von 14.05.2014

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Raul Zelik hat der taz eine Reportage angeboten über die Familienangehörigen von Arnaldo Otegi, Generalsekretär der baskischen Linkspartei SORTU. Nachdem unsere Reportage-Redaktion den Abdruck abgelehnt hat, erläutert Zelik auf seiner Webseite, dass auch sein Protest dagegen bei der Chefredaktion nicht geholfen hat und er nun nicht mehr für die taz schreiben will.

Zelik verbindet diese Ankündigung mit einer Reihe von Vorwürfen gegen die taz. Er schreibt, bei ihm „verfestigt sich damit der Eindruck, dass es in der TAZ handfeste Formen von politischem Ausschluss und Zensur gibt“. Für die taz seien Menschenrechte und politische Rechte offenbar nur außerhalb der EU oder an deren Rand von Bedeutung. Zelik: „Bei der Verfolgung von Oppositionellen in Kuba, Russland oder einem afrikanischen Land zeigt sich die TAZ als Speerspitze des kritischen Journalismus. Die Verhältnisse in der EU selbst hingegen scheinen ihr weniger relevant.“

Zelik räumt zwar ein, dass sich „einige RedakteurInnen in der TAZ sehr um gesellschaftskritischen Journalismus bemühen“. Dies könne aber „nicht darüber hinwegtäuschen, dass die TAZ oft die Funktion ausübt, rechte Positionen in der Linken durchzusetzen. So werden Militärinterventionen stark gemacht, die Spaltung von Linken in ‚vernünftige Moderate‘ und ‚durchgeknallte Fundamentalisten‘ forciert, soziale Bewegungen diskreditiert usw.“ Er selbst habe „versucht, zumindest gelegentlich auch in der Zeitung kritische Gegenpositionen zu formulieren. Aber die Tatsache, dass sich die TAZ selbst den einfachsten Auseinandersetzungen um kontroverse Texte und Themen entzieht, zeigt mir, dass das keinen Sinn mehr hat.“

Raul Zelik zitiert auch aus dem Gespräch mit der Reportagen-Redaktion die Gründe, warum der Text von der taz nicht gedruckt wird. Er stellt dabei nur seine Sicht der Dinge dar. Wir bitten um Verständnis, dass wir hier nicht ebenfalls Zitate aus diesem Gespräch veröffentlichen. Aus unserer Sicht ist das persönliche Gespräch mit dem Autor der Ort, an dem die konkrete Kritik an eventuellen handwerklichen oder inhaltlichen Mängel besser aufgehoben ist. Wir möchten solche Kritik auch in Zukunft persönlich anbringen und nicht hier im Blog. Wer sich selbst ein Urteil darüber bilden möchte, ob der Text für eine „Reportagen“-Seite geeignet war, kann ihn auf Zeliks Webseite lesen.

Die allgemeinen Vorwürfe von Zelik gegen die taz können wir nicht nachvollziehen. Wir verstehen bereits nicht, wie man die Ablehnung eines Textes durch eine Redaktion als „Zensur“ bezeichnen kann. Es ist die ureigenste Aufgabe einer Redaktion, die angebotenen Artikel zu prüfen und anzunehmen oder abzulehnen – die taz hat schließlich nur einen begrenzten Seitenumfang und wir sind kein offenes Forum, in das jeder alles reinschreiben kann.

Unverständlich ist für uns auch der Vorwurf, die taz würde sich für Menschenrechte innerhalb der EU nicht interessieren. Die taz berichtet täglich über die Menschenrechtsverletzungen in Deutschland und anderen EU-Staaten. Auch über die Verfolgung von Oppositionellen innerhalb der EU berichtet die taz regelmäßig.

Die Spaltung der Linken in „vernünftige Moderate“ und „durchgeknallte Fundamentalisten“ wird hauptsächlich von diesen Linken selbst betrieben; die taz berichtet nur darüber. Soziale Bewegungen werden von der taz nicht „diskreditiert“, aber kritisch und unabhängig beobachtet. Die Beobachtung, dass die taz sich „selbst den einfachsten Auseinandersetzungen um kontroverse Texte und Themen entzieht“, kann ich nicht teilen. Die taz steht gerade für ihre Binnenpluralität und dafür, dass sie Meinungsunterschiede in der Redaktion offen im Blatt austrägt. Zur Frage, ob eine Aufrüstung der EU die richtige Antwort auf den Ukraine-Konflikt ist, erschienen zum Beispiel sechs Debattenbeiträge, um die ganz Meinungsvielfalt in der taz dazu abzubilden:

Klaus-Helge Donath forderte ein Wettrüsten mit Russland: Der Aufstockung der Militärhaushalte um ein Drittel könne Putin nur wenig entgegensetzen. Schwächlinge werden verachtet!

Stefan Reinicke warnt vor militärischer Eskalation und setzt sich stattdessen für die friedliche Alternative ein: Das Einzige, was hilft, ist Geduld!

Bernd Pickert fordert uns auf, Russland zu verstehen, schließlich könne einen Krieg, aber auch den Frieden nur gewinnen, wer seinen Feind versteht. Russland verstehen!

Daniel Bax zeigt auf, dass nicht Kriegslogik sondern Entspannungspolitik Frieden schafft, die Ablehnung militärischer Muskelspiele mithin keine Naivität, sondern Vernunft ist. Der Kriegslogik entgehen!

Dem hält Dominic Johnson entgegen, dass nur wer Stärke zeige, eine gewaltbereiten Aggressor in die Schranken weisen kann. Stärke zeigen!

Klaus Hillenbrand schließlich mahnt ein Ende der rhetorischen Gewaltspirale an, da, wer den Gegener dämonisiere, dabei das rationale Denken ausschalte und den Krieg herbeirede. Keine Dämonisierung!

Unter dem Namen „tazkommune“ schreiben die Community-ManagerInnen der taz

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https://blogs.taz.de/hausblog/zensur-bei-der-taz/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Ich habe sowohl den Blog-Eintrag von Hr. Zelik, den fraglichen „Artikel“ sowie jetzt auch diesen Blogeintrag gelesen. Allein von der Art und Weise den Schreibstils und der Wortwahl bin ich geneigt, den Äußerungen der taz mehr Gewicht beizumessen.

  • Hallo andere KommentiererInnen. Ich habe eine Frage:
    Seid ihr weiter als ich?

    Blöde Frage, oder? So meine ich sie: Kommentiere ich online bei Artikel, switche bei interessanten Diskussionen sehr schnell in den Modus Jetzt-Kommunikation. Den möchte ich im digitalen Bereich eigentlich in meine Feierabendzeit und ans Wochenende verbannen. Das bringt mir tagesleistungsmäßig mehr. Ich bin sonst unsteuerbar-abgelenkt. Macht zwar Spaß und lässt mich weniger schläfrig arbeiten, Family so gut ich kann versorgen ist mir aber wichtiger. Die Disziplin, nur mal eben kurz zwischendurch zu kommentieren und danach nicht mehr wie bei diesem Smartphone-Guck-Syndrom nach der jeweiligen spannenden Diskussion zu gucken, habe ich bislang nicht. Von daher die Frage oben.

    • -> Sich bewusst über den eigenen Umgang mit Stress werden.

      Zu dem Blick aufs Smartphone hat ein wie ich finde kluger Gesprächsteilnehmer in einer Sendung des Deutschlandfunks einen sinnvollen Hintergrund geliefert. http://www.deutschlandfunk.de/schwerpunktthema-stress-lass-nach.1180.de.html?dram:article_id=246291

      Kern ist nicht der Einfluss von Medienablenkung wie bei der narkotisierenden Wirkungen einiger Fernsehsendungen. Kern ist eine persönliche Unterbrechungslogik. Vielen Menschen fällt konzentriertes Arbeiten schwer. Sie streuen ihre Aufmerksamkeit lieber chronisch breit.

      Ursachen: Prekäres Arbeiten, Überforderung usw. In der Menschheitsgeschichte war breite Aufmerksamkeit lange Zeit überlebenswichtig. Konnte ja immer eine Raubkatze plötzlich auftauchen und angreifen. Leben futsch.

    • Die Artikel auf taz.de sind ewig und drei Tage online. Meine Empfehlung: Ausgeruhter an die Sache gehen. Auch wenn die Mehrheit an Leser_nnen eines Artikels den ohne Aktualität nicht mehr liest, speziell Interessierte werden auch nach Wochen oder länger Diskussionen weiterführen. Gründlich nachdenken und ordentlich posten ist besser als reflexartiges „mitquatschen“. Dann klappt’s auch mit den vollständigen Sätzen.

  • @ Liebes Leserchen, interessanter Rück-Kommentar. Meinen Horizont muss ich glaub ich erweitern. Mir fehlt Wissen, um über Pazifismus im Zusammenhang mit der Nato adäquat weiterdiskutieren zu können. Auch ist Kritik an dem Vorgehen der Nato nicht mehr wirklich Teil des Themas Zensur bei der taz. Auf Wiedersehen vielleicht unter einem thematisch passenderen Artikel.

  • Schon interessant wie leicht auch in diesem Blogeintrag dem Verfasser die Wörter „Feind“ und „Gegner“ von den Fingern zu gleiten scheinen…Oder waren das nun Zitate aus den jeweiligen Beiträgen? Ansonsten wäre ich ja für einen Diskursanalyse-Einsteigerkurs für TAZ Interne…

    • Wie würden Sie das Verhältnis zwischen der Ukraine, ihren prorussischen Bevölkerungskreisen und Russland denn benennen?
      Meinungsverschiedenheit?
      Streitigkeit zwischen (Grenz-) Nachbarn?
      Friede, Freude, Eierkuchen?

      Ein klarer Sprachausdruck benennt so, dass es allgemein verständlich ist. Nicht so, wie es diskursanalytisch politisch korrekt wäre. In einem Land, das Bürgerkrieg zu abzuwehren sucht, ist Kriegsvokabular zur Beschreibung der Verhältnisse angebracht.

  • Raul Zelik ist ein kluger KOpf und ein engagierter Mensch. Man würde sich gerne mehr von seiner Sorte wünschen. Das dumme ist nur, dass er manchmal nicht verlieren kann und oft etwas „zu engagiert“ ist, was sich in Tendenzen zu einer oft fundamentalistischen Sichtweise äußert. Was er trotz seiner Klugheit nicht einsehen will, ist die Tatsache, dass er mit einer etwas pragmatischeren herangehensweise und weniger radikalen Forderungen im Endeffekt mehr für die Sache und seine eigenen politischen Ideale erreichen würde, als wenn er jederzeit „konsequent“ auf seine Maximalforderungen bestehen würde.

    Und das Nachtreten gegen die TAZ ist auch nicht hilfreich, besonder in dieser Art ist es extrem destruktiv. Wenn man die einzige wirklich relevante linksalternative Zeitung in Deutschland so angreift und so tut, als wäre sie das personifizierte Böse, unglaubwürdig und „zu weit rechts“, macht man sich damit nicht nur lächerlich, sondern schadet damit wieder der gesamten linken Bewegung und der Sache. Wenn sich Linke untereinander bekämpfen und sich gegenseitig schwächen, stärkt das nur die Konservativen und die Rechten.

    Aber es ist anscheinend eine Lieblingsbeschäftigung der radikalen Linken, ihre Energie hautpsächlich in die Kritik und Bekämpfung von eigenen Leuten, gemäßigten Linken, Progressiven und Politikern der Mitte zu fokussieren, anstatt sich mit dem eigentlichen politischen Feind zu beschäftigen, nämlich den Konservativen und Rechten. Die Linke erblödet sich auch wieder mal eine Woche vor der Wahl damit, volles Feuer auf SPD und Grüne abzufeuern und diese beim Ansehen der Wähler massiv zu schwächen. Dass sie mit ihren Angriffen in erster Linie nur die CDU/CSU, die Rechten und die Rechtspopulisten stärken, werden diese Linken wohl nie begreifen.

    • „… die einzige wirklich relevante linksalternative Zeitung in Deutschland …“

      Ist das nicht etwas eitel? Und hat die taz die Lufthohheit über „linksalternativ“ sein?

      „Wenn sich Linke untereinander bekämpfen und sich gegenseitig schwächen, stärkt das nur die Konservativen und die Rechten.“

      Linke sollen nicht Linke kritisieren? Ist Kritik nicht generell eher blöd?

      „Die Linke erblödet sich auch wieder mal eine Woche vor der Wahl damit, volles Feuer auf SPD und Grüne abzufeuern und diese beim Ansehen der Wähler massiv zu schwächen.“

      Kritik an der Ukrainepolitik der Grünen bitte sein lassen für die (seeheimer-realo) halblinke Einheitsfront? Was ist das für ein Demokratieverständnis, in welchen Parteien vor dem Wahlen nicht ihre Positionen herausstreichen?

      • Was soll daran eitel sein, wenn ein Leser die taz als RELEVANTE linksalternative Zeitung bezeichnet? Mag sein, dass es hunderte anderer Publikationen aus dem linken und alternativen Lager gibt, Fakt ist aber, dass keine andere an die Verbreitung, Auflage, und tatsächlich auch mediale Rezeption in Deutschland herankommt. Das ist die Realität, die kann man auch nicht leugnen, wenn es einem nicht passt und die taz doof findet.

        Und auch die Kritik an dem einseitigen(!) Angriffsverhalten gewisser Fundi-Linker ist völlig korrekt! Schau dir doch mal an, wen und was die am liebsten und ganz bevorzugt angereifen: SPD und Grüne. Und wer hat ausgerechnet in den letzten Tagen vor wichtigen Wahlen regelmäßig eine volle Breitseite von den Linken bekommen: SPD und Grüne.

        Gewisse Fundi-Linke finden komischerweise ständig Angriffspunkte bei SPD und Grünen, tun aber gleichzeitig so, als gäb es an der lieben Frau Merkel, CDU/CSU, Rechten wie NPD oder Rechtspopulisten wie AfD nichts auszusetzen. Natürlich wurde nur wieder besonders lautstark die Ukrainepoltik der Grünen kritisiert, nicht die der CDU! Und es wurden wieder mal bevorzugt in den letzten Wochen SPD-Politiker angegriffen, während die selben Linken lustigerweise an Merkel nichts auszusetzen hatten.

        Es geht also nicht darum, dass Linke sich nicht untereinander kritisieren sollen. Das sollen sie natürliich und das machen sie auch ohne dass man sie dazu ermuntern muss. Es geht um die Einseitgkeit und das Einschießen auf SPD und Grüne gewisser Linke, die darüber offenbar völlig vergessen wo der eigentliche viel schlimmere politische Feind sitzt, den man zur Abwechslung vielleicht auch mal bekämpfen sollte.

        • Das einzige Medium, das z.Z. über eine ernst zu nehmende Ukraine-Berichterstattung verfügt ist Telepolis. http://www.heise.de/tp/artikel/41/41795/1.html

          Und es gibt Stimmen, wie die des vormaligen Kommissars Verheugen (als Replik auf Helmut Schmidt), dass der Werdersche Markt unter Steinmeier I und II die maßgebliche Triefeder der agressiven EU-Außenpolitik ist. Natürlich betrieben sowohl Merkel mit der KAS als auch Steinmeier im AA Brandstiftung.

          Doch habe ich weder von der SPD noch von den Grünen ein kritisches Wort zu dem Progrom in Odessa vernommen. Vielmehr macht sich rot und grün mit der ersten Regierung unter Beiteiligung einer faschististischen Partei im 21. Jahrhundert in Europa gemein. Wenn die Grünen die CDU in der Außenpolitik rechts überholen, was tut mehr weh, wer ist zunächst zu kritisiern?

  • Mir scheint es beängstigend genung, dass bei der taz zwei Autoren die NATO aufrüsten wollen. Der Militarismus der taz macht sie unlesbar. Militarismus in einer vormals linken Zeitung ist wie Nazis auf einer Demo: Man macht halt nicht mit.

    Die Einseitigkeit der taz ist mir auch aufgefallen, das Blatt vertritt kaum noch Anliegen der Friedensbewegung. Ob man das Zensur nennt, darüber kann man streiten. Dass die taz gewissen Dinge nicht im Fokus haben will, ist auf jeden Fall richtig.

      • Zunächst mal: Blauhelme ungleich NATO, das ist nicht schwer zu erkennen. Inwieweit ein laufender Völkermord durch Blauhelm-Interventionen verhindert werden kann, ist streitenswert.

        Im Kosovo wurden angebliche Massaker an der Zivilbevölkerung, die nach heutigem Wissen eindeutig keine waren, sowie dreisteste Lügen wie der Hufeisenplan zum Anlass für eine Intervention genommen. (Der WDR-Beitrag dazu hat sich am Ende als korrekt herausgestellt.) Das Resultat dieses Einsatzes waren ethnische Vertreibungen der Roma und Serben sowie ein wirtchaftlich und politisch nicht lebensfähiger Mafiastaat.

        Die Bilanz der Interventionen im Kosovo, Irak, Afgahnistan und Libyen ist verheerend, im wahrsten Sinne des Wortes. Blauhelmeinsätze stehen auf einem anderen Blatt. Aber wann wurde denn bitte ein Genozid durch eine Intervention verhindert? Die Politik des Westens (bzw. einzelner Staaten) hat in vielen nachweisbaren Fällen vielmehr diese erst ermöglicht, denken wir an Ost-Timur oder Ruanda.

        Die Liebesdienerei zur Kriegsmaschine NATO ist unerträglich, da sind Leute am Werke, die nichts sehnlicher wünschen, als im Establishment anzukommen statt kritischen und investigativen Journalismus voranzutreiben.

  • Die Zensurierungen der taz sind die Meinungsunterdrückungen, die die taz bei anderen so gerne und lautstark geißelt. Ich habe mir vor einigen Tagen erlaubt, einen Kommentar zum Thema Oranienplatz zu verfassen. Darin habe ich – in äußerst maßvollem Ton – angeregt, diejenigen Asylbewerber, die ihre Herkunft verschweigen und außerdem am laufenen Band deutsche Gesetze brechen, auszuweisen. Dieser Kommentar wurde wegen Rassismus abgelehnt. Vielleicht hätte ich beschreiben sollen, wie ich als aufrechter Antifant die Demonstration von drei irregeleiteten Nazihanseln gestört und in schwarzer Tarnkleidung Polzisten mit Brandsätzen, Steinen, Eisenstangen und Steinschleudern angegriffen habe. Das hätte mir sicherlich eine lobende Erwähnung in allen Kommentaren eingebracht.
    Ganz freundliche Grüße
    Hartwig Lein

    • Hartwig Lein, ihre beschriebe Äußerung von vor ein einigen Tagen hört sich auch für mich rassistisch an. Wiso? Da deutsche Gesetze zum Teil rassistisch sind. Wenn die deutsche Gesellschaft sich dagegen entscheidet, Menschen mit wenig Geld von außerhalb der EU nur in Stipendienprogrammen und Ähnlichem einwandern zu lassen, hat das nicht nur eine ökonomische Perspektive. Das ist gleichzeitig eine Entscheidung gegen andere Kulturen, gegen Menschen, die aus anderen Teilen der Welt kommen.

      Ich komme gerade von den Flüchtlingen an der Berliner Gedächtniskirche. Ein Teil von ihnen schläft an der Kirchenwand in Schlafsäcken, andere sortieren Spenden. Die Polizei kontrolliert aus einigem Abstand mit Mannschaftswagen die angemeldete Demo. Die UnterstützerInnen-Schicht ist dünn besetzt. Geben diese Menschen ihre Identität preis, greifen wahrscheinlich Gesetze und sie werden ausgewiesen. Wohin? In ein Heimatland, in dem sie ein Recht auf Menschenrechte nach unserem Verständnis haben? Wohl eher nicht. Entweder sie kämpfen für Veränderungen oder wenig verändert sich. Auch an einer faireren deutschen Arbeits-Integration in Zukunft.

      Es reicht nicht, immer bestehende Gesetze einzufordern und nach ihnen zu handeln. Mitdenken ist hilfreich. Manchmal müssen mangelhafte Gesetze verändert werden. Deswegen machen wir das mit der Demokratie.

    • Meinungsfreiheit ist die Freiheit, seine eigene Meinung frei äußern zu können – auf der eigenen Homepage, auf den eigenen Flugblättern, auf einer Demonstration mit Gleichgesinnten oder auf einem Schild im eigenen Vorgarten. Meinungsfreiheit beinhaltet auch, andere Meinungen abzulehnen. Meinungsfreiheit beinhaltet nicht das Recht, seine eigene Meinung auf der Homepage andere Leute, auf deren Flugblättern, auf deren Demonstration oder in deren Vorgärten zu veröffentlichen. Denn damit würde man in das Recht der anderen Personen eingreifen, selbst darüber zu entscheiden, welche Meinung sie haben und welche Meinungen sie unterstützen und veröffentlichen wollen.

  • Also wenn ich seine Darstellung lese, dann fehlt da ein entscheidender Punkt in Eurer Stellungnahme: „Anfang 2014 bestellte die TAZ bei mir eine Reportage über die Familienangehörigen von Arnaldo Otegi,“
    Das heisst, er hat Euch den Artikel nicht angeboten, sondern er wurde von der Redaktion bestellt. Er schreibt dazu weiter „Eine Überarbeitung wurde mir nicht vorgeschlagen, ein Ausfallhonorar nicht angeboten.“
    Ich finde, es steht Euch frei, Artikel nicht abzudrucken, aber wenn ihr den Artikel bestellt habt, dann finde ich es fair, dass er Autor die Gelegenheit zur Überarbeitung bekommt und ggf. ein Ausfallhonorar.

  • @ Markus Hoffmann
    Der geübte Leser von Journalismus erkennt den Unterschied und die schlechte Qualität von „BILDblog für alle“ bei dem. Wie nachlesbar ist, veröffentlicht das Blog mit Flagschiffer Stefan Niggemeier die Sicht eines Betroffenen. Offenbar ohne eine Stellungnahme der anderen Seite abzufragen, hier der taz. Betroffenen ein Sprachrohr geben. Das ist ja gut und schön, nur seriöser Journalismus ist das nicht

    @ BLÖDblog
    Recherche 6. Geh in die Journalistenschule.

      • Das Geschimpfe gegen Niggemeier und BILDblog zeugt von totaler Unwissenheit. Es ist in der BILDblog 6vor9-Rubrik seit Jahren üblich, Diskussionsbeiträge einzustellen, die nichts mit Bevorzugung zu tun haben: Auf Zeliks Vorwürfe hin wurde in der nächsten 6vor9-Rubrik die Antwort der taz eingestellt. Präferenzen sind hier nicht Sinn der Sache. Das sieht man vor allem auch daran, dass sogar Typen wie M. Matussek auf diese Weise bei BILDblog „zu Wort“ kamen (sein inszeniertes Interview in „The European“ zu seinem Abgang beim SPIEGEL). Dies geschah natürlich ohne jede Wertung seitens BILDblog – denn, wie jeder weiß, sind Niggemeier/BILDblog und Matussek alles andere als aliiert.

        Der Vorwurf „Sprachrohr geben“ geht also volles Rohr nach hinten los bzw. entspricht höchstens den Denkschemata gewisser TAZ-Leser (solchen vom Typ „Netzkompetenz: 6“).

        • @Helene

          Netzkompetenz 6, weil ich ein bestimmtes Nachrichtenangebot über Medien nicht konsumiere? Weil ich lieber Nachrichten zu weltpolitischem, nationalem und regionalem Geschehen lese?

          Getroffene Hunde bellen …

          Ich lese und kritisiere Konkretes und verneige mich nicht vor prominenten BloggerInnen, nur weil ihnen irgendein Ruf vorauseilt. Das mache ich auch nicht bei anderen Prominenten, wie einem langjährig prominenten Heribert Prantl, der sich Geschehen ausdenkt, oder einer Alice Schwarzer mit Verdiensten für die Gleichberechtigung, wenn sie ihre Steuern beiseite schafft.

          Auch wenn Stefan Niggemeier und Matthias Mattusek nicht liiert sind, ist das kein Argument für Betroffenen-Berichterstattung. Ich erinnere mich, auch in der taz war es einst jahrelang „üblich“, ausgewählten oder nicht ausgewählten, Stichwort Redaktionsbesetzungen, Betroffenen Öffentlichkeit zu ermöglichen. Die taz wurde aber erwachsen. Sie ordnet Geschehen ein. Sie erklärt statt dass sie unterschiedliche gesellschaftliche AkteurInnen aufeinanderprallen lässt. Sollen sich LeserInnen doch selbst aus dem verlinkten Salat journalistische Information destillieren?

          • Ich bin nicht wirklich intim mit den Redaktionsinterna von BILDblog und 6vor9 (das ja ursprünglich eh von ganz woanders her kam) vertraut, aber soweit ich weiß, kann man Herrn Niggemeier zwar als „spiritus rector“ des Ganzen bezeichnen, die Seite befüllen tut der Mann aber seit Jahren nicht mehr.

            Ansonsten hat Helene völlig Recht damit, dass auf 6vor9 an aufeinander folgenden Tagen mitunter von der Ausrichtung her völlig konträre Posts verlinkt werden, eben als Debattenbeiträge ohne Zueigenmachung derselben durch die Redaktion.

          • @ Krischn:
            Danke für die Infos. Wenn dem so ist, gehört die Kennzeichnung Debattenbeiträge oder Diskussionsforum oder Kommentare leicht erkennbar oben drüber. Die Kennzeichnung als Kommentare sollte nicht erst in einer erlebbaren Anleitung oder in Kleingedrucktem erläutert werden.

  • Ein vernünftiger Kommentar. Natürlich hat die taz jedes Recht, einen ihr angebotenen Artikel abzulehnen; ich vermute, das geschieht auch häufig. Und nicht nur bei der taz.
    Dass sich ein Abgelehnter darüber aufregt, ist menschlich verständlich, besonders bei Anfängern in diesem Beruf. Dass er gleich laut „Zensur“ schreit (immerhin schaffte er’s in das Bildblog) ist, sorry: armselig. Es beweist wohl eher, dass die taz den Artikel wohl aus gutem Grund abgelehnt hat.

  • Ist das eine Bildungslücke? Ich wusste ich nicht, dass die politische „rechte“ Linke Militäreinsätze grundsätzlich gutheißt.

  • Schön, dass die tazkommune jetzt auch außerhalb von Twitter und Facebook mehr präsent ist. Genau solche streitbaren Geschichten wie hier meine ich – na ja, Raul Zelik scheint mir bei der Reportage-Sache argumentativ klar unterlegen.

    Die Geschichte zu dem antiautoritären Bilderstreit vor Wochen fand ich auch super spannend. Auch Vereinzeltes Anderes. Vielleicht sollten Sie einige PraktikantInnen ermutigen, aktiv ihre (un(selbst-)zensierte! ;)) Meinung zum gebloggten Geschehen der taz zu posten.

    Ich überflog kurz den Hausblog in der Vergangenheit. Ich vermute, Sie müssen erst eine Durststrecke an No-Community-Feedback bei den Kommentaren überwinden. Bis wieder mehr mitkriegen würden, was hier Spannendes. Zumindest mir ging es vergangenes Jahr so. Ab einer kritischen Menge konnte ich dem Kommentieren nicht mehr widerstehen. Ich musste.

    • Mir is soen inside out tranparency too much. Das Kräfteverhältnis ist zu ungleich zum Nachteil für den Autor Raul Zelic verteilt. Auch wenn er alle Google-Links zum Hausblog löscht. Sein unfaires team playing wird ihm immer nachgetragen werden können. Auch wenn er es eines Tages selbst einsieht und bereut. Wer liest denn schon seinen Blog. Sehr wenig wahrscheinlich. Better: souverän ignorieren.

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