vonjan feddersen 14.09.2022

taz Hausblog

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Neulich fragte ein Mitglied unser taz-Genossenschaft, so königinnentreu wie nur wenige in der taz-Community: „War die Queen nicht mal in der taz?“ Er las unsere Zeitung schon in den achtziger Jahren, als mediale Übermittlungswege wie Online oder Social Media allenfalls von wenigen phantasiert wurden. Ja, dieser taz-Genosse erinnert zurecht eine etwas tiefengründlichere Recherche im taz-Archiv belegt dies. Brigitte Marquardt und Eva Berger, Hüterinnen unserer Tag für Tag publizierten Ausgaben: Danke.

Britische Botschaft in Bonn: Nicht über jede Minute des Besuchsprogramms informiert

Autor ist der längst ehemalige taz-Redaktionskollege Ulli Kulke. Er meldete sich bei uns und schrieb uns zu dieser Geschichte, die sich am Besuch Ihrer postkolonialen Majestät aus Großbritannien und Nordirland in der Bundesrepublik festmachte:

„Ich meine, dass wir das damals nie richtiggestellt haben, bin mir aber nicht 100 Prozent sicher. Könnte man jetzt jedenfalls nachholen, einmalige Gelegenheit 😀. Aufgehängt hatte ich die Story daran, dass die taz damals ja bekannterweise drucktechnisch die modernste Zeitung war, das alles angeblich Made in Britain gewesen sei und die Queen mal habe schauen wollen. Ich erinnere mich, dass zwei, drei andere Blätter das einen Tag später aufgegriffen haben und das natürlich kapiert haben. Die britische Botschaft in Bonn (damals die Hauptstadt der Bundesrepublik, Anm. der taz-Hausblog-Redaktion) hatte wohl mehrere Anrufe bekommen, aber voller königlicher Zurückhaltung die ernsthafte Standardantwort gegeben: Man sei nicht über jede Minute des Besuchsprogramms informiert.“

Und warum hat er diese Story aufgeschrieben? Kulke antwortet:

„Ein bisschen ist das ja auch taz-Frühgeschichte. XXX und YYY haben damals öfters sowas gemacht, ich fand das eigentlich immer nicht so gut, aber dann hat mich doch der Teufel geritten, weiß nicht mehr warum. Morgens die Idee gehabt, dann nur mit CvD Zaggi (Wolfgang Zügel) kurz abgequatscht, es hatte niemand was dagegen, und dann habe ich in die Tasten gehauen.“

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Der größte Knicks vor dieser königlichen Hohheit

Heute muss bekannt werden, was die besagte britische Botschaft in Bonn mit vorzüglichster Diskretion nicht zu dementieren nötig hatte: Dieser Besuch von Queen Elizabeth II. in der Westberliner taz, gar in den wirklich nicht so smarten Redaktionsräumen der Wattstraße im Wedding, hat nie stattgefunden, Kulkes Bericht ist nichts als Fake und, freundlichst-tazzig interpretiert, ungefähr der größte Knicks vor dieser königlichen Hohheit, der sich zu knicksen nur denken lässt: Die taz-Redaktion, die Kulkes Idee morgens auf der Konferenz durchwinkte, muss einen Besuch dieses Staatenoberhaupts offenkundig ersehnt haben. Warum wurde das nie klargestellt, Kollega Kulke?

„Ja, das wurde es nie. Und, ganz ehrlich, das ist nicht ganz okay, muss ich eingestehen. Obwohl das dann aber nicht allein nur in meinem Verantwortungsbereich lag. Die Wiese (die Kleinanzeigenabteilung, Anm. der taz-Hausblog-Redaktion) war ja damals doch ziemlich eigenständig und vor allem eigenwillig, ähnlich wie die Säzzer. Und die Wiesenleute fanden dann den Queenbesuch offenbar very appropriate und waren very amused.

Und: Offenbar haben uns damals ne ganze Menge Leser ’ne ganze Menge zugetraut, einen Besuch der Queen eingeschlossen. Das muss man sich mal reinziehen…“

Glam und Farbenfreude, Angemessenheit und Inklusion

Kulke schließt in seinen Erläuterungen:

„Mit britischem Humor kann man dann heute aber auch sagen: Jetzt, nach ihrem Tod, wollen wir das richtigstellen. Elizabeth hat es schließlich selbst nie dementiert. Sie hat die Wahrheit mit ins Grab genommen 😀. God save the queen!“

Dem wollen wir uns seitens der taz-Hausblog-Redaktion anschließen: So eine Königin erfüllte den Tatbestand von Glam und Farbenfreude, von Angemessenheit und Inklusion wie keine andere.

„Das Freiabo“, so schreibt uns Ulli Kulke noch in einer letzten Mailbemerkung, „könnte vielleicht auf Harry und Meghan übergehen…“ Nein, da haben wir einen Dissens: Es gehe an den König und vor allem an seine Gattin Camilla, die unterschätzteste Royal unter ihnen allen!

Von Jan Feddersen, Ehrenmitglied der taz-Hausblog-Redaktion

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https://blogs.taz.de/hausblog/als-die-queen-doch-nicht-in-der-taz-war/

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kommentare

  • Ziemlich unseriös, sich flapsig rauszureden und so zu tun, als ob die Leser*innen das schon entschuldigen würden. Nein, das war damals kein verlässlicher Journalismus und hat mir die taz damals auf lange Sicht verleidet. I am not amused.

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