vonHelmut Höge 29.04.2014

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

Mehr über diesen Blog

 

 

Abwärts schielen

 

Nur wenige kennen die „Abseitsregeln, aber noch viel weniger den „Abwärtsvergleich“. Geprägt hat diesen Begriff („downward comparison“ auf Englisch) der New Yorker Sozialpsychologe Leon Festinger. Er bedeutet ungefähr, dass man sich besser fühlt, wenn man Leute sieht, denen es (noch) schlechter geht oder die noch scheißiger aussehen als man selbst. Und dieses selbstorganisierte Wiederwohlfühlprogramm soll fast festinstalliert sein – in uns. In Berlin gibt es nun einen weiteren „Abwärtsvergleich“. Mindestens kann man hier jetzt zwischen den alten Ostberliner Zeitschriften „telegraph“, „gegner“, „floppy andrapodon“ und dem neuen Periodika namens „Abwärts“ vergleichen. Dieses Organ ist aus den anderen drei Dissidentenblättern hervorgegangen, was erst einmal ihren Vertrieb enorm verschlankt hat. Im Vorfeld gab es jedoch auch Kritik: Und zwar wegen des Namens: „Abwärts“ – das sei der Name einer Hamburger Punkband gewesen, bemängelten die einen, die für „Die Heimat der Sklaven ist der Aufstand“ votiert hatten. „Man nimmt doch nicht den Namen aus einer Bewegung, die schief gelaufen ist,“ kritisierten andere.

.

Dabei begreift man jedoch in Prenzlauer Berg im Umkreis der Herausgeber mindestens den dissidentischen Ostpunk anders, so als wäre die Punkbewegung nicht auf einige junge Leute geschrumpft, die mit ihren eingemummelten Fiffis vor den Kaiser’s-Filialen sitzen – und Sätze sagen wie: „Dem Hund muss es gutgehen – mein Leben läuft so nebenbei!“ Das fand neulich das „Zeit-Magazin“ in einer Reportage über „die Ärmsten der Armen in Deutschland“ heraus – noch kurz vor Winterende. Und damit hatten die Zeit-Leser einen Super-„Abwärts-Vergleich“. Die Autoren fügten am Schluß noch schnell hinzu, dass sie von der „Herzlichkeit und Höflichkeit der Menschen“, die sie um ein Interview gebeten hatten, „berührt“ waren, ein Punk fragte sie sogar, ob er während des Gesprächs rauchen dürfe.

.

Statt auf den westdeutschen Krimi „Abwärts“, der auch in der DDR lief, einzugehen, komme ich noch mal auf den Ost-Punk zurück, der nicht nur in der Anarchokneipe „Rumbalotte“ sowie im „Baiz“, der „Staatsgalerie“ und von Electric Galenza in Musik, Wort und Schrift bzw. in Tanz, Bild und Film gepflegt wird, man treibt ihn auch, mit und ohne Sascha Anderson, quasi weiter. Und die neue Zeitschrift „Abwärts“ legt Zeugnis davon ab.

.

Wenn ich mäklig war, sagte meine Oma: „Iß deinen Teller auf! In Indien verhungern die Kinder, weil sie nicht genug zu essen haben.“ Das war auch ein Abwärtsvergleich, besonders als das Fernsehen aufkam und die ersten Filmaufnahmen aus Indien gezeigt wurden, seitdem reißt der Strom der Bilder hungernder Kinder nicht ab, was einen gewissen Abschleifungseffekt beim Abwärtsvergleich hervorruft. Dafür ist jetzt ein Buch erschienen: „Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens“, in dem es um die ewigen Abwärtsvergleiche der Weißen des Westens geht – bei den von ihnen kolonisierten Völker Asiens und Afrikas, wobei der europäische Sozialdarwinismus die wissenschaftliche Rechtfertigung lieferte.

.

Der in in England lebende Autor Pankaj Mishra, der aus Nordindien stammt, erinnert an die intellektuellen Vorkämpfer gegen diese demütigenden Abwärtsvergleiche und trägt in Istanbul, Teheran, Bombay, Peking, Kairo und Tokio zusammen, was sie für Widerstandspläne entwarfen, um gegebenenfalls den Abwärtsvergleich sogar umzudrehen: Was Mao tse tung z.B. mit der Behauptung andeutete: „Der US-Imperialismus ist ein Papiertiger!“ Ähnlich äußerten sich später auch der Ayatollah Chomeini und Bin Laden. Während indische Intellektuelle, u.a. Rabindranath Tagore, eher befürchteten, dass die elenden Abwärtsvergleiche der Weißen im Westen alle in den Untergang stürzen würden. Diese Einschätzung trifft sich in etwa mit der von romantisch gestimmten Deutschen, die mit Novalis davon ausgehen: „Abwärts treibt der Sinn!“ Dem gegenüber hat man sich und seine Lebensumstände in der Sowjetunion gerne mit denen in Nordkorea verglichen: „Aus diesem Vergleich kam unser Land stets als ein Hort der Freiheit und des Wohlstands, sofort wurde einem warm ums Herz,“ erinnert sich Wladimir Kaminer.

.

img159

.

Hier ein Artikel von Guillaume Paoli aus der Nummer 1 der „Abwärts“:

.

Feigheit vorm Volk

.

Warum sickert in einer Kaffeemaschine das Wasser durch das ganze Kaffeepulver, anstatt bloß nach unten zu tröpfeln? Das Phänomen heißt Perkolation – auf Englisch nennt sich auch die Kaffeemaschine percolator. Generell beschreibt die Perkolationstheorie, wie in einem gegebenen System Punkte, die voneinander getrennt sind, sich in zufallsbedingten Zusammenhängen untereinander verbinden, welche sich wiederum mit anderen Zusammenhängen vernetzen. Zieht sich der Prozeß weiter durch, dann wird eine „Perkolationsschwelle“ erreicht: Das System kippt von seinem ursprünglichen Zustand in einen neuen Zustand um (zum Beispiel wird der Kaffeesatz komplett durchnäßt). Der belgische Anthropologe Paul Jorion meint: „Mit der Perkolation entstehen unzählige Wege, die ohne Unterbrechung durch das gesamte System führen und zwar ganz gleich, wo der Eingangspunkt lag.“ Darum ist Perkolation, wenn nicht ein Modell, dann zumindest eine geeignete Metapher, um die Dynamik sozialer Bewegungen zu beschreiben. Sie ist auf jeden Fall passender als das Bild des „Virus“, das – immer wenn sich ein Aufstand ausbreitet – von einfallslosen Journalisten bemüht wird.

.

img198

.

Wir sind alle vereinzelte Punkte im System. Jeder mag sich über dies und jenes empören, jeder mag sich wünschen, daß sich endlich etwas dagegen tut, doch solange Gefühle und Wünsche nicht kommuniziert werden, bleibt die Ohnmacht intakt und mithin das System. Zwar formieren sich immer wieder politische Zusammenhänge und Protestcluster, doch meistens stoßen sie schnell an unüberbrückbare Grenzen. Das besetzte Feld wird von den Nachbarfeldern ignoriert. Doch ab und an findet das perkolative Moment statt. In letzter Zeit wurde das Phänomen u. a. in Tunesien, Ägypten, Spanien, Brasilien und der Türkei beobachtet. Tausende versammeln sich an einem Ort und plötzlich sind es Zehntausende, die sich mit weiteren Zehntausenden verbinden, bis das ganze Gesellschaftsgewebe von zahllosen Kommunikationswegen durchdrungen ist. Die Summe der privaten Empörungen wird zu öffentlicher Rebellion, die individuelle Ohnmacht zur kollektiven Macht, die Angst verflüchtigt sich und das System kippt um, zumindest für einen kurzen Augenblick.

.

img154

.

Eine solche Ausbreitung erfolgt so rasch und unvermittelt, daß sie den Teilnehmern wie ein Wunder erscheint. Niemand hätte sie für möglich gehalten, niemand kann wirklich erklären, wie sie zustande kam. Es gibt einen logisch-negativen Grund, weshalb die soziale Perkolation unvorhersehbar ist. Wäre es möglich, sie zu prognostizieren, dann könnten es auch Regierung und Polizei tun, also würden sie rechtzeitig handeln können, um sie zu verhindern. Die Vorhersagbarkeit des Ereignisses würde es zum Nicht-Ereignis machen. Ein weiterer Grund ist die topologische Unbestimmbarkeit. Der Eingangspunkt ist gleichgültig, Auslöser der Revolte kann alles sein, in Sao Paulo eine Fahrpreiserhöhung oder in Istanbul ein Bauvorhaben. Tagtäglich werden Preiserhöhungen und Bauprojekte beschlossen, ohne auf Widerstand zu treffen. Stillschweigend geduldet werden ja gar viel gravierendere Eingriffe in die Freiheit und den Wohlstand. Menschen nehmen zur Kenntnis, daß sie von Banken enteignet und von Geheimdiensten überwacht werden und gehen nicht deswegen auf die Straße. Dann aber reicht ein relativ harmloser Zwischenfall, und hoch gehen die Barrikaden. Warum passiert es ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt? Weil vielfältige, heterogene Faktoren zufällig aufeinander getroffen sind. Die günstige Wetterlage mag ebenso dazu gehören wie im richtigen Augenblick die inspirierte Wortmeldung eines Einzelnen. Daher kann keine Strategie diesen Prozeß steuern, Theorien gehören allenfalls zu den vielen Zufallsbedingungen.

.

Ist die Perkolation einmal im Gang, gibt es erprobte Gegenmaßnahmen, um sie zu stoppen. Gewöhnlich erfolgen diese in drei Stufen. Zunächst werden die Kommunikationswege physisch gesperrt. Die Gefahrenzone wird von einem Sicherheitsgürtel umzingelt. Das ist die Aufgabe der Polizei. Zweitens wird der entstehende Prozeß argumentativ ausgesondert. Über die besonderen Probleme der protestierenden Gruppe wird ausführlich diskutiert, um besser über die allgemeinen Gründe zu schweigen, die zu einer Ausbreitung führen könnten. Das ist die Aufgabe der Medien. Schließlich werden die horizontalen Kommunikationswege nach oben umgeleitet, einseitig auf die Regierung gerichtet. So entsteht ein Trichtereffekt: Mit der Regierung kann nicht jeder sprechen, also wird die Kommunikation an Experten delegiert, weil diese mit Vertretern der Macht eine gemeinsame Sprache teilen, die die meisten Menschen kaum beherrschen.

.

Dabei wären wir bei der alten Frage der Verbindung zwischen dem Intellektuellen und dem Volk. Laut Sartres Definition ist ein Intellektueller jemand, der sich um Sachen kümmert, die ihn nichts angehen. Die Frage ist aber, wie er das tut. In den letzten Jahrzehnten ist die Figur des engagierten Intellektuellen so gut wie verschwunden. Das zeigt die Verwandlung des Populismusbegriffs besonders deutlich. Populisten, das waren im 19. Jahrhundert Sprößlinge der Elite, die Studium und Karriere hinschmissen, um mit den Bauern zu leben und zu agitieren. Das taten sie zum Teil aus Selbsterlösungsgedanken, doch vor allem aus der einfachen Überlegung: Wer sich für das Gemeinwohl engagieren will, muß die Massen auf seiner Seite haben. In den USA und Russland war der Populismus eine wichtige, erfolgreiche Bewegung. Als letzte Populisten können wir hierzulande jene maoistischen Studenten werten, die in den 1970er Jahren zu Fabrikarbeitern wurden. So verschroben ihre Ideologie war, da zumindest waren sie konsequent. Doch ist heute Populismus ein Schimpfwort geworden. Als Populist gilt jeder, der sich an die einfachen Menschen in deren Sprache wendet.

.

Allein von „einfachen Menschen“ zu sprechen, ist höchst verdächtig. Besonders in Deutschland gelten die unteren Schichten als stumpfsinnig, unartikuliert und tendenziell völkisch. Wenn sie wider Erwarten einen Protest wagen, findet sich immer ein linker Schlaumeier, um ihnen „verkürzte Kapitalismuskritik“, „Neid“ wenn nicht „antisemitische Untertöne“ vorzuwerfen. Das mag wohl sein, aber die Menge, die 1789 die Bastille stürmte, bestand auch nicht aus feinsinnigen Aufklärern. Wie Hegel meinte, das Bewußtsein ist wie die Eule der Minerva, sie fliegt erst in der Dämmerung aus (und oft genug ist es dann zu spät). Man hätte glauben können, daß es gerade die Aufgabe der Intellektuellen sei, sich unter die Menge zu mischen, um zu versuchen, gemeinsam Gedanken zu klären. Aber das wäre ja populistisch.

.

img044

.

Zugegeben, Verdacht ist nicht fehl am Platz. Der Rekurs zum „Volk“ ist vielmals ein Instrument von Gleichschaltung und Diktatur gewesen. Andererseits ist der Volksbegriff für die politische Theorie unverzichtbar. Wen sonst vertreten die Vertreter? Von wem geht die Souveränität aus? Vor allem aber: Ist einmal das gemeine Volk weggezaubert, welches Subjekt bleibt denn gegenüber der Elite übrig? Wahrscheinlich ist das die sonderbarste Errungenschaft der Gegenwart: Die meisten Menschen sind unsichtbar gemacht worden. Sie kommen in der Öffentlichkeit einfach nicht mehr vor. Allein durch die Statistik erfahren wir, daß in Deutschland immer mehr Bürger am Rand des Existenzminimums leben. Doch eine wahrnehmbare, soziale Präsenz haben sie nicht. Sie sind weg vom Bildschirm. Eine räumliche Entsprechung ist das gentrifizierte Stadtzentrum, das einem den Eindruck vermittelt, die Bevölkerung ernähre sich nur noch von Kunstprojekten, Design und Apps.

.

Es gibt Gegenentwürfe. Brechts Ratschlag folgend, hat der Philosoph Antonio Negri das Volk aufgelöst, ein neues gewählt und es Multitude genannt. Auf den ersten Blick sieht die Multitude vorteilhafter aus, sie ist keine graue Masse mehr, sondern eine bunte Ansammlung von „Singularitäten“. Doch verbirgt diese scheinbare Vielfalt eine bedenkliche Homogenität. Zur Multitude zählen nicht etwa der zur Ausländerfeindlichkeit neigende Bauarbeiter oder die katholische Gegnerin der Schwulenehe. Voraussetzung um dazuzugehören ist schon eine vage Grundgesinnung. Auch die verdrossene Supermarktkassiererin mit Grundschulabschluß wird sich schwer mit dem Jargon des „kognitiven Proletariats“ anfreunden können. Die linksakademische Sprache will nicht verbinden, sondern absondern. So bleibt man schließlich unter sich.

.

Neuerdings wird jener Bruchteil der Bevölkerung, der zur Sichtbarkeit offiziell zugelassen wird, „Generation Y“ genannt. Es sind gut ausgebildete, technologieaffine, optimistische und selbstbewußte Menschen unter 35. Glaubt man Wikipedia, ist das Musterbeispiel ihrer Organisationsform die Bewegung Occupy Wall Street (OWS). Wen wundert’s? Laut Publizist Thomas Frank war OWS „das meist beschriebene und überschätzte Ereignis aller Zeiten“. Bereits der Name täuscht: Nicht die Wall Street wurde besetzt, sondern ein Park nebenan – keine Banken, sondern Parkbänke. Das ist nicht weiter schlimm, bloß soll klargestellt werden, daß man sich im symbolischen Bereich bewegte. Auch das Ausmaß der Bewegung wurde massiv überschätzt. So werbetechnisch perfekt der von Antiwerbungsaktivisten lancierte Slogan „Wir sind die 99 %!“ auch war, schließlich waren ein paar tausend Teilnehmer dabei, und das in einer 8-Millionen-Stadt. Zu diesem Zeitpunkt war in der gesamten US-Bevölkerung die Empörung gegen das Finanzsystem riesig, entsprechend auch die anfängliche Sympathie für OWS. Und doch waren die Camper fast ausschließlich Studenten, Akademiker, Künstler und Netzaktivisten. Sie haben zusammen gekocht, getrommelt, geschlafen, Internetbotschaften in die Welt geschickt, tagelang antihierarchisch palavert und eine Menge Spaß gehabt. Da sie keine Forderung hatten, konnten sie nicht enttäuscht werden, als nach acht Wochen der Karneval zu Ende ging, ohne die soziale Lage im geringsten verändert zu haben. Weiterhin wurden arme Schlucker aus ihren Häusern rausgeschmissen, verloren ihren Job, rangen mit Überschuldung. Den Bankern geht es nach wie vor prächtig.

.

Selbstverständlich war es richtig, etwas unternehmen zu wollen, und niemandem darf das Scheitern vorgeworfen werden. Bedenklich wird es aber, wenn das Scheitern hinterher als Riesenerfolg gefeiert wird, ja als Beginn einer neuen Revolution. Der Zuccotti-Park wurde dem Tahrir-Platz gleichgestellt, aber in Ägypten fand tatsächlich ein perkolativer Volksaufstand statt, deswegen war dieser auch widersprüchlich, konfliktreich, in einem Wort: unrein. Stattdessen verlief die „gegenseitige Anteilnahme“ im OWS-Themenpark reibungslos, weil in geschlossenem Kreislauf, von der Außenwelt durch die Firewall des akademischen Kauderwelschs geschützt. So unergründlich die Wege der Perkolation auch sind, wir können getrost davon ausgehen, daß ein Aufstand in Lebensgröße, sollte er doch noch kommen, ganz anders aussehen wird.

.

img160

.

 

Antwort auf Guillaume Paolis Text:

.

Spielerisch Links

.

Wir sind alle vereinzelte Punkte im System“, schreibt Guillaume Paoli in seinem an die letzten linken Intellektuellen gerichteten Text: „Feigheit vorm Volk“. Ihre Vereinzelung muß überwunden werden – aber wie? Was tun? Die Rosa-Luxemburg-Demonstration soll so etwas wie eine linke Herrschau sein – wie früher z.B. die Demonstrationen am 1.Mai. Aber die eher staatssozialistisch orientierten Ostler und die basisdemokratisch inspirierten Westler sind noch nicht unter einen Hut zu kriegen. Die taz ist – zusammen mit der von Sartre gegründeten „Libération – ein Projekt der „Spontiscene“, zu der ich mich damals wie heute zähle, obwohl sie nicht mehr so heißt und keine „Scene“ mehr ist.

.

Das gilt grob auch für die anderen damaligen linken Gruppen in der BRD, ob
leninistisch, trotzkistisch oder maoistisch ausgerichtet. 1978 hatten
sie noch ihre eigenen "Theorieorgane" und Zeitungen. Eine - der
"Arbeiterkampf" (ak) heißt heute "Anlyse & Kritik". Bis heute erhalten
haben sich auch die anarchistischen Periodika - "graswurzel" und
"Direkte Aktion" (DA) z.B. sowie das immer noch "illegale"
Autonomenblatt "interim". Während die einst staatstragenden Blätter
"Junge Welt" und "N.D" nun legal autonom geworden sind, ihre
Orientierung auf Arbeiter und Bauern und die antiimperialistischen Staaten jedoch 
beibehalten haben. Das alternative "projekt tageszeitung" setzte anfänglich auf 
eine Art antikoloniales "Patchwork der Minderheiten" (J.-F. Lyotard), freundet 
sich aber zunehmend mit dem (Schweine-) System an.
.
Die Stoßrichtung aller sozialen Bewegungen, deren Teil man war, zielte
auf eine grundumstürzende  Veränderung der warenproduzierenden
Gesellschaft - theoretisch bis zur Kritik an der Zeitlosigkeit des
naturwissenschaftlichen und mathematischen Wahrheitsbegriffs, und
praktisch bis zur Aufhebung der Trennung von Hand- und Kopfarbeit. Die 
Kacke des Seins umgraben, wie man in Frankreich sagte.
.
Wolfgang Müller, Autor des gerade erschienenen Readers "Subkultur
Westberlin 1979-1989",  sprach zu Haus- und Instandbesetzerzeiten von
"Genialen Dilletanten". Im "Fischbüro", aus dessen Keller 1989 die
Love-Parade kroch, wurde der Forschungsbegriff entsprechend ausgedehnt.
Ein typischer Dialog am Tresen dort ging so: "Machen wir noch eine
Bierforschung oder eine Nachhausegehforschung?" "Ich muß erst mal eine
Dönerforschung machen."  
.
Die aus der "Spontibewegung" hervorgegangenen "Realogrünen" reden und stimmen
inzwischen in so ziemlich allen Parlamenten mit, aber dies ist zugleich
mit einer Abkehr von radikaler  Gesellschaftskritik und allem, wofür sie
früher standen, verbunden. „Erfolg“ versprechen fürderhin vor allem
Single-Point-Movements - inzwischen wie selbstverständlich "NGOs" genannt. 
Jean Baudrillard beobachtete bei der Linken nach 1989, da aus Gegnern plötzlich 
"Partner" wurden, einen allgemeinen shift – weg von den "harten Ideologien" 
(Klassenkampf, Diktatur des Proletariats) hin zu den "weichen" (Menschenrechte, 
Ökologie): "Sie  - die europäischen Yuppies – finden heute gleichzeitig den Weg 
zur poetischen Pose des Herzens und zum Geschäft."
.
img077

.
Daniel Cohn-Bendit erklärte auf dem  taz-Kongreß 2012: "Soziale
Bewegungen sind notwendig, aber sie kommen und gehen,  wie Ebbe und
Flut, deswegen braucht es eine Partei, wie die Grünen, um deren
Forderungen durchzubringen - bis in die europäische Gesetzgebung."
.
Die Partei "Die Linke" und die "Piratenpartei" nahmen ihren
"Wählerauftrag" ähnlich wahr. So verhandelte die Kreuzberger PDS einmal mit
der autonomen Spaßpartei "KPD/RZ, und die dissidentische Bohème des
Prenzlauer Bergs übernahm gleich die dortige PDS - und das eigentlich
schon einige Jahre vor 89. Die Berliner "Piraten" beauftragten jüngst einen
Mitarbeiter sozusagen vollamtlich, sich der Mieterbewegung - "Kotti &
Co", "Anti-GSW" etc., - anzunehmen.  Während die vielen Kneipen- und
Buchladenkollektive und nicht wenige Galerien sowie
Veranstaltungszentren nur sporadisch linke Themen, wenn sie ein gewisses
Erregungspotential offenbaren, zu einem "Diskussionsabend" machen.
Umgekehrt haben die Kapitalmedien US-Initiativen wie "Attack" und
"Occupy" sofort zu globalen Top-Ereignissen erklärt. 
.
In einer "Medien- und Informationsgesellschaft", in der die
Softwareentwicklung bereits eine gehörige  „Wertschöpfungstiefe“ erreicht und
die Überwachungsdienste mit Nerds wie den Chaos Computer Club um die
besseren Algorithmen wetteifern, sollte man die Öffentlichkeit aber
vielleicht sowieso nicht mehr suchen, sondern sie eher meiden, um erst
einmal etwas "Soziales" unter sich zu entwickeln. Das scheinen z.B. die Neuköllner
"Lunte"-Truppe, aber auch die "Berliner Jour Fixe Initiative", die
Antipsychiatrie-Aktivisten und die "Freunde der klassenlosen Gesellschaft" so zu halten. 
Letztere zetteln vielleicht einmal im Jahr eine öffentliche Diskussion an.
.

img127
.
Diese werden aber in gewisser Weise ergänzt durch die "Event"-Maschinen
der staatlichen Kunst- und Kultureinrichtungen - die inzwischen jedoch auch
fast alle den e.e. "weichen Ideologien" anheim gefallen sind. Erst recht
gilt das für die wissenschaftlichen Institutionen, in denen manchmal
sogar noch Theorie und Praxis verbunden wird: Bei den Biologen an der
Humboldt-Universität z.B., indem diese sich der landesweiten
Protestdemonstration gegen die industrielle Landwirtschaft anschließen.
.
 Auch am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung verficht man einen
gewissen "Anti-Darwinismus" – löckt den Stachel wider die Leitwissenschaft. 
Aus fast allen staatlichen Lehrinstituten kommt gelegentlich  politisch Interessantes.
 Der Leipziger Philosoph Peer Pasternak, der kurzzeitig Berater des Berliner 
Kultursenators war, ist der Meinung, der Staat habe auch eine  marxistisch-leninistische
 Forschung zu dulden - und damit zu finanzieren. Der philosophische
Theoriestar Zizek und die  Berliner SF-Autor Dietmar Dath kreieren schon
mal außeruniversitär so etwas wie einen "Pop-Leninismus". Und das gerne in 
staatlichen Einrichtungen wie z.B. die „Volksbühne“. 
.
Im übrigen enthusiasmierten ab 2011 die Aufstände der gebildeten Jugend und
der Frauen in den arabischen Ländern natürlich auch die hiesigen
Arabistik-Studenten und -Dozenten - bis hin zu den
Palästinenserfreunden. Was schon bald eine ganze Reihe von Diskussionen
und "Soli-Initiativen"  "generierte", wie man heute gerne sagt.
.
Gleichzeitig ergriff - jedenfalls in Berlin - ein gesunder Hang zum
"Reduktionismus" in der Lebensführung, ein Kümmern um sich Selbst, diekritischen Massen"... Einhergehend damit waren immer mehr Linke sich nicht 
mehr sicher, ob die warenproduzierende Gesellschaft und ihre "Realabstraktionen" 
überhaupt bekämpft werden muß/soll. Von den vielen sicheren „Renegaten“ zu schweigen. 
.
An die Stelle einer ökonomischen trat eine ökologische Utopie. Sie
personifiziert sich u.a. in den 7 Millionen deutschen Vegetariern -
mehrheitlich Frauen. Das geht so weit, dass sich im Bewegungs-"Haus der
Demokratie" in der Greifswalder Straße "Nichtraucherverbände"
einquartierten. Als aber auch noch Köpenicker "Glühbirnen-Verbots“-Befürworter 
angewackelt kamen, war der basisdemokratische Toleranzbogen doch überspannt.
.
 Interessanter, und gleichfalls spektralfarbig, sind daneben die Postpunk-Quartiere
 „Rumbalotte“ und „Staatsgalerie“ und das ebenfalls anarchistische „FAU-Lokal“ 
im Prenzlauer Berg – mit ihren Veranstaltungen und Periodikas...Es ist also was 
los in der Stadt! Guillaume hat dennoch Recht: Eine soziale Bewegung, die Raum 
greift, ist das alles nicht. Aber sollen etwa die vielen Berliner Mieterinitiativen 
jeden zehnten Vermieter an die Wand stellen, um ihrem öffentlichen Kampf gegen 
den grassierenden Mietwucher Nachdruck zu verleihen?  
.
In Summa: Es wimmelt weltweit von kleinen und größeren Protest- und
Reform- bzw. Sinngebungs-Bewegungen. Im Osten geht es dabei eher um die Essenz 
– im Westen um die Existenz. Ähnliches gilt für die anschwellende
Theorieproduktion, die hierzulande nicht selten nur dem Autor weiter
hilft. Aber sie hilft! Man wird jedenfalls nicht dümmer davon. Da drunter breitet 
sich jedoch ein diffuses Gefühl aus, dass es nicht mehr lange so weiter gehen kann. 
Man erkundigt sich schon mal, wie Kartoffeln angebaut werden. Eine Gruppe junger 
Linker aus Indonesien kam bei ihrer teilnehmenden Beobachtung der
vorletzten "1.Mai Krawalle in Kreuzberg", die sie bis dahin bloß aus
CNN-Berichten kannte und jahrelang für weltweit vorbildlich hielt, zu der 
Einschätzung: "Das ist ja alles nur Spiel! Selbst die Hubschrauber..." 
.

img141
.

Die Wissenschaft ist grobschlächtig, das Leben subtil, 
deswegen brauchen wir statt mehr Spiele (und Spieltheorien) 
die Literatur, meinte Roland Barthes. Erschwerend zur 
Grobschlächtigkeit kommt bei ersterer noch eine bürgerliche 
Beschränkung hinzu: Die theoretische Ökonomie überläßt 
die "Gesellschaft" der Soziologie und diese klammert darin 
die Ökonomie aus. Die Literatur ist geeignet, Schlaglichter 
auf beider blinde Flecken zu werfen und sie in der Geschichte 
ihrer Protagonisten zusammen zu führen? Der 
Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung Christian 
Weber berichtete jüngst über ein Forschungsprojekt des 
Anthropologen Alexander Bentley an der University of Bristol,
 in dem mit einem "Literarischen Elends-Index" Wirtschafts- 
und Sozialgeschichte erhellt wurde: Mithilfe einer Datenbank 
von Google, in der man bis jetzt acht Millionen Bücher 
einscannte, konnte gezeigt werden, "dass sich in der Wortwahl 
englischsprachiger Bücher, die zwischen 1929 und 2000 
veröffentlicht wurden, die ökonomische Lage der jeweiligen 
Epochen widerspiegelt". Die Texte wurden danach durchsucht, 
"wie häufig bestimmte emotionale Wörter vorkommen, die auf 
Basisemotionen wie Ärger, Ekel, Angst, Freude, Trauer oder 
Überraschung hindeuten." Der daraus entstandene "literarische 
Elends-Index" stimmte ziemlich genau mit einem ökonomischen 
Elends-Index überein, der sich aus den Inflations- und 
Arbeitslosenraten aus jenem Zeitraum zusammensetzte. 
Allerdings hinkt der literarische laut Christian Weber 
dem ökonomischen zehn Jahre hinterher. 

.

So lange brauchten die Autoren anscheinend, um die sozialen Verwerfungen, die sie u.U. in jungen Jahren selbst erlebten, künstlerisch zu verarbeiten. Konkret bezog sich das Vorhaben auf die ökonomischen Krisen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, auf die große Depression in den USA ab 1929, und die Stagflation in den Siebzigerjahren.

.

Was ist aber mit der Verelendung, die durch den „Neoliberalismus“ in den Achtzigerjahren, forciert noch nach Auflösung des Sozialismus, einsetzte – und die noch anhält. Hierzu erschienen – ebenfalls mit etwa zehnjähriger Verspätung – eine Unmenge Sachbücher: Amazon listet allein unter dem Stichwort „Neoliberalismus“ 918 deutsche Titel auf, hinzu kommen noch mehr als drei mal so viele Titel zu Unterthemen wie: „Landgrabbing“ (50), „Verelendung“ (72), „Finanzkrise“ (2286), „Prekariat“ (103), „Leiharbeit“ (217), „Mobbing“ (1756), „Mietwucher“ (12), „Gentrifizierung“ (111), „Gated Communities“ (102) sowie zu Überthemen wie: „Marxismus“ (4941), „Kapitalismuskritik“ (226), „Soziale Bewegung“ (etwa 2000).

.

Slavoj Zizek, der „Superstar der Kapitalismuskritik“, wie „Die Zeit“ ihn nannte, meinte unlängst: „Die Mächtigen legitimieren sich heute mithilfe von technologischen Autoritäten: Vermeintliche Experten inszenieren sich als Problemlöser. Dabei ist oft schon die Art und Weise, wie ein Problem formuliert wird, irreführend. In der Ökologie ist beispielsweise von Mutter Erde die Rede. Was soll das sein? Die Prämisse einer radikalen Ökologie müsste lauten: Die Natur gibt es gar nicht. Sie ist kein harmonisches Ganzes, sondern selbst voller Katastrophen. Und das vom Einzelnen geforderte ökologisch korrekte Verhalten ist erst recht ideologisch – tu etwas für Mutter Erde, sammle deine Cola-Dosen. Das ist eine geniale Operation. Du fühlst dich schuldig, und gleichzeitig bietet man dir einen einfachen Ausweg an. Doch die wahren Ursachen bleiben unangetastet: unsere Fertigung von Waren.“

.

Das heißt, der gesellschaftliche Zusammenhang stellt sich im Kapitalismus nicht über gemeinschaftliche Produktion her, sondern über individuellen Warentausch. Deswegen gibt es unter dem Stichwort „Konsum“ die meisten Buchtitel (3162), wenn auch viele eher „Shoppingtipps“ sind. Erinnert sei an den US-Präsidenten George Bush, der nach Twintower-Attentat, Hurrikan „Katrina“ und Finanzkrise, als der gesellschaftliche Zusammenhang ernsthaft gefährdet schien, den Konsum zur patriotischen Pflicht erklärte. Ähnliches gilt nun auch in Deutschland – fast selbstorganisiert. Die FAZ vermeldete Anfang 2014 auf Seite 1 – unter Berufung auf das Statistische Bundesamt: „Die private Konsumnachfrage ist zur wichtigsten Stütze des Wirtschaftswachstums geworden.“ Eine Kreuzberger Künstlergruppe nannte daraufhin ihren neuen Buchladen „Zabriskie“ – nach einem Film von Antonioni, sie schreiben: „In der finalen erlösenden Schlüsselszene des Films explodiert eine Luxusvilla in der Death-Valley-Wüste, in vielen aneinandergereihten Zeitlupen. Gegenstände, die Symbole für Konsumgesellschaft und westliche Zivilisation sind, zerbersten und zersplittern in einer wunderschönen Choreografie der Zerstörung: Kühlschränke, Fernseher, Kleiderstangen, Lebensmittelpackungen, und zuguterletzt ein riesiger Haufen an Büchern.“ Und das alles in „real“.

.

img130

.

Für mich folgt daraus, dass man der „Realabstraktion“, die im Tauschakt passiert, auf den Grund gehen muß – also den Marxismus über die Warenanalyse hinaus (be-)treiben sollte. Daneben interessieren mich konkret die Tiere. Dabei läßt sich leicht an Ersteres anschließen – z.B. bei den „staatenbildenden Insekten“:

.

Sie haben schon den „ersten Naturforscher“ Aristoteles an die Stadtstaaten der Menschen erinnert. Seitdem gibt es eine Unmenge von wissenschaftlichen und literarischen Analogiebildungen bzw. Identitätssetzungen der beiden Gesellschaftsformen. Die Ameisennester, Termitenbauten und Bienenstöcke mußten nacheinander bei Soziologen und Biologen als gelungene, wenn nicht sogar „perfekte Beispiele“ für die Monarchie, die Republik, den Kommunismus, den Faschismus, den Maoismus, die Schwarmintelligenz usw. herhalten.

.
Der Siegener Germanist Niels Werber hat sich mit diesen ganzen
Machwerken beschäftigt, dazu noch mit den meisten Dokumentar- und
Spielfilmen, in denen die  "sozialen Insekten" eine Hauptrolle spielen.
Sein Buch darüber - "Ameisengesellschaften. Eine Faszinationsgeschichte"
- beginnt mit einem Dialog zwischen dem ehemaligen "Disney"-Chef Michael
Eisner und dem "Microsoft"-Gründer Bill Gates, die in einer Episode der
US-Zeichentrickserie "Family Guy" mit einem Jet-Pack über eine Großstadt
 fliegen: "Die Leute sehen wie Ameisen aus von hier oben," bemerkt
Eisner, woraufhin Gates ihn korrigiert: "Nein Michael, es sind Ameisen."
Deswegen wollen die US-Biologen auch die Sozialwissenschaften endlich
liquidieren. Tatsächlich werden beide Gesellschaften inzwischen mit
einer  "Systemtheorie" gefasst, d.h. algorithmisch berechnet.

.
Wobei die "Analysten" inzwischen so weit gehen, dass sie dabei nachhelfen, 
indem sie immer mehr Einsatzfelder für ihre sogenannten "Ant-Algorithmen" 
kreieren: in der Logistik, der Personaleinsatzplanung, der Kriegsführung usw..  
Wenn Amazon z.B. Bücher mit der Bemerkung empfiehlt, "Kunden, die Artikel
gekauft haben, welche Sie sich kürzlich angesehen haben, kauften
auch...", dann war da ein solcher "Ameisenalgorithmus" am Werk, den der
US-Konzern demnächst dergestalt weiterentwickeln will, dass er
bestimmte Waren auswählt, die einem so gut gefallen könnten, dass Amazon
sie sogleich zustellt - ohne dass man sie bestellt hat.
.

img175

.
Dieses Beispiel verdeutlicht bereits, dass "wir" gar keine
"Gesellschaft" mehr haben - seitdem sich das "klassische Gemeinwesen"
von Bauern und Handwerkern, zuerst in Griechenland, in dem mit der
Münzprägung entfalteten Warenhandel, auflöste - zugunsten einer
Wirtschaft auf Basis von Sklaven, dann Leibeigenen und schließlich
Proletariern, deren Tätigkeiten durch die Trennung von Hand- und
Kopfarbeit gekennzeichnet waren und sind. Seitdem ist die (Waren-)Produktion
individualisiert, erst in ihrem Austausch stellt sich Gesellschaft
her - diese ist jedoch abstrakt. Denn im Warentausch ist der Akt
gesellschaftlich, aber die beiden Mentalitäten bleiben privat," wie
Alfred Sohn-Rethel sagt, d.h. "die Funktion der Vergesellschaftung hängt
am reinen Abstraktionscharakter des Tauschaktes."

.
Im Gegensatz dazu steht die konkrete, selbstorganisierte Gesellschaft
der Ameisen, Termiten und Bienen, in der gemeinschaftlich produziert und 
reproduziert wird. Deren neodarwinistische Erforscher helfen sich damit, dass 
sie  ihre Funktionen mit Begriffen aus der Warenproduktion - wie "Gewinn"
und "Verlust", "Egoismus" und „Altruismus", "Konkurrenz" und "Kalkulation", 
„Arbeitsmarkt“ und „Angebot und Nachfrage“ - belegen. Gleichzeitig gehen sie 
dabei von einer evolutionären Entwicklung dieses
"Superorganismus" aus - von der  primitiven solitär lebenden
"Mauerbiene" z.B. bis zum riesigen "Bienenstaat".

.
Bei den Menschen ist es jedoch umgekehrt: Hier geht die Entwicklung vom
"Urkommunismus" bis zum neoliberalen "Haufen Sandkörner", wie Mao tse
Tung unsere soziale Atomisierung nannte. Als Marxist kann man die
unterschiedlichen Wahrheitsbegriffe von Sozial- und Naturwissenschaften
nicht akzeptieren: einmal einen historisch-materialistischen und zum
anderen einen zeitlosen, ewig gültigen. Aber ebenso bestehen die
US-Ameisenforscher und ihre reaktionären Followers auf einen einzigen
Wahrheitsbegriff: den mathematischen. Sozialismus oder Barbarei - das
steht hierbei in Frage.
.

"Die Naturwissenschaftler glauben" laut Sohn-Rethel, "die Ausschaltung
des Anthropomorphismus und den Zugang zur objektiven Naturerkenntnis
geschaffen zu haben, sie haben aber nur einen früheren durch ihren
eigenen Anthropomorphismus ersetzt." Niels Werber diskutiert dies in seinem 
Insektenbuch u.a. am Beispiel von Newtons Mathematisierung der Gravitationskraft. 
(Die Bienen stellen dagegen die Schwerkraft tanzend "in Rechnung".) Der Siegener 
Germanist beschränkt seine Kritik auf die Ideologie von Newton, quasi  auf die   
gedankliche Umwelt seiner Gravitationstheorie – er dringt nicht in ihr Herz ein, 
um diese historisch-materialistisch „zu knacken“. 

.
img120

.

Guillaume schlägt vor, mit einem Begriff aus den „exakten Wissenschaften“ den alten „Bürgerkrieg“ (laut Rosa Luxemburg „nur ein anderes Wort für ‚Klassenkampf’“, der nun „soziale Bewegungen“ heißt) voranzutreiben…Mir ist dabei nicht klar geworden, warum das seinem Populismus-Plädoyer hilft, wenn darin ein biologischer durch einen physikalischen Begriff ersetzen wird – Perkolation statt Virus. Zumal dabei alles Subjekthafte ausgeklammert wird, obwohl es doch gerade darum geht.

.

1948 veröffentlichte der Anarchist und Psychoanalytiker Paul Parin, der zuvor als Arzt bei den “Tito-Partisanen” gearbeitet hatte, einen psychiatrischen Bericht über die in Jugoslawien nach dem Krieg bei demobilisierten Partisanen massenhaft aufgetretene “Partisanenkrankheit”, die Parin als hysterische bzw. epileptische “Kampfanfälle” bezeichnete. Sie bedeuteten für ihn das Gegenteil einer “Kriegsneurose”: Während diese den davon heimgesuchten vor weiteren Fronteinsätzen schützt (wenn er damit durchkommt), legte jene nahe, dass der oder die an ihr Erkrankte nicht mit dem Kämpfen aufhören kann bzw. will. Das betraf damals etwa 120.000 zumeist junge, ungebildete vom Land stammende Demobilisierte (1/3 davon waren Frauen). Die jugoslawischen Ärzte waren zunächst ratlos angesichts der plötzlich massenhaft auftretenden “Partisanenkrankheit: ‚Eine ansteckende Epilepsie? Das gibt es doch nicht!’”

.

Das Phänomen war zuvor bereits von Nadeshda Mandelstam beobachtet worden: Sie fuhr mit ihrem Mann 1922 nach Suchumi – auf dem Schiff befanden sich viele demobilisierte Leichtverwundete, die aus dem Bürgerkrieg zurückkehrten, und ständig kam es unter ihnen zu solchen “Kampfanfällen”.

.

Zuletzt berichtete Ursula Hauser von ähnlichen Symptomen. Sie hatte in Costa Rica ein psychoanalytisches Institut aufgebaut und in Nicaragua Miskito-Indianer behandelt. Diese waren früher von wiedertäuferischen Brüdergemeinen beeinflußt worden, hatten ansonsten jedoch derart isoliert gelebt, dass sie sich primär durch Inzest vermehrten. Ihr Stamm wurde dann in zwei Teile geteilt: die einen schlossen sich den Sandinistas an, die anderen den Contras. Nach Beendigung der Kämpfe kam es unter ihnen ebenfalls zu einer “ansteckenden Neurose” – ähnlich der Partisanenkrankheit.

.

img173

.

Von “Ansteckung” redet auch Roger Caillois in seinem Buch “Méduse & Cie”, in dem es um die “Mimese” am Beispiel von Insekten geht, das Darwinsche Nützlichkeitsdenken dabei ist ihm zu eng. Er begreift die Mimese als tierisches Pendant zur menschlichen Mode. „Es gibt nur eine Natur“. Und beides gründet für ihn “auf eine undurchsichtige Ansteckung”.

.

Gilles Deleuze und Félix Guattari sprechen bei der Banden-, Meuten- und Schwarmbildung von “Ansteckung”, insofern es dabei um ein “Werden” geht. Dieses kommt durch Bündnisse zustande: “Werden besteht gewiß nicht darin, etwas nachzuahmen oder sich mit etwas zu identifizieren; es ist auch kein Regredieren-Progredieren mehr; es bedeutet nicht mehr, zu korrespondieren oder korrepondierende Beziehungen herzustellen; und es bedeutet auch nicht mehr, zu produzieren, eine Abstammung zu produzieren oder durch Abstammung zu produzieren. Werden ist ein Verb, das eine eigene Konsistenz hat; es läßt sich auf nichts zurückführen und führt uns weder dahin, ‘zu scheinen’ noch ‘zu sein’. Das Werden ist eine Vermehrung, die durch Ansteckung geschieht. So wie beim Vampir – der sich ja auch nicht fortpflanzt, sondern ansteckt.”

.

Bekannt sind die Berichte von Verhaltensforschern, die bei dieser oder jener Tierart z.B. von einer „ansteckenden“ Wander- oder einer Fluchtreaktion sprechen. Daneben kennt man das „Werther-Syndrom“. Die Süddeutsche Zeitung schrieb kürzlich: „Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbsttötungen zu berichten…Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide.“ In Japan notierte sich Alexander Solschenizyn: „Die Japaner sehen im Freitod etwas ‚Philosophisches‘, es finden sich nicht wenige Nachahmer“ – an Orten, wo derartiges geschah. Dort stellt man Tafeln oder Buddhafiguren auf, „und erinnert an all diese Selbstmörder.“ Derzeit ist der Selbstmord Jugendlicher wieder „Mode“. Der „Selbstmord ist bei uns irgendwie immer im Hinterkopf“, sagte ein japanischer Interviewpartner in dem 2012 veröffentlichten Dokumentarfilm „Saving 10.000“ über Selbstmorde in Japan.

.

Fast schon als gesichert kann gelten, dass die antiautoritäre Studentenbewegung der Sechzigerjahre sich über das Fernsehen und über die Rockmusik international verbreitete – aus dieser Zeit stammt auch der Begriff des „Protest-Virus“. Der ist insofern „journalistisch“ als es keinerlei Beweise für seine biologische Existenz gibt, ebensowenig wie somatische Ursachen für die Partisanenkrankheit. Aber wenn es sie gäbe, wären wir damit bloß erneut bei der Physik (bzw. Chemie) gelandet. Denn darauf läßt sich heute die gesamte Biologie reduzieren. Sie ist damit „erwachsen“ geworden, wie einer der führenden Genetiker sagte, womit er meinte: „ein Geschäft“.

.

img113

.

Wenn eben davon die Rede war, dass es schon lange keine Gesellschaft mehr gibt (nur Verbände, Nationen, Völker und Staaten, wobei letztere nichts mit den „staatenbildenden Insekten“ gemein haben), dann war diese Aussage immer dahingehend zu ergänzen, dass es natürlich an Versuchen, sie zu rekonstruieren, nicht fehlte. Nicht nur in Bauernkriegen, Revolutionen und Volksaufständen, sondern auch in und mit allerlei „Gemeinschaften“ wurden „Gesellschaften im Kleinen“ hergestellt, aber sie waren nur „Kommunen auf Zeit“ und blieben meist punktuell, wenn sie sich nicht sogar ins Gegenteil verkehrten, was z.B. bei der populistischen Verwandlung der eigensinnigen Parole „Wir sind das Volk“ in „Wir sind ein Volk“ deutlich wurde.

.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wir stehen nicht sonderlich da, sind nicht gut genug aufgestellt, wie man heute sagt. Aber soll man sich deswegen in jeden Aufruhr reindrängeln? Ein bißchen Vertrauen in die „Geschichte“ muß man doch haben – notfalls auch ohne „tendenziellen Fall der Profitrate“. Kommt noch hinzu: Die Rolle der Intellektuellen und ihre mögliche Hinwendung zur „Bevölkerung“ hat sich gewandelt. Früher galt es, sich darin wie ein Fisch im Wasser zu bewegen (Mao), heute eher, wie eine Ratte im Schilf (Foucault). Einst gab es den „universellen Intellektuellen“, der zum Widerstand gegen das „System“ aufrief, nun ist es der „spezifische“, der in seiner besonderen Stellung zur Macht, durch seine berufliche Tätigkeit selbst zum moralischen Widerstand gelangt, wie Foucault es sagte, für den „das Scharnier zwischen beiden Intellektuellentypen“ der Atomphysiker Robert Oppenheimer war. In der sowjetischen Dissidentenbewegung könnte man danach den „Vater der Neutronenbombe“ Sacharow als Repräsentanten der neuen „spezifischen“ und den Schriftsteller Solschenizyn als Vertreter der alten „universellen Intellektuellen“ bezeichnen. Zu den „spezifischen“ zählen u.U. auch die Künstler – zu ihnen gewandt meinte neulich eine ältere Physikerin – auf einer Tagung der Akademien der Wissenschaften und der Künste in Potsdam: Es gehe doch im Kern um den Satz der Identität in der Logik – A gleich A: “Da raus zu kommen, darauf käme es doch wohl an.” Leicht gesagt.

.

img086

.

.

Politisierung – als subversive Strategie

.

„Der Mensch wurde abgeschliffen wie ein Stein im Wasser, unfähig zu Widerstand und eigener Meinung“. (Juri Tynjanow)

.

Die nachkriegsdeutsche Linke verstand unter Politisierung (der Massen und des Individuums) eine Bewußtmachung der eigenen Lage – ihre Entprivatisierung. Mit dem Alltag sind all jene Lebensbereiche gemeint, von denen aus sich die Menschen in einem Prozeß der Selbstaufklärung verständigen und organisieren. „Ich hatte Depressionen, Arbeitsstörungen, Kontaktschwierigkeiten, war einfach kaputt – und dann plötzlich die Osterdemonstrationen, die neuen Kontakte, die ganze Aktivität im SDS; es war wie eine Befreiung“, so äußerte sich z.B. ein Student 1971. Zu diesem Zeitpunkt war die Politisierung bereits weltweit ein Massenphänomen geworden, fast ein Trend, der dann in der BRD u.a. im Kursbuch 25: „Politisierung: Kritik und Selbstkritik“ analysiert wurde. Die Äußerung des Studenten entstammt daraus. Die nachkriegsdeutschen Anfänge der Politisierung waren vereinzelter und zaghafter, mindestens im Westen.

.

In einem 1953 veröffentlichten Berlin-Roman „Ring über Ostkreuz“ von Erich Wildberger, in dem es um die Existenzgründungsprobleme einer West-Berliner Baufirma geht, fährt ein frisch verliebtes Pärchen auf ein Grundstück in den Ostteil der Stadt, wo 41 Obstbäume erntereif sind. Um dahin zu gelangen, müssen sie sich mit ihren Fahrrädern fast ranpirschen – und anschließend mit dem Obst ebenso zurück. „In Britz erreichen sie wieder den Westsektor. Sie lächeln sich an. Ein Triumph! Man hat zwar unnötig viel riskiert, aber man hat sich gewehrt, hat der Willkür ein Schnippchen geschlagen.“

.

Im selben Jahr wurde der (kommunistischen) „Willkür“ für kurze Zeit sogar Einhalt geboten: am 17. Juni 1953 – als während des „mitteldeutschen Aufstands“ allein in Ost-Berlin Zehntausende auf die Straße gingen, um gegen Normerhöhungen der Regierung zu protestieren, die einer Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen gleichkamen. Die Demonstranten zogen zu den Regierungsgebäuden in Mitte, wobei sie immer mehr wurden. Einer der Teilnehmer, Jochen Markmann, erinnert sich, „dass zum Beispiel plötzlich lauter Köche auftauchten, die einfach ihren Küchenherd in irgendeinem Hotel oder Restaurant im Stich gelassen hatten … Der Zug schwoll zu einer enormen Menge an.“ Die kommunistische Regierung musste schließlich von der Roten Armee geschützt werden. In den Jahren vor diesem „Arbeiteraufstand“ hatte es bereits studentische Unruhen – vor allem an der Ost-Berliner Humboldt-Universität – gegeben, die Ende 1948 zur Gründung der Freien Universität im Westen geführt hatten. Auch dort kam es dann immer wieder zu Auseinandersetzungen – wenn z.B. Agitationskollektive der FDJ auf dem Dahlemer Campus auftauchten. Ins Visier der Weststudenten widerum geriet der einst von den Nazis aus der Akademie der Künste ausgeschlossene Karl Hofer, der nach dem Krieg die Hochschule der Künste wiederaufgebaut hatte und ihr Rektor geworden war. Er wurde regelmäßig mit Lebensmittelpaketen aus dem Osten unterstützt und so hieß es in einer studentischen Protestresolution: „Was Hofer für die Russen leistet, zeigen die Pajoks, die er von ihnen erhält…Die Künstler, die sich gleichzeitig vom Westen und vom Osten ernähren lassen, nehmen an Umfang ständig zu.“ Diese Vorwürfe wurden während der fünfzehnmonatigen Berlinblockade 1949 erhoben. Die eher unterernährten Studenten waren der Auffassung, dass Hofer deshalb „zur Erziehung der Jugend völlig ungeeignet“ sei.

.

img180

.

1950 wurde West-Berlin von der Bundesregierung zum „notleidenden Gebiet“ erklärt: Es fehlte an Wohnraum, die Hälfte der Bevölkerung von 2,5 Millionen lebte noch in unzumutbaren Verhältnissen, die Zahl der Arbeitslosen hatte mit über 300.000 gerade ihren Nachkriegshöhepunkt erreicht und nach wie vor strömten täglich tausende von Flüchtlinge in die Stadt. Dies ist sozusagen der materielle Ausgangspunkt für die Politisierung in den Fünfziger Jahren. Der Publizist Erich Kuby kam 1957 nach einer Recherchetour durch die DDR und die BRD zu dem Schluss, dass es nur im Osten eine politisierte, zu „Unruhen“ fähige, studentische Jugend gäbe: „Westdeutsche Jugend findet politisch nicht statt“. Dies galt auch und erst recht für die in West-Berlin, die er damals noch als „bürgerlich“ und antikommunistisch verhetzt einschätzte.

.

Dieser Befund sollte sich jedoch bald – nicht zuletzt durch Erich Kubys eigenes Wirken, wofür ihn die FU im Sommersemester 1965 mit einem Haus- und Redeverbot ehrte – geradezu umdrehen: im Maße der antikommunistische Konsens zwischen Staat und (Adenauer- )Regierung einerseits und den Studenten andererseits sich langsam auflöste. Als ein Meilenstein auf dem Weg dahin wird die Ostermarschbewegung angesehen.

.

Der aus dem Osten geflüchtete spätere Psychologieprofessor und Teilnehmer an dieser Bewegung, Peter , schreibt – in einem autobiographischen Fragment: „Seit der Wiederbewaffnung der BRD und dem Antrag auf ein Verbot der KPD (1952) greife ich ab und zu wieder nach Marx… Der Protest holt mich einigermaßen aus der Depolitisierung hervor… 1958/59 deutet sich in den Antiatom-Kongressen an der FU Berlin eine Art von Wende an; bildet sich in diesem Sparkassenland ein ‚kollektives Subjekt‘?“

.

Dies Subjekt der Autopolitisierung entstand im Westen zu dem Zeitpunkt erst zögernd, dann jedoch sich überstürzend, während es im Osten letztlich Objekt (der Partei) blieb. Stattdessen entwickelte sich dort bis zum Mauerbau ein anschwellender Flüchtlingsstrom („Abstimmung mit den Füßen“ genannt), und danach eine vereinzelte Dissidenz, ähnlich der in der Sowjetunion. Formierende Tendenzen von oben kamen aber auch in der BRD – über die westlichen Besatzungsmächte – zum Zuge: „Im bundesdeutschen team-work ist der sales-promoter eine wichtige Figur geworden; er leitet in Gestalt von lay-outs dem managing- Direktor Vorschläge zu, die darauf hinauslaufen, den Standard auf ein level zu heben, der uns bisher unbekannt war…“, schrieb 1957 Erich Kuby über „die Sprache, die der deutsche Michel in knapp sechs Jahren erlernt hat“. Aus den USA kamen dann jedoch im Protest gegen den Vietnamkrieg der Amerikaner auch die Widerstandsformen dagegen. Beginnend mit dem antimilitaristischen und antirassistischen „Free Speech Movement“ an der Universität Berkeley 1964, bis zu den sozialen Erfindungen „Teach- In“, „Sit-In“, „Go-In“ – und, noch immer nicht endend, mit der „Political Correctness“. Hinter dieser alternativen Amerikanisierung, die zugleich eine Antiamerikanisierung war, insofern sie sich gegen die Kriegsführung in Südostasien richtete („USA – SA – SS!“), griff das „kollektive Subjekt“ jedoch vor allem auf russische Erfahrungen und Theorien zurück – und zwar weltweit. In Berlin war die Keimzelle für deren bald massenhafte „Aufarbeitung“ der SDS, und dort insbesondere die Gruppe um die aus dem Osten stammenden Studenten: Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und Peter Rambauseck u.a..

.

img176

.

Fast könnte man sagen, dass die Studentenbewegung in Deutschland versuchte, bruchlos wieder an dem Punkt anzuknüpfen, von wo aus die Linken 1933 in den Untergrund, ins Exil oder ins Arbeitslager gegangen waren. Alle ihre Debatten und Auseinandersetzungen – seit den Dekabristen und vor allem der Revolution von 1905 – wurden nun noch einmal geführt. Die großen bundesdeutschen Intelligenzverlage Rowohlt, Fischer, Suhrkamp, Hanser, Ullstein … führten geradezu ein Kopf- an Kopf-Rennen mit den linken Raubdruckern um die Neuherausgabe der einstigen Bestseller der Arbeiterbewegung – von den alten Anarchistinnen bis zu den noch fast frischen Stalinisten. Kommunebewegung, Feminismus, psychoanalytische Kindererziehung, sexuelle Befreiung, Antipsychiatrie, Heimerziehungsalternativen, revolutionäre Betriebszellen, illegale Druckereien, Reisekader, Konspiration, Terrorismus, eigene Rauschmittelversorgungswege etc. … All das hatte es bereits in Russland von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Viertel des 20. Jahrhunderts gegeben. Diese Schätze wurden in den Sechziger Jahren nach und nach gehoben – und für die „politische Arbeit“ wieder nutzbar gemacht. Die Studentenbewegung breitete sich wie eine Epidemie aus, sie wurde ideell und materiell vom Osten unterstützt und war ihrerseits mit den „Befreiungsbewegungen der 3.Welt“ solidarisch. So sammelte die im „Deutschen Herbst“ 1977/78 begründete linke „tageszeitung“ z.B. Geld, um „Waffen für El Salvador“ zu kaufen, andere Aktivisten vermachten ihr naziväterliches Millionenerbe dem Vietkong. Der erste getötete Demonstrant – Benno Ohnesorg – vor der Deutschen Oper in Berlin forcierte die allgemeine Politisierung noch einmal. 1968 erfassten die Vietnamproteste und die schwarze Bürgerrechtsbewegung auch die US-Soldaten. In den Streitkräften zirkulierten bald 250 linke Zeitungen, einige auch in Berlin, wo der SDS Deserteuren praktisch half, nach Schweden zu entkommen. Theoretisch drehte sich die Politisierung und Massenmobilisierung vor allem um die Pole „Marx“ und „Freud“.

.

Während es in Frankreich den Studenten gelang, mit den Arbeitern im Mai 68 einen Generalstreik auszurufen, waren sie im „antikommunistischen Bollwerk“ Westberlin jedoch weit davon entfernt, mit den Arbeitern auch nur ansatzweise eine „Aktionseinheit“ zu bilden. Hier verstärkten die Gewerkschaften eher noch ihre Abgrenzungsbemühungen (u.a. durch Rausschmisse kommunistischer Mitglieder), was zur Folge hatte, dass die Politisierung des Alltags mehr und mehr in eine „Kulturrevolution“ mündete, d.h. sich auf das Milieu der Studenten und Schüler beschränkte. Positiv spiegelte das ihre „Randgruppenstrategie“ wieder, die daneben auch noch Rocker, Heimkinder, Straffällige usw. einbezog. Die Umkrempelung des eigenen Lebens, die in einem sich ausbreitenden Netz von selbstorganisierten, d.h. „alternativen“ Projekten, Läden, Kneipen, Kommunen und Publikationsorganen stattfand, setzte eine kollektive Ich-Suche in Gang, die bisweilen arbeiterfeindliche Töne annahm. In diesem Zusammenhang sei an die damaligen linken Bestseller Lenz von Peter Schneider, Häutungen von Verena Stefan und vor allem an Die Reise von Bernward Vesper erinnert. Für orthodoxe Linke waren das alles kleinbürgerliche Fluchtbewegungen. Gleichzeitig wurden die Straßendemonstrationen der APO (Außerparlamentarische Opposition) immer selbstbewusster und militanter, wobei in den anschließenden Diskussionen den Polizeiknüppeln durchaus eine bewusstseinserweiternde, d.h. politisierende Wirkung zugeschrieben wurde. Umgekehrt beharrte jedoch vor allem die CDU/CSU darauf, dass die Polizeiknüppel eher beruhigend, depolitisierend, auf die studentischen Randalierer wirken.

.

img146

.

In den Siebziger Jahren spaltete sich „die Bewegung“ immer mehr auf – in Maoisten, Trotzkisten, Anarchosyndikalisten, Illegale (wie die RAF) usw.. Und neben dem Anti-AKW-Protest hatten auch einige spektakuläre „Psychosekten“ regen Zulauf. Erwähnt seien die Bhagwananhänger in Poona und die Wilhelm-Reichanhänger der Wiener Aktions-Analyse-Kommune von Otto Muehl, die beide starke Ableger in Berlin besaßen. Bedeutend unspektakulärer war dagegen die alltägliche „politische Kleinarbeit“ – etwa der SDS-Basisgruppen Moabit und Wedding. Dennoch entstanden daraus einige geradezu exemplarische Biographien: Eine rote Germanistin kam z.B. über die Betriebsagitation dazu, eine Druckerlehre anzufangen, und wurde später Betriebsrätin in einer Großdruckerei. Zuletzt machte man sie zur Vorsitzenden der Berliner IG Medien. Umgekehrt wurde bei einem AEG-Arbeiter in der Basisgruppe Wedding das politische Interesse derart geweckt, dass er es schließlich über diverse Ausbildungsgänge bis zum Vorsitzenden der Berliner IG Metall brachte. Nach der Wiedervereinigung versagte er jedoch: Als die Arbeiter im Osten den Westgewerkschaften quasi ungewollt in den Schoß gefallen waren, dann jedoch eine eigene, branchenübergreifende Betriebsrätebewegung gegen die Abwicklung ihrer Betriebe durch Privatisierung ins Leben gerufen hatten, die bald ebenso wie die des 17.Juni 1953 das Haus der Ministerien belagerte, das nunmehr die Treuhandanstalt beherbergte. Bei diesem Funktionär kann man von einer Depolitisierung durch Karriere reden.

.

Diese wurde Mitte der Siebzigerjahre sozialdemokratisches Programm, indem ein Dutzend neue Universitäten geschaffen wurde, wo den meisten studentischen Rädelsführern Dozentenstellen winkten. Außerdem wurde das System des Begabtenabiturs derart ausgeweitet, dass sich Tausenden von Jungproletariern plötzlich Aufstiegschancen auftaten. In Westberlin nutzten das vor allem die bereits „anpolitisierten“ Kindergärtnerinnen, Heimerzieherinnen und Krankenschwestern. Gleichzeitig hatte sich hier aber eine neue Arbeitergruppe als „kollektives Subjekt“ gebildet: die Türken – die zunächst in Arbeiterwohnheimen untergekommen waren. Sie zogen in den Siebziger Jahren in die fast nur noch von subproletarischen Kümmerexistenzen bewohnten Kieze Kreuzbergs, Schönebergs und im Wedding. Dadurch wurden sie langsam von Gastarbeitern zu Dauerbewohnern Berlins – gründeten Arbeiterclubs, Solidaritätsvereine und organisierten sich u.a. gegen nationalistische Gruppen wie die Grauen Wölfe, aber auch gegen Benachteiligungen am Arbeitsplatz. Die Gewerkschaften gewöhnten es sich an, Flugblätter auf Türkisch zu verfassen. Bald gab es die ersten türkischen Arbeitnehmersprecher. Noch heute – da die „Betriebsverschlankungen“ längst auch auf Westberlin übergegriffen haben – sagt man in der IG Metall: „Jeder gute türkische Betriebsrat war früher ein maoistischer Kurde!“ Zu den ersten türkischen AEG-Arbeiterinnen gehörte Emine Sevgi Özdamar, danach studierte sie Schauspiel in Istanbul. Wieder zurück in Berlin bekam sie 1976 eine Anstellung an der Volksbühne. Fortan lebte sie in West-Berlin und arbeitete in Ost-Berlin. In einem ihrer autobiographischen Romane schreibt sie – rückblickend auf ihre Politisierung als Arbeiterin, die in einem der türkischen Arbeitervereine begann, in denen fast nur Männer saßen und diskutierten, dabei ununterbrochen rauchten und Tee tranken: „Als ich den hinkenden türkischen Sozialisten einmal vor dem Café Steinplatz sah, er überquerte gerade die Straße, sagte ich zu mir, schlaf mit dem hinkenden Sozialisten, er wird dich danach in Ruhe lassen, er hinkt, er ist Sozialist, er wird keine Angst bekommen, dass du ihn zum Heiraten zwingen willst“.

.

Das Café und Kino am Steinplatz in „Charlottengrad“ war eines der Zentren der Studentenbewegung. Spätestens seit dem Bau der Mauer 1961 waren die meisten wohlhabenden Berliner aus Angst vor den Kommunisten nach Westdeutschland ausgewichen. In ihre großen Wohnungen links und rechts des Kurfürstendamms zogen Studenten ein. Berlin lockte damals vor allem solche an, die, wie der Künstler Thomas Kapielski sagte: im Malen eine eins und im Rechnen immer ein fünf hatten. In dem Maße wie die Hausbesitzer ihre zentralen Liegenschaften wieder in den Griff bekamen, wichen die Studenten nach Schöneberg und Kreuzberg aus. Ihre Politisierung hatte sich indes derart auf einige Aspekte des Alltags – nämlich der „behutsamen Stadterneuerung unter ökologischem Vorzeichen“ – beschränkt, dass sie dort mit den Türken aneinander gerieten. In diesen sahen sie bald nur noch „Stoßtrupps der Hausbesitzer“ – zum endgültigen Herunterwohnen der letzten Altbausubstanz. 1980 schrieb die Scene-Zeitung Zitty: „In einem Türkenghetto entscheiden nur noch Justiz und Polizei…Türken raus? Warum nicht. Zumindest einige. Es sei denn, man will den Stadtteil sterben lassen“. Viele Türken ließen nach und nach ihre Familien nachkommen, was die Bezirksregierung von Kreuzberg immer wieder mit „Zuzugssperren“ zu verhindern suchte. Ümit Bayam, den seine Mutter, als er acht Jahre alt war, nach Kreuzberg holte, schrieb 1997 einen Text über seine ersten Erlebnisse dort. Er bekam dafür einen Preis beim SDR-Schreibwettbewerb 40 Jahre Gastarbeiter – Deutschland auf dem Weg zur multikulturellen Gesellschaft? Als Stadtplaner und Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung engagiert er sich derzeit im Kreuzberger „Wrangel-Kiez“, wo es gilt, den Bau eines riesigen Einkaufscenters in einem mühsam erkämpften und sich langsam zusammenraufenden Soziotop zu verhindern. In den Siebziger Jahren war es dort noch darum gegangen, so genannte Kahlschlagsanierung und Autobahnbau zu stoppen.

.

img170

.

Die Depolitisierung des Alltags, so wie sie einmal von den unbeugsamen Professoren Johannes Agnoli und Peter in ihrem Buch „Die Transformation der Demokratie“, das man auch die „Bibel der APO“ genannt hat, verstanden wurde, besteht vor allem in der „Parlamentarisierung der Linken“, die inzwischen „in den westlichen Ländern zu einer Lebensfrage des Kapitalismus“ geworden sei. Mit den Grünen gelang das auch, obwohl in den Achtziger Jahren die Politik auf der Straße zunächst weiter ging: einmal in der Anti-AKW-Bewegung und zum anderen bei den Hausbesetzern – in den Häuserkämpfen, wobei die Personage einen Wechsel vom Hippietum zum Punk vollzog. Dennoch scheint das kollektive Subjekt dabei nicht mehr auf, sondern geht langsam unter. Bis Ende der Neunzigerjahre die Reprivatisierung nach und nach auch alle Alltagsbereiche erfaßt.

.

Wir haben somit von 1953 an eine aufsteigende Linie der Politisierung des Alltags, die Arbeit, Familie, Kindererziehung, Sexualität, Künste etc. erfasst, um diese Bereiche zu transformieren – bis 1968. Danach spaltet sich die soziale Bewegung immer mehr auf – in Parteien und Single-Purposes, sie spezialisiert und professionalisiert sich. Mit dem Zerfall der Sowjetunion und der deutschen Wiedervereinigung ist der alternative Impuls endgültig am Ende – bzw. vom System integriert. „Wir machen aus Punk Prunk!“ verspricht z.B. ein Werbeslogan des Kaufhofkonzerns.

.

Zur Erklärung dieser westlichen Politisierungswelle hat u.a. der Historiker Mathias Mildner ausgeführt, die Schüler- und Studentenbewegung habe ihre materielle Ursache darin gehabt, dass damals zum ersten Mal eine noch junge Generation schon über eine erhebliche Kaufkraft verfügte – und dafür eine eigene „Kultur“ einforderte, die sie sich erst einmal erkämpfen musste. Die Rockmusik z.B. war bis in die Sechzigerjahre noch weitgehend verboten – heute dudelt sie auf allen Kanälen von morgens bis abends und überall. Sie ist zu einer akustischen Umweltverschmutzung geworden. Desungeachtet kann von einem Scheitern nicht die Rede sein. Ähnliches gilt für viele linke „Ansätze“, die sich durchgesetzt haben, nur dass sie jetzt eben von anderen Leuten vertreten werden. „Wir waren anfangs etwa 12 Leute im SDS – und jetzt sind wir wieder genauso viele: fast noch die selben,“ so sagte es der West-Berliner Widerstandsforscher Hans-Dieter Heilmann 1999 – selber verblüfft. In Restaurationszeiten, da wieder von Generationen, Rassen, Religionen und Nationen die Rede ist, wächst zunächst die rechte Bewegung. Ob man bei ihr von einer Politisierung des Alltags, als Basisimpuls, reden kann, vermag ich nicht zu sagen.

.

Auf alle Fälle hat sie bereits etliche Gefängnisse umgekrempelt, d.h. dass die Neonazis das Klima der Auseinandersetzungen dort mittlerweile bestimmen. Körpertraining, nationalistisch-rassistische Entmischung und Kommunikationslosigkeit lassen die Ostler in den Westgefängnissen inzwischen sogar von ihren alten DDR-Knästen schwärmen – wie eine Studie über die Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel von Hans-Joachim Neubauer nahe legte. Statt der in den Siebziger Jahren in Westberlin wiedergegründeten „Roten Hilfe“ gibt es dort jetzt eine „Braune“. Und statt der selbstorganisierten linken „Release“-Vereine haben die Drogensüchtigen fast nur noch den totalitären Synanon-Verein als Anlaufstelle, der sich mit ganz viel „Staatsknete“ zu einem regelrechten Umerziehungskonzern entwickelte . Für entlaufene Heimkinder gab es ab den Siebziger Jahren im Wedding die „Werkschule“, in der das Kollektiv der Jugendlichen und Erzieher sich ihre eigenen (einstmals besetzten) Häuser herrichtete und eine neue Form von Schulunterricht erfand. Alle bekamen das selbe „Taschengeld“ und jeder hatte auf Vollversammlungen eine Stimme. Heute betreibt eine grüne Kiezsanierungsfirma dieses Geschäft im großen Stil und auf ABM-Basis im Osten: Es werden Häuser gekauft, saniert und dann für „betreutes Wohnen“ hergerichtet, wozu man noch Ausbildungsmöglichkeiten, vor allem an Computern, anbietet.

.

Es wäre zu viel verlangt, in dieser Situation wieder auf Russland zu hoffen, wo man noch verwirrter zu sein scheint. Immerhin kommen jetzt jede Menge Russen nach Berlin, es ist fast ein Exodus der letzten sowjetischen Intelligenz. Ironischerweise gerade wegen des depolitisierten Alltags hierzulande. „Das war ein befreiender Akt und ein Erfolg,“ schrieb Peter Brückner einst – über seinen ersten lukrativen Job im Westen, „dass der Entschluss befreiend war, dass mich das Geld politisiert hat (und nicht, wie die jungen Generationen, die Sexualität), hat eine Moral. Es gibt Zustände – individuelle wie gesellschaftliche – in denen einzig ein Stück Ruchlosigkeit produktiv ist, und wo die ‚individuelle Interessen- Orientiertheit‘ viel weniger sozial integriert als Armut, Sozialarbeit, Tugend.“

.

img191

.

Hier geht es morgen abend aber nicht um individuelle Interessen, sondern um Mehrheitsinteressen – quasi:

.

Fünf Jahre Kampf ums Tempelhofer Feld – ein Blick zurück und nach vorne

Film & Diskussionsveranstaltung mit Aktivist*innen von gestern und heute

 .

12.05.2014 um 19:30 Uhr

Versammlungsraum im Mehringhof

Gneisenaustr. 2A

10961 Berlin

 .

Nachdem die Bürgerinitiative „100 % Tempelhofer Feld“ vier Monate lang an die 185 000 Hier geht es morgen abend aber nicht um individuelle Interessen, sondern um Mehrheitsinteressen – quasi:Unterschriften gesammelt hat, können am 25.05.2014 abstimmungsberechtigte BerlinerInnen an der Wahlurne darüber entscheiden, ob die größte Freifläche der Stadt bebaut wird oder nicht. „100 % Tempelhofer Feld“ macht sich dafür stark, dass das ehemalige Flugfeld einfach so bleibt, wie es ist.

 .

Die Bürgerinitiative thematisiert auch die Umstrukturierung der Stadt nach neoliberalen Richtlinien und stellt die Frage, welche Interessen der derzeit betriebene Städtebau bedient. Allerdings bleibt in der Kampagne der Bürgerinitiative ausgespart, von wem und mit welchen Mitteln der entscheidende politische Druck ausgeübt wurde, damit man am 8. Mai 2010 das erste Mal legalerweise einen Fuß auf das Gelände setzen konnte. „100 % Tempelhofer Feld“ tritt betont seriös und bürgerlich auf und hält Aktionsformen des zivilen Ungehorsams für imageschädigend.

 .

Tatsächlich mündet auf diese Weise linksradikale Politik in sozialpartnerschaftliche Politikberatung ein. Das kann es doch nicht sein? Egal wir die Volksbefragung ausgeht, es wird wieder praktisch gehandelt werden müssen. Wir sollten uns vor(!) dem 25.5. darüber verständigen, ob wir noch einmal an die Praxis von vor fünf Jahren anknüpfen wollen: Squat Tempelhof!!!

 .

Am 12. Mai möchten wir mit einem Film die größte Aktion für die Öffnung des Geländes ins Bewußtsein zurückholen, als „Squat Tempelhof“ gemeinsam mit einem breiten Spektrum von AnwohnerInnen, Mieterbündnissen und weiteren Gruppen wie „Tempelhof für Alle“ zur Besetzung des Flugfeldes aufgerufen hat. Im Anschluss soll eine Diskussion mit Aktivist*innen von gestern und heute über die Perspektiven des weiteren Kampfes um die Freifläche stattfinden.

.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2014/04/29/1-mai-baden-gehen-oder-demonstrieren/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.