vonHans-Peter Martin 10.11.2018

Game Over

Hans-Peter Martin bloggt über die globale Titanic der Politik und Wirtschaft – und wie es doch ein „New Game“ geben kann. Krieg oder Frieden.

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Paris befindet sich wieder einmal im Ausnahmezustand. Dieses Mal sind es nicht die Folgen eines Terroranschlags, welche die Innenstadt lahmlegen, sondern die aufwändige Absicherung derjenigen, die für sich in Anspruch nehmen, den Terror zu bekämpfen. So patrouillierten am Freitagabend kaum Polizisten im Viertel rund um das Bataclan und die Bastille, wo sich ungeschützt die Restaurant- und Clubbesucher drängten, dafür umso mehr um die Nobelhotels.

Emmanuel hält Hof zur Feier des Kriegsendes vor 100 Jahren, 72 Staats- und Regierungschefs haben sich angesagt, vor allem Donald Trump. Macron und Trump verbindet vieles. Persönlich ist es der unbändige Ehrgeiz und der haltlose Drang zur Selbstinszenierung, politisch die Art ihres Aufstieges. Beide verdrängen unliebsame Journalisten, der eine aus dem Élysée durch Schließung von Büros, der andere durch Entzug der Akkreditierung aus dem Weißen Haus.

Beide haben auf ihre Art breite Bevölkerungsschichten erreicht, die klassischerweise anderen politischen Gruppierungen zugerechnet werden. Beiden ist es gelungen, dass sich Millionen Wähler*innen mit ihrer Stimmabgabe ins eigene Knie schießen. Macron schafft es im Gegensatz zu Trump allerdings nicht, seine Anhänger bei der Stange zu halten. Der Anschluss seiner Partei an die ALDE, die europäische politische Gruppierung der Liberalen, ist jedoch ehrlich. Denn Macron hat die Sozialdemokraten als Neoliberaler pulverisiert. Wenigstens nicht von innen heraus. Doch Macron und Trump eint auch eine sichtbare Abneigung gegen eine breite demokratische Partizipation. Beide sind auf Autokratie gepolt und agieren historisch an der Bruchstelle zwischen den liberalen Nachkriegsdemokratien des Westens samt sozialem Fundament und etwas Anderem.

Macron und Trump wissen um die Macht die Bilder. Der französische Präsident denkt sicher nicht nur bei der Begegnung mit Angela Merkel an das Händehalten von Francois Mitterrand und Helmut Kohl 1984. Ringt er nicht mehr mit Trump, sondern hält er ihm auch nur im übertragenen Sinne die Hand, wäre dies zersetzend.

„Trump – c’est la guerre“, Trump, das bedeutet Krieg, lautet der Aufruf zur Demonstration morgen, Sonntag, ab 14 Uhr, auf dem Platz der Republik. Die Polizei wird stark vertreten sein. Den Demonstranten wurde verboten, den Platz zu verlassen, sie dürfen nicht durch die Straßen ziehen. Aus Sicherheitsgründen.

Anmerkung eines Unzuständigen: Violaine Cochard und Édouard Ferlet rocken und träumen auf Cembalo und Klavier, schaffen auf der Basis von alten Stücken etwas Neues. In der Politik wäre das auch so wünschenswert. Das jüngste Album heißt „Plucked’n Dance“, Aufführungen im Cafe de la Danse in Paris.

Über Kommentare zu diesem Blog freue ich mich.

Zum Thema: Hans-Peter Martin, „Game Over – Wohlstand für wenige, Demokratie für niemand, Nationalismus für alle – und dann?“ Penguin Verlag, München 2018. 384 Seiten und 25 Grafiken, 24 Euro. Weitere Informationen: www.hpmartin.net

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