vonandreas bull 03.02.2021

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Die Raumlufttemperatur in den Büroflächen im 6. Stock vom taz Neubau beträgt derzeit 20,2 Grad Celsius. Im Besprechungsraum ist es noch ein Grad kälter. Nahezu unverändert morgens, mittags, abends. Im 5. auch. Weiter unten ist es etwas wärmer. Schön kuschelig ist es nur im Erdgeschoss. Dank der dort verbauten Fußbodenheizung hat das Haus warme Füße.

Als skeptische Medienarbeitende wissen wir um die Ambivalenz, die auch den guten Dingen innewohnt. Die Energiebilanz des noch immer neuen Verlagsgebäudes der taz ist eigentlich sorgsam austariert. Um die angestrebte Behaglichkeitstemperatur der Arbeitsplatzumgebung zu erreichen, soll möglichst wenig Energie – also im Sommer Kühle und im Winter Wärme – von außen zugeführt und wieder abgeführt werden müssen, das Haus soll sich möglichst autark ausbalancieren. Wird so eine Operation Standard für Bürogebäude, sind wir beim Klimaschutz einen großen Schritt weiter.

Schön kuschelig ist es nur im Erdgeschoss

Wie angenehm kühl wir das Gebäude durchs Erzeugen von Verdunstungskälte und Verschattung selbst bei heißer sommerlicher Umgebungsluft halten können, ist hier schon mehrmals beschrieben worden. Im Winter, so die Erkenntnis der Branche, sorgen Dreifachverglasung und die mittlerweile normal gute Isolation der Gebäudehülle für geringen Wärmeverlust. Und die im Haus erzeugte Energie, also die Verwendung der Abwärme der Server, der Kühlhäuser von der taz Kantine und der Ertrag der Wärmerückgewinnungsanlage besorgt den Rest. Eigentlich.

Nun leben wir aber gerade in uneigentlichen Zeiten. Um die 70 Prozent der Mitarbeitenden der taz sind nicht mehr regelmäßig im Haus, die Räume hier sind mit Rücksicht auf die Abstandsregeln nur noch dünn besetzt. Nun fehlt es an menschlicher Wärme, in jeder Hinsicht. Und mit Rücksicht auf die Reduzierung der Ärosolbelastung sind die Parameter der CO2-Werte, die die Lüftungsanlage steuern, auf höchstmögliche Luftqualität gesetzt. Es „zieht“ zwar nicht, aber die Raumluft wird ständig durchgespült, das Haus hat wenig Chancen, sich aufzuwärmen.

Es fehlt in jeder Hinsicht an menschlicher Wärme

Nun ist eine „Behaglichkeitstemperatur“ von 20 Grad Celsius für Bürotätigkeiten nach Arbeitsstättenverordnung durchaus im Bereich des Statthaften. Aber etwas mehr fürs Wohlbefinden wollen wir schon erreichen. Vielleicht schaffen wir es, umgekehrt wie im Sommer, wenn die Masse des Baukörpers des nachts gekühlt wird, nachts die Abluft so zu regulieren, dass die Räume zumindest morgens etwas aufgewärmt sind? Wir arbeiten dran. Bis dahin leben wir nach der großelterlichen Devise: Füße warm, Kopf kalt, so wirst Du 100 Jahre alt. Dem Gebäude steht demnach jedenfalls ein langes Leben bevor.

Von ANDREAS BULL, Geschäftsführer der taz

P.S.: Mittlerweile ist es dem Team der HaustechnikerInnen mit vereinten Kräften gelungen, ein Grad Kelvin mehr in die Flächen zu bringen.

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