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vonHelmut Höge 11.10.2009

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Dieses Thema – der Aufhebung der Trennung von Hand- und Kopfarbeit – beschäftigt mich nicht nur als Aushilfshausmeister und Autor, sondern auch als Schüler von Alfred Sohn-Rethel, dem das sozusagen das Wichtigste war beim Aufbau des Sozialismus – schon im Klassenkampf. Ansätze dafür sah er seinerzeit vor allem im China der Kulturrevolution, wo man sich explizit – mit den „3 Mits“ (mit den Bauern leben, arbeiten und lernen) – damit auseinandersetzte. Aber auch hier in Europa – z.B. nach Betriebsbesetzungen (u.a. bei Lukas Aerospace in England) und in bestimmten Streikbewegungen (z.B. in Mailand, wo Ingenieure und Techniker mit den Arbeitern zusammen sich Gedanken über die Organisation der Produktion machten, der Merve-Verlag veröffentlichte dazu in den Siebzigerjahren eine Diskussion).

Seit einigen Jahren protestieren die Bauern gegen die gentechnisch operierende Agrarindustrie, die die von ihnen über Jahrtausende kultivierten Nutztiere und -pflanzen gewissermaßen entwendet – und dann patentiert, um sie ihnen anschließend wieder zurück zu verkaufen.

Die Bauern werden darüber zu bloßen Feld- bzw. Stallarbeitern. Ihr erfahrungsbasiertes Wissen hat in dieser Perspektive über kurz oder lang nur noch statistischen Wert – wenn überhaupt . Die Wissenschaftler und Techniker der Agrarindustrie haben das Wort, .

In eine ähnliche Richtung geht auch – folgt man einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung – die Medizin, d.h. das mähliche Verstummen der sogenannten praktischen Ärzte, die anscheinend schon nicht mehr in der Lage sind, die gentechnisch gewonnenen und mit statistischer Wahrscheinlichkeiten jonglierenden Produkte der Pharmaindustrie zu verstehen sowie die Ergebnisse der Analysetechniken richtig zu interpretieren, wie übrigens auch nicht das Bundesgesundheitsministerium.

In meinem blog-eintrag über den Botanischen Garten in Berlin habe ich einen der  Wissenschaftler danach gefragt, wie dort der Wissensaustausch zwischen Hand- und Kopfarbeitern, also zwischen Gärtnern und Botanikern funktioniert. Es gab ihn mal, aber es gibt ihn nicht mehr, so lautete in etwa seine Antwort. (http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2006/10/06/der-botanische-garten/) Das ließe sich auch vom Max-Planck-Institut für Verhaltensforschung sagen: Zu Konrad Lorenz Zeiten nahm dort der Tierpfleger stets an den Sitzungen der Biologen teil, heute jedoch längst nicht mehr.

Noch einmal wurde dieses „Problem“ dann in meinem blog-eintrag angeschnitten, in dem es um das Bienenwissen von Imkern und Bienenforschern in Berlin geht – anhand von zwei Interviews mit Imkerinnen aus Kreuzberg und aus dem Wedding, die eine ist Amateurin, die andere professionelle Imkerin. (http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2006/07/10/von-bienen-und-imkern/)

Gegen das auch von ihnen konstatierte Auseinanderdriften von Hand- und Kopfarbeit versucht es die Schweizer Biologin Florianne Koechlin mit einer Umdrehung der Sichtweise, d.h. in ihrem Fall, indem sie von Pflanzen ausgeht, um unterschiedslos das Wissen darüber von Praktikern und Theoretikern bzw. Forschern zusammenzutragen – zu einer Art Patchwork. Ihre Veröffentlichungen bestehen ebenfalls aus Interviews – mit Bauern, Gärtnern, Künstlern und Wissenschaftlern. In gewisser Weise knüpft sie damit wieder bei den ersten Naturwissenschaftlern, u.a. Aristoteles, an, der sein Wissen über die Natur ebenfalls schon durch Befragung aller mit Natur befaßten gewann. (http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2009/02/06/)

Die Künstler, hervorgegangen aus der Scheidung von Wissenschaft und Handwerk,  scheinen dann  die ersten gewesen zu sein, die in die sich auftuende Kluft zwischen Hand- und Kopfarbeitern stießen, um sie mit ihren wie auch immer bescheidenen Mitteln zu überbrücken.

Nimmt man nicht die Jäger als die ersten, weil diese auch gerne von der Jagd als einer Kunst reden  – so z.B. der Jugoslawische Staatspräsident Tito (wobei jedoch wiederum die Wilderer auf die Sonntagsjäger herabkucken – wie gerade ein schöner FAZ-Artikel über Wilderei in den Alpen deutlich machte). Dem gegenüber hat bereits der Zürcher Zoodirektor Heini Hediger – in einem Text über Kaninchen zu bedenken gegeben: „Das Freileben dieser interessanten Nager ist erst in den letzten Jahren erforscht worden. Auch hier hat es sich gezeigt, dass das Jagen im Grunde wenig Gelegenheit zum Beobachten bietet, die Kaninchenjagd schon gar keine. Ein Schuß, selbst ein Meisterschuß, ist eben niemals Beginn, sondern stets das Ende einer allzu kurzen und meist nicht sehr vielsagenden Beobachtung.“ Ähnliches ließe sich leider auch über viele künstlerische „Auseinandersetzungen“ mit bestimmten Lebensformen sagen.

Interessant sind in dieser Hinsicht jedoch die Arbeiten des Biologen und Schriftstellers Heiko Werning – als Redakteur und Autor von „Reptilia“ und einiger anderer Zeitschriften für Terrarianer und Aquarianer, in der das Wissen von Amateuren, Tierpflegern und Wissenschaftlern zusammenfließt. Heiko Werning hat seit einiger Zeit auch noch einen taz-blog, in dem dazu Näheres steht. Zuletzt las ich dort den Satz: „Drei ganze Monate lang bleibt mein Platz am Flügel des La Luz bei unserer Lesebühne „Brauseboys“ nun verwaist. Denn für mich heißt es wieder: Echsen fotografieren, Nationalparks besuchen, Zoos besichtigen, Reptilienzüchter heimsuchen, das ganze Programm halt. Von Montag bis zum 30. Oktober. Im Westen Nordamerikas.“ (1)

Erwähnt sei ferner eine Ost- und eine West-Zeitschrift über Tausendfüßler, die ebenfalls von „Liebhabern“ und Erforschern dieser Spezies herausgegeben werden.

Eine in gewisser Weise natürliche Mittelposition nimmt die Öko-Bewegung mit ihren Initiativen (BIs), Kampagnen und Projekten des Umweltschutzes ein, wobei sie allerdings auf eine wenn auch manchmal subversiv gewendete Weise das Wissen der Weißkittel gegenüber dem „Anderen Wissen“ favorisiert – das werfen ihr jedenfalls die „Akteur-Netzwerk-Theoretiker“ zusammen mit Biologinnen wie etwa Donna Haraway vor, die deswegen eine „politische Ökologie“ durchsetzen wollen, die auf der Höhe der Praxis dieser Bewegung ist, indem sie so viele Wissensformen wie möglich an einem (runden) Tisch versammeln – auch die von „nicht-menschlichen Wesen“.Ähnliche Ziele verfolgen im übrigen auch Philosophen wie Mark Rowlands, denen es um die Ausweitung der „Menschenrechte“ auf möglichst alle anderen Lebewesen geht.

Wie hier an anderer Stelle erwähnt, haben kürzlich ein Journalist (in „konkret“) und ein Biologe (in der „JungleWorld) dieses Ansinnen, speziell das von Donna Haraway in ihrem Buch „When Species Meet“ vorgetragene, kritisiert. Der Biologe, der eine zeitlang mit der Ausbildung von Tierpflegern beschäftigt war, meinte darüberhinaus auf einer Veranstaltung, dass es mit dem Wissen dieser Hand- oder Facharbeiter, den Tierpflegern, nicht weit her sei. Ich würde jedenfalls dazu neigen, es zu überschätzen.

Weil ich zwar mal einen Elefanten von Bremen nach Ostberlin auf seinem Transport begleitet, dort dann aber nur mit Menschenaffen-Pflegerinnen gesprochen hatte, habe ich vor einiger Zeit das Gespräch mit einem Elefantenpfleger aus dem Tierpark Friedrichsfelde quasi nachgeholt:

H.H.: Wie bist du Elefantenpfleger geworden, fang doch mal von vorne an…

Elefant testet Auto

Patric Müller: Ich habe die Oberschule besucht bis zur zehnten Klasse in einem kleinen Dorf im Erzgebirge.  Entweder ging man danach in die Armee oder in die Industrie, ich wollte beides nicht. Die Landwirtschaft hat mir Briefe geschrieben, die ich ungelesen in den Papierkorb geworfen habe. Mein Ziel war schon, was mit Tieren zu machen, aber nicht in der Landwirtschaft. Mein Vater hat mich der Natur sehr nahe gebracht.

H.H.: Hatte er was mit Tieren zu tun?

P.M.: Nein, der hat Metallurgie ursprünglich mal gelernt, also gar nichts mit Biologie und Tieren, aber wir kommen ja vom Dorf und die Nähe zur Natur war da gegeben. Ich habe mit fünf Jahren gelernt, wie man Forellen mit der Hand fängt. Das war natürlich verboten, aber ich habe mir so meinen Teil des Volkseigentums aus dem Fluss geholt. Ich besaß auch alle möglichen Tiere, die man als Kind haben kann. Da entstand schon der Wunsch, etwas mit Wildtieren zu machen, mit Exoten. Ich  wollte immer Taucher werden, habe es aber bis heute nicht geschafft, mit Flaschen zu tauchen, das ist eine Sache, die ich mir aufgehoben habe. Bis dahin reicht mir das Schnorcheln, um die Unterwasserwelt kennen zu lernen. Bei uns mußte man in der 9. Klasse angeben – das ist heute sicher nicht anders, was man nach der Schule gerne arbeiten würde, und da stand bei mir immer Zootierpfleger. Aber das ging nur über Beziehungen, und die hatte ich nur bedingt, ich war auch nicht in einer Arbeitsgruppe oder sonstwas, also man hat mir immer abgeraten, außerdem war ich politisch nicht ganz korrekt. Ich war weder Pionier, noch in der FDJ, kam eher aus der evangelischen kirchlichen Richtung und hatte damit auch nicht die Möglichkeit, die erweiterte Oberschule zu besuchen. Also Studieren ging zu Ostzeiten für mich nicht, weil man mir das Abitur verwehrt hat. Dann war ich auch noch so ein halber Wehrdienstverweigerer. Als ich gemustert wurde, war das schon 1984/85, da wurde das dann schon etwas liberaler gehandhabt, jedoch  immer noch ernsthaft genug, um einem Steine in den Weg zu legen. Das hat meinem Berufswunsch aber keinen Abbruch getan.  Meine Eltern haben mich unterstützt und ich habe auch Freunde gehabt, die mir halfen. Ich habe dann erst mal im Rostocker Zoo Ferienhelfer gemacht. Und dann kam ich über einen angehenden Tierarzt, den ich kannte, weil er die Tochter des Pfarrers aus unserer Gemeinde geheiratet hatte, mit dem  Berliner Tierpark in Kontakt. Er absolvierte dort einen Teil seiner praktischen Ausbildung und meinte: ‚Komm doch mal mit‘ – und so hat sich das ergeben. Meine Tante lebte in Berlin, sie hat mir eine Wohnstelle angeboten. ‚Wir probieren das einfach,‘ hat sie gesagt. Sie war auch bei meinem Vorstellungsgespräch im Tierpark dabei. Der damalige Direktor, Heinrich Dathe, hat dann ‚Ja‘ zu meinem Einstellungswunsch gesagt. Meine Zensuren waren zwar nicht besonders, aber ich hatte ein Empfehlungsschreiben aus dem Rostocker Zoo. Die Stellen in den Zoos waren meist für Frauen vorgesehen, die Männer sollten ja wie gesagt in die Industrie, die Armee oder Landwirtschaft gehen. Der Tierpark hat aber in dem Jahr immerhin drei männliche Lehrlinge eingestellt.

H.H.: Wo kamst du zuerst hin?

P.M.: Also die Lehre war sehr anerkannt, auch international, mit viel theoretischem Wissen verbunden. Die DDR war das erste Land, das die Tierpflegerausbildung auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt hatte. Das hat man im Westen dann nach der Wende übernommen. Das war aber auch nicht nur gut, weil dabei getrennt wurde –  in Versuchstierpflege und Zootierpflege. Im Tierpark muß man als Lehrling alle Bereiche durchgehen, um alles kennen zu lernen, praktisch wie auch theoretisch.

H.H.: Also auch z.B. die Schlangenfarm?

Das Elefantentor des Westberliner Zoos.

P.M.: Auch, ja. Mein Interesse galt ja eigentlich den Reptilien und Amphibien, weil ich die von zu Hause kannte, die konnte ich da in der Umgebung, wo wir wohnten, suchen und beobachten. Elefanten eher weniger. Da wir ja auch nicht reisen konnten, kannte ich Elefanten nur aus dem Dresdner Zoo. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich mit diesen Tieren mal so viel zu tun haben würde. Ich habe 1986 in Tierpark angefangen, etwa um die Zeit ließ Professor Dathe das Elefantenhaus bauen. Es wurde 1989 fertiggestellt, Anfang 1990 war glaube ich die Einweihung. Im Vorfeld wurden aber schon Elefanten eingekauft – eingekauft in Anführungsstrichen, zwei bekam Dathe aus Russland, aus dem  Moskauer Zoo. Aus Simbabwe bekamen wir vier junge afrikanische Elefanten, anderthalb bis zwei Jahre alt. Dort hatte man die Herden abgeschossen, weil es zu viele geworden waren, die Jungtiere aber behalten, die waren natürlich mehr oder weniger traumatisiert, als man sie an die Zoos verkaufte, aber aus denen sind trotzdem tolle Elefanten geworden. Und der Bulle züchtet hervorragend. Als sie kamen, brauchte man natürlich auch Pfleger dafür. Und ich war von den drei männlichen Lehrlingen  derjenige, der schon während der Lehre bei den Elefanten gewesen war. Weil ich mit denen gut klar gekommen war, haben sie mich gefragt, ob ich nicht bei den Elefanten bleiben wolle. Dazu hätte ich die Lehre abbrechen müssen, das wollte ich aber nicht und habe es auch nicht getan,  aber ich habe nicht mehr den ganzen Tierpark als Lehrling durchlaufen, sondern bin nach einem Jahr bei den Elefanten gelandet und habe dann meine Lehre fachtheoretisch ganz offiziell abgeschlossen, ohne die Bereiche weiter zu wechseln. Ich blieb also bei den Elefanten, wegen der Besonderheit, dass sie Neuzugänge hatten. Es ist dabei wichtig zu wissen, erstens dass man eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen muss, um mit denen umgehen zu können, weil Elefanten einem ja schon von ihrer Physis her überlegen sind, Masse mal Beschleunigung, und dann bleiben Wildtiere immer unberechenbar. Zweitens haben Elefanten eine Sozialstruktur, die hierarchisch geordnet ist, das heißt, es gibt ein Alphatier und das ist bei ihnen meistens eine Kuh. Damals hatten wir noch keine Elefantenbullen, bis auf einen ganz jungen, der aber noch keine großen Verhaltensunterschiede zu den jungen Kühen zeigte. Elefanten erfordern generell eine individuelle Pflege. Ich will das nicht vermenschlichen, aber für das Vokabular, um Charaktereigenschaften bezeichnen zu können, bleibt mir ja nur das von den Menschen. Im Umgang mit Elefanten sollte man versuchen, in jeder Situation Herr der Lage zu sein, und um das gewährleisten zu können, braucht man natürlich ein gutes Vertrauensverhältnis zu ihnen, sowie Kenntnisse, und eine möglichst hohe Position in der Rangordnung. Ich will nicht sagen, dass dieses immer wieder zitierte Wort Alphatier, dessen Position der Pfleger dann einnehmen sollte, gleichzusetzen ist mit der Elefantenrangordnung, dass der Pfleger als oberstes Tier in der Herde dasteht, dieser Vergleich hinkt, glaube ich, und ist auch anmaßend. Es geht auch gar nicht, weder habe ich so viel Kraft und  einen so  langen Rüssel, noch verstehe ich die Sprache, die Elefanten sprechen. Die Pferdeflüsterer und was es nicht alles für Flüsterer gibt, das sind zum Teil Legenden. Also man ist als Elefantenpfleger eher eine Respektsperson. Man ist außenstehend, natürlich, und von daher so eine Art Dirigent. Das Wort stammt  nicht von mir. So etwas kann man sich aber nur erlauben, wenn man ein gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Und das kann man unterschiedlich machen. Man kann mit einer harten, kurzen Variante ein Ergebnis erzielen oder mit einer langwierigen und dann aber meist auch intensiveren und vertrauenswürdigeren Beziehung Dinge erreichen. Die asiatischen Pfleger, die Mahuds, die mit ihren Elefanten arbeiten, haben da ebenfalls ein breites Spektrum.

H.H.: Gibt es da eine Diskussion drüber – unter den Mahuds?

Elefantenpoller

P.M.: Inzwischen ist auch dort die Globalisierung soweit angekommen, dass sie ihr Wissen international austauschen. Die Mahuds verbreiten ihr Wissen speziell in Afrika. Sie haben schon seit über 100 Jahren mit den Afrikanern, also mit den Menschen in Afrika, die mit Elefanten zu tun haben, Kontakt  und bringen ihr traditionelles Wissen auch dort ein – in bezug auf afrikanische Elefanten.

H.H.: Aber die Afrikaner arbeiten doch gar nicht mit ihren Elefanten…

P.M.: Nein, aber die haben natürlich auch die  Elefanten als Attraktion für den Tourismus entdeckt, und das nutzen sie. Die größte Erfahrung mit Elefanten haben jedoch  die Asiaten, seit 6000 Jahren mindestens. Dabei gibt es sicher große Unterschiede im Wissen – bei den Elefantenpflegern bzw. Mahuds, oft gehören denen die Elefanten gar nicht, sie werden meist von den Holzunternehmern angestellt, aber es gibt da viele Workshops, und die bilden sich auch weiter, sind auf dem neusten Stand und machen bei vielen Projekten mit. Darunter gibt es auch  satellitengestützte Projekte. Man will z.B. allen Elefanten einen Chip einsetzen, um satellitengestützt ihren Aufenthaltsort ermitteln zu können. Dem entgegen steht, dass die Kaste der Elefantenpfleger, der Mahuds, nicht so hoch steht, wie das eigentlich sein sollte, weil das einen großen Teil der Kultur ausmacht. Um die Elefanten ranken sich sehr viele Mythen und kulturelle Ereignisse, aber das gilt nicht für den Mahud, der im übrigen auch  schlecht bezahlt wird.

H.H.: Ist das im Tierpark anders?

P.M.: Da ist das mit der Bezahlung anders geregelt. Aber meine persönliche Erfahrung dort ist, dass man oft von anderen Tierpflegern aus der Einrichtung beneidet wird um die Aufmerksamkeit, allein weil man eine Art pflegt, die eben so imposant ist und die natürlich für die Besucher immer wieder von großem Interesse ist. Hinzu kommt, dass das auch noch eine Tierart ist, mit der man einen direkten Kontakt hat, jedenfalls mit den meisten. Also es ist kein geschützter Umgang, wie es selbst bei den Menschenaffen der Fall ist. Wenn ich die Elefanten mit Menschen vergleiche, dann ist das in etwa so, als hätte man es mit Kindern im Alter zwischen 4 und 5 zu tun – von der Intelligenz her und den Charakterzügen, die sich da ausbilden: Man wird schnell zum Spielball, wenn man ihnen keine Grenzen setzt, und das kann durchaus  tödlich enden, besonders wenn es sich dabei um männliche Elefanten handelt. Es gibt eine Statistik, die besagt, dass auf jeden in Gefangenschaft gehaltenen Elefantenbullen ein von ihnen getöteter Pfleger kommt. Es sterben natürlich weitaus mehr Pfleger beim Umgang mit  Kühen, einfach weil viel mehr Kühe gehalten werden und weil man mit ihnen auch einfach lockerer umgeht. Das sind natürlich alles Fehler in der Haltung bzw. Fehler des Pflegers, das ist nie ein Fehler des Elefanten. Man vergisst zu leicht, dass es ein Wildtier ist – und dabei hat man dann schon was falsch gemacht.

H.H.: Und Elefanten vergessen nicht so schnell…?

P.M.: Das ist auch so eine Legende, das sagenhafte Gedächtnis des Elefanten. Leider sind kognitive Fähigkeiten von Elefanten schwer nachweisbar. Und einen Elefanten als Laborratte kann ich mir schwer vorstellen. Der Aufwand, den man dazu betreiben müsste, steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis, deswegen wird das  wahrscheinlich eine Legende bleiben. Dass der Elefant zu den intelligenten unter den Säugetieren zählt, ist aber keine Frage mehr, das beweisen allein schon die ganzen Erfahrungen von Elefantenpflegern, die diese Arbeit ihr Leben lang betrieben haben. Die erzählen Geschichten, da bleibt kein Zweifel, dass Elefanten intelligent sind, aber vieles ist vielleicht trotzdem noch angedichtet, und da hat auch jeder seine eigenen Legenden noch dazu. Wahr ist auf alle Fälle, dass man eine sehr tiefe Beziehung zu ihnen aufbaut, also für mich war das schon wie eine eigene Familie. Allein dadurch, dass die Tiere so alt werden wie wir – und nicht nur 10-15 Jahre wie Hunde oder 20-30 wie Pferde. Und dass jeder einzelne ausgeprägte Charakterzüge hat. Die kann man sicher, wenn man eine Maus gut kennt, oder mit Mäusen arbeitet, auch bei diesen Tieren entdecken, aber ich glaube, die sind ausgeprägter bei einem Tier, das in so einer sozialen  Struktur lebt wie der Elefant. Deswegen werden die Elefantenpfleger im Zoo manchmal von den anderen Tierpflegern beneidet. Die arbeiten in einem großen  Haus, sind besser angesehen und bilden sich sonstwas ein. Selbst wenn sie das nicht tun, wird es ihnen von den anderen Pflegern unterstellt. Man mußte sich diesen schlechten Ruf unter den Kollegen  gar nicht erarbeiten, den hat man von vornherein – das ist  ein bisschen schade. Sicher haben sich viele Elefantenpfleger auch was darauf eingebildet, dass sie diese Tiere betreuen dürfen. Es ist nicht jeder dazu geeignet und wenn man das gut kann, dann kann man sich vielleicht auch was darauf einbilden, aber das kann jeder – auf das, was er besonders gut kann.

H.H.: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen besser mit Pferden, aber auch mit Hunden umgehen können als Männer. Gibt es auch weibliche Elefantenpfleger?

Elefantengehege im Westberliner Zoo

P.M.: In Hamburg gibt es eine, in Halle gab es welche, es werden mehr. Obwohl im Berliner Tierpark überwiegend Frauen arbeiteten, waren wir  bei den Elefanten ein reines Männerkollektiv. Dass die Arbeit körperlich zu schwer für Frauen ist, läßt man inzwischen nicht mehr gelten. Man rückt auch von der Meinung ab, dass Frauen ungeeignet sind, aber die existiert immer noch. Einer der Gründe war und ist, dass sie Kinder kriegen, dann längere Zeit ausfallen und bei Elefanten jemanden für die Zeit einzusetzen schwierig ist. Grundsätzlich galt jedoch im Osten, dass die Tierpflegerarbeit sehr begehrt war. Dass ich die Lehrstelle bekommen habe, darüber bin ich sehr froh gewesen, weil das für mich eine der wichtigsten Entscheidungen war, und sowieso war es ja auch eine sehr entscheidende Zeit in meinem Leben – vom Alter her und dann auch politisch gesehen. Die Arbeit fiel ja in die Wendezeit und da ging es um Basisdemokratie. Wir haben das geübt, oder sagen wir: Wir haben das gelernt, was uns nie gelehrt wurde, zu kritisieren – und das haben wir versucht…

H.H.: Ihr habt dann im Tierpark auch den ersten Betriebsrat in der DDR gegründet, oder wie hieß der: Sprecherrat?

P.M.: Wir oder die Tierpfleger hatten das Gefühl, deswegen kam das auch auf, dass wir nicht mehr gut vertreten sind vom FDGB, von der Gewerkschaftsleitung, das hat nichts mit den einzelnen Menschen zu tun, die diese Ämter bekleidet haben, darum ging es nicht. Aber es ging darum, Interessen zu vertreten, und das lief  im Osten nicht besonders gut, also schon gar nicht die Arbeitnehmervertretung. Und da haben wir einen Problemkatalog erstellt in den einzelnen Bereichen, was wen warum stört, wir wollten Mitspracherecht haben in dem, dem und dem, und ob es da nicht eine Kooperation geben könne. Wir wollten außerdem wissen, wonach wir bezahlt werden, nach welchen Kriterien, also diese Rahmenkollektivverträge diskutieren, die es da gab, die gewerkschaftlich auch ausgehandelt wurden, wenn man das überhaupt so sagen kann. Also etwas im Sinne von Gewerkschaften, wie man sie im Westen kennt, ist das nicht gewesen, aber es gab ja durchaus Vorschriften, die jedoch keiner kannte, weil man sie uns vorenthalten hatte. Und dann begab es sich eben, dass all diese Dinge hochkamen und Initiativen gegründet wurden, wie eben den Sprecherrat, und dann war das fast so, dass er die Vertretung übernommen hat, auch offiziell. Ich war der erste, der bei einer Betriebsleitungssitzung des Tierparks teilnehmen durfte – als Tierpfleger. Das war natürlich hochinteressant. Ich war da sozusagen als Vertreter der Belegschaft – vom Sprecherrat. Dieser erdreistete sich zu sagen: Wir wollen als Interessensvertretung, äh, nicht Mitsprache, aber doch zumindest mal zuhören, worum es geht. Und ich habe da auch mitgesprochen, damit habe ich mir natürlich nicht nur Freunde gemacht, und da gab es natürlich dann auch Vergleiche zwischen dem Zoo und dem Tierpark, den zwei Berliner Einrichtungen: wie das hier und da organisatorisch geregelt war und wir wollten mitsprechen in tiergärtnerischen Fragen. Klar ist mir heute,  dass das nicht wirklich auf jeder Ebene durchzusetzen oder machbar ist. Aber was ich heute noch genauso machen würde, mit vielleicht weniger jugendlichem Ehrgeiz und Temperament, das ist zumindest die Verständigung, die Kommunikation, zwischen der Wissenschaft und den Tierpflegern, so zu gestalten, dass sie konstruktiv dazu beiträgt, dass es den Tieren wie auch den Beschäftigten besser geht.

H.H.: Es ging dabei also quasi darum, beim Kooperieren von Sprecherrat und Leitungsgremium, Hand- und Kopfarbeit zusammenzubringen?

P.M.: Ja, das kann man so sagen.

H.H.: Und im Enthusiasmus damals hast du gedacht, mit ein bisschen guten Willen und Druck von unten muss sich das doch machen lassen, sonst funktioniert das nicht?

P.M.:  Wir wollten, dass es besser funktioniert. Das war auch schon alles. Es ist nicht alles schlecht gewesen, was da praktiziert wurde. Aber es sollte ein bisschen Transparenz geschaffen werden, auch was den Tierpark nach außen sowie die Haltungsbedingungen und die Arbeitsbedingungen betraf.

H.H.: Betraf das auch z.B. den Konstruktionsfehler, der deiner Lieblingskuh, der Leitkuh, das Leben kostete?

P.M.: Das ist zum Beispiel so ein Punkt. Ohne die Kompetenz von jemandem beschneiden zu wollen, gab es aber doch zumindest objektiv betrachtet bauliche Fehler in den Tierhäusern. Hinterher ist man natürlich immer schlauer, und die Erkenntnisse, die man weiterhin gewinnt, werden ja meistens auch zugunsten des Tieres umgesetzt. Aber in dem Fall war das leider nicht so, weil der Tierparkdirektor, Dathe, der hat die Gräben, die Tiergräben, also den Trennungsraum zwischen Tieren und Besuchern nach dem Leipziger Prinzip gestaltet, das war schon damals überholt und es gab durchaus Erkenntnisse, dass diese tiefen Gräben mit auch noch der Heizung untendrin…

H.H.: Warum mit einer Heizung?

P.M.:  Weil man die unsichtbar für die Besucher einfach  günstig dort anbringen konnte, das war einfach praktisch. Aber es hat sich da keiner Gedanken darüber gemacht, wenn sich ein Elefant von der Kette losreißt, und der nicht durch Gitterabsperrungen getrennt ist von dem Graben, dass der dort runterfallen kann und nicht von selbst wieder rauskommt. Wenn das Nachts passiert, wie es passiert ist,  dann ergibt sich erstmal das Problem, dass die Heizung kaputt geht und der Elefant in dem heißen Wasser liegt, was nicht so schön ist.  Diese bauliche Maßnahme wurde damals noch verändert, also dass wurde noch in den Problemkatalog mit aufgenommen und schnell umgebaut, d.h. die Heizung wurde  woanders hingebaut, so dass auch die Besucher sie sehen konnten, also sie wurde an der Besucherabsperrung angebracht. Die Gräben wurden leider erst nach dem Unfall mit Sand aufgefüllt, so dass sich keine  Elefanten da mehr einklemmen konnten. Die Deckenkonstruktion war leider so gestaltet im Elefantenhaus, dass dort keine Laufkatzen an der Decke angebracht werden konnten, sondern nur einzelne Haken, die aber von der Statik her gar nicht in der Lage waren, einen Elefanten schräg wieder aus dem Graben zu ziehen. Der Graben war auf der Tierseite höher als auf der Besucherseite, um den Elefanten imposanter wirken zu lassen. Also die tiergärtnerische Komponente und die alte Menagerie-Vorstellung – das Tier so imposant wie möglich zu präsentieren – die kamen sich da in die Quere. Das hat nicht funktioniert. Das hätte man anders gestalten können, wir haben dann Änderungsvorschläge gemacht, aber das wurde nicht umgesetzt.

Elefant im Safaripark.

H.H.: Wer ist wir?

P.M.: Wir Elefantenpfleger, das  wechselte, aber der Kern das waren 4 bis 5 Leute.

H.H.: Und ihr habt gleich gesehen, wo es Probleme geben könnte?

P.M.: Ja, wir haben da schon während des Baus drüber geredet. Ich war noch Lehrling und habe während der Lehrzeit dort freiwillige Aufbaustunden geleistet, weil ich eine Genossenschaftswohnung hatte, wofür man Aufbaustunden leisten mußte. Die konnte ich dort abarbeiten. Die Genossenschaftsanteile über gemeinnützige Arbeit zu erwerben, dabei bot sich das Elefantenhaus an. Ich habe also an dem Haus mitgearbeitet, und als die dort den Epoxydharz gegossen haben für die Stehflächen – das ist ein Harz, der sehr fest wird, aber noch flexibel bleibt und sich deswegen gut für Stehflächen eignet – da habe ich meine Initialen reingedrückt in den frischen Harz, die kann man heute noch sehen. Ich wusste damals schon, dass ich nicht für die Ewigkeit dort bleiben würde, aber es ist doch eine schöne Erinnerung, wenn ich das da wieder sehe, weil es mich an diese Zeit erinnert. Ich habe auch damals – als DDR-Bürger war es ja schwer, mal unter Palmen zu liegen – aber als die dann die Palmen in diese Halle gebracht haben, habe ich da drunter geschlafen. Eigentlich hätte ich lieber eine größere Innenanlage für Elefanten stattdessen gehabt, wo jetzt u.a. das Becken für die Seekühe hingekommen ist, obwohl die Tendenz dahin geht, die Elefantenhaltung anders zu gestalten als sie jetzt immer noch praktiziert wird. Also da habe ich einmal mit einer Freundin, ganz heimlich, unter den Palmen übernachtet, als noch keine Türen und Fenster drin waren, aber die Elefanten schon dort standen. Das war natürlich ein aufregendes Abenteuer, nicht nur für meine Freundin, sondern für uns beide. Die Bauleute früh dann um 6, die haben ganz schön komisch geguckt, als ich da hochkam, und erst recht, als da noch jemand anderes hochkam. Das sind so kleine Erinnerungen. Dazu gehört auch, dass mal Werbung gemacht wurde mit den Elefanten, um den neuen mit VW-Motor ausgerüsteten Trabant anzupreisen. Erst haben sie versucht, das Auto auf die Elefantenanlage zu bringen, das ging nicht, aber dann sind wir mit den Elefanten nach draußen. Da standen dann wunderschöne, leicht bekleidete Frauen um den Elefanten herum, und wir sind dann mit dem auf diesen Trabi gestiegen, also mit den Vorderbeinen, um zu zeigen, wie stark das Auto ist. Da kamen gute  Fotos bei raus.

H.H.: Und der Elefant hat das ganz vorsichtig gemacht?

P.M.: Der hat das so gemacht, wie wir das haben wollten, aber sein Gewicht konnte er natürlich nicht schmälern. Der Trabi ist dabei schon in die Knie gegangen, aber nicht kaputt. Dafür haben die Elefanten dann unseren eigenen kaputt gemacht – unseren privaten. Nach der Wende war ja ein Trabi als Fahrzeug plötzlich leicht zu haben. Wir sind damit auf den Elefantenhof gefahren, das ging damals noch, und haben Fotos gemacht, wie Ankor, der Bulle, hinten auf dem Trabi steht. Und als der dann kaputt war, da haben wir ihm den dann auch rangehängt, den Trabi also mit dem Elefanten weggezogen. Davon haben wir auch Fotos gemacht. Es gibt  schon ein paar nette Begebenheiten aus der Zeit damals im Elefantenhaus des Tierparks.

H.H.: Ankor, ist das der Bulle?

P.M.: Ankor ist der Asiatenbulle.

H.H.: Kommt der aus Kambodscha?

P.M.: Nein, der ist aus Burma und hat das burmesische Zeichen – ein Brandzeichen, auf beiden Pobacken. Inzwischen ist er Vater.

H.H.: Ach, ist der nicht viel jünger als der afrikanische Bulle aus Simbabwe?

P.M.: Nein, der ist älter, 1986 geboren, glaube ich. Deswegen ist er auch interessant für meine nächste Untersuchung, die ich für meine Diplomarbeit anstellen muß. Ich weiß allerdings nicht, ob die Zusammenarbeit mit der Tierparkleitung klappt. Das wäre sehr schade, aber manchmal sind die Leute nachtragend. Ich glaube, ich muß  mich nicht entschuldigen in dem Sinne, dass ich mir sage, ach hätte ich damals doch. Ich glaube, ich würde es wieder so machen, d.h. mich in die Auseinandersetzungen einmischen. Was ja letztlich dazu geführt hat, dass ich im Tierpark aufgehört habe und dann zu Hagenbeck nach Hamburg  gegangen bin. Es sind einige aus Berlin  weggegangen, auch von den Elefanten. Ein Kollege hat sich nach Thailand abgesetzt, wo er sich mit einem Elefanten-Projekt selbständig gemacht hat,  seit vielen Jahren schon. Im Tierpark hat er mit mir die asiatischen Elefanten gepflegt. In Thailand finanziert er sein Projekt über den Tourismus. Er hat da Mahuds für seine Elefanten angestellt und bietet Kurse an: ‚Alles über Elefanten‘. Er lebt da unten und macht das mit seiner Frau zusammen. Im Sommer ist er immer für ein paar Monate hier, um die Kontakte aufrecht zu erhalten, dort ist dann Regenzeit und touristisch nicht viel zu machen. Er hatte sich mal vorgestellt, Elefanten zu züchten in Thailand, er kennt dort viele Leute, die ihn auch unterstützten. Er hat einen enormen Ehrgeiz entwickelt, um dieses Projekt  zu realisieren, mit großem persönlichen und finanziellen Einsatz. Inzwischen ist er so weit, dass er da unten etabliert ist und Kurse anbietet, in denen er sein ganzes Wissen, was er über Elefanten hat, an Touristen weitergibt. Die lernen dort bei ihm nicht nur die Theorie, sondern auch praktisch – die Arbeit, Elefantenpflegen sozusagen: Füttern, Fußpflege, die lernen alles, Reiten, Kommandos, und die müssen dann auch richtig ran. Das ist eine gute Sache, glaube ich. Frauen wie Männer, aus allen sozialen Schichten und jeder Profession, aber eben eher touristisch, wobei da nicht unbedingt  Tagestouristen hinkommen, sondern wirklich nur Leute, die sich für Elefanten begeistern, die Freaks sind sozusagen, die ein wirkliches Interesse daran haben, sonst tut man sich das nicht an. Das ist auch interessant zu sehen, wie dieses Projekt da unten läuft – und es läuft gut. Er hat viele Kontakte zu Elefantenleuten und kann sich gut vorstellen, dass man darüber auch mal eine wissenschaftliche Arbeit schreiben kann. Aber bleiben wir beim hiesigen Elefantenhaus…

Die alte Elefantenanlage im Ostberliner Tierpark.

H.H.: …Ja, ihr habt Vorschläge gemacht, z.T. wurden die ja auch angenommen. Z.B. das mit der Verlegung der Heizung, kam das von euch?

P.M.: Ja. Ich kenne keinen Tierpfleger, der nicht Initiativen für seine Tiere entwickelt. Wir haben einfach nur Hinweise geben wollen, oder uns kooperativ zeigen wollen, um Fehler zu vermeiden. Z.B. waren die Türen in dem Haus so angebracht, dass man da nicht mit der Schubkarre durchkam. Klar, es gibt Baufehler. Und wenn man die Basis fragt, kann man gewisse Sachen schon im Vorfeld  vermeiden. Viele Sachen sind aber nicht vermieden worden, das sind ja auch immer Prestigeobjekte, die da gebaut werden. So ist z.B. ein wunderschönes Mosaik für das Haus  angefertigt worden, das die stammesgeschichtliche Entwicklung der Elefanten darstellt. Das ist sehr schön, aber es ist eher ein Kunstwerk als Information und für dieses viele Geld hätte man vielleicht etwas mehr für die Elefanten verwenden können. Damit hätte man sicher mehrere Elefantenhäuser bauen können, die vielleicht besser gewesen wären.

H.H.: War das denn so teuer?

P.M.: Das war wirklich sehr teuer, es ist das größte Elefantenhaus der Welt. Ein Tierpark hat natürlich auch repräsentative Zwecke zu erfüllen, das sehe ich ein, dass man dafür auch ansprechende Besucher-Blickpunkte braucht.

H.H.: Vorhin erwähntest du, dass es bei euch eine Trennung zwischen Asiaten- und Afrikaner-Pflegern gab…

P.M.:  Zwangsläufig, aber auch aus logistischen Gründen. Weil eben diese Verbindung zwischen Tier und Pfleger sehr intensiv ist und man sich nicht zur gleichen Zeit um so viele Tiere kümmern kann, deswegen hat sich das da etwas spezialisiert. Jeder musste oder sollte natürlich möglichst mit jedem Elefanten umgehen können…

H.H.: Um im Krankheitsfall einspringen zu können?

P.M.: Genau, das ist ganz wichtig, dass man eben nicht Elefanten hat, die nur auf einen Tierpfleger eingestellt sind, so dass man im Krankheitsfall ganz große Probleme kriegt, gerade bei der Bullenhaltung.

H.H.: Aber das war nicht – wie z.B. im privaten Bremer Zoo:  Du musstest nie bei den Wölfen oder Geiern einspringen, oder?

P.M.:  Der Chefpfleger sicher nicht. Aber die Pfleger wurden selbstverständlich auch mal zu anderen tierpflegerischen Arbeiten herangezogen, zur Hufpflege bei anderen Tieren z.B., aber da waren die Elefantenpfleger oftmals von ausgenommen.

H.H.: Warum?

P.M.: Weil die genug mit ihren eigenen Tieren zu tun hatten und weil sie nicht so austauschbar sind wie andere Tierpfleger, die bei anderen Tieren arbeiten, welche nur indirekten Umgang erfordern. Es ist wenig sinnvoll, gerade die ‚Pfleger mit direktem Umgang‘ zu nehmen.

H.H.: Wie viele Elefanten hattet ihr zu versorgen?

P.M.: Das wechselte, je nach Zu- oder Abgang, im Mittelwert waren es etwa 14 Elefanten. Dazu kamen noch die Nashörner, und Zwergflußpferde waren ja auch noch in dem Haus, die mußten auch betreut werden, aber eher von einem, der sich speziell um die Nashörner kümmerte, so dass man das ein bisschen aufgeteilt hat, aber letzten Endes musste, sollte jeder mit jedem Tier dort umgehen können. Es ist ja auch wichtig, sich dann wieder Leute heranzuziehen, die das weiterführen und dazu die entsprechenden  Fähigkeiten lernen – wie z.B. Fußpflege. Das wird traditionell weitergegeben, meistens durch den Chefpfleger, und das habe ich dann auch in Hamburg weitergemacht, weil ich das ganz gut konnte. Wobei ich da erneut eher für die Asiaten zuständig war.

H.H.: Würdest du sagen, dass das individuelle Charaktere waren?

P.M.: Das sind individuelle Charaktere, das gibt es  bei vielen anderen Säugetieren zwar auch, aber beim Elefanten ganz speziell. Und ich war lange genug da, um das beurteilen zu können. Von 1986/87 bis Ende 1992 war ich im Tierpark, und eben bei den Elefanten. Erst mal am Schloss noch in der alten Unterkunft, dann in der Zwischenunterkunft, wo die Neuankömmlinge zunächst hinkamen, bis das Elefantenhaus fertig war und dann eben im neuen Haus. Und da ergab sich dann so ein bisschen die Trennung zwischen Asiaten und Afrikanern, einfach aus logistischen Gründen.

H.H.: Erinnerst Du dich noch an die eine oder andere Geschichte, die du erlebt hast – z.B. mit der Elefantenkuh, die gestorben ist, deine Lieblingskuh?

P.M.: Man hat natürlich gewisse Affinitäten, das ist ganz klar, d.h. nicht, dass ich die einen vernachlässigt habe auf Kosten der anderen. Die Leitkuh war ein sehr ruhiges,  zurückhaltendes und sensibles Tier. Man merkt ja, wenn viel läuft zwischen Tier und Mensch, wo viel geht, das sich auch gut händeln läßt, und wo man auch mit leiser Sprache leise Kommandos geben kann, und es damit in Situationen bringt, die für das Tier eher nicht so gewöhnlich sind. Wenn der Elefant sich zum Beispiel hinlegt, so dass man auf ihm rumkrabbeln kann und er sich gerne von einem liebkosen lässt. Oder die Lernbereitschaft – dass das Tier Spaß daran hat, neue Dinge zu lernen, z.B. Mundharmonikaspielen.

H.H.: Mundharmonika?

P.M.:  Ja, der Elefant hat doch Finger am Rüssel, also zumindest einen, oben, und kann also eine Mundharmonika an den Rüssel nehmen und dann Luft einsaugen und ausblasen, das ist ja ein natürliches Verhalten, kein Problem also. Und das erzeugt dann Geräusche auf der Mundharmonika. Das war sehr lustig. Das hat die Leitkuh nicht von mir gelernt, das konnte sie schon, aber ich habe das dann öfter mit ihr gemacht. Oder was anderes: Viele Elefanten waren noch nie geritten worden. Aber die Leitkuh hat mich gelegentlich durch die Gegend getragen. Ich saß dabei auf ihrem Rücken oder auf dem Rüssel. Wir haben solche  Spielereien öfter gemacht, als Beschäftigungstherapie. Wir haben da keine Vorstellungen gegeben, sondern einfach nur so aus Spaß alles gemacht, wobei man merkt, dass das Tier daran auch Freude hat, es macht das bereitwillig und gerne mit. Dabei wird viel mit Belohnung gearbeitet, weniger mit Aversion. Manchmal muss man natürlich auch in  Situationen, wo die Kommandos nicht ausgeführt werden oder in denen die Tiere aggressiv aufeinander reagieren, dazwischen gehen können und dabei muss man dann auch härtere Methoden anwenden, nicht nur die Stimme.

H.H.: Mit dem Stock?

P.M.: Ja, mit dem Elefantenhaken, das ist der verlängerte Zeigefinger des  Tierpflegers, mit dem man dazwischen gehen kann, ohne das Tier zu verletzen. Wenn man das Größenverhältnis zwischen Mensch und Tier betrachtet, dann kann man durchaus auch schon mal mit dem Stock auf den Kopf des Elefanten schlagen, ohne dass der gleich Schaden nimmt, aber doch so, dass er weiß, Ah, der Pfleger tut mir weh, ich mach mal besser das, was er sagt. Aber egal aus welchem Grund er das dann tut, Hauptsache, er tut es. Man muss sich da  schon durchsetzen, nicht zuletzt, um sich zu behaupten in dieser Elefanten-Hierarchie. Das ist nicht einmal nur zum Nutzen des Pflegers, der dadurch überlebt, sondern es kommt letzten Endes auch den Elefanten zugute, jedenfalls denen in Menschenobhut. Die Kommandobefolgung ist dabei eine ganz wichtige Sache. Die kleinen  Shows, die oft durchgeführt werden, dienen dem täglichen Abfragen von Kommandos. Also sie sind nicht nur dazu da, um dem Besucher zu zeigen, was die Tiere alles können. Es ist vielmehr eine  Routine.

H.H.: Man sagt, dass der Zirkus für Tiere in Gefangenschaft interessanter ist als der Zoo, wo sie zu viel Langeweile haben.

P.M.: Auch im Zoo werden sie ja beschäftigt. Wenn dafür noch Zeit bleibt, das ist natürlich auch eine Personalfrage. Meine Einstellung und auch die von vielen anderen Pflegern ist die, dass Elefanten und Zirkus zwei Dinge sind, die nicht gut zueinander passen. Ich würde sagen, Elefanten gehören nicht in den Zirkus, mit Ausnahmen vielleicht. Ich habe Zirkusse erlebt, zum Beispiel den Zirkus Knie in Zürich, wo man durchaus der Meinung sein könnte, dass die das  auch weiterhin so wie bisher betreiben sollten. Die haben ein sehr gutes Winterquartier, also praktisch fast einen eigenen Zoo, und die Methoden, die dort bei der Arbeit  mit den Elefanten angewendet werden, sind durchaus akzeptabel, also es wird da z.B. nicht mit Strom gearbeitet.

Arbeitselefant in Burma.

H.H.: Arbeiten die Zirkusleute sonst viel mit Strom?

P.M.:  Es gibt durchaus welche, die mit Strom arbeiten, was generell abzulehnen ist.  Es gibt einfach viel bessere Methoden als Stromschläge. Damit zu arbeiten ist ein Armutszeugnis für den  Elefantenpfleger. Es gibt Elefantenkühe, die zum Beispiel aus Zirkussen kommen – und  verhaltensgestört sind, aus welchen Gründen auch immer, und deswegen härtere Methoden erfordern. Aber ich glaube, Strom ist trotzdem kein gutes Mittel, um ein Vertrauensverhältnis zwischen Pfleger und Elefant herzustellen. Ich glaube eher, Stromschläge verhindern das. Im Zirkus zählt natürlich Leistung, die ist im Tierpark nicht notwendig, da wird dem Elefanten nichts abverlangt, was ihm nicht auch eigen ist. Das ist natürlich jetzt eine menschliche Sichtweise, dass ein Elefant nicht unbedingt auf einem Bein stehen muss, weil das seine Physis gar nicht hergibt oder dass er irgendwelche lustigen Tänzchen aufführen muss. Da ist dann seine Würde, wenn es so etwas gibt und man das so sagen kann, nicht mehr gewahrt. Das muss einfach nicht sein. Und das wurde auch in vielen Zirkussen, denk ich mal,  in den letzten Jahrzehnten verändert. Aber was bleibt ist, dass sich ein Zirkus einfach keine optimalen  Haltungsbedingungen leisten kann und von daher schon allein ungeeignet ist, Elefanten zu halten. Hinzu kommt noch das ständige Herumreisen. Es mag dennoch sein, dass viele Zirkuselefanten weniger Langeweile haben als die Elefanten im Zoo, das kommt natürlich auch auf die Einrichtungen an: Wieviel Personal ist dafür da, dass die sich auch entsprechend darum kümmern können, wie ist das Personal geschult…

H.H.: Da würdest du ja sagen, dass der Ostberliner vorbildhaft für den ganzen Westen war?

P.M.:  Was die Personalschulung betrifft, auf jeden Fall. Das individuelle Engagement der Pfleger wurde natürlich klein gehalten, weil man sich dabei auch mit unbequemen Sachen hätte auseinandersetzen müssen, u.a. mit haltungsbedingten Nachlässigkeiten oder Schwierigkeiten. Es gibt immer etwas Verbesserungswürdiges und das will natürlich auch jeder Pfleger durchsetzen, obwohl es nicht immer geht. Es gibt z.B. Arbeitsschutzbestimmungen, die sein müssen. Aber auf der einen Seite will man eine hohe Leistung des Tierpflegers und vielleicht auch noch eine Show und Arbeitsdressur, andererseits will man diese Methoden, die dafür angewandt werden müssen, nicht gerne zeigen beziehungsweise nicht dulden. Dabei gibt es natürlich, je nachdem, wie der Kurator zum Beispiel drauf ist oder der Zoodirektor, große Unterschiede. Der Hamburger Tierpark ist dabei zum Beispiel vorbildhaft.

H.H.: Wer war euer Kurator?

P.M.: Das waren schon alles Wissenschaftler, aber zum Teil Ornithologen, was nicht heißt, dass so einer  kein guter Kurator auch für Elefanten sein kann. Der war schon ein guter Elefantenkurator, obwohl wir nicht mit allem einverstanden waren und sein wollten, gab es da zum Teil auch eine gute Zusammenarbeit. Aber wenn man sich Elefanten hält, muss man eben auch ein gewisses Risiko eingehen. Und das wollte man oft nicht – kein Risiko für Mensch und Tier. Also zum Beispiel keine Transporte. Man kann einen Elefanten tierparkgängig machen, also straßengängig, der Zirkus beweist das und andere zoologische Einrichtungen auch. Wir haben in Hamburg Kinderreiten gemacht mit den Elefanten und es gab nie Unfälle, aber es besteht dabei natürlich schon ein gewisses Risiko. Auf der anderen Seite ist  nichts schlimmer für ein soziales Lebewesen als Langeweile. Das ist dann oft auch Ursache für Verhaltensstörungen. Dieses Weben ist z.B. ein Anzeichen dafür.

H.H.: Was ist die Aufgabe eines Kurators?

P.M.: Der Kurator vermittelt zwischen der Tierparkleitung und den Pflegern und trägt dafür Sorge, dass die Leitung sich um gewisse Dinge wie z.B. die Zucht kümmert oder die Verbindung zum Tierarzt hält und wissenschaftliche Arbeiten fördert oder Sachen organisiert auch, Transporte oder neue Dinge, die eingeführt werden sollen…

H.H.: Wie etwa das wöchentliche Kinderreiten?

P.M.:  Das haben wir nicht, das wäre für städtische Zoos auch, glaube ich, nicht so einfach machbar wegen der Versicherung, das ist wahrscheinlich auch ein juristisches Problem. Keiner will in der Zeitung lesen: ‚Im Tierpark gab es einen Elefantenunfall und dabei ist ein Kind zu Schaden gekommen‘, das will niemand riskieren. Aber es gibt genügend Beispiele, wo das sehr gut funktioniert, wenn ein gutes Vertrauensverhältnis besteht zwischen Pfleger – Tier und auch Pfleger – Leitung, und da ist der Kurator ein ganz wichtiger Mittler, damit das funktioniert. Bei Hagenbeck hat das hervorragend funktioniert und klappt immer noch, die sind da auch Vorreiter, mindestens in Europa.

H.H.: Aber was hat die Leitung denn in Berlin anders gemacht. Lässt die sich immer was einfallen?

P.M.: Umgekehrt, die Pfleger lassen sich laufend was einfallen.

H.H.: Und die Leitung sagt meistens Nein?

P.M.: Die sagen meistens Nein, weil wenn es einfach so läuft, wie es gerade läuft, dann ist es gut, dann braucht man nichts zu verändern.

H.H.: Was lässt sich denn z.B. ein Pfleger einfallen?

P.M.: Beispielsweise wollten wir  mit den Elefanten rausgehen, außerhalb der Elefantenanlage. Nichts besonderes, einfach rausgehen, diese Kippe da hinten, wo viel Wald war, da sind wir mit dem Elefantenbullen, als er noch jung war, hin. Jedenfalls sind wir rausgegangen mit dem und das wurde eine Zeitlang auch mehr oder weniger inoffiziell geduldet. Man beabsichtigte zum Beispiel auch, wenn der Dahte Geburtstag hat, dass er dann von einem Elefanten abgeholt wird, da gibt es auch ein lustiges Video drüber, das sollte dann schon gehen, aber die Mittel, um bis dahin zu kommen,  die wollte man uns nicht einräumen. Also das war immer ein Zwiespalt – zwischen ,Jetzt kann man was durchsetzen‘, weil wir durften mit dem ja aus dem Anlass Dathe-Geburtstag rausgehen, und jetzt  möchten wir auch gerne, dass wir weiterhin und mit anderen Elefanten rausgehen dürfen. Wir wollten einfach die Erfahrungsmöglichkeiten der Elefanten erweitern, ihr Verhaltensrepertoire vergrößern und Langeweile reduzieren. Und dafür sind z.B. Waldgänge gut. Wenn der Tierpark zu ist, keine Besucher mehr drin sind, dann ist das ja auch eigentlich kein Problem, kein Sicherheitsrisiko. Es kann natürlich immer mal was passieren, aber das haben wir gemacht. Wir haben viele Dinge gemacht, die nicht mit der Leitung unbedingt direkt abgesprochen waren, die aber für uns durchaus einschätzbar waren.

H.H.: Wenn ihr auf die Kippe gegangen seid, wo niedriger Wald war, wie haben die Elefanten da reagiert – neugierig, gespannt?

P.M.: Sie waren auf jedem Fall aufmerksam, aber was wir vor allem damit erreichen wollten, war, dass sie weniger schreckhaft reagierten – auf neue Sachen. Dazu wäre es z.B. auch gut gewesen, im Elefantenhaus einen Hund zu halten oder Hühner oder so etwas. Diese Legende, dass eine kleine  Maus Elefanten erschrecken kann, ist gar nicht so weit hergeholt. Denn was unbekannt ist und sich so schnell bewegt, das der Elefant es nicht erfassen kann, macht ihn nervös. Und wenn der Elefant sich sehr erregt, kann das durchaus unangenehme Wirkungen haben – für andere Elefanten oder für den Elefanten selbst und natürlich auch für den Pfleger. Je besser die Tiere geschult sind, desto abgehärteter sind sie und desto einfacher ist der Umgang mit ihnen. Man kann dann auch  medizinisch besser mit ihnen umgehen.

H.H.: Elefanten reagieren aber nicht so wie Pferde – mit einem Fluchtreflex?

P.M.:  Das ist auch ein Fluchtreflex. Sie stellen die Ohren auf, das ist dann eine gerichtete Aufmerksamkeit und den Rüssel nach oben. Sie suchen den Geruch. Sie strecken den Rüssel aus und versuchen, aus der Luft unbekannte Gerüche aufzunehmen.

Arbeitselefant in Burma.

H.H.: Und gehen dabei rückwärts?

P.M.: Ja. Dazu fällt mir eine schöne Begebenheit ein – mit den Mähnenwölfen, die ihr Gehege nicht weit vom Elefantenhaus haben. Das sind Raubtiere und die haben auch extreme Gerüche. Und Raubtiere sind ja quasi die natürlichen  Feinde der Elefanten, auch wenn sie keine Fressfeinde im eigentlichen Sinne sind. Der Elefant hat, wenn er erwachsen ist, keine  wirklichen Fressfeinde. Wir Pfleger haben einmal den Besen aus dem Mähnenwolf-Haus, der natürlich entsprechend roch, den Elefanten zum Riechen gegeben. Und deren Erregung war enorm, also da  war gleich Panik. Panik in Hinsicht auf die Erregungszustände, die ein Elefant zeigen kann: Tröten, Urinieren… Wenn der Mensch aufgeregt ist, hat er ebenfalls Harndrang, man sagt  ja auch zu Recht: ,Ich hab Schiss‘. Also der Mähnenwolfgeruch das war ein Alarmzeichen, mindestens  ein unangenehmer Duft, was auch immer unangenehm für die Elefanten heißt.

H.H.: Und im Wald, waren sie da auch erst mal aufgeregt?

P.M.: Ja, aber als wir losgingen,  bestand ja zum Beispiel der Kontakt zu den anderen Elefanten, die noch in der Anlage oder im Haus waren, weiter. Wir waren ungefähr 500 oder 800 Meter entfernt, und über das Gehör und natürlich auch über den Geruch, je nachdem wie der Wind stand, blieben sie in Kontakt. Plötzlich war da was im Haus los, die Tiere haben sich erregt und der hat das im Wald sofort mitgekriegt, hat erstmal gehorcht und wurde ebenfalls erregt. Es hätte auch sein können, dass er panisch wird und zur Herde zurückrennt, zur Sicherheit oder aus welche Gründen auch immer. Normales Verhalten. Solch ein Risiko besteht immer. Aber wer nichts wagt, der gewinnt auch wenig.

H.H.: War das in diesem Fall die Leitkuh?

P.M.:  Nein, da war die schon tot. Aber es gibt ja dann jemanden, der sie ersetzt, oder der bzw. die einfach in der Rangordnung nachrückt. Das ändert sich manchmal. Das wird auch situativ jeden Tag so ein bisschen neu ausgelotet. Es gibt viele Situationen täglich, die dazu beitragen, dass die Rangordnung erhalten bleibt oder sich verändert. Die kann sich bei Neuzugängen, bei Abgängen und auch in entscheidenden Situationen ändern, z.B. wenn ein Elefant eine schlechte Erfahrung macht, indem er in den Graben fällt, wieder rauskommt, aber eine große Panik entsteht, wo dann in der Gruppe so eine Erregung herrscht, dass die sich auch aggressiv gegeneinander verhalten. Auch in jedem Kampf oder in jeder Auseinandersetzung wird die Hierarchie  neu bestimmt:  Wer hat in dieser Situation das größte soziale Wissen. Das ist situativ unterschiedlich. Es gibt also Rangordnungen, z.B. beim Futter wegnehmen von da, wo sich gerade der Ranghöhere aufhält.  Elefantenbabies und  Jungtiere dürfen das. Auch eine bestimmte Kuh darf das bei dem Bullen, eine andere Kuh dagegen nicht. Das muss nicht unbedingt immer direkt übereinstimmen mit der hierarchischen Ordnung. Es gibt also nicht nur eine direkte Pyramide oder eine lineare Rangordnung, sondern es kann auch gespreizte Rangordnungen geben, oder in verschiedenen Situationen verschieden reagiert werden – wo man eigentlich sagen müsste, das war nicht entsprechend der Rangordnung.

H.H.: Hat nach dem Tod der Leitkuh jemand eine ähnliche Position eingenommen?

P.M.: Ja. Aber meine Zuneigung ist dann nicht von der toten auf die nächste Leitkuh übergegangen. Besondere Aufmerksamkeit widmete ich dann dem  Bullen, der damals neu dazukam. Je dichter man an das Tier rankommt, je enger der Kontakt ist, desto mehr Möglichkeiten hat man, den Bullen zu händeln. In seinen Musth-Perioden, wenn sein Hormonspiegel ansteigt, ist das ein bisschen schwieriger und oftmals muss man danach einfach den Kontakt von neuem aufnehmen.

H.H.: Wie hast du denn als Pfleger die Musth-Perioden im Arbeitsalltag wahrgenommen?

P.M.:  Wie man jemanden in der eigenen Familie, mit dem man ständig zusammen ist, in seinem Verhaltensspektrum  kennt und von daher abschätzen kann, wie er in bestimmten Situationen reagieren wird, so ist das auch bei Elefanten.

H.H.: Und wenn man dann als Pfleger meint: Ich glaube, der kommt jetzt in die Musth-Periode, was dann?

P.M.: Das Problem ist oft, dass die physiologischen Veränderungen eher zu Tage treten als die Verhaltensveränderungen, die hormonellen Veränderungen sieht man ja nicht, muss man auch nicht unbedingt sehen. Also in der Musth hat der Bulle eine andere Körperhaltung und Ohrstellung und  später, wenn die Musth sich entwickelt, schwillt die Temporaldrüsenregion an. Das ist eine Drüse, die dieses Sekret absondert, hinter dem Auge, zwischen Auge und Ohr. Die ist in der Tierwelt einzigartig. Man könnte das in Analogie sehen zur  Brunft, es ist aber keine Brunft – und auch kein Brunftverhalten in dem Sinne wie man es z.B. bei Hirschen kennt. Es ist ein nicht mit dem Zyklus der Weibchen synchronisierter Zustand, der allerdings zu Beginn der Musth eine sexuelle Aktivitätssteigerung zur Folge hat, weil dabei auch die Androgenkonzentration zunimmt, also der Testosteronspiegel enorm steigt. Und in dieser  Zeit ist der Elefant besonders aggressiv – das ist das Problem. Das ist auch das, was ich dann als Pfleger sehe. Und das kann eintreten, bevor man irgendein Anzeichen dafür sieht.

H.H.: Wird er dann aggressiv gegen dich?

P.M.: Ja, auch gegen seinen ihm gut bekannten langjährigen Pfleger. Es passieren immer wieder tödliche Unfälle, vor allem in der Musthzeit. Aber vorsichtig muss man immer sein, egal ob Musth oder nicht.

H.H.: Schon, aber Elefanten sind ja nicht unbedingt aggressiv?

P.M.: Es gibt mehr oder weniger aggressive Elefanten, aber es sind grundsätzlich keine Raubtiere. Wenn ein Bulle in die Musth kommt, gibt es mehrere Möglichkeiten, damit umzugehen. Viele Mahuds schicken ihn dann in den Busch und lassen ihn in Ruhe, arbeiten also nicht mehr mit ihm. Andere Mahuds  sagen, der muss ganz besonders rangenommen werden und viel arbeiten, möglichst auch schon vor der Musth, damit  seine Aktivitätssteigerung, die er in der Zeit hat, um Weibchen zu decken und sich dabei gegen andere Bullen durchsetzen zu können, auf die Arbeitsleistung umgelenkt wird.

H.H.: Also Sublimierung versus Entsublimierung: Geh in den Wald und tob dich aus – oder wir machen dich mit Arbeit müde?

P.M.: Ja, genau. Mit der Zeit wird beim Weiterarbeiten natürlich der Umgang mit ihm immer gefährlicher – für den Mahud. Die steigen übrigens im Ansehen, je mehr Mahuds der Elefant, mit dem sie arbeiten, schon getötet hat und je jünger der Mahud ist. Oftmals übernehmen die Söhne den Elefanten, der ihren Vater getötet hat. Und der ist dann ganz besonders stolz, einen solchen Elefanten zu haben. Und dass er in der Position ist, diesen Elefanten zu führen, obwohl er so unbeherrschbar war.

H.H.: Hört sich an wie eine komplizierte indische Ödipusvariante…

P.M.: Da kann man natürlich hervorragend soziobiologische Parallelen ziehen oder Geschichten drumherum spinnen.

H.H.: Wenn eine Elefantenkuh gekalbt hat, muss man dann auch besonders vorsichtig sein?

P.M.: Ja, schon wegen ihres Babies. Deren häufigste Todesursache besteht darin, dass sie von der Mutter getreten werden, weil diese nicht mit der Situation klargekommen ist: bei einer Erstlingsgeburt zum Beispiel. Die Tantenfunktion ist in den Sozialstrukturen der in Gefangenschaft gehaltenen Herden  nicht so optimal wie in Freiheit, also ziemlich schlecht – und irgendwann tritt die Kuh eben nach dem Kalb. Das kann für ein zwar großes aber eigentlich doch zartes Wesen tödlich sein. Da müssen die Pfleger besonders achtsam sein. Und wenn die Elefantenmutter erregt ist und sogar ihr Kind attackiert, dann ist natürlich auch die Hemmschwelle, den Pfleger zu attackieren, geringer. In solchen Situationen entscheidet sich dann unter anderem auch: Wie gut ist das Verhältnis, wie  kann man in solchen schwierigen Situationen eingreifen. Wobei das nicht bedeutet, dass man ein schlechter Elefantenpfleger ist, wenn man mal einer solchen Situation nicht gewachsen ist. Bei einer Elefantenkuh, bei der Afrikanerin Dashibo z.B., da war es besonders schwierig, Leute einzuarbeiten, die ist sehr aggressiv gegenüber Fremden gewesen. Eigentlich  nicht mal aggressiv, sie hat ein Spiel mit denen getrieben, um zu testen, wie weit sie  gehen kann. Und ein Pfleger ist ja doch etwas zerbrechlicher als ein Artgenosse, und der  wurde dann ausgetestet – das war schwierig. Ich war oft früh morgens alleine da, um den Stall auszumisten und dazu  musste man nach hinten in die Ställe, wo der Kot und der Urin lag, um sauber zu machen. Und dann war einem dort der Fluchtweg abgeschnitten. Das hat der Elefant hervorragend wahrgenommen – diese Situation, in der er zeigen kann: ,Ja, jetzt hab ich dich‘. In solchen Situationen kommt es mitunter zu Scheinangriffen, wobei man aber  nicht weiß, ob das ein Scheinangriff ist, oder ob er im nächsten Moment richtig ausgeführt wird. Wenn man sich dabei nicht der  Gefahr aussetzen will, dass der Elefant einen irgendwann nicht mehr akzeptiert, dann sollte man einfach stehen bleiben. Wenn man Angst hat, kann man den Job sowieso nicht machen. Das heißt nicht, dass man hinterher nicht weiche Knie hat. Die hatte ich auch manchmal. Aber ich bin stehen geblieben und habe ihn Kommandos ausführen lassen. Das hat auch mehr oder weniger gut geklappt, aber in jedem Fall hat der Elefant gemerkt: Den kannst du in solchen Situationen nicht kleinkriegen.

Arbeitselefant in Burma.

H.H.: Haben dir das die Kollegen vorher gesagt, dass du das so machen sollst?

P.M.:  Ja klar. Man läuft ja immer parallel, man wird als Neuling nicht allein gelassen. Also Zwillingsarbeit ist da schon Pflicht. Aber irgendwann muss man ja auch mal loslassen und austesten, wie kann der eine sich auch mal abkömmlich machen. Das hat mein Chef damals auch gemacht –  da war ich plötzlich auf mich alleine gestellt. Und ich habs gepackt, es war also nur ein mehr oder weniger Scheinangriff, aber der Elefant hätte auch zustoßen können und dann mit dem Stoßzahn. Die Afrikaner kommen heute mit Stoßzähnen. Dashibo – das war so ein Probe-Elefant für Neulinge. Es gab auch andere Elefantenpfleger, die es bei ihr nie geschafft haben, stand zu halten.

H.H.: Die hätten das nicht machen können, was du gemacht hast?

P.M.: Nein. Die hat zum Beispiel mal einen Kollegen aus dem Gehege geworfen mit dem Rüssel. Der hat noch sehr viel Glück gehabt, dass er nicht unter ihrem Rüssel gelandet ist. Aber der konnte danach nie mehr allein mit der arbeiten, also es musste dann immer Zwillingsarbeit mit dem  gemacht werden. Weil der konnte mit ihr nicht mehr richtig umgehen. Das hat sich nie gebessert. Und das hat sich wahrscheinlich in der einen Situation damals entschieden. Seitdem hat man das natürlich auch gelassen, den alleine hinzuschicken. Solche Situationen kommen aber immer wieder vor. Auch alten  Elefantenhasen passieren tragische Unfälle. Der, dem das mit Dashibo passiert ist,  war ein anerkannter und gut ausgebildeter Elefantenpfleger. Das ist der, der jetzt das Elefantencamp in Thailand hat. Ein bisschen Glück muss man auch haben, weil unberechenbar bleibt ein Tier trotzdem und die Masse an sich, die physische Überlegenheit, ist natürlich immer da. Ein Risiko muss man schon eingehen, wenn man das machen will. Darauf bilden sich natürlich manche was ein, darum waren Elefantenpfleger auch nicht immer beliebt. Oft sind das dann auch Charaktere, die egozentrisch sind oder mit Menschen sowieso nicht so gut auskommen wie mit Tieren. Gute Elefantenpfleger sind oftmals solche, das habe ich selbst erlebt, die nicht gerade einen guten Umgang mit den Kollegen pflegen. Gerade die Chefs aus der alten Schule: Mit denen ist der Umgang schwierig gewesen, menschlich, zwischenmenschlich, weil die mit uralt- preußischen Methoden die Leute behandelt haben, sie quasi als ihr Eigentum betrachtet haben, andererseits waren sie aber zugleich ausgezeichnete Elefantenpfleger.

H.H.: Warst du gerne mit den anderen Pflegern zusammen?

P.M.: Wir waren sehr viel zusammen – und  haben uns gut verstanden. Natürlich gibt es wie immer auch Reibereien und Auseinandersetzungen, aber wir sind alles in allem gut miteinander ausgekommen. Natürlich hatten nicht alle mit allen einen persönlichen sozusagen privaten Kontakt. Aber wir saßen nach Feierabend immer noch im  Tierparklokal gegenüber dem Haupteingang zusammen. Da wurden dann am Biertisch auch alle Probleme angesprochen, die sich um die  Elefanten drehten. Wir haben die Elefanten nur beim Namen genannt, weil es ging immer um ein konkretes Problem mit einem konkreten Tier, oder wie die Herdenstruktur gerade ist, was vorgefallen ist am Tag oder in der letzten Zeit, was zu erwarten ist, wie wir die Gruppe positionieren können im Stall oder auf der Anlage, wer mit wem zusammenkommt.

H.H.: Also ihr habt die schon immer sehr weit individualisiert, um die Tiere besser einschätzen zu können?

P.M.: Die Optimalpolitik besteht darin, einen harten Pflegerkern zu haben, in den aber neue Leute gut integriert werden können, die dann auch alles lernen, was nötig ist. Ob sie nun bei den Elefanten bleiben oder nicht.  Die Frage ist dabei: Wer eignet sich und wer nicht? Bei manchen hat man vermutet, dass sie sich gar nicht eignen, die haben sich dann aber als hervorragende Leute dafür herausgestellt. Dennoch kann man schon  ein bisschen einschätzen, was man braucht, was für einen Elefantenpfleger notwendig ist. Auf jeden Fall Durchsetzungsvermögen, also konsequent muss man sein, sollte man sein. Das ist wie bei einem  Kindergärtner. Grundvoraussetzung ist außerdem, dass man nicht ängstlich ist, dass man vor diesen  großen Tieren nicht zurückschreckt. Und dann braucht es auf jeden Fall ein ruhiges, besonnenes Wesen, obwohl ich auch gute Leute kenne, die das nicht sind. Hektik kommt bei Tieren jedoch nie gut an. Bedingung ist ja, dass man in möglichst allen Situationen Herr der Lage ist. Es geht dabei auch um Sicherheit. Es gibt natürlich Menschen, die schnell zu Schlägen neigen, bevor sie die Möglichkeiten ihrer Stimme ausgenutzt haben. Die Stimme ist eigentlich das Mittel, womit man den Elefanten lenkt, wenn nicht durch kleinen Händedruck oder mit dem Haken so ein bisschen touchieren, dann ist die Stimme eigentlich das entscheidende Mittel. Wenn die aber nicht reicht und der Elefant das trotzdem nicht macht, was er soll, dann kann man natürlich auch mal zuschlagen, auch wenn der Elefant einen bedroht – damit man wieder Herr der Lage wird. Aber nur wenn er aggressiv und nicht anders zu beruhigen ist, das ist sehr abhängig von der Situation.

H.H.: Es ist also nicht statisch, dass der eine Elefant immer Autorität  braucht und der andere so gut wie nie?

P.M.: Die Elefanten hören schon auf ihre Pfleger, mit denen sie einen guten Umgang pflegen. Es gibt aber immer wieder Situationen, in denen das in Frage gestellt ist und wo das eben nicht klappt. Wenn das Tier sich plötzlich durch irgendetwas gestört fühlt oder eine Auseinandersetzung innerhalb der Rangordnung der Gruppe auftritt. Oder wenn jemand Sylvesterknaller krachen lässt und der Elefant daraufhin durchdreht. Das ist besonders während der Musth der Bullen ein Problem. Da kommt es immer wieder zu Situationen, in denen man schnell entscheiden muss: Setze ich mich jetzt hier durch? Gilt das meinem Durchsetzungsvermögen? Oder schadet das eher und ich sollte lieber zurückgehen, ihn sich  beruhigen lassen und dann danach wieder ran und wieder die Beziehung aufbauen. Dabei gibt es auch Unterschiede zwischen den Asiaten und den Afrikanern. Die Afrikaner sind cholerischer. Und dann sind die einzelnen Charaktere natürlich auch sehr unterschiedlich, die sollte man gut kennen. Je genauer  man sich kennt, desto besser kann man darauf eingehen, was natürlich auch zur Folge hat, dass sich dann eine gewisse Routine einschleicht. Die Routine ist ja eigentlich der Tod. Aber wenn man sich da trotzdem eine gewisse Wahrnehmungsfähigkeit bewahrt hat in der Alltagsroutine, dann ist das sehr gesund für alle Beteiligten.

H.H.: Ihr wolltet aber immer mehr?

P.M.:  Wir wollten immer mehr mit den Tieren machen, viel mehr arbeiten. Das war unser Idealismus. Der wird nicht bezahlt, der ist da und wird zum Teil ausgenutzt. Viele Überstunden oder Dinge, die wir machen wollten, wurden abgelehnt, die aber eigentlich – objektiv gesehen – ganz gut gewesen wären für die Elefanten: Neue Sachen mit ihnen unternehmen, bzw. andere Arten von Dressuren erproben, oder wer kommt heute mit wem zusammen in die Gruppe oder eben das Rausgehen mit den Elefanten. Wir wollten z.B. immer, dass wir Äste haben für die Elefanten, damit sie beschäftigt sind, sie kauen sich die Zähne ab, spielen damit und können sich damit kratzen. Also eine ganze Menge an Verhaltensweisen werden dadurch hervorgerufen, die sonst nicht stattfinden würden. Aber es  ist oft schwierig, so etwas durchzusetzen – weil die Äste z.B. extra besorgt werden müssten. So eine Aktion war dann auch der Auslöser, dass ich aus dem Tierpark gegangen bzw. geflogen bin.

H.H.: War das ein Arbeitskonflikt?

P.M.: Ja. Die meisten wollen gute Elefantenpfleger für ihre Tiere sein und werden oftmals in ihrem Ehrgeiz mehr oder weniger berechtigt daran gehindert. Das führt natürlich zu Unmut bzw. Resignation ,Dann mach ich eben einfach nichts mehr. Dann mach ich nur noch 08/15, ich erledige einfach nur noch meinen Job: Füttern, Scheiße weg  und dann ist gut.‘ Und das ist natürlich überhaupt nicht gut für die Elefanten. Aber wir waren enthusiastisch. Dann erwartet man jedoch auch von seinem Chef, dass er einen bei manchen Sachen deckt oder unterstützt gegenüber der Tierparkleitung, dass er da Partei für einen ergreift, wenn man was Neues versucht, und wenn es nur Urlaubspläne sind oder was auch immer. Besonders mit 2, 3 Kollegen war es gut, wir haben uns gegenseitig motiviert und es waren dann auch Kollegen aus dem Elefantenkollektiv dabei, die keine Bremse waren, die gesagt haben: ‚Macht mal, wir gucken uns das an, vielleicht machen wir ja mit bzw. unterstützen das‘. Aber eher passiv, dadurch haben sie uns jedoch einen Freiraum gelassen. Andererseits gab es aber auch Situationen, da hatten wir nicht die nötige Unterstützung von den Kollegen, die lieber ihre Ruhe haben wollten und lieber ihre 08/15-Nummer schoben. Aber grundsätzlich war im Elefantenkollektiv immer Enthusiasmus vorhanden. Man war auf seine Arbeit stolz. Auch diese ruhigeren Kollegen lieben ihren Job 100%ig. Sie sind nur eben nicht so für Neuerungen. Das sind allerdings oftmals auch die, die eine beruhigende Wirkung auf das ganze Kollektiv haben, auch in bezug auf die  Tiere. Neuerungen sind eben manchmal unbequem oder gehen auch mal schief.

H.H.: War das in Hamburg anders? Warst du da auch im Kollektiv?

P.M.: Ja. Wir haben da unsere Vorstellungen gemacht, mit den Elefanten ‚Dschungelnächte‘ organisiert und natürlich die normalen Arbeiten jeden Tag – Saubermachen, Füttern, aber eben auch Proben mit den Tieren. Das waren auch etwa 12-14 Tiere, gemischt, aber keine Afrikaner. Der Kern der Pfleger, das waren 4,5 Leute.

H.H.: Hast du Unterschiede zwischen Hamburg und Ostberlin bemerkt?

P.M.: Ja, enorme. Ich habe von dem Hamburger Chef sehr viel gelernt und da sind viele auch aus dem Ausland  gekommen, um von ihm zu lernen.

H.H.: Aber du hattest von deinem Chef im Tierpark doch vorher auch viel gelernt…?

P.M.:  Ja, auf jeden Fall, der hat mich ja eingeführt, das war sozusagen mein Vater in der Schule. Aber der Enthusiasmus war bei mir natürlich größer, Neuerungen einzuführen, bzw. um für Veränderungen Wissen zu erwerben. Er hat immer gesagt: ,Mach mal‘ und da ist meist auch was Gutes dabei rausgekommen. Wir haben aber auch ein gutes Feedback gehabt von vielen Elefantenexperten – sowohl von solchen, die aus der Praxis kamen als auch von Wissenschaftlern.  Unter anderem ist da eine Freundschaft mit Fred Kurt draus entstanden. Der war in Wien Elefantenprofessor, jetzt ist er im Ruhestand und lebt in Süddeutschland. Er kennt sich mit allen Elefantenfragen aus, hat Feldforschung betrieben und auch auf anderen zoologischen Gebieten viel gemacht sowie etliche Bücher veröffentlicht, u.a. ‚Das Elefantenbuch‘. Ihn habe ich in Friedrichsfelde kennengelernt. Er hat viel gesehen und war ganz angetan von unserer Arbeit. Es gibt auch Elefantenpflegertreffen, und es gibt viele Elefantenvereine, oder Organisationen, die sich mit dem Schutz der Elefanten beschäftigen, aber auch mit der Haltung und Pflege: Was könnte man dabei besser machen? Dann diverse Journale, in Deutschland das ‚Elefanten-Magazin‘ aus München. Da gibt es also schon ein relativ großes Feld, das ist eine richtige kleine Bewegung. Es war aber nie gewollt, dass sich so etwas entwickelt unter den Tierpflegern, dass sich die Tierpfleger austauschen, obwohl da viel Gutes bei rauskommt…

H.H.: Es wurde also von oben versucht zu verhindern, dass sich die Pfleger organisieren?

P.M.: Das kann man vielleicht so sagen. Damit keine Neuerungen passieren, die nicht jeder Zoodirektor haben will. Vor 89 trafen sich natürlich nur die Pfleger aus den DDR-Zoos, die Elefanten hielten. In Rostock gab es das erste Elefantenpflegertreffen und das wurde dann nach der Wende immer mehr. In Amerika gab es damals schon lange so etwas.  Die Treffen gibt es immer noch, alle zwei Jahre finden die statt, von Pflegern, aber inzwischen unterstützt auch von den Zooleitern. Also inzwischen sind diese Treffen  etabliert, das war dann nicht mehr aufzuhalten. Sie nennen sich international ‚Elephant Management Conferences‘ oder ‚Meetings‘. Das ist eine Art Globalisierung im Kleinen, die dazu geführt hat, dass sich die Haltung den Pflegern gegenüber  verändert hat. Innovationen und Know-how haben da Einzug gehalten und viele überdenken ihre Haltungsbedingungen oder Gruppenstrukturen und es wird viel gezüchtet, in letzter Zeit gab es viele Geburten. In Berlin allerdings erst mal nicht.

H.H.: Als ihr den Bullen hattet, war das dann nicht euer Ehrgeiz?

P.M.: Man wollte natürlich, dass sich die Tiere reproduzieren, das ist klar. Das ist ein großes Tier. In repräsentativen Einrichtungen ist man natürlich auch darauf angewiesen, Neues zu bieten, und da macht sich natürlich eine Elefantengeburt hervorragend, das ist der Publikumsmagnet schlechthin.

H.H.: Aber die artgerechte Haltung eines Tieres wird dann nur an der Vermehrung gemessen, oder? Die vermehren sich, also geht es ihnen gut…So etwa?

P.M.: Also es ist jedenfalls nicht das Gegenteil wahr. Wo eine Herdenstruktur da ist, also Bullen und Kühe, die im geschlechtsreifen Alter sind und sich nicht reproduzieren, da wird auch nicht die optimale Haltungsbedingung gegeben sein. Aber daran muss nicht unbedingt nur die Haltung schuld sein, sondern eben auch: Wo sind die Kühe hergekommen? Oder was haben die schon für einen Vorschaden im Verhalten? Dafür muss nicht unbedingt der Zoo was können oder die Kühe. Aber auf jeden Fall muss ein Zuchterfolg nicht automatisch auch  bedeuten, dass da die optimale Haltung gewährleistet ist. Aber was ist das schon, die optimale Haltung, also da kann man sicher auch drüber streiten. Es gibt ein paar Eckpunkte, die man beachten sollte und muss und die sind auch ziemlich klar, jetzt inzwischen auch einheitlich. Das betrifft u.a. die Gräben, die ganze Anlage und die Sicherheitseinrichtungen, für die Bullen ein eigenes Bullenhaus oder -stall, dass man die separieren kann. Und dass man in der Musth-Periode bestimmte Vorrichtungen hat, womit man den Bullen pflegen kann, oder Fußpflege machen kann, auch wenn er in der Musth nicht immer umgänglich ist. Also solche Dinge sind  inzwischen gang und gäbe. Dazu gehört auch das tägliche Üben – wenn die Möglichkeiten gegeben sind durch die Haltungseinrichtungen, dann ist das natürlich eine feine Sache. Das kostet aber auch viel Geld, keine Frage, nicht jeder Zoo kann sich das leisten, aber jeder Zoo versucht natürlich Elefanten zu haben, und Geld zum Bau von Häusern dafür zu bekommen. Dabei werden nach wie vor große Fehler gemacht. Da gibt es auch unterschiedliche Meinungen zu den Haltungskonzepten. Und die werden dann eben auch bei solchen Pflegertreffen diskutiert. Da kommt veterinärmedizinisches Wissen hinzu und man tauscht sich aus über die tägliche Pflege und das Training mit den Tieren.

H.H.: Würdest du sagen, das Wissen fließt rüber zwischen den verschiedenen Ebenen – Zooleitung, Wissenschaftler, Pfleger?

P.M.: Das war der größte Mangel, dass es diese gemeinsame Kommunikationsebene nicht gab. Man bekam gesagt, was man zu tun oder zu unterlassen hatte. Und oftmals mit einer Begründung, die nicht sonderlich kompetent war. Das hat natürlich oft unterschiedliche Gründe gehabt, warum etwas  abgelehnt wurde, aber es wurde darüber nicht diskutiert. In der ‚First European Elephant Management School‘, die es da in Hamburg seit 2003 gibt, wird so etwas auch gelernt. Das ist die erste, die es gibt in Europa. In Amerika existieren viele solcher  Einrichtungen, Workshops und Schulungszentren für Elefantenpfleger durch alte Elefantenpfleger. Aber hier: Wenn sich schon die Elefantenpfleger nicht treffen sollten, dann waren natürlich gemeinsame Schulungen für sie erst recht nicht erwünscht. Weil, je mehr Wissen sie haben, umso mehr haben sie natürlich auch die Möglichkeit, kompetent mit den Wissenschaftlern zu diskutieren und möchten dann anschließend auch  Sachen durchsetzen, die vorher z.B. als unmöglich galten. Und die Kommunikation dafür, diese Ebene, die gibt es inzwischen. Das läuft natürlich in den einzelnen Zoos unterschiedlich, die Befindlichkeiten sind da auch unterschiedlich. Aber an sich ist die Zooleitung natürlich auch teilweise von den Pflegern abhängig, weil die eben mit diesen Tieren umgehen können und jeder, der neu dazukommt, der verursacht ein Problem mit dem einen oder anderen Tier. Das  hat es auch gegeben, als ich mit den Kollegen aus dem Tierpark weg bin: Da gab es auch Unfälle wegen dieses Personalwechsels.

Mit LKWs werden die Edelhölzer anschließend über die chinesische Grenze transportiert.

H.H.: Haben die neue Elefantenpfleger eingestellt?

P.M.: Nein, die haben Pfleger aus anderen Bereichen abgestellt. Das heißt nicht, dass die nicht das Potential hatten, um auch gute  Elefantenpfleger zu sein. Aber der plötzliche Wechsel und die zu geringen Einarbeitungsmöglichkeiten für die Neulinge, das führt zu Unfällen. Die Elefanten kennen solche Situationen und nutzen die dann oft auch aus. Bei denen  ist ja  schon ein kleiner Schubser mitunter  problematisch.

H.H.: Noch mal zurück zu dem internationalen Elefantenpfleger-Netzwerk…

P.M.: Ja, also die Kommunikationsebene gibt es jetzt, das ist super und viele Zoos ziehen da nun mit und sind auch sehr medienbewußt bzw. -wirksam dadurch geworden. In Leipzig gibt es z.B. die Webpage „Elefant, Tiger & Co.“, da kann man teilhaben an dem Alltag der Tierpfleger und der Tiere miteinander. Das ist auch eine Vermarktungsstrategie des Zoos und einiger Medien, die aber  den Pflegern und den Tieren zugute kommt. Es wird da etwas transparent gemacht, man hat einen Einblick, und kann sehen, wie die Tiere gemanaged werden und da müssen sich natürlich die Pfleger anstrengen. Und das kostet sicherlich auch mehr Zeit und Energie. Man braucht Motivation dazu und  Idealismus. Aber ohne das kann man diesen Job sowieso nicht machen. Man steht dabei ja auch in der Öffentlichkeit. Das haben die meisten Zoos erkannt und es nach dem Konzept aus Hamburg, aber auch von anderen, übernommen. Das funktioniert natürlich noch nicht überall gut, ein Angestelltenverhältnis bleibt immer ein Angestelltenverhältnis, aber man kann doch zum Teil auch freundschaftliche Beziehungen zum Chef haben, also zum Tierparkdirektor. Das gibt es auch.

H.H.: Man sagt, dass die Tierpfleger bei den Menschenaffen die geistigen Fähigkeiten ihrer Tiere höher einschätzen als die Primatenforscher, von denen nur wenige tagtäglich mit diesen Tieren zu tun haben. Würdest du sagen, dass das auch bei den Elefanten so ist, dass das zwei völlig verschiedene Ebenen sind: die wissenschaftliche und die, auf der jemand mit dem lebendigen Tier zu tun hat?

P.M.:  Ich habe den Unterschied gemerkt, der wurde auch gelebt, aber der fängt an, sich zu verwischen, also die Ebenen überschneiden sich auf vielen Gebieten. Ich bin z.B. nicht der einzige Tierpfleger, der dann Biologie studiert hat oder etwas anderes. Aber es läuft wahrscheinlich eher so als anders herum – dass ein Wissenschaftler Tierpfleger wird. Und auch wenn sie kein Studium anfangen, sind  die Elefantenpfleger alle interessiert an mehr Wissen und mehr Erfahrungen. Sie sind oft sogar gebildeter als die wissenschaftlichen Mitarbeiter in den Zoos – auf ihrem speziellen Gebiet. Ebenso reisen sie auch und nehmen an  Seminaren teil. Das habe ich damals auch gemacht, also erst einmal das Abendgymnasium besucht, weil ich ja damals nicht studieren durfte. Als ich aufs Abendgymnasium ging,  war ich allerdings schon nicht mehr Elefantenpfleger in Hamburg, um das Abitur nachzumachen bin ich zurück nach Berlin gezogen.

H.H.: Wie sieht dein Ausbildungsweg nun insgesamt aus – bis jetzt?

P.M.: Also erst mal das Praktikum in Rostock, dann die Lehre im Tierpark in Berlin, dann Elefantenpfleger dort, dann, als es da nicht mehr ging,  nach Hamburg zu Hagenbeck als Elefantenpfleger, und danach habe ich dann das Abitur beendet, das ich schon mal hier in Berlin zu Ostzeiten – neben meiner Arbeit – angefangen hatte. Irgendwann habe ich gewusst, dass ich nicht mein ganzes Leben Tierpfleger sein kann und auch nicht will. Das war dann der Absprung, dazu gab es auch noch einen persönlichen  Grund, eine Liebesbeziehung. Ich habe  dann zwischendurch auch noch Zivildienst gemacht, d.h. mit Behinderten in einer Heilswerkstatt gearbeitet.

H.H.: Jetzt, wo du – witzigerweise bei Professor Elefant an der Humboldt-Uni –  deine Diplomarbeit über die Musth machst und  dabei Genetik mit Verhaltensforschung verbindest, also sozusagen von der Hand- zur Kopfarbeit übergewechselt bist, was würdest du sagen: Wo liegt der Unterschied?

P.M.: Die Elefanten waren bei uns immer personifiziert, hatten also Namen und jeder wusste, von wem man gerade sprach, hatte auch ein genaues Bild von dem Tier. Die Elefanten haben alle eine Persönlichkeit, und da wusste jeder, was sich mit diesem Individuum verbindet. Das fehlt den Wissenschaftlern natürlich. Wenn ich jetzt selbst auf wissenschaftlicher Ebene mit Elefanten arbeite, dann bin ich nicht mehr tagtäglich mit ihnen zusammen, dann sind das bloß Namen, manchmal auch nur Nummern in einer  Statistik, und nicht mehr Charaktere oder Persönlichkeiten. Ich habe nicht mehr den direkten Kontakt zu den Tieren, außer dass ich ab und zu in Zoos bin oder vielleicht auch in Asien und mir den einen oder anderen auch mal für eine Verhaltensstudie länger anschaue. Aber das ist was ganz anderes als jeden Tag vor Ort zu sein. Das ist wie wenn ein Papa alle zwei Wochen mal sein Kind sehen darf.

H.H.: Würdest Du sagen, dass Elefanten als soziale Tiere besonders prädestiniert sind zur Individualisierung durch die Menschen?

P.M.: Ja. Aber Menschenaffen sind dafür natürlich noch prädestinierter, ebenso Delphine, also alle höher entwickelten Wirbeltiere. Ich würde die Elefanten auf jeden Fall neben Säugetiere wie Affen, speziell Menschenaffen, Delphine und Schweine stellen.

H.H.: Ich hatte bei Pferden das Gefühl, dass ich da an eine Grenze kam. Dass das Pferderepertoire als Fluchttier eingeschränkter ist. Würdest du das in bezug auf Elefanten auch so sehen?

P.M.: Die kognitiven Leistungen sind unterschiedlich, deswegen kann man das gar nicht so sagen, wenn man das Wort Intelligenz gebrauchen möchte oder Leistungsfähigkeit, dann gibt es glaube ich besondere Spezialisierungen bei der einen oder anderen Tierart. Aber ich würde nicht sagen: Diese sind intelligenter als jene. Sicher stehen uns schon mal rein entwicklungsgeschichtlich die Affen näher als die Elefanten. Aber in bestimmten Bereichen haben die enorme Fähigkeiten. Und Menschenaffen eben in vielen anderen Bereichen, die uns allerdings näher sind.

H.H.: Würdest du sagen, dass Elefanten für dich genau die richtigen Tiere  waren bzw. sind?

P.M.: Ja, für mich schon. Mich interessiert  evolutionäre Psychologie oder auch evolutionäre Anthropologie, also Verhalten grundsätzlich, und die Elefanten sind dabei für mich immer das erste  Beispiel, wenn ich an Tiere und ihr Verhalten denke. Weil ich einfach am meisten Erfahrung mit denen habe. Ich bin da aber nicht drauf  festgelegt, ich sage nicht: Ich muss immer weiter was mit Elefanten machen, nur, ich hab mir gedacht, wenn ich Zeit und Energie investiere, dann in das, was mich am meisten interessiert, da ist die Motivation am größten und da verstehe ich dann am meisten. Vielleicht weiß ich von Elefanten-Anatomie viel weniger als von der Anatomie anderer Wirbeltiere, aber ich habe eben  praktische Erfahrung und kenne  das Verhalten dieser Tiere und das kommt mir natürlich bei der Arbeit zugute.

H.H.: Was ich erst durch dich erfahren habe: Dass es eine richtige Elefanten-Community gibt, von Wissenschaftlern, über Pfleger, Fans und Elefantenfreaks bis hin natürlich zu vielen Elefanten. Und das die über die ganze Welt sich ausbreitet…

P.M.:  Die haben oft ein enormes Wissen, weil die reisen auch häufig. Ich kenne viele Leute, die gar nicht eigentlich biologisch oder wissenschaftlich damit zu tun haben, aber die enorm viel reisen und Informationen sammeln und das auch zur Verfügung stellen. Da gibt es z.B. etliche, die mit der Kamera losziehen und die in Vereinen dann alles zusammentragen und in Büchern festhalten, wo welcher Elefant steht – die also tierbezogene Daten sammeln. Und die sich manchmal dann auch zusammensetzen und ein wissenschaftliches Papier lesen. Das machen inzwischen auch Tierpfleger, Elefantenpfleger.

H.H.: Gibt es anerkannte Autoritäten bei den Elefantenpflegern?

P.M.: Ja, mein Chef, bei dem ich gelernt habe, zum Beispiel: Ingolf Kastirke. Der ist vielleicht keine international bekannte, aber mindestens hier in Deutschland schon ein anerkannte Autorität. 2006 wurde er leider von der Elefantenkuh Mafuta angegriffen und dabei verletzt. Und dann natürlich Karl Kock aus Hamburg, der arbeitet aber inzwischen nicht mehr bei Hagenbeck. Er hat dort 1987 die Zucht aufgebaut und macht das nun seit 2001 für den ‚Serengetipark‘ bei Walsrode. Er war auch mal Elefantenbeauftragter der Bundesregierung oder ist es immer noch. Also in Elefantenfragen holt man sich auch bei ihm gerne Rat. Der hat 40 Jahre mit Elefanten gearbeitet und ist Ausbilder für ganz viele Leute gewesen, die mittlerweile selbst Koryphäen sind, wie z.B. Alan Roocroft, der ein ‚Elephant Business‘ in San Diego betreibt und in Hamburg die  ‚Elephant-Management-School‘ leitet, zu der Elefantenpfleger aus der ganzen Welt  inzwischen kommen. Dann sicher Ruedi Tanner in Zürich, der hat das Buch „Dicke Haut und zarte Seele“ geschrieben,  und Rolf Amelung, der hat in Hannover gearbeitet, der ist zwar nicht mehr Chef da, aber ein bekannter Name in der Elefanten-Scene. 1988 wurde er bei einer Dressurvorführung vom Elefantenbullen Siporex angegriffen.

H.H.: Und die Pfleger bleiben dann auch nach ihrer Pensionierung an Elefanten interessiert?

P.M.:  Ja, also einmal Elefantenmann, immer Elefantenmann. Bei mir hat die Zeit zumindest gereicht, dass ich das für mich selber behaupten würde. Weil das immer noch lebt und mich immer noch interessiert und ich auch noch Kontakt habe zu meinen Kollegen. Das heißt jedoch  nicht, dass man deswegen auch noch weiter was mit Elefanten zu tun haben muss. Aber wenn man solange so intensiv mit einer Tiergruppe zusammengearbeitet hat, dann wird das Teil von einem Selbst. Bei mir hat die Zeit dazu gereicht und das war eine entscheidende Zeit in meinem Leben – deswegen bin ich da immer noch dran interessiert.

H.H.: Als du anfingst zu studieren, hast du da gleich wieder Elefanten im Blick gehabt?

P.M.: Ich hab mich inzwischen erst einmal selbst reproduziert, also ich habe eine Tochter, die ist 6 Jahre und gerade eingeschult worden, und da war das Familienleben natürlich sehr wichtig und auch viel. Das Studium wurde  dadurch ein bisschen an den Rand gedrängt. Manchmal und nebenbei habe ich ein bisschen gejobbt, zur Existenzsicherung, und wenn die Partnerin dann auch noch studiert, dann ist es natürlich schon schwierig, das alles unter einen Hut zu kriegen. Das hatte zum Teil dann die Konsequenz, dass ich nicht mehr so viel Kontakt hatte mit Elefantenleuten bzw. mich auch nicht mehr so intensiv wissenschaftlich mit Elefanten auseinandersetzen konnte, weil ich natürlich auch die ganzen Grunddinge, die verlangt wurden, erst einmal lernen musste. Ich hab Genetik belegt, das war mein Wahlfach, und dann Psychologie. Im Grundstudium muss man natürlich das Notwendige erst mal machen: viel Chemie, Mathematik, Physik und natürlich die molekularbiologischen Fächer – Molekulargenetik und Biochemie sowie Mikrobiologie, also das, was mit Bakterien, Einzellern, zu tun hat und natürlich die Genetik. Dazu muß man die  grundlegenden Arbeitsmethoden eines Genetikers lernen – bis hin zu Virologie, Tumorbiologie und so weiter. Man kann dann in die Fachrichtungen gehen, aber ich habe  verschiedene Kurse aus verschiedenen Bereichen belegt, um ein möglichst umfassendes Repertoire zu haben. Und zuletzt bin ich in Molekulargenetik geprüft worden. Es gibt ja auch noch die Pflanzengenetik, das ist alles sehr aufgeteilt und spezialisiert…

H.H.: Hast du während deines Studiums mehr über Elefanten erfahren?

P.M.: Also ich bin an mehr Literatur gekommen, natürlich,  durch die Bibliotheken. Aber was der Zugewinn unterm Strich war? Durch mein Biologiestudium habe ich mein Wissen über Elefanten nicht besonders erweitert. Ich weiß jetzt ein bisschen mehr über Entwicklungsgeschichte, über die Homologien und Analogien in der Anatomie… Solch Basiswissen hat sich schon erweitert und das kann man natürlich auch auf Elefanten anwenden, auf Ernährung und Verhalten, klar. Dann wurde analytisches Denken gefordert und gefördert, damit kann man manche Sachen unter anderen Gesichtspunkten sehen. Es ist schon so, dass ich manchmal versuche, das alltägliche Leben im Stall, und das, was ich dort gesehen und entdeckt habe, zu versuchen, in eine Analyse zu bringen. Wir haben ja damals nicht über alles Tagebuch geführt, haben auch nicht immer Ethogramme erstellt, als Pfleger hatten wir gar keine Zeit dazu, die hat man dann als Student. Einer der Kurse ging über Tierpark-Ethologie, da war ich mehr zufällig drin und habe dann  gedacht, ach, mach ich den mal bei meinen Elefanten. Darüber habe ich dann auch eine ethologische Studie angefertigt – als Seminararbeit. In den darauffolgenden Jahren habe ich die Studenten dann dort auch betreut, damit die die Tiere erst einmal individuell auseinanderhalten konnten, und dann habe ich denen ein bisschen was dazu erzählt, was sonst die Pfleger gemacht hätten. Ich habe das mit dem Hintergrundwissen, Basiswissen, meines  Biologiestudiums  getan.

H.H.: Und wovon handelte die Seminararbeit?

P.M.: Die ging über das Verhalten von asiatischen Elefanten, Verhaltenscharakterisierungen. Wer tut was mit wem? Und wann und wie oft? Dazu kann man Statistiken anlegen. Das sind schon kleine wissenschaftliche Arbeiten, auch mit der statistischen Auswertung: um die kommt man nicht herum, jedenfalls nicht in der Naturwissenschaft.

H.H.: Habt ihr über solche Sachen, Statistik, Wahrscheinlichkeiten von Verhalten usw., auch auf den Pflegertreffen geredet?

P.M.: Nein, über so etwas nicht, uns lag nicht so sehr daran, wissenschaftlich zu analysieren, es ging eher darum,  praktische Verhaltensregeln zu finden, wie man mit den Elefanten in welchen Situationen umgeht.

H.H.: Aber bei beidem geht es um die Wahrheit…

P.M.: Beim Pfleger geht es eher darum, sich der intuitiv zu nähern. Es ist in der Biologie immer die Frage, welche Daten erhebe ich, warum und zu welcher Problemstellung. Wenn die miteinander nichts zu tun haben, dann kann natürlich jede Statistik alles aussagen. Oftmals führt man eine Statistik und kann dann nur sagen: Oh ja, das ist so. Aber das interessiert keinen, weil es dann zwar so ist, dass z.B. die einen kleinere Ohren haben als die anderen oder der eine  linksrüsselig ist und die anderen rechtsrüsselig, aber das ist zum Teil einfach Zufall oder jedenfalls von Faktoren abhängig, die diese Statistik nicht berücksichtigt. Und über weiterführende Gründe, die herauszufinden wirklich interessant wäre – warum nun Elefanten eher rechts- oder linksrüsselig sind, darüber kann man dann eben nicht viel aussagen.  Die letzte Diplomarbeit, die ich las, war auch über die Elefanten im Tierpark Berlin, und zwar über die Jungtiere dort: Sie hatten mit dem Säugen Probleme?

H.H.: So dass die anfangs noch mit den Vorderbeinen  auf eine Tonne steigen mussten, um an die Zitzen zu gelangen. So einen Fall gab es in Friedrichsfelde vor einiger Zeit?

P.M.:  Ja, das ist öfter gemacht worden, weil die Babyelefanten oft einfach zu klein sind.  Aber von dem konkreten Fall weiß ich gar nicht. Ich habe  auch zu vielem dort den Kontakt nicht halten wollen, weil mich das dann eher wieder so motiviert hätte, erneut was in der Richtung zu machen, obwohl die notwendigen Dinge, die ich bis zum Examen machen mußte ganz andere waren. Das hätte mich also davon abgelenkt. Meine Arbeit handelte damals vom Mutter-Kind-Verhalten,  alles was drumherum ist, die Gruppenstruktur, das Verhalten, das Säugeverhalten und wie oft die Milchdrüsen frequentiert werden, na ja, alle möglichen Daten, die man aufnehmen konnte, einfach verwertet: das war dann meine Examensarbeit.

H.H.: Fandest du sie gut?

P.M.: Ja, also – gut, ich sag mal, es war interessant, aber es kommt auch drauf an wie eine Arbeit betreut wird. Wenn man Student ist und so eine Arbeit abliefern soll, braucht es eine gute Betreuung, sonst kann man  noch so motiviert oder gut sein, wenn man die entsprechende Betreuung nicht hat…

H.H.:  Könntest du dir vorstellen, dass so eine Examensarbeit von einem Elefantenpfleger betreut wird?

P.M.:  Also ohne Berater hätte ich diese Arbeit niemals schreiben können. Und andere vielleicht auch nicht. Die kommen nicht daran vorbei, auch mit den Pflegern zu reden. Also wenn man das nicht tut? es sei denn, man arbeitet auf molekularer Ebene, wo man wirklich nur Moleküle untersucht – da muss man nicht wirklich das Tier kennen, aber wenn man Aussagen treffen will über das Verhalten, dann muss man das in einen Zusammenhang setzen, und dabei sollte man über das Verhalten schon Bescheid wissen. Wann welcher Elefant wie reagiert hat, das weiß nur der Pfleger. Und wenn man dieses Verhalten dann mit dem Hormonprofil des betreffenden Elefanten in Beziehung setzt, dann kann man vielleicht schon einige Aussagen treffen. Das versuche ich jetzt in meiner Diplomarbeit. Der Überbegriff dafür lautet: ‚Musth bei asiatischen Elefanten‘. Die Verhaltenskomponente ist dabei das Musth-Verhalten. Die Mechanismen, wie die Musth entsteht und sie erst einmal zu charakterisieren, das haben schon viele untersucht, oftmals mit widersprüchlichen Ergebnissen, was nicht unbedingt heißen muss, dass die Thesen da drunter falsch waren. Dennoch weiß man  noch relativ wenig über die Musth und mir geht es dabei darum, das Physiologische und das Physische mit dem Verhalten in einem Zusammenhang zu betrachten –  um da vielleicht irgendwelche Muster zu erkennen.

H.H.: Warum weiß man da so wenig drüber?

P.M.: Na, die ersten ernsthaften Arbeiten über Elefanten sind Anfang des Jahrhunderts geschrieben worden. Obwohl man schon lange Elefanten hielt und das Phänomen Musth bekannt war. Das Wort kommt aus dem Persischen und bedeutet ‚Zustand der Vergiftung‘, was sich einst z.B. auf Betrunkene bezog. Also von der Musth wußte man schon lange, sie hat aber niemanden so interessiert, dass darüber wissenschaftlich geforscht wurde.

H.H.: Auch in Asien nicht?

P.M.: Doch, doch. Inzwischen wird da sogar sehr viel darüber geforscht. So, wie die Wissenschaft sich in allen Bereichen entwickelt hat, hat sie sich natürlich auch im Verhaltensbereich entwickelt und da enorme Fortschritte gemacht.

H.H.: Würdest du deine Diplomarbeit als soziobiologisch bezeichnen?

P.M.: Nein. Also die würde ich eher nicht-anthropologisch irgendwie orientieren. Sie verbindet endokrinologische Untersuchungs- und Analysemethoden mit ethologischen Studien, Verhaltenbeobachtungen. Sie sucht also praktisch die physiologischen Korrelate zum Verhalten. Dazu brauche ich Proben, möglichst nicht invasive.

H.H.: Robert Zapolsky hat so etwas bei freilebenden Menschenaffen gemacht. Und in bezug auf die Elefanten ergibt die physiologische Untersuchung dann: vier mal im Jahr tritt die Musth in dieser und jener Form auf?

P.M.: Nein, das ist sehr unterschiedlich. Man kann nicht sagen: Der Bulle kommt dann und dann in die Musth. Aber man kann sagen, ungefähr ab dann, ab dem Alter, ist damit zu rechnen, und so läuft es da und dort ab, also es gibt da viele Untersuchungen schon oder Berichte, aber es ist noch nicht so weit erforscht, dass man einer Meinung darüber wäre, warum das so ist. Man hat Thesen oder Hypothesen, aber es gibt nicht viel gesichertes Wissen.

H.H.: Darüber, warum die Hormone im Elefanten steigen?

P.M.: Ja, es gibt immer die Frage nach dem Wie und dann gibt es eben auch die Frage nach dem Warum. Ich mache mich erst einmal an die Frage: Wie? Weil das Warum dann vielleicht eine Sache von Leuten ist, die sich mit evolutionären Entwicklungen auseinandersetzen. Wobei das Verstehen des Wie natürlich auch dazu führen kann, dass man auf das Warum kommt.

H.H.: Hast du eine Hypothese?

P.M.: Mehr oder weniger haben solche Verhalten schon etwas mit der Reproduktion zu tun. Da gibt es in der Tierwelt enorm viele Strategien. Es könnte eben so sein, dass die Elefanten mit dieser Musth-Periode die Gene weitergeben, die für die Art günstig sind. Weil – wer das größere Geweih hat, der hat auch die besseren Chancen, im Konkurrenzkampf zu gewinnen – die Musth eine Zeit ist, während der der Elefantenbulle über andere dominiert und eben die Stärke entscheidet. Ein Bulle, der nicht in gutem Futterzustand oder krank ist, der kommt auch nicht in die Musth bzw. der ist seltener in der Musth, weil das viel Energie kostet, er frißt in der Zeit auch weniger. Man streitet sich noch darüber, ob das für den Elefanten ein Permanentstress ist oder nicht. Es gibt Untersuchungen, die das nahe legen, es gibt aber auch Untersuchungen an afrikanischen Elefanten, dass die Musth kein Dauerstresszustand bedeutet. Das könnte man dann anhand dieser Hormonuntersuchung näher bestimmen. In diese Richtung soll das gehen. Man könnte Hormonprofile erstellen von einzelnen Elefanten, die über Jahre geführt werden und man dann weiß: Aha, der kommt jetzt in die Musth, auch wenn man ihm nichts ansieht. Damit stehe ich aber noch ganz am Anfang, ich muss jetzt alle möglichen Zoos kontaktieren, die dafür in Frage kommen, und die bitten, ob sie da mitarbeiten. Und dann auch noch die Leute, die eventuell für die Analyse wichtig sind, in Göttingen zum Beispiel: Die müssen da auch ja zu sagen, sonst findet die Arbeit nicht statt.

H.H.: Was für Leute sind das, die sich dazu bereit erklären müssen?

P.M.: Das sind alles Professoren oder Leute, die auf jeden Fall schon die normale wissenschaftliche oder akademische Laufbahn eingeschlagen haben. Auch manchmal aus dem Biotechnologiebereich. So wie der eine, der für mich Betreuer sein könnte, Diplomarbeitsbetreuer, der hat vor kurzem promoviert, er ist ein Jahr jünger als ich, und der findet das, glaube ich, auch ganz wichtig und interessant, mit Leuten aus der Praxis, also aus der zoopädagogischen Praxis, zusammenzuarbeiten. Weil man sich ergänzen kann. Und er interessiert sich für das Thema. Ich muss jetzt  erst einmal die ganzen Papiere  dazu lesen, weil ich mich während des Studiums um die Musth nicht besonders gekümmert habe. Da gibt es Regale voller Papiere und wissenschaftliche Veröffentlichungen drüber, also es nicht so, dass es dazu noch nichts gibt. Ich muss natürlich beachten, dass ich nur eine gewisse Zeit für meine Arbeit zur Verfügung habe und dass ich da nichts Neues herausfinden muß. Aber ich sollte schon im Blick behalten: Das ist ein Thema, aus dem man mehr machen könnte, müsste, sollte. Dazu  bräuchte man mehr Zeit, das wäre dann eher etwas für eine Dissertation, also  ein Promotionsvorhaben. Aber ob das mal so weit kommt, weiß ich nicht. Ich werde sehen, wie ich da reinwachse.

H.H.: Hast du eine Ahnung, wie viele Leute sich wissenschaftlich mit Elefanten beschäftigen?

P.M.: Nein, aber es werden nicht viele sein. Dafür interessieren sich sehr viele Menschen für diese Tiere und lesen auch Populärwissenschaftliches darüber. Das tue ich auch, nicht zuletzt, um es zu überprüfen. Es wird ja viel Mist geschrieben, auch in der Fachliteratur. Es gibt im übrigen nicht DIE Elefantenforschung, weil sie meist eingebunden ist in solche Forschungsbereiche wie Reproduktionsbiologie oder Genetik, Elefantengenetik, oder in die veterinärmedizinische Richtung: über künstliche Besamung z.B., Populationsgenetik oder Ernährungsphysiologie. Da muss man nicht unbedingt Elefantenspezialist sein, aber wenn man das dann speziell auf diese Tierart bezieht, dann sollte man schon einige Elefantenkenntnisse haben – ohne das man gleich das ganze  tiergärtnerische Wissen braucht.

H.H.: Könnte man da eine diagonale Schneise durchschlagen und aus all diesen Bereichen: Populärwissenschaft, Abenteuerliteratur, Verhaltensforschung etc. eine Bibliothek zusammenstellen?

P.M.: Das haben schon viele gemacht. Es gibt welche, die da enorm viel angesammelt und das auch veröffentlicht haben, d.h. alles Wissen zusammengetragen haben, was es über Elefanten gibt und dabei u.a. auch die wissenschaftlichen Arbeiten und Veröffentlichungen mit einbezogen haben. Manch einer schreibt dann auch ein Buch – auf Deutsch, das allgemeinverständlich ist, ohne zu viele Fachbegriffe, auch dabei werden wissenschaftliche Erkenntnisse mit verarbeitet. Und die lesen dann auch die Pfleger. Die meisten kennen wahrscheinlich alle Elefantenbücher, die es gibt.

H.H.: Warum hast du als  Professor für die Diplomprüfung Andreas Elefant gewählt?

P.M.: Nicht wegen des Namens. Ich habe viele Seminare von ihm besucht, u.a. über den Funktionsbegriff des menschlichen Geistes in der Biologie und in der Philosophie. Elefant ist eigentlich Sinnesphysiologe, er hat erst Physik studiert und dann Biologie. An der Humboldt-Uni lehrt er Sinnesphysiologie, ist also eher im neuro- oder physiologischen Bereich tätig.

H.H.: Und das stört dich nicht?

P.M.:  Nein, im Gegenteil, das finde ich sehr interessant, das ist eher ein Gewinn. Speziell mit Elefanten kennt er sich jedoch nicht so aus. Sein Forschunginteresse gilt vor allem den Krallenfröschen, Xenopus, das ist die Laborratte der Physiologen, die sich mit Amphibien beschäftigen. Mit denen stellt er interessante Untersuchungen an. Außerdem arbeitet er stark interdisziplinär – zwischen den Instituten. Er hält  auch Vorlesungen über Evolutionsbiologie und bertreut den Bereich Verhaltensbiologie bei Wirbeltieren. Professor Elefant hat also von mehreren Seiten her Interesse an meinem Thema.  Umgekehrt interessieren mich auch die philosophischen Aspekte der Biologie. Im Philosophieseminar habe ich einige kennen gelernt, die Biologie studiert haben und dann zur Philosophie gewechselt sind und  umgekehrt oder sie studieren beides. Die Biologie soll ja eigentlich umbenannt werden in ‚Life Science‘ oder so – jetzt, nach diesen ganzen Umbauten der Hochschule und der Verbindung von Forschung und Geschäft – wie in Adlershof. In dieser Zeit wurden auch die Institute umstrukturiert und man wollte mehrere Fächter zum Fach ‚Lebenskunde‘ zusammenfassen.  Die Biologie ist eines der interdisziplinärsten Fächer: viel Mathematik, viel Physik, viel Chemie, die Grundlagen. Und deswegen habe ich auch biologische Psychologie studiert als Nebenfach, gerade Wahrnehmung, Sinnessysteme, Neurophysiologie. Aber das ist ein Teilbereich, der erst seit 10, 20 Jahren richtig ausgebaut wird.

H.H.: Hattest du manchmal den Wunsch, freilebende Elefanten länger zu beobachten, z.B. in Thailand?

P.M.: Natürlich, ich war auch privat schon in Asien, im Urlaub und habe mir die Zoos da unten sowie auch einige  Elefantencamps angeguckt, und mit den Leuten da gesprochen, mit Mahuds und Tierärzten. Manche können Englisch und sind auch bereit, einem ihr Wissen zu vermitteln. Ich würde gerne später da weiter machen und  z.B. Projekte unterstützen, die auf den Erhalt der Elefanten abzielen, Tierschutzprojekte. Ich könnte mir auch vorstellen, wissenschaftliches  Know-how beizusteuern für Projekte, die sich mit Mensch-Tier-Konflikten befassen. Die Hälfte der Elefanten in Asien arbeitet ja mit Menschen. Und diese Tiere gilt es natürlich ebenfalls zu schützen.

H.H.: Warst du auch bei deinem ehemaligen Kollegen in Thailand – im Elefantencamp von Bodo Förster und seiner Frau Lia?

P.M.: Ja, mit dem stehe ich auch weiterhin in Kontakt. In letzte Zeit sind viele Wissenschaftler nach Asien gegangen, um  dort Untersuchungen zu machen, z.B. mit dem Herpesvirus. Damit haben die asiatischen Elefanten ein großes Problem, viele sterben daran. Und dabei gibt es noch viel zu forschen. Das wäre auch ein Bereich –  z.B. für die Molekularbiologie und Genetik: Wie sind die Übertragungswege, wo kommt der Virus her, wie verändert er sich, kann der Mensch als Zwischenwirt ihn von Elefant zu Elefant übertragen…usw. Solche Forschung wäre auch ein Beitrag, um Elefanten zu schützen.

H.H.: Hattet ihr gegen so etwas Sicherheitsvorkehrungen im Tierpark?

P.M.: Ja, wir hatten Quarantänemaßnahmen bei Verdacht auf Krankheiten, die übertragen werden könnten durch den Transport oder über Neuzugänge. Die Quarantäne galt auch für die Pfleger. Zu den Maßnahmen kann man außerdem die getrennte  Arthaltung zählen. Das könnte im Hinblick auf solch einen Herpesvirus wichtig sein, denn der wirkt bei einem Afrikaner anders als bei einem Asiaten. Dabei wäre es wichtig, die  Übertragungswege aufzudecken, dazu gibt es auch schon viele Arbeiten, aber noch nicht genug. In Freiheit kommen Asiaten und Afrikaner ja nie zusammen, sie können auch keine Nachkommen zeugen, weil sie genetisch und stammesgeschichtlich noch weiter voneinander entfernt als z.B. die Tiger von den Löwen. Esel und Pferd können zwar noch wenn auch nicht-reproduktive Nachkommen zeugen, aber beim Elefanten geht das nicht mehr. Der Asiate ist  evolutionsmäßig gesehen sehr jung. So wie sie heute sind, gibt es sie erst seit ein paar hunderttausend Jahren. Also, Elefant ist nicht gleich Elefant. Und dann – Afrika ist groß und Asien auch – gibt es da natürlich auch noch unterschiedliche Entwicklungen in unterschiedlichen Gebieten.

H.H.: Könntest du einen javanesischen Elefanten z.B. von einem aus Sri Lanka unterscheiden?

P.M.: Nein, ich könnte wahrscheinlich nicht mal einen südindischen Elefanten von einem nordindischen unterscheiden. Ich weiß zwar, die taiwanesischen sind etwas kleiner als die Festland-Elefanten, aber mehr auch nicht. Ich könnt auch nicht sagen, das Verhalten von einem Taiwanesen ist so, oder von einem Inder so. Das kann man, glaube ich, nicht. Aber ich weiß es nicht, da gibt es vielleicht schon Unterschiede. Weil die Umwelt ist ja anders, also zeigen die auch in entsprechenden Situationen ein anderes Verhalten. Aber wenn die jetzt zusammen im Zoo stehen, könnte ich nicht sagen, der ist jetzt so, weil er aus Südindien kommt, und der verhält sich als Nordinder in einer gegebenen Situation so…Vielleicht gibt es solche Tendenzen, aber die sind natürlich schwer auszumachen und schwer zu belegen. Und das Verhalten eines Elefanten ist im Zoo sowieso ein anderes, weil seine Umwelt da eine ganz andere ist.

H.H.: Gibt es Unterschiede in Asien – zwischen den Arbeitselefanten und den anderen – wild lebenden?

P.M.: So genau kann ich das nicht beurteilen. Aber was den Unterschied zu den Elefanten in Zoos betrifft, da kann man feststellen: Die Mahuds gehen oft nicht viel anders mit ihren Tieren um als die Pfleger hier in den Zoos. Auch die Methoden sind hier wie dort oft die gleichen. Und das Verhalten der Elefanten ist auch das gleiche. Nur der Tagesablauf ist ein bisschen anders und die Ernährung, daher auch andere Verhaltensweisen in der Musth z.B..

H.H.: Hat dein früherer Kollege, der jetzt in Thailand ist, dir nichts von möglichen Unterschieden erzählt – jetzt, wo er die im Berliner Zoo mit denen in seinem Elefantencamp vergleichen kann ?

P.M.: Von individuellen Unterschiede natürlich, aber nichts von generellen. Die Methoden, die die Mahuds beim Training anwenden, differieren auch, ihre Religionen sind ja auch verschieden und die kulturellen Traditionen ebenfalls. Bei den Elefanten ist es ähnlich. Man kann Afrikaner und Asiaten zusammen halten, das ist kein Problem für die Tiere, auch nicht für die Pfleger, aber es ist nicht artgerecht, um dieses schöne Wort zu benutzen. Die Tiere vertragen sich. Die Schnittmenge beim  Verhaltenspektrum der beiden ist natürlich sehr groß, aber der Afrikaner wird schneller erregt. Deswegen ist das ‚managen‘ eines Asiaten ein bisschen einfacher. Das kann aber auch was mit der Tradition zu tun haben: Dass mit den Asiaten schon lange gearbeitet wird und viele von ihnen deswegen in menschlichen Siedlungen leben, nicht in der Wildnis wie die Afrikaner.  Aber wenn man diese trainiert, dann können sie die gleichen Sachen machen wie die Asiaten.

H.H.: Wo meinst du, ist das Zentrum der Elefantenforschung, praktisch wie theoretisch – in Asien, Europa, oder USA?

P.M.: Das wird hier in Europa in letzter Zeit immer mehr, in den USA gibt es aber schon lange viele Elefanten und auch Einrichtungen, die gewerblich mit ihnen  umgehen, also irgendwelche Erlebnisparks und viele Zirkusse. Daraus haben sich diese ganzen  ‚Management-Schools‘ und ‚-Workshops‘ entwickelt, lange bevor das in Europa damit losging. Es gibt aber auch hier in Berlin eine Elefantentradition –  durch die Zoos und Forschungseinrichtungen. Eine  wissenschaftliche Vorreiterrolle spielt inzwischen das Institut für Zoo- und Wildtier-Forschung (IZW), das ist in Friedrichsfelde, direkt am Tierpark. Da beschäftigen sich z.B.  Endokrinologen mit dem Östrogenzyklus von Elefantenkühen, Evolutionsgenetiker mit den Genen der Elefanten und Veterinärmediziner mit der künstlichen Besamung und der Anatomie und Physiologie von Elefanten. Und alle zusammen bemühen sich wahrscheinlich um den Schutz der letzten freilebenden Elefanten. Der Afrikaner hat darüber inzwischen so eine große Lobby bekommen, dass er wirklich massiv geschützt wird. Der hat es geschafft. Ich würde sogar sagen, in Afrika gibt es teilweise schon zu viele Elefanten. Beim Asiaten sieht das anders aus. In Asien gibt es – auf den gesamten Kontinent verteilt – maximal noch 60000, ungefähr die Hälfte davon wild lebend. Ihr Lebensraum wird da immer mehr eingeengt – und die Konflikte mit den Menschen nehmen zu. Hinzu kommen die Jagd nach dem  Elfenbein sowie bestimmte Traditionen: Es gibt da z.B. viele Tempelelefanten und diese weißen Elefanten, das sind Symboltiere, eingebunden in die Religion. Und dabei stehen dann  potente Bullen verhaltensgestört in  Tempeln rum, mit denen man eigentlich gut züchten könnte, was aber nicht passiert. Im rückständigen Burma gibt es noch die meisten Elefanten – ca. 6000. Die  Abschottung des Landes vom Westen hat dazu geführt, dass sich die Habitate nicht so schnell verändern. Und dann werden sie dort auch noch wirklich gebraucht. Das hat aber auch etwas Paradoxes: Die Teakholzwälder werden massiv abgeholzt, das gibt jedoch den Elefanten Arbeit – und somit Schutz. Wenn es aber gelingt, den Handel mit Tropenholz einzudämmen, dann verlieren die Mahuds ihren Arbeitsplatz und die Elefanten ihre Daseinsberechtigung. Der Tourismus kann das nur in ganz begrenztem Maß ausgleichen.

H.H.: So wie mit dem Elephant-Camp deines früheren  Arbeitskollegen in Nordthailand…

P.M.: Ja, und auch mit speziellen Elefanten-Reisetouren, die es inzwischen gibt. Bodo Förster bietet 14-Tage- und 3-Tage-Kurse an. Die zweiwöchigen sind ziemlich hart. Das machen auch manchmal Frauen mit, denen man nicht zutrauen würde, dass die das durchhalten. Wenn ich ihn besuche, dann erspare ich mir das, aber ich bin da natürlich trotzdem mit den Elefanten zusammen – mit einem gewissen Abstand allerdings: Bei jedem  Elefant, der mich nicht kennt und den ich nicht kenne, muß man vorsichtig sein. Ob ich nun Erfahrung mit Elefanten habe oder nicht – ich kann  trotzdem nicht einfach an den rangehen. Und wenn der Elefant einen nicht mag, dann läuft da sowieso  nichts.

P.S.: Dank an Anna Corves, die das Tonband-Interview mit Patric Müller abtippte. Er hat inzwischen seine Diplomarbeit abgeschlossen und ist jetzt  Lehrer in der Tierpfleger-Ausbildung.

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(1) Über Heiko Werning und seine diversen Aktivitäten schrieb ich 2007:

Neulich besuchte ich den Weddinger Heiko Werning – Redakteur der Terraristrik-Fachmagazine „Reptilia“ und „Draco“ sowie Herausgeber bzw. Autor mehrerer Bücher über Leguane, Agamen und Geckos. Daneben ist er noch regelmäßiger Teilnehmer an zwei Berliner Lesebühnen und betreibt mit einem Freund zusammen eine kleine Plattenfirma, denn er ist auch noch Musiker und Sänger – dazu noch sehr jung aussehend und meistens gut drauf.

In der „Reptilia“ veröffentlicht er neben  seriösen Fachartikeln regelmäßig eine eher witzige Glosse – mit dem Titel „Brutkasten“. Etwa 50 daraus wurden jetzt im Verlag „Natur und Tier“ unter dem Titel „Iguana a la carte“ neu veröffentlicht, wobei seine Kollegen von den Lesebühnen ihrerseits noch weitere  Tiergeschichten beisteuerten. Und dann hat  Heiko Werning noch eine zweite Kolumne – namens „Reptilienfonds“ – in der online-taz eröffnet. Derzeit ist er allerdings erst mal – zusammen mit seiner Frau, einer Biologin –  schwer mit dem gerade geborenen Sohn Wilko beschäftigt  – und dann sind auch noch fast alle seine chilenischen Bergleguane trächtig. Das ist nämlich das Reizvolle eines Besuchs bei ihm zu Hause, dass seine Parterrewohnung im Wedding voller Terrarien ist, in denen sich Leguane der verschiedendsten Arten tummeln. Für seine kleinen chilenischen hat er extra eine zweite Wohnung nebenan gemietet.

Da sie in großen Höhen leben, wo es im Winter, der in unsere Sommerzeit fällt, sehr kalt wird, muß er die Tiere demnächst  in einen künstlichen Winterschlaf schicken. Dazu verstaut er sie für ein paar Monate in seinem großen Kühlschrank. Für einige Arten hat er riesige Terrarien gebaut. Und die Echsen machen einen gehörigen Krach darin, wenn sie sich z.B. in der Paarungszeit lustvoll jagen bzw. anpöbeln. Daneben zirpt es überall in seinen zwei Wohnungen – von den  Futtertieren für seine Echsen: den  Grillen, die er gleich kiloweise einkauft. Habe ich schon erwähnt, dass er für seine Bücher und Zeitschriften auch die Photos selber macht, d.h. er ist auch noch laufend unterwegs – in die Anden, nach Nordamerika, an den Amazonas oder nach Indonesien z.B., wo er sich mit anderen Reptilienforschern trifft, um mit ihnen auf Beobachtungspirsch zu gehen.

Wie die berühmte alte Fischforscherin Ellen Thaler, die eine Kolumne in dem ebenfalls im Verlag „Natur und Tier“ erscheinenden Fachmagazin für Meerwasseraquaristik „Koralle“  hat, gehört auch der „Lizzardwatcher“ Heiko Werning zu den wegen der Genetik immer weniger werdenden Verhaltensforschern unter den Biologen. Als solcher ist er am Liebsten draußen in der „natürlichen Umgebung“ seiner Echsen – und läßt ihnen so quasi eine ganzheitliche Sichtweise angedeihen. Obwohl er nichts dagegen hat, auch mal eines seiner Lieblingstiere bzw. Studienobjekte zu verspeisen. Darauf deutet schon der Titel seiner soeben erschienenen Kolumnensammlung hin. In den Zeitschriften „Reptilia“ und „Draco“  geht es ständig darum, dass einerseits die Terrarianer und damit die Leser dieser Fachmagazine weltweit immer mehr werden und demzufolge auch laufend immer mehr lebende Echsen ge- bzw. verbraucht werden, andererseits aber alles getan werden muß, damit keine Art ausstirbt. Dieser sagen wir marktwirtschaftlich globale Widerspruch wird von Heiko Werning zum einen dadurch gelöst, dass seine Zeitschriften ein immer besseres Wissen über diese Tiere verbreiten (und für ihre „artgerechte Haltung“ auch die entsprechenden Futtermittel, Zusatzstoffe und technischen Hilfsgeräte im Annoncenteil anbieten), so dass die Leser in die Lage versetzt werden, ihre Terrariumstiere auch zur Vermehrung zu bringen – und damit immer mehr hier geborene Tiere in den Handel gelangen. In Gefangenschaft gezüchtete Reptilien leben zudem  länger als in Freiheit gefangene. Andererseits dient das von hunderten und tausenden von Hobbyterrarianern und hauptberuflichen Reptilienforschern weltweit zusammengetragene Wissen in diesen Fachmagazinen aber auch dazu, auf eine „gefährdete Art“ sogleich aufmerksam machen zu können und „internationale Rettungskampagnen“ für sie zu starten – zuletzt rief Heiko Werning eine solche zugunsten eines kleinen tropischen Urwald-Frosches ins Leben, dessen Art akut vom Aussterben bedroht war.

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https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2009/10/11/kopf-_und_handarbeit_-_in_der_wissensproduktion/

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kommentare

  • Es sei hier noch eine dritte Elefantenart erwähnt, auf die der Elefantenpfleger Patric Müller im Interview nicht zu sprechen kam. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 22.12.:

    Die Familie der Afrikanischen Elefanten hat ein neues Mitglied: Der Afrikanische Waldelefant ist eine eigene Art, die sich schon vor Millionen Jahren vom Savannenelefanten abgespalten hat. Das schließen Forscher um Nadin Rohland von der Harvard Medical School aus einem Vergleich des Erbguts verschiedener Elefanten sowie der ausgestorbenen Mastodonten und Mammuts (PLOS Biology, online).Der Afrikanische Waldelefant ist nur halb so schwer wie der Savannenelefant und misst an der Schulter nur 2,5 statt 3,5 Meter. Auch ihre Lebensräume sind getrennt – Wald oder Savanne, beides geht nicht.

    Dennoch galt der Waldelefant bis Anfang des Jahrzehnts als eine Unterart des Savannenelefanten. Seither ist die Frage umstritten, ob es sich um eine oder zwei Arten handelt. Die Erbgutanalyse stützt jetzt die These getrennter Arten. Die Wissenschaftler analysierten Abschnitte im Erbgut von Wald- und Savannenelefanten, Asiatischen Elefanten sowie von DNS aus Fossilien der ausgestorbenen Mastodonten und Mammuts und verglichen sie mit Computersimulationen möglicher Entwicklungsszenarien.

    Nach Ansicht der Forscher muss die Familienchronik der Elefanten teils neu geschrieben werden: Vor vier bis neun Millionen Jahren trennten sich demnach eurasische und afrikanische Elefanten. Während sich die eurasische Linie vor 2,5 bis fünf Millionen Jahren in Mammuts und die heutigen asiatischen Elefanten teilte, spalteten sich etwa gleichzeitig die afrikanischen Wald- von den Savannenelefanten ab. ‚Die Trennung von Savannen- und Waldelefanten ist fast so lange her wie die von Menschen und Schimpansen‘, sagt Michael Hofreiter von der University of York, einer der Autoren der Arbeit.

  • wow,-oder besser:trööt….1 elefant von text und spannend bis ans ende.bin 1X bei haake beck in hamburg hinterm mahut (auf dem kopf!),dem des ele ph anten,mitgeritten.5jahre ich und riesig stolz….. elefantös….

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