin auf die Reaktionen gespannt.

 

Hinweise:

Zum US-Militärtransport: https://www.repubblica.it/cronaca/2020/03/19/news/coronavirus_tamponi_da_brescia_a_stati_uniti-251735473/?ref=RHPPTP-BH-I251736270-C12-P5-S1.12-T1

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https://blogs.taz.de/gameover/die-welt-nach-dem-corona-krieg-sozialstaat-oder-diktatur1/

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kommentare

  • „isch over“ – der badische exilpolitiker, der in berlin auf dem stuhl des bundespräsidenten sitzt, sagt es auf seine weise: der westen hat verloren. seine aus der aufklärung geborenen werte „freiheit, gleichheit, brüderlichkeit“ sind als rammbock westlicher ökonomischer interesse zur modernen kolonisation und unterwerfung unter den „american way of life “ genutzt und missbraucht worden – Glaubwürdigeit, Vertrauen und Loyalitäten sind dahin, wenn nur noch der Profit als Gott verehrt wird. dabei gab es mal eine Idee, Kapitalismus und Kommunismus und ihr Mantra von der Erwerbsarbeit als Massstab des Glücks abzulösen durch einen „demokratischen Sozialismus“, den die Geburtshelfer der neoliberalen Gesellschafts- und Wirtschaftsfilosofie Schröder, Fischer, Clement, Hombach, Steinbrück mit ihrer Agenda 2010 begraben haben. „Mehr Verantwortung übernehmen“ hiesse, das Friedensgebot und Gewaltverbot der UN-Charta endlich zum Massstab der Aussenpolitik zu machen – aber das sind alles Hirngespinste. Es gibt keinen charismatischen Führer des Westens, der diese Ideen glaubwürdig verkörpert. Der Weg für die autoritären Führernaturen und den kriegslüsternen Nationalismus ist frei.

  • Die Alliierten sind 1944 unter enormen Verlusten in der Normandie gelandet um das faschistische Hitlerdeutschland niederzuringen. Im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland wurden als Konsequenz des 2. Weltkrieges wesentliche Rechtsstaatsprinzipien sowie Freiheits- und Grundrechte formuliert.

    Vor dem Hintergrund der „Coronakrise“ hat es nicht einmal 2 Wochen gebraucht um in unserem Land mit viel Blut erkämpften rechtsstaatliche Prinzipien außer Kraft zu setzen.

    Selbst bei einer Beerdigung dürfen sich Angehörige des Verstorbenen nicht mehr in den Arm nehmen. Die Aldi-Kassiererin die sich den ganzen Tag an ihrem Arbeitsplatz dem Corona-Risiko ausgesetzt hat wir das abendliche Treffen mit einer Freundin untersagt.

    Die Würde des Menschen ist in unserem Land plötzlich wieder antastbar.

    Gleichzeitig drängen sich verstörende Parallelen zur deutschen Geschichte auf. Volksgesundheit und „systemrelevante“ Wirtschaftsbereiche haben wieder absoluten Vorrang. Wer gegen die Corona-Restriktionen verstößt, der gehöre „hart bestraft“, tönt die Politik und wird dabei auch von den Medien sekundiert. Gleichzeitig werden hunderttausende Freiberufler, Künstler und Gastronomen in den finanziellen Ruin getrieben. Auch viele Studierende stehen vor existenziellen Problemen.

    Der Mensch ist plötzlich nicht mehr Individuum und soziales Wesen, sondern Anhängsel eines Systems das die aktuelle Situation zu verantworten hat. Ohne ein chronisch überlastetes Gesundheitssystem und Pflegenotstand wäre die Situation längst nicht so dramatisch.

    Natürlich ist auch das Grundrecht auf Bildung in solchen Zeiten zweitrangig. Eltern werden mit der Betreuung ihrer Kinder allein gelassen und Universitäten geschlossen. Mit dem Schließen der Grenzen wird auch die europäische Idee – wenn es sie denn jemals gab- endgültig zu Grabe getragen. Jedes Land kämpft jetzt für sich allein um seine Schutzmasken.

    Auch die Meinungsfreiheit scheint auf der Abschlussliste zu stehen. „Glauben Sie keinen Gerüchten, sondern nur den offiziellen Mitteilungen“ erklärt Krisenkanzlerin Merkel. Andere Spitzenpolitiker wollen im Zuge der Corona-Krise sogar „Fake-News“ verbieten. Gilt also in Zukunft die Devise „nur der Staat hat Recht“?

    Die nächsten Schritte sind bereits absehbar: Überwachung der Bewegungsmuster und der Geldströme der Bürger.

    Wozu brauchen wir eigentlich die AfD?

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