vonhausblog 30.06.2021

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Es war ein holpriger Wochenbeginn mit solchen Nachrichten am Montagmorgen: Schleichwerbung bei den taz Blogs. Aufmerksame Blogleser:innen werden den Blog namens „kritisch betrachtet“ kennen. Die Vielschreiberin Katharina Hübener hat hier seit Oktober 2020 über Alltagsphänomene, gesellschaftliche Themen und politische Ereignisse gebloggt. Sie stellte Fragen zum Berliner Mietendeckel, schrieb über die Reform des Pflegeberufs und sammelte Ratschläge für eine gesunde Ernährung.

Nach einem Hinweis an unser anonymes Postfach informant.taz.de entdeckten wir allerdings Verlinkungen, die auf Unternehmen oder Dienstleistungsanbieter umleiteten und die wir bisher leider übersehen hatten. Aus der Mail der „Damen, Herren und Sterne vom Digitalkollektiv Lug und Trug“ ging hervor, dass „fast alle dieser Blogartikel am 19.06.2021 eindeutige Werbelinks enthielten. Nur ein Bruchteil davon (8 von 62) war ohne Werbung.”

Das Kollektiv zählte 182 Artikel, davon prüften sie exemplarisch 62 (also mehr als ein Drittel der Beiträge). Zitat aus der Mail von Lug und Trug: „Bei diesem Blog handelt es sich nur sehr oberflächlich betrachtet um die nette kritisch-vielfältige Losetextsammlung einer vielseitig interessierten BWL-Studentin. Vielmehr habt ihr mit diesem Blog unserer Ansicht nach eine SEO-Sockenpuppe in euer digitales Haus gelassen, die aus fast jedem ihrer Artikel heraus mit strategischen Verlinkungen suchmaschinenoptimierte Werbung absetzt. Weder wird dies gut sichtbar gekennzeichnet noch anderweitig offen gelegt. Die Texte sind sprachlich-suchmaschinenseitig durchoptimiert, passende Keywords zum jeweiligen Auftraggeber im thematisch mehr oder weniger verbundenen Text integriert, die werblichen Links werden strategisch versteckt üblicherweise im letzten Drittel platziert und verweisen dann eben je nach Bezugsmöglichkeit auf Casinos, private Krankenversicherungen, Baufinanzierung, Kreditvermittler, auf eine Bitcoin-Plattform, auf Schlüsseldienste, Taufkarten, Kinderwagen, auf Rechtsanwaltskanzleien, Bettenverkäufer und vieles andere mehr.“

„Linksversiffter Goldstaub“

Die Eigenbeschreibung des Blogs liest sich angesichts der oben erwähnten Verlinkungen beinahe schon zynisch: „kontroverser Politikblog, der ohne ein System aus Abhängigkeiten seitens einer Partei oder bestimmten Interessengruppen geschrieben wird.“

Nun ja, scheinbar wollte die Autorin aber doch den Marktinteressen folgen. Geschickt wurden also Schlagwörter gesetzt, alles für die Suchmaschinenoptimierung (SEO), ohne die in Zeiten von Google & Co. das Internet nicht mehr vorstellbar ist. Und die taz ist im SEO-Bereich einiges wert: eine Verlinkung von taz.de oder einer ihrer Unterseiten (dazu gehören z.B. die taz Blogs) fördert die Vertrauenswürdigkeit der jeweiligen URL, auf die verlinkt wird. „Sozusagen linksversiffter Goldstaub“, so das Kompliment unserer Hinweisgeber.

Die Blog-Autorin erklärt ihr Vorgehen damit, dass sie es so gelernt habe. „Leser können einen Mehrwert aus relevanten Produkt- oder Firmenseiten ziehen, wenn diese thematisch zum Artikelinhalt passen.“ Allerdings widerspricht das eindeutig unserem Redaktionsstatut: §3 (5) „Anzeigen und anzeigenorientierte Beilagen bzw. Online-Inhalte sind als solche kenntlich zu machen und vom redaktionellen Teil deutlich zu trennen.“

Vielen Dank an dieser Stelle an das Digitalkollektiv Lug und Trug für den Hinweis!

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https://blogs.taz.de/hausblog/seo-sockenpuppe-bei-den-blogs/

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