vonHelmut Höge 10.09.2009

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

Mehr über diesen Blog


Bei der Privatisierung des kommunalen Wohnungseigentums, von dem es in Berlin West und Ost besonders viel gab, bevorzugten die sogenannten Stadtväter zunächst zwei bereits übel beleumdete CDU-Freunde – mit zu wenig Kapital (weswegen jetzt u.a. Landowsky als Banker im Nebenberuf vor Gericht steht), bei der zweiten Privatisierung gingen sie dann auf Nummer Sicher – und entschieden sich für das internationale Großkapital („Das war, als wenn man von Schmidtchen zu Schmidt kommt,“ so ein ehemals Beteiligter an dem „Deal“). Zu den Schmidts gehört unter anderem der sogenannte Finanzinvestor Cerberus. Dieser Höllenhund (wie die Übersetzung aus dem Griechischen lautet) bekam den Zuschlag bei der GSW, der wohl bekanntesten Westberliner Wohnungsbaugesellschaft.

Sie hieß in den Zwanzigerjahren „Wohnungsfürsorgegesellschaft Berlin mbH“, die Nazis nannten sie dann  „Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft“ und die Sozis privatisierten sie zuletzt als GSW Immobilien.

Der Finanzinvestor Cerberus „verarbeitet“ Risikokapital  und „arbeitet“ dabei primär mit (Gewinn-)Versprechen. So wie er z.B bei seiner milliardenteuren Übernahme des von Mercedes abgestoßenen Autokonzerns „Chrysler“ versprach, dieses Unternehmen (wieder) in die Gewinnzone zu „bringen“. Dies wurde vornehmlich durch Betriebsstillegungen und Entlassungen von Mitarbeitern – „Rationalisierung“ genannt – in die Wege geleitet. Gelehrt wurde solch gewinnversprechendes Tun u.a. an der worlds greatest „Harvard Business School“, wo jahrelang der 2002 pleite gegangene Heiße-Luft-Konzern „Enron“ als der diesbezüglich weltweit am besten gemanagte „Global Player“ galt. Enron durfte sich deswegen quasi zu Recht als „The World’s Greatest Company“ bezeichnen. Die betrügerischen Enron-Manager bekamen anschließend z.T. lebenslänglich, einer hängte sich auf, ein anderer heiratete eine Striptease-Tänzerin, der Hauptgeschädigte war „Lehmann Brothers“ (über den die taz in der nächsten Woche eine Sonderbeilage veröffentlicht).

Als ein Als-ob-Energiekonzern war Enron, hervorgegangen 1985 aus der Fusion von „Houston Natural Gas“ mit „Internorth“, einem Erdgas-Konzern aus Omaha, noch im Übergang zum quasi reinen „Finanzinvestor“ gewesen. Wie die Spekulanten von Cerberus z.B., die jedoch nicht versuchen, in immer dünnere Luftschichten vorzustoßen (sas sog. „Richthofen-Syndrom“), sondern andersherum versuchen, sich in der Produktionssphäre gewissermaßen zu erden, wobei sie diese „Deals“ (Übernahmen) mit Bankkrediten finanzieren. Bereits nach wenigen Jahren  mußte Cerberus Chrysler in die Insolvenz entlassen.

In Berlin gehört wie gesagt die Wohnungsbau-Gesellschaft GSW mit ihren 75.000  Wohnungen seit 2004 zum globalen Streubesitz von Cerberus. Die Süddeutsche Zeitung schrieb lapidar: „Aus den Mieteinnahmen bedienten sie die Zinsen“  die sie für die Übernahme-Kredite zahlen mußten. Der Berliner Mieterverein präzisierte dies in seinem „Schwarzbuch Privatisierung“, in dem die bisherigen Erfahrungen mit den privatisierten Kommunalbetrieben GSW, GEHAG, BEWAG, Wasserbetrieben und GASAG verarbeitet wurden: „Die Investoren haben schnelle und hohe Renditeerwartungen. Diese realisieren sie durch folgende Strategien, die sich unterschiedlich auswirken: 1. Ausschlachten der Unternehmen durch Weiterverkauf werthaltiger Teilbestände.  2. maximale Mieterhöhungen. 3. teure und z.T. unökonomische und unsinnige Modernisierungen. 4. Unterdrucksetzung von Mietern, die ihre Wohnung nicht kaufen bzw. einer Modernisierung nicht zustimmen wollen. 5. Betriebskostensteigerungen.  6. Unterstützung von Mieterbeiräten wird eingeschränkt.  7. rechtliche Schikanen. 8. Beeinträchtigung stadtentwicklungspolitischer Ziele.  9. Unterlassung bzw. Rückstellung notwendiger Instandhaltungen.  10. Gefährdung vertraglicher Vereinbarungen mit Kommunen und karitativen Organisationen.  11. Entlassung von Mitarbeitern und Schwächung der regionalen Wirtschaftsstruktur.“

Der Berliner Kurier fand zudem heraus: „…auch hier funktionierte das Spiel mit prominenten Namen. Als Beraterin der neuen Geschäftsführung rekrutierte man die frühere Sozialsenatorin Ingrid Stahmer (SPD)“. Privatiseur war der SPD-Finanzsenator Thilo Sarrazin, der das Privatisieren zuvor in der Treuhandanstalt gelernt hatte – anhand von Ostbetrieben. Ein Geschäft, das er dann auf der anderen Seite der verschwundenen Mauer fortsetzte – mit den selben Sprüchen gegen die bei der Privatisierung arbeitslos gewordenen: „Auf die ewigen Jammerer können wir verzichten“, Hartz-IV-Empfänger sollen wegen der gestiegenen Energiekosten gefälligst „die Zimmertemperatur auf 15 Grad Celsius drosseln und Pullover anziehen“. Reinster Darwinismus!

Aber auch das half nicht, denn die Cerberus-GSW verlangte ab 2008 trotzdem satte Heizkosten-Nachzahlungen: Für eine Zweieinhalb-Zimmerwohnung einer Hartz-IV-Empfängerin z.B. 1031 Euro. Jetzt wollen deswegen einige Abgeordnete den GSW-Mietern helfen. Ungeklärt ist auch noch der staatliche Zigmillionenzuschuß für das 1996 gebaute  „Öko-Hochhaus“ der GSW-Verwaltung in der Kochstraße, das Cerberus 2005 an spanische Kollegen/Konkurrenten (Immobilienspekulanten) weiterverkaufte. Die GSW hat, obwohl dazu verpflichtet, bisher noch nie eine Öko-Bilanz für das vielphotographierte Hochhaus vorgelegt. Auch darum sollten sich die Abgeordneten kümmern, denn wegen der staatlichen Öko-Förderung ist der Hochhaus-Besitzer auch öko-bilanzpflichtig.

Das bis heute vielphotographierte Bauwerk, schreibt Wikipedia, „war registriertes Projekt“ der Birgit-Breuelschen Expo 2000. „Es hat ein Niedrigenergiekonzept, das den Verbrauch durch eine Frischluft/Abluft-Thermik um bis zu 40 % senkt. Ein Doppelfassaden-System aus Glas sorgt für saubere Raumluft und gute Tageslichtausnutzung. Gekrönt wird der Bürobau in 81 Meter Höhe von einem Windsegel, das zugleich maßgeblicher Bestandteil des Energiekonzeptes ist.“

Und das mit dazu beiträgt, dass sich auf der nunmehrigen Rudi-Dutschke-Straße niemand aufhalten kann, weil dort ständig der Wind pfeift, weil reguläre Geschäfte sich deswegen dort nicht lange halten, hat man das Arbeitsamt in die Springer-Häuserzeile hinter dem GSW-Gebäude einquartiert. Nun stehen dort schon ab 7 Uhr morgens die Hartz-IV-Empfänger Schlange vor den Job-Centern, -Beratern, -Coaches und sonstigen Arbeitslosen-Verarschern, die ihnen dann ausgerechnet dort auch noch was vom „rauhen Wind der Marktwirtschaft“ erzählen wollen.

Die Cerberus-GSW-Mitarbeiter spüren den in ihrem Hochhaus natürlich nicht so, dafür ärgern sie sich über das ganze „Öko“ in diesem Scheißgebäude: Sie dürfen nichts selbst verändern – am Raumklima. Das ist aber unabdingbar, wenn man sich an seinem Arbeitsplatz einigermaßen wohl fühlen soll.

Und nun müssen sie auch noch um ihren Arbeitsplatz bangen, wie der ehemalige GSW-Deputy-Facility-Manager Willi Petzold (56) meint, denn Cerberus laufen seit der Finanzkrise die vornehm Risiko-Investoren genannten Gewinn-Spekulanten weg.

Der österreichische Standard meldet: „Die US-Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital Management will Anlegern den Abzug ihrer Mittel aus neuen Hedge Fonds untersagen. Die Maßnahme solle für drei Jahre gelten, erklärte am Donnerstag Cerberus-Direktor Tim Price. Am Dienstag hatte die Firma Marktgerüchte zurückgewiesen, einige ihrer Fonds stünden vor der Zahlungsunfähigkeit. Wegen hoher Verluste wollten Investoren zuletzt 4,77 Mrd. Dollar (3,33 Mrd. Euro) aus zwei Cerberus-Hedge-Fonds abziehen. Das entspricht knapp einem Fünftel des von der Gesellschaft verwalteten Vermögens.

Cerberus geriet mit Beteiligungen von insgesamt 15 Mrd. Dollar an dem US-Autobauer Chrysler und dem Finanzierer GMAC unter Druck. Bei Chrysler musste Cerberus den Großteil seiner Investitionen abschreiben, nachdem die ehemalige Daimler-Tochter in diesem Jahr Gläubigerschutz beantragt hatte. Auch die Anteile am Auto- und Immobilienfinanzierer GMAC verloren deutlich an Wert, nachdem die US-Regierung den ehemaligen Finanzarm von General Motors vor dem Kollaps retten musste“

Die Süddeutsche Zeitung ergänzt: „Auch aus dem deutschen Markt dürfte sich der Hedgefonds deshalb langsam zurückziehen.“

Zur Erinnerung (Wikipedia): „Hedgefonds (von engl. to hedge„absichern“, engl. hedge fund; selten SAIVsophisticated alternative investment vehicle, engl. etwa für ausgefeiltes/anspruchsvolles alternatives Investitionsvehikel) sind eine spezielle Art von Investmentfonds, die durch eine spekulative Anlagestrategie gekennzeichnet sind. Hedge-Fonds bieten die Chance auf sehr hohe Renditen und tragen entsprechend ein hohes Risiko. Typisch für Hedge-Fonds ist der Einsatz von Derivaten und Leerverkäufen.

Hiervon rührt auch der irreführende Name, da diese Instrumente außer zur Spekulation auch zur Absicherung (Hedging) verwendet werden können. Außerdem versuchen Hedge-Fonds über Fremdfinanzierung eine höhere Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften (Hebel- oder Leverage-Effekt).

Die meisten Hedge-Fonds haben ihren Sitz an Offshore-Finanzplätzen. Bekannte Hedge-Fonds sind die Quantum Funds des Investmentbankers George Soros und der Fonds Long-Term Capital Management, der 1998 zusammenbrach. Zum Jahresende 2006 hatten Hedge-Fonds weltweit ein Volumen von rund 1,6 Billionen US-Dollar.“

Das Manager-Magazin teilte mit: „Ronald Pofalla geißelt sie, Frank-Walter Steinmeier gleichfalls und die Welt will ihre Schwingen beschneiden. Hedgefonds sind vermutlich die Anlageklasse mit dem schlechtesten Leumund der Welt. Doch wer nur draufschlägt, macht es sich zu einfach.“

Die FAZ schreibt unter dem Titel „Vertrauensverlust: Amerikanische Hedge-Fonds, deren Anlagen im Zuge der Finanzkrise stark an Wert verloren haben, leiden unter Mittelabflüssen. Am Wochenende war bekanntgeworden, dass Kunden der prominenten New Yorker Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital Management 5,5 Milliarden Dollar oder 71 Prozent des insgesamt verwalteten Vermögens aus zwei Hedge-Fonds abgezogen haben.“

Der Hausmeister eines der im Osten übernommenen GSW-Wohnblocks, Michael „Maik“ Loewig (41) meint dazu: „Uns und den Mietern kann das nur recht sein!“

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2009/09/10/cerberus/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Im April 2010 meldete das Handelsblatt:

    Der Höllenhund baut sein Kriegsgeschäft aus

    Der US-Finanzinvestor Cerberus hält militärische Hilfsdienste in Krisengebieten offenbar weiterhin für ein lukratives Geschäft und kauft sich mal eben DynCorp. Das US-Unternehmen begleitet und unterstützt die US-Truppen im Ausland und wartet die Fahrzeugflotte der Armee.

    Cerberus zahlt einschließlich Schulden 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) für das US-Unternehmen DynCorp.

  • Cerberus und Co.:

    In aller Stille

    Während die Bundeswahlkämpfer Opel »retten« und neue Arbeitsplätze versprechen, ruinieren ihre Private-Equity-Freunde Hunderte mittelständische Unternehmen

    Von Werner Rügemer heute in der Jungen Welt

    Beispiel Monier: Hersteller von Dachziegeln (Marke »Braas«) und Schornsteinen. 1300 Beschäftigte an 15 Standorten in Deutschland, verzeichnet Milliardenumsatz, macht Gewinne, aber steht vor der Pleite. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Monier wurde vom Private Equity-Investor PAI Partners gekauft. Nach der »Heuschrecken«-Methode, mit wenig Eigenkapital und hohen Krediten. Die wurden anschließend dem gekauften Unternehmen aufgebürdet, das dann dafür arbeitet, die Darlehen zurückzuzahlen. Schon beim geringsten Auftrags- und Einnahmerückgang wie jetzt kommt das Geschäftsmodell ins Schleudern.

    Hunderten Unternehmen geht es ähnlich. Die neuen Eigentümer haben das Eigenkapital geplündert und die Kreditwürdigkeit auf Null gedrückt. Auch selbst bekommen sie kaum mehr Kredite. Sie drehen deshalb noch heftiger an den Daumenschrauben: Lohnverzicht, Entlassungen, Immobilienverwertung. Sie schicken Scharen von ruppigen Anwälten und hochbezahlten Beratern, um kostensenkende »Restrukturierungen« durchzudrücken.

    Es sind keineswegs nur US-amerikanische und britische Investoren. Zum Beispiel Odewald & Compagnie. Jens Odewald, Ex-Kaufhof-Chef, wurde 1990 durch seine Beziehungen zu Bundeskanzler Helmut Kohl Vorsitzender des Treuhand-Verwaltungsrats. Da lernte er, wie man Unternehmen ausplündert. Nach der Treuhand gründete er die Private-Equity-Firma. Die wirbt für sich als »Mittelstandsförderer«. Doch deren Spur der (profitablen) Verwüstungen ist lang. Auf ihr findet sich zum Beispiel trans-o-flex. Odewald kaufte das Speditionsunternehmen 2005 von der Deutschen Post und verkaufte es 2007 mit Gewinn an die Österreichische Post. In den zwei Jahren spaltete er das Unternehmen in vier Dutzend Einzel-GmbHs auf, entließ unkündbare Betriebsräte vor Ort, stellte Niedriglöhner ein.

    Den Unternehmen, die dem Freund von Bundespräsident Köhler und Bild-Verlegerin Friede Springer jetzt noch gehören, geht es noch schlechter. Zum Beispiel Saargummi: Kaum kam die Autobranche in die Krise, wäre der Autozulieferer beinahe pleite gegangen. Doch die Landesregierung von CDU-Ministerpräsident Peter Müller gewährte einige Monate vor der Wahl schnell eine Landesbürgschaft. 300 der 1200 Beschäftigten sollen entlassen werden bzw. in eine Transfergesellschaft wechseln. Diese Einbahnstraße in die Arbeitslosigkeit wollen die meisten Betroffenen nicht betreten, was die Geschäftsführung als »mangelnde Flexibilität« bezeichnet.

    Beispiel Oystar: Diesen Verpackungsmaschinenhersteller brachte Odewald »durch die Aufbürdung des Kaufpreises bis an den Rand der Zahlungsunfähigkeit«, so das Handelsblatt. Die kurz zuvor ausgewechselte Geschäftsführung zahlte den 1000 (Noch-)Beschäftigten im Juli das Urlaubsgeld nicht aus, auf das Urlaubsgeld 2010 sollen sie schon jetzt verzichten. Auch das Weihnachtsgeld für 2009 und 2010 wird es nicht geben, geht es nach der Firmenleitung. 438 Stellen stehen vor dem Aus, und die verbleibenden Noch-Beschäftigten sollen zustimmen, daß ihre Einkommen um zehn Prozent abgesenkt werden. Dies empfiehlt ein anderer »Mittelstandsförderer«, nämlich der Unternehmens- und Merkel-Berater Roland Berger. Der hat im Auftrag Odewalds den »Restrukturierungsplan« erstellt. Als die Betriebsräte protestierten, bezeichnete die Geschäftsführung dies als »Kreuzzug der IG Metall gegen Finanzinvestoren auf Kosten der Belegschaft«.

    Die »Finanzheuschrecken« leisten ganze Arbeit: Call-Center-Anbieter Walter Services, Zeitarbeitsvermittler Tempton – überall geht es ähnlich wie bei Odewald zu.

    Cerberus schickte die deutschen Woolworth-Kaufhäuser in die Insolvenz. Kingsbridge entließ bisher 340 Beschäftigte von Märklin in die Arbeitslosigkeit.

    Auch die bislang größte Privatbank Europas, Sal. Oppenheim, hat als Hauptaktionär nicht nur Karstadt/Arcandor in die Pleite geführt. Oppenheim verantwortet über die beiden Tochterfirmen mit den unscheinbaren Namen Triton und Argantis noch mehr Arbeitslosigkeit. Beispiel Kampa. Der größte Hersteller von Fertighäusern, aufgekauft von Triton, erklärte im Frühjahr 2009 die Insolvenz. Argantis entläßt jetzt 143 Beschäftigte des bedeutenden Fensterherstellers WERU im baden-württembergischen Rudersberg und verlagert in die Niedriglohnzone Thüringen.

    Die Private- Equity-Branche trieb wie kaum eine andere die Kreditblase an und hat enorm von ihr profitiert. Sonderdividenden auf Pump, Sonderboni für die Investoren und Manager. Die nun faul gewordenen Kredite der Deutschen Bank, der Commerzbank und anderer »renommierter« Finanzhäuser an die Heuschrecken gehören zu den »toxischen Papieren«. Sie werden in den staatlichen Garantie-Hängematten zwischengelagert.

    Die Branche kam durch politische Korruption und mediale Beihilfe zu ihrer privilegierten Situation. Odewald spendete 650000 Mark, um Freund Kohl ein Gerichtsverfahren wegen dessen schwarzer Kassen zu ersparen. Im Fazit-Kuratorium sorgt er für die Finanzierung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in der Konrad Adenauer-Stiftung vergibt er den Preis für »soziale Marktwirtschaft«. Oppenheim war mit 250000 Euro der größte Einzelspender für Frau Merkels Bundestagswahlkampf 2005.

    Und die Hyänen bedienen sich: Die Großkanzlei Freshfields, die nebenbei im Auftrag von Finanzminister Steinbrück die Gesetze zur Bankenrettung entwirft, bekam den deutschen Kanzlei-Oscar »Juve-Award« für ihre vorbildliche Abwicklung von Heuschreckendeals.

  • Andrej Holm zog bereits 2006 im Mieter-Echo ein „Fazit“ aus der GSW-Privatisierung durch Cerberus:

    Eine erste Bilanz der GSW-Privatisierung muss das betriebswirtschaftlich erfolgreiche Vorgehen der neuen Eigentümer anerkennen. Die Strategien der Investoren richteten sich zunächst auf die internen Strukturen des Unternehmens. Veränderte Kreditlinien und Neubewertungen auf der einen und eine Optimierung der Verwaltungsarbeit auf der anderen Seite sind wesentliche Unternehmensschritte in den ersten zwei Jahren nach der Privatisierung. Bezogen auf den Bestand jedoch zeichnen sich sehr verschiedene Strategien ab. Verkauf, Modernisierung und Umwandlung auf der einen, stabile Vermietung auf der anderen Seite. Der wichtigste Aspekt scheint jedoch, dass die zum Verkauf vorgesehenen Bestände in einen Zustand gebracht werden, der eine weitere Verwertung zulasten der Mieter/innen möglichst reibungslos und profitabel durchführbar macht.

    Im September 2009 berichtet der Berliner Kurier:

    Scheinmieter bei der GSW

    Leerstand soll kaschiert werden, um Wohnungen gut verkaufen zu können

    von Ronald Gorny

    Berlin – Nach dem Ärger um die Nebenkosten-Abzocke gerät die GSW nun schon wieder ins Zwielicht. Sie soll so tun, als ob leere Wohnungen belegt sind.

    Mieter an der Todtnauer Zeile in Waidmannslust reiben sich seit einigen Wochen verwundert die Augen. Im Haus Nummer 3 standen ewige Zeit vier Wohnungen leer, doch über Nacht sind neue Namensschilder an Klingelknöpfen und den Türen. Schallendes Gelächter über die Namen der angeblichen Mieter: Familie Huf, Sattel, Kopf und Fperd – wohl absichtlich falsch geschrieben, damit der Schwindel mit den Schein-Mietern nicht auffällt. Auch in der Todtnauer Zeile 1, 5, 6, 7, 9 und 11 wurden plötzlich mehr als 20 Namen an die Klingelknöpfe angebracht.

    Der SPD-Abgeordnete Jörg Stroedter: „Mit dieser Methode könnte Leerstand kaschiert werden. Die Wohnungen will die Betreibergesellschaft GSW verkaufen – da macht sich Leerstand nicht gut.“ In jüngster Zeit gerät das Unternehmen offenbar zunehmend in Turbulenzen. Nach einem Bericht des Handelsblatts laufen Kunden weg, fast 71 Prozent der Einlagen sollen abgezogen worden sein.

    Sogar das Wort „Rückkauf“ durch das Land Berlin macht bereits die Runde.

  • Und das Schönste:

    Das Geld, mit dem Cerberus die GSW mit ihrem Öko-Hochhaus kaufte – bekam der US-Finanzinvestor zum größten Teil von der bayrischen „Hypo Real Estate“: Dessen „Immobilienkäufe finanzierte die HRE mit bis zu 80% des Einkaufswertes“, schreibt der Tagesspiegel.

    Bisher wurde die pleite gegangene HRE von der Bundesregierung mit 3 Milliarden Euro unterstützt (verstaatlicht). Bis Ende des Jahres ist eine weitere Kapitalerhöhung bei der HRE von bis zu 7 Mrd. Euro von der Bundesregierung geplant.

    Die Bundesbank geht unterdes davon aus, dass die HRE noch einmal so viel braucht – das wären dann 20 Milliarden, die sie sich geliehen hatte, um sie in „Risiko-Geschäfte“ zu „investieren“. Der Tagesspiegel rechnete in seiner Sonntagsausgabe aus, dass es mindestens 26 Milliarden Euro am Ende sein müßten, „um die Bank mit ausreichend Eigenkapital auszustatten“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.