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vonHelmut Höge 23.04.2010

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Der „taz-Hedge-Fonds“ reichte für vier Heckensträucher – zwschen Straße und Café-Garten, damit die Spatzen von dort im Gebüsch aus über die Krümel auf den Tischen herfallen können. Die Sträucher sind inzwischen gepflanzt und auch schon drei mal gegossen worden. Nun geht es morgen weiter mit einem Vortrag von Peter Berz und mir über Spatzen – in der  Berliner Galerie „Morgenvogel Real Estate“. Die Veranstalter,  Maria-Leena Räihälä und Manuel Bonik, schreiben:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,

am Samstag, den 24. April, um 20 Uhr laden wir ein zu dem Vortrag „Die Metaphysik der Spatzen“

1958 kam es im Rahmen des „Großen Sprungs nach vorne“ in China zu einer Hygienekampagne, die eine Ausrottung der „vier Übel“ zum Ziel hatte:
Ratten, Fliegen, Mücken, Spatzen. Die ARD erinnerte kürzlich daran: „Mao Tse tung wollte Ernteausfälle bekämpfen und rief zum Krieg gegen die
Schuldigen auf, die angeblich zu viel Getreide vertilgten: zum Krieg gegen den Spatz! 600 Millionen Chinesen mußten gegen den gefiederten
Volksfeind antreten. Sie veranstalteten einen infernalischen Lärm, um die sensiblen Vögel so zu ängstigen, dass sie so lange in der Luft
umherschwirrten, bis sie schließlich erschöpft oder tot zu Boden fielen. Am Ende haben die Chinesen an die zwei Milliarden Tiere erschlagen …
Aber Maos Spatzenkrieg geriet zum Desaster: Die Ernteausfälle stiegen dramatisch an, eine große Hungersnot begann. Kein Wunder: Fressen doch
Spatzen sehr gerne Getreideschädlinge! China mußte nun Spatzen importieren – ausgerechnet vom ungeliebten Nachbarn Russland. Für Mao
eine Riesen-Blamage. Bis heute aber ist der Spatz in China rar geblieben.“

Auch wenn daran so gut wie kein Wort wahr ist, soll es in unserem Vortrag darum gehen, daß auch hierzulande die Spatzen „rar“ werden. Nur
bestehen die „vier Übel“ darin, dass die Landwirtschaft immer industrieller wird, dass in Stadt und Land die Hecken gerodet werden,
dass bei Hausrenovierungen die Rankengewächse an den Fassaden runtergerissen werden und dass Nischen sowie Mauerlöcher als Brutplätze
verschwinden. In Bayern und Nordrhein-Westfalen will man den Spatz bereits auf die Rote Liste der gefährdeten Arten setzen. Anders in
Berlin. Hier tummeln sich, dönergefüttert und im warmen Berliner Sand badend noch relativ viele  marodierende Spatzentrupps. Mit unserem Vortrag wollen wir denn auch weniger der „Gefährdung“ als dem „Gefährte-Werden“ des Spatzen nachgehen…

Japanspatz von Katsushika Hokusai

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