vonHelmut Höge 19.03.2020

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Zwar bin ich nach wie vor entschieden dafür, dass alle Wessis wieder vom Territorium der DDR verschwinden und ihr Privateigentum, dass sie  schnäppchenmäßig an sich gerissen haben, dort lassen, aber drei Deutschlandgraphiken zeigen nun deutlich, dass diese Einverleibung des sogenannten Beitrittsgebietes im Hinblick auf die Grippeepidemie „Corona 2020“ doch auch ihr Gutes hatte:

Die ersten Graphik zeigt die Bodenfeuchtigkeit (von rot = extreme Dürre bis gelb = trockener als sonst):

Die Graphik stammt aus dem „Dürremonitor Deutschland“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (ufz) in Leipzig mit Dependancen in Halle und Magdeburg (1500 Mitarbeiter). In ihren „Dürreatlas“ fließen täglich die Wetterdaten vom Deutschen Wetterdienst ein, und zwar von bestimmten Meßstationen. Dazu noch Daten von der „Europäischen Umweltagentur“, der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie, der Bundesanstalt für Gewässerkunde, des European Water Archive, des Archivs Global Runoff Data Centre und der NASA.

In einem Vortrag über seine Graphiken unterschied der Leipziger Koordinator des „Mitteldeutschen Klimabüros“ Andreas Marx vier Arten von Dürre: die meteorologische, agrarische, hydrologische und sozio-ökonomische Dürre. Mit letzterem meint er glaube ich, dass eine „Anpassung an Dürren“ für Industrie, Schiffahrt, Tourismus, Wasser- und Energieversorgung immer dringender wird.

Auf seinen Karten ist der Osten rot! Das heißt der überwiegende Teil des DDR-Territoriums ist flächendeckend ausgetrocknet. Vor allem die „märkische Streusandbüchse“: Sandige leichte Böden nehmen zwar schnell Wasser auf, können es aber nicht halten, vor allem, wenn es immer weniger regnet. Im Gegensatz dazu macht schweren tonhaltigen Böden die Trockenheit weniger aus, dafür nehmen sie aber auch schwerer Wasser auf und brauchen länger, um sich nach einer Dürreperiode wieder voll zu saugen.

In einem Artikel in „spektrum.de“ heißt es, sich auf eine Deutschlandkarte der Leipziger Trockenforscher berufend: „Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Bayer fehlt es an Nässe.“ Dr. Marx weiß jedoch: „Die Leipziger Tieflandbucht hat gute Böden, mit einem hohen Tongehalt, der das Wasser hält, deswegen kann eine geringe Jahresmenge Regen, von 500 Millimetern, für die Landwirtschaft hier reichen – im Gegensatz zu den Brandenburger Sandböden.“

Das liegt natürlich nicht nur an den Böden, sondern auch an den regional unterschiedlichen Regenmengen, die in den Dürrejahren 2018 und 2019 fielen. Hinzu kommt noch: Wenn es länger heiß ist, verdunstet der gelegentliche Regen schnell wieder, vor allem auf schweren Böden. Von Dr. Marx erfuhr ich zudem: „Westdeutschland ist atlantisch geprägt und Ostdeutschland kontinental.“ Daran kann auch die sogenannte Wiedervereinigung nichts ändern.

Kann sich dieser BRD-DDR-Klimaunterschied aber auch auf die Corona-Infektion auswirken? Das Klima ist ein „schwacher Verbündeter“, meinte die FAZ gestern vorsichtig – und zitierte dazu einige Forschungsarbeiten:Es wäre ein wunderschönes Szenario: Der Frühling kommt, es wird warm, und der ganze Corona-Spuk ebbt ab wie eine ganz normale Grippewelle,“ heißt es dazu vorab, und diese Hoffnung sei keineswegs weit hergeholt, denn: „Viele Infektionskrankheiten zeigen saisonale Muster, wie die Infektionsforscherin Micaela Martinez 2018 in Studie in der Zeitschrift ‚PLOS Pathogens‘ demonstrierte. Es gibt Krankheiten wie Influenza, die im Winter ihren Höhepunkt erreichen.“ Und weiter heißt es: „Die Überlebensfähigkeit des Virus außerhalb des Wirtskörpers hängt nicht zuletzt vom Aufbau des Virus ab. Das Genom befindet sich bei einigen Viren nicht nur in einer Protein-Struktur, dem Kapsid, sondern außerdem noch in einer Lipidhülle. Diese fetthaltige Hülle macht Viren anfälliger für ungünstige Umweltbedingungen – beispielsweise ruft dies die Vorliebe von Grippeviren für kalte Luft hervor. Sars-CoV-2 besitzt ebenfalls eine Hülle, und tatsächlich ist Saisonalität auch von anderen Coronaviren bekannt, wie eine schwedisch-schweizerische Studie hervorhebt.“

Hinzu kommt mit dem wärmeren Wetter, dass immer mehr Menschen eine Immunität gegen den Corona-Virus aufbauen. „Viren, die schon Weile kursieren, können sich nur verbreiten, wenn die Bedingungen am günstigsten sind, in diesem Fall im Winter“, schreibt der Epidemiologe Marc Lipsitch in seinem Blog.“

Wenn es so warm und trocken wieder wird wie 2018/19 in Ostelbien, dann sieht es also für die DDRler und ihre nachwendische Brut, die im Land geblieben ist, coronamäßig ziemlich gut aus.

Die zweite Grafik zeigt die Stillegung von Eisenbahnstrecken (6500 Kilometer) nach der Einverleibung der staatlichen Reichsbahn durch die neoliberal gebeutelte  Bundesbahn/Deutsche Bahn AG. Daraus geht hervor, dass die meisten DDR-Bürger so gut wie gar nicht mehr aus ihren Siedlungen rauskommen – und also sich auch nicht mit dem Coronavirus anstecken können:

 

 

Die positiven Folgen dieser relativen und vom Westen erzwungenen Isolation zeigt die dritte Grafik:

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Erwähnt sei auch noch die statistische Verteilung der Neonazis und ihrer Organisationen, dazu habe ich aber kein gutes Kartenmaterial gefunden. Es würde zeigen, dass es auch diesbezüglich einen markanten Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland gibt. Er ähnelt dem zwischen den amerikanischen Süd- und den Nordstaaten, wobei man schon im 18. Jahrhundert die ostelbische Gutsherrlichkeit mit dem Sklavensystem der Südstaaten verglichen hat. Und nicht zufällig hing nach der „Wende“ an vielen Scheunen und Datschen in Ostdeutschland die Flagge der Konföderierten, noch 2015 bemerkte die taz: „In Brandenburg weht in etlichen Vorgärten die Fahne der Südstaaten.“ Über diesen ganzen Komplex hat der Historiker Wolfgang Schivelbusch 2001, listig – ohne die DDR zu erwähnen , eine „Kultur der Niederlage“ veröffentlicht: einen „Vergleich von drei Niederlagen – die amerikanischen Südstaaten 1865, Frankreich 1871 und Deutschland 1918.“

Die DDR-Niederlage begann mit den vom Westen geschmierten Schundnickeln von der „Allianz für Deutschland“ (AfD), die die Märzwahlen gewann, und aus der dann folgerichtig via Pegida die „Alternative für Deutschland“ (AfD) hervorging.

Zur DDR-Niederlage (die eine Niederlage des Kommunismus ist – insofern dieser Arbeiter- und Bauernstaat nicht an zu viel Unfreiheit, sondern an zu viel Freiheit, im Produktionsbereich nämlich, zugrunde gegangen ist)  hier noch zwei weitere Graphiken:

Firmenlandschaft BRD-DDR

 

US-Militärbasen in Deutschland heute

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Die Leipziger Soziologin Yana Milev hat ein Buch über die DDR 30 Jahre nach ihrer Auslöschung geschrieben: „Das Treuhand-Trauma“. Dazu heißt es in der Ankündigung:

„Das Grauen hatte einen Namen: TREUHAND. Die Anstalt war, auf Vorschlag des Runden Tisches, noch von der Modrow-Regierung im Frühjahr 1990 ins Leben gerufen worden. Mit ihr sollte das Eigentum des Volkes der DDR »zuverlässig und dauerhaft« geschützt werden. Doch auf Bonner Druck gab es schon bald ein Treuhandgesetz. Aus der »Wahrung des Volkseigentums« wurde die »Privatisierung des volkseigenen Vermögens«. Die Treuhandanstalt verschleuderte in der Folgezeit mehr als achttausend Betriebe, tausende Geschäfte und Gaststätten, unzählige Immobilien und Agrarflächen .

An den Folgen dieser asozialen Politik trägt Ostdeutschland noch nach dreißig Jahren. Die Soziologin Yana Milev hat die Auswirkungen dieser brutalen Zerschlagung einer organisch gewachsenen Gesellschaft untersucht. Die Befunde widersprechen eindeutig der Behauptung von einer »erfolgreichen Transformation«: Es ist eine Kulturkatastrophe. Die Treuhand vernichtete nicht nur das Volkseigentum der DDR und Arbeitsplätze, sondern auch die Würde von Millionen Menschen, indem sie ihr Leben entwertete.“

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Ganz anders der englische Schriftsteller James Hawes, der alle emanzipatorischen Bestrebungen, die seit 1868 (!) aus Russland über uns gekommen sind, nicht kennt, aber desungeachtet das West-Feuilleton derzeit in seinem Buch The Shortest History of Germany mit der steilen These beglückt:

„Vom Nationalsozialismus bis zur AfD – alles, was schiefgelaufen ist, haben wir dem Osten zu verdanken“. Seit dem dortigen Wahlerfolg der AFD steht laut „vice.com“ die „alte Frage wieder im Raum: Warum sind Ost- und Westdeutsche noch immer so verschieden?

Je weiter die deutschen Siedler ab dem 12. Jahrhundert nach Osten vordrangen, desto mehr verloren sie ihre Bindung an Europa. Das Ergebnis laut Hawes: das 1701 entstandene Königreich Preußen. Und Preußen war es dann auch, das den Westen im 19. und 20. Jahrhundert mit seinem Antisemitismus und Militarismus immer wieder in den Abgrund zerrte.“

Hawes: „Der Hang zum Autoritären tauchte dann nach dem Ende der DDR auch im wiedervereinigten Deutschland auf. Den Reflex sieht man heute sowohl bei der Linken als auch bei der AfD: Beide schauen nach Moskau. Das ist ein Reflex bei beiden politischen Extremen in Deutschland, der dem Westen eigentlich völlig unbekannt ist. Das ist ein preußischer, ostelbischer Reflex.“

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Zurück zu Corona: Das folgende Bild legt nahe, dass man die nahezu weltweite Pandemie bei sieben Milliarden Menschen (von denen es ja eigentlich acht Milliarden zu viel gibt) nicht allzu ernst nehmen sollte:

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Von Westberlin aus gesehen (1)

Das um sich greifende Corona-Virus ist in Berlin besonders komisch: Hier hat man schon lange vor der Wende im Ost- und Westteil der Stadt alles möglich propagandamäßig getan, um in der Haupt-Frontstadt mit Brot und Spielen wahre Massen zu versammeln und dazu von außerhalb immer mehr Leute herzulocken – weil Berlin so besonders dufte ist: Filmfestspiele, Fußball-WM, Partymeilen, Multikultikarneval, 1.Mai-Remmidemmi, Weltjugendfestspiele, Schwulentage, Kunst und Kultur bis zum Abwinken, Clubs, die durchgehend geöffnet haben, Kneipen ohne Polizeistunde, Demos ohne Ende usw. – und nun wird genau das Gegenteil durchgesetzt: Nicht nur werden alle Kultur- und Sport-Veranstaltungen, auch die Schulen, Bibliotheken, Museen, Kitas, Kinos, Theater, Jobcenter, Clubs etc. geschlossen, sogar die U-Bahnen sollen angeblich bald nicht mehr fahren. Partys, Diskussionen und Ausstellungen werden abgesagt und z.T. auf das kommende Jahr verschoben – so als würde man davon ausgehen, dass die Viren-Epidemie erst in zwölf Monaten abklingt, was natürlich durchaus sein kann, auch wenn man sich über ihre Gefährlichkeit noch nicht einig ist. Einige Corona-Analysten spekulieren sogar so weit, dass sie meinen, wir (die 7 Milliarden oder nur die Weißen?) müssen für immer mit irgendwelchen Grippeviren-Mutationen leben…Und dann folgt meist die obligatorische Phrase „Nichts wird ab jetzt mehr so sein wie vorher“ oder „Wir müssen uns neu erfinden“. Grauenhaft, diese zwei Phrasen. 

Bei konsequenter Ausgangssperre wird man alle Wohnungen systematisch aufbrechen müssen, um nach und nach die Coronaleichen einzusammeln. Es wimmelt gerade in Berlin von Menschen, die niemand vermißt – im Gegenteil: Als möglicherweise Überlebender kann man sich jetzt schon auf einen entspannten Wohnungsmarkt freuen. Es gibt keine bessere Mietbremse als eine tödliche Seuche. Auch die vielen Wildtiere, die in die Stadt eingewandert sind, werden die zunehmende Friedhofsruhe zu schätzen wissen – bis auf die, die von den Brosamen der Reichen leben. „Das Coronavirus hat jetzt schon mehr für die Umwelt getan, als das Klimapaket der Bundesregierung,“ heißt es. Für all die Wildtiere in der Stadt soll man jetzt Futter bereitstellen, heißt es, denn wer verliert jetzt noch Dönerteile, Brothälften und Ähnliches, auch die Abfalltonnen der Restaurants bleiben leer. Einzig die Raubtiere und Raubtiere haben es jetzt vielleicht leichter in den Städten, weil Tauben und Ratten z.B. geschwächt sind.

Die BZ titelte am 13.März: „Auf soziale Kontakte verzichten“. Also man soll zuhause bleiben, und z.B. als Journalist von dort arbeiten – via Internet und ansonsten seine „Kontakte“ auf die Asozialen Medien (Facebook, Twitter, Instragram and more) beschränken. Die Millionen Hamsterkäufer sind hoffentlich glücklich: Erstens haben sie nun nicht umsonst zentnerweise Vorräte in ihre Wohnungen geschleppt und Zweitens können sie nun in Ruhe und womöglich monatelang ohne schlechtes Gewissen Sat1 kucken oder sich an Internetspielen beteiligen. Auch das Posten von Kitschgedanken auf Facebook wird immer beliebter.

Für die Biosupermarktkunden und Mittelschichts-Ökos gibt es natürlich bei so einer Epidemie viel zu tun. Nämlich immer mehr Verhütungsmittel sich ausdenken und befolgen und über die Asozialen Netzwerke verbreiten. Ich zitiere aus so einer „Message“: „Was man hier im Betrieb machen kann und was vielleicht noch nicht alle gemerkt haben: Die äußeren Toilettentüren in einem rechten Winkel geöffnet arretieren, sodass man sie nicht mehr mit der Klinke öffnen muss, vor allem nach dem Händewaschen nicht.“ Auf Twitter werden die User*innen gefragt: „Was machst Du jetzt anders, damit sich das #CoronaVirus nicht so schnell verbreitet? Twittert mit dem Hashtag #DasMachIchAnders“.

Der Arzt in der Corona-Test-Anlaufstelle Prenzlauer Berg meinte: Er sei nicht getest, wozu auch? Wahrscheinlich wollte er damit sagen, dass er sich theoretisch ja ständig anstecken kann. Und ein Gegenmittel gibt es sowieso noch nicht. Nur Zuhause-Bleiben. Im Grunde wird hierbei bloß ein neuer Test getestet und der hat, wenn er denn funktioniert, bloß einen statistischen Nutzen, d.h. man kann auf diese Weise den Verlauf, die Ausbreitung des Grippe-Virus nachvollziehen – und staatspolitische Schlüsse daraus ziehen (Verordnungen, Gesetze, Polizeieinsätze, Strafbefehle etc.). Deswegen möchten die Gesundheits-, d.h. Ordnungspolitiker gerne an die Handydaten ran. Die „tagesschau“ meldet: „Das Robert-Koch-Institut nimmt jetzt Handydaten der Telekom unter die Lupe, um die Mobilität der Bürger nachvollziehen zu können.“

Nur wenn die Isolierungsanweisung befolgt wird, mindestens die „soziale Distanzierung“ kann die Ausbreitung des Coronavirus gebremst werden. Damit steigt aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, dass viele unbemerkt erkranken und in ihren Pechhütten sterben – und sei es aus Angst und Panik, was durchaus eine Wirkung der Medien ist. Die Mitarbeiter in den Corona-Teststellen haben es ständig mit Hysterikern zu tun, vor allem wenn es sich um Leute aus „Risikogruppen“ und/oder mit Atemwegserkrankungen handelt. Sie sind trotzdem oder deswegen geradezu erstaunlich gelassen – angesichts der ganzen schwierigen Menschen, die da auf die einstürmen.

Die „soziale Distanzierung“ muß gar nicht unbedingt von oben angeordnet, befohlen werden, hier ein Facebook-Eintrag dazu: „Ich habe eben in der Apotheke eine Frau gefragt, warum sie denn 7 Packungen Schmerztabletten, mehrere Dosen Vitamin C-Pulver, unzählige Packungen Mineralstoffe kauft? Ich sagte ihr, das ich dieses Hamsterkaufverhalten mehr als asozial und rücksichtslos anderen Menschen (Alten, Kranken) gegenüber finde, die diese Produkte eventuell auch täglich brauchen. Ihr Kommentar war nur, das sich jetzt jeder selbst der Nächste ist und ich mich noch wundern werde.“

Dazu paßt ein weiterer Facebook-Eintrag: „In großer Geschwindigkeit leeren sich gerade die Straßen, wir werden in nächster Zeit Erfahrungen machen, die mir und wohl den meisten völlig neu sind. Es beginnt ein großes soziales Experiment, bei dem wir alle Teilnehmer sind und nicht nur Zuschauer.“

So wie im Zweiten Weltkrieg, den die Bundeskanzlerin deswegen auch gerade als passenden Vergleich heranzog.

Ich wunder mich, dass noch keiner im mir bekannten Teil des Facebookuniversums für die Zeit der Quarantäne wenn schon nicht „Stalingrad“ von Konsalik wenigstens die Lektüre des Romans ‚Die Pest von Albert Camus empfohlen hat. Hier die vordergründige Handlung des Buches laut einem FB-Freund: „In einer modernen Großstadt bricht die Pest aus, sie wird nach außen abgeschottet, die Menschen werden in ihr eingesperrt und erleben ohnmächtig das Sterben und Überleben. Die Quarantäne vereinzelt die Menschen in ihrer gemeinsamen Bedrohung, jeder findet seine Reaktion auf die Katastrophe. Über das, was Menschen sind und tun, lernen sie während der Epidemie und das macht das Buch so interessant. Auch wir werden in der nächsten Zeit viel über uns selbst erfahren und noch mehr über unsere Mitmenschen. Und wir werden wissen, wie wir als soziale Menschen handeln müssen. Oder müssten. Das Buch gibt es ab einen Euro im Netz.“

Der chinesische Künstler Ai Weiwei scherzte auf Instagrampositiv: „Die Coronaviren sind wie die Pasta. Die Chinesen haben sie erfunden und die Italiener haben sie verbreitet.“ Die italienische Presse hat ihm den Scherz übel genommen. Ob sie es auch den Tschechen und Polen übel nehmen, dass diese die „Italien-Hilfsgüter“ aus China abgegriffen haben?

Die taz läßt „Die Pest in London“ von Daniel Defoe rezensieren. Dr. Peter Funken schreibt: „Das Buch erschien 1722, also fast 60 Jahre nach der Katastrophe! Defoe war ein Kind von fünf Jahren, als die so genannte „Heimsuchung“ 100.000 Menschen in London und Umgebung das Leben kostete: „Unzweifelhaft vermengte Defoe eine Anzahl von Überlieferungen mit dem, was er wirklich gelesen haben mochte“, schreibt Sir Walter Scott bewundernd, denn es war „ein geeigneter Stoff für eine so wahrheitsliebende Feder wie die Defoes.“

Am 27.3. berichtet auch die FAZ über die „Pest in London“ – „Es gilt schließlich, einen Ausnahmezustand literarisch zu verarbeiten – wie einst Samuel Pepys“: ein teilnehmender Beobachter der Seuche 1665/66, der darüber berichtete: „Diese Krankheit macht uns grausam.“

Möglich wäre auch noch eine Besprechung des wunderbaren Buchs „Pest und Cholera“ von Patrick Deville. Der französische Autor beschäftigte sich u.a. mit der Pariser „Pasteur-Bande“, die überall auf der Welt die Erreger von Seuchen „entdeckte“ und Gegenmittel erprobte. Ihr Gegenspieler war die „Kochbande“. Während erstere den Pest-Bazillus in Hongkong isolierte, fand letztere den Ansteckungsmechanismus des Cholera-Erregers in Kalkutta heraus. Mit ihnen entstand die Mikrobiologie. Devilles Buch „Pest und Cholera“ (2013) konzentriert sich auf die Männer um Louis Pasteur und dort auf Émile Yersin, der sich nach Entdeckung des Pest-Erregers in dem vietnamesischen Fischerdorf Nha Trang niederließ, wo er sich mit Viehzucht und Ackerbau, den Gezeiten und der Astronomie befaßte, Straßen baute und Krankenhäuser errichtete. Die Armen behandelte er umsonst, denn sich von ihnen bezahlen zu lassen, hieße den Patienten zu erpressen: „Geld oder Leben?“ Yersin starb 1943, noch heute wird dort sein Andenken in Ehren gehalten.

Müssen zur schnellen Herstellung eines Anti-Corona-Serums jetzt auch wieder Meerschweinchen leiden?

In den meisten Forschungslaboren werden Meerschweinchen nicht nur unter Stress gesetzt, sondern komplett vernutzt. In dem Buch von Maxime Schwartz und Annick Perrot  „Duell zweier Giganten“ (2015), gemeint sind Robert Koch und Louis Pasteur, geht es darum, wie die zwei Bakteriologen die Entdeckung und Bekämpfung von Bakterien (die Tollwut, Tuberkulose, Pest etc. übertragen), durch ihr feindselig-konkurrentes Verhalten voranbrachten. Durch das ganze „Duell“ ziehen sich Meerschweinchen: Sie sind die eigentlichen Hauptpersonen – diese „Prügelknaben der Physiologen“, wie der Entomologe Fabre sie nennt. Kaum bricht in Kairo die Cholera aus, schon packen die Abgesandten von Koch und Pasteur je hundert Meerschweinchen ein und machen sich auf ins finstere Herz der Epidemie. Einer der Forscher wird dort krank: „Gestorben für die Wissenschaft“. Von den vielen Meerschweinchen kehrt keines mehr in seine Heimatkolonie zurück.

Koch mußte anfänglich seine Meerschweinchen noch selbst kaufen, an ihnen erforschte er den Milzbrand-Erreger, Pasteur dann ebenfalls, beide beanspruchten die Priorität; der russische Immunologe am Pasteur-Institut Ilja Metschnikow versuchte zu vermitteln: „Dank dem Franzosen Pasteur wurde die wahre Bedeutung des Milzbrandbakteriums verstanden und dank dem Deutschen Koch wurde dessen Rolle als alleinige infektiöse Ursache dieser Krankheit bewiesen.“ Auch die Gegenmittel werden an Meerschweinchen erprobt, mit dem man sie gegen den Diphteriebazillus impft: „Einige Tiere überleben. Das ist schon ein Sieg.“ Dann werden neue Meerschweinchen herangeschafft: Ihnen werden tödliche Dosen injiziert und wenig später Injektionen mit Serum gegeben, das von den wenigen Tieren stammt, die der Infektionen widerstanden haben. „Die Meerschweinchen überleben“. Aber es ist ein langer Weg vom Ergebnis im Labor bis zur Marktzulassung des Medikaments: Dafür sind „riesige Mengen an Meerschweinchen nötig“ – es fehlt jedoch an Geld. Der preußische Staat hat kein Interesse, die Diphterie (an der jährlich über 1000 Kinder allein in Berlin sterben) zu bekämpfen, er finanziert stattdessen die Forschung an Tetanus, da dies eine große Gefahr für wertvolle Pferde darstellt. Erst vier Jahre später, 1894, bringt die Firma Hoechst ein Serum gegen Diphterie auf den Markt. Der Immunologe Emil Behring, wird damit der erste, den sein Entdeckung reich macht, außerdem adelt man ihn 1901.

Die SZ bespricht heute im Zusammenhang des Corona-Komplexes, also quasi aus aktuellem Anlaß, die „beste Arbeitszeit“ von Alexander Puschkin: Das war im Herbst 1830, als der Dichter auf dem Gutshof des Dorfes Boldino ankam, wo er die Eltern seiner Braut überreden wollte, seiner Hochzeit zuzustimmen. Zur gleich Zeit brach ausgehend von Indien eine Cholerepidemie aus, an der Hunderttausende starben. Puschkin saß drei Monate fest. Wegen der Bewegungseinschränkungen und Polizeisperren kam es mancherorts zu Unruhen, die Lebensmittelpreise stiegen.

Die beste Arbeitszeit: Das meint in etwa auch ein Feuilletonist: Nach den ganzen „Burn-Outs“ und „Rush-Hours“ tue es uns doch eigentlich ganz gut, eine Weile stillgestellt zu werden und einfach zu Hause zu sitzen – z.B. mit einem guten Buch. Ich finde dagegen das Alltagsleben jetzt sehr viel anstrengender als vor den ganzen „Corona-Eindämmungs-Maßnahmen“: Man weiß nicht, welche Läden auf haben, sich neu orientieren bringt es aber auch nicht immer, weil sie ihre Öffnungszeiten plötzlich verkürzen oder entgegen ihrer Ankündigungen doch geschlossen haben. Die Supermärkte, die geöffnet bleiben, haben dafür ihr Angebot reduziert, weil, so sagte man mir im einen, die Regalauffüller z.T. ausgefallen sind, im anderen hieß es, die Lieferanten kommen nicht nach. Der öffentliche Nahverkehr wird auch immer mehr eingeschränkt (zwei S-Bahnlinien sind sogar ganz ausgefallen). Und einen offenen Friseurladen habe ich auch noch nicht gefunden, dafür haben einige Buchläden jetzt länger als sonst auf, anderer sind dagegen plötzlich geschlossen. Ich freu ich auf einen Kaffee in der taz-Kantine: Sie hat nur noch einige wenige Stunden auf – und auf einmal sogar gar nicht mehr.  Gleich mehrere Redakteure melden sich ab – zur Spargelernte, um anschließend darüber zu berichten.

In der Berliner Zeitung schreibt Anjana Shrivastava: „Das neue Coronavirus ist gewissermaßen auch eine Neuauflage vom „Tod in Venedig“. Die Novelle ‚Der Tod in Venedig‘ schrieb Thomas Mann im Jahr 1911, kurz vor dem Ersten Weltkrieg. In diesem Werk über den Tod des Schriftstellers Gustav von Aschenbach ist viel Prophetisches. Ein alter Schriftsteller im Venedig zur Zeit einer Cholera-Epidemie verkörpert das Lebensgefühl in Erwartung des nahenden Todes im alten, bürgerlichen Europa.

Thomas Manns Sorge um die ihm bekannte Zivilisation war begründet. Im Mai 1911 reiste er nach Venedig. Den Roman schrieb er ab Juli. Am 1. Juli dockt das wilhelminische Schiff „Panther“ in dem marokkanischen Hafen Agadir an und verursacht die zweite Marokkokrise. (…)

Doch ist der Roman auch eine sehr private Geschichte. Die Hauptfigur Aschenbach, der zeitlebens nur für den Ruhm gelebt hat, ist an seinen Schreibtisch gekettet. Vielleicht, weil er den nahenden Tod spürt, lässt der berühmte Schriftsteller die straffen Zügel seines eigenen Lebens schleifen, auch weil er in seiner Heimatstadt München eine Unrast spürt.

Er hat Reiselust, obwohl auch in München gemeldet wird, dass in Indien eine Cholera-Welle aufsteigt. In Venedig sieht Aschenbach den jungen polnischen Adligen Tadzio. Am Ende kann Aschenbach sich vom Anblick Tadzios nicht losreißen. Er bleibt in der Stadt, obwohl die Seuchengefahr immer gravierender wird. Informationen über das Risiko sich zu infizieren, erhält er spät von einem englischen Reiseleiter. Trotzdem bleibt er.

Er kauft sogar reife, ja überreife, Erdbeeren auf dem Lido, er isst diese Erdbeeren, vermutlich ungewaschen, einfach so auf der Straße. Bald vernimmt die Welt die Nachricht von seinem Tod.“

Und noch ein Hinweis, der auf die reichhaltige Bearbeitung von Pandemien im Kulturbetrieb hinweist: Antonin Artauds Vortrag „Das Theater und die Pest“ (1933). Er wollte ein Theater, „in dem körperliche, gewaltsame Bilder die Sensibilität des Zuschauers zermalmen und hypnotisieren“. „Wie die Pest“, zitiert ihn der „Spiegel“, „ist auch das Theater zur kollektiven Entleerung von Abszessen da.“ Diese führte er in seinem Vortrag auf eine Weise aus, dass die Zuhörer/Zuschauer das Gefühl hatten, sie bekämen die Pest. „Artaud sah als Double des Theaters die Pest, die Metaphysik und die Grausamkeit. Eine Aufführung sollte für ihn keine Mimesis, also Nachahmung der Wirklichkeit, sein, sondern war eine Wirklichkeit für sich,“ heißt es dazu auf Wikipedia. Die „Volksbühne“ unter Frank Castorf wollte sich diesem „Pest'“-Konzept widmen, aber der Senat fand quasi rechtzeitig eine Isolierungs-Maßnahme“ für ihn.

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Zurück zu den Corona-Headlines (und andere gibt es kaum, weil für die Journalisten ja alle anderen „Ereignisse“ ausgefallen bzw. verboten sind…) Vielleicht hilft es ihnen, dass sie ab heute „systemrelevant“ sind und sich, ausgestattet mit einem Erlaubnis-Genehmigungs-Schein überall und trotz Ausgangssperre rumtreiben dürfen.

Die FAZ geht lieber erst einmal in die Tiefe – quasi in sich: „Wappnet euch mit Gleichmut“ heißt ein Artikel auf ihrer geisteswissenschaftlichen Mittwochs-Seite. „Die Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion werfen die Frage nach einer Soziologie des Geselligkeitsverzichts auf“.

Die FAZ-Redakteure arbeiten zu Hause – von dort sieht die Welt draußen so aus: „Verdacht und Misstrauen, Einstellungen, die Austausch und Kooperation zu Fall bringen, erscheinen plötzlich als Tugenden der Solidarität. Die Kompromissformel ‚Homeoffice‘ soll die Zuversicht verbreiten, dass viele bei der Suche nach einer Anpassung an die veränderte Lage auf Vertrautes setzen können.“ Man fragt sich unwillkürlich: „Gibt es eine Soziologie des Geselligkeitsverzichts, lässt sich eine Choreographie anomischer Vorgänge entwerfen, jenseits von Kategorien wie Panik, Flucht und Apathie?“ 

Denn „Geselligkeitsverzicht, wie sie das Diktat der Infektionsvermeidung fordert, ist mit einer folgenreichen Handlungserwartung verbunden. Er bringt eine Spielform der Diskretion zum Ausdruck, führt eine Situation des wörtlich genommenen Taktes herbei, ein soziales Arrangement förmlicher Zurückhaltung, die dem Zustand latenter wechselseitiger Aversion, die mit jeder Begegnung verbunden ist, eine Form gibt.“

Und diese sieht für den FAZ-Autor so aus: „Was im verordneten Modus der Hypervorsicht in sozialer Hinsicht entsteht, bleibt ebenso rätselhaft wie die Schrumpfung der Gesten. Das für jede menschliche Begegnung heilsame Diskretionsgebot, das die Mitmenschen vor allzu großer Nähe, vor übergriffiger Intimität und erst recht Vulgarität schützt, ja, das in Kommunikationen die Chance erst eröffnet, Einzigartigkeit zu demonstrieren, setzt, wörtlich genommen, das szenische Ornament, die Ausschmückung aufs Spiel. In der Folge entsteht ein eigentümlicher Zustand der Stille, eine Ruhe ohne Sturm, einem Friedhofsbesuch vergleichbar.“

Zumal wenn über den Corona-Tod, „der allabendlich, wo Meldungen über sportliche Wettkämpfe ausbleiben, wie Rekorde vermeldet wird.“ Dann findet die  „Suche nach einer schützenden Instanz ihr weltliches Pendant in einer Einkehr zu sich selbst…Es  gibt keinen Ort, den man aufsuchen könnte, um unversehrt zu bleiben.“

Das scheint mir schwer übertrieben zu sein. Man könnte genauso gut sagen: Man bleibt überall unversehrt, aber die drei Gewalten des Staates wissen diese Individualerfahrung,  versehen mit wissenschaftlicher Expertise, zu verhindern.

„Max Weber, der vor einhundert Jahren als eines von Tausenden Opfern der Spanischen Grippe verstarb, schuf für den unaufhaltbaren Vorgang der Rationalisierung das Bild vom stahlharten Gehäuse der Hörigkeit. Das war schon zu Webers Zeiten nicht mehr als eine kulturpessimistisch gefärbte Metapher. Der gegenwärtige Zustand der Sorge verweist auf andere Begrifflichkeiten.“ Der Autor denkt an die des Barock, die Rede vom „Großen Welttheater“, aber „während die Menschen im Zeitalter des Barocks dem Tod als einem ständigen Begleiter des Lebens mit einer gigantischen Kultur der Zerstreuung zu entrinnen versuchten, bleiben [hier und heute] die Feste aus. Einstweilen jedenfalls.“

Das stimmt zwar auch nicht, aber der FAZ-Autor kriegt in seinem Home-Office (einer schönen Vierzimmerwohnung in zentraler Lage mit Balkon und Parkettfußboden) die ganzen Corona-Partys der Prekären (Jugend), die dazu noch auf Entzug in jeder Hinsicht ist, natürlich nicht mit. Auch z.B. die älteren Trinker nicht, die sich im U-Bahnhof Stadtmitte klumpen.

Die Tiere, wenigstens die in Gefangenschaft, reagieren nicht so lustig:  Wenn die Zoos zumachen ist das für die Tiere und ihr Pflegepersonal schrecklich – eine tiefe Depression breitet sich über alle dort Lebenden aus. Der Tierpsychologe und Direktor des Zürcher Zoos, Heini Hediger hat darüber berichtet – nachdem „sein“ Zoo wegen eines Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche mehrere Wochen oder gar Monate schließen mußte. Es wäre wichtig, dass jetzt noch einmal hier zu untersuchen, da ab heute auch die beiden Berliner Zoos geschlossen sind.

Die Wildtiere reagieren nicht so lethargisch: Englische Boulevarblätter druckten mehrere Fotos von großen Affenherden, die durch eine thailändische Stadt marodieren und sich um eine gefundene Banane streiten. Der Grund: Weil die Touristen, die sie normalerweise füttern, wegen des Corona-Virus wegbleiben, überfallen sie nun hungrig menschliche Siedlungen.

In der taz, wo man seltsamerweise besonders sensibel und ausführlich auf die Epidemie reagiert, meinte eine Mitarbeiterin: „Ich kann das ununterbrochene Gerede über Corona nicht mehr hören und will auch nicht ständig darüber was lesen. Das bleibt doch nicht ohne Wirkung, das ist schon fast wie eine Gehirnwäsche, da muß man doch von krank werden.“

Ihr pflichtete ein anderer Mitarbeiter bei: „Ich bin sowieso viel zu empathisch und breche schon im Kino und vorm Fernseher bei jedem Darsteller, dem es schlecht geht, und bei jedem Kalb, das von seiner Mutter getrennt wird, in Tränen aus. Auch mit den ganzen hysterisch auf Corona reagierenden Menschen identifiziere bzw. infiziere ich mich sofort. Schrecklich.“

Der Spiegel meldet: „Ansteckungsgefahr für Bundespolizisten: Castor-Transport wegen Coronavirus abgesagt,“ d.h. den Atommülltransport aus England.

Auch das gegen Russland gerichtete Manöver der amerikanischen Streitkräfte auf EU-Territorium  wurde wegen Corona abgebrochen, aus dem selben Grund blieb die Bundeswehr dem Manöver fern.

In den Asozialen Medien freuen sich bereits die ersten Peaceniks, dass auf die Überlebenden der Epidemie ein ewiger Friede wartet, das große Glück für alle ohne Krieg und Drangsal. Dabei wird wohl eher das Gegenteil eintreten.

Trump hat allzu recht mit seinem „China-Virus“, der gezeigt hat, dass nur das kapitalistische China gelenkt von der kommunistischen Partei der Pandemie gewachsen ist, was für den Rest der Nationen bedeutet, dass sie vom Neoliberalismus aus eine 180-Gradwendung zu einem Hyperkeynesianismus machen müssen – oder sie drohen unterzugehen.

Die FAZ meldet: „Die Bundesregierung will die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie mit einem umfassenden Maßnahmenpaket eindämmen. Dazu gehören Kredite ohne Begrenzung.“ Und die „Bundeskanzlerin ruft auf, Sozialkontakte zu vermeiden“ (Die Zeit)

Eine weitere positive „Eilmeldung“ kommt von Focus: „Brasilianischer Präsident Bolsonaro positiv auf Coronavirus getestet.“

Und noch eine von Focus: „Berlin macht dicht – und zwar auch die Bars, Clubs und Kneipen der Stadt. Wie die Morgenpost berichtet, hat der Senat beschlossen, ab Dienstag diese weitere Einschränkung des öffentlichen Lebens vorzunehmen. Alle gastronomische Einrichtungen, die nicht der Nahrungsmittelgrundversorgung dienen, sind ab dann geschlossen, so der Tagesspiegel.“

Hier noch eine gute Nachricht aus dem US-Intelligenzblatt „The Atlantic“ – zusammengefaßt: Die Präsidentschaft von Trump ist vorbei. Das Coronoavirus hat ihn besiegt. Jeder Amerikaner weiß jetzt, wie verantwortungslos und dumm er lügt.

Ein anderes Blatt schreibt: „I mean is there anything more poetic than Trump being taken out by a Chinese flu named after a Mexican beer?“

Im gleichen Blatt: Die italienischen Ärzte haben so viele Coronapatienten, dass sie entscheiden müssen, wen sie sterben lassen, weil sie nicht alle behandeln können. Dafür verzichtet nun ein italienischer Pornokanal auf Bezahlung.

Ein Morgenpost-Privatkanal meldet am 19.März: „Vorsicht, Betrüger! Ganoven geben sich als Corona-Tester aus“

Am selben Tag berichtet der „Merkur“: „Polizei löst Corona-Partys auf – Jugendliche zeigen sich uneinsichtig.“ (Im Görlitzer Park kam es zu woodstockähnlichen Feel-Good-Massentreffen.)

Die FAZ vermutet: „‘Corona-Partys : Feiern bis der Arzt kommt“.

Und das verantwortungsbewußte „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ fragt: „Coronapartys: Sagt mal, spinnt ihr eigentlich?“

Die Gießener Allgemeine hat in der mittelhessischen Einkaufsmetropole bemerkt: „Corona-Verbote werden in Gießen massenweise ignoriert“

Die langzeitentführte Österreicherin Natascha Kampusch meint auf Facebook: „Zwei Monate Quarantäne – das ist doch lächerlich.“

Das österreichische „heute“ meldet: „Österreicher heben täglich 600 Mio. Euro Bargeld ab“

Michael Sontheimer postete auf FB: „Ich las heute morgen, dass es eine Korrelation zwischen der Einnahme von Corona-Nachrichten und den Ängsten vor Corona gibt. Wer mehr Angst hat, nimmt mehr Nachrichten zu sich? Wer mehr Nachrichten zu sich nimmt, bekommt mehr Angst? Diese Fragen lassen sich nicht beantworten, aber ich gehe mal versuchsweise auf Corona-Nachrichten-Diät.“

Weil einige Regierungen (sogar die US-Regierung) plötzlich den Armen und Coronaisolations-Verarmenden Geld gibt, quasi über sie ausstreuen wollen, reden einige Intellektuelle schon vom Ende des Neoliberalismus. In  der taz schrieb Ulrike Herrmann, dass die Epidemie zeige, „den Neoliberalismus kann man getrost beerdigen. Nur der Staat kann den Kapitalismus retten.“ Soll man sich über diese Rettung nun freuen oder bekümmern?

Während die SZ am 27.3 mit einem Bericht über mögliche „Exit-Strategien“ aufmacht: „Erste Stimmen in Berlin und Brüssel fodern eine baldige Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus“…

Kommt uns die taz heute mit der Schlagzeile „Zeit für ein Vermummungsgebot“ (ohne Fragezeichen).

Und die BILD-Zeitung mit: „Erste Gemeinde baut Corona-Knast“ (in NRW), führt also eine „Zwangs-Quarantäne für Uneinsichtige“ ein.

In der taz scheint es sich mit den Jungjournalisten mehr und mehr um Aufstiegsentschlossene zu handeln, denn – wie Ulrich Oevermann einst am Sprachverhalten feststellte: Die Aufstiegsorientierten aus der Unterschicht haben ein aktives Verhältnis zum Gesetz, während die bereits erfolgreichen Mittelschichtler ein interpretatorisches Verhältnis zum Gesetz haben, d.h. sie versuchen nicht, dem Gesetz zu folgen, sondern überlegen sich, wo es Lücken (Spielraum) hat. Die Studentenbewegung zeigte bereits das selbe: Die Studentenführer aus reichen Elternhäuser waren antiautoritär, während die Mitmacher aus der Arbeiterklasse eher autoritär waren – und z.B. gerne ein Blockwart-Verhalten an den Tage legten, egal ob sie ideologisch den Stalinisten oder den Anarchisten nahe standen.

„Wenn ich auf Instagrampositiv gehe, sehe ich fast nur noch Corona,“ gibt eine Schweizer Influenzarin der NZZ zu Protokoll.

In der SZ warnen "Experten vor übereilten Publikationen zu Corona". 
In der NZZ schreibt Norbert Bolz dagegen: "Der Ausnahmezustand des 
gesellschaftlichen Stillstands kann die Zeit der großen Bücher werden." 
Er macht uns Hoffnung für die langen Leseabende. 

Mein Freund Peter Oeltze von Lobenthal (Povl) empfiehlt mir die Lektüre der Pamphlete von Pankaj Mishra „Get Ready, A Bigger Disruption Is Coming“ und „Coronavirus Will Revive an All-Powerful State“, vom Zukunftsdeuter Mathias Horx „Die Welt nach Corona“, von Slavoj Zizek „Der Mensch wird nicht mehr derselbe gewesen sein: Das ist die Lektion, die das Coronavirus für uns bereithält“ und von Clara Ferreira Marques „Fatigue Will Be the Carrier of the Second Coronavirus Wave“. Eigentlich will ich aber gar nichts über Corona lesen und noch eigentlicher ist doch nach all den Computerviren (aus Russland, China, von der CIA und aus Rumänien) so ein richtiger Grippevirus nur zu begrüßen, weil er sich in so etwas wie der Realität behauptet, ausbreitet, bekämpft wird und selbst Leute, die keinen Computer haben, mitmachen und mitreden läßt.

Slavoj Zizek rät jedoch, sich nicht mehr als drei Stunden pro Tag mit der Seuche zu beschäftigen, was Povl mittlerweile auch noch zu viel vorkommt.

Zwar nicht die mit einem lebenslangen Ausgangsverbot belegten Zootiere, aber immerhin die Wildtiere können sich über die Epidemie-Restriktionen freuen und draußen Corona-Partys feiern, wie z.B. in Venedig – im wieder glasklaren Wasser: Delphine, Fische, Fischreiher und Schwäne. Und darüber freut sich das Feuilleton dann aber doch. Das sind positive Nachrichten. Noch ein, zwei Jahre Corona-Angst und die „Natur“ atmet vollends auf – und mit ihr alle Naturschützer und Ökologen. Die Satellitenbilder zeigen bereits deutlich, dass die CO2-Belastung z.B. in Norditalien wegen Corona enorm zurückgegangen ist.Und gleichzeitig, dass in vielen Städten, mit nun fast menschenleeren Straßen, die Wildtiere (Hirsche und Wildschweine in Japan z.B., Robben in den Küstenstädten Ecuadors) die verlassenen Plätze und Straßen einnehmen. Viele Tiere – Füchse, Krähen, Tauben und Spatzen z.B., bekommen jetzt in der Paarungszeit jedoch Nahrungsprobleme: Es fällt nicht genug Abfall auf den Straßen mehr an. Einige Vogelschützer raten, unbedingt die Tauben jetzt füttern. Bei den Wasservögeln ist das vielleicht nicht nötig (Höchstens für die Menschen, denen das Füttern von Schwänen und Enten gut tut).

Weil man aber vor allem die Wasservögel immer wieder als Überträger von Grippeviren dingfest gemacht hat, sind sie vor Übergriffen von tötungswütigen Schwachköpfen nicht sicher, die ihnen für diese ganzen leichten bis schweren Grippeviren (Vogel-, Schweine-, Coronagrippevirus etc.) die Schuld geben.

Der Biologe Cord Riechelmann hielt schon die ganze Aufregung über die 2006 an der Vogelgrippe gestorbenen Schwäne für eine bloße Medienkampagne: „Jeder tote Schwan auf einem Dorfweiher oder Parkteich war eine Weltnachricht, gesendet und kommentiert zur Primetime und auf den ersten Seiten auch der seriösen Zeitungen.“ Verschiedene Ornithologen versuchten gegen zu steuern, indem sie der Öffentlichkeit versicherten: Der Vogelgrippevirus H5N1 sei für Menschen nahezu ungefährlich und die Sterblichkeitsrate bei den Schwänen nicht höher als in anderen Wintern auch! Weil ein großer Teil der hiesigen Wasservögel Zugvögel sind, die den Sommer in der Arktis oder in Sibirien verbringen, schlug ein russischer General vor, „gleich alle in unseren Luftraum eindringenden Vögel vom Himmel zu holen“.

Bei meinem Interesse für Biologie habe ich die Viren ausgeklammert. Sie sind ja auch genaugenommen keine Lebewesen, denn sie brauchen lebendige Zellen, um sich zu vermehren, zudem können ihnen nur die Gerätewissenschaftler auf den Unleib rücken. Und dann sind auch die meisten Bücher über Viren auf Krankheiten, ihre Erkennung und Behandlung, aus. So wie zu Robert Kochs und Luis Pasteurs Zeiten die (medizinische) Beschäftigung mit Bakterien – was bis heute anhält: die Hälfte der Drogeriemärkte und Apotheken besteht aus Waren-Angeboten zur Vernichtung irgendwelcher Keime, wobei nicht groß zwischen guten und bösen unterschieden wird. So wie beim Pasteurisieren der Milch, das auch alle Keime vernichtet – übrig bleibt weiße Plürre.

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Von Westberlin aus gesehen (2)

Der Lungenarzt und Gesundheitspolitiker (als Bundestagsabgeordneter der SPD) Dr. Wolfgang Wodarg hat ein aufklärerisches Interview auf Youtube (Kanal „Ey“) gestellt, in dem er Fragen von besorgten BürgerInnen, wie man so schön sagt und schreibt, beantwortete. Das Ängste und Panik dämpfende Interview war sofort ein Hit, ihm folgten noch mindestens ein Dutzend weitere. Dann schlug das Medizinische und ordnungspolitische Establishment in den Medien zurück. Nun ist er ein arger Verschwörungstheoretiker. Und die taz, die inzwischen fast alles glaubt, was „seriöse Journalisten“ (Profis quasi, deren Zeit eigentlich abgelaufen ist) täglich so an Zahlen, Daten, Fakten absondern, folgte deren „Qualitätsjournalismus“  natürlich auch in dieser Einschätzung, Zwei solcher Gefolgschaften seien hier zitiert…

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1. „Es wurde hier angerufen, warum wir nicht diesen Arzt zum Coronavirus etwas sagen lassen oder zumindest zu seinen Äußerungen Stellung beziehen. Ich wurde auch schon mit Mails mit Berichten und Filmen von ihm versorgt/genervt. Ich denke er verharmlost, leugnet die Pandemie und seine Informationen sind zum Teil sachlich nicht richtig, kann das selber aber nicht beurteilen. Es wäre gut, wenn die taz mal dazu Stellung nimmt/aufklärt.“

2. Hier eine kleine Handreichung von dpa: Alles „Panikmache“? Virale Thesen eines Lungenarztes im Faktencheck Von Rachel Boßmeyer und Jan Ludwig, dpa

Die Coronakrise ein „Hype“ von unverantwortlichen Politikern und „Panikmacher“-Ärzten, die Geld machen wollen? Die Behauptungen eines Arztes und Ex-Politikers werden derzeit in sozialen Netzwerken weit geteilt. Fachleute widersprechen scharf.

Berlin (dpa) – In Krisenzeiten wissen Menschen oft nicht, wem sie glauben, was sie tun und was sie lassen sollen. Dann schlägt die Stunde der Populisten, der Rauner und Abwinker. In den vergangenen Tagen machte etwa der Lungenarzt und ehemalige Bundestagsabgeordnete der SPD Wolfgang Wodarg mit steilen Thesen zum neuartigen Coronavirus von sich hören. Interviews mit ihm auf Youtube wurden millionenfach angeschaut. Einige seiner Behauptungen im Faktencheck:

BEHAUPTUNG: Das Virus sei vielleicht gar nicht so neu. Man könne

nicht wissen, „ob nicht schon in Peking oder in Italien früher diese

Viren vorhanden waren“. Man habe „nie danach suchen können und nie

danach gesucht“.

BEWERTUNG: Das Virus ist nach übereinstimmender Ansicht von

Forschern kürzlich zum ersten Mal bei Menschen aufgetreten.

FAKTEN: Wie neu genau Sars-CoV-2 ist, ist schwer zu sagen.

Allerdings bezweifeln Forscher, dass es das Virus schon Jahre vor den

ersten Krankheitsfällen in China gab, „allenfalls wenige Monate vor der

Entdeckung im Dezember“, schätzt der Frankfurter Virologe Martin

Stürmer. „Sollte dieses Virus schon vorher in Italien oder China

vorhanden gewesen sein, hätte man die Erkrankten erkannt, die negativ

auf die bekannten Atemwegserreger sind, und hätte nach dem neuen

Erreger gesucht – so wie im Dezember in China“, sagt auch Stephan

Becker vom Institut für Virologie der Universität Marburg.

Weitere Hinweise darauf, dass es sich um einen neuen, sich rasch

verbreitenden Erreger handelt, geben laut dem Vorstandsmitglied der

Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Jörg Janne Vehreschild, die

Daten zum Krankheitsverlauf. In den meisten Statistiken sei etwa zwei

Wochen nach Anstieg der Fallzahlen auch ein Anstieg der Sterbezahlen zu

sehen. Wäre das Virus von vornherein in der gesamten Bevölkerung

verbreitet gewesen, wäre das Muster ein anderes.

BEHAUPTUNG: Der in Deutschland entwickelte Corona-Test sei „noch

nicht mal validiert“. Er könne möglicherweise auf viele Viren positiv

reagieren, nicht nur auf das neuartige Sars-CoV-2. Wodarg suggeriert,

man mache einen Hype um das Coronavirus, damit Forscher mit den Tests

Geld verdienen könnten.

BEWERTUNG: Die Tests wurden in einer Art vereinfachtem Verfahren

validiert, um schnell verfügbar zu sein. Sie reagieren zwar auf mehrere

Viren, außer dem neuartigen Coronavirus treten diese aber nicht oder

nicht mehr beim Menschen auf. Die Kosten für einen Test tragen die

Krankenkassen.

FAKTEN: Ein Test auf das neuartige Coronavirus wurde von einem Team

um den Virologen Christian Drosten an der Berliner Charité entwickelt.

In einer klinischen Studie haben die Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftler zunächst auf verschiedene Typen von Viren getestet.

Nach Bekanntwerden der Virus-Sequenz von Sars-CoV-2 wählte das Team aus

der Vielzahl an Tests die passendsten aus und führte gemeinsam mit

Wissenschaftlern aus Rotterdam, Hongkong und London weitere

Untersuchungen durch.

Bisher ist der Test nur vorläufig validiert. Das hängt auch mit der

derzeitigen Dringlichkeit zusammen. Martin Walger, Geschäftsführer des

Verbands der Diagnostica-Industrie (VDGH), sagte der „Welt“ bereits im

Januar: „In einer akuten Gefährdungslage wie jetzt würde es viel zu

lange dauern, einen Test auf herkömmlichem Wege auf den Markt zu bringen.“

Der Test fällt zwar auch bei anderen Viren positiv aus, diese

Information sei aber irreführend, sagt Drosten in einem Podcast des

NDR. Denn diese Viren träten nur bei Fledermäusen auf oder existierten

nicht mehr – so etwa das alte Sars-Virus von 2002. „Dieser Test

reagiert gegen kein anderes Coronavirus des Menschen und gegen kein

anderes Erkältungsvirus des Menschen.“

Die Tests auf Sars-CoV-2 werden wie üblich nach den Honorarordnungen

der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherungen abgerechnet.

Drosten selbst stellt klar: „Wir verdienen keinen Cent, im Gegenteil:

Wir zahlen sehr viel drauf.“

BEHAUPTUNG: Die Coronakrise sei ein „Hype“. Die Krankenhäuser würden

belastet „durch die vielen Fragen und durch die Panik, aber nicht

durch neue Krankheitsfälle“. Es seien „leichtfertige und unberechtigte

Quarantänemaßnahmen und Verbotsregelungen“ in Kraft – und „gegen einen

unsinnigen Freiheitsentzug sollte man sich zur Wehr setzen“.

BEWERTUNG: Diese Behauptungen widersprechen den Erkenntnissen von

Forschern weltweit. Sie werden auch durch die Berichte aus Ländern

widerlegt, in denen hohe Fallzahlen verzeichnet werden, etwa Italien.

Behördlichen Maßnahmen nicht Folge zu leisten, gefährdet die Gesundheit

und kann strafbar sein.

FAKTEN: Wer in den vergangenen Tagen Berichte aus Norditalien

gelesen hat, der weiß: Die Menschen in den Krankenhäusern von Bergamo

oder Brescia sterben nicht an Panik oder offenen Fragen, sondern in

sehr vielen Fällen an Covid-19. Wie hoch der Anteil von

Covid-19-Erkrankten ist, die daran sterben, lässt sich erst nach dem

Ende der Pandemie genau berechnen. Er dürfte nach Angaben der WHO bei

einigen Promille liegen, also wenigen Fällen von Tausend.

Das große Problem bei Covid-19 ist der verhältnismäßig hohe Anteil

Erkrankter, die intensivmedizinisch betreut werden müssen. Die

Fallzahlen sollen deshalb durch die aktuellen Vorkehrungen zu jeder

Zeit so gering wie möglich gehalten werden, um die Intensivstationen zu

entlasten. Der Virologe Stürmer hält – wie auch seine Kollegen – das

Vorgehen in der jetzigen Situation für angemessen. „Wenn wir jetzt

nicht aufpassen, bekommen wir auf den Intensivstationen Verhältnisse

wie zum Teil in Italien. Dann müssten Ärzte entscheiden, wem sie ein

Bett auf der Intensivstation geben und wem nicht.“

Gefährlich ist ein Aufruf dazu, sich gegen einen „unsinnigen“ Freiheitsentzug „zur Wehr zu setzen“, übrigens nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Wer sich einer Anordnung zur Quarantäne oder einer eventuellen Ausgangssperre widersetzt, macht sich unter Umständen strafbar.“

 

Eine dritte taz-sache sei aber auch noch erwähnt:

1. Mail vom taz-Korrespondenten für Irland und die benachbarten Inseln (u.a. England) Ralf Sotschek:

A letter from F. Scott Fitzgerald, quarantined in 1920 in the Cote

d’Azur during the Spanish flu pandemic

Dearest Rosemary,

It was a limpid dreary day, hung as in a basket from a single dull

star. I thank you for your letter. Outside, I perceive what may be a

collection of fallen leaves tussling against a trash can. It rings

like jazz to my ears. The streets are that empty. It seems as though

the bulk of the city has retreated to their quarters, rightfully so.

At this time, it seems very poignant to avoid all public spaces. Even

the bars, as I told Hemingway, but to that he punched me in the

stomach, to which I asked if he had washed his hands. He hadn’t. He is

much the denier, that one. Why, he considers the virus to be just

influenza. I’m curious of his sources.

The officials have alerted us to ensure we have a month’s worth of

necessities. Zelda and I have stocked up on red wine, whiskey, rum,

vermouth, absinthe, white wine, sherry, gin, and lord, if we need it,

brandy. Please pray for us.

You should see the square, oh, it is terrible. I weep for the damned

eventualities this future brings. The long afternoons rolling forward

slowly on the ever-slick bottomless highball. Z. says it’s no excuse

to drink, but I just can’t seem to steady my hand. In the distance,

from my brooding perch, the shoreline is cloaked in a dull haze where

I can discern an unremitting penance that has been heading this way

for a long, long while. And yet, amongst the cracked cloudline of an

evening’s cast, I focus on a single strain of light, calling me forth

to believe in a better morrow.

Faithfully yours,

F. Scott Fitzgerald

2. Mail von Ralf Sotschek:

Sorry, der Brief ist ein Fake. Vergesst ihn. https://www.esquire.com/uk/culture/a31776624/f-scott-fitzgerald-letter-quarantine-influenza/

Antwort mail:

Warum soll man denn Fakes vergessen, Non-Fakes aber nicht? Das war mal genau andersherum: Als Romane noch buchstäblich ergreifend waren, und Zeitungen eher was für den ebenso schnell- wie leichtgläubigen Plebs.

3. Mail von Ralf Sotschek:

Stimmt. So habe ich es noch nicht betrachtet. Also vergiss das „Vergesst ihn“. Bleib gesund.

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Zwei US-Wissenschaftler vor einer Karte, auf der alle postsowjetischen Labor-Standorte  eingezeichnet sind, die angeblich an der Herstellung eines russischen Corona-Virus  arbeiten. Der Kriegsforscher im Rollstuhl ist jedoch noch nicht davon überzeugt, dass man alle diese Labore auf einen Schlag vernichten kann. –  Ist dies nun eine illustrierte Geschichte aus der Lügenpresse oder ein typischer Internet-Fake?

Und wie ist es hiermit – aus dem russischen Fernsehen übernommen: Immer wieder wird dort über geheime Bio-Labore der USA im Ausland berichtet. Das bekannteste davon ist das Richard-Lugar-Center in der Nähe von Tiflis, das ein sowjetisches Labor war, bis Georgien von der UDSSR- auf die US-Seite überwechselte. Georgische Wissenschaftler hätten dort jetzt jedoch keinen Zugang zu den Labors. Biologen der US-Armee verfügten dagegen über diplomatische Immunität. Der Leiter der russischen  Abwehreinheit gegen atomare, biologische und chemische Waffen Igor Kirillow bezog sich bei diesen Informationen auf Material, das von dem ehemaligen georgischen Geheimdienstchef Igor Giorgadse stamme. Die USA wiesen die Anschuldigungen umgehend zurück. In dem Zentrum würden Menschen vor „biologischen Gefahren“ geschützt, sagte Pentagon-Sprecher Eric Pahon. Was soll das denn heißen? Das fragt sich auch ein Autor auf  „anti-spiegel.ru“, der außerdem fünfzehn amerikanische biologische Laboratorien in der Ukraine erwähnt. „Die Details ihrer Arbeit sind geheim. Selbst die Führung der Ukraine weiß nichts darüber.  Auch die offiziellen Vertreter Chinas halten sich bedeckt. Aber China beginnt, sich aktiv im Propaganda-Krieg zu wehren. China hat in verschiedenen Medien wiederholt durchsickern lassen, dass die Corona-Viren von Amerikanern, aus ausländischen amerikanischen Laboratorien, ins Land gebracht wurden.“

Das alles ist noch typisches Komintern-Denken, in diesem hat ein Virus, der einfach da ist und morgen eventuell wieder weg – keinen Platz, denn wo bleibt da der Klassenkampf und -feind, auf dessen Identifizierung und möglichst Liquidierung es doch allein ankommt – und nicht auf irgendwelche läppischen Schutzmasken oder Handpasten. Ich muß sagen, das ist mir fast sympathischer als dieses ewige Gerede darüber, wie man diesen oder jenen Regierungsbefehl nun für alle folgsam umsetzt, um die Seuche schnell einzudämmen – und wieder Business as Usual zu treiben. Obwohl einige Verschwörungstheorien mir dann doch zu dämlich sind – z.B. die von Orthodoxen und islamischen Würdenträgern, dass die Ursache für die Coronapandemie in der „Homosexualität“ zu suchen ist, also die Schwulen sind die wahren Schuldigen. Diese ganzen Monotheisten sind ein einziges Brechmittel.

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Von Westberlin aus gesehen (3)

Der Bürgermeister droht mit totaler Ausgangssperre. Die Spitzelagentur des Bundesinnenministeriums Verdi wünscht sich von Mutti Merkel dringend eine „einheitliche Regelung zur systemrelevanten Arbeit der Medien“, sprich: keinerlei Beschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit sowohl draußen wie auch in ihrem Home-Office:

„Alle, die sich mit einem bundeseinheitlichen Presseausweis als hauptberuflich tätige Journalistinnen und Journalisten legitimieren, leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft in dieser schwierigen Zeit. Sie brauchen alle möglichen Rechte, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Ein entsprechendes Signal erwarten wir jetzt aus dem Kanzleramt“, forderten die vereinigten Verdi-Kader.

Dieses „Medieninfo“ ist eine Riesensauerei, weil Verdi dick an der Ausgabe des „bundeseinheitlichen Presseausweises“ verdient und dazu die Daten noch mit dem Bundesinnenmysterium „abgleicht“. Dagegen wäre nichts zu sagen, soll doch jeder staatstreue („systemrelevante) Journalist sich mit solch einem Presseausweis ausrüsten, aber hier fordern diese Gewerkschaftsgauner von der Kanzlerin, dass nur ihr Verdi-Presseausweis gültig sein soll – und nicht etwa ein persönliches Schreiben von den Chefredakteuren oder ein taz-presseausweis, wie er bereits seit 1979 an die Mitarbeiter ausgestellt wird. Ach, die Welt ist alt und übel!

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Wer hätte das gedacht: Autofahrer, vor allem wenn sie alleine fahren, leben jetzt gesünder und länger als Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel und sogar als die Radfahrer. Ihr Faradayscher Käfig ist besser als jede Schutzmaske.

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Ich habe den Verdacht die taz steht der Verbotspartei „Die Grünen“ immer noch zu nahe. Den Mäßigern unter den Corona-Experten bei den ganzen Staatsmaßnahmen zur Isolierung aller voneinander werden eher Verschwörungstheorien unterstellt als sie ebenso ernst zu nehmen wie den Befeuerern der Schutzverordnungen. Denn darum geht es doch bei einer „umfassenden Berichterstattung“ oder nimmt man es zu ernst, zur „Systemrelevanz“ quasi befördert worden zu sein? Für beide Gruppen von Experten gilt aber doch wohl, dass ihre Autorität um so größer scheint, je kläglicher ihre Kompetenz. Gleichwohl reißen sie sich darum.

Die Neue Zürcher Zeitung macht es sich einfach und definiert die Verschwörungstheoretiker als solche, die das Corona-Virus für staatsgemacht halten, wobei sie wahlweise die USA, die UDSSR, die „Zionisten“ oder  China verantwortlich machen. Das ist aber nun laut der NZZ vom Tisch, denn der Stammbaum des Virus ist soeben „enthüllt“: Von China aus, von Wuhan, breitete sich das Virus „um den ganzen Erdball aus“. Dazu zeigte das Blatt eine vielfarbige Weltkarte.

Um nicht auch sogleich als Verschwörungstheoretiker abgetan und (bei den Sendern) ausgeladen zu werden, schrieb der ehemalige Leiter des Mainzer Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Sucharit Bhakdi, der Bundeskanzlerin einen „Offenen Brief“, mit dem er allerdings ebenfalls – wie Wolfgang Wodarg, Karin Mölling, Tom Jefferson und einige andere – „mäßigend“ auf den Handlungsfuror des Staates, getrieben von „objektiver Wissenschaft“, einwirken wollte. Dazu fühlte er sich als Experte geradezu verpflichtet.

Die FAS ließ zur Abwechslung auch mal einige geistes- und sozialwissenschaftliche Experten zu Wort kommen, die sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie befassen. Sie sind sich fast einig, dass vor allem das Internet, wo die wildesten Spekulationen zirkulieren, schädlich ist. Es braucht stattdessen „authentische Experten“. Auch das Wort „Ausgewogenheit“ fällt. Das sollten all jene „beherzigen, die Coronaviren für die Rache der Fledermäuse halten“, was aber auch für die allzu telegenen Experten gelte, wobei in dem FAS-Artikel „Licht aus, Spot an für die Virologen“ überraschend ein allzu forscher Forscher, der aber „mehr Publizist“ sei, namentlich kritisiert wird: Alexander S. Kerkulé, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie an der Universität Halle. Seine „Internetseite ist auffallend karg“, im Gegensatz etwa zu der des  Fledermaus/Flughund-Virenforschers Christian Drosten an der Berliner Charité, dessen fachwissenschaftliche Veröffentlichungen zahllos seien.

Obwohl er in Südostasien 5000 Flughunde und Fledermäuse auf Viren untersuchte, stammt jedoch sein angeblich weltweit überteuert verkaufter (PCR-) Corona-Test von 6 in Europa heimischen Nashorn-Fledermäusen. Wo habe ich das nur wieder gelesen? Lungenarzt Wodrag wandte gegenüber Drosten ein: „Dieser Test ist nicht spezifisch für ein bestimmtes Wuhan-Virus.“ Dazu fiel der Schriftstellerin Judith Schalansky in Amsterdam ein: Früher sagte man „In China ist ein Sack Reise umgefallen“, aber das gilt nun nicht mehr: Wenn auf einem „fernöstlichen Markt eine Fledermaus geschlachtet wird, ist das sehr wohl für die Menschheit der ganzen Welt von Bedeutung.“ Sodann erklärt sie, dass Fledermäuse eine ganze Reihe von Coronaviren beherbergen, „ohne dass dies ihre Gesundheit beeinträchtigen würde.“

So geht es hin und her. Im Übrigen hält man inzwischen jedoch die Schuppentiere für die Überträger des Virus. Das aus den afrikanischen und südostasiatischen Wäldern stammende Tier (Pangolin auch genannt) wird lebend nach China exportiert und dort als Delikatesse frisch zubereitet. Es ist sehr teuer, weil sich aber immer mehr Chinesen so etwas leisten können, steht das Schuppentier kurz vor der völligen Ausrottung. Die Zoos versuchen schon wie verrückt zu züchten, um dem zuvor zu kommen. Judith Schalansky entdeckte das Schuppentier ausgestopft im Schaufenster eines Amsterdamer Geschäfts für „Raritäten aus aller Welt“:

„Mittlerweile vermutet man, dass ausgerechnet ein Malaiisches Schuppentier jener Zwischenwirt gewesen ist, der das zu SARS-CoV-2 mutierte Coronavirus auf Menschen übertragen haben muss. Es stammt nicht, wie jenes, das ich im Schaufenster sah, aus Zentralafrika, sondern aus den südostasiatischen Regenwäldern, wo es niemals hätte gefangen genommen werden, so wie es auf keinem Markt der Welt hätte feilgeboten werden dürfen, da jeglicher Handel mit diesen Tieren oder deren Körperteilen verboten ist. Denn die einzelgängerisch und nachtaktiv lebenden Insektenfresser sind vom Menschen so stark bejagt, dass viele Populationen zusammengebrochen sind, und niemand weiß, wie viele Individuen der acht vom Aussterben bedrohten Unterarten überhaupt noch existieren. Schuppentiere sind die am häufigsten illegal gehandelten Säugetiere weltweit. Allein im Jahr 2018 wurden 62 Tonnen geschmuggelte Schuppen sichergestellt. Dementsprechend hoch sind die Schwarzmarktpreise, da ihr Fleisch als Delikatesse und ihre Schuppen in der traditionellen chinesischen Medizin als Wundermittel gelten.“

Die Fledermäuse und Flughunde sind damit jedoch noch nicht aus dem Visier der Fledertierfresser und Virologen, weswegen jetzt auch hier – wie bei der Coronapandemie – jede Menge Fledermaus- und Flughunde-Experten sich melden – mit der Botschaft, dass diese Tiere keine Gefahr für die Menschen sind – und deswegen nicht – wie z.B. die Dodos – einfach ausgerottet werden dürfen. Das meint glaube ich der Fledermaus- und Flughund-Virenforscher Drosten auch, oder jedenfalls findet er solch eine gigantische Vernichtungsaktion in so ziemlich allen Ländern der Erde noch zu früh.

Einige Leute fragen sich unterdes, ob der berühmte Charité-Virologe die 5006 Flughunde und Fledermäuse alle umgebracht hat, um sie auf Viren zu untersuchen. Die Frage ist nicht so dumm wie sie sich vielleicht anhört. Die meisten Naturwissenschaftler haben das Objekt ihrer Neugier getötet. Der Feldforscher und Entomologe Jean-Henri Fabre meinte deswegen zu Recht zu ihnen: „Ihr erforscht den Tod, ich das Leben.“ Als aktuelles Beispiel mag der australische Zoologe Tim Flannery herhalten: Er meinte, auf den ganzen Südseeinseln müßte es noch mehr Säugetiere als bisher bekannt geben, acquirierte Reisegelder und durchstreifte eine Insel nach der anderen, dabei fing er mit Netzen, Fallen und Gewehren Unmengen von Flughunde, von denen er „viele auf möglichst humane Weise“ tötete – zumal wenn es sich um eine noch unbekannte Art oder Unterart handelte. Die Bälger gab er einem australischen  Naturkundemuseum. In seinem Buch „Im Reich der Inseln. Meine Suche nach unentdeckten Arten und andere Abenteuer im Südpazifik“ (2013) schreibt er: Ohne die Tiere zu töten und zu identifizieren sei „kein Artenschutz möglich“. Heute würde er das jedoch nicht mehr tun, je älter er wird, desto schwerer fällt es ihm, „Tiere zu töten, und sei der Zweck noch so gut.“ Der „Zweck“ ist klar: die auf den Inseln sowieso nicht allzu häufigen Flughunde, die zudem von den Inselbewohnern auch noch gejagt und gegessen  werden, sollen als Art geschützt werden. Was istnun aber, wenn es sich bei den getöteten um die eine oder andere Art handelte, von denen nur noch so wenige lebten, dass seine „Sammel-Expeditionen“ sie ausrottete?

In Frankreich streiten sich natürlich die Philosophen, in diesem aktuellen Fall: Ob die Corona-Verharmloser (Agamben, Sloterdijk) nicht schlimmer als die Befürworter rigider Eindämmungsmaßnahmen sind (wie Finkielkraut z.B. meint). Es geht natürlich wie eh und je in Paris um Freiheit versus Staatsgewalt, um Volkswillen versus Durchregieren. Darum geht es jetzt auch in vielen Einfamilienhäusern sonstwo in der Betroffenen-Welt. Die australischen Aborigines befürchten sogar, dass eine Corona-Infektion in ihren Siedlungen alle Stämme zum Aussterben bringen würde, mindestens die Alten, die bei ihnen die Träger der Kultur sind. Den Aborigines hilft der Staat jetzt mit Schutz- und Isolationsmaßnahmen – die selben weißen Inselherrscher, die sie 160 Jahre lang – bis 1930 –  ausrotten wollten. Die australische Umweltforscherin Deborah Bird Rose hat sich über die Rolle der Flughunde in der Kultur der Aborigines und über die weißen Frauen, die sich um verletzte und verwaiste Flughunde kümmern, Gedanken gemacht – in ihrem Aufsatz „Shimmer: When All You Love Is Being Trashed“, abgedruckt in „Arts of Living On a Damaged Planet. Geister des Anthropozän“ (2017), herausgegeben von Anne Tsing, Heather Swanson, Elaine Gan und Nild Bubandt, mit Beiträgen von Donna Haraway, Dorion Sagan und inspiriert von seiner Mutter, der Mikrobiologin Lynn Margulis.

In der NZZ erinnert ein Schweizer Historiker daran, dass in der Vergangenheit auch die Pest- und Cholera-Epidemien aus China kamen. (Aus Wuhan gar?) Die Pestwelle aus dem Jahr 1347/48 hatte ausgerechnet in Mailand die wenigsten Opfer zu beklagen, schreibt er, weil die Stadt sofort „rigide Quarantänemaßnahmen“ einleitete: „Sie ließ Fenster und Türen von Häusern, in denen Infizierte wohnten, zumauern.“ Dem Autor geht es aber nicht um den richtigen oder falschen Umgang mit einer ansteckenden Krankheit, er warnt vor etwas ganz anderem: „Das rassistische Klischee von der ‚gelben Gefahr‘ kann im Westen leicht wieder mobilisiert werden, wie die Corona-Krise zeigt. Es ist noch nicht so alt.“ Zumal wenn es sich mit dem „Steppensturm“ und der von Alexander Blok angedrohten „asiatischen Fratze“ (mongolische Heere plus Putin) vermischt. Die SZ meldet am 1.April: „In Berlin hat die Debatte darüber begonnen,“ wie – nicht das chinesische Coronavirus – sondern gleich die ganze chinesische Wirtschaft in Europa eingedämmt werden kann. Auf der selben Seite wird aber auch darüber berichtet, wie man den Einfluß der Corona-Experten eindämmt: „Still und Mächtig. Haben die Virologen plötzlich zu viel Einfluß auf die Politik?“ fragte die SZ Experten aus sieben verschiedenen Ländern. Russland war nicht dabei.

Dabei haben „die Russen“  die Deutschen nun schon drei Mal „gerettet“: Das erste Mal gegen die napoleonischen Besetzung, das zweite Mal mit dem Vertrag von Rapallo, der das Embargo der West-Alliierten für Deutschland nach seinem verlorenen 1. Weltrkrieg durchbrach, und das dritte Mal mit der Vernichtung der deutschen Truppen im 2. Weltkrieg. Das sahen und sehen die Militaristen, Antikommunisten und Atlantikbrückenköpfe natürlich etwas anders.

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