Kairo-Virus 118

Arab Women. Photo: galik.com

„Taschenspielerei mit Handlungen

Wir kennen die neue Miele – die Revolution auf dem Waschmaschinensektor, das IPhone – die Revolution in der Kommunikation, die sms-revolution – sie „ermöglicht den leichten SMS Versand per Web und Handy“, die Revolution der Reichen – „In immer mehr Ländern fordern sie höhere Steuern – für sich selbst“, die Textbook- Revolution – „the use of free educational materials by teachers and professors“….An Revolutionen ist also kein Mangel.

Was diese und viele weitere ähnliche „Revolutionen“ eint ist, dass es sich dabei fast immer um eine bloße Erfindung bzw. Verbesserung eines Produkts handelt, das lautstark als ein Umsturz des Bisherigen beworben wird.

Ganz anders in den arabisch-islamischen Despotien: dort geht angeblich eine „unsichtbare“ bzw. „stille Revolution“ vor sich – und zwar in „nonmovements“, wie der in Leiden lehrende iranische Soziologe Asef Bayat das 2010 in seinem Buch „Life as Politics“ nennt, wobei die Protagonisten (Frauen, Jugendliche, Arbeitslose) sich „passiver Netzwerke“ bedienen.

Das hört sich an wie eine bloße Umdrehung der Begriffe „soziale Bewegungen“ und ihre „Vernetzung“ – die jedoch auf das selbe hinauslaufen sollen: auf den Umsturz der Regime.

Darum geht es auch dem Iraner Dawud Gholamasad. Der in Hannover lehrende  Soziologe behauptet in seinem soeben auf Deutsch erschienenen Buch „Irans neuer Umbruch. Von der Liebe zum Toten zur Liebe zum Leben“: Man kann den Widerstand leicht übersehen.

In einem Interview erklärt der Autor heute dazu:

„Vor einigen Tagen zum Beispiel haben sich Jugendliche im Norden Teherans bei einer Wasserschlacht mit Wasserpistolen ausgetobt. Später wurde ihr Spiel im Staatsfernsehen verurteilt.“

„Im iranischen Alltag verhalten sich viele Menschen subversiv gegen das Regime. Sie leisten nichts anderes als zivilen Ungehorsam.“

Die Berliner Zeitung läßt sich aber nicht beirren – und fragt noch einmal nach:

„Was muss geschehen, damit das Regime doch zu Veränderungen gezwungen werden kann?“

„Es geschieht bereits, indem Menschen ihr Leben in alltäglichen und ganz phantasievollen Formen auch wirklich auszuleben versuchen. Sie spielen ein Katz- und Mausspiel mit dem Establishment, das mit jeder Reaktion seine Legitimation einbüßt. Die Wasserschlacht, die verteufelt wird, ist ein Teil dieses Spiels. Die herrschende Diskussion wird säkularer. Das ist ein klares Zeichen, dass das Establishment die „kulturelle Hegemonie“ zunehmend einbüßt.“

Dazu paßt die FAZ-Meldung von heute:

„Saudi-Arabien will die Arabellion finanzieren!“ Wie das?

„Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands hat ihre beim Gipfeltreffen im Mai begründete „Deauville-Partnerschaft“ verbreitert. Nicht nur die sogenannten führenden Industriestaaten, sondern auch Kuweit, Qatar, Saudi-Arabien, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich nun zu Gebern aufgeschwungen, um zunächst Ägypten, Jordanien, Marokko und Tunesien auf dem Weg zur Demokratie beizustehen.

Die Unterstützung im Rahmen der Deauville-Partnerschaft soll nicht allein dem materiellen Wiederaufbau dienen, sondern auch dabei helfen, demokratische Strukturen zu errichten und die Zivilgesellschaft zu fördern. Ob dafür gerade Saudi-Arabien der richtige Partner ist?

Diplomaten sagen, entscheidend werde sein, wer welches Geld wofür gibt – die Saudis müssten ja nicht gleich die Podiumsdiskussion der Frauenrechtsbewegung finanzieren. Das streng wahhabitisch beherrschte Saudi-Arabien, dem regelmäßig von Menschenrechtsorganisationen die gröbsten Verletzungen der Menschenrechte, vor allem die systematische Missachtung der Freiheitsrechte insbesondere der Frauen, vorgeworfen werden, ist durch die Arabellion zutiefst aufgerüttelt worden.

Seit vielen Jahrzehnten hat Riad immer wieder versucht, sich politische Unbill durch Zahlungen vom Leibe zu halten, sei es an die Palästinenser oder an andere konfliktträchtige Gruppen, etwa in Pakistan und Afghanistan. Dass das Königreich mit großzügigen Finanzierungsprojekten auch seine rigide Auffassung vom Islam exportiert (was im Falle von Al Qaida allerdings zum Bumerang wurde), ist ebenfalls seit vielen Jahren bekannt. Immer konnten extrem konservative Kreise darauf zählen, dass im Zweifel in Riad eine Schatulle für sie geöffnet wurde, wenn das Vorhaben auch den Interessen Saudi-Arabiens zu nutzen schien.

Insbesondere der Aufstand im kleinen Golf-Königreich Bahrein im Frühjahr hatte die Prinzengarde in Riad alarmiert. Bahrein, so etwas wie der Vergnügungspark der Saudis direkt vor ihrer Haustüre, war von schweren Unruhen erschüttert worden, die von der schiitischen Bevölkerungsmehrheit ausgingen. Sie fühlt sich von dem sunnitischen Herrscherhaus unterdrückt und forderte demokratische Reformen. Wie sehr auch Riad sich dadurch herausgefordert sah, zeigte sich, als es eigene Truppen und eigenes Gerät in das kleine Inselkönigreich der Al Chalifa schickte und die Rebellion dort blutig und brutal beendete. Seither wird nicht mehr demonstriert auf dem zentralen Perlenplatz von Manama; die Stellung des Herrscherhauses wurde fürs Erste gefestigt.

Die Niederschlagung dieser Unruhen war für Saudi-Arabien umso wichtiger, als es in seinem Ostteil, wo das Erdöl gefördert wird, über eine sporadisch unruhige schiitische Minderheit herrscht. Ein Überspringen des revolutionär-demokratischen Funkens von Bahrein auf die ostarabischen Fördergebiete wäre bedrohlich gewesen. Sein Geld hilft Riad, seinen Einfluss zu wahren – etwa auch im Jemen, wo Saudi-Arabien seit Jahrzehnten in der Innenpolitik mitmischt.

Als Vormacht des sunnitischen Islams gegenüber dem schiitischen Iran und als Hüter der heiligen Stätten in Mekka und Medina hat Saudi-Arabien auch ein Interesse daran, Turbulenzen unter den Arabern zu vermeiden, die Reihen geschlossen zu halten und sie ruhigzustellen.“

Hierbei geht es um die Transformation von sozialen Bewegungen in „Nonmovements“ – von aktiven Netzwerken in passive.

Die selbe vornehme Aufgabe stellt sich auch das ägyptische Militärregime und der libysche Übergangsrat. Über die Absichten des letzteren informiert heute dpa:

„Libyen soll nach dem Willen des Übergangsrates ein gemäßigter islamischer Staat werden. Ziel sei es, einen demokratischen Rechtsstaat aufzubauen, in dem die islamische Rechtsprechung Scharia die wichtigste Quelle der Gesetzgebung sei, versprach der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, während seiner ersten öffentlichen Rede vor tausenden Anhängern in Tripolis. Die neue Regierung werde keine extremistische Ideologie von links oder rechts akzeptieren.“

Ähnliches schwebt auch der ägyptischen Militärregierung vor.

dpa meldet:

„Wenige Stunden nach dem Sturm auf die israelische Botschaft in Kairo hat sich die oppositionelle Jugendbewegung 6. April von den Randalierern distanziert. In einer Erklärung beschuldigte die Gruppe am Samstag Anhänger des gestürzten Präsidenten Husni Mubarak und seines früheren Innenministers Habib al-Adli, hinter den Ausschreitungen zu stecken. Kräfte des alten Regimes versuchten, „Ägypten ins Chaos zu stürzen“ und das öffentliche Bild der Revolution zu beschädigen. Ziel sei es auch, den Prozess gegen Mubarak und seinen Machtzirkel scheitern zu lassen.“

Auch in Syrien soll die Scharia die wichtigste Quelle der Gesetzgebung werden, wie Ivesa Lübben in einem taz-Interview mit den Chefs der syrischen Muslimbrüder erfuhr:

taz: Meine Herren, was sind denn die Forderungen der Muslimbrüder in der Revolution?

Riyadh Shafqa: Sie entsprechen den Forderungen des syrischen Volkes: Sturz dieses Regimes.

Einige Intellektuelle oder Angehörige konfessioneller Minderheiten befürchten, die Muslimbrüder könnten Syrien in einen islamischen Staat nach iranischem Vorbild verwandeln.

Riyadh Shafqa: Die Muslimbrüder glauben an einen demokratischen Staat aller Bürger, in dem die Wahlurne entscheidet, wer regiert. Sollten wir die Mehrheit erringen, werden wir keinen Unterschied zwischen Muslimen, Christen oder Alawiten machen. Alle sind gleichberechtigte Bürger. Im Gegenteil: Wir sind bereit, die Minderheitenrechte zu verteidigen gegen jeden, der diese infrage stellt. Unser Programm gründet sich auf die Scharia. Denjenigen, die Angst vor der Scharia haben, haben sie nicht verstanden. Die Scharia ruft zu Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit auf. Das schließt auch Religionsfreiheit ein. „La ikraha fil-din“ heißt es im Koran: Es gibt keinen Zwang im Glauben.

Faruq Taifur: Wir haben unsere ganze Organisation zur materiellen und moralischen Unterstützung der Revolution mobilisiert. Die syrische Opposition ist zersplittert. Die alten Parteien existieren faktisch nicht mehr. Wir haben hingegen auf der ganzen Welt Gruppen: in Deutschland, Frankreich, Kanada, den USA, in Jordanien, Saudi-Arabien und vielen anderen Ländern, selbst in Neuseeland. Das prädestiniert uns für die Rolle, die Leute zu vernetzen. Wir verstehen uns dabei als Moderatoren. Im Vordergrund steht die Unterstützung der Bewegung im Inneren. Wenn wir mitbekommen, dass es in irgendeiner Stadt oder einem Dorf in Syrien Probleme zwischen verschiedenen Gruppen gibt, versuchen wir mit den beteiligten Parteien Kontakt aufzunehmen, um zu vermitteln.

Oppositionelle Intellektuelle im Inneren haben einen Dialog mit dem Regime gefordert, um noch mehr Blutvergießen zu verhindern. Würden Sie einen solchen Dialog denn unterstützen?

Faruq Taifur: Zu Beginn der Bewegung wollten die meisten Leute in Syrien einen demokratischen und friedlichen Wechsel. Deswegen gab es immer wieder Forderungen nach einem nationalen Dialog, der zu einem demokratischen Wechsel führen sollte. Aber statt auf die Initiativen einzugehen, hat das Regime Panzer in die Städte geschickt und sie aus der Luft bombardiert. Das syrische Volk will keine Gewalt. Es ist das Regime, das beschlossen hat, den Weg der Gewalt zu gehen. Heute sind die Leute, die Eltern, Brüder oder Kinder verloren haben, deren Häuser zerstört wurden oder deren Verwandte im Gefängnis sitzen, nicht mehr bereit zu einem Dialog mit Menschen, die sich selbst als Schwerstverbrecher entlarvt haben und die das Volk mit allen Mitteln dazu zwingen wollen, ihr Herrschaftsmonopol zu akzeptieren.

Durch wen soll das Assad- Regime ersetzt werden?

Riyadh Shafqa: Die Alternative ist ein Übergangsrat. Wichtige Voraussetzung für die Bildung eines Übergangsrates ist eine vereinigte Opposition im Exil und dass sich die kokalen Koordinationskomitees in Syrien zusammenfinden. Ein solcher Übergangsrat würde dann das Land bis zu demokratischen Wahlen führen. Die Opposition wird in allernächster Zeit einen solchen Übergangsrat, an dem alle Kräfte beteiligt sind, bilden. Diese Initiative mag spät kommen. Diese Verspätung hängt damit zusammen, dass wir alle Kräfte – Muslimbrüder, Kurden, Kommunisten und andere – sammeln wollten, damit dieser Übergangsrat wirklich repräsentativ ist.

Als Reaktion auf die Gewalt des Regimes mehren sich Stimmen in Syrien, die zum bewaffneten Kampf aufrufen. Wie stehen Sie zu einer solchen Option?

Riyadh Shafqa: Wir glauben, dass die Revolution unbedingt friedlich bleiben muss. Bewaffnete Aktionen würden dem Regime den Vorwand für noch stärkere Repression geben. Die Folge wären noch höheren Opferzahlen. Es ist zwar verständlich, wenn die Menschen in entlegenen Dörfern oder Stämme in der Wüste sich gegen Überfälle des Regimes mit Waffen zu verteidigen suchen. Aber wir raten ihnen in unseren Erklärungen oder durch direkte Kontakte davon ab. Das Regime möchte, dass die Revolution zu den Waffen greift, um eine Rechtfertigung für noch mehr Repression zu haben. Wir sind absolut dagegen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich wie in Ägypten oder Tunesien die Armee am Ende auf die Seite der Revolution schlägt?

Riyadh Shafqa: Es gibt zwei mögliche Szenarien. Die erste wäre ein Militärputsch durch hochrangige Militärs, die der Meinung sind, dass es nur ohne die Assad-Familie einen Ausweg aus der Krise gibt. Es ginge ihnen darum, die Alawiten vor Racheakte seitens der Bevölkerungsmehrheit zu schützen. Ein Militärputsch ist nur möglich durch Offiziere der alawitischen Gemeinschaft. Sie würden die Assad-Familie entmachten, selbst die Macht übernehmen und einen demokratischen Prozess einleiten. Die Armee würde dem Volk Freiheiten auf politischem Gebiet gewähren, während sie selbst weiterhin die Rolle als Beschützer der Alawiten spielt. Wir gehen davon aus, dass es Offiziere gibt, die dazu bereit wären. Sie wollen die Alawiten aus dem Dilemma befreien, in das sie das Assad-Regime geführt hat. Aber haben sie die Mittel? Das wissen wir nicht. Das zweite Szenario: Wenn die Repression weitergeht, ohne dass sich an der Militärspitze etwas ändert, rechnen wir damit, dass sich größere Teile der Armee absetzen.

Anders als die libysche Opposition hat die syrische Opposition – sowohl im eigenen Land als auch im Ausland – eine militärische Intervention des Auslands in Syrien abgelehnt. Befürchten Sie, falls die Repression weitergeht, dass sich das ändern könnte?

Faruq Taifur: Die syrische Opposition und das syrische Volk haben eine militärische Intervention abgelehnt. Aber angesichts der zunehmenden Gewalt und der vielen Toten fordern sie, dass die internationale Gemeinschaft etwas zum Schutz der syrischen Zivilbevölkerung unternimmt. Es gibt sicherlich Möglichkeiten unterhalb einer militärischen Intervention. So wie das syrische Regime geht kein Mensch mit einem anderen Menschen um, nicht einmal mit seinen Feinden. Als ob es geistig verrückt geworden ist. Trotzdem lehnen die Syrer eine militärische Intervention ab. Doch wenn es so weitergeht mit noch mehr Toten und noch mehr politischen Gefangenen, kann ich nicht völlig ausschließen, dass die Leute in Syrien auch zu begrenzten militärischen Schlägen aufrufen, um der Gewalt ein Ende zu setzen. Aber dies kann nur als allerletztes Mittel in Erwägung gezogen werden, wenn wirklich alle anderen Mittel des Drucks ausgeschöpft sind.

Der Iran war der größte Unterstützer des Assad-Regimes, jetzt gibt es erste kritische Äußerungen des iranischen Außenministers. Deutet sich hier ein Positionswechsel an? Und welche Auswirkungen hat das auf die Revolution?

Faruq Taifur: Jetzt beginnen sich der Iran und die Hisbollah zurückzuziehen, weil sie nicht in die Verantwortung für die Gräueltaten gezogen werden wollen. Natürlich ist das positiv, weil dadurch das Regime noch mehr isoliert wird.

Riyadh Shafqa: Wir haben sichere Informationen, dass es in der iranischen Führung Differenzen darüber gibt. Die iranischen Geheimdienste plädieren für einen iranischen Rückzug von der Unterstützung des syrischen Regimes, das sie als stark geschwächt einschätzen. Und sie wollen ihr Prestige in der Region nicht aufs Spiel setzen. Aber die Iraner wollen wissen, was nach Assad kommt und wie diejenigen zu den iranisch-syrischen Beziehungen und zum Widerstand steht. Wir versichern den Iranern: Wir wollen gute Beziehungen zu allen Regionalmächten – zur Türkei wie zum Iran -, allerdings unter der Voraussetzung der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten und dem gegenseitigen Respekt der Souveränität des anderen. Und wir können den Iranern auch versichern: Das ganze syrische Volk steht hinter dem Widerstand.

Faruq Taifur: Französische Medien berichteten von einem Treffen zwischen syrischen Oppositionellen und Vertretern des Iran. Wir wissen nicht, wer von der Opposition daran teilgenommen hat, wir jedenfalls nicht. Die Iraner haben auch mehrfach versucht, mit uns Kontakt aufzunehmen. Aber wir haben ihnen klar gesagt: Sorgt dafür, dass das syrische Regime die Panzer aus den Städten zurückzieht, sorgt dafür, dass das Blutvergießen aufhört, nehmt klar Stellung zu dem, was das syrische Regime tut! Dann sind wir bereit zu einem Dialog. Iran hat das syrische Regime ja nicht nur politisch, sondern auch militärisch bei der Niederschlagung des Aufstands unterstützt. Wenn sich die iranische Haltung nicht in ihrer Substanz verändert, wird es dem syrischen Volk schwerfallen, einen Dialog zwischen der Opposition und dem Iran zu akzeptieren.

Aus Syrien berichtet AFP aktuell:

„Beim gewaltsamen Vorgehen der syrischen Armee gegen Oppositionelle sind Menschenrechtsaktivisten zufolge am Montag mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. In der Umgebung der Stadt Hama im Landesinnern seien 17 Menschen erschossen und rund 60 weitere festgenommen worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit. In der Nähe der Hauptstadt Damaskus wurde demnach ein zwölfjähriger Junge getötet, als Sicherheitskräfte das Feuer auf eine Trauergemeinde eröffneten. In der Stadt Homs im Zentrum des Landes seien ein Mann und sein Sohn erschossen worden.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle suchten die Sicherheitskräfte in der Gegend von Hama weiter nach dem vor einigen Tagen aus Protest gegen die Gewalt an Zivilisten zurückgetretenen Generalstaatsanwalt der Stadt. In Hama waren bei einer Militäroffensive als Reaktion auf Massenproteste Anfang August mehr als hundert Menschen getötet worden. Seit dem Beginn der landesweiten Proteste gegen Präsident Baschar el Assad Mitte März kamen in Syrien nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 2600 Menschen ums Leben.“

AP meldet aus dem Jemen:

„Hunderttausende Jemeniten sind am Dienstag erneut gegen Präsident Ali Abdullah Saleh auf die Straße gegangen. Bei den landesweiten Kundgebungen skandierten viele Demonstranten: „Kein Deal, keine Manöver, der Präsident muss gehen.“

Zuvor hatte Saleh seinen Vizepräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi beauftragt, mit der Opposition über eine Machtübergabe zu verhandeln. Dabei sollte auch ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet werden, das Saleh allerdings wieder ablehnen kann. Der seit 33 Jahren regierende Staatschef wurde Anfang Juni bei einem Angriff auf seinen Palast schwer verletzt. Seitdem lässt er sich in Saudi-Arabien medizinisch behandeln.

Unterdessen kritisierten Vertreter der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte (UNHCHR) das gewaltsame Vorgehen der jemenitischen Regierungstruppen gegen Demonstranten. Hunderte Menschen seien getötet und tausende weitere zum Teil schwer verwundet worden, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Während eines mehrtägigen Besuchs Ende Juni hätten sie viele Jemeniten getroffen, die friedlich nach mehr Freiheiten strebten, jedoch „mit übermäßiger und unverhältnismäßiger staatlicher Gewalt konfrontiert“ seien, hieß es. Die UNHCHR-Vertreter forderten eine internationale Untersuchung der Lage im Jemen.“

In „Der zerrissene Schleier“ von Carmen Bin Laden – eine Semiperserin, die einen der 150 Brüder von Osama Bin Laden heiratete, wird geschildert, wie die „nonmovements“ der saudischen Frauen, um sich winzige Freiheiten zu erkämpfen, plötzlich alle wieder rückgängig gemacht wurden -und es noch schlimmer als zuvor wurde. Die Autorin ging daraufhin zurück in die Schweiz und ließ sich scheiden. Ihr letzter Satz im Buch lautet: Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass meine Töchter nie nach Saudi-Arabien gehen werden, in das Land ihres Vaters. Über ihre Schwägerinnen in Dschidda urteilt sie: Sie waren aus Überzeugung fanatisch religiös, „aber taktische Gründe spielten gewisse auch eine Rolle. Wenn man in totaler Abhängigkeit lebt, muß man lernen, seinen Herrn zu beeinflussen: Anders kann man vielleicht nicht überleben.“

Über Fortschritte im „Nonmovement“ der saudischen Frauen, die plötzlich alle wieder zunichts gemacht wurden, berichtet auch eine Tochter aus dem dortigen Königs-Clan in ihrem Buch: „Ich, Prinzessin aus dem Hause Al Saud. Ein Leben hinter tausend Schleiern.“ Wie kürzlich wieder ging es z.B. auch bereits 1990 den saudischen Frauen darum, dass die sie selbst Auto fahren wollten. Die es eigenmächtig versuchten, wurden damals schwer bestraft, eine sogar von ihrem eigenen Vater getötet.

Die Autorin trennte sich schließlich wie Carmen bin Laden von ihrem „feigen Ehemann“, blieb aber wegen ihrer Kinder in Saudi-Arabien, wo es noch lange dauern wird und vieler kleiner Kämpfe bedarf, bis dort auch so etwas wie „Lebensfreude“ für Frauen entsteht, wie sie sagt. Dabei geht es ebenfalls um „Taktiken“: Im Nachwort schreibt Jean P.Sasson, dass die Prinzessin zwar einen „aufrührerischen Geist“ besitzt, „dennoch muß ihre Rebellion ein Geheimnis bleiben“. Kann man rebellieren – ohne dass es jemand mitbekommt bzw. ist das dann noch eine „Rebellion“, wenn niemand sie bemerkt?

Der jungen Autorin des Bloggerromans „Die Girls von Riad“ – Rajah Alsanea – ficht dieses Problem noch nicht an, wenn sie schreibt: „Die Frauen in Saudi-Arabien leben unter der Herrschaft der Männer. Aber sie sind voller Hoffnungen, Pläne, Ziele und Träume. Und sie ver- und entlieben sich genauso heftig wie überall auf der Welt“ – in saudische Männer, die dann all ihre „Hoffnungen, Pläne, Ziele und Träume“ zunichte machen – außer ihrem Mutterwunsch Kinder zu kriegen,  es müssen dann allerdings Jungs werden, keine Mädchen. Als die Autorin kürzlich zum Shoppen nach Berlin kam, wurde sie von der Berliner Zeitung interviewt, ihre Gedanken und Ideen über den Widerstand (saudi-)arabischer Frauen waren dann allerdings so dumm und naiv, dass das Interview nicht abgedruckt wurde.

Der Widerstandssoziologe Asef Bayat beruft sich in seinen „Life as Politics“-Analysen der „Nonmovements“ im Alltag auf Michel Foucault: „Wo immer es Herrschaft gibt, gibt es Widerstand dagegen.“ Er hätte diesbezüglich besser Michel de Certeaus Alltagsanalysen studieren sollen. (1) Dieser schreibt über die „taktischen (Ab-)Gründe“:

Die Besatzungsmacht besteht heute aus der Totalität der Lebensverhaltnisse in den „elektronisierten und informatisierten Riesenstädten“, meint Certeau, der im vereinzelten Konsumenten den Partisan des Alltagslebens entdeckte. Dieser muß nämlich, um zu überleben, die zahlreichen und unendlichen Metamorphosen des Gesetzes dieser Ökonomie in die Ökonomie seiner eigenen Interessen und Regeln ‚umfrisieren'“. Seine Mittel sind dabei „ortlose Taktiken, Finten, eigensinnige Lesarten, Listen…“ Bereits der Kriegstheoretiker Clausewitz verglich die List mit dem Witz: „Wie der Witz eine Taschenspielerei mit Ideen und Vorstellungen ist, so ist die List eine Taschenspielerei mit Handlungen“.

Für Certeau sind nun „die Handlungsweisen der Konsumenten auf der praktischen Ebene Äquivalente für den Witz“. Wobei die intellektuelle Synthese ihrer Alltagspraktiken nicht die Form eines Diskurses annimmt, sondern „in der Entscheidung selbst liegt, d.h. im Akt und in der Weise, wie die Gelegenheit ‚ergriffen wird'“. Dennoch lassen sich diese operationalen Leistungen auf sehr alte Kenntnisse zurückführen: „Die Griechen stellten sie in der Gestalt der ‚metis‘ dar. Aber sie reichen noch viel weiter zurück, zu den uralten Intelligenzien, zu den Finten und Verstellungskünsten von Pflanzen und Fischen, Jägern und Landleuten. Vom Grunde der Ozeane bis zu den Straßen der Megapolen sind die Taktiken von großer Kontinuität und Beständigkeit. In unseren Gesellschaften vermehren sie sich mit dem Zerfall von Ortsbeständigkeit“. Ohne die Möglichkeit, den immer engmaschigeren Systemen zu entkommen, bleibe dem „Individuum“ nur noch die Chance, sie immer wieder zu überlisten, auszutricksen, „Coups zu landen“.

Dadurch ändert sich jedoch nichts, es hilft nur, vorübergehend der eigenen Verzweiflung zu entkommen, die dafür beim nächsten Mal umso heftiger eintritt, wenn der „Coup“ zurückgeschlagen wird. Und überhaupt ist es fraglich, ob das ewige überlisten, austricksen – um der eigenen Interessen willen – nicht völlig verblödet: dieses sich ständige nur um sich kümmern. Als Anarchist ist man außerdem und sowieso jeder „Taktik“ abgeneigt.

Nach den drei Saudi-Büchern hier noch drei Berlinbücher:

Das eine Buch fand ich in der Grabbelkiste der taz-Kulturrredaktion, das andere hinterließ jemand für mich in einer Kneipe und das dritte bekam ich – gleich im Dutzend – zugeschickt: den  Aufsatzband – „Kaltland“, herausgegeben von: Manja Präkels aus Zehdenick, Sängerin der Band „Singender Tresen“, Markus Liske aus Bremen, Autor von „Deutschland. Ein Hundetraum“ und Karsten Krampitz – Obdachlosenbetreuer und Oskar-Brüsewitz-Biograph. Die drei  haben Texte von 39 Autoren – u.a. von Volker Braun, Annett Gröschner und Jakob Hein – zusammengetragen, die sich mit den ersten Jahren der Nicht-mehr-DDR (nach 1990) befassen – mit einigen blinden Flecken der „Wenderomane“. Dabei ist u.a. von Neonazi-Opfern und Treuhand-Tätern die Rede – in Feinarbeit sozusagen.

Daneben gibt es auch noch Romane, die sich mit den Westberliner Befindlichkeiten seitdem  befassen: z.B. „dürfen ist pflicht“ von  Petra Lehmkuhl, geboren 1975 in Bremen und akademisiert 2005 mit einer Magisterarbeit über den Charlottenburger Satanisten-Galeristen Jes Petersen. Die Handlung ihres Romans spielt im „kreativen Prekariat“, konkret: in der Kreuzberger „Scene“ feministischer „Projektemacher“ und ihrer  männlichen Satelliten, wobei es primär um  Kneipengespräche geht, die dem Leser Ortskenntnisse bis hin nach Wilmersdorf und Mitte abverlangen und durchweg die Be- und Ent-ziehungen der Beteiligten  thematisieren. Das ist ziemlich unterhaltsam, auch wenn die Männer etwas blaß wirken, aber das ist vielleicht Realismus. Die Rezensentin des „Freitag“ spricht von einer „Flucht in die Ironie“ und „Sehnsucht nach einer Zäsur“ – eine „Ahnung“, dass dieses  komische „Leben“ nicht ewig so weitergehen kann…und sei es, weil einem die Freiheit zum Hals raushängt.

Im Wedding spielt der Roman „Arab Queen“ von Güner Yasemin Balci. Die Autorin ist ebenfalls Journalistin und 1975 geboren – in Neukölln, wo sie später einen „Mädchentreff“ leitete. Ihren Roman bezeichnet sie als eine „Anleitung zur Rebellion“ – und zwar für arabische Mädchen, die derart familial eingebunden sind, dass ihnen nur die Lüge und die Flucht bleibt, um „den Geschmack der Freiheit“ zu kosten – wie der Roman im Untertitel heißt.

Wenn man nach Balcis Buch bei Amazon mit den Eingaben Arab + Wedding sucht, wird einem „Arab Wedding Music“ empfohlen – und tatsächlich geht es auch in „Arab Queen“ (ähnlich wie im Tagebuchroman  „Die Girls von Riad“ der saudischen Bloggerin Rajaa Alsanea), die ganze Zeit ums Heiraten – insofern die Ehe den großen Bruch markiert im Leben von arabischer Mädchen, die es in diesem Fall mit ihrer Familie in den Wedding verschlagen hat und die dort zur Schule gehen. Vor der Hochzeit müssen sie noch schnell – mit List und Tücke –  versuchen, so viel Leben wie möglich mitzukriegen, denn sobald sie verheiratet werden, kommen sie quasi nicht mehr aus dem Haus und werden schwanger. Paradoxerweise hilft ihnen später ausgerechnet ihr „Jobcenter“,  wieder Anschluß an das Leben (draußen) zu finden, indem es sie zur Annahme von (befristeten) Ein-Euro-Jobs in sozialen Einrichtungen zwingt. Die Autorin hat ihren  bedauernswerten kurdischen Protagonistinnen jedoch einen wenn auch fiktiven Dauer-Ausweg verpaßt: Sie trennen sich von den  Ehemännern, „Penner“ von ihnen genannt, und kommen in Frauenhäusern darauf, dass ihre „Flucht“ ihnen „ein neues Leben“ eröffnet – „in Hannover“ z.B..

Güner Y. Balci hat ihren pädagogischen Teenager-Roman  dem Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky gewidmet. Zuvor hatte sie bereits einen Roman mit dem Titel „Arabboy“ veröffentlicht:   „Kein einziger hoffnungsfroher Lichtstrahl fällt in dieses ‚kurze Leben‘, das exemplarisch für eine türkische oder arabische Biografie in Deutschland steht, und die Autorin lässt ihre Geschichte auch genauso finster enden,“ so die Rezensentin der Süddeutschen Zeitung. Der „Arabboy“ – Rashid – sei aber auch als Täter „ein wirklich unangenehmer Zeitgenosse, der bei allem Gerede von Familienehre nicht den mindesten Respekt vor seinen Opfern zeigt.“ In „Arab Queen“ kommen diese nun gewissermaßen selbst zu Wort. Insofern ähneln Balcis zwei Bücher der Textsammlung „Kaltland“, in der es ebenfalls um „Opfer“ und „Täter“ geht, während die Protagonistinnen im Roman von Petra Lehmkuhl höchstens Opfer ihrer eigenen Nicht-Taten zu werden drohen, auch die Prokreation wird von ihnen abgelehnt. „Wirklich schad um das Ejakulat,“  heißt es in einer Rezension. Auf einem „Open Mike“ las Petra Lehmkuhl aus ihrer Erzählung: „Dosenpfand“ – „ein nüchtern zusammengefasstes Beziehungselend über drei Trennungen“ – laut Berliner Zeitung. Fassen wir zusammen, dann thematisieren alle hier erwähnten Bücher mehr oder weniger unglückliches Leben.

Wenn man im Buchladen nach Büchern von Frauen sucht, die Islamis heirateten, stößt man eigentlich nur auf solche Texte von Unglücklichen, von ihren Fluchtversuchen und vom Scheitern ihrer Befreiungsanstrengungen. Grauenhaft! Einige seien hier genannt:

1. Gefangen in Deutschland: Wie mich mein türkischer Freund in eine islamische Parallelwelt entführte

Kurzbeschreibung: Katja Schneidt ist eine junge, moderne, selbstbewusste Frau, die ihr Leben liebt und jede Menge Spaß hat. Bis sie Mahmud kennenlernt. Sie verlieben sich, ziehen zusammen und Mahmud zeigt sein wahres Gesicht – das Gesicht eines Tyrannen. Katja Schneidt wird als Deutsche mitten in Deutschland Teil der türkischen Parallelgesellschaft. Sie darf das Haus nur mit Einwilligung Mahmuds verlassen, muss Kopftuch und lange Kleidung tragen und wird brutal misshandelt. Sie wird immer stärker in einen Abgrund hineingezogen, in dem sie Zeuge von Zwangshochzeiten, Hochzeiten mit minderjährigen Bräuten und schlimmsten Auswüchsen von Gewalt – vor allem gegen Frauen – wird. Erst als sie zum wiederholten Mal halbtot geschlagen wird, sammelt sie all ihren Mut und flieht, um Mahmud anzuzeigen, gegen ihn vorzugehen und damit zur Geächteten zu werden, der bis heute die Blutrache von Mahmuds Familie droht. Die erschütternde Geschichte aus einer islamischen Parallelgesellschaft, in die plötzlich auch deutsche Frauen hineingezogen werden.

Katja Schneidt, Jahrgang 1970, arbeitet hauptberuflich als private Arbeitsvermittlerin und teilt Ihr Leben, mit Tochter und Sohn sowie ihrem langjährigen Lebensgefährten, der ebenfalls einen Sohn und eine Tochter mit in die Beziehung brachte. Vier Hunde, sowie einige Kleintiere vervollständigen die Familie. Sie lebt heute in der Nähe von Frankfurt am Main.

2. Gefangen im geliebten Land: Meine ägyptischen Jahre – von Heike K.Wagner

Kurzbeschreibung: Mit ihrem ägyptischen Ehemann Ahmed und ihrem Sohn Nessim zeiht die junge Heike Wagner aus Köln in die Heimatstadt ihres Mannes nach Tanta in Ägypten. Sie folgt ihm in dem Glauben, ihr Leben würde am Nildelta so glücklich und unbeschwert sein wie in Deutschland. Doch sie muss erfahren, dass sie sich bitter getäuscht hat. Obwohl sie ihr Auftreten und Verhalten radikal ändert, wird sie doch immer wieder der Leichtlebigkeit verdächtigt. Nichts, so scheint es, kann sie Ahmed recht machen. Er schränkt sie ein, verbietet ihr die gewohnten Dinge, lacht sie vor seiner Familie und seinen Freunden aus. Sperrt sie schließlich sogar in das Haus seiner Eltern ein. Und seine offen gezeigte Verachtung zerstört ihre letzten Hoffnungen auf ein glückliches gemeinsames Leben. Aber Heike findet dort bei Ahmeds Eltern und Geschwistern auch Zuneigung, Verständnis und das aufrichtige Bemühen, sie in die Familie einzubinden. In der Wärme der Großfamilie fühlt sie sich wohl, doch gleichzeitig befremden sie die hierarchische Strenge und religiöse Kompromisslosigkeit, denen sie sich unterordnen muss. Als sie mit ihrem Sohn zurück nach Deutschland fahren möchte, verbietet Ahmed es ihr nicht nur, sondern er lässt sie unmissverständlich wissen, dass sie und Nessim Ägypten nie wieder verlassen dürfen…

3. Der Schleier der Angst  von Samia Shariff

Angst ist ihr erstes Gefühl. Als drittes Kind einer reichen algerischen Familie in Paris geboren, begreift Samia schon früh, was es heißt, ein Mädchen zu sein. Die eigene Mutter verflucht den Tag, an dem sie geboren wurde. Vater und Brüder bringen ihr nur Ablehnung entgegen. Schon in Paris führt Samia das Leben einer Gefangenen, doch als die muslimische Familie nach Algerien zieht, erlebt sie die Hölle. Mit sechzehn wird sie an einen Mann zwangsverheiratet, der sie schon in der Hochzeitsnacht schlägt und vergewaltigt. „Wenn du deinen Mann nicht respektierst, bringen wir dich um“, sagen die Eltern. In einer Atmosphäre von Angst und Gewalt bringt Samia sechs Kinder zur Welt. Als sie sich scheiden lässt, beginnt eine wahre Hexenjagd. Samia riskiert ihr Leben, um mit ihren Töchtern zu fliehen …

4.  Zur Ehe gezwungen, von  Leila

Unter dem Pseudonym ‚Leila‘ bricht eine Muslimin das Schweigen und erzählt stellvertretend für Tausende Frauen ihr Leben: Leila entstammt einer hoch angesehenen Familie, die seit über 25 Jahren in Europa lebt. Im Alter von 21 Jahren wird sie gegen ihren Willen verheiratet. Mit einem Mann, der beinahe doppelt so alt ist wie sie, den sie niemals zuvor gesehen hat – und den sie nicht lieben kann. Sie muss sich ihrem Vater und der Tradition unterwerfen. Im Haus ihres Ehemanns beginnt für sie eine wahre Hölle aus körperlicher und seelischer Gewalt, endlosen Demütigungen und Schikanen. Doch Leila gibt nicht auf – und erkämpft schließlich ihre Freiheit.

5.  Erstickt an euren Lügen: Eine Türkin in Deutschland erzählt – von Inci Y.

Inci, so ihr neuer Name, lebt als ungelernte Arbeiterin heute wieder in Deutschland, hier ist sie 1970 auch geboren, wächst dann in Ankara bei der Großmutter auf und kommt Jahre später zurück nach Deutschland. Zwei Zwangsehen, zwei Kinder, Scheidung, keine Schulausbildung, aber einen unbeugsamen, starken Willen und einen unerschütterlichen Glauben an ein besseres Leben lassen sie das meistern, was mit Hölle noch sanft umschrieben ist. Ein sehr persönlicher Bericht, eine intime Offenbarung, aber auch ein Ventil für Verzweiflung und Aussichtslosigkeit.

„Dreimal täglich Prügel gehört in unser Leben wie dreimal täglich essen.“ schreibt sie und die detailreiche, lebendige und anschauliche Art, in der sie die Dramatik ihres Lebens Revue passieren läßt, ruft starke und spontane Betroffenheit hervor. Das, was da auf 300 Seiten steht, kann einen nicht kalt lassen, macht sprach- und fassungslos und noch lange nach der Lektüre kreisen Gedanken um das, was schwer fällt als tatsächlich Geschehenes zu akzeptieren. Starre Regeln bestimmen Incis Leben, sinnlose Traditionen, quälende Pflichten und eine scheinheilige Moral, wie „die Eintrittskarte zur ehelichen Befähigung“- das Jungfernhäutchen. Erniedrigung statt Liebe, devotes Verhalten statt Stolz auf eigene Persönlichkeit, Gefühlskälte und Zorn statt Verständnis. „Ich ersticke an ihren Lügen, an ihrer Scheinheiligkeit, an ihrer Selbstgerechtigkeit, an ihrer Ignoranz.“

Bei aller Subjektivität der Schilderung, dies ist sicher kein Einzelfall in der Türkei, wenngleich die Autorin selbst auch deutlich macht, dass zunehmend europäische Einflüsse die alten Strukturen aufzubrechen beginnen. Dies gilt insbesondere für die Großstädte. Aber: „Was nützt hier in Anatolien die Freiheit, die in den Straßen der modernen türkischen Metropolen pulsiert?“

6.  „Aus Angst um mein Kind“: Flucht aus Tunesien – vonTina Sachs

Während eines Urlaubs auf der tunesischen Insel Djerba lernt Tina den charmanten Einheimischen Kamal kennen, der sich ihr gegenüber als Traummann zeigt: gut aussehend, charismatisch, zuvorkommend, einfühlsam er verkörpert all das, was Tina zu Hause an Männern vermisst. Auch nach ihrer Abreise umwirbt er sie eifrig, schickt Briefe, ruft sie an. Tina verfällt seinem Charme, und schon bald entspinnt sich eine leidenschaftliche Beziehung. Die junge Deutsche zieht auf die Insel, sie heiraten, bekommen einen Sohn das Glück scheint perfekt. Doch schon bald tauchen die ersten Probleme auf: Immer häufiger kommt Kamal betrunken nach Hause und verliert einen Job nach dem anderen. Er betrügt Tina mit anderen Frauen, verlangt immer mehr Geld und wird zunehmend aggressiv. Als Tina beschließt, ihn mit dem gemeinsamen Sohn zu verlassen, eskaliert die Situation. Was als romantisches Märchen begann, entwickelt sich nach und nach zu einem schrecklichen Albtraum und zur Bedrohung für Tina und ihr Kind.  Vier Jahre dauert es, bis sie sich scheiden lassen kann. Doch auch hier ist sie nicht sicher: Immer wieder tyrannisiert ihr Exmann sie mit Telefonanrufen, Stalking und Übergriffen, um danach wieder nach Tunesien zu verschwinden.

7.  Wo ist Sara?: Eine Mutter kämpft um Ihre entführte Tochter – von Fabienne Brin

Der Alptraum beginnt mit einer traumatischen Szene. Acht Tage, nachdem Fabienne zu ihren Eltern geflüchtet ist, darf sie ihre Töchter wieder sehen. Sara, fast vier Jahre alt, und Eva, neun Monate. Da greift ihr Mann Habib sie an, stößt ihr ein Messer ins Auge, zerschneidet ihr eine Gesichtshälfte. Er will mit beiden Töchtern fliehen, doch mit letzter Kraft kann die Schwerverletzte ihm das Baby aus dem Arm reißen. Die entsetzten Blicke der geschockten Sara sind das Letzte, was sie von ihrer Tochter sieht. Damit beginnt Fabiennes dreijährige Suche nach Sara. Im Stich gelassen von der Polizei und den Behörden, nimmt die Mutter die Ermittlungen in die eigene Hand. Wo ist Sara? ist das dramatische Dokument einer unglaublichen Suche und das tief bewegende Zeugnis unerschütterlicher Hoffnung.

Fabienne Brin wuchs in Nantes auf. Als sie über eine Freundin in Paris den Exil-Iraner Marc Habib Eghbal kennenlernte, war es für sie die große Liebe. Nach ihren traumatischen Erlebnissen lebt sie heute wieder mit ihren beiden Töchtern in Nantes, wo sie als Krankenschwester arbeitet.

8.  Allah & Eva: Der Islam und die Frauen – von Betsy Udink

Sagen wir es frei heraus und ohne Umschweife, was wir aus Betsy Udinks erschütterndem Reportagenbuch Allah & Eva lernen: Für Frauen ist Pakistan die Hölle. Anders kann man wohl kaum nennen, was Männer in der islamischen Republik den Frauen in ihrem Land im Namen Allahs und mit dem Segen der Scharia tagtäglich bereiten — und, gegen die Regeln des Korans und das weltliche Recht gleichermaßen verstoßend, auch manchen Knaben, die schon mal dazu herhalten müssen, die sexuelle Gier alter Männer zu stillen, denen entweder keine Frau zur Hand ist oder die nun einfach mal auf Knaben stehen.

Vor allem aber leiden die Frauen, von denen es indes viel zu wenige gibt in Pakistan. Denn oft werden sie schon vor der Geburt aussortiert, oder sie werden Opfer von „Ehrenmorden“. Und schon kleine Mädchen werden gerne einmal als Beigabe zu einem guten Geschäftsabschluss oder als Versöhnungsgeste von ihren Vätern „verschenkt“ oder zur Festigung der Familienbande gegen ihren Willen, der nichts zählt, mit fremden Männern verheiratet, die dann ihrerseits frei über sie verfügen. Das geschieht natürlich nicht tagtäglich und überall, aber es kommt vor.

Der bloße Verdacht der „Zina“ (des Ehebruchs oder ganz einfach des „unsittlichen Verhaltens“) genügt, sie ins Gefängnis werfen zu lassen. Oder der Mann vollstreckt sein eigenes oder das Urteil des Familienrates über die Gattin gleich selbst, tötet die Frau und verscharrt sie!

„Betsy Udink zieht die Schleier weg vor dieser „geheuchelten Aufklärung“ und führt ihre Leser in die Provinz, in die Welt der Dörfer und Kleinstädte, wo Kinderbräute sechzigjährigen Männern gegeben werden, als Schuldenerlass des Großvaters oder als Schadensersatz für Nachbars versehentlich getöteten Hund. Unbestechlich legt Betsy Udink an die islamische Gesellschaft ein einziges Maß: die Menschenwürde. Es steht dort schlecht um sie.“ (Regina Mönch, FAZ )

9. Wenn Mütter gegen ihren „Feind“, ihren Ex-Mann, um ihre Kinder kämpfen, dann ist ihnen oft jedes Mittel recht. Ein diesbezüglich besonders übles Beispiel ist der Bestseller von Betty Mahmoody: „Nicht ohne meine Tochter“, in dem die Autorin gegen ganz Persien kämpft – und dabei vor keiner Lüge und Übertreibung zurückschreckt. Dies bewog die im Berliner Exil lebende Autorin Nasrin Bassiri, eine Entgegnung auf das US-Machwerk zu veröffentlichen: „Nicht ohne die Schleier des Vorurteils“ heißt ihr dünnes Buch.

Hier noch eine weitere persische Miniatur:

Anruf eines Herrn Majid: In Paris findet am 17.6. eine Demonstration statt – wegen der Menschenrechte im Iran, ob ich in ihrem Bus mitfahren wolle, für Unterkunft sei gesorgt. Nein, sage ich, keine Zeit. Warum er dabei überhaupt auf mich gekommen sei? Statt meine Frage zu beantworten, lädt Herr Majid mich in sein Büro in Mitte ein, um mir ein aus dem Iran geschmuggeltes Video vorzuführen, wie er sagt. Wir verabreden uns für den übernächsten Tag.

In der Zwischenzeit frage ich bei einigen Auslandsredaktionen nach, ob sie nicht Interesse hätten, sich statt meiner das Video anzukucken. Eine rät mir, ich solle erst mal herausfinden, um was für eine iranische Gruppen es sich dabei handele: „Wenn es die Mujaheddin sind, kannst du sie vergessen!“ Die andere Redaktion tippt auf den „Nationalen Befreiungsrat“ und will mit dieser Gruppe ebenfalls nichts zu tun haben. Mich  verwundert diese Abwehr der Anliegen persischer Exilanten – und denke dabei an die wunderbaren iranischen Feministinnen in Frankfurt und Berlin, sowie an meine einstige Begeisterung für die mit Toncassetten vorbereitete „persische Revolution“ von Chomeini. Gegen die von ihm aufgebaute Mullah-Herrschaft entwickelte sich dann – ebenfalls im Ausland – eine neue Widerstandsbewegung, die jetzt anscheinend mit Videotapes arbeitet…Eine dritte Auslandsredaktion rät mir, den Termin zu vergessen, um nicht in irgendwelche „islamisch-fundamentalistischen Gemengelagen“ reinzugeraten…

Sollte die Schweinepresse – von Spiegel bis Bild – sogar schon die Intelligenz völlig verblödet und paranoisiert haben? Und was hatte sie bereits in meinem Kopf bewirkt? Da ich in Kreuzberg wohne und die meisten meiner  türkisch-kurdischen und palästinensisch-arabischen Nachbarn inzwischen auch alle mehr oder weniger islamisch-fundamentalistisch geworden sind – ohne dass sich dadurch der Umgang zwischen uns groß geändert hätte, klingelte ich dann mit einer Art grimmiger Entschlossenheit an der Bürotür der iranischen Gruppe. Mir öffnete eine ältere Frau mit Kopftuch. Ich reichte ihr die Hand – woraufhin sie entsetzt zurückwich: „Nein, das geht nicht!“ Dann wies sie mir in einem Hinterzimmer einen Platz zu und legte ein Video ein. Es waren wackelnde Amateuraufnahmen aus Koranabad: Hunderte von Männern hinter Absperrgittern, davor rumfuhrwerkende und filmende Polizisten sowie vermummte Hilfspolizisten. Schließlich rollten drei LKWs auf einen freigehaltenen Platz. Sie waren mit Hebegeschirren ausgerüstet an denen blaue Seile baumelten. Dann wurde ein etwa Dreißigjähriger Mann mit verbundenen Augen herangeführt, dem man die Hände hinter dem Rücken zusammengebunden hatte. Er redete laut. Mehrere Polizisten, darunter auch wohl derjenige, von dem das Video stammte, richteten ihre kleinen Kameras auf ihn.

Herr Majid, mit dem ich telefoniert hatte, kam herein, grüßte, setzte sich neben mich – und spulte dann das Band zurück, wobei er sich sehr erregte, obwohl er die Szene sicher schon mehrmals gesehen hatte. Die Frau mit Kopftuch hatte sich derweil ein Wörterbuch geholt und erzählte mir: „Drei Männer sollen da gehenkt werden, die Mullahs haben erklärt, es handele sich um Schmuggler und Räuber. Das stimmt nicht: Es sind Politische. Der Mann im Bild sagt gerade, er sei unschuldig.“ Dann legten ihm einige Henker das Seil um den Hals. Das Bild löste sich auf, als man wieder etwas erkennen konnte, hing er bereits zehn Meter hoch über der Menge am Hebegeschirr – er  zuckte noch. In der darauffolgenden Einstellung sah man zwei weitere in der selben  Weise aufgehenkte Männer. Damit endete das Video.

Ich blieb noch sitzen. Herr Majid ging in die Küche und setzte Wasser auf, während die Frau mit Kopftuch mir vier Ausgaben der Zeitung „Iran Liberation“ in die Hand drückte. Ich steckte sie in meine Tasche. Man bot mir einen Tee an, ich lehnte dankend ab und stand auf, wobei ich der Frau instinktiv erneut die Hand hinhielt. Sie wich abermals zurück und murmelte:  „Nein, das nicht!“ Ich verließ das Büro und trat auf die Straße. Die Sonne schien. Ich war erleichtert: wieder einmal einen Termin hinter mich gebracht zu haben! Aber so eine Fremdheit hatte ich noch nie erlebt: Konnte man dabei überhaupt noch von Solidarität reden – zwischen uns?

Photo: iranzukunft.org


Anmerkung:

(1) Asef Bayats Buch „Life as Politics“ beschränkt sich nicht auf diese Gegenüberstellung von „Movement“ und „Nonmovement“. Er hat auch die pragmatische Nonkonformität der islamischen Unterschicht herausgearbeitet, die im Gegensatz zur von Abstieg bedrohten Mittelschicht unideologische Nonmovement-Strategien verfolgt, um ihr Überleben zu sichern.

Im neuen Sonderheft der „Deutschen Zeitschrift für europäisches Denken – Merkur“ ist dem gegenüber ausschließlich von „Nonkonformisten“ in der (kulturellen) Mittelschicht die Rede. So schreibt z.B. der Soziologe Heinz Bude in diesem Heft mit dem Titel „Sag die Wahrheit! Warum jeder ein Nonkonform ist, aber nur wenige es sind“: „Nonkonformisten treten als Einzelne auf, die sich dem Herdentrieb entgegenstellen, der Schwarmintelligenz mißtrauen und die Intertextualität unterbrechen.“

Die Idee eines Ranking der nonkonformistischen Euro-Intelligenz der letzten 300 Jahre kam den „Merkur“-Herausgebern angeblich bei der Foucault-Lektüre – „nicht unbedingt ein Darling dieser Zeitschrift“, wie sie zugeben, aber Foucault habe die „freie offene Rede“ einmal als Verbindung von „Wahrheit und Tapferkeit“ bezeichnet, somit die „Wahrheit als eine Form des risikoreichen Lebens selbst. Es geht am Ende also nicht bloß um das Aussprechen der Wahrheit, sondern um die unumwundene Rede…Erst dadurch läßt sich von der Wahrheit als Mut sprechen.“

Überflüssig zu erwähnen, dass solche Nonkonformisten früher oder später auch immer eine regelrechte „Bewegung“ lostreten, mindestens eine Denkbewegung – dann spricht man rückblickend auch von einem „Paradigmenwechsel“ im Soundso-Diskurs.

Nun nimmt jedoch im Nonmovement der städtischen Unterschichten die intellektuelle Synthese ihrer Alltagspraktiken gerade nicht die Form eines Diskurses an, wie Michel de Certeau herausarbeitet, sondern besteht in der „Entscheidung selbst, d.h. im Akt und in der Weise, wie die Gelegenheit ‚ergriffen‘ wird.“

Neben dem Dringlichsten, das in „individueller direkter Aktion“ erledigt wird, gibt es noch ein Ziel, schreibt der Soziologe und Kairoer Stadtforscher Asef Ayat, dass die arabischen Unterschichten verfolgen: „Autonomie erlangen – kulturell und politisch ein informelles Leben führen.“ Er nennt sie die Marginalisierten, mit dem Chicagoer Soziologen Parks auch „the marginal man“, den Migranten, der eventuell nur von einer Stadt in die andere, von einem Viertel ins nächste „flüchtet“. Dessen Sozialbeziehungen, so Ayat, beruhen eher auf Reziprozität (als auf Äquivalenz), auf Vertrauen und Verhandlung als auf modernen Vorstellungen von individuellem Eigentinteresse, fixierten Regeln und Verträgen. Sein Trachten geht dahin, lieber an selbstgestellten Aufgaben zu arbeiten als sich in die Disziplin eines modernen Arbeitsplatzes zu fügen. Er regelt Unannehmlichkeiten lieber informell als bei einer Behörde oder gar der Polizei. Auch heiratet er lieber informell als staatsamtlich und borgt sich Geld lieber bei informellen Kreditgebern als in modernen Banken.

„Dies geschieht nicht, weil diese Leute nicht modern genug oder anti-modern eingestellt sind, sondern aufgrund der besonderen Bedingungen ihrer Existenz, die sie dazu zwingt, sich informeller Lebensformen zu bedienen.“

Eine solche „informelle Lebensweise“, wie sie in den Armenvierteln der arabischen Großstädte anzutreffen ist, wird dort laut Bayat auch von etlichen Künstlern und anderen Mittelschichtlern geteilt. Dabei würde sich dann deren intellektueller Nonkonformismus mit dem neuen der Marginalisierten und Migrantierten „mischen“ – quasi erden. Im Gegensatz zu Bahman Nirumand hält Bayat z.B. die Slums von Südteheran nicht für Brutstätten des Islamfanatismus und deren Bewohner nicht für die Subjekte der schrecklichen „islamischen Revolution“. Zwar leben auch islamische Fundamentalisten in diesem Milieu, und sei es, um dort unterzutauchen, aber den Armen gelten  nicht ihre Rekrutierungs- bzw. Bekehrungsanstrengungen. Dennoch haben sie in der Öffentlichkeit zum Image der „Informellen“ beigetragen: die islamischen Armenviertel werden heute als ein „Hobbesian locus of lawlessness, violence and religious extremist“ begriffen. Dabei wurde das US-Konzept der „Slums“ unkritisch auf die islamischen Großstädte übertragen. Vor Bayat hatten das in bezug auf die Istanbuler „Getschekondos“ auch schon türkische Stadtforscher kritisiert. Und auch für die in Deutschland lebenden Türken, Araber und Iraner gilt das, was Bayat in bezug auf die „urban subaltern“ im Nahen und Mittleren Osten sagt: Sie sind permanent am Verhandeln und Ausbalancieren von Autonomie und Integration. „Yet they continue to pursue autonomy in any possible space available within the integrating structures and process.“


Kommentare (6)

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  1. Amir Hassan Ceheltan:

    „Amerikaner töten in Teheran“ (ein Roman, München 2011)

    Der Amerikaner George: „Was ist der wahre Grund für die Terroranschläge?“
    Der iranische Professor Schakiba: „Die sexuelle Repression! …Es ist ein uraltes freudloses Land.“

  2. Veranstaltungshinweise:

    1. Am 25.9. L’INSURRECTION ET MOI

    Um 19.30 Uhr. im Clash (Gneisenaustr. 2a).

    Staatspleiten, Eurokrise und (k)ein Aufstand

    Diskussionsveranstaltung mit
    – TIQQUN (Autor_innenkollektiv aus Frankreich)
    – Terminal 119 (Antinationale Gruppe aus Griechenland)
    – TOP B3rlin (Kommunistisches Projekt gegen alles Böse)

    Als 2008 die Investmentbank »Lehman Brothers« Pleite ging und eine internationale Finanzkrise ausbrach, hofften viele Linke, dass nun die Zeit für eine neue antikapitalistische Bewegung gekommen sei. In der Tat deutete einiges darauf hin, dass die »versteinerten Verhältnisse« (Marx) aufbrechen würden. In Feuilleton und Talk-Shows wird plötzlich aufgeregt über die Schwächen des »Kapitalismus« und die Unmoral der »Märkte« und »Banker« debattiert.

    Inzwischen droht gleich mehreren EU-Ländern die Staatspleite, die weltweite Konjunktur schwächelt, Angst vor einer tiefen Rezession greift um sich – doch der große Aufstand ist ausgeblieben. In arabischen Ländern streiten Hunderttausende für demokratische Reformen, Kritik an kapitalistischer Verwertung, Eigentum und Ausbeutung bleibt hingegen die absolute Ausnahme. Soziale Proteste in Griechenland, Spanien und anderen europäischen Ländern zeigen sich überwiegend in nationalen und staatlichen Formen befangen. Die Riots in London und anderen Städten Englands offenbaren neben berechtigter Wut auch radikale Ohnmacht und agressiven Nihilismus.

    Beim (Noch-)Krisen-Gewinner Deutschland herrscht Burgfrieden, gestützt durch Krisennationalismus, Sozialchauvinismus und Rassismus. Mit dem Kampfbegriff der »Integration« wird alles rund geschliffen, was Deutschlands »Zukunftsfähigkeit« in der globalen Konkurrenz im Weg stehen könnte. Am ‘Tag der Deutschen Einheit’ 2011 in Bonn geht’s einmal mehr darum, den »Zusammenhalt Deutschlands zu stärken« (Hannelore Kraft), damit der kapitalistische Verwertungsprozess auch weiter so reibungslos läuft.

    An dieser nationalen Mobilmachung beteiligen wir uns nicht. Stattdessen wollen wir mit unserer Veranstaltung die Brüche und Widersprüche der nationalen Krisenpolitiken ausloten. Was ist von der antikapitalistischen Hoffnung geblieben? Welche Rolle spielen Ideologien für die Art und Weise wie die Krise verarbeitet wird? Was sind die Aufgaben einer linken Bewegung, die den Kapitalismus nicht einfach nur zerschlagen, sondern in Form einer humanen Gesellschaft aufheben will?

    Es diskutieren:

    TIQQUN, französisches Autor_innen-Kollektiv, das sich als »Instrument der Anonymisierung im Dienste einer Position« versteht. Mit ihrem poetischen Stil und politisch radikalen Engagement steht die Gruppe in der Tradition der Situationisten und des Lettrismus. Ihre Texte sind von der Philosophie des Postrukturalismus und Dekonstruktion beeinflusst. Tiqqun wird auch mit dem Buch »Der kommende Aufstand« in Verbindung gebracht.

    TERMINAL 119, antinationale Gruppe aus Griechenland, engagiert sich seit dem Jahr 2005 unter dem Motto »Für soziale und individuelle Autonomie«. Sie beschäftigt sich mit Fragen der Staats- und Nationalismuskritik und engagiert sich gegen Homophobie und Sexismus. Terminal 119 geben eine Zeitschrift heraus, organisieren Diskussionsveranstaltungen und beteiligen sich an Demonstrationen.

    TOP B3RLIN, kommunistisches Projekt gegen alles Böse, entstammt der (Post-)Antifa Szene. Neben linksradikaler Bewegungspolitik betont die Gruppe die Notwendigkeit theoretischer Reflexion und einer Wiederaneignung kritischer Gesellschaftstheorie im Anschluss an Marx. TOP Berlin ist im bundesweiten »…umsGanze!«-Bündnis organisiert und Teil des Berliner »Bündnisses gegen Rassismus und Sozialchavinismus« (BgRS).

    2. Am 29.9. Akademie der Künste um 19:00 Uhr, Pariser Platz
    Plenarsaal:

    Der arabische Aufbruch – 42. Akademie-Gespräch

    Die Revolutionen in Ägypten und Tunesien waren der Auftakt für eine politische Neuordnung der gesamten Region. Mehrere Monate nach den ersten Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz scheint die Freiheitsbewegung gefährdet und die politische Zukunft ungewiss. Viele der alten Eliten sitzen nach wie vor in entscheidenden Positionen, die Rolle des Militärs in Ägypten ist ungeklärt, die Stabilisierung der Demokratiebewegung lange nicht abgeschlossen.

    Wie ausgeprägt sind zivilgesellschaftliche Strukturen in der Region? Was kann kulturelle Arbeit zur Lösung von Konflikten beitragen? Wie ist die Situation von Künstlern und Kulturschaffenden? Wie frei können sie arbeiten? Was sind die Voraussetzungen für eine unabhängige Medienlandschaft? Welche Bedeutung hat der Islam für den Demokratisierungsprozess? Welchen Einfluss nimmt der Westen? Zu dem Gespräch über den aktuellen Zustand der Zivilgesellschaft in den arabischen Ländern laden das Goethe-Institut und die Akademie der Künste ein.

    Es diskutieren:

    Stephanie Doetzer Journalistin, bis 2011 bei Al-Dschasira, Doha
    Alfred Eichhorn Journalist
    Loay Mudhoon Redakteur, Deutsche Welle und Lehrbeauftragter, Institut für Internationale Politik und Außenpolitik und Orientalisches Seminar der Universität zu Köln
    Sarah Rifky Kuratorin, Kairo
    Oliver Schlumberger Professor für Politik des Vorderen Orients und Vergleichende Politikwissenschaft, Universität Tübingen
    Viola Shafik Regisseurin, Filmwissenschaftlerin, Kairo/Hamburg

  3. Unter den vielen Berichten von Frauen, die in den Orient reisten – mit Bildern aus „1001 Nacht“ im Kopf, ist dieser besonders:

    Ingrid Bettin: „Flucht nach Afghanistan“

    Die 1945 geborene Westberlinerin hatte einen „68er“ geheiratet und ein Kind von ihm bekommen, sich scheiden lassen und einen Lehrer geheiratet, von dem sie ebenfalls ein Kind bekam.

    Weil sie das Hausfrauendasein und seine Lieblosigkeit nicht aushielt, setzte sie alles daran, dass er eine Stelle in der Deutschen Schule von Kabul bekam. Das gelang auch, hochschwanger folgte sie ihm nach Afghanistan, wo sie zwei weitere Kinder bekam.

    Wegen des Einmarsches der Roten Armee in Afghanistan mußten sie das Land vorzeitig verlassen. Von Westberlin aus gingen sie wenig später nach Lima, wo ihr Mann ebenfalls an einer deutschen Schule unterrichtete.

    Die Autorin hat über diese Zeit in Peru ebenfalls ein Buch geschrieben:

    Ingrid Bettin: „Seele aus Stein und Taube“.

    Ihr Verlag schreibt:

    Authentischer und ungeschminkter Reisebericht einer Frau, die einige Jahre in Peru verbracht hat. Gibt interessante, aber auch manchmal schockierende Einblicke in die Lebensverhältnisse und die Kultur der indigenen Bevölkerung. Hierbei wird fast komplett auf eigene Erlebnisse (z.B. Gefängnisbesuche) und Informationen aus selbst geführten Gesprächen zurückgegriffen.

    Ähnliches könnte der Verlag ihres ersten Buches auch über ihre Afghanistanreise schreiben, der Bericht darüber erschien 2007. Er endet mit dem Satz:

    „Ulf und ich haben uns einige Jahre nach Peru getrennt, ich habe wieder geheiratet. Mein jetziger Mann und Ulf verstehen sich gut, sodass bei allen Familienfesten jetzt immer zwei Männer an meiner Seite sind.“

  4. Dpa meldete heute außerdem:

    Der ägyptische Publizist Mohamed Hashem (53) erhält in diesem Jahr den Hermann-Kesten-Preis der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland. „Mohamed Hashem hat als Verleger eine geistige Welt geschaffen, in der die arabische Erneuerungsbewegung ihren intellektuellen Nährboden gefunden hat“, teilte die Vereinigung zur Begründung am Donnerstag in Darmstadt mit.

    Die Zeit schreibt:

    Noch nie wurden so viele Literaten aus der arabischen Welt ausgezeichnet wie in diesem Jahr. Doch geehrt werden größtenteils altbekannte Schriftsteller, die westliche Positionen vertreten.

    Die Literaturpreise regnen nur so herab auf arabische Autoren in diesem Jahr. Die Aufstände in Arabien scheinen dem Rest der Welt die Augen geöffnet zu haben. Die Region hat mehr zu bieten als Terrorismus und Islamismus. Das ist erfreulich. 1988 hatte der Literaturnobelpreis für den großen ägyptischen Schriftsteller Nagib Mahfouz erstmals den Blick in diese fremde Region gelenkt. Breiter wurde das Interesse, als die arabische Welt 2004 Gastland der Frankfurter Buchmesse wurde. Doch die Arabische Liga als Partner machte dies zu einer quasi staatlichen Veranstaltung.

    Nun sind es zweifellos die überraschenden politischen Ereignisse in der Region, die die Juroren angeregt haben, den Blick auf die bisher wenig ausgezeichnete arabische Welt zu lenken.

    Denn einerseits feiern wir die Jugend in der arabischen Welt, die geschafft hat, was die ältere Generation von Oppositionellen und kritischen Schriftstellern nicht vollbracht hat; doch die Auszeichnungen gehen größtenteils an altbekannte Gesichter, die oft im Westen leben und uns daher vertraut sind. Sie sind säkular und sagen das, was der Westen gern hören möchte. Oft auch noch in unseren Sprachen. Männer über Sechzig, die von den Ereignissen und den neuen Kunstformen, die diese hervorbringen, merkwürdig abgekoppelt wirken.

    Die Juroren politischer Preise und von Auszeichnungen für Menschenrechtler haben es eigentlich einfacher. Wenn die Friedrich-Ebert-Stiftung ihren Menschenrechtspreis 2011 vergibt, geht er an zwei Blogger aus der Region: Der von der ägyptischen Polizei zu Tode gefolterte Khaled Mohamed Said wird posthum geehrt, sein Tod war ein Funke, der zur Revolte beigetragen hat. Und der tunesische Internetaktivist Slim Amamou, der erst im Gefängnis saß und nach der Revolution kurzzeitig Staatssekretär war. Das passt. Wenn aber der seit 1971 in Deutschland lebende Syrer Rafik Schami den Demokratiepreis des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie bekommt, fragt man sich, ob ein mittlerweile deutschsprachiger Autor der richtige Kandidat ist in Zeiten des Arabischen Frühlings.

    (…) Der deutsche Buchhandel kann sich zugute halten, dass er bereits im Jahr 2000 eine arabische Autorin mit dem Friedenspreis auszeichnete – die Algerierin Assia Djebar, die in ihrem Werk der Selbstfindung der Frau in islamischen Gesellschaften auf den Grund geht. Ein Thema, das wir im Westen lieben. Und praktischerweise schreibt sie auf Französisch. In diesem Revolutionsjahr ist ihr Landsmann Boualem Sansal auserkoren worden, der in seinen Büchern so harsche Kritik an den Missständen in Algerien übt, dass sie im Land verboten sind. Das spricht für Sansal. Nur wird wieder ein frankofoner Autor gefeiert, der nicht nur von Regimetreuen dafür kritisiert wird, dass er in einer Sprache schreibt, welche die jungen Algerier kaum noch beherrschen.

    epd meldet:

    Der erste ägyptische Internetradiosender für Mädchen und junge Frauen erhält finanzielle Unterstützung aus Deutschland. „Girls Only Radio Station“ mit derzeit fünf Millionen Nutzerinnen erhalte eine Eilförderung in Höhe von 5.000 Euro von der in Hamburg ansässigen „filia.die frauenstiftung“, wie die Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in Nordrhein-Westfalen am Donnerstag in Wuppertal mitteilte. Die acht Stunden täglich sendende Radiostation gebe Frauen die Möglichkeit, ihre Probleme zu benennen, ohne zensiert oder verurteilt zu werden.

    „Das gesprochene Wort ist das stärkste Mittel in der arabischen Welt. Mit unserem Radioprogramm können wir diese Kraft einsetzen, um unsere Ziele zu verfolgen“, zitiert die Landesarbeitsgemeinschaft die Gründerin des Senders, Amani Eltunsi. Die Formen der alltäglichen Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen von Mädchen und Frauen in Ägypten seien vielfältig und vehement, heißt es.

  5. Der in Deutschland lebende syrische Autor Rafik Schami bekam jüngst den Georg-K.-Glaser-Preis. Dpa interviewte ihn heute über die Situation in Syrien:

    Mit einer Mischung aus Aufregung und Schrecken verfolgt der deutsch-syrische Schriftsteller Rafik Schami die Ereignisse in seinem Heimatland. Der heute 65-Jährige floh als Oppositioneller 1971 nach Deutschland, inzwischen lebt er im nordpfälzischen Marnheim. In seinem jüngsten Buch, „Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte“, blickt Schami zurück auf seine Kindheit in Damaskus.

    Was empfinden Sie, wenn Sie die Bilder aus Ihrer Heimat sehen?

    Schami: „Zum einen Freude, dass dieses Volk sich wehrt auf eine friedliche Art und Weise. Aber auch Trauer, dass ich nicht dabei sein kann. Nun sind es sechs Monate, dass die Unruhen ausgebrochen sind. Es macht mir auch Angst, denn es ist sehr schwer, diese hochbewaffnete Diktatur friedlich zu stürzen. Es könnte in einen Bürgerkrieg münden, der Syrien dann vollkommen zerstört.“

    Gibt es eine Chance auf Frieden und Demokratie in Syrien?

    Schami: „Man braucht manchmal auch etwas Glück in der Geschichte, das könnte das Volk retten vor dem Bürgerkrieg. Das wäre, wenn Teile des herrschenden Clans, die ihre Hände noch nicht mit Blut besudelt haben, zu wahrer Kompromissbereitschaft mit der Opposition finden und echte Reformen machen und den Präsidenten, unter dessen Führung so viele Menschen ermordet wurden, absetzen. Aber ich bin eher pessimistisch, weil die Armee noch sehr, sehr stark hinter dem Präsidenten steht. Die Reformvorhaben des Präsidenten sind eine Lüge. Die 15 Geheimdienste wurden nicht aufgelöst, sondern gestärkt in ihrer Aufgabe, die Bevölkerung klein zu halten.“

    Was können Deutschland und Europa tun?

    Schami: „Nicht Militäraktionen, sondern Haltung zeigen und der eigenen Demokratie und Freiheit würdig sein, was ich sehr, sehr vermisse. Haltung zeigen, in dem man das Regime eindeutig belehrt und sagt, „Wir lassen das nicht mit uns machen“. Nicht weggucken, weil das ist die Stärkung des Regimes. Der allerschlimmste Unterstützer der Diktatur ist die Gleichgültigkeit der demokratischen Staaten – die Gleichgültigkeit, die die Nachrichten über Syrien jetzt auf die dritte oder vierte Seite in den Zeitungen rutschen lässt, anstelle dass die Empörung größer wird.“

    Was vermissen Sie konkret?

    Schami: „Die Franzosen haben eindeutig gesagt, von diesem Präsidenten sind keine Reformen mehr zu erwarten, er ist ein Mörder und gehört abgesetzt. Aber die Regierung unter Westerwelle und Merkel hat das wunderbare Deutschland langsam aus der Geschichte herausbugsiert. Sie ahmen nur die USA nach mit ihren feigen Mahnungen an Syrien, nicht so weiterzumachen. Doch jeder Syrer versteht, dass das nicht ernst gemeint ist, wenn sich eine Supermacht von einem kleinen Diktator auf der Nase herumtanzen lässt. Vorbild sollte die tapfere, eindeutige und aufrichtige Haltung des Westens sein, ohne die die Befreiung der Ostblockländer nicht möglich gewesen wäre.“

    Können Sie sich vorstellen, die Pfalz zu verlassen und eines Tages in ein friedliches, demokratisches Syrien zurückzukehren?

    Schami: „Nein, ich bleibe in der Pfalz, aber ich werde öfter nach Syrien fahren um für neue Geschichten am Ort zu recherchieren und auch ein wenig Urlaub zu genießen.“

  6. Noch eine Nahost-Reflexion:

    Hiermit erlaube ich mir, Sie auf eine Veranstaltung hinzuweisen, die am
    20. September in Berlin stattfindet. Anlass ist der 75. Geburtstag von
    Bahman Nirumand. Er ist u.a. Autor des von der Heinrich-Böll-Stiftung
    herausgegebenen Iran-Reports:

    Bahman Nirumand nennt seine Autobiografie „Weit entfernt von dem Ort, an
    dem ich sein müsste“.

    Im Gespräch mit Barbara Unmüßig
    (Heinrich-Böll-Stiftung), dem Schriftsteller Peter Schneider und Frank
    Strickstrock (Rowohlt Verlag) wird der Jubilar von einem
    außergewöhnlichen Leben zwischen Orient und Okzident erzählen.

    Dienstag, 20. September, 19 Uhr
    Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin
    Bitte melden Sie sich hier an
    http://www.boell.de/calendar/VA-viewevt-de.aspx?evtid=10178

    Mit freundlichen Grüßen,

    Marlies Rüster,
    Regionalreferat Nahost