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vonHelmut Höge 29.11.2010

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Surf-Break am Strand von Malibu


Seltsam:

Es mehren sich die Regionalkrimis, in denen aufs Land gezogene Ehepaare oder einzelne Intelligenzler aus der Stadt – mit Eso-, Bio- und Hippie-Neigungen – einfach ermordet werden. Zu den Opfern gehören nicht selten auch auf dem Land investierende Unternehmer und Aktionen unternehmende  Umweltschützer, die im Zusammenhang eines „Großprojekts“ zu Gegnern wurden. Diese Romane könnte man auch zu den „Dorfkrimis“ zählen, ein Genre, das  umgekehrt proportional zum „Sterben der Dörfer“ anzuschwellen scheint. Oft haben die ermordeten Städter ein Geheimnis, auf das die Ermittler erst einmal kommen müssen – um weiter zu kommen. Und viele  Ermittler kommen selbst aus der Stadt bzw. lassen sich in ihr Heimatdorf abkommandieren, um den dortigen „Fall“ zu lösen. Manchmal sind es aber auch einfach die Nachbarn, die intellektuell und neugierig genug, den Täter ermitteln. Wenn sie sich dabei zu blöde anstellen, wird der Leser unmutig. Immer öfter geraten auch lokale Bürgerinitiativen, zumal wenn sie Neigung zur Militanz zeigen,als Täter ins Visier der Ermittler.

So veröffentlichte der Pforzheimer Reisejournalist Rainer Würth. 2009 einen Regionalkrimi:  „Krötenwanderung“, der um eine Einwohnerversammlung bzw. Bürgerinitiative in einem „gutbürgerlichen Wohngebiet am Rande des Schwarzwaldes“ kreist. Es geht dabei um ein aufwendiges Straßenbauvorhaben der Stadt, das die Anwohner selbst bezahlen müssen, was tragische Verdrängungsprozesse zur Folge hat, während der Leiter des Bauamtes und der Bürgermeister davon privat profitieren. Der Bauamtsleiter wird nach Besuch einer BI-Versammlung ermordet, die im Bau befindliche Villa des Bürgermeisters wenig später abgefackelt.  Der Verdacht fällt zunächst auf einige tumbe Neonazis, die sich mit den lokalen Punkern (Antifas) in den Haaren liegen, aber dann wird der Sprecher der BI, ein Journalist, verhaftet, dessen Gewissen zwar rein ist, den sich aber der Bürgermeister schon lange hinter Gittern wünscht.

In einem anderen „Schwarzwald-Krimi“ – von den Villinger Journalisten Alexander Rieckhoff und Stefan Ummenhofer: „Honigsüßer Mond“ geht es ebenfalls um eine Bürgerinitiative. Die Handlung spielt in einem Schwarzwalddorf, in dessen Nähe sich eine Sekte als Landkommune angesiedelt hat, die wegen ihres guten Honigs bekannt ist. Die Kommunarden sind gegen die Verschmutzung des Äthers mit Mobilfunk-Sendern. Ebenso ein Teil der Dörfler, die deswegen eine Bürgerinitiative gegen die Aufstellung eines Funkmastes gegründet haben, der das Funkloch, in dem sie bisher lebten, beseitigen soll.

In Norddeutschland spielen bereits mehrere Regionalkrimis, die sich um Windkraftanlagen drehen: Mit Gegnern (Umwelt- und Naturschützer bis hin zu „Öko-Terroristen“) und Befürwortern (Politiker, Polizei, Konzerne, lokale Strohmänner und -frauen). Ein ähnlicher Regionalkrimi um Windkraftanlagen spielt in der Eifel. Und auch der neueste „Eifel-Krimi“ von Jacques Berndorf: „Der Nürburgring“ handelt von einer letztlich ökologischen Sauerei, nämlich der Verschwendung von Steuergeldern zur Verschandelung eines nicht unwichtigen Teils der Eifel. Für diesen Regionalkrimi, der in der Staatskanzlei vom Ministerpräsidenten vorgestellt wurde, gab es 60.000 Vorbestellungen. Er wurde auch nicht im Feuilleton besprochen, sondern auf den Politikseiten. Inzwischen gibt es auch schon acht Regionalkrimis, in denen die Privatisierung der Wasserversorgung thematisiert wird, für die Mehrzahl sind die dabei aneinandergeratenen Parteien jedoch nur ein Anfangsverdacht, d.h. die Geschichten laufen auf Verbrechen hinaus, die nichts mit dem Wasser, ihren Privatiseuren und Kommunalisierern,  zu tun haben.

Überbräunte Hippiebraut am Strand von Laguna Beach


Auf der diesjährigen Buchmesse wurde das gesteigerte Interesse an „Regionalkrimis“  (mit und ohne Kochrezepte) quasi offiziell zur Kenntnis genommen. Auch das Fernsehen bringt fast nur noch Krimis, wie taz-Medienredakteur Steffen Grimmberg meint, der auch schon in einer TV-Krimijury saß und einige Gründe für die vielen Krimis kennt, die von den  Sendern fast täglich ausgestrahlt werden, u.a. den, dass die Autoren den Sendeverantwortlichen laufend mit neuen Drehbüchern kommen – und die sich meistens nur dadurch zu helfen wissen, dass sie die Schriftsteller mit dem guten Rat wieder nach Hause schicken: „Machen Sie einen Krimi draus!“

„Neue Medien, wo sie zu einer medialen Dominanz gelangen, heben überall für die Zeit ihrer Einführung und Durchsetzung den Pegel der offenen, gesellschaftlichen Gewalt,“ orakelte der Medienforscher Klaus Theweleit.

Und der Haitiforscher Hans Christoph Buch gibt ihm Recht:  „Alle lieben Kriminalromane – oder nicht? Es genügt, die Namen der bekanntesten Detektive zu nennen, um Übereinstimmung zu erzielen darüber, dass es sich um einen Hauptstrang der Literatur handelt, der aus der Gegenwart nicht mehr wegzudenken ist – ganz zu schweigen von der Vermarktung der Krimis als Groschenheft oder Comic-Strip, im Theater, Film und Fernsehen.“

Aber im Gegensatz zu dem zum deutsch-ehrbaren  Fußballfan gewordenen Theweleit bleibt der Schriftsteller Buch der Hochkultur in Treue fest verbunden: „Ich bin ein Krimi-Muffel und lese Kriminalromane nur selten zu Ende, weil mich die Lösung des Rätsels, wer wen wie und warum ermordet hat, nicht wirklich interessiert.“

Im 2. Eintrag dieser Serie über Regionalkrimis hatte ich bereits erwähnt, dass das Wort „nicht wirklich“ in fast allen Regionalkrimis vorkommt (siehe: http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2010/07/08/regionalkrimis_2_nicht_wirklich/). H. Chr. Buch gebraucht dieses US-Modewort „nicht wirklich“ in seinem Artikel „Warum ich ein Krimi-Muffel bin“ sogar zweimal. Es ist ein paradoxer Text, denn der Autor, den die Frage „who’s done it“, ebenso wie das Genre Kriminalromane und die „Trivialliteratur“ überhaupt, von „wichtigeren Problemen“ bloß ablenkt, entpuppt sich darin als ein wahrer Krimi-Fan, indem er alle die von ihm gelesenen Klassiker aufzählt, von Ödipus über  Hamlet und Macbeth bis zu Dostojewski und Poe, in denen es um „Verbrechen und Strafe“ geht. Dabei kommt er zu dem Schluß: Genaugenommen sind fast alle „Werke der Weltliteratur“ Krimis, aber „95% aller Krimis sind Gebrauchsliteratur ohne Kunst- oder Informationswert, appellierend an niedere Instinkte…Fastfood.“

Woher nimmt er diese absolute Geschmackssicherheit bis hinters Komma: 95,0 % – wenn er doch kein einziges Stück „Trivialliteratur“ gelesen hat? Dafür hat er selber mal ein derartiges Stück geschrieben: über ein Hippiemädchen, das ihm den Zugang zur Anti-AKW-Bewegung in Lüchow-Dannenberg gewährte, wo die Buchs damals ein Landhaus besaßen: „Bericht aus dem Inneren der Unruhe. Gorlebener Tagebuch“, 1979 im Märzverlag erschienen. Als Märzverleger Jörg Schröder das Manuskript in die Hände bekam, sagte er sich: So ein Mist! Das veröffentliche ich jetzt. Damit ist der Buch erledigt. Als ich das Märzbuch dann in die Hände bekam, war ich jedoch enttäuscht: Ich fand es ziemlich brauchbar – für meine Zwecke jedenfalls: eine kleine Geschichte der Bürgerinitiativen in der BRD zu schreiben (siehe:  http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2009/12/29/friesland_zeigen_lassen_18/ ).

Müdes Strandleben in Venice


„Viel Farbe, Atmosphäre, Detailversessenheit“ – Thomas Pynchons  neueste „Hippiephanien“als Regionalkrimi

Ähnlich wie in seinem berühmten Werk  „Die Enden der Parabel“ schwelgt Thomas Pynchon auch in seinem neuesten Buch: „Natürliche Mängel“, der als Detektivroman annonciert wird, in allen möglichen und unmöglichen Farben.

Das beginnt auf Seite 11 „mit einer dunkelroten psychedelischen Birne“. Es folgen: „Chinesischrot, Chartreusegrün und Indigoblau“, „Ultraviolet“, „Aquamarin“, „Grün und Magenta“, „fuchsienrote Plastikpolster“, „tropisches Grün“, ferner eine „Asiatin in türkisfarbenem Cheongsam“, eine „Blondine in türkisblauem und orangenem Leuchtfarbenbikini“, „Schwarzlichtsuiten mit fluoreszierendem Rock’n Roll-Postern“, „indigofarbenes Licht“, „eine Vielzahl von Farbtönen, darunter Rotbraun und Blaugrün“, „Orange County“, „Luz in voller Farbenpracht“, „schwarze Extremistengruppen“, eine „flaschengrüne, phosphoreszierende Brandung“, „eine knallgelbe Mondsichel“, ein „kastanienbrauner Auburn mit Innenausstattung in Walnußholz“, „Schwarzweißfernseher“, mit „grell aquamarinblauen Plastikhalmen“ als Dekoration, eine „Lagunenlandschaft in psychedelischen Farben“, eine „Farbe“ -wechselnd „zwischen Orange und einem intensiven Pink“, sich „mehr ins Ultraviolette veränderndes Licht“, „Goldener Fang“, eine „Strandbude mit lachsroten Wänden und aquamarinblauem Dach“, ein „Kimono in Grün und Magenta“, ein „verschwommener weißer Fleck“, „ein kastanienbrauner 289er Mustang“, ein „seltsam leuchtendes bräunliches Gold“, eine „in Ektrachrome Commercial gefilmte sonnige Szenerie“,

Die Frau des Fischers von Ventura nimmt ein Sonnenbad.


ein „roter SS 369“, eine „Kluft im Narzissenton“, „Rote Haare“, eine „grüne und fuchsienfarbene Lunchroom-Nische“, ein „pinkes“ und ein „giftgrünes“ Telefon, „eine scheckige Lackierung aus stumpfem Olivgrün und Grundierungsgrau“, „lila Scheiß“, „White Rabbit“, ein „so weißer Anzug, dass der Rolls daneben schmuddelig aussah“, ein „Kleines Schwarzes aus den Fünfzigern“, eine „braune, helle Ferne“, „farbige Perlen in Erkältungskapseln“, „jede Farbe stand für ein anderes Belladonnaalkaloid“, „päckchenweise Purpurwindensamen“, „schwarze Wolken“, „nicht einfach dunkelgraue, sondern mitternachtschwarze, teergrubenschwarze, noch nie dagewesene Kreis-der-Hölle-schwarze“ Wolken, „blaugrünes Licht“, ein Anzug in „ultravioletter Samtfarbe“, eine  „himbeerfarbene Krawatte“, ein „hoher brauner Glaszylinder“, „mit hellroten Plastikstopfen verschlossen“, „ein in vielen verschiedenen, ‚psychedelischen‘ Farben gestreiftes Minikleid“, eine „weiße Braut“, „eine sinistre indigofarbene Flüssigkeit“, „das weiße Gleißen von Hollywood“, „rote Ampeln“, „Dafür sind die ganzen Farben da, Mann?“, ein „Mercedes – nur in einer Farbe lackiert, Beige“, „jede Farbe, die wir am Lager haben, einschließlich Metallic“, „Purpur mit dunklerem Goldton“, „aus der Mode gekommene Brauntöne“, „ein kalifornischer Weißwein – weißer als der mit diesem kränklichen Geldton“, „ein interessanter blauer Fleck auf Petunias Bein“, „eine weitere Kurzhaarperücke, ein kastanienbraunes Ding mit Seitenscheitel“, eine „Hornbrille von blasser Farbe“, „aus der indianischen Überdecke ausgelaufene rote und orange Farbe“, „unansehnliche Papierstapel in unterschiedlichen Größen und Farben“, „beinahe die Farbe von Rauch aus einer defekten Zylinderkopfdichtung“, „Schwarzarbeit“, „Schwarzmarkt“, ein „hellroter 69er Camaro“, „Bettwäsche in Leopardenfellmuster“, eine „japanische Dose aus schwarzlackiertem Holz“,ein „grellgrüner Saguarokaktus“, „eine Krawatte mit Tausenden oder Hunderten magentafarbener und grüner Pailletten bestickt“, „schwarze Revolutionäre“, „mit braunen Anzügen bekleidete Organe der Rechtspflege“, ein „schwarzer Cowboyhut“, „schwarze Assen und Achten in seiner Pokerhand“, „rote Vinyl-Minikleider“, „schwarze Fischnetzstrümpfe“, „weiße Bräute“, ein „Minikleid aus weinrotem Samt“, „Teppiche von sattem Königspurpur“, „schwarzweiß Gekleidete“, eine „Cocktail-Lounge, möbliert in purpurfarbenen, von Glimmerpünktchen akzentuierten Resopaltönen“,

Eine reife Touristin aus Scheveningen kann das unreife Beachboy–Treiben am Channel Islands Beach nicht mehr mit ansehen.

ein „schwarzer Chip“, „90% Silber“, „winzige bernsteinfarbene Lichtkegel“, „großer Ärger in braunen Schuhen“, „in einem weißen Anzug“, „Glasspiralen, die in einem unirdischen purpurnen Schimmer pulsieren“, „Toilettenpapier in verschiedenen Modefarben und psychedelischen Mustern“, „Spektralstreifen, die sich nach vorne hin zu Blau veränderten“, „Lichtpunkte, die sich in der vom Rückspiegel gerahmten schwarzen Ferne rötlich verfärbten“, „fast kugelförmige hellrote Felsen“, eine „schimmernde schwarze Handfeuerwaffe“, noch ein „Schwarzweißfernseher“, eine „schwarze Liste“, „die Psychedelischen Sechziger, diese kleine Parenthese aus Licht“, „Screaming Ultraviolett Brain“, die „Buntheit der Pizza-Zutaten“, „gefängnisrosa gestrichene Wände, ein Farbton, von dem man damals annahm, er wirke auf Anstaltsinsassen beruhigend“, „sein Gesicht erblasste trotz des rosa Widerscheins hier drin zu einem alarmierenden Weiß“, „lebensgroße Plastikfiguren gemeingefährlicher Schwarzer“, „Buntglas“, „knallgrüne Kohlblätter“, noch ein „weißer Anzug“, „schwarze Fedoras“, „Der Zauberer von Oz (1939) im Farbfernseher“, „der Film fängt Schwarzweiß an, oder vielmehr braunweiß, wird dann aber farbig“, „Ihre ’normale‘ Kansasfarbe wird zu einer sonderbaren Hyperfarbe, die unsere Alltagsfarbe so weit hinter sich läßt, wie Technicolor Schwarzweiß“, „was hat das mit ihrer Farbwahrnehmung zu tun?“ „das Foto war in so komischen Farben abgezogen“, sie trug eine „veilchenblaue Kluft“, „ein weißer Detektiv“, eine „Weißbacke“, „die schwarzen und weissen Insassen“, das „grüne Zimmer von San Quentin“, „ein schwarzer bewaffneter Aufstand“, „ein Haufen von weißen Zahnärzten“, „silberne Plastikreproduktionen“, „ein sehr grüne künstliche Hecke“, „modulare Grüner-Zweig-Imitate“, eine „Freakmähne von sattem Rot“, „dieses Gerede von schwarzer Apokalypse“, „ein roter Faden“, „ihre Gesichtsfarbe“, „China White“, „ein mexikanisches Hemd, blassrot mit einer orangen Stickerei“, „Dunkler als früher“, „Schmutzigblond“, „platinblond“, „knallrot im Gesicht“, „ein himmelblauer Anzug“, „tückisch spitze, goldene Eckzähne“, „blaue Flecken“, „wasserstoffblonde Mösen“, „diverse rotangehauchte Drecksäcke“, „rote Brüder“, „stark gesättigte grüne und magentafarbene Staubwolken“, „ein „blauer Stahlvorhang“, „gleißendes Quecksilberdampflicht“, „auf den Plastikschichten traten winzige Farb- und Lichtmodulationen auf“, „dunkle Reste von Blut und Verrat“, „ein Streifen, klar und leuchtend“, „das letzte aprikosenfarbene Licht flutete landwärts“, „gebräunte Titten in Übergröße“, „viel düsteres Holz“, „farbige Lampen“, „sich in kleine Farbklümpchen auflösende Bilder“, „eine Palette wettergebleichter Farben, wie eingetrocknete Kleckse in einer wenig frequentierten Eisenwarenhandlung“, „ein Paar grünliche Punkte“, „Petunia, heute in blassem Fuchsienrot“, „der gelbe Schulbus-Fuhrpark in Palms“, „die stille Weiße vor ihm“, „eine ruhelose Blondine in einem Stingray“.

Eine der Teilnehmerinnen am Surf-Wettbewerb von Santa Monica erholt sich in einer Wellenpause im Motel „California“ von ihrer anstrengenden Kür.


Das sind die Farben in Thomas Pynchons „psychedelischen Krimi“.

Er  spielt in Südkalifornien im Surfer- und Hippie-Milieu während des Vietnamkriegs 1969 – kurz nach der Ermordung von Sharon Tate und Rosemary LaBianca durch die „Charles Manson Family“. Damals machte sich gerade eine große Veränderung dort bemerkbar: Statt LSD und Haschisch wurde an allen Ecken Heroin verkauft. Der Dichter Allen Ginsburg durfte sich über diesen Drogen-Wechsel auf der Seite 1 der New York Times äußern. Er schrieb, dass die Heroin-Dealer von der US-Regierung mit dem Stoff beliefert werden. Und diese wolle damit die Bewegung der „Aussteiger“- (Drop-Out – ) zerschlagen. Der NYT-Herausgeber Arthur Sulzberger fand diese Anschuldigung derart absurd, dass er auf der selben Seite dagegen Stellung nahm. Jahrzehnte später erklärte er jedoch, ebenfalls auf Seite 1 seiner NYT, dass Allen Ginsburg doch Recht gehabt hatte.

Thomas Pynchon liegt allerdings in seinem Roman diesmal das derart Paranoisch-Verschwörerische eher fern, der Krimihandlung ist das nicht gut bekommen. Und auch das Drogen-Milieu hat der tschechische Regisseur Milos Forman 1971 bereits besser, d.h. scharfsinniger, getroffen – in dem ersten von Hollywood finanzierten Film nach seiner Exilierung: „Taking Off“ („Durchgebrannt“ auf Deutsch). Ach, und selbst die Farben sind in Pynchons Roman „Die Enden der Parabel“  knalliger gewesen – irgendwie verrückter als in „Natürliche Mängel“.

Der Titel seines Romans deutet allerdings darauf hin, dass all dies von ihm beabsichtigt war: Die natürlichen Mängel seines südkalifornischen Hippie-Milieus, dessen reale Personnage der „LSD-Papst“ Timothy Leary einmal als „die kommende Herrenrasse“ bezeichnete, werden von Pynchon penetrant ausgewalzt: Sie haben nur Drogen, Musik, Film, Fernsehen, Fressen und Vögeln im Sinn, ansonsten warten diese ganzen albernen „Beach-Boys“ darauf, dass die nächste „Welle“ kommt und sie da drauf springen können – und das sind immer neue Drogen, Bands, Filme etc., dazu dräut in seinem Roman auch schon die Computerisierung und das Internet als neueste Welle. Und das alles auf fast 500 Seiten. Statt an „Shakespeare“ fühlte ich mich bei der Lektüre von Pynchons Roman eher an „Dostojewski“ und seine Riemen erinnert. Ich hätte ihn „Fehlfarben“ betitelt.

Es gibt einen Russen, Jegor Samochodow, zu Sowjetzeiten Mitarbeiter einer „Unterabteilung für nichtpublizierbare amerikanische Poesie der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts“(in welcher Behörde auch immer), der sich dort u.a. auch von Thomas Pynchons „Poesie“ inspirieren ließ. Er ist heute der „Held“ in dem russischen Roman „Nahe Null (gangsta fiction)“, der kürzlich unter dem Pseudonym Natan Dubowizki veröffentlicht wurde. Der taz-blogger Peter Voßwinkel behauptet in seinem „Moskauer Tagebuch“, dass der Autor dieses Romans kein geringerer als der „Kreml-Chefideologe“ Wladislaw Surkow ist, während der Kremlologe Michail Ryklin in „Lettre“ davon ausgeht, dass Surkow bloß Rezensent des (seines?) Romans  ist. Gleichwie, das Buch handelt – fast ohne Farben (außer „grün“) – dennoch von ähnlichen Dingen wie Thomas Pynchons „psychedelischer Krimi“: Es hat einen „Action-Plot“ – anschwellende „Wellen“ von Gewalt, Morde und Drogen, und enthält längere Ausführungen über die Macht und das Leben an sich. Dazu noch eine postsowjetische Lehre: „So traurig es klingt: Korruption und organisierte Kriminalität sind ebenso tragende Elemente der sozialen Ordnung wie Schule, Polizei und Moral. Nimm sie weg, und das Chaos bricht aus.“ Ryklin resümiert: „Der Autor hat einen kanonischen Text geschaffen, das Denkmal einer abstoßenden, aber leider unvermeidlichen Epoche errichtet“. Und das auf nur 112 Seiten.

Es soll hier noch ein dritter Roman – „2666“ von Roberto Bolano – erwähnt werden. Der inzwischen verstorbene Chilene behandelt darin ebenfalls Macht, Moral und das Leben an sich, in der Hauptsache geht es aber um die Ermordung von über hundert Frauen im Zeitraum von 1993 bis 1998 in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez. Und um die „Polizei, die nicht imstande war, die Welle sexueller Gewalttaten zu stoppen oder die Mörder zu verhaften und einer von Natur aus arfbeitsamen Stadt Ruhe und Frieden zurückzugeben“.

Als zentrales Thema steht dabei die „Gewalt und die unheimliche Faszination“ an ihr, schreiben F.R., FAZ, Perlentaucher etc.. Die Rezensentin des Tagesspiegels will da natürlich nichts anderes behaupten: Etwa ein Viertel des Buchs bestehe in der minutiösen Schilderung mysteriöser Frauenmorde, die sich in einer mexikanischen Stadt über viele Jahre hinweg ereigneten. In einem Teil des Romans entwerfe Roberto Bolano das „präzise Bild einer durch Drogenökonomien und neoliberalem Dritte-Welt-Kapitalismus aus den Fugen geratenen Grenzregion“.

Etwas weniger aufwendig schildert dies auch Alexandra Lucas Coelho in ihrer Reportage aus Ciudad Juarez, die in „Lettre“ Nummer 90 abgedruckt wurde. Darin erwähnt sie kurz Bolanos Roman „2666“ sowie weitere Bücher, Filme und Lieder, die sich mit den Frauenmorden – „Femiziden“ – in dieser Stadt befassen. An Farben habe ich mir in „2666“ bisher bloß angestrichen: „schwarz“, „weiß“, „fast blond“, „violettfarben“.

Bolanos Roman, das sei jedoch noch erwähnt, ist von den drei hier erwähnten (männiglichen) Regionalkrimis, die sich um Frauen drehen, der dickste – fast 1100 Seiten.  Der Verlag spricht von einem „Jahrhundertroman“ – aber unter dem macht es heute sowieso kein Regionalkrimi-Autor mehr: wegen der verdammten „Nachhaltigkeit“. Und Bolano schildert darin mitnichten „minutiös mysteriöse Frauenmorde“, wie die Tagesspiegel-Rezensentin schreibt. Er rekapituliert vielmehr lakonisch einen Leichenfund nach dem anderen, nur die Kastration von vier Gefängnisinsassen durch ihre Mitgefangenen wird ausführlich dargestellt.

Dennoch oder gerade deswegen ist seine knappe literarische Bearbeitung  der Frauenmorde in Ciudad Juarez, viele waren noch im Teenageralter, weitaus bedrückender als all die gedruckten und gefilmten Berichte, Analysen und Trivialkrimis über diese Morde, die nicht mit Handlung und Protagonistinnen geizen. Auf Deutsch erschien zuletzt der Ciudad Juarez- Regionalkrimi „Hurensöhne“ des Argentiniers Rolo Diez. Nebenbeibemerkt: in den originaldeutschen Regionalkrimis werden auch zumeist Frauen ermordet – was durchaus mit der hiesigen Statistik über Gewalt gegen Frauen korreliert.

Wenn man Bolanos Darstellung folgt, dann handelt es sich bei den ermordeten Mädchen bzw. Frauen in Ciudad Juarez zumeist um Arbeiterinnen. Sie wurden vor ihrem äußerst qualvollen Tod mehrfach vergewaltigt und mitunter noch verstümmelt, sogar gepfählt. Und neben einem oder mehreren Serienmördern, die als Täter in frage kommen, aber nie gefaßt werden, verhaftet die Polizei auch immer wieder Ehemänner oder Freunde der Ermordeten, die ihre Freundin bzw. Frau genauso gequält, vergewaltigt und dann umgebracht haben. Es ist wie eine grauenvolle Epidemie, die immer mehr Männer in dieser scheußlichsten aller scheußlichsten Städte erfaßt hat. Und man kann nichts dagegen tun als weiterlesen, ahnend, dass schon bald immer mehr Städte in der Welt von dieser Epidemie erfaßt werden. Einige Soziologen sind der Meinung, dass die Ursache darin besteht, dass die Frauen in den Gewerbeparks von Ciudad Juarez arbeiten und damit die Familie ernähren, was ihre arbeitslosen Männer jedoch nicht aushalten, es demütigt sie, weil es gegen ihre(machistisch-katholische)  Ehre geht – und irgendwann rasten sie aus. Die Journalisten favorisieren dagegen als Täter  einen der vier großen Rauschgift-Dealer-Ringe in der Grenzstadt. Und die Lokalpolitiker irgendwelche fremden Irren oder Schlepperbanden.

„Mehr Wachstum, mehr Gleichheit, besserer Erhalt der Umwelt“, so beschrieb US-Präsident Bill Clinton 1993 seine positiven Erwartungen an das Nordamerikanische Freihandelsabkommen in seiner Rede zur Unterzeichnung. „Die NAFTA wird Handelshindernisse zwischen unseren drei Ländern abbauen. Sie wird die weltgrößte Handelszone (…) und bis 1995 200.000 Jobs allein in diesem Land schaffen.“ Ähnlich äußerte sich der damalige mexikanische Präsident Salinas.

Innerhalb von fünf Jahren verdoppelte sich tatsächlich die Zahl der Arbeitsplätze in den gewerkschaftsfreien Maquiladoras (Gewerbeparks) im Norden Mexikos auf über eine Million. Die ArbeiterInnen verdienen dort bei einem 12-Stundentag etwa 40 Dollar in der Woche und können jederzeit entlassen werden.  In diesen Montage-Fabriken müssen sie  meist aus den Vereinigten Staaten importierte Einzelteile zusammenfügen. Diese werden danach  zurück exportiert („nearshoring“). „Ciudad Juárez, Zwillingsstadt des texanischen El Paso, stellte 2005 etwa ein Fünftel der Maquila-Beschäftigten. Hier siedelten sich große Unternehmen wie Sony, Nike und Siemens an, um von den niedrigen Lohnkosten zu profitieren, die hier nur einen Bruchteil des US-Niveaus ausmachen“, heißt es auf der Internetseite von „quetzal-leipzig.de“. Und bis heute werden immer neue Gewerbeparks geplant.

Aber im Sommer 2010 schreibt ein Autor in seinem Artikel im „Neuen Deutschland“:

Die mexikanische Fabrikstadt Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA leidet unter der Krise – Mexiko ist das Land Lateinamerikas, welches am stärksten unter der Krise in den USA leidet. Synonym dafür ist die Krise in den Weltmarktfabriken, den Maquiladores, an der US-Grenze.

Besonders verheerend wirkt sich die Rezession in Ciudad Juárez aus, wo ökonomische Perspektivlosigkeit sich auch in der Rekrutierung Jugendlicher durch die Drogenkartelle niederschlägt.

Angesichts überbordender Gewalt und ökonomischer Perspektivlosigkeit ist die Abwanderung zum bestimmenden Phänomen geworden: Mehrere hunderttausend Menschen hat Ciudad Juárez in den letzten zwei Jahren verloren, schätzen Sozialwissenschaftler der autonomen Universität der Stadt. Erst der nächste Zensus wird Aufklärung bringen, doch der Leerstand vieler Häuser und die heruntergezogenen Rollläden vieler Geschäfte sprechen eine deutliche Sprache. »Ein Drittel der Gebäude der Stadt steht leer«, berichtet Architekturprofessor Louis Martínez.

Einige Bundesstaaten wie Veracruz bieten Auswanderern die Rückkehr in ihre Heimat an – immer öfter erfolgreich. »Ciudad Juárez bietet keine Perspektive, denn die Maquila spuckt die Leute aus«, klagt María Santos Alvárez. Auch sie hat früher in der Maquila gearbeitet – heute hat die 53-Jährige dort keine Chance mehr auf einen Job. So zieht sie die Kinder ihrer Tochter auf, die im Gefängnis sitzt. »Marihuana hat sie geraucht, und fünf Jahre lautet das Urteil«, erklärt sie genervt.

Die Entwicklung der Maquila-Industrie geht bereits auf die späten 1960er Jahre zurück, als europäische und US-Textilunternehmen in Mexikos armen Nordprovinzen zunehmend Niederlassungen gründeten. Von Mexikos Regierung wurden die sogenannten Maquiladores steuerlich begünstigt – durch den Maquila-Erlass aus dem Jahr 1989. Demnach können die Unternehmen ihre Produktionsanlagen und Rohstoffe zollfrei einführen, müssen sie aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder außer Landes bringen. Daher werden hauptsächlich Güter und Halbfertigwaren für den Export produziert.

2000 berichtete die „Jungle World“:

Die ‚Erfolgsgeschichte‘ der Stadt beginnt mit der Prohibitionszeit während der zwanziger Jahre in den USA. Damals wurde Ciudad Juarez zum Vergnügungspark für US-Touristen auf der Suche nach Alkohol und käuflichem Sex. In den vierziger Jahren setzte sich der Aufschwung fort. In El Paso, der gegenüberliegenden Grenzstadt auf der US-Seite, baute die Army eine große Militärbasis. In Ciudad Juarez boomten Prostitution und Handel. In den sechziger Jahren setzte dann das staatlich geförderte Grenzindustrialisierungs-Programm ein. Die Stadt wurde zum Zentrum der Billiglohnfabrikation ausgebaut. Zahlreiche transnationale Konzerne investierten. 230 000 Menschen, mehrheitlich junge Frauen, arbeiten heute in Ciudad Juarez in über 400 Maquilas.

Die ersten Nachrichten von den Frauenmorden verschwanden in den Verbrechensrubriken der Zeitungen. Polizei und Politik reagierten gleichgültig auf die Forderung der Angehörigen nach Aufklärung. Erst die Kampagne einer lokalen Frauengruppe, die seit dem März 1995 gezielt auch die internationale Öffentlichkeit ansprach, sorgte für Aufmerksamkeit. Politiker beschuldigten sich jetzt gegenseitig der Untätigkeit, die Yellow Press wähnte den brutalsten Sex-Killer aller Zeiten am Werk und hatte ein auflagensteigerndes Thema entdeckt. Hysterie griff um sich.

Im Oktober 1995 nahm die Polizei dann Sharif Abdel Latif Sharif fest und präsentierte ihn der Öffentlichkeit als den verzweifelt gesuchten Serienmörder. Als US-Amerikaner ägyptischer Herkunft, der in Ciudad Juarez‘ Maquila-Industrie als Berater tätig war, erfüllte er alle Erwartungen, die mit einem Sex-Monster verbunden wurden: fremd, irrational, pathologisch und gewalttätig. Er war bereits wegen sexueller Übergriffe in den USA inhaftiert gewesen. Doch kaum saß Sharif hinter Gittern, tauchten zwei neue Leichen auf. Eine der toten Frauen war nach dem gleichen Muster vergewaltigt und hingerichtet worden, wie es die Gerichtspsychologen als typisch für das Vorgehen Sharifs analysiert hatten. Die These vom verrückten Einzeltäter musste fallen gelassen werden.

Der Soziologe Pablo Vila befragte Prostitutierte aus Ciudad Juarez über die Trennung zwischen ihrem Privatleben und der Arbeit als Prostituierte. In ihrer persönlichen Moral lehnen die meisten von ihnen – in einem Anflug von Patriotismus – den Sex por las dos vias als schmutzig, fremd und somit »unmexikanisch« ab. Er wird als Neigung vergnügungssüchtiger, unvorsichtiger Ausländer betrachtet. Einige verglichen Prostituierte, die diese Sexpraktik zuließen, mit den Maquila-Arbeiterinnen, die ihre Körper und ihre Arbeitskraft den fremden, ausländischen Unternehmen verkauften und deshalb verunreinigt seien. In der Hierarchie mexikanischer Frauen stehen sie noch unter den Prostituierten.

2008 veröffentlichte eine lokale Frauengruppe einen internationalen Aufruf:

„Die Frauenmorde von Ciudad Juárez, Chihuahua, gehen weiter. Über 420 Frauen sind seit 1993 ermordet worden und mehr als 600 aus Ciudad Juárez verschwunden. Lasst uns unsere Stimmen vereinen: Schluss mit den Verbrechen! Schluss mit der Gleichgültigkeit! Das Klima von Gewalt und Straflosigkeit wächst, ohne dass bis zum heutigen Tag konkrete Aktionen unternommen wurden, um dieser Situation ein Ende zu bereiten“, informiert „Nuestras Hijas de Regreso a Casa“, eine Non-governmental Organisation (NGO):

Jede Woche verschwindet in Ciudad Juárez mindestens eine Frau, und es wird nie wieder etwas von ihr gehört, es sei denn, ihre Entführer entscheiden sich dafür, ihren leblosen und offensichtlich brutal gefolterten und ermordeten, wüst vergewaltigten und manchmal verstümmelten, manchmal verbrannten Körper verschwinden zu lassen. Es ist ein schrecklicher Schmerz für diese Gesellschaft. Gibt es nichts, was diejenigen, die etwas dagegen unternehmen könnten, dazu bewegt, aktiv zu werden?

„Die Welt“ meldete 2009:

Erstmals verhandelt die internationale Justiz die bestialischen Frauenmorde in der nordmexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez. Wenn am Montag in Santiago de Chile die viertägige Anhörung des Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshofs (CIDH) beginnt, sitzt Mexiko auf der Anklagebank. Formell geht es um drei Morde an jungen Frauen im Jahr 2001, die wegen haarsträubender Justizpannen bis heute nicht aufgeklärt sind. Mehr als 100 ähnliche Fälle warten bis heute auf eine Aufarbeitung – und es werden Monat für Monat mehr.

Amnesty International schrieb zuletzt:

Bei den Frauenmorden handelt es sich um eine Opfergruppe aus armen Verhältnissen ohne gesellschaftlichem Einfluss. Seit Jahren kritisieren Angehörige der Ermordeten und internationale Organisationen, wie Amnesty Internatonal das passive Verhalten der mexikanischen Behörden gegenüber den Mordserien in Ciudad Juárez. Die Stadt an der Nordgrenze Mexikos zu den Vereinigten Staaten zählt zu den Hauptstädten des Drogenschmuggels. Es existiert eine weitreichende Struktur der Drogenkriminalität. Es wird kaum daran gezweifelt, dass Drogenmafia, Polizei und Strafverfolgungsbehörden in engen Kontakt miteinander stehen. Immer wieder verhaften die mexikanischem Behörden Einzelpersonen und Mitglieder von Banden wegen Mordes an den Frauen zu hohen Gefängnisstrafen. Es besteht allerdings auf der Seite von Amnesty International die Befürchtung, dass damit auch unschuldige Menschen ins Gefängnis geraten. Geständnisse sollen mittels Folter und Drohungen von Seiten der mexikanischem Polizei erzwungen wurden sein. Die Justiz bezwecke somit Ermittlungserfolge vorweisen zu können. Die wirklichen Täter würden auf diese Weise geschützt.

Die Verantwortlichen Mörder der Frauen von Juárez zu finden, erweist sich als nahezu unmöglich. Militär und Polizei wird unterstellt an den sexuellen Misshandlungen beteiligt zu sein. Regierungsunabhängige Aufklärungsversuche werden unterbunden. Einblicke in die Ermittlungsakten bleiben verwehrt. Dem mexikanischen Ermittlungsapparat wird die Unterdrückung von Beweisen vorgeworfen. Angehörigen der Opfer fehlt der Zugang zu Information über ihre vermissten oder ermordeten Schwestern, Freundinnen oder Töchtern.

Seit einiger Zeit bemerkt man überdies die Ausdehnung der Frauenmorde von Ciudad Juárez auf die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates Chihuahua. Ein Ende der Frauenmordserien ist somit immer noch nicht in Sicht.


Surfer am Golf von Mexiko, Sommer 2010

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kommentare

  • Nicht nur in den o.e. drei Büchern geht es um „Wellen“ – reale und metaphorische, auch Im dritten Band seiner Autobiographie „Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel“ benutzt der tschechische Dramatiker Pavel Kohout immer mal wieder das Wort „Welle“ – im Sinne einer neuen Mode, einer neuen „Gedankenströmung“ und wenn ein neuer Lebensabschnitt sich ankündigt.

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