vonblogwart 13.07.2015

taz Hausblog

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84Vorigen Donnerstag fand im Schloss Bellevue, Amtssitz der Bundespräsidenten, ein Symposion unter dem Titel „Wer ist wir?“ statt – eine Veranstaltung über „Identität, Zugehörigkeit und Zusammenhalt in Deutschland“. Bundespräsident Joachim Gauck hielt eine bemerkenswerte Rede.

So sagte er zum Ende seiner Ausführungen über die neudeutsche Realität:

„Ganz wunderbar hat diese Schwierigkeiten die Journalistin Emilia Smechowska beschrieben, die heute als Emilia Smechowski bekannt ist und als Kind mit ihren Eltern aus Polen nach Deutschland kam. Sie erlebte ihre Eltern damals als Menschen, die in der neuen Umgebung am liebsten unsichtbar sein wollten, die sich um jeden Preis anpassen und um keinen Preis auffallen wollten, außer vielleicht durch besonders gute Leistungen in Schule und Beruf. Emilia Smechowska schreibt deshalb von „Strebermigranten“.

Sie erschienen manchmal deutscher als die Deutschen und zuckten bei Polenwitzen dann doch zusammen. Inzwischen holen sich Emilia Smechowska und andere Angehörige der zweiten Generation das Polnische zurück. Sie wollen deutsch sein, aber doch auch polnisch bleiben. Ich finde, die Autorin hat einen ziemlich überzeugenden Vergleich dafür gefunden, den ich an dieser Stelle zitieren möchte: ‚Ich will als Frau die gleichen Rechte wie ein Mann, das gleiche Gehalt, die gleichen Aufstiegschancen. Das heißt doch aber auch nicht, dass ich ein Mann sein will.‘“

Als allerletzte Notiz nach dieser Passage teilte er über diese mit:

„Ich verstehe diesen Vergleich als eine Botschaft: Ich will gleichberechtigt sein aber nicht gleich. Und warum sollten wir ein Problem haben mit solcher Differenz?“

Unsere Kollegin, von der der Bundespräsident beeindruckt war, ist die Redakteurin der Wochenendausgabe, Emilia Smechowski. Die ganze Geschichte stand in der taz.am wochenende unter der Überschrift „Wir Supermigranten“ zu lesen – veröffentlicht auf taz.de neulich.

Wir sind entzückt, dass das Kernargument des Bundespräsidenten im Hinblick auf Identität und Migration in der taz.am wochenende zu finden war – und dass es dort nicht von den Stäben des Bundespräsidialamtes übersehen wurde.

P.S.: Kollegin Smechowski war übrigens zum Symposion eingeladen, wurde aber ein Opfer der öffentlichen Verkehrsmittel. Ein mehr als nur zähfließender Verkehr Richtung Bellevue … Dass Sie in Gaucks Rede zitiert worden war, erfuhr sie am Telefon von einer Bekannten. Sie war sprachlos!

JAN FEDDERSEN

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kommentare

  • Liebe taz, bleib mal auf dem Boden, ja? Schmück dich nicht immer mit allem, was dir über den Weg läuft und nach schöner Eigenwerbung aussieht. Wirkt auf mich manchmal so. Gauck ist immerhin ein Politiker und seine Redenschreiber haben mediale Strategien.

    Klar ist es etwas Besonderes, von einem so prominenten Staatsrepräsentanten erwähnt zu werden. Ich finde diesen Politiker auch wirklich viel besser als die Präsidenten vor ihm. Ich fand den langen Artikel von der Journalistin auch sehr gut. Ich konnte ihn nicht mehr aus der Hand legen und las ihn an einem Stück fertig.

    Nur, taz bleibt taz, kein Respekt vor Macht etc. Oder hat sich das geändert?

    Wnn die Journalistin ihrem polnischen (und deutschen) Nationalgefühl jetzt künftig zu viel Wert beimisst, Bücher dazu schreibt oder Ähnliches – finde ich, sollte sie Schriftstellerin werden und als Journalistin die Finger von dem Thema lassen statt sich von der Politik instrumentalisieren zu lassen. Selbst wenn’s einer guten Sache dient. Das ist meine Meinung.

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