von 27.11.2013

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

Mehr über diesen Blog

ipo-genossen„Dazu muss man sich als Zeitung nicht hergeben, etwas zu veröffentlichen, was dann im Wahlkampf so missbraucht wird“, sagt ein verärgerter taz-Genosse. Die taz hatte am Montagabend ihre Eigentümer eingeladen, um über den meistkritisierten Artikel der letzten Jahre zu diskutieren: Mehr als 1.000 Briefe gab es von unseren Lesern, dutzende Kündigungen von taz-Genossenschaftsmitgliedern.

Sechs Tage vor der Bundestagswahl hatte die taz einen Text der Politikwissenschaftler Franz Walter und Stephan Klecha veröffentlicht. Darin erwähnten die beiden, dass Jürgen Trittin 1981 als Student in Göttingen in einer Wahlbroschüre der örtlichen „Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste“ als presserechtlich Verantwortlicher aufgeführt war und dass in dieser Publikation auch ein Text der „Homosexuellen Aktion Göttingen“ abgedruckt war, die darin die Straflosigkeit von sexuellen Handlungen zwischen Kindern und Erwachsenen forderten, die nicht unter Anwendung und Androhung von Gewalt zustande kamen.

In den folgenden Tagen griffen alle Medien die Geschichte auf. Die Grünen kamen in der Schlussphase des Bundestagswahlkampfes in der Pädophilie-Diskussion noch einmal zusätzlich unter Druck. Und plötzlich war dabei auch der Spitzenkandidat Jürgen Trittin im Visier.

Die rund 20 Genossen, die der Einladung der taz gefolgt waren, kritisierten die Redaktion am Montagabend mehrheitlich. Einer sagte: „Ab einem Monat vor der Wahl muss die Redaktion sich fragen, wer mit welchen Interessen etwas skandalisiert. Man muss auch einbeziehen, dass Franz Walter Mitglied der SPD ist und vielleicht hatte er noch eine Rechnung offen?“ Eine Genossin forderte, die taz müsse den Kampagnen der rechten Presse eigene Kampagnen entgegensetzen. Ein anderer meinte: „Ich habe mich damals gefragt: Das ist doch Schnee von gestern, warum wird das heute gedruckt?“ Kritik gab es auch daran, dass die taz das Thema auf Seite 1 gehoben hat und es dort in einer Randspalte anriss: „Ich finde, ihr habt euch korrumpieren lassen! Wenn das über dpa gelaufen wäre, hättet ihr es nicht so groß gebracht!“ Von einer handvoll Genossen gab es aber auch ausdrückliche Unterstützung für die Redaktion. Einer sagte: „Wäre die Entscheidung anders ausgefallen, dann wäre ich hier, um der Redaktion sowas von auf die Füße zu treten!“

Chrefredakteurin Ines Pohl verteidigte den Text. „Es war eine Nachricht von großer Relevanz, dass der offiziell von den Grünen beauftragte Forscher zu diesem Ergebnis kam.“ Die taz entscheide allein nach journalistischen Kriterien über den Abdruck von Artikeln – und nicht danach, wen man im Wahlkampf unterstützen wolle. „Wir sind ja gerade nicht die Welt, wir sind ja gerade nicht der Focus, wir machen ja gerade keine solchen Kampagnen im Wahlkampf!“

Die Autoren hatten den Text der taz kurzfristig am Wochenende vor der Wahl angeboten. Die Süddeutsche Zeitung hatte den Abdruck zuvor abgelehnt. Eine Stellungnahme zu den Gründen wollte die Süddeutsche uns gegenüber nicht abgeben. Die Autoren gaben der taz einen Tag Zeit, um über den Abdruck zu entscheiden, ansonsten hätten sie den Text einem anderen Medium angeboten.

Am Sonntag fragte die Redaktion zunächst Jürgen Trittin nach einer Stellungnahme. Die kam innerhalb einer Stunde: „Franz Walter beschreibt die Sachlage zutreffend.“ Es sei damals das Selbstverständnis der Göttinger Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste gewesen, die Forderungen einzelner Initiativen – in diesem Fall der Homosexuellen Aktion Göttingen – eins zu eins zu übernehmen. Trittin: „Diesem falschen Politikverständnis und diesen falschen Forderungen haben wir uns nicht entgegengestellt. So sind viele falsche Forderungen in das Grüne Wahlprogramm dieser Zeit gekommen, auch in das Kommunalwahlprogramm in Göttingen. Dies ist auch meine Verantwortung. Und dies sind auch meine Fehler, die ich sehr bedauere.“

taz-Redakteur Gereon Asmuth: „Das ist eine Nachricht, damit muss ich raus! Egal, welcher Partei das schadet!“

taz-Redakteur Lukas Wallraff führte aus, dass der Nachrichtenwert des zu Grunde liegenden Vorgangs noch nicht so gravierend war. Sondern: „Die Person des von den Grünen offiziell beauftragte Wissenschaftler hat es für mich zur Nachricht gemacht.“ Er verglich das mit Mitteilungen, die nicht von einer Privatperson, sondern von einer Regierungs-Kommission wie zum Beispiel der Süßmuth-Kommission beim Zuwanderungsrecht kommen. Und es waren die Grünen selbst, die Walter schließlich auch erlaubt hatten, jederzeit Zwischenergebnisse zu veröffentlichen. Lukas Wallraff: „Wir wären dann ja grüner als die Grünen selbst gewesen, wenn wir das aus politischer Rücksichtnahme abgelehnt hätten.“ Außerdem wäre der Text dann eben anderswo abgedruckt worden – und zusätzlich wäre auch noch veröffentlicht worden, dass die taz den Abdruck abgelehnt hat, und das nur wenige Wochen, nachdem der taz in einem anderen Fall vorgeworfen worden war, sie sei wie eine Parteizeitung der Grünen und kritische Berichterstattung über die Grünen sei bei uns im Wahlkampf nicht möglich.

Die Genossen regten einhellig an, dass die taz in Zukunft bei potenziell strittigen Artikeln von sich aus die Argumente für einen Abdruck und die Umstände transparent macht – dann wäre das auch in diesem Fall für viele besser nachvollziehbar gewesen. „Ich bekomme etwas angeboten und erfahre die Hintergründe nicht“, kritisierte einer. Die taz-Redakteure nahmen die Anregung auf. In Zukunft könnte es in ähnlichen Fällen entweder einen Kommentar geben, der einen Artikel und die Entstehung einordnet. Oder einem Extra-Text, in dem wir über den redaktionsinternen Diskussionsprozess schreiben. „Das ist etwas, was wir wirklich mitnehmen“, sagte Ines Pohl.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/hausblog/trittin-artikel-zur-paedophilie-das-ist-doch-schnee-von-gestern-warum-wird-das-heute-gedruckt/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Hallo liebe taz,
    den Artikel über die Pädophilie zu bringen war richtig, egal ob ein
    katholischer Bischof oder ein Spitzen-Grüner darin verwickelt ist.
    Ich erwarte von der taz, dass sie keine Rücksicht nimmt auf Wahlkampf
    Personen oder große Namen , sonst wäre es dass Ende der Glaubwürdigkeit. Man denke sich nur folgendes : Pädophilie-Skandal in
    katholischer Kirche wird gebracht, Pädophilie-Skandal bei den Grünen
    wird nicht gebracht !?!? Dann gute Nacht.
    Bravo Ines Pohl, weiter so.

  • – ich stehe hinter der anregung der taz genossen
    – die (möglichen)umstände der wahl des zeitpunktes zum abdruck des artikels wären für mich wichtig gewesen (walter=mitglied der SPD; 1 tag zeit zur entscheidung)

  • …zum letzten Absatz:
    die Entscheidung der Chefredaktion, den Trittin-Artikel zu veröffentlichen, habe ich positiv unterstützt; mir aber gleichzeitig gewünscht, dass die Redaktion den vorangegangenen, verantwortungsvollen Diskussionsprozess dem geneigten Leser nachvollziehbar als Kommentar oder Extra-Text mitgeteilt hätte.
    Als „älteres Medienschlachtross“ freue ich mich, dass Ines Pohl versicherte, dass man dies mitnehmen und damit künftig praktizieren wird…
    Christian G. Christiansen

  • Auch wenn Walter die Nachricht bereits der SZ angeboten hatte und wenn er es anderen Medien bei Ablehung durch die taz anbieten wollte, ist ihm von Seiten der taz eigentlich klar gemacht worden, was er mit diesem Artikel im Wahlkampf anrichten würde? Wenn ja, was war seine Reaktion?

    • Es ist nicht die Aufgabe der taz, dafür zu sorgen/andere Leute zu beeinflussen, dass die Grünen möglichst unbeschadet durch Wahlkämpfe kommen.

  • Vielen Dank für Ihre Zusammenfassung, die den ganzen Vorgang noch einmal nachvolziehbar macht. Unter den geschilderten Umständen war die Veröffentlichung vorzuziehen.Die taz ist unabhängig und keine Parteizeitung. Auch eine Nicht-Veröffentlichung hätte als Versuch einer politischen Einflussnahme verstanden werden können

  • Liebe tazlerInnen,

    die Folgen eines Textes in der Redaktion zu diskutieren – gerade in Wahlkampfzeiten – halte ich für eine Selbstverständlichkeit, und ich gehe davon aus, dass ihr das auch getan habt. Was euch überrascht ist die Reaktion von einer Seite, die ihr offensichtlich nicht erwartet habt. Die taz-Redaktion hat sich der Diskussion gestellt, das ist mehr als ehrenwert. Aber bitte lasst den Unsinn diese Entscheidungen der Redaktion in aller Öffentlichkeit, womöglich auch noch vor der Veröffentlichung, zu diskutieren. Das beraubt euch doch jeder Möglichkeit eine Entscheidung im journalistischen Sinn zu treffen (und der kann sich von berechtigten politischen Überlegungen ziemlich unterscheiden). Da könnte man von der SZ lernen (s.o.), wenn man denn wollte.

    mit freundlichen Grüßen

    Rainer Büschel

  • Ich als grüne habe sehr viel Energie in dem Wahlkampf gesetzt und als der Bericht in der TAZ gekommen ist war das wie ein Schlag ins Gesicht. Und jetzt nach dem die Wahl vorbei ist, liesst man aber gar nichts mehr darüber. Ich lese weiterhin TAZ aber es hat schon einen bitteren Geschmack hinterlasen.

  • Die Redaktion hat meine volle Unterstützung und auch meinen Respekt für das bisherige Vorgehen.
    Über Themen muss berichtet werden wenn der Nachrichtenwert da ist, und nicht erst dann wenn es einer irgendwie gearteten Interessengruppe passt.
    Zugespitzt möchte ich es so formulieren: Es ist gut zu wissen, dass man nicht eine „andersfarbige“ Bildzeitung unterstützt, sondern ein Blatt das zum allergrößten Teil ordentliche Arbeit/Journalismus betreibt. Und das sollte man, gerade vor dem Hintergrund der auf den besagten Artikel folgenden Meinungsmache in anderen Blättern, meiner Meinung erst recht honorieren.

  • danke für die erläuterung – und trotzdem: mit dieser nachricht habt ihr jürgen trittin politisch hingerichtet. dieses trauma bleibt der redaktion. die taz als henker geschichtsvergessener bürgerlicher korrektheit. ich habe als abgeordneter die pädofilenbeschlüsse der grünen in jener zeit der 80-er jahre gegeisselt und bekämpft, weil sie mit meiner wertewelt nicht kompatibel waren, aber ich hätte „mein leben gegeben“ – um mir rousseau zu eigen zu machen – „dass sie sie äussern dürfen“. die freiheit der presse hat keinen vorrang vor der freiheit der meinung, aber sie hat eine verantwortung vor sich und dem betroffenen, wenn sie die sünden einer anderen zeit in die political correctness der gegenwart auf die wahlkampfträchtigen eingebungen eines parteipolitisch nicht unabhängigen politologen einflicht. dieser verantwortung ist die taz in diesem fall nicht gerecht geworden. ein lernprozess mit kollateralschäden. alsdann: nur mut bei der vergangenheitsbewältigung

    • Äußern durften sie die damals und heute, nur Umsetzen nicht. Die Medien haben dabei aber die Rolle, auch den Bürger darüber zu informieren, wer was wann wie gesagt und getan hat. Und Trittin hat’s halt abgenickt, das aber schleunigst vergessen, als es unstatthaft wurde, das getan zu haben. Das ist eine Information, die die Wähler haben sollten. Genauso, wie man über Merkel, Kohl, Schröder oder Steinbrück berichtet.

  • Die Veröffentlichung des Artikels „Die fatale Schweigespirale“ mag dem Wahlkampf der Grünen, oder besser des grünen Spitzenkandidaten Trittin, geschadet haben, die Auseinandersetzung mit dem „Zeitgeist“ der „grünen“ – linksliberalen – Gründerzeit wurde durch die Veröffentlichung Walters vielleicht auch absichtlich zu diesem Zeitpunkt forciert – aber der Versuch, über derartige Peinlichkeiten und Verirrungen „politisch aktiver Bürgerrechtsliberaler“ nicht zu reden und also besser zu schweigen – wurde durch die Veröffentlichung in der taz verhindert – und genau das ist für mich guter Journalismus.

    Natürlich ist das „politisch“: es unterscheidet die taz von einem „Public Relations“-Blatt wie von einem Sekten-Zentralorgan. An den Kommentaren kann man ablesen, wie wichtig einigen Genossen die (journalistische) Auseinandersetzung mit fundamentalen „bürgerrechtsliberalen“ Positionen ist: der Walter-Artikel ist kein „Schnee von gestern“, sondern ein watschenpeinlicher Beitrag zum Thema „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“. Es ist gut, dass eine Diskussion über die Aufgaben des Journalismus mit den Lesern der Zeitung stattfindet, es wäre fatal, wenn die politische Redaktion einer Zeitung einem „imperativen Mandat“ folgen würde, einerlei ob es das Mandat einiger Leser oder das der Anzeigenaquisition wäre.

  • Danke für die Zusendung der Kurzfassung. So habe ich noch einen Eindruck von der Diskussion. Ich bleibe dennoch bei meiner damals geäußerten Einschätzung. Uns hat dieser Artikel hier vor Ort sehr geschadet. „Kinderschänder“ wurde uns am Stand zugerufen und das ist so ziemlich das Schlimmste, was ich mir bisher in einem Wahlkampf angelastet wurde.

    Mit grünen Grüßen aus der Provinz

  • Auch ich war nahe dran mein Abo und meine Mitgliedschaft zu kündigen,und dir Zusammenfassung der Diskussion vom Treffen befriedigt mich überhaupt nicht.
    Das Thema war doch wirklich Schnee von gestern und ein bisschen taktieren
    im Wahlkampf hätte der Taz weniger geschadet, als uns was wir jetzt als Wahlergebniss serviert bekommem haben.
    Es ist einfach einfältig sich auf Überparteilichkeit zu berufen.Blätter die das Bürgerliche Gedankengut verbreiten gibts genug!!!!!

    • Wenn die Wahrheit „bürgerliches Gedankengut“ ist, kann es nicht genug Blätter geben, die das verbreiten. Propagandablättchen braucht es nirgends und die sind immer schädlich.

  • Im Blog Artikel wird von der Homosexuelle Aktion Göttingen behauptet, daß sie 1981 in einer Wahlbroschüre „die Straflosigkeit von sexuellen Handlungen zwischen Kindern und Erwachsenen forderten, die nicht unter Anwendung und Androhung von Gewalt zustande kamen“. Es wurde versucht diesen Sachverhalt richtig darzustellen u.A. in http://www.taz.de/!123786/#bb_message_3011819 und erneut in
    http://www.taz.de/!125414/#bb_message_3023718, aber offenbar jedesmal nicht gelesen worden, so daß die gleiche Fehldarstellung erneut in diesem Blog-Artikel auftaucht.

    Wie gesagt fehlt, daß die Homosexuelle Aktion Göttingen im Wahlprogramm der AGIL 1981 für eine umfassende gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung und Rehabilitation verfolgter Homosexueller eintrat. Es fehlt zudem, daß laut AGIL nicht alleine „Anwendung und Androhung von Gewalt“ sondern auch „Mißbrauch eines Abhängigkeitsverhältnisses“ unter Strafe stehen sollte.

  • NAJA, wenn die taz und einige ihrer LeserInnen so tun, als würde, was nicht in der taz steht, nicht zur Kenntnis genommen, als ob es nicht existieren würde (und keine anderen Medien darünber berichten würden), dann ist das entweder komisch oder beäängstigend: Da geht jemand aus von einer geschlossenen Gesellschaft, in der eine Wahrheitsinstanz darüber entscheidet, wann wem welches Wissen zugemutet werden darf.

    Zum Glück gibts noch andere Medien, dadurch sind solche Größenwahnphantasien nicht gefährlich, sondern nur lächerlich.

    Die taz tut sich mit solchen „Diskussionen“ freilich keinen Gefallen: Die Bürger merken es sehr schnell wer wo was vortäuscht. Eine Zeitung, die nicht für Offenheit steht, kann man beim täglichen News-Surfen zwar noch ebenso mitnehmen wie Parteiblätter der CSU oder das „Neue Deutschland“, um auch die jeweilige Partei- und Sektenmeinung zu erfahren. Für die eigene Meinungsbildung wird sie aber nicht mehr ernsthaft herangezogen werden können.

    Selber schuld.

  • Seit Ines Pohl die Chefredaktion der taz übernommen hat, läuft in dieser Zeitung einiges schief. Ich erinnere auch noch einmal an den Artikel, in dem vehement die Todesstrafe verteidigt wurde. Kommentarlos abgedruckt in der taz!
    Im Übrigen ist es ein spießiges, langweiliges und angepasstes Blatt der bürgerlichen Mitte geworden, dass selbst der großen Koalition des Stillstands noch etwas abgewinnen kann.
    Während die ganze Welt vor die Hunde geht, sieht sich die taz auf Seiten der Grünen, zum Teil sogar der SPD. Keine wirklich linken Positionen mehr. Keine Ideen, keine Visionen, keine Zukunft. R.I.P. taz

  • Liebe Frau Pohl,
    auch eine nach „rein journalistischen Kriterien“ getroffene Entscheidung bleibt eine politische Entscheidung; abgesehen davon, dass „rein journalistisch“ auch kein belastbarer Begriff ist.
    mfg

    • Es stimmt, dass journalistische Entscheidungen natürlich politische Folgen haben können. Gemeint ist aber, was das Hauptkriterium für unsere Entscheidungen ist. Wenn man nach journalistischen Kriterien entscheidet, fragt man sich: Ist das relevant, ist es interessant, sollten die Leser das wissen? Die Fragen sind natürlich schwammig, deshalb kommt da jedes Medium und jeder Journalist zu etwas anderen Ergebnissen, was er berichtet und was nicht.

      Eine nach journalistischen Kriterien erstellte Zeitung unterscheidet sich trotzdem grundlegend von einer nach politischen Kriterien erstellten Zeitung, deren Macher sich fragen: Nutzt der Abdruck der Partei, die ich unterstützen will, oder schadet er ihr? Eine solche Zeitung würde ich nicht dem Bereich des Journalismus zurechnen, sondern dem Bereich der Politik beziehungsweise der Public Relations. Wie eine nach solchen Kriterien erstelle Zeitung aussieht, kann man beim „Neuen Deutschland“ vor der Wende nachlesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.