vonHelmut Höge 20.02.2014

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Die beiden Bilder zeigen eine Yuccapalme, die sich an der Spitze an einen Stahlpfeiler im Konferenzsaal der taz lehnt. Nachdem jemand dort einen kleinen Router  für den Internetempfang im Saal in den Pfeiler gestellt hatte, fingen die ihm  nahen Blätter der Yuccapalme an zu vertrocknen: nach zwei Monaten waren sie innerlich verbrannt.

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Ich stellte sie daraufhin in eine andere Ecke des Saales und rückte stattdessen eine Birkenfeige nahe an den Router. Das nächste Photo hier zeigt, wie sie – anscheinend flexibler mit ihren Blättern und Zweigen als die Yuvccapalme – sich langsam von dem Router  weg bewegt hat, was ebenfalls etwa zwei Monate dauerte. Jetzt geht es noch darum, ob die von unten und von oben dennoch dem Router sehr nahe gekommenen drei Zweige bzw. ihre Blätter Schaden nehmen:

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In Berlin will man die ganze Stadt unter einen WLAN-Schirm bringen, das würde die vielen privaten Strahlungsquellen, die WLAN-Router, überflüssig machen. Was so ein einziger kleiner Router der Biosubstanz antun kann, zeigen bereits die obigen Photos.

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Auf vielen Routern, die man für den Internetempfang in der Wohnung anschließt, steht deswegen die Warnung: Nicht im Schlafzimmer aufstellen. Einer Imkerin, die vier Bienenstöcke auf dem Dach ihres Mietshauses in der Görlitzerstraße aufgestellt hatte, starben zwei ihrer Völker, kurz nachdem man drei Häuser weiter einen Handy-Funkmast auf dem Dach installiert hatte. Der Kreuzberger Stadtteilladen in der Skalitzerstraße veröffentlichte dann eine Broschüre mit den bisherigen Forschungsergebnissen über die Gefährlichkeit dieser Funkstrahlen. Das Umweltbundesamt schrieb in einer Internet-Warnung: „Anlagen zur Stromversorgung, Elektrogeräte sowie eine Vielzahl von Sendeanlagen für verschiedene Funkanwendungen erzeugen nichtionisierende Strahlung (NIS). Je nach Intensität kann dieser Elektrosmog die menschliche Gesundheit beeinträchtigen.”

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Die Feststellung und Messung dieser Strahlenrisiken (wozu es inzwischen eine ganze Reihe von Geräten für den Hausgebrauch im Handel gibt), sowie auch die ständige Vermehrung der Strahlenquellen durch immer neue “Kommunikationskanäle” obliegt den “exakten (Natur-)Wissenschaften” und ihren Anwendern. Gleichzeitig wird auch die steigende Zahl der Demenzerkrankten und der “Stimmenhörer” von Wissenschaftlern auf diese Strahlenquellen zurückgeführt. Wenn sie nicht – wie einige US-Forscher – “den Mangel des Proteins RbAp48 im Gehirnteil Hippocampus als Hauptfaktor beim Nachlassen des Erinnerungsvermögens identifizieren” oder “mangelnden Tiefschlaf” dafür verantwortlich machen.

Beim weltweiten Bienensterben nimmt man ein Bündel von schädlichen Einflüssen auf die Biene an:

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– Einmal die diversen elektromagnetischen Strahlen, die von den Bienen angeblich mit ihren Fühlern besonders stark wahrgenommen werden, zudem reagieren sie empfindlich auf erdmagnetische Strahlung, die ihnen zur Orientierung dient – und bei experimenteller Entfernung derselben zu völliger Orientierungslosigkeit bei ihnen führt.

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– Dann die diversen Insektizide, Pestizide, Fungizide usw.. Zwei „Pflanzenschutzmittel, auf Nikotinbasis, hat man gerade verboten – um der Bienen willen.

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– Schließlich die bereits bekannten biologischen Bienengefährdungen – wie Varroa-Milbe, Faulbrut, Beutenkäfer, Nosema (Sporentierchen), ein unbekannter Virus, Pilze  etc.

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– Und schlußendlich eine durch Züchtung, Königinnenzukauf und zunehmenden Streß begünstigte „Immunschwäche“ gegenüber all diesen toxischen Einflüssen (Streß z.B. durch die mobile Imkerei – in den USA werden die Bienenvölker jährlich einige tausend Kilometer von Befruchtungsaustrag zu Befruchtungsauftrag gekarrt.)

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– Eine weitere „Schwäche“ besteht darin, dass die Bienenforschung zwar vom Bienenvolk als einem „Superorganismus“ redet, diese „Gesellschaft“ jedoch nicht als Ganzes untersucht, sondern immer nur Individuen als Forschungsobjekte sich vornimmt – und z.B. mit irgendwelcher Elektronik ausrüstet. In Australien wurden gerade 5000 Bienen mit einem Chip bestückt. Wegen der dumpfmaterialistischen Ausrichtung der gentechnikbasierten Biologie will man partout über die „vereinzelten Einzelnen“ dem Bienenvolksterben auf die Spur kommen.

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In den USA werden zwecks Effektivierung der Imkerei die Völker nach der ersten Befruchtungsaktion, z.B. der Manbelbaum-Plantagen in Kalifornien, „gesplittet“: Die Bienenkästen kommen auf ein Fließband, werden oben maschinell entdeckelt und dann macht man aus einem Volk vier, indem in vier leere Kästen jeweils ein Waben-Rahmen mit Eiern, mit Larven, mit Honig und mit Pollen reingestellt wird. Die Bienen sind inzwischen an die Decke der Splitting-Halle geflogen. Von dort fegt man sie in Eimern, deren Inhalt dann auf die vier Kästen verteilt wird. Und Deckel zu: fertig sind die vier neuen Völker. Nach drei Tagen werden sie mit je einer Königinnen-Zelle beglückt.

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Die Bienen erkennen sich als Schwestern am Stockgeruch, der viel mit einem Drüsensekret der Königin zu tun hat, die normalerweise ihrer aller Mutter ist. Gesplittet sind die Bienen mithin kein Volk mehr, sondern eine zufällige Ansammlung, weswegen sie reihenweise ausfliegen – und nicht mehr wiederkommen, da sie ohne ihr Volk – als solitäre Wildbiene – sowieso nicht (mehr) lebensfähig sind. Das nennt sich dann Bienensterben: Wenn z.B. von 450 Völkern, die die Mandelbaumblüten bestäubt haben, nur 230 übrig bleiben, in den anderen findet man nur noch eine Königin und ein paar Bienen um sie herum, die Waben sind ansonsten voll mit Eiern, Larven, Honig und Pollen.

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Im Grunde negieren die profitorientierten US-Imker ihre Bienen-Gesellschaften genauso wie sie ihre eigene Gesellschaft negiert haben – mit dem Neoliberalismus, der bekanntlich keine Gesellschaft, sondern nur noch Individuen kennt (und sie ggf. auch nur al solche medizinisch etc. behandelt). Der Ethnologe Claude Lévy-Strauss war sich bereits sicher: „Eine globale Gesellschaft beruht auf Menschenstaub.“

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Die Anthroposophin Eva Rosenfelder erinnerte kürzlich daran: „In weiser Voraussicht sagte Rudolf Steiner 1923, dass die Bienenzucht in achtzig oder hundert Jahren in eine grosse Krise geraten werde. Als Grund dafür sah er vor allem die künstlich gezüchteten Königinnen. Heute findet mit Bienen ein globaler Handel statt: Königinnen aus aller Welt werden per Briefpost verschickt und an neuen Standorten eingesetzt. Was dabei zählt, ist der Profit.“

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Ein anderer, der „Demeter-Imkerei“ verbundener Schweizer Autor, Markus Imhoff, filmte für seine Dokumentation „More Than Honey“ in den USA, wie dort Großimker, die mit 40.000- bis 100.000 Völkern wirtschaften, das handhaben. U.a. zerstören sie systematisch die Gemeinschaften ihrer Bienen (s.o.).

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Ein in Norddeutschland ansässiger Versandhandel für Bienenköniginnen (die billigste kostet 19 Euro 90) beschäftigt einen Imker, der zuvor auf einer australischen „Bienenfarm“ arbeitete, die 125.000 Völker bewirtschaftet. In Deutschland hat jeder der etwa 85.000 Imker durchschnittlich 7,5 Völker. Wanderimker bekommen im „Alten Land“ bei Hamburg pro Volk, das sie bei der Bestäubung der 16 Millionen Obstbäume einsetzen, bis zu 50 Euro. Auch dort kam es zu vermehrtem Bienensterben in den letzten Jahren.

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Probleme haben anscheinend aber auch die russischen Imker:

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Der Moskauer Bürgermeister Luschkow, ein leidenschaftlicher Imker, der sogar einmal eine Verbesserung der sowjetischen Bienenstöcke erfand, sagte 2008 in einer Rede auf dem Plenum der russländischen Bienenzüchter: „Unser Hauptproblem ist die Erhaltung der russischen Biene. Viele sagen – künstliche Befruchtung. Aber wie? Die Russin fliegt 80 Kilometer die Stunde, damit nur die Stärksten an sie herankommen. Sollen wir sie flach legen, auf den Rücken oder wie? Und viele Züchter sagen, na, ich nehme die kaukasische, die ist langsam. Wir dürfen aber nicht die russische Biene aufgeben. Die grauen kaukasischen sind diebisch, faul und langsam. Viele nehmen sie und sagen, sie sind besser, weil sie nicht stechen. Das kennen wir.“

 

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Das Postulat der Genetikerin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, dass „die Natur in gewisser Weise kapitalistisch funktioniert,“ legen sich Bordellbetreiber so aus, dass sie ihre Etablissements gerne „Bienenkorb“ nennen und die Bienenforscher, dass sie das Verhalten dieser „sozialen Insekten“ gerne mit dem gängigen Marktwirtschafts-Vokabular erklären. Da ist dann z.B. von „Brutgeschäft“, „Energiebilanz“, „Win-Win-Situation“,„Rentabilität, „Investition“, „Angebot und Nachfrage“, „Altruismus“ vs. „Egoismus“ sowie von „Arbeitsmarkt“ und „Arbeitsteilung“ die Rede. Und die „unsichtbare Hand“, womit der „erste Nationalökonom“ Adam Smith, die Selbstregulierung des Marktes bezeichnete, übersetzen sie sich in die Darwinsche „Selektion“.

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P.S.: In einer Internetkolumne der FAZ  ist heute ebenfalls von den kleinen Routern in privatem Besitz die Rede. Und auch dort geht es um „Sicherheit“ – allerdings nicht um Strahlungssicherheit, sondern um Einbruchssicherheit:

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„Irgendwo zu Hause in einer Ecke im Wohnzimmer oder im Flur steht sie und blinkt leise vor sich hin: die kleine, meistens graue Box, aus der das Internet kommt. Ein Wunder der Technik, das die weiten Welten der Netze eröffnet, aber in Wahrheit nur eine preiswerte Plastikkiste mit ebenso preiswerter Software ist.

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Im Inneren der Box werkelt ein kleiner Computer vor sich hin, der die Daten zwischen dem heimatlichen Netzwerk und dem großen Internet hin- und herschiebt. Oft hat man mit dem Kistchen nur einmal zu tun, wenn es eingerichtet wird, danach bleibt es unbeachtet – es sei denn, der Internetanschluss funktioniert mal nicht.

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Nachdem nun mehr und mehr Dienste – wie etwa die Telefonie – über Internetprotokolle zum Kunden gebracht werden, werden auch immer mehr Funktionen von diesen kleinen Routern übernommen, entsprechend steigt auch die Komplexität der darauf laufenden Software. Man kann Telefone ebenso daran anschließen wie Festplatten mit Filmen und Musik, deren Inhalte dann auf allen angeschlossenen Geräten zu Hause verfügbar sind. Wie immer, wenn die Menge der Software zunimmt, wachsen auch die Fehler und Risiken.

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Wenn Sie nun auf Ihrer nächsten Internetrechnung überraschend ein paar hundert oder tausend Euro zu viel vorfinden, würden Sie zuerst an die kleine graue Box im Wohnzimmer denken? So ist es vielen Nutzern passiert, die eine von über dreißig Varianten des Routers des deutschen Marktführers AVM besitzen – meist ohne es zu wissen, da sie neben der gängigen Marke Fritz!Box auch unter anderen Namen wie Telekom Speedport vermarktet und oft zusammen mit dem Internetanschluss geliefert werden.“ Usw. Usw.

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Es geht der Autorin um eines der typischen modernen Mittelschichts-Probleme, die von taz bis faz bald alle Seiten der Zeitungen füllen. Hier stellt es sich so dar: „Router weisen eine kritische Sicherheitslücke auf, über die allerdings kaum jemand informiert war, ehe es zu vielfachem Missbrauch kam. Die Angreifer waren in der Lage, die im Router enthaltenen Konfigurationen für die Telefonie dazu zu nutzen, automatisiert Anrufe zu extrem teuren Rufnummern zu veranlassen, die dann auf der Rechnung des Anschlussinhabers mit dem geknackten Router auftauchten…“

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Da dieses Sicherheitsproblem die Autorin sozusagen direkt betrifft, empört sie sich zum Schluß ihrer FAZ-Kolumne zu einem halben Wutbürger hoch, der sich in seiner kleinen „vernetzten Welt“ vehement gegen unerwünschte Eindringlinge wehrt: „Die Frage nach der Verantwortung der Gerätehersteller und der Notwendigkeit, über Verbraucherschutz, Haftungsregeln und verbindliche Standards für mehr Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit zu sorgen, wird auf politischer Ebene zu klären sein. Klar ist jedenfalls, dass in einer zunehmend vernetzten Welt die Situation, dass die Nutzer auf Gedeih und Verderb der wirtschaftlichen Risikoabwägung und Datengier der Gerätehersteller ausgeliefert sind, für die Sicherheitsupdates zuallererst lästige Kostenfaktoren darstellen, nicht weiter tolerierbar sein kann.“

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Für das „Bienensterben“ bringt die hier von der FAZ aufgedeckte Sicherheitslücke allerdings wenig bis nichts. „Die wahren Ursachen bleiben unangetastet: unsere Fertigung von Waren,“ um Slavoj Zizek hier zu zitieren.

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Das oben erwähnte „Splitting“ der Bienenvölker, deren durchmischten Teilen anschließend fremde Bienenköniginnen beigegeben werden, so dass von einem „staatenbildenden Volk“ , einer „Gesellschaft“ nicht mehr die Rede sein kann, könnte auch ein „Bienensterben“ verursachen, dass sich als massenhaftes  „Verrückt-Werden“ darstellt. Nach dem Rinderwahnsinn hätten wir es dabei also mit einer Bienen-Verrücktheit zu tun. In dem Sinne, wie es der französische Bauernführer José Bové sagte: „Nur verrückte Menschen machen Rinder wahnsinnig.“ In bezug auf die Bienen hieß das für den  US-Kommunikationsforscher Paul Watzlawick in einem Interview mit dem ORF:

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„Der österreichische Nobelpreisträger Karl von Frisch hat herausgefunden: Zwei im Grunde genommen fast gleichartige Bienenarten ’sprechen‘ verschiedene ‚Sprachen‘. Die Bienen verständigen sich durch bestimmte Tanzformen – Schwänzeltanz, Rundtanz und so weiter. Ein und dasselbe Signal bedeutet aber bei der österreichischen Biene eine andere Entfernung der Tracht vom Stock als bei der italienischen. Als nun Kreuzungen gezüchtet wurden, ergab sich, dass eine babylonische Sprachverwirrung entstanden war mit natürlich ziemlich gefährlichen Konsequenzen…

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Die zum Stock zurückkehrende Sammelbiene, die Futter gefunden hatte und das nun in ihrer Sprache den Artgenossen mitteilte, sah sich mißverstanden…

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Die Distanzangabe war falsch: Ein wichtiges ‚Bienenwort‘ war verfremdet. Und nun kann man sich vorstellen, dass ein Bienenvolk zugrunde gehen kann, wenn eine solche Sprachverwirrung herrscht.“

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So weit der amerikanische Bestsellerautor Paul Watzlawick 1981, dessen Warnung vor der Verwirrung der Tanzsprache der Bienen im ORF 1981  den deutschen Bestsellerautor und mutmaßlichen Hobbyimker Johannes Mario Simmel im Jahr 2000 bewog, seinem Buch mit gesammelten Aufsätzen und Reden den Titel „Die Bienen sind verrückt geworden“ zu geben.

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Soeben erschien auf Deutsch das Buch des amerikanischen Bienenforschers Thomas Seeley „Bienendemokratie“, der das Simmelsche Bild umdreht: Nicht wir machen die Bienen verrückt, sondern sie zeigen uns, wie wahre (mithin nicht-verrückte) Demokratie funktioniert. Dazu interpretierte er vor allem den Tanz der Spurbienen auf dem Schwarm, mit dem diese den anderen Spurbienen,  was einige hundert sein können, anzeigt, wo eine brauchbare neue Höhle für das mit der alten Königin ausgeschwärmte Teilvolk zu finden ist. Da viele Nistmöglichkeiten in frage kommen, gilt es, die beste herauszufinden, was eine Art von Überzeugungstänze erfordert, die tagelang andauern können.

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In diesem procedere des „Kollektivs“ der Bienen sieht der Soziobiologe Seeley eine „demokratische Debatte“, die er in seinem Buch sogleich auch unseren – menschlichen – Kollektiven bzw. Gesellschaften, vorneweg den „social scientists“,  anempfiehlt. Überhaupt sollen die Soziologen bei den Biologen in die Lehre gehen. Die alte Nazi-Nummer – nun also gentechnisch hochgerüstet aus Amerika, wo „freedom & democracy“ herrscht. Man könnte diesen idiotischen Bienenforscher, Schüler der reaktionären  Ameisenforscher Wilson und Hölldobler   und zigtausend ähnlichen Soziobiologen, einfach ignorieren, zumal  Niels Werber in seinem ebenso wunderbaren wie umfangreichen Buch „Ameisengesellschaften – eine Faszinationsgeschichte“ diesbezüglich bereits alles Wesentliche über Seeleys Demokratiequatsch gesagt hat, und sowieso sollte man noch mal nachhaken, ob dieses ganze Ringen – der Athener – um ihre famose „Demokratie“ nicht bereits den Anfang vom Ende ihrer Gemeinschaft anzeigte, aber nun hat die FAZ gestern fast ganzseitig dieses „Princeton-Oxford“-Buch aus dem Jahr 2010, weil es gerade auf Deutsch erschien, rezensiert. Zwar wurde darin gesagt: Dieses haltlose Demokratie-Gefasel im Bienenkorb auf unsere Gesellschaft übertragen zu wollen, sei grober Unfug, deswegen sollte man das entsprechende Kapitel einfach überlesen – und dafür ein anderes Buch zur Hand nehmen, das der Rezensent dann auch gleich anpreist – mit den Worten: „Im selben Verlag wie diese Übersetzung der ‚Honeybee Democracy‘ erschien übrigens vor kurzem ein exzellentes Buch, das am Beispiel der Ameisen genau jene Übertragungsspiele zwischen menschlichen und Insektengesellschaften seziert, an die Seeley in schlichter Weise anknüpft (F.A.Z. vom 22. Juli 2013). Womit fast der Eindruck entsteht, man habe da noch einen Anwendungsfall nachliefern wollen. Einfacher ist wohl die Erklärung, dass populärwissenschaftliche Darstellungen gern mit Mehrwert locken. Die Honigbienen haben das aber gar nicht nötig.“ Gemeint ist mit diesem „exzellenten Buch“ Niels Werbers „Faszinationsgeschichte Ameisengesellschaften“.

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Vor einiger Zeit widmete sich auch die Süddeutsche Zeitung den Bienentänzen – mehr noch als der e.e. Rezensent von Seeleys Buch fühlte sich dabei die Bienenforschergemeinde zur Klarstellung herausgefordert, denn die SZ-Wissenschaftsredakteurin hatte in ihrem Artikel „Hüftschwung ohne klare Ansage“ geschrieben, dass das „Dogma“ vom unmissverständlichen Schwänzeltanz in die Kritik geraten sei. Dazu hatte sie mehrere US-Kritiker zitiert sowie ein Interview mit dem Würzburger Bienenforscher Jürgen Tautz geführt. (Mit einem der US-Kritiker hatte bereits der Entdecker der „Bienensprache“ Karl von Frisch zu kämpfen gehabt.) Die SZ führte sodann, um aus dem Wutbürgeranfall der Bienenforscher auf den Artikel ihrer Wissenschaftsredakteurin eine demokratische Leser-Debatte zu machen, zunächst ein Interview mit dem Berliner Bienenforscher Randolf Menzel – in dem die Überschrift schon alles sagte: „Und sie tanzen doch!“

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Der Münchner Biologe Karl Daumer, Schüler von Karl von Frisch, schob dann einen Kommentar nach, in dem  es heißt, die Beschreibung des Schwänzeltanzes durch die Wissenschaftsredakteurin zeige „nur unmissverständlich, dass sie dessen Prinzip noch nicht verstanden hat.“

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Schließlich äußerte sich auch noch der interviewte Bienenforscher Jürgen Tautz zu dem SZ-Artikel – in Form einer Presseerklärung seiner Würzburger „BeeGroup“: „Von den Risiken, ein Wissenschaftskommentator zu sein,“ hieß seine Erklärung:

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„…Eine Mitarbeiterin der SZ hatte mich angerufen und um ein Gespräch gebeten, da ihr eine Fach-Publikation zu neuen Aspekten der Futterplatzrekrutierung bei Honigbienen untergekommen war. Dieses Telefonat konnte dann einige Zeit später stattfinden. Da das Thema Schwänzeltanz in mehr als rein kommunikationsbiologischer Hinsicht viele interessante Aspekte birgt, habe ich weit ausholend über Maurice Maetterlinck, Karl von Frisch, Martin Lindauer, Adrian Wenner und andere gesprochen. Die hohe Komplexität und manche noch immer offene Fragen zum Schwänzeltanz habe ich ausführlich vorgestellt. In einer Art abschließenden Zusammenfassung meiner Ausführungen entwarf ich die optimistische Erwartung für eine Art synthetischem Bild der Rekrutierung bei dem Superorganismus Honigbienenkolonie zu Zielen draußen im Feld, in dem alte höchst wichtige Bausteine und neue sowie noch zu erwartende Entdeckungen ihren Platz finden werden. Die Tanzsprache bleibt eine Herausforderung für viele Detailfragen….“

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So weit so gut, leider vergaß der Interviewte dabei etwas Wesentliches:

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„Ich habe NICHT darauf bestanden, das Konzept des SZ-Beitrags, Teile des Textes und/oder den Endtext vor dessen Veröffentlichung zu sehen. Der Beitrag gibt so wenig den Geist, den Tenor und die Details meiner etwa einstündigen Ausführungen wieder, dass ich dessen Veröffentlichung so NIE autorisiert hätte. Ich hätte den Verdacht schöpfen können, dass eine derart komplexe Geschichte das hohe Risiko von input ungleich output beinhaltet. Diese Gefahr habe ich unterschätzt.

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Als persönlich tragisch empfinde ich, dass ich etwa zeitgleich zum Entstehen der Aufregung (sollte meine Rekonstruktion zutreffen), auf Einladung der Accademia Nazionale Italiana di Entomologia in Florenz einen großen Vortrag halten durfte, zum Lebenswerk Martin Lindauers, eng verflochten mit dem Karl von Frischs und beider herausragenden und für Generationen vorbildlichen Art Wissenschaft zu betreiben und Fachkontroversen zu lösen.“

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Beide Bienenforscher, Frisch wie Lindauer, haben sich im übrigen vor allem um die Entschlüsselung der „Tanzsprache“ der Bienen verdient gemacht. Weil ihre Entdeckung großenteils im österreichischen „Brunnwinkl“ am Wolfgangsee stattfand, auf dem Anwesen der Familie Frisch, fühlte sich natürlich auch der ORF herausgefordert, das Seinige zum Bienentanz beizutragen – d.h. „neue Erkenntnisse“:

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„Bienen kommunizieren mittels Tänzen, bis heute wird diese ‚Sprache‘ vom Menschen allerdings nicht zur Gänze verstanden. Neueste Erkenntnisse zu den dabei von den Insekten produzierten Geräuschen und Luftströmen wurden nun am Mittwochabend in Wien präsentiert.

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Die Tänze sind weitgehend bekannt und ‚entschlüsselt‘, weniger vom Menschen verstanden werden allerdings die Geräusche und Luftströme, die bei diesen Bewegungen entstehe. Sie waren Thema eines Vortrags an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

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Wie der Biologe Axel Michelsen von der Universität Odense in Dänemark festgestellt hat, erzeugen die Flügelvibrationen der Tänzerinnen neben Schnarrlauten auch nach hinten gerichtete Luftströme.

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Die Luftströme fallen mal breit, mal schmal aus und erreichen bis zu 30 Zentimeter pro Sekunde, erklärt Michelsen. Schwänzelt die Tänzerin hin und her, werden die Bienen hinter ihr von kurzen Luftstößen getroffen. Aus dem zeitlichen Muster erfahren die Bienen die Richtung der Futterquelle (Pollen, Nektar, Wasser).

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Michelsen nimmt an, dass die Luftströme den anderen Bienen zeigen, wo im dunklen Bienenstock sich die Tänzerin aufhält und in welche Richtung sie tanzt.

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Offen bleibt die Frage, wie die anderen Bienen die Luftströme wahrnehmen: mit den Fühlern oder dem ganzen Körper oder ob darin vielleicht Duftstoffe verströmen. Dazu gebe es bisher nur Spekulationen, so Michelsen.

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Der Würzburger Bienenforscher Jürgen Tautz hat die Schwingungen beschrieben, die die Tänzerin erzeugt. Dabei entsteht auf der Wabe ein zweidimensionales Muster: die gegenüberliegenden Wände schwingen im Gleichklang, während einige wenige Waben in der Nähe der tanzenden Biene gegenläufig schwingen.

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Durch diese Vibrationen werden andere Bienen angelockt – die Schwingungen sind quasi ein Wegweiser zur Tänzerin, so der Bienenforscher Tautz.“

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Auch von den Bienenforschern der Berliner FU kam Neues über den Bienentanz: Und zwar das oben eingestellte Photo einer Biene mit einer Antenne auf dem Rücken. Dazu hieß es in der Presseerklärung der FU:  Die Bienenforscher haben damit eine Biene ausgestattet, zu demTransponder  auf ihrem Rücken gehört ein „Radarsystem“ auf dem Feld, um ihre Flüge verfolgen zu können. Die Wissenschaftler wollen damit „die neuronalen Vorgänge in ihrem Minigehirn“ herausbekommen, d.h. was sie beim Bienentanz den anderen mitteilt: „eine Handlungsanweisung – oder wird in verschlüsselter Form auf einen Ort hingewiesen, an den sie beim Tanzen ‚denkt‘ und den eine aufnehmende Biene erst in ihrem Ortsgedächtnis lokalisieren muß, bevor die Mitteilung für sie irgendeinen Sinn macht.“ Die Forscher gehen davon aus, dass dieses „ritualisierte Kommunikationssystem“ nicht nur „einseitig, sondern in komplexer Weise wechselseitig“ und „kontextbezogen“ ist.

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In Berlin gibt es eine starke Bienenforschung – am Institut für Tierphysiologie und Angewandte Zoologie, das vom Neurobiologen Randolf Menzel geleitet wird, der 2012 am Film „More Than Honey“ mitwirkte. Seine Bienenforscher gaben bekannt:

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„Biologen und Informatiker haben einen Bienenroboter entwickelt, der ihnen bei der Entschlüsselung der komplexen Bienensprache hilft. Die ‚RoboBee‘ war im Bienenstock bereits erfolgreich: Bienen folgen ihren Signalen und fliegen an den beschriebenen Ort…Neben neuen Informationen zur Sprache der Bienen gewinnen die Wissenschaftler dabei vor allem grundlegende Erkenntnise zur Hirnforschung. So kommen sie zum Beispiel dem Rätsel auf die Spur, wie ein winziges Bienenhirn seine weitläufige Umwelt verarbeitet.“

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Der dortige Biologietheoretiker Werner Backhaus forscht gleichzeitig darüber, ob auch Bienen Elementarfarben sehen, aus denen ihre Farbeindrücke bestehen: „Sehen sie also wirklich Farben oder funktionieren sie eher wie Roboter, bei denen ein bestimmter Reiz nur eine Vielzahl komplizierter elektrischer Impulse auslöst, deren Gesamtheit am Ende eine Reaktion zur Folge hat?“

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An der Uni Konstanz erforscht derweil der Zoologe Giovanni Galizia,  wie Bienen Düfte wahrnehmen, das heißt in ihrem Gehirn verarbeiten.  Für Jürgen Tautz entstehen auf diese Weise „gläserne Bienenvölker“, die die „Bienenpersönlichkeiten in all ihren Facetten enthüllen.“

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Die Amis denken praktischer: Dort entwarfen einige Harvard-Biologen ebenfalls einen Bienenroboter – aber nicht um die deutsch-österreichische  Schwänzeltanz-Interpretation endlich zu widerlegen, sondern um damit zukünftig die Blüten von Nutzpflanzen zu bestäuben. In der Jungen Welt schrieb ich dazu:

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„Obama hat der pakistanischen Regierung fest versprochen, dass der ‚Drohnenkrieg‘ ausläuft, es müsse nur noch eine unbedeutende Zahl „bedeutender Terroristen“ getötet werden.

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„Drohnen“ kommt im Deutschen von Dröhnen – Brummen. Die Imker nannten und nennen so ihre männlichen Bienen. Die Drohnen können keine Blüten bestäuben oder Nektar sammeln, sondern müssen von den „Arbeitsbienen“ gefüttert werden. Sie räumen ihnen auch die Scheisse weg. Weil die Drohnen etwas dicker sind als die weiblichen Bienen brummen sie lauter im Flug. Meistens hocken sie jedoch alle an einem „Balzplatz“ und warten auf die Duftspur einer vorbeifliegenden Königin. Die Bienenstöcke – mit 60-80.000 „Arbeitsbienen“ – leisten sich bis zu 500 Drohnen, die allerdings nach 3-4 Monaten nicht mehr gefüttert werden – und sterben. Nur maximal 10 von ihnen können die Königin befruchten, die danach 4-5 Jahre lang Eier legt – täglich bis zu 2000.

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Die daran beteiligten Drohnen sterben bereits beim „Zusammenkoppeln der Geschlechtsorgane“, wie der Bienenforscher Jürgen Tautz sich ausdrückt, wobei sie „nicht selten mit einem hörbaren Knall explodieren.“ Der Schriftsteller Rémy de Gourmont erwähnte bereits 1903 in seinem Buch „Physik der Liebe“ diesen „Knall am Schluß des Aktes“.

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In der Hobbyfliegerei waren eine zeitlang laute kleine Motorflugzeuge beliebt, die man per Funksteuerung Sonntags in den Parkanlagen knattern ließ. Meist gehörten sie Männern, denen die Ehefrauen gelangweilt zusahen, wie sie da auf der Wiese standen, unentwegt nach oben kuckten und dabei an ihrem kleinen Joystick vorm Bauch rumfummelten, den man damals noch zärtlich „Steuerknüppel“ nannte. Dank Elektronik lassen sich diese Modellflugzeuge heute im Warmen – vom heimischen Bildschirm aus – steuern. Mit dem Abschuß eines US-Spionageflugzeugs und der Gefangennahme des Piloten durch die sowjetische Flugabwehr 1960, was in den USA einen „Gary Powers-Schock“ auslöste, gediehen die Modellflugzeuge zur Ausgangsidee für umbemannte Aufklärungsflüge – und wenig später zur Perfektionierung von Aufklärungssatelliten. Bereits Mitte der Achtzigerjahre verkauften die amerikanischen und sowjetischen Raumfahrtagenturen Satelliten- bzw. Sputnik-Fotos von jedem Teil der Erde – auf denen man bereits die Nummernschilder von Autos erkennen konnte. 1998 setzte die Bundeswehr im „Kosovokrieg“ erstmalig „Aufklärungsdrohnen“ (vom Typ CL289) ein.

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Inzwischen ist der Krieg derart elektronisiert, dass Friedensforscher warnen, der Wert und damit der Sinn des Lebens gehe verloren – bei den heutigen Soldaten vor allem, wenn man sie mehr und mehr an Bildschirmen und Simulationsgeräten ausbildet, mit denen sie ihre „Gegner“ per Mausclick erledigen.  Für diese „Frontschweine“ neuen Typs ist der Übergang vom Videospiel zum Kriegsspiel wieder ähnlich dem des unteren Adels, der Ritter, geworden, für die der Übergang vom Turnier zum Kreuzzug ebenfalls kaum Bedeutung hatte.

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Zurück zu den Drohnen der Hautflügler: Es sind genaugenommen nur „fliegende Hoden mit großen Augen und feinem Geruchssinn“, wie es im „Bienenwiki“ heißt. Bei manchen solitär lebenden Wildbienen bringen sich die ungeduldig auf die Weibchen wartenden Drohnen erst mal gegenseitig in Massen um. Bei den erdbrütenden Seidenbienen, deren Drohnen sich ein paar Tage früher als die Weibchen aus dem Boden graben, kommt es vor, dass sie zu ungeduldig sind und einfach die Weibchen ausbuddeln. Vielleicht ein Minnedienst.

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Auf alle Fälle war es diese Analogie, die an der FU einige Erforscherinnen von „Jungmännern und ihrem Freizeitverhalten“ dazu brachte, ihre Untersuchungsobjekte „Drohnen“ zu nennen: In Nord- und Südamerika, im Nahen Osten, in Europa und Russland – überall stießen sie auf wahre Männermassen, die nichts anderes taten, als sich in Internetshops Pornos anzukucken, um anschließend auf öffentlichen Plätzen herumzustehen und sich am Sack zu kratzen. In vielen Ländern müssen die Frauen mit ihren Billiglohnjobs sogar noch diese, ihre Brüder, miternähren. Weltweit übernehmen die Frauen die letzten Arbeitsplätze und die Männer werden zu Drohnen: Sie haben nur noch eine Sexualfunktion. Dazu würde jedoch ein Drohn pro Großstadt genügen. Stattdessen laufen in Berlin z.B. zigtausende herum: besoffen gröhlend, nach Döner stinkend und überall hinpissend – auf der Suche nach einer duftenden Königin. Übrigens fallen sie oft mit „Billigfliegern“ hier ein. Ihre Mütter daheim gehen bedeutend weichherziger mit diesen asozialen Nichtsnutzen um als die Arbeiterbienen mit ihren Drohnen – und füttern sie durch den Winter – manchmal 40 Jahre lang. Die Forschung nennt das ‚hochzivilisiertes Verhalten‘, das Feuilleton spricht vom ‚Hotel Mama‘ bzw. von ‚mütterlicher Verblendung‘.

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Verwirrend sind die neuen „Hightech-Drohnen“ – sogenannte „Mobees“, die Harvard-Wissenschaftler als elektronische Arbeitsbienen entwickelten. Man will sie bei der Bestäubung einsetzen, wenn das „Bienensterben“ anhält.“

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Neben diesen Roboterbienen wird derzeit in vielen Ländern auch noch an „Ernterobotern“ gearbeitet, damit die Gemüse, Obst- und Weinanbauer nicht mehr länger auf die zunehmend aufsässiger werdenden Erntehelfer angewiesen sind:

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In Kalifornien, wo die anfangs noch illegale Gewerkschaft „United Farm Workers“ bereits seit den Sechzigerjahren Streiks der mexikanischen Erntehelfer organisiert, begründete ein Verband der Agrarunternehmer seine Millionen-Dollar-Investition zur Entwicklung eines Ernteroboters denn auch damit, dass sie es leid seien, „sich ewig über Lohnerhöhungen ärgern zu müssen“.  Der kalifornische  Sprecher der US-Landarbeiter-Gewerkschaft, Marc Grossmann, bleibt jedoch einstweilen noch gelassen: „Die Trauben, mindestens für edle Weine, wird man auch in Zukunft per Hand lesen“.

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Im Obstanbaugebiet Altes Land bei Hamburg ist es dagegen eher so, dass sie gerne die seit langem bei ihnen arbeitenden polnischen Erntehelfer behalten würden – die Bundesregierung besteht jedoch immer wieder auf eine vermehrte Einstellung von deutschen Arbeitslosen:

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Auf einer Veranstaltung des Landwirtschaftsministeriums in Jork gab es nicht einen einzigen Bauern, der gute Erfahrungen mit deutschen Zwangsarbeitern gemacht hat. Der CSU-Minister Horst Seehofer beruhigte die ob der Verpflichtung, sie dennoch einstellen zu müssen, erbosten Obstbauern: In naher Zukunft würden sowieso „Pflückroboter“ die Erntearbeit übernehmen.

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Der Minister wußte jedoch gar nicht, wovon er sprach: „Bevor wir so ein Gerät im Alten Land überhaupt testen“, so Dr. Matthias Görgens vom Obstbau-, Versuchs- und Beratungszentrum (OVB) Jork, „müssten für praktische Versuche noch zwei bis fünf Jahre vergehen.“ Die Katholische Hochschule Limburg in Belgien, die den Ernteroboter zusammen mit der Industrie entwickelt hat, meint, sie werde ihn zum Preis von etwa 50.000 Euro auf den Markt bringen. Je nach Version könne er angeblich sechs bis zehn Erntehelfer ersetzen. Um einen Apfel vom Baum zu holen, braucht man per Hand 3,6 Sekunden, der Roboter zurzeit aber noch fünf bis neun Sekunden. In Sachen Fruchtschonung hinkt er noch weiter hinterher: „Die Praxisreife ist noch lange nicht da“, urteilt Jens-Peter Ralfs, Experte für Anwendungstechnik an der OVB. Bei der Ernte mit Robotern dürften Druckstellen an den Tafeläpfeln ein großes Problem sein. Er erwartet deswegen „einsatzfähige Pflückroboter frühestens in 20 Jahren“.

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Ähnlich sieht es bei dem „Spargelroboter“ aus, den das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung zusammen mit einem Industriekonsortium entwickeln will.  Beträchtlich weiter ist dagegen ein „Spargelernter“ – genannt „Panther“, den die Wolfsburger Maschinenbaufirma „ai-solution“ in der vergangenen Spargelsaison testete und der schon bald in Serie gehen soll. Der „Spargelpanther“ erntet 18 Stangen in der Minute. Die Firma geht davon aus,  dass es für die Bauern immer schwieriger wird, „genügend Erntehelfer zu finden“, so dass sie schon bald ihre Erntemaschine kaufen werden, die alle „Handarbeit auf den Spargelfeldern ersetzt“.

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Was all diese Ernteroboter-Entwicklungen eint ist, dass sie nicht zum Einsatz kommen werden, so lange die Erntearbeiter so billig sind – und die Tendenz geht eher dahin, dass deren Löhne noch weiter sinken werden, weil immer mehr Leute, z.B. aus dem Osten, sich zu solchen Jobs hergeben (müssen). Und das nicht nur als Ernter, sondern auch als Bestäuber! „Die wahren Ursachen bleiben unangetastet: unsere Fertigung von Waren,“ um Slavoj Zizek hier noch einmal zu zitieren, wobei diesmal die Ware Arbeitskraft gemeint ist –  Menschen ebenso wie Bienen.

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Man hat in den USA ausgerechnet: Mit dem Verschwinden der Honigbienen würde mehr als die Hälfte aller Obst- und Gemüsesorten aus dem Handel verschwinden. Wenn man nicht – wie in einigen Teilen Chinas – die Blüten von Menschenhand bestäuben ließe. Eine mühsame Arbeit, denn jeder Apfelbaum z.B. muß mehrfach besucht und betupft werden, weil seine Blüten nie alle zur gleichen Zeit aufnahmefähig für den Pollen sind. Markus Imhoof und Claus-Peter Lieckfeld schreiben in ihrem Buch zum Film „More Than Honey“, „dass im Sichuan-Tal nicht Arbeitsbienen, sondern Arbeiter Blüte um Blüte bestäuben, wirkt auf den Betrachter wie ein erschreckender Ausblick auf künftige Zeiten.“ Es hat jedoch nichts mit dem Bienensterben zu tun und wird auch schon lange von den Obstbauern praktiziert, „weil die Anatomie der kleinen, in ganz China verbreiteten Asiatischen Honigbiene, ‚apis cerana‘, nicht zu der Blüte jener Apfelsorte paßt, die in ‚Mao Chien‘ von altersher angebaut wird.“ Demnächst will man es dennoch mit importierten Bienen versuchen, die gründlicher als Menschen bestäuben. Das Problem dabei ist, dass nur die östliche Honigbiene sich im Gegensatz zu der westlichen gegen die Varroamilbe zu wehren weiß: Wenn ihre Brut von deren Eiern befallen ist, verdeckeln sie die Zellen so dick, dass der Milben-Nachwuchs zusammen mit ihrem Nachwuchs stirbt.

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China exportiert mittlerweile Honig in Massen, er ist manchmal mit Chemikalien oder Antibiotika verseucht und wird dann hier zurückgewiesen. Daneben ist China auch noch der größte Produzent und Exporteur von „Gelee royale“. Alle frisch geschlüpften Bienenlarven bekommen drei Tage lang diese „Milch“ von den Ammenbienen, die sie aus ihren Kopfdrüsen produzieren. Die Larven, in denen  Königinnen heranwachsen sollen, werden dagegen bis zu ihrer Verpuppung weiter damit gefüttert. Das „Gelee royale“ schätzt man in der traditionellen chinesischen Medizin als lebensverlängerndes Mittel. Die Königin kann 4 bis 5 Jahre alt werden, während alle anderen höchstens einige Monate leben. China produziert angeblich 3000 Tonnen jährlich von diesem „Wundermittel“. Zur Gewinnung wird einem Bienenvolk die Königin entfernt und es werden vorgefertigte Königinnenzellen in den Stock eingesetzt. Um ihren Futterstoff isolieren zu können, müssen auch die Königinnenlarven nach drei Tagen entfernt werden. Für das Volk sind das alles erheblich störende Eingriffe. In einer Saison kann man es dennoch dazu bringen, etwa 500g Gelée Royale zu produzieren. In Deutschland gibt es mehrere Händler, die dieses Bienenprodukt anbieten.

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Ich kannte einen in Treptow/Köpenick, der diesen  „Königinnenfuttersaft“ aus China bezog, ihn mit Alkohol streckte und in kleinen Ampullen zum Trinken verkaufte. Seine Abnehmer waren u.a. Fitnesscenter und  Sportvereine. Er hatte eine Abfüllanlage, die von einer polnischen Arbeiterin bedient wurde. Daneben verkaufte er auch Propolis, das bei Wundheilungen helfen soll. Es besteht aus Baumharze, die die Bienen im Herbst sammeln und mit Speichel vermischt zum Abdichten ihres Stocks verwenden. Ein Volk kann davon ebenfalls etwa 500g im Jahr produzieren. Mir hat man gerade mit Alkohol versetztes Propolis gegen Magenschmerzen verordnet: 3 mal täglich 10 bis 20 Tropfen.
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https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2014/02/20/ein-kleines-pflanzenexperiment/

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