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vonHelmut Höge 27.05.2010

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Dieser Poller in Bamberg hatte anfangs – 2001 – eine perfekte mimetische Beziehung zum Baum aufgebaut, aber dann wuchs dieser einfach weiter. Da war irgendwann guter Rat teuer.

Vergangenheitsgeschäfte

Der Religionswissenschaftler Mircea Eliade erzählte einmal folgende Geschichte: Sein Bukarester Professor besuchte Berlin und ging in eine Vorlesung des schon lange emeritierten Theodor Mommsen. Dieser sprach im überfüllten Audimax der Humboldt-Universität über das Athen der ersten Philosophen: Wo sich wer mit wem getroffen und was sie dabei besprochen hatten. Eliades Professor saß in der hintersten Reihe. Als der Vortrag zu Ende und der Appplaus verklungen war, blieb er noch eine Weile ergriffen im Saal. Der Universitätsdiener kam und half Mommsen, seine Sachen zusammenzupacken, anschließend geleitete er ihn aus der Universität und bis vor seine Haustür. Eliades Professor folgte den  beiden. Mommsen, der sich im alten  Athen quasi wie in seiner Westentasche auskannte, war nicht mehr imstande, in Berlin-Mitte allein nach Hause zu finden.

Kürzlich besuchte ein FAZ-Redakteur, Nils Minkmar, die antiken Stätten: Am einstigen „Arbeitsplatz des Sokrates“ – auf dem Marktplatz: der Agora – stehen heute „halbhohe Hightechsäulen“ mit Touchscreens, an  denen man fünf Ansichten und philosophische Sprüche abrufen kann. Dieses EU-Projekt störte den Redakteur, der an Ort und Stelle einen gedanklichen Bogen von der antiken Polis bis zur griechischen Finanzkrise ziehen wollte. Sokrates, so erinnerte er sich, hatte dort auf dem Marktplatz den Wahrsager Euthyphron getroffen, laut Platon waren sie beide auf dem Weg zum Gericht gewesen. Sokrates, weil Meletos ihn wegen Mißachtung der Götter und Verwirrung der Jugend angezeigt hatte (weswegen man ihn dann auch zum Tode verurteilte), und Euthyphron, weil er seinen Vater wegen Mordes an einen Sklaven anzeigen wollte. Sokrates redete  ihm das jedoch mit zwingenden Argumenten aus.

Wir erinnern uns an einen etwas anders gelagerten Fall in der Sowjetunion: Pavel Morossow. Der Jungpionier hatte es sich 1932 nicht ausreden lassen, seinen Vater anzuzeigen – weil der Getreide vor der Requirierungskommission versteckt hatte. Die  Verwandten seines kulakischen Vaters brachten daraufhin den kleinen Pawel Morossow um. Und die Kommunisten machten dann einen Märtyrer der Revolution und der Kollektivierung aus ihm. Heute erinnert in seinem Heimatdorf Gerassimowka ein Museum an diese Kettenreaktion.

In Deutschland werden immer mehr ehemalige Nazi-Greuel-Stätten musealisiert: Im April der mit EU-Infostelen und Pädagogik-Pavillon aufgerüstete Endpunkt des Todesmarsches der KZ-Häftlinge im Wald hinter Wittstock. Und kürzlich nach 23jähriger Planungs- und Bauzeit die „Topographie des Terrors“ auf dem Gelände des ehemaligen Gestapo-Hauptquartiers.

In Osteuropa geschieht Ähnliches mit den Resten der Konzentrationslager. Auschwitz hat sich bereits zu einem wahren Touristenmagneten entwickelt. Andere KZs folgen. Sie werden dadurch zu „Gebietskulissen“. Der tschechische Schriftsteller Jáchym Topol hat das Ergebnis dieser Musealisierung und Eventkultur bereits vorweggenommen – in seinem soeben  erschienenen Buch „Die Teufelswerkstatt“. Es geht darin um eine Gruppe junger Theresienstädter, die zusammen mit einigen ausländischen „Pritschensuchern“ (deren Großväter bzw. -mütter hier im Ghetto einst interniert waren) den Fremdenverkehr in ihrer an sich toten KuK-Garnisonsstadt in Schwung bringen. Nachdem sie das geschafft haben, kommen die entsprechenden Gedenkstätten in Weissrussland dran. Einer der einheimischen Initiatoren meint zu dem theresienstädter Tourismusexperten: „Sieh dir die Polen an, mit ihrem Katyn. Schon wieder sind sie uns einen Schritt voraus…Aber was ist mit unserem Chatyn? Das kennt keiner!“ Und damit das nicht so bleibt, entsteht dort ein „Jurassic Park des Grauens“.

Topols „Roman handelt vom kalkulierten Profit des osteuropäischen Gedenkstättenmarketings“, schreibt die Berliner FAZ-Rezensentin Stefanie Peter. Kann man da bereits eine gewisse Standortkonkurrenz heraushören? In bezug auf musealisierte  Nazi-Greuelstätten möchte Berlin sich nämlich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Hinzu kommen noch die ganzen Stasi-Greuelstätten. Für das zwei Hektar große „Holocaust-Mahnmal“ in bester Immobilienlage läßt der Senat regelmäßig und stolz die Besucherzahlen veröffentlichen. Das „Mauermuseum“ am ehemaligen „Check Point Charly“ hat von allen 201 Berliner Museen täglich die meisten Besucher. Und ganz allgemein gilt Deutschland als nahezu unumstrittener Weltmeister bei der Aufarbeitung der eigenen (dunklen) Vergangenheit.

Wenn eine Abordnung von Bundeswehrsoldaten die Hauptstadt  besucht und hier eine Stadtrundfahrt auf ihrem Programm steht, dann nimmt der verantwortliche Offizier den „City-Guide“ (so heißen nun die in ihrer neuen Selbständigkeit wiedervereinigten Ostberliner Stadtbilderklärer und die Westberliner Stadtführer) vorher beiseite und nimmt ihm das Versprechen ab, „Nichts Nationalsozialistisches“ zu zeigen. „Eigentlich ein Unding in Berlin,“ wie der City-Guide Wolfgang Borchers (43) meint.

Touristen-Poller am Eingang der Peripatetiker-Schule des Aristoteles. Dabei handelte es sich um eine Wandelhalle (Peripatos) abseits des Marktplatzes – genauer gesagt: in einem Park außerhalb der Stadtmauern. Photos: Peter Grosse


Herumschnüffeln

Das „Nosing around“ ist ein methodologischer Begriff aus der amerikanischen Soziologie. Er stammt aus dem Polizei- und Detektiv-Jargon Anfang des 20.Jahrhunderts und bedeutet so viel wie „herumumschnüffeln“. Damals studierte eine Gruppe amerikanischer Intellektueller um Robert E. Park in Deutschland Phänomenologie bei Edmund Husserl, anschließend gingen sie in die USA zurück, wo einige von ihnen Chefredakteure von Tageszeitungen wurden. Diese befanden sich gerade im Umbruch: Es waren bis dahin größtenteils Abonnentenblätter gewesen – mit einem – ideologisch-politisch-religiösen Leserstamm, nun fingen sie an, sich marktwirtschaftlich auszurichten, d.h. täglich aufs Neue um Käufer zu buhlen – u.a. mit Schlagzeilen und Stories, die von Straßenverkäufern angepriesen wurden und potenziell jeden interessieren sollten.

Dazu gehörte es, dass die Journalisten nun mehr und mehr über die städtische Wirklichkeit, bis in ihre verborgensten Winkel hinein, berichteten, wobei sie nicht selten mit der Polizei kooperierten. Gleichzeitig erlebten diese Reporter einen sozialen Aufstieg – bis dahin hatte man sie in etwa einem Facharbeiter gleichgestellt. Robert E. Park und seine Gruppe zog sich  bald aus dem Zeitungsgeschäft zurück und gründete die inzwischen berühmte „Chicago School of Sociology“, in der ihre journalistischen Recherche-Methoden nun auf die wissenschaftliche Feldforschung übertragen wurden – u.a. das „Nosing around“. An der Humboldt-Universität und der Hamburger Universität lehrt der Berliner Professor Rolf Lindner „europäische Ethnologie“ – und sein diesbezüglicher Forschungsansatz beginnt mit dem von Robert E. Park, dem er bereits seine Dissertation widmete: „Die Entdeckung der Stadtkultur. Soziologie aus der Erfahrung der Reportage.“

Am Lehrstuhl von Lindner entstanden u. a. eine Studie mit Portraits der hiesigen Migrantenszenen („Durch Europa. In Berlin“) sowie eine Untersuchung des „Mythos Kreuzberg“. Lindner selbst veröffentlichte zuletzt „Eine Geschichte der Stadtforschung: Walks on the Wild Side“. Die Stadtforschung der Chicagoer Soziologen und noch früher die des englischen Sozialforschers Henry Mayhew sowie auch die sich daran anschließenden Versuche der bis 1933 existierenden „Sozialen Arbeitsgemeinschaft Berlin Ost“ von Siegmund-Schultze im Berliner Arbeiterbezirk Friedrichshain verdanken sich primär der Angst des Bürgertums vor den ansteckenden Krankheiten der armen Klassen. Dazu kam bald noch die Furcht vor deren antibürgerlichem Furor. Letzteres ist bis heute der Grund, warum es die Stadtforscher, Filmemacher und Journalisten immer wieder in die Berliner „Problembezirke“ Kreuzberg und Neukölln zieht – besonders im Vorfeld des 1.Mai, der hier 1987 zu einem erfolgreichen Straßenkampf um die Autonomie des Bezirks führte, d.h. der Teil Kreuzbergs, den man S.O. 36 nennt, war für einige Stunden „bullenfrei“.

Das städtische „Nosing around“ mit aufrührerischem, nicht pazifizierendem Anspruch enwickelte die „Situationistische Internationale“ in den Fünfzigerjahren. Einer ihrer Wortführer, Guy Debord, prägte dafür den Begriff „dérive“: Umherschweifen und machte dazu eine ganze Reihe methodologischer Vorgaben – z.B.:

Versuchen Sie die Orte in der Stadt zu finden, wo sich das soziale Gewitter zusammenbraut! Aber auch: Finden sie den langweiligsten Ort und betrinken sich dort! In Debords „Theorie des Umherschweifens“ heißt es: „Dieses Konzept ist untrennbar verbunden mit der Erkundung von Wirkungen psychogeographischer Natur und der Behauptung eines konstruktiven Spielverhaltens, was es in jeder Hinsicht den klassischen Begriffen der Reise und des Spaziergangs entgegenstellt.“ Die Tätigkeit der Situationistischen Internationale gipfelte in den Mai 1968, wenn man so sagen darf.

Seit den Achtzigerjahren gibt es neben solcherart Anleitung zum Aufruhr-Schüren auch noch eine eher kontemplative „Spaziergangsforschung“, die von ihrem Basler Erfinder Lucius Burckhardt auch „Promenadologie“ genannt wurde. Aber auch diese aus der Architektur und dem Urbanismus stammende Stadtforschung scheut nicht vor Aktionen zurück. Ein heute an der Universität Leipzig „Seminare zur Stadtwahrnehmung“ anbietender Schüler des zuletzt in Kassel lehrenden Lucius Burckhardt erinnert sich: „Eines Tages ist das ganze Seminar von ihm auf die Straße gezogen, mit Stühlen und Tischen, und wir haben zwei Parkplätze am Straßenrand okkupiert. Obwohl wir die Parkgebühr entrichtet hatten, wurden wir von aufgebrachten Autofahrern angehupt, uns wurde der Vogel gezeigt, und nach zehn Minuten war die Polizei da. Eine kleine Intervention, die auf das unsichtbare Design der Stadt verweist.“

Vielleicht kann man es so sagen: in der „Spaziergangswissenschaft“ vereinigen sich im Idealfall Walter Benjamins „Flaneure“, die sich ihre Gehgeschwindigkeit in den Pariser Passagen von Schildkröten, die sie an der Leine führten, bestimmen ließen, mit den aktionistisch gestimmten „Dérivatoren“ von Guy Debord und den herumschnüffelnden Stadtsoziologen der Chicagoer Schule, deren Methoden erst von der Kölner Schule um René König und dann von der Pariser um Pierre Bourdieu aufgegriffen wurden. Aus der „Chicagoer Schule“ kamen jüngst die Studien „Ein Leben für den Ring. Boxen im amerikanischen Ghetto“ von Loic Wacquant und „Underground Economy“ von Sudhir Venkatesh.

Mich würde ich als „Peripatetiker“ bezeichnen, also als jemanden, der gerne und oft zu Fuß unterwegs ist, um zu grübeln bzw. um über etwas nachzudenken. Mit Nietzsche könnte ich sagen: „Nur die ergangenen Gedanken haben Wert!“ Für die Stadtforschung gibt diese Art der Herumstreifens jedoch nicht viel her. In dieser Hinsicht orientiere ich mich eher am Forschungsbegriff des ehemaligen „Fischbüros“ in der Köpenickerstraße. Ein typischer Dialog am Tresen dieser postautonomen Einrichtung, aus dessen Keller einst die „Love-Parade“ ans Tageslicht kroch, mag ihn verdeutlichen: „Machen wir noch eine Bierforschung oder eine Nachhausegehforschung?“ „Ich muss jetzt erst mal ’ne Dönerforschung machen!“

Der Stadtforschungsbegriff des Kreuzberger „Fischbüros“ berührt sich mit dem des Pariser Soziologen Michel de Certeau. Dieser begreift einerseits die Totalität der Lebensverhaltnisse in unseren heutigen „elektronisierten und informatisierten Riesenstädten“ als eine Besatzungsmacht und andererseits den vereinzelten Konsumenten darin als einen Partisan des Alltagslabens. Dieser muß nämlich ständig versuchen, die zahlreichen und unendlichen Metamorphosen des Gesetzes dieser Ökonomie in die Ökonomie seiner eigenen Interessen und Regeln ‚umzufrisieren'“. Seine Mittel sind dabei „ortlose Taktiken, Finten, eigensinnige Lesarten, Listen…“ Bereits der Kriegstheoretiker Clausewitz verglich die List mit dem Witz: „Wie der Witz eine Taschenspielerei mit Ideen und Vorstellungen ist, so ist die List eine Taschenspielerei mit Handlungen“. Für Certeau sind nun „die Handlungsweisen der Konsumenten auf der praktischen Ebene Äquivalente für den Witz“. Wobei die intellektuelle Synthese ihrer Alltagspraktiken nicht die Form eines Diskurses annimmt, sondern „in der Entscheidung selbst liegt, d.h. im Akt und in der Weise, wie die Gelegenheit ‚ergriffen wird'“. Dennoch lassen sich diese operationalen Leistungen auf sehr alte Kenntnisse zurückführen: „Die Griechen stellten sie in der Gestalt der ‚metis‘ dar. Aber sie reichen noch viel weiter zurück, zu den uralten Intelligenzien, zu den Finten und Verstellungskünsten von Pflanzen und Fischen, Jägern und Landleuten. Vom Grunde der Ozeane bis zu den Straßen der Megapolen sind die Taktiken von großer Kontinuität und Beständigkeit. In unseren Gesellschaften vermehren sie sich mit dem Zerfall von Ortsbeständigkeit“.

Ohne die Möglichkeit, den immer engmaschigeren Systemen zu entkommen, bleibe dem „Individuum“ nur noch die Chance, sie immer wieder zu überlisten, auszutricksen, „Coups zu landen“. Im Endeffekt geht es dabei um „Lebenskunst“, wobei die partisanischen Tugenden und Taktiken dazu dienen, im Dschungel der Interessen und Informationen individuell zu bestehen und sogar erfolgreich zu sein.

Was könnte dies für eine Stadtführung bedeuten?

Dazu hat der Warschauer „City-Guide“ Boris Sieverts Erhellendes beigesteuert. Ich zitiere ihn aus einem Interview, das der Slawist Philipp Goll kürzlich mit ihm führte. Es ging darin um Sieverts Alternative zu den herkömmlichen Stadtführungen, die normalerweise nur die „Schauseiten“ einer Stadt zeigen. Diese haben die „Funktion einer guten Stube“ – also einer „Sonderfunktion“ (z.B. für Touristen), damit sollte man jedoch nicht anfangen, sondern mit dem „Normalfall“. Das dem bisher so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, hat nach Meinung von Sieverts „mit unserem Blick zu tun, der häufig gar kein Blick ist, sondern ein Reproduzieren von Bildern im Kopf, also eher eine Gedächtnis- und Sehnsuchtsleistung als ein echtes Hinschauen in einer gegenwärtigen Situation.

Mein Blick wurde unter anderem durch meine Arbeit als Schäfer geprägt. Als Schäfer halten Sie sich so lange, ausdauernd und wiederkehrend an Orten auf, für die es keine Bildschablonen gibt, daß sie irgendwann zwangsläufig anfangen, die Dinge neu zu sehen. Wir hüteten damals in Frankreich längs einer Nationalstraße. Da gibt es eine stark autobezogene Infrastruktur, mit Raststätten, Supermärkten und großen Parkplätzen. Dazwischen sind viele aufgegebene landwirtschaftliche Flächen. Wir haben die Schafe z. B. auf den Grünflächen zwischen Baumarkt und Raststätte gehütet. Von der Straße aus sind das ja nicht mehr als Systemelemente, aber wenn man sie nun von hinten sieht, so wie wir mit den Schafen dorthin gekommen sind, ist das auf einmal eine Blechbox in der Landschaft und nicht mehr ein Systemelement. Zwar ein a-historischer, aber ein Teil der Landschaft. So eine Blechbox wird auf einmal zu einer Erscheinung. Und darum geht es mir eigentlich immer. Die Dinge als Erscheinung erfahrbar zu machen. Deswegen sind mir auch die Informationen zu einem Objekt erstmal gar nicht so wichtig, sondern die Situation, in der es steht.“

Philipp Goll fragte Sieverts daraufhin:

„Diese Konzentrierung auf die Situation war auch ein wichtiges Merkmal der Situationisten, einer Gruppe von Künstlern und Architekten, die in den 1960er Jahren das Bewusstseinsmuster der Städtebewohner zu sprengen versuchte. Damit versuchten sie eine andere Städteerfahrung möglich zu machen. Siehst Du dich in dieser Tradition?“

Sieverts antwortete:

„Auch. Situation ist ein wichtiges Stichwort. Ich führe ja nicht durch Orte, sondern letztendlich durch Situationen. Ich führe auch nicht zu Häusern oder Objekten, sondern es geht mir immer um die Situation.“

Er hätte vielleicht auch sagen können: „Das Einzige was zählt, ist der Augenblick, aber auch das Jahrhundert!“

Zur Lektüre wurde mir gerade das Buch „Mimesis“ von Erich Auerbach empfohlen. Dazu könnte man gut das Mimesis/MimikryBuch von Roger Caillois „Méduse & Cie“ noch einmal lesen. Ob man auch noch mal zu Wolfgang Wicklers Standardwerk „Mimikry. Nachahmung und Täuschung in der Natur“ greifen muß, weiß ich jedoch nicht.

Zwar hat der Dichter Ossip Mandelstam einst sein “Schach” von der Literatur auf die Biologie gesetzt, damit “das Spiel” ehrlicher werde, wie er sagte, dennoch gab er dabei zu bedenken: “Es ist unmöglich, der Darwinschen Gutmütigkeit zu widerstehen…Doch ist denn die Gutmütigkeit eine Methode schöpferischer Erkenntnis und ein würdiges Verfahren der Wahrnehmung des Lebens?”

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kommentare

  • Die Zufußgeherei bzw. das langsam Erkunden einer Gegend, durch die man herumstreift, schlägt sich zunehmend auch in der Literatur nieder:

    Als erstes sei Johann Gottfried Seumes „Spaziergang nach Syrakus“ erwähnt.

    Berühmt wurde Bruce Chatwins „In Patagonien“.

    Sowie auch die diversen Exkursionen durch Osteuropa von Andrzej Stasiuk.

    Ein Bestseller wurde kürzlich Hape Kerfkelings „Ich bin dann mal weg“.

    Ebenfalls gut verkaufte sich „Berlin – Moskau: Eine Reise zu Fuß“ von Wolfgang Büscher.

    Ich begeisterte mich dagegen eher für Landolf Scherzers erwandertes Buch „Der Grenzgänger“.

    Es fand jetzt seine Fortsetzung in seinem Buch „Immer geradeaus“, für das er entlang der Grenzen zwischen Ungarn, Kroatien, Serbien und Rumänien wanderte.

    Wenig Freude machte mir dagegen Ulrich Grobes Rhön-Wanderbuch „Vom Wandern. Neue Wege zu einer alten Kunst“

    Und Judith Borowskis gesammelte Stippvisiten „Knietief im Osten: Reisen durch ein fremdes Land“

    Und dann gibt es auch noch einen Engländer, der durch den Kaukasus wanderte sowie einen Amerikaner, der selbiges in Afrika unternahm.

  • Zu Vergangenheitsgeschäfte:

    „Vom kritischen Gebrauch der Erinnerung“ – herausgegeben von Thomas Flierl und Elfriede Müller, dietz-verlag Berlin 2009

  • Jens Beiderwieden (Düsseldorf):

    Wikipedia gibt zu bedenken:

    „Nicht immer ist eine klare Abgrenzung zwischen Mimikry und Mimese möglich; ein Beispiel hierfür ist die afrikanische „Teufelsblume“ (Idolomantis diabolicum), eine Fangschrecke, die aufgrund ihres verbreiterten Vorderleibs und der blattartigen Anhänge ihrer Vorderbeine einer Blüte ähnelt. Während viele Insektenarten diese „Blüte“ nur als Ruheplatz nutzen (Mimese) und gefressen werden, werden andere Arten von diesem vermeintlichen Futterplatz angelockt (Peckham’sche Mimikry) und gefressen. Dieses Beispiel macht zugleich deutlich, dass der Empfänger des nachgeahmten Signals (die Interpretation des Signals durch den Empfänger) entscheidend ist für die Einordnung eines Phänomens als Mimikry.“

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