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von 24.06.2011

taz Hausblog

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Ein Gericht in Amsterdam hatte den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders vom Vorwurft der Diskriminierung der Anstiftung zum Hass freigesprochen. In einem taz-Kommentar von Ruth Reichenstein hieß es dazu: „Dieses Urteil ist ein Freifahrtsschein für Wilders, mit seiner Hetze fortzufahren – und eine Ohrfeige für die Muslime, die in den Niederlanden leben, sowie all diejenigen, die an ein gleichberechtigtes und friedliches Miteinander zwischen Einwanderern und Einheimischen, Muslimen und Christen glauben.“

Mit den Inhalten des Kommentars nicht einverstanden zeigt sich V. B. Schulze in einem Leserbrief:

sehr interessant, dass ihr jetzt endgültig in sachen zensur und kampf gegen die meinungsfreiheit unterwegs seid. ist euren ahnungslosen schreiberlingen, die da nach bestrafung rufen, eigentlich klar, dass die muslimischen verbände bereits, mit verweis auf neue mehrheitsverhältnisse (mehr muslime als schwule), vom niederländischen parlament verlangt haben, homosexualität unter strafe zu stellen (ebenso gotteslästerung)? kann ein bekennender schwuler wie wilders da vielleicht auch ein etwas offensiveres aufklärungsinteresse haben? warum eine völkische blut-und-glauben-ideologie wie den islam nicht mit „mein kampf“ vergleichen?

Es antwortet Ambros Waibel aus der Meinungsredaktion der taz:

Die „Münchner Plattler-Burschen“ sind eine schwule Volkstanzgruppe. Der Vorsitzende der Bayerischen Trachtenverbände, Otto Dufter, beurteilt sie so: „Das trifft das Herz des Urbayern und ist einfach irgendwo atypisch. Das gehört sich nicht, und das hat auch der Schuhplattler nicht verdient, dass er für so was missbraucht wird.“ Schwulenfeindlichkeit gibt es also sogar im schönen Bayern. Deswegen – sage ich als Bayer – möchte ich auch nicht mit Nazis in einen Topf geworfen werden und würde mich im Fall des Falls auch gerichtlich dagegen wehren. Eine Blut-und-Boden-Ideologie ist der Islam schon deswegen nicht, weil auch V. B. Schulze Mitglied werden kann – die Genetik ist eher Sarrazins Feld. In der taz-Redaktion hätte V. B. Schulze hingegen Probleme, weil wir hier uns zumindest Mühe geben zu argumentieren statt zu pöbeln; und weil wir hier wissen, dass namentlich gekennzeichnete Kommentare die Meinung der Autorin bzw. des Autors wiedergeben und nicht unbedingt die des gesamten Betriebs. Aber schön, dass drüber geredet wird – sage ich als Meinungsredakteur.

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