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vonhausblog 06.12.2010

taz Hausblog

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Die taz hat für ihre Deutschland-Sonderausgabe ein neues Wort für die Bezeichnung „Migrant“ beziehungsweise „Mensch mit Migrationshintergrund“ gesucht. Allein hier im Blog haben sich bisher knapp 100 Leser an der Diskussion beteiligt. Der häufigste Vorschlag lautet, Migranten einfach „Menschen“ zu nennen, in eine ähnliche Richtung gehen Vorschläge wie „Deutsche“, „BewohnerInnen der Erde“ oder „Freunde“. Als Beispiel für die Begründung ein Kommentar von Justin:

Es sollte egal sein, wir sollten aufhören mit solchen rassistischen Einordnungen von Menschen. Wir sollten lieber daran arbeiten miteinander klarzukommen. Anstatt ständig über solche Dinge zu debattieren…

Und Vic meint:

Es geht nicht darum, ein anderes Etikett draufzukleben. Lassen wir das Etikett doch einfach weg. Für ein Miteinander ohne Vorbehalte.

Der Vorschlag, Migranten durchweg als „Menschen“ zu bezeichnen, ist aus meiner Sicht anti-aufklärerisch – weil es dann nicht mehr möglich wäre, die Realität zu beschreiben. Zum Beispiel schrieb ich in einem meiner Artikel auch über das staatliche Quartiersmanagement des Körnerparkkiezes in Berlin-Neukölln. In einem so genannten Quartiersbeirat können 30 Anwohner darüber entscheiden, wie eine Summe von 300.000 Euro pro Jahr verwendet wird, um den Kiez attraktiver zu machen. Über den Beirat heißt es in dem Artikel: „Migranten sind dort nur mit 24 Prozent vertreten, dabei liegt ihr Anteil in den Quartieren etwa doppelt so hoch.“

Es ergäbe keinen Sinn, stattdessen zu schreiben: „Menschen sind dort nur mit 24 Prozent vertreten, dabei liegt ihr Anteil in den Quartieren etwa doppelt so hoch.“ Es wäre auch nicht möglich, den Inhalt anders zu formulieren, ohne dabei eine Unterscheidung zwischen Migranten und Nichtmigranten zu machen. Es geht ja gerade um die Diskriminierung von Migranten – um darüber zu berichten, muss man auch selbst einen Begriff für Migranten verwenden.

Ein anderes Beispiel: In einem Kommentar von Daniel Bax mit dem Titel „Bedürftige zweiter Klasse“ heißt es: „Die Hilfe für Asylbewerber liegt rund ein Drittel unter dem, was deutschen Staatsbürgern zugestanden wird, wenn sie Hartz IV beziehen.“ Wie sollte man über dieses Unrecht berichten, ohne nicht selbst zwei unterschiedliche Begriffe für „Asylbewerber“ auf der einen Seite und für „deutsche Staatsbürger“ auf der anderen Seite zu verwenden?

In einem anderen Artikel beschrieb meine Kollegin Frauke Böger: Eine Schule in Berlin-Wedding mit einem hohen Anteil an Migrantenkindern wolle eine extra Deutschen-Klasse einrichten. Damit sollen wieder mehr Eltern aus dem deutschen Bildungsbürgertum ihre Kinder an dieser Schule anmelden – denn bisher würden diese Eltern die Schule meiden. Sie schrieb, dass Turgut Hüner, Projektleiter beim Türkischen Elternverein Berlin, dies kritisiere: „Kinder sollten nicht selektiert werden“, wird Hüner in dem Text zitiert: „Wir können an anderen Schulen sehen, dass heterogene Klassen sehr gut funktionieren, auch mit einem Anteil von über 70 Prozent Migrantenkindern.“ Auch hier zeigt sich wieder: Man könnte über den Vorgang und über die Kritik daran nicht berichten, ohne den Kern des Konfliktes zu benennen.

Egal, ob man das begrüßt oder ablehnt: Die Gesellschaft macht Unterschiede zwischen Migranten und Nichtmigranten. Die taz wird nach meiner Überzeugung auch weiterhin Begriffe benötigen, mit denen sie ungerechtfertigte gesellschaftliche Diskriminierungen von Menschengruppen beschreiben und kritisieren kann.

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https://blogs.taz.de/hausblog/warum_ich_migranten_nicht_als_menschen_bezeichne/

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kommentare

  • @cwc
    „Ab welcher Generation gilt man nicht mehr als Migrant?
    Bzw. wann ist man urdeutsch?“

    Ab der vierten ist man kein Migrant mehr. Urdeutsch wird man allerdings einzig und allein wenn man weitere 2 Generationen entweder in Bayern ansässig war oder alternativ in der Familie 70 Jahre Stammkneipenbesuche bei urdeutschen Stammkneipen (zu erkennen an der altdeutschen Schriftart) verbracht hat.

    Das ist selbstverständlich wissenschaftlich exakt ;)

  • Ich schlage vor wir machen es uns ganz einfach und nennen Migranten – und jetzt kommts! – Migranten. Ja. Mensch. Sowas ausgefeiltes aber auch. Weil es ja „total viel Sinn“ macht sich einen neuen Ausdruck auszudenken wenn der alte perfekt passt. Ja klar kann man permanent „Menschen mit/ohne Migrationshintergrund“ schreiben. Man kann ja auch „finaler Rettungsschuss“ schreiben (gelle?). Wichtig ist was am Ende dabei rauskommt. Vielleicht können sich die Eititeiti-Pseudointellektuellen ja noch ein paar schmucke Euphemismen ausdenken. Ich hab da sogar ein paar dufte Vorschläge!

    Menschen mit Migrationshintergrund: Mimmis, Die Einen, Xyzchatbrebuken, kulturell Divergente (verniedlicht zu Kudis)
    Menschen ohne Migrationshintergrund: Miomis, Die Anderen, Brebukxychaten, kulturuell Konforme (verniedlicht zu Kukos).

    Vielleicht, wenn wir schon dabei sind, nennen wir Milch in Zukunft Schnibrax (das lag mir immer auf dem herzen) und ich wäre dafür Stühlen eine Diskussionsplattform in der Mäbelindustrie einzuräumen.

    Gut dass wir darüber gesprochen haben.

    euer historisches Gewissen.

  • „Es ergäbe keinen Sinn, stattdessen zu schreiben: “Menschen sind dort nur mit 24 Prozent vertreten, dabei liegt ihr Anteil in den Quartieren etwa doppelt so hoch.” “

    Es ergäbe einen Sinn zu schreiben, dass die Entscheidung von allen Bewohnern des Kiezes getroffen wurde, ohne Unterscheidung, impliziert Gleichberechtigung.

    Es gäbe den Sinn zu schreiben, dass in diesem Staat momentan Unterstützung für die Grundversorgung nach dem Maßstab erfolgt, bist du Staatsbürger oder nicht?

    Es gäbe einen Sinn zu schreiben, dass jedes Kind in der Schule gemäß seinen Schwächen unterstützt und entsprechend seiner Stärken gefördert wird.

    Nein, wir brauchen diese Unterscheidung nicht, aber sie sitzt tief, sehr tief in unseren Köpfen. Das Anderssein zu akzeptieren, scheint schwer zu sein, dafür muss man kein Migrant sein, um das zu spüren.

    Ja, wir sind alle Menschen und es wäre besser auf die Gemeinsamkeiten anstatt auf die Unterschiede zu achten.

  • Sie haben da einen Denkfehler.
    Mein Vorschlag, und die meiner Meinung nach einzige mögliche Benennung lautet:

    Deutsche mit Migrationshintergrund.

    Man muss es irgendwie differenzieren können, dass ist mal selbstverständlich. Aber zwischen Migranten und Deutschen zu unterscheiden ist der Beweis für die gescheiterte Integration der zugezogenen (und dadurch) Deutschen (!) Mitbürger.
    Das ist nicht besser als wenn ich sage: da treffen sich die Türken, da die Russen, und da die Deutschen.

    Man muss akzeptieren, dass Menschen die in Deutschland leben „Deutsche“ sind. Dann kann man den Zusatz bringen, ob jemand einen Migrationshintergrund hat. Bei hier geborenen Kindern ist noch nichtmal das mehr nötig. Wenn wir das nicht akzeptieren dann liegt der Rassismus bei uns deutschen ohne Migrationshintergrund.

  • @Ungerechter: Nein, die Pauschalisierung steckt in der Bezeichnung „Migrant“ und in Ihrer Gegenüberstellung von „Deutschen“ und „Migranten“. Denn ich, beispielsweise, bin sowohl Deutscher (schon seit dem 16. Jahrhundert) UND Migrant (1988 ausgewandert). Die Begriffe, die Sie benutzen, suggerieren Deutsch-Sein und Migrant-Sein wären homogene Kategorien und unvereinbar und leugnen dabei sowohl die Vielfalt der Deutsche, der Migranten und der Gesamtgesellschaft.

    Die Kriterien, die für den „Migrationshintergrund“ aufgestellt worden sind, haben genau den Sinn, bestimmte Menschen zu markieren und andere nicht. Denn Migrant ist eben Frau Özkan, aber nicht Herr McAllister. Migranten sind auch nicht Daniel Brühl oder Verona Pooth, obwohl sie den Kriterien des Migrationshintergrunds entsprechen. Migranten sind aber wohl Menschen, die nicht weiß sind, Deutsch zwar fließend aber mit Akzent sprechen, einen „komischen“ Namen haben oder ein Kopftuch tragen.

    Das ist der Rassismus des Migrationshintergrunds und das ist das Unterdrückungsverhältnis, das ich meine. Solange mit Migranten/Menschen mit Migrationshintergrund eigentlich diese ‚anderen‘ Ausländer gemeint sind, besteht dieses Verhältnis weiter.

    Aber um etwas klar zu stellen: Sowohl Migranten als auch Nicht-Migranten können Rassisten sein indem sie das Unterdrückungsverhältnis akzeptieren und reproduzieren. Migranten und Nicht-Migranten können aber auch Antirassisten sein: Es lohnt sich also auch für Sie, sich gegen Diskriminierung zu engagieren.

  • Das Problem mit der Abwertung liegt doch aber nicht im Begriff selbst, sondern in einer in den Augen bestimmter Leute damit verbundenen Qualität. Wenn es ein Vorurteil gegenüber einer bestimmten Gruppe gibt, wird es sich nicht dadurch beseitigen lassen, dass man diese Gruppe umbenennt. Daran hielten sich ohnehin nur die, für die es nicht relevant wäre. Die Bezeichnungsgeschichte „Neger-Schwarzer-Farbiger-Afroamerikaner-Anderspigmentierter-usw.“ zeigt das doch deutlich: Für Rassisten sind das alles „Nigger“, für Leute, die nicht verletzen wollen, entsteht daraus ein Bezeichnungsdilemma. Nicht die Bezeichnung muss deshalb geändert werden (wenn sie nicht wirklich diskriminierend ist), sondern das, was man damit vielleicht fälschlicherweise verbindet.

  • „Es ergäbe keinen Sinn, stattdessen zu schreiben: “Menschen sind dort nur mit 24 Prozent vertreten, dabei liegt ihr Anteil in den Quartieren etwa doppelt so hoch.” Es wäre auch nicht möglich, den Inhalt anders zu formulieren, ohne dabei eine Unterscheidung zwischen Migranten und Nichtmigranten zu machen. Es geht ja gerade um die Diskriminierung von Migranten – um darüber zu berichten, muss man auch selbst einen Begriff für Migranten verwenden.“

    Das Problem in diesem Fall liegt doch nicht in der Verwendung des Begriffst „Migrant“, sondern in dem Grundgedanken der Repräsentation: Die Annahme, dass ein Migrant durch einen anderen Migranten besser vertreten ist als durch einen Nicht-Migranten ist abwegig. Und mit diesem Satz drücke ich nicht aus, dass es keine Unterschiede gibt. Im Gegensatz: Es gibt so viele Unterschiede zwischen zwei Menschen, dass das System der Repräsentation so wie es in unseren Köpfen zementiert zu sein scheint (Mann für Mann, Frau für Frau, Migrant für Migrant, Mutter für Mutter usw) dem nicht gerecht wird.
    Eine Ansicht.

  • Boah…

    Was für ein Gezappel, um eine „politisch korrekte Umschreibung“ zu finden.

    Ein Migrant ist ein Migrant ist ein Migrant.

    Ein Ausländer ist ein Ausländer ist ein Ausländer.

    Was gibt es daran nicht zu kapieren?

  • @Lalon: Das Verhältnis von, ich nenne sie jetzt mal, „Deutschen“ und „Migranten“ ist also ein eindeutiges Unterdrückungsverhältnis, in dem per se die „Deutschen“ die „Täter“ sind? Klar, so kann man sich das natürlich auch einfach machen. Ich bin also ein Täter – und außerdem einer der Ungerechten. Danke für diese wunderbare Pauschalisierung. Da muss ich mir doch gar nicht erst noch die Mühe geben, mich in irgendeiner Form „korrekt“ zu verhalten, ist ja eh klar, wo ich stehe.

    PS: Den Beitrag von Sebastian Heiser finde ich hingegen ziemlich sinnvoll. Ist halt nicht so einfach, wie manche Leute es sich gern machen würden. Nur die Überschrift ist zu reißerisch.

  • Mensch Heiser, die Beispiele sind ja nun wirklich banal, da gehts um Fakten, Statistiken etc. und ob es sich nun um Rentner, Banker, Asylsuchende handelt, ist da ja auch (meistens) nur diskriminierend im mathematischen Sinne gemeint. Anders sieht es jedoch aus, wenn die Herkunft eines Menschen zu diffamierenden oder xenophoben Zwecken missbraucht wird. Also z.B. der „türkische“ Vergewaltiger. Was interessiert da die Herkunft, schlieslich schreibt ja auch keiner: Australier der Vergewaltigung bezichtigt! (Im Falle Assange), oder? weil die da unten alle saufen und vergewaltigen oder was? Es interessiert doch auch nicht, dass unser Minister Rösler eigentlich n‘ „Fidschi“ (sorry!) ist, sondern wichtiger ist, er ist FDP und Klientelpolitiker usw. usf.
    Ursprünglich wollte ich ja „Migrationsbehinderter“ vorschlagen, aber Scherz beiseite, da fällt ja Sarazene/Sarrazin mit seinem türkisch/französischen Namen auch darunter.

  • Dass „Migranten“ nicht für Menschen verwendet werden kann, deren Vorfahren irgendwann mal von A nach B migriert sind, versteht sich hoffentlich von selbst (denn ansonsten wären selbstverständlich ALLE Menschen Migranten).
    Aber eigentlich ist der Begriff auch für Menschen, die selbst irgendwann mal von einem „Nationalstaat“ (wieso gibts so einen Schmarrn eigentlich immernoch?) in einen anderen migriert sind, ziemlich dämlich: Ein „Garant“ ist jemand ja auch auch nur in dem Moment, in dem er/sie für irgendetwas garantiert, aber nicht noch Jahrzehnte später: …nt bedeutet üblicherweise in etwa das gleiche wie „…ender“, also z.B. „Migrierender“, und dass trifft natürlich nur im Augenblick des Migrierens selbst zu (und vielleicht noch eine begrenzte Zeitspnne danach). „Migrant“ ist daher definitiv kein sinnvoller Ersatz für das holprige „mit Migrationshintergrund“.
    Abgesehen davon stimme ich dem ersten Kommentar voll und ganz zu: taz, ihr seid nur noch peinlich! Einem, äh, „Menschen“ wie Bolz eine Platform zu bieten ist völlig indiskutabel. Igitt!

  • Problematisch ist schon deine/eure Gleichsetzung „Migrant“ und „Mensch mit Migrationshintergrund“, denn ein Migrant hat eine eigene Migrationserfahrung, der „Mensch mit Migrationshintergrund“ hat sie nur geerbt. Das ist eine unscharfe Verwendung.

    Zweitens gibt es auch bei der taz die Doppelmoral mit „Migranten“ oder „Menschen mit Migrationshintergrund“ nur bestimmte gemeint sind: So wird über Frau Özkän als erste deutsche Landesministerin mit Migrationshintergrund berichtet aber nicht über den ersten Landesministerpräsident mit Migrationshintergrund, nämlich Herrn McAllister. Das ist eine rassistische Verwendung.

    Drittens ist die Frage warum in einem Unterdrückungsverhältnis eben die Opfer dieses Verhältnisses markiert werden sollten, und nicht diejenigen, die Unterdrücken. Wenn jemand zusammengeschlagen wird, wird nicht das Kriminalitätsopfer diskutiert und dafür ein Name erfunden, sondern es wird klar der Kriminelle markiert und angeprangert. Und mit der Suche nach einem neuen Wort für Migranten/Menschen mit Migrationshintergrund reproduziert ihr nur die Markierung von Opfern, statt die Täter zu markieren. Das heißt: Wenn im Quartiersbeirat anteilig zu wenige Migranten sind, dann sind bestimmte Menschen zu häufig vertreten.

    Vielleicht fängst du an über diese Menschen zu reden: Über diejenigen, die noch nie aus dem Kiez rausgekommen sind, sich noch nie mit Anderssein beschäftigt haben (obwohl es die Regel und nicht die Ausnahme ist), diejenigen, die Schwierigkeiten haben Vielfalt zu akzeptieren.

    Viele Diskussionen kann man umkehren: Sind Migranten wirklich die Ausnahme und haben Schwierigkeiten sich anzupassen? Oder sind diejenigen, die noch nie migriert sind die eigentlichen Freaks und haben Schwierigkeiten aus ihrem Trott heraus zu kommen? Wie bezeichnet man denn solche Leute? Menschen mit Perspektivwechseldefizit? Vielleicht sind in deinem Quartiersbeirat einfach Menschen mit Perspektivwechseldefiziten überrepräsentiert? Es gibt 76 Prozent Perspektivwechselverweigerer, obwohl es im eigentlich Kiez weniger sind…

    Asylsuchende (nicht Asylbewerber, denn Asyl ist in Deutschland ein MenschenRECHT und kein Privileg) und Staatsbürger sind übrigens wichtige und richtige Bezeichnungen, denn sie beschreiben, wie diese Menschen vom Gesetz behandelt werden.

    Und im dritten Text: Eine Schule, in der Sesshaftenkinder in der Minderheit sind, will eine Sonderklasse für eben diese Kinder einrichten. Dann könnte Herr Hüner zum Beispiel sagen: „Wir sollten die Sesshaftenkinder nicht ausgrenzen, gerade sie sollten der Vielfalt ausgesetzt werden. Dann werden sie vielleicht weniger Sesshaft als ihre Eltern und trauen sich mal selbst zu reisen und längere Zeit an anderen Stellen dieser Welt zu verbringen.“

    Mit einer anderen Sprachwahl, kann eine andere Diskussion geführt werden. Dann können wir statt über „Integrationsverweigerer“ über die Vielfaltsverweigerer wie Sarrazin oder Broder diskutieren und fragen, wovor sie eigentlich Angst haben. Aus der „Integrationsdebatte“, die Sarrazin angestoßen hat, könnte eine „Antipluralismusdebatte“ werden.

    Oder man kann das alles sein lassen und weder normale Menschen noch diese komischen Menschen mit Perspektivwechselverweigerung markieren und einfach von Menschen sprechen. Aber solange es Unrecht gibt – lieber mit dem Finger auf die Ungerechten zeigen…

  • Die Überschrift „Warum ich Migranten nicht als Menschen bezeichne“ ist daneben. Hört sich sehr nach Nazi-Gazette an.

    Besser und zutreffender wäre vermutlich „Warum ich Migranten nicht in jedem Kontext als Menschen bezeichne“.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie Migranten GENERELL nicht als Menschen bezeichnen möchten (was mit dieser Überschrift allerdings suggeriert wird).

  • Ich kann Herrn Heiser nur zustimmen.

    Letzlich ist das Problem die (Ab)Wertung, die mit der Verwendung o.g. Begrifflichkeiten zur Beschreibung von Mitbürgern nichtdeutscher Herkunft einhergeht und nichts anderes.

    Ob man jetzt Migrant, Zuwanderer oder Ausländer sagt: Es entspricht eindeutig der Sachlage.

    Bei vielen Mitbürgern schwingt leider eine deutliche Abwertung von Menschen, die mit diesen Begriffen bezeichnet werden, mit – insbesondere, wenn deren Herkunftsländer wirtschaftlich deutlich schwächer dastehen als Deutschland.

    Trotzdem ist es meines Erachtens eine Unterstellung, dass mit der Nutzung dieser Begrifflichkeiten IMMER eine Abwertung verbunden ist.

    Da die Bewerterei aber mit allergrößter Wahrscheinlich auch in Zukunft nicht unterbleiben wird, ist komplett überflüssig, sich über irgendwelche kreativen Wortschöpfungen Gedanken zu machen.

    An der Sache selbst ändert sich damit gar nichts.

  • Ich hab‘ die Lösung: Migranten werden wie vorgeschlagen, nur noch als „Menschen“ bezeichnet, auch „BewohnerInnen der Erde“ finde ich super (weil hier politisch korrekte Endung „Innen“ vorkommt). Alle anderen nennen wir einfach „Menschen ohne Migrationshintergrund“ ;-).

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