von 26.08.2011

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

Mehr über diesen Blog

taz-Leserin Karin Scarponi aus Köln ist mit unser Berichterstattung über Libyen nicht einverstanden:

Diese uneingeschränkte Begeisterung der taz für die Nato-Intervention in Libyen macht mich ziemlich wütend. Kein Wort darüber, dass der „Schutz der Bevölkerung“ nur ein Vorwand war, um den Zugriff auf die Rohstoffe zu sichern und Gaddafi auszuschalten, um damit eine größere ökonomische Unabhängigkeit Afrikas zu verhindern. Abgesehen von den vielen toten Zivilisten, der Zerstörung des Landes und seiner Infrastruktur bleibt abzuwarten, wie es der Bevölkerung nach der „Befreiung“ durch die Nato ergehen wird. Leider hat die taz nicht zum Verständnis der politischen Zusammenhänge beigetragen, sondern ist wie so oft dem Mainstream hinterhergelaufen.

Es antwortet Klaus Hillenbrand, Chef vom Dienst:

Sehr geehrte Frau Scarponi,

ich kann Ihrer Argumentation nicht folgen. Die Nato und die westliche Welt hatten vor dem libyschen Volksaufstand längst ihren Frieden mit Gaddafi geschlossen. Warum sollte die Nato also den Diktator fallen gelassen haben, wenn es dem Bündnis nur ums Öl ging? Meinen Sie wirklich, unter dem Gaddafi-Regime wäre „eine größere ökonomische Unabhängigkeit Afrikas“ eine Perspektive gewesen? Oder hätte diese Perspektive nicht eher darin bestanden, dass eine Diktatur ihren Einfluss zu mehren versuchte? Die Entscheidung der Nato, die Rebellen zu unterstützen, geschah zudem zu einem Zeitpunkt, als ein Massaker an der Bevölkerung Bengasis durch Gaddafis Truppen drohte. Und diese Entscheidung war in der Nato selbst heftig umstritten. Nun wäre es sicherlich naiv, dem Westen ausschließlich humanitäre Motive für seine Intervention zuzubilligen – natürlich geht es auch um die Sicherung von Einfluss und um Rohstoffe. Doch umgekehrt zu unterstellen, es ginge nur um Geld und die Ablösung einer nicht genehmen Regierung, geht an den Tatsachen vorbei.

Mit den besten Grüßen,
Klaus Hillenbrand

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/hausblog/warum-ist-die-taz-fuer-den-luftkrieg-in-libyen/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • K.F. „ja, oder was. Was war denn nun die Absicht der Amis?“

    Vielleicht verhindern, dass Russland nach einem Sieg über Hitler zu stark wird in Europa?

    Und vielleicht haben Sie auch erkannt, dass D kluge Köpfe hat, die auch für eigene Zwecke nutzbar wären?

    Und was ich einfach sagen will: Offensichtlich kapierst du nicht den Unterschied zwischen dem Krieg, der „damals“ in Europa herrschte und dem, was jetzt in Lybien los ist.

    Denn, „damals“ ging es gegen einen Diktator, der nicht nur das eigene sondern auch fremde Völker unterwerfen wollte und in aller Konsequenz eine extrem rassistische Politik verfolgte. Kannst du das Alles auch von Gaddafi behaupten?

    Was weißt du überhaupt über Lybien vor dieser „Revolution des Volkes“ oder was auch immer?

  • @sonja

    ja, oder was. Was war denn nun die Absicht der Amis?

    Und was Hitler tat und seine Mittäter, das weiß ich spätestens seit der Grundschule und das ist sehr lange her und nach wie vor abscheulich.

  • Auf Soldatenstammtischniveau ist auch Becks Karikatur vom Freitag („Libysche Rebellen: Gaddafi hat keine Luftwaffe mehr, in die Luft schießen ist sinnlos, es sei denn, ihr wollt Nato-Jets runterholen!“). Nicht nur an der falschen Stelle zynisch, sondern auch noch richtig schlecht.

  • Michael Marek: Die taz glaubt nicht alles unreflektiert, sondern hat einen eigenen Korrespondenten in Tripolis, der dort erlebt, dass die Rebellen die Stadt tatsächlich eingenommen haben. In der morgigen Ausgabe beschreibt er zum Beispiel auf Seite 3, wie im Matiga-Krankenhaus die Verletzten beider Seiten behandelt werden und aneinandergeraten.

  • Auch ich kann nicht mehr viel glauben was von der westlichen Mainstream-Medienmaschinerie (und dazu zählt auch die taz) verbreitet wird. Die regelmässige Lektüre von z.B. russischen Medien kann da schon Licht ins Dunkel bringen.
    Hier ein Zitat aus der Internetzeitung Russland Aktuell http://www.aktuell.ru/russland/politik/russische_medien_siegesberichte_aus_tripolis_gefaelscht_4209.html

    „Moskau. Die Bilder vom Triumph der Aufständischen in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind vielleicht an einem ganz anderen Ort gedreht worden. Präsident Medwedew gibt sich neutral und fordert zu Verhandlungen auf.
    Möglicherweise sind die Aufnahmen von der Siegesfeier der Aufständischen in Tripolis, die am Sonntag um die Welt gingen, eine handfeste Fälschung. Aufmerksame Zuschauer hätten die Fernsehbilder mit Fotos der Schauplätze und früheren Videoaufnahmen verglichen und seien zu diesem wenig schmeichelhaften Schluss gekommen.
    Falsche Palmen und Fenster

    Dies berichtet jetzt die russische Zeitung „Komsomolskaja Prawda“. Aus dem russischen Fernsehen seien die fragwürdigen Bilder auch schon wieder verschwunden, heißt es dort. Auf dem Grünen Platz in Tripolis, wo die Gaddafi-Gegner ihren „endgültigen Sieg“ gefeiert haben sollen, standen auf einmal Palmen, die es vorher dort nicht gegeben habe.

    Eine Stuckverzierung über einem Tor sei verschwunden, genauso mehrere Fenster. Das deute auf einen groben Nachbau aus Sperrholz hin, macht sich das russische Boulevardblatt lustig. Aber es bringt auch handfeste Beweise für die monumentale Schummelei.“
    Zitatende.
    Und die Gegenüberstellung von Fotos von gefälschten Fassaden mit dem echten Original habe ich in einem Youtube Video selbst gesehen und diese Behauptung als substanziell achvollziehen können.
    Von daher mein Rat: Nicht unreflektiert alles glauben, sondern selbst recherchieren und vor allem selber denken !

  • Kann mich den Argumenten von Fr. Scarponi und Burkhard Gorny nur anschließen. Schon erstaunlich, wie unkritisch die taz hier mit dem Mainstream argumentiert. Ob das wohl mit einer gewissen „Umsturz-Hysterie“ zu tun hat?

  • K.F.: Was ist denn das für ein Vergleich mit Hitler-Deutschland? Ich glaube mich erinnern zu können, dass Hitler in Europa diverse Angriffskriege geführt hat, er ist in Eroberungsabsicht in fremde Länder einmaschiert, hat ganze Völker als rassisch minderwertig erklärt, Menschen zur Arbeit in deutschen Fabriken und Argrabetrieben gezwungen, ins KZ gesperrt, etc. Und ich glaub nun wirklich nicht, dass die Amis damals in der Absicht kamen, das Deutsche Volk zu befreien, oder was?

  • @aleister
    Ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, das wirtschaftliche Interessen jegliches Mitgefühl, jegliche Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft außer Kraft setzen.

    Dann steht dem Leben auf dieser Erde bald ein Ende bevor. Und vorher wirds sehr zappenduster, wenn nur noch der Teufel regiert.

  • So, muß jetzt doch mal auch was sagen, da die einzelnen beiträge doch etwas „nicht ganz durchdacht“ wirken.

    @quert:

    die türkei ist selbst nato-mitglied, glaub ich, hat aber natürlich davon unabhängige eigene interessen. nicht ganz unwichtig hierbei: die sog. oppositionsregierung syriens organisiert sich in der türkei…

    @klaus hillenbrand:

    der westen hatte natürlich frieden geschlossen mit dem regime, gerade frankreich und italien, die als mittelmeeranrainer direkte nachbarn (siehe flüchtlinge) und starke handelspartner (siehe öl) libyens sind. doch wie heißt es so schön: Warum wegen einer Milch aus dem Haus gehen, wenn man die Kuh zuhause hat. mir scheint der sogenannte frieden eher erkauft gewesen.

    und die angabe, die nato hätte die rebellen erst unterstützt, als ein massakrieren der zivilbevökerung bevorstand, scheint mir auch nicht ganz korrekt, denn meines wissens wurde eine paramilitärische guerillatruppe in den unzugänglichen bergregionen vom westen schon seit langem geheimdienstlich unterstützt, ähnlich der contras in nicaragua. man könnte meinen, die zeit war günstig und das ziel wurde erreicht.

    @k.f.:

    3.reich vergleiche sind immer etwas heikel. erst mal sprengt das sofort die dimension und ist auch immer ein totschlag-argument und daher für eine differenz.betrachtung anderer zusammenhänge eher ungeeignet. aber da der vergleich nun kam: viell.solltest du mal recherchieren, wie herr hitler an die macht kam, wer ihn finanzierte usw.
    interessant auch in diesem zusammenhang: das zum beispiel in der zweiten hälfte des krieges noch amerikanische firmen an ss-produktionstandorten (oder wie auch immer man das nennen sollte) beteiligt waren (siehe: der großvater von george w.bush junior)…das ab einem bestimmten zeitpunkt von den usa/gb in bestimmten gebieten industrieanlagen nicht mehr bombardiert wurden, sondern vermehrt wohngebiete usw. mit seinem späten eingreifen, schlug der westen mehrere fliegen mit einer klappe: abnutzung der sowjetunion und deutschlands (aber nur so lange, daß auch noch etwas übrig war), verlängerung der kriegswirtschaft etc.
    wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte.

    ich finde, man muß kein verschwörungstheoretiker sein, um den eindruck zu gewinnen, daß es hier seit ewigkeiten nicht um konflikte zwischen nationen, sondern um konflikte und interessen vernetzter wirtschaftsmächte geht, ausgetragen auf den rücken der voneinander getrennten und dadurch beherrschbareren bevölkerungen. aber: so neu ist die erkenntnis nun eigentlich auch nicht…

    Ich wünsche mir von der taz auch mehr differenzierte berichterstattung, sonst kann ich auch zeit lesen…
    ansonsten: vielen dank

  • @demokrat:
    warum man nicht auch korea und iran bombardiert? weil es dort momentan keinen so großen aufstand des volkes gibt. weil es dort eine bloße bombardierung des landes wäre.
    in somalia wüsste man nicht mal, wen man bombardieren sollte.
    und syrien, tja, syrien…liegt neben der türkei und ist selber viel zu stark. da hat die nato viel zu viel schiss einzugreifen.

    @lars wiilen:
    die afrikanische union hat zwar den nationalen übergangsrat in libyen (noch) nicht anerkannt. allerdings sind aus afrika und auch von der au selber in den letzten monaten einige stimmen laut geworden, die gaddafi verurteilt haben – nachdem sie anfangs vor allem gegen nato und rebellen waren.

  • Echt ecklig diese kriegerische Meinungsmanipulation der TAZ inzwischen, denn warum ist man wohl für Luftschläge in dem Land, richtig, Libyen ist eines der bedeutendsten Erdöl exportierenden Länder der Welt und daher von besonderem gestrategischen und ökonomischem Interesse.

  • Ist die kriegstriebende TAZ dann auch für den Luftkrieg in anderen Staaten, etwa auf dem amerikanischen oder europäischen Kontinent?

  • Ich kann Frau Karin Scarponi nur unterstützen.
    Bitte bedenken Sie folgende Argumente:
    Die NATO hat nicht nur gegen Völkerrecht und Menschenrechte verstoßen , sie hat auch kategorisch alle Punkte ihrer mitverfaßten UN Resolutionen 197 und 1973 gebrochen !

    Dank über 7000 Luftkriegs Einsätzen und mit Bodentruppen wurden die Rebellen an die Macht gebombt.
    Oder erklären Sie mir bitte, wie gezielte Mordversuche mit Präzionsbomben und der Mordaufruf an Oberst Gadafi sich mit dem Geist unseres Grundgesetzes vereinbaren lassen.

    Hätten die Deutschen in der ehemaligen DDR diesen von TAZ bewunderten blutigen Weg zur Demokratie gewählt , um sich dann mit Massenexekutionen an den Funktionären zu rächen, so wäre mit Sicherheit der 3. Weltkrieg ausgebrochen.

  • bullshit
    man verbündet sich nicht mit rassisten.von anfang an waren die videos bei youtube.
    die afrikanische union erkennt den libyschen übergangsrat nicht an am 26.8.11.
    gott sei dank hat deutschland sich bei der UN enthalten.
    wer mit hunden ins bett steigt kriegt flöhe.
    viel spaß beim kratzen liebe taz

  • @ Demokrat

    Tja, vielleicht kommt das ja noch… das Eingreifen.

    Ich stimme mit Herrn Hillenbrand vollkommen überein.

    Es gibt so einen gewissen Automatismus, jedes Eingreifen westlicher Staaten in anderer Staaten Belange adhoc mit ganz niederen Bewegründen der Eingreifer zu verknüpfen und das gefällt mir nicht.

    Es gibt eine ehrliche Freude – auch bei Politikern – wenn ein Volk sich von einer Schreckensherrschaft befreit und die Unterstützung dafür, so wie es in Libyen passiert und passierte, begrüße ich aus ganzem Herzen. Im zweiten Weltkrieg kam das Eingreifen gegen diese deutschen Nazi-Schlächter meiner Meinung nach viel zu spät. Vielleicht lag es hier aber auch daran, dass fast das ganze Volk verblödet war und sich keineswegs von den Nazis befreien wollte.

    Vorurteile können für einen Wandel der Welt sehr hinderlich sein und außer, dass es Staaten gibt, gibt es die Menschheit. Und die sitzen alle auf dem selben Planeten.

  • Und warum gibt es dann keinen Aufruf Nordkorea, Syrien, Somalia oder den Iran zu bombardieren? Dort veranstalten die Regimes und islamische Gruppen auch Massaker an der Zivilbevölkerung. Oder sind Libyer etwa mehr Wert als z.B. Nordkoreaer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.