vonHelmut Höge 09.05.2020

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Zu den Lügen und mutwilligen Verdrehungen sowie den allzu kühnen Spekulationen gehört das Gerücht, die Verschwörungstheorie, die haltlose Unterstellung. In den USA hat man gegen die diesbezüglichen „Gerüchteküchen“ eine Organisation von „Rumor Clinics“ und parallel dazu eine Rumor-Forschung begründet. Das obige Foto zeigt mit Pfeilen wenn schon nicht die Entstehung und den Beweggrund eines Gerüchts, dann doch immerhin die Wege, die es nimmt. Später war dann von „Urban Tales“ die Rede und ihrer Erforschung, wie sie sich über den Globus fortpflanzen – und sich dabei jedesmal verändern, kulturell kolorieren. Das ähnelt dem, was Virologen „Mutation“ nennen und Computersprachler „Viren“.

Dabei gilt aber wohl, worüber die Neue Zürcher Zeitung gerade einen Essay in Druck gab: „Gerüchte verbreiten sich schneller als ein Virus“

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Das Gerücht (A. Paul Weber)

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Man muß bei letzteren aber nicht so weit gehen wie die Donna Haraways Vision zuspitzende  Sozialwissenschaftlerin aus Frankreich, Charlotte Brives, in ihrem Text: „From Fighting against to becoming with: viruses as companion species“.

Zum „Krieg“gehört der Ausnahmezustand, ein übles Wort in demokratischer Hinsicht. Theoretiker des Ausnahmezustands war ein Deutscher – der oberste Nazijurist Carl Schmitt: „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“. Man nennt diesen heute amerikanisch politisch-korrekt „Lockdown“. Das geht den Hiesigen inzwischen über die Lippen, als hätte es schon ewig zu ihrem aktiven Wortschatz gehört.

Dass „Krieg“ das falsche Wort ist bei der „Bekämpfung/Eindämmung“ einer Pandemie, darauf hat Donna Haraways Follower (und umgekehrt) Bruno Latour bereits in der Le Monde hingewiesen, wobei er die jetzigen Maßnahmen im Corona-Ausnahmezustand und ihren Effekt einen „säkularen Ramadan“ nannte.  Überhaupt  seien die staatlichen Maßnahmen noch aus den Anfängen der Hygienebewegung im 19. Jahrhundert.

Viel besser als Attentate,“ schreibt Latour, „- bei denen es sich schließlich nur um polizeiliche Angelegenheiten handelt – wecken Pandemien unter den Führern und Machthabern eine Art Beweis – “wir müssen euch schützen” “ihr müsst uns schützen” -, der die Autorität des Staates wieder auflädt und es ihm erlaubt, das einzufordern, was sonst Unruhen hervorrufen würde. Aber dieser Zustand ist nicht der Zustand des 21. Jahrhunderts und des ökologischen Wandels, sondern der Zustand des 19. Jahrhunderts und der so genannten “Biomacht”. Nach den Worten des verstorbenen Statistikers Alain Desrosières ist es der Stand der so genannten Statistik: das Bevölkerungsmanagement auf einem territorialen Raster von oben und von einer Macht von Experten geführt. Das ist genau das, was wir wiederauferstehen sehen – mit dem einzigen Unterschied, dass es von einem zum nächsten kopiert wird, bis zu dem Punkt, an dem es planetarisch geworden ist.

Aber dieser Zustand ist nicht der Zustand des 21. Jahrhunderts und des ökologischen Wandels, sondern der Zustand des 19. Jahrhunderts und der so genannten “Biomacht”. Nach den Worten des verstorbenen Statistikers Alain Desrosières ist es der Stand der so genannten Statistik: das Bevölkerungsmanagement auf einem territorialen Raster von oben und von einer Macht von Experten geführt. Das ist genau das, was wir wiederauferstehen sehen – mit dem einzigen Unterschied, dass es von einem zum nächsten kopiert wird, bis zu dem Punkt, an dem es planetarisch geworden ist.“ Für die drohende ökologische Katastrophe im 21. Jahrhundert brauche es ganz andere Instrumente, Politiken, eine andere Wahrnehmung, laut Latour.

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Der Physiker Eduard Kaeser meint in der Neuen Zürcher Zeitung: „Der Mensch ist der Mikrobe egal – wir täten gut daran, Krankheit vermehrt als ökologisches Problem zu begreifen.“

„Die Gesundheitskrise treibt die Vorbereitung auf den Klimawandel voran“ ist sein Text betitelt. Ein „Denker“ nach dem anderen meldete sich dann in den Medien zu den Corona-Maßnahmen zu Wort. Von den Rappern und Romanautoren über die Sozialforscher und Medienbeobachter bis zu den Epidemiologen und Genetikern. Letztere, vom Pariser Institut Pasteur, veröffentlichten 2011 in Kooperation mit Genetikern aus Irland und Thailand eine Untersuchung an Fledermäusen und Flughunden – betitelt: „SARS-Coronavirus ancestor’s foot-prints in South-East Asian bat colonies and the refuge theory“. Sie fanden bei diesen Federtieren also Vorläufer des Coronavirus und stellten dazu eine Zuflucht-Theorie auf.

Auch der oberste Coronaberater der deutschen Regierung, der Virologe an der Charité Christian  Drosten hat an diesen Tieren in Südostasien (bei 5000) Vorläufer des Corona-Virus gefunden, findet es aber noch zu früh, sich über deren Ausrottung Gedanken zu machen. Seine Zuflucht-Theorie läuft jedoch auf ein „Lockdown“ mit möglichst vielen Grenzen und Eindämmungsmaßnahmen, hinaus.

Arundhati Roy stellte die Pandemie in einen Zusammenhang mit den vielen anderen indischen Miseren und meinte: „We can choose to walk through it, dragging the carcasses of our prejudice and hatred, our avarice, our data banks and dead ideas, our dead rivers and smoky skies behind us. Or we can walk through lightly, with little luggage, ready to imagine another world. And ready to fight for it.“

Sir David Attenborough nutzte die Corona-Gelegenheit für wiederholte Warnungen: „He warned humans had a ‚last chance‘ to change their behaviour and save the planet as he urged people to „stop waste of any kind“, so der Guardian.

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Jürgen Habermas wiederholte noch einmal den Zusammenhang von Demokratie und Kommunikation: „Jeder Einzelne wird über die Risiken aufgeklärt, weil für die Bekämpfung der Pandemie die Selbstisolierung der einzelnen Person mit Rücksicht auf die überforderten Gesundheitssysteme die wichtigste einzelne Variable ist. “

Oskar Negt erinnerte in der FR angesichts der Corona-Krise und dem Hamstern von Toilettenpapier, Nudeln etc. noch einmal daran: „Humanität setzt Bindungen voraus, die der Kapitalismus zerstört“ – also dass diese Entgleisungen der Massen quasi systemimanent seien und erst der Anfang.

Daniel Kehlmann befürchtete dagegen eher in der Süddeutschen Zeitung: „Es gibt in Zeiten der Angst eine große Bereitschaft zum Gehorsam.“

Sophie Passmann findet im SZ-Jugendmagazin: „Fast alle von uns sind anfällig für Verschwörungstheorien“. Ohne auf diesen Befund einzugehen „warnen Politiker“ im Deutschlandradio „vor Zunahme an Verschwörungstheorien“.

Gesellschaftsfeindliche Verschwörungen und krakenähnliche Machtgebilde gehören zur Zivilisation, das weiß man spätestens seit dem ersten Nationalökonom Adam Smith – „Wenn drei Geschäftsleute zusammensitzen, handelt es sich immer um eine Verschwörung gegen die Gesellschaft“. Der bosnische Autor hat dazu im Palladium Magazin etwas ganz Richtiges veröffentlicht – unter der Überschrift „It’s Time to Take Octopus Civilization Seriously“. Das trifft sich mit den Anstrengungen vieler Krakenforscher und -freunde.

Mascha Gessen dachte in New York und im New Yorker quasi laut an Corona, Trump und diese ganze Amischeiße: „We Won’t Know the Exact Moment When Democracy Dies“

In der selben Ausgabe veröffentlichte The New Yorker „A Guide to Coronavirus“:

Über Trump gibt es die erste Witzbücher, im Internet findet man die besten 150 Trumpwitze.

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Wegen des Lockdowns in Bombay ist die Bucht menschenleer und wird von Flamingos bevölkert.

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Cord Riechelmann warnte die Tiere quasi in seinem Artikel „Die Verhaltensauffälligen“: „Jetzt kommen die Tiere in die Stadt. Dabei ist die neue Ruhe für manche von ihnen trügerisch. Sie suggeriert den Zuwanderern, dass die Stadträume leer sind.“ U.a. für die italienischen Biologen ist das jedoch laut Riechelmann „eine große Chance in der Beobachtung des durch die Corona-Krise sichtbarer gewordenen Verhaltens der Stadttiere. Die Tiere könnten sowohl Hinweise darauf liefern, was sie in der Stadt stresst, wie auch darauf, was man auf dem Land ändern müsste, damit sie dort gut leben könnten.“

„Deine-Tierwelt.de“ machte mit der Schlagzeile auf: „Coronavirus: China ordnet Schlachtung von Haustieren an.“

Stefano Mancuso stellte als Neurobotaniker natürlich die Pflanze als Orientierungspunkt dar, um aus der ganzen Scheiße heraus zu kommen: „Der Hauptgrund ist, dass wir die natürlichen Rückzugsräume der Tiere zerstören. Wir zerstören die Lebensräume etwa der Fledermäuse, die Coronaviren in sich tragen, wir zerstören die Urwälder, wir bauen neue Städte, dort, wo vorher keine waren. Der Übertritt solcher Viren auf den Menschen wird damit unvermeidbar. Schauen wir uns die Pflanzen an. Sie sind seit Millionen von Jahren auf der Erde und wissen, wie sie hier überleben.“

Anjana Shrivastava beschäftigte sich in mehreren Artikeln mit den historischen Epidemien und ihrer Wahrnehmung: „Das neue Coronavirus ist gewissermaßen auch eine Neuauflage vom „Tod in Venedig“. Die Novelle „Der Tod in Venedig“ schrieb Thomas Mann im Jahr 1911, kurz vor dem Ersten Weltkrieg. In diesem Werk über den Tod des Schriftstellers Gustav von Aschenbach ist viel Prophetisches. Ein alter Schriftsteller im Venedig zur Zeit einer Cholera-Epidemie verkörpert das Lebensgefühl in Erwartung des nahenden Todes im alten, bürgerlichen Europa. Thomas Manns Sorge um die ihm bekannte Zivilisation war begründet.“ Ein anderer Artikel von ihr beschäftigt sich mit der „Charité Berlin: Das Pesthaus vergangener Tage“

Silke Ruthenberg dachte in einem „Offenen Brief“ weniger an die gefährdete Menschheit als an die noch gefährdetere Tierheit (durch die Menschen), es ging ihr darum, den Tieren Hoffnung zu machen – unter der Überschrift „Die Corona-Affäre schwächt das feindliche Lager“: „Eure Fress- und Todfeinde haben weiterhin Stallpflicht. Weil ein Keim 0,0016% von ihnen angeblich hinweggerafft hat, haben sie so eine Angst, dass sie sogar auf ihre natürlichen Rechte verzichten.“ An anderer Stelle ermuntert sie die Tiere, ihren vorübergehenden Freiraum zu nutzen: „Nehmt was ihr kriegen könnt. Aber seid Euch auch bewusst: seine Vernichtungsmaschinerie läuft weiter.“

Die Zeit titelte: „Morddrohung gegen Virologe Christian Drosten“. Für viele Menschen sei er „der Böse, der die Wirtschaft lahmlege“, sagte Drosten der Presse und drohte, sich fürderhin von allen Mikrophonen und Filmkameras fern zu halten. Da ging ein Aufschrei durch die Menge.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker veröffentlichte ein Statement ihrer Referentin für indigene Völker mit dem Titel „Native Americans sind von Covid-19 besonders stark betroffen, aber Amerika läßt sie im Stich“

Tao Lili veröffentlichte einen „Offenen Brief“ an den BILD-Chefredakteur, nachdem der in seiner schrecklichen Zeitung einen Brief von sich an „Chinas Staatschef veröffentlicht hatte: „Sie gefährden die ganze Welt“. Tao Lili blieb sachlich: „Mit einigem Befremden habe ich heute Ihre Berichterstattung zur Corona-Pandemie im Allgemeinen und zu der vermeintlichen Schuld Chinas daran im Besonderen verfolgt,“ schrieb sie und informierte den Chef des Springerstiefelorgans, der vom Verschweigen der Anfänge gesprochen hatte („Xi Jinping, in Ihrem Land tuschelt man bereits über sie“): „Bereits am 31.12.2019 haben die chinesischen Behörden die WHO über Fälle von Lungenentzündung unbekannter Ursache in Wuhan informiert. Ab dem 3. Januar 2020 informierte China die WHO und andere Ländern wie die USA regelmäßig über den Verlauf.“

Focus legte nach – zusammen mit The European: „China blockiert Recherchen zur Virus-Herkunft“. Und „Wie sicher sind chinesische Labore?“ Weil einige Infizierte keine Verbindung zum Tiermarkt in Wuhan hatten, „rückt nun das große Fledermausforschungsprogramm in Wuhan wieder in den Mittelpunkt der Mutmaßungen. Es wird unweit des Tiermarktes betrieben und sollte nach den Epidemien von SARS, MERS und der Schweinegrippe die Forschung an Coronaviren stark intensivieren. Die Chef-Virologin Zheng-Li Shi tat dies nach Kräften. Professor Shi kroch jahrelang in stinkenden Höhlen herum und stocherte in Fledermauskot. Kollegen gaben ihr den Spitznamen ‚Batwoman‘.“

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Die taz berichtete aus Uganda, dass man dort den deutschen Entwicklungshelferm „Coronavirus“nachruft. Ist das mitleidig gemeint oder wünschen sie diesen Wichtigtuern aus Europa die Pest an den Hals?

In Italien kocht laut ntv „die Wut auf ‚Hitlers Enkel‘. Und in Kreuzberg tun Araber- und Türkenjungs deutsche Jugendliche als „Corona-Kartoffel“ ab.

Dpa meldete: „Wuhan korrigiert Zahlen: Rund 50 Prozent mehr Corona-Tote“

Der Tagesspiegel klärte uns unter der Dachzeile „Kritik an Corona-Maßnahmen“ über die protestierende Jugend vor Ort auf: „Das steckt hinter der Querfrontdemonstration in Berlin…“

Die Berliner Zeitung titelte: „Covid-19: Die WHO und China: Eine unheilige Allianz?“

„Am 20. Februar lobt der WHO-Generaldirektor auf der Münchener Sicherheitskonferenz die chinesischen Behörden und Wissenschaftler: „Wir sind ermutigt, dass die Schritte, die China unternommen hat, um den Ausbruch an der Quelle einzudämmen, der Welt Zeit verschafft haben, auch wenn diese Schritte für China selbst mit höheren Kosten verbunden waren…“ Dennoch gilt wohl: „Corona bedeutet einen Schub für die internationale Einflussnahme Chinas in der Welt. Man kann klar die Verschiebungen weg von den USA hin nach China erkennen“, sagt Experte Hans Maull.“

Die Deutsche Welle fragte sich und uns: „What influence does China have over the WHO?“

Die Mainzer Initiative „Bürger beobachten das Fernsehen'“ findet Trumps Kürzung des amerikanischen WHO-Beitrags wegen Corona und die Erhöhung des russischen WHO-Beitrags durch Putin wegen Trump nicht gut.

Der Frankfurter Rundschau wurde konkreter: „Die Eroberung der WHO durch Konzerne und Stiftungen ermöglicht ihnen doppelten Profit: Bei der Verursachung von Krankheiten und bei deren Behandlung. Ohne Akkus ist unser Alltag nicht mehr denkbar. Für Akkus braucht man Kobalt. Die Hälfte des Kobalts auf dem Weltmarkt kommt aus dem Kongo. Kobalt aus den kongolesischen Minen wird von Zehntausenden Kindern für einen Hungerlohn von ein bis zwei Dollar am Tag ohne Schutzkleidung in 24-Stunden-Schichten geschürft. Dieses Kobalt wird von dem chinesischen Konzern Zhejiang Huayou Cobalt verarbeitet, um dann unter anderem auch an Microsoft verkauft zu werden. Für Akkus braucht man Lithium. Einer der weltweit größten Lithium-Produzenten ist der chilenische Konzern Soquimich. Der ehemals staatliche Konzern wurde von dem Diktator Pinochet privatisiert. Seitdem besitzt dessen Familie einen großen Teil des Konzerns. Lithium wird durch einen Verdunstungsprozess gewonnen. Dafür wird der Atacama-See zugrunde gerichtet. Die dort lebenden indigenen Völker haben jetzt kein Wasser mehr. Soquimich verkauft dieses Lithium auch an Microsoft. Wer Microsoft hört, denkt sogleich an Bill Gates.“

Noch mal die FR: Unter der Überschrift „Die Privatisierung der Weltrettung“: „Die Bundesregierung schließt eine neue Vereinbarung mit der Bill & Melinda Gates-Stiftung zur Entwicklungszusammenarbeit. Die Kritik wächst.“

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Um Bill Gates drehten sich in diesen Corona-Zeiten viele Schlagzeilen. Und um Donald Trump – eigentlich jeden Tag. Focus: „Streit mit Gouverneuren „Befreit Virginia! Befreit Minnesota!“ Trump heizt schwerbewaffnete Demonstranten an. Sie demonstrierten gegen den Ausnahmezustand. „Die Attacken von US-Präsident Donald Trump auf die Gouverneure der 50 Bundesstaaten fallen immer drastischer aus. Auf Twitter rief Trump jetzt Bürger in drei Bundesstaaten auf, ihren Heimatstaat zu ‚befreien‘ und ihr Recht auf Waffengebrauch zu ‚retten‘. Die Gouverneure reagieren entsetzt.“

Während der Kulturrevolution galt in China dagegen die Parole Mao tse Tungs: „Stürmt das Hauptquartier!“

Die South China Morning Post wies darauf hin: „Donald Trump ows tens of millions to the Bank of China and the loan is due soon.“

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Der englische Telegraph titelte: „No evidence that people who have survived coronavirus have immunity, says WHO“

Der stern kritisierte: „Russland macht Corona-Skeptiker zum Chef der offiziellen Corona-Informationsstelle“

Die Berliner Morgenpost freute sich: „Berlin bekommt einen Drive-In für Corona-Tests.“ Dort und in der taz und sonstwo hängt überall folgendes Schild:

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Die Augsburger Allgemeine ließ noch einmal den italienischen Botaniker Stefano Mancuso zu Wort kommen: „Wenn wir so weitermachen, stirbt unsere Spezies aus“.

Der Merkur meldete: „Bioforscher vermutet in Wuhan ‚Laborunfall‘, US-Geheimdienste untersuchen Verdacht“

Die Umweltschützer erinnerten daran: „Im Schatten der Corona-Krise: Regenwald wird stärker denn je abgeholzt“

Der stern machte mit dem kryptischen Satz auf: „Bill Gates über das Virus: Es gibt einige Dinge, wie Geschäftsreisen, die nie wiederkommen.“ Meinte er mit den „Geschäftsreisen“ die zu Epsteins Domizilen?

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Die Financial Times sprach mit Macron: „He says it is time to think the unthinkable“, mit Mundschutz kommt er ihr plötzlich als Gentechniker: „You can’t abandon your fundamental DNA on the grounde that there is a health crisis.“

Die Neue Zürcher Zeitung wurde immer nachdenklicher: „Es ist die Frage, die die Absurdität mancher Notmassnahme offenbart: Wollt ihr denn ewig leben?“ so schon im Titel.

Gerne druckt die NZZ Texte vom Philosophen Giorgio Agamben weg: „Eine Norm, die besagt, dass man auf das Gute verzichten müsse, um das Gute zu retten, ist ebenso falsch wie die, welche verlangt, dass man auf die Freiheit verzichten müsse, um die Freiheit zu retten.

Agamben kritisierte die Maßnahmen des Ausnahmezustands, was wiederum Slavoj Zizek kritisierte.

Das Handelsblatt kam noch einmal auf Wuhan zurück: „Hat ein Unfall die Corona-Pandemie ausgelöst?“

Die Welt titelte: „Reiche Amerikaner flüchten in ihre Luxusbunker – Neuseeland als Ziel“

Während „futurezone.at“ erfahren haben wollte: „Wegen Fake News zu 5G und dem Coronavirus brennen europaweit Handymasten. „Corona-Panik: Dutzende 5G-Masten angezündet“.

Zwei Schlagzeilen der Hauptstadtpresse: „Virologen wollen gegen Lügen vorgehen“ und „Politiker drängen Facebook, gegen Verschwörungstheorien vorzugehen.

Da helfen nur Rumor Clinics, wenn nicht die ganze Journaille diese Aufgabe schon längst mit übernommen hat.  Derzeit geht sie bei den Isolierten gegen alle möglichen Hersteller von Zusammenhängen vor – „Verschwörungstheoretiker“ von ihnen genannt.  In den USA unterhielt z.B. der Boston Herald eine Rumor Clinic, die solche Bücher zum Druck beförderte:

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In der Jungen Welt veröffentlichte ich eine Zwischenbilanz: „Die Corona-Krise hat weitreichende gesellschaftliche Folgen, auch für die Sozialsysteme,“ schreibt die Aktivistin Anne in ihrem Rundbrief. Ein Berliner Bürger schrieb dem Bürgermeister: Während reichere Menschen in dieser Stadt in ihrem Garten oder ihrem Auto sitzen und etwas homeoffice betreiben, dürfen die ärmeren Menschen nicht mal mehr in einem Park verweilen und müssen ab heute sogar noch mit Bußgeldern rechnen.

Einen besonders krassen Fall traf ich am Dienstag auf dem U-Bahnhof Kochstrasse. Der junge Mann saß im Rollstuhl und war obdachlos. Das Betteln auf den Bahnhöfen bringt derzeit so gut wie nichts ein, deswegen schlief er drei Tage draußen und aß nur ein paar belegte Brötchen. Aber noch gravierender fand er, dass er jetzt auf dem U-Bahnhof eine Stunde gewartet hätte, bis jemand ihn mit seinem Rollstuhl in den Waggon schob, nämlich ich. „Die U-Bahnfahrer dürfen keinem Rollstuhlfahrer mehr in den Wagen helfen, weil sie die Alu-Planke zum Raufschieben wegen Corona nicht mehr in die Hand nehmen dürfen,“ versicherte er mir. Mehrere Obdachlosen-Unterkünfte hätten wegen Corona geschlossen, ein privates Asyl gäbe es noch, das würde jedoch für die Übernachtung Geld nehmen, ebenso für das Essen, was man dort bekäme. Sie hätten bis Mitternacht auf – noch drei Stunden. Er müsse sich beeilen, um im Bahnhof Friedrichstrasse noch das Geld dafür zusammen zu bekommen. Bisher habe er nur 90 Cent eingenommen.

So viel zu den staatlichen Isolationsmaßnahmen. In Frankreich halten Philosophen die Freiheitsrechte hoch, wenn auch nicht immer vor einem Klassenhintergrund, hierzulande haben die Virologen das Wort. Einer, der sympathische Flughunde- und Fledermaus-Virusforscher Christian Drosten von der Charité gilt inzwischen als oberster Corona-Schwadroneur – und Regierungsflüsterer. Die Verharmloser der Grippe-Pandemie unter den Virologen werden immer mehr, aber die taz hält systemrelevant dagegen – und plädiert z.B. für „Vermummungsgebot“ und Handy-Überwachung. Man könnte das als Isolations-Radikalität bezeichnen, wie sie der Verbotspartei „Die Grünen“ eignen würde. Im Ruhrgebiet eröffnete der erste „Corona-Knast“ für „Uneinsichtige“ und Jenaer Lokalpolitiker führten als erste Stadt eine „Masken-Pflicht“ ein. Buchläden, die, weil ebenfalls als systemrelevant eingestuft, geöffnet haben – und hier und da sogar von mehr Buchkunden als vor der Corona-Grippewelle besucht werden, weil sonst kein Geschäft mehr auf hat, bekommen böse anonyme Anrufe und Briefe, ob sie sich nicht schämen, derart rücksichtslos nur an den eigenen Umsatz zu denken und nicht daran, dass sie damit zur Ausbreitung der Corona-Viren beitrügen.

Der Star-Virologe der Charité Drosten wird „für den Suizid des hessischen Finanzministers in einem Brief verantwortlich gemacht, meldet die WAZ, die ihn „das deutsche Gesicht der Corona-Krise“ nennt.

Neben den schlechten Eigenschaften – wie horten, denunzieren, staats- und wissenschaftsgläubig sein, sowie hysterisch und paranoisch werden – mehren sich auch die Betrüger. Nicht nur die, die einem Millionen Dollar aus einer Erbschaft versprechen, wenn man ihnen die Kontonummer verrät und schlappe 1000 Euro Notar- und Dolmetscherkosten übernimmt. Ein Berliner Privatkanal warnt am 19.März: „Vorsicht, Betrüger! Ganoven geben sich als Corona-Tester aus“

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Gehört dazu auch, dass zwei Frauen mir selbstgestrickte Gesichtsmasken für 20 Euro das Stück anboten. Gleichzeitig erfuhr ich: „1944: Socken stricken – 2020: „Gesichtstücher“ nähen. Während des 2. Weltkriegs rief das ‚Winterhilfswerk‘ in NAZI-Deutschland auf zum Stricken dicker Socken für die ‚Helden‘ an der Ostfront. Die Wirkung dieser Socken war mäßig gegen die arktischen Temperaturen im russischen Winter. Es ging auch nicht um die Socken, sondern um ein Symbol der Solidarität, der ‚Volkskörper‘ sollte gegen den Feind ‚gestählt‘ werden. 2020 wird von der ‚Corona-Pandemi-Journaile‘ das Nähen von ‚Gesichtstüchern‘ (sog. ‚Mundschutz‘) verbreitet. Der Effekt der ‚Gesichtstücher‘ ist ähnlich wie der der Socken im russischen Winter. Die Virologen haben sie dann auch als unwirksam eingestuft.“

Ein Unternehmer klagt, dass die Bundeshilfe in Höhe von 100 Millionen Euro, die für Berliner Firmen über die Investitionsbank IBB abgewickelt wird, alles ausgeschöpft und die IBB „den Kanal geschlossen“ hat. Berliner Künstlerfreunde jubeln dagegen, weil man ihnen auf die Schnelle zwischen 5000 und 15.000 Euro überwiesen hat. Das österreichische „heute“ meldet: „Österreicher heben täglich 600 Mio. Euro Bargeld ab“. Die Gießener Allgemeine bemerkte in der Stadt: „Corona-Verbote werden in Gießen massenweise ignoriert“.Usw.

Der NDR hat eine gute Nachricht für alle, die wie Eidechsen aussehen wollen: „Die zwei Betreiber eines Tattoostudios haben mit einem Eilantrag gegen Corona-Beschränkungen vor dem Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgericht Erfolg gehabt. Den Studios darf das Tätowieren außerhalb des Gesichtsbereichs nicht untersagt werden.“

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Corona: Volksverblödung im Endstadium, hat der Fotograf diese hygienische Warenrutsche im Supermarkt genannt.

Ich fand den Einfall, um trotz Lockdown handlungsfähig zu bleiben, in diesem Fall bei der Gratulation einer verdienten Genossin, auch gelungener:

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Die taz schickte mich in den Zoo und in den Tierpark – als diese wieder Besucher einließen:

Die Menschen haben Tiere nicht verehrt, weil zu gut zu essen, sondern gut zu denken sind,“ meinte Claude Lévi-Strauss. Und Zoos geben einen in zusäzlicher Hinsicht zu denken. Als erstes merke ich: Im Westberliner Innenstadtzoo ist es zum ersten Mal lauter als auf den Straßen ringsum. Eine Robbe und viele Vögel machen Krach, ein Hahn kräht. Seltsamerweise kein Kindergeschrei. 2000 Besucher dürfen jeweils für einen halben Tag rein. Im vier Mal so großen Ostberliner Tierpark sind es 3000. Dort bildete sich am Eingang eine lange Schlange, die aber von einer gutgelaunten jungen Frau mit Mundschutz betreut wurde. .

In Zürich war der Zoo einmal wegen einer Maul- und Klauen-Seuche geschlossen worden, eine Auswertung ergab, dass sich bei den Tieren und dem Personal Depressionen entwickelten, die schließlich wie eine Glocke über allem hingen. Auch wenn die Tiere ansonsten eher zu viel Publikum vor der Absperrung ihrer Gehege-Bühnen hatten, einige Zoobesucher nahmen sie doch wahr – und sei es wegen eines Details. Als jedoch plötzlich gar keine mehr kamen, wurden sie erst unruhig und fingen dann an, sich noch mehr als sonst zu langweilen. Die Affen z.B. hörten ohne Publikum auf, Kunststücke zu machen und überhaupt Ideen zu entwickeln.

Ich gehörte nach der coronabedingten Schließung des Zoos mit zu den ersten Besuchern, in zoopsychologischer Hinsicht quasi ein Coronagewinnler. Vielleicht bilde ich mir es nur ein, aber viele Tiere schienen aufmerksamer gegenüber dem – übrigens noch spärlichen – Publikum zu sein. Einige, wie der australische Kasuar und der afrikanische Hornrabe, folgten mir am Gitter entlang, das hatten sie noch nie gemacht, im Gegenteil, sich meistens verborgen. Der „Panda-Garten“ ist geschlossen, das Publikum hat Verständnis. Gehn wir eben zum Eisbär.

Es ist der Vater des kleinen Eisbären, der mit seiner Mutter im Tierpark lebt und schon fast so groß wie sie ist. Daneben gibt es in beiden Anlagen auch noch große Eisbär-Skulpturen. Der männliche Eisbär springt ins Wasser. Dort schwimmt seltsamerweise eine Ente mit sieben winzigen Küken. Diese schwimmen um den Eisbär herum, während ihre Mutter so weit wie möglich Abstand hält. Als ich mich übers Geländer beuge, fliegt sie hoch und verlangt direkt vor meiner Nase leise quakend Futter. Ich habe aber nichts. Sie bittet eindringlicher, fliegt dann aber nach unten aufs Wasser zu ihren Küken. Mir bricht es das Herz. Wie ist sie bloß auf die Idee gekommen, im Eisbärbecken ihre Jungen aufzuziehen? Weiß sie nicht, dass männliche Eisbären sogar ihre eigenen Kinder fressen. Zwar steht an einer Infotafel, Eisbären sind Einzelgänger, aber gelegentlich finden sie sich doch irgendwo in der Arktis zu großen Gruppen zusammen und viele weibliche Eisbären bekommen ihre Jungen fast kollektiv auf der russischen Wrangelinsel, ihretwegen wurde die Insel 2004 zu einem „Weltnaturerbe“ erklärt. Vielleicht kann die Ente mit ihren Küken sein Geselligkeitsbedürfnis, wie gering es auch sein mag, wenigstens ein bißchen erfüllen.

Im Ostberliner Tierpark zieht die Eisbärin mit ihrem Kind die meisten Besucher an, und die beiden enttäuschen sie auch nicht, denn sie tauchen, spielen mit einer großen Kugel und balgen sich. Alle Gebäude sind für das Publikum geschlossen, viele Tieren schlafen in ihren Ställen oder dösen in der Sonne. Bei den australischen Rosenkakadus bemerke ich, dass man mit ihnen nie eine Videokonferenz machen könnte, denn wenn einer was sagt, fangen sofort auch alle anderen an zu quasseln. Ebenso die chilenischen Felsensittiche, aber von denen erwartet man nichts anderes. Drei große sizilianische Ziegen lassen ihre zwei Pfleger nicht harken, sie wollen gestreichelt werden. Ein Jungfernkranich hielt hinter dem Gitter mit mir Schritt. Er wollte so viel – und ich konnte ihm gar nichts geben.

Zum ersten Mal sah ich, dass die madagesischen Kattas sich ihren langen geringelten Schwanz wie einen Stola um den Nacken legen können. Ein Schäferhund beobachtete fast atemlos ihre Klettereien auf einem Baum. Bei den japanischen Affen sah ich, dass sie umgekehrt die Hunde interessanter als die Menschen fanden. Drei asiatische Elefanten standen wie auf der Bühne und schauten die Menschen an. Sie wie auch alle anderen Zootiere sind sie lebenslänglich isoliert, besonders bedrückend empfinde ich das bei den Vögeln, denen man in ihren Volieren quasi ihr Element, die Luft, genommen hat. Der Nazidirektor des Zoos, Lutz Heck, erklärte einmal einer Besucherin, die sich als Tierschützerin um deren Wohl besorgte: „Wir bieten unseren Tieren lebenslängliche Versorgung, einen Arzt, wenn sie krank sind, freie Wohnung, Schutz gegen böse Feinde, kurzum, lebenslängliche Pension und Versicherung. Wie viele Menschen haben eine so gesicherte Zukunft vor Augen?“ Jetzt, in der Coronazeit ohne Publikum, ging vielen Zoos das Geld aus, einige stellten bereits Notschlachtlisten zusammen. Der Tierpark Neumünster versicherte, den beliebten Eisbär „Vitus“ würde man „zuletzt schlachten“.

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Das Aquarium am Zoo blieb leider geschlossen, dafür kam eine interessante Meldung aus einem japanischen Aquarium: Über den Röhrenaal

Der Röhrenaal ist ein sympathischer kleiner Fisch, der zu den Meeraalen zählt, und sich im Sand „tropischer Flachwasserregionen“ eine Röhre gräbt – mit seinem „harten Grabschwanz“, an dem zwei Drüsen ein Sekret absondern, das die Röhrenwand festigt. Darin lebt er – und rings um ihn herum leben andere nette Röhrenaale, sie sind gesellig, man spricht von Röhrenaal-Kolonien, und alle wiegen sich sanft in der Strömung, und fangen dabei Plankton ein. Bei Gefahr verschwinden sie blitzschnell in ihren Röhren. Man fragt sich, ob diese kleine Aale auch Feinde haben, bei denen ihre Röhre ihnen nichts nützt. Das ist natürlich sehr Nutzenbiologisch (Darwinistisch) gefragt, trotzdem fand ich in der mir zur Verfügung stehenden Literatur dazu nichts.

In den öffentlichen Aquarien haben sie überhaupt keine Feinde, außer einen schlechtgelaunten Röhrenaal in der Nachbarröhre und gewisse  Männerkonkurrenzen. Die Röhrenaale sind beim Publikum sehr beliebt. Meistens sind es gelb-schwarzgetigerte, die als Art nach dem Unterwasserfilmer Hans Hass benannt wurden. Sie werden bis zu 30 Zentimetern lang, haben große wache Augen, wiegen sich in der künstlichen Strömung, verschwinden in ihrer Röhre, kommen wieder heraus, kucken sich um usw.. Ein wie selbstverständliches Ballett. Laut den Röhrenaalforschern Patzner und Moosleitner verlassen die Männchen zur Paarung ihre Röhre und schwimmen zu den Weibchen. Leuchtet ein. Laut den Röhrenaalforschern Eichler und Myers verlassen sie aber ihre Röhre nie – nie, weswegen sich „nur benachbarte Tiere durch den Sand aufeinander zubewegen, die Hinterleiber aber immer in der eigenen Röhre bleiben“. Kaum vorstellbar.

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Wegen der Corona-Ausgangssperre gelangten jetzt die kleinen Röhrenaale in die großen Medien – gleich doppelt. Im geschlossenen Tokioter Samida-Aquarium hat man, damit sie weiterhin Besuchermassen hinter der Glasscheibe sehen, einige Bildschirme vor ihr Becken gestellt und dann die Röhrenaalfreunde aufgerufen (ich nehme an übers Internet), sich an einer Videokonferenz zu beteiligen, damit die Röhrenaale die Erfahrung nicht vergessen, dass man vor den ganzen Menschen, die sie vor Corona täglich sahen, keine Angst haben muß, indem sie das Publikum wie „eine lebende Tapete“ wahrnehmen, so die Idee der japanischen Röhrenaalspezialisten unter den Aquariumspflegern und Kuratoren. Bei der Schließung des Aquariums hatten sie nämlich nach einigen Wochen beobachtet, dass die Röhrenaale plötzlich in ihren Röhren verschwanden, wenn sich der Fischpfleger ihnen näherte, was sie vor Corona nicht gemacht hatten. Der englische Guardian schreibt: Die Röhrenaale neigen dazu, „die Menschen zu vergessen“, kollektiv zu verdrängen, wäre vielleicht genauer, denn Gefangene gleich welcher Art mögen nun mal nicht gerne an das Gefängnis und die Wärter denken. Bei den lustigen Röhrenaalen kommt noch hinzu, dass sie lebenslänglich bekommen haben – für nichts, d.h. nur für uns (zur Freude). An diesem Punkt hakte der Kommentator der Berliner Zeitung an: „Was heißt schon ‚Freunde der Röhrenaale‘? Es zeigt sich bei dieser Aktion doch die menschliche Natur, die zuerst an ihren eigenen Vorteil denkt. Denn natürlich sollen die Besucher nach der Corona Krise das entspannte und entspannende Aalewiesenwogen wieder sehen. Für leere Wasserbecken mit Kiesgrund zahlt keiner Eintritt.“

Der Autor, Ulrich Seidler, hat sie anscheinend vor Corona gesehen (im Westberliner Aquarium?), als sich das Röhrenaalkollektiv weder in ihre Röhren verkroch noch vor lauter Menschenmassenangst zu Nachttieren entwickelte, denn er sah ihre Kolonie als „eine Wiese mit sanft schwankenden Halmen, an deren oberen Enden jeweils zwei melancholische Augen vorwurfsvoll nach Feinden Ausschau halten.“ Wobei die zahlenden Besucher und er ebenfalls von den Röhrenaalen nicht als solche wahrgenommen wurden.

Da „die japanische Kultur kein großes Aufheben um den Unterschied zwischen Menschen und Tieren macht, ist sie damit bis zu einem gewissen Grad vor den Verlockungen des Anthropomorphismus geschützt, anders als der Westen,“ meinte der Verhaltensforscher Junichiro Itani. Vielleicht sehen wir hier also die Röhrenaale anders als die Japaner und die im Berliner Aquarium lebenden Röhrenaale sind deswegen auch anders als die im Tokioter Aquarium lebenden.

Ulrich Seidler sieht dagegen eher den Gegensatz zwischen frei lebenden und in Gefangenschaft lebenden Röhrenaalen: „Normalerweise fluppt eine solche Wiese in dem Moment weg, wenn man sie betrachten will.“ (Als Taucher im tropischen Flachwasser?) Als Besucher eines Aquariums hat man jedoch Röhrenaal-Populationen“ vor Augen, „die in dem Aquarium zur Welt gekommen sind, jeden Tag den Blicken von Besucherströmen ausgesetzt waren und damit keine schlechten Erfahrungen gemacht hatten, sie kannten keinen Grund, ihren Wiegetanz zu unterbrechen, wenn man sie bewundert.“

Die Aquariums-Röhrenaale haben also durch die Zucht eine „Instinktlockerung“ erfahren, die nun in der besucherlosen Coronazeit langsam wieder uralten Ozeanerfahrungen weicht, d.h wenn der Fischpfleger sich dem Becken nähert, dann verschwinden sie lieber erst mal in ihrer Röhre. Zu dieser Ozeanerfahrung – vor dem Feind ist man in der eigenen Röhre am Sichersten – kommt noch das Kriegstrauma der Altvorderen hinzu: dass sie von Menschen aus ihren Löchern gezerrt wurden und für immer ihre Freiheit verloren. „Um diesen Effekt zu verhindern,“ schreibt Ulrich Seidler, „will das [Tokioter] Aquarium nun ein paar Tablets aufstellen.“ Er dagegen, der Ostberliner Kolumnist, „glaubt nicht, dass Tiere schnell vergessen.“

Wenn man an den Umgang mit den letzten Kriegsverbrechen denkt, dann ist Japan im Vergleich zu Deutschland eine Vergessens-Kultur. Immerhin zeigt man dort seiner Röhrenaal-Zucht auf Bildschirmen eine Menschenkonferenz gegen ihr Vergessen. So wie hier der ORB in den Neunzigerjahren umgekehrt statt Wende-Dokumentationen Nachts vier Goldfische im Aquarium zeigte – als „Sendeschluß“.

Der Effekt dieser Idee eines ostdeutschen Senders auf seine DDR-Zuschauer (ohne DDR inzwischen) war, dass ihnen reihenweise angstvolle Erinnerungen hochkamen: Zwar waren die Goldfische (ihr Pfleger auf einem ORB-Schonplatz hatte sie benamt) ruhig und ausgeglichen, stießen gelegentlich Luftblasen aus und verbreiteten eine entspannte Atmosphäre, aber für die allnächtlich auf ihr Becken in der Glotze Starrenden, die nicht einschlafen konnten, wurden die harmlosen Goldfische gegen Morgen zu Feinden – zu Finanzhaien, Miethaien, Bonner Ultras, Revanchisten, Nato-Verschwörern, Treuhandverbrechern. Das Verrückte war indes, dass unendlich viele Brandenburger Zuschauer sich beklagten, als die Goldfische bei der Fusion des über die Wende geretteten Ost-Senders ORB mit dem antikommunistischen Kampfsender SFB, vom Bildschirm verschwanden. Die meisten glaubten dem neuen Intendanten nicht, als er versicherte, dass die Fische am Leben seien und in guten privaten Händen. Der neue Besitzer hätte ihnen allerdings neue Namen gegeben. Dessen Emailadresse wollte er jedoch nicht rausrücken.

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Mit diesem Taubenbild veranschaulicht ein Globalisierungswatcher uns, wozu das Lockdown und die ganzen Isolationssperren im Land wirklich da sind: Die da oben brauchen menschenverlassene Strassen, um bei den Überwachungstauben die Batterien zu wechseln.

Apropos Tauben: Soeben erschien ein schönes Buch über die beiden berühmten Berliner Taubenforscher Oskar und Katharina Heinroth. Er gilt als der Begründer der Tierpsychologie/Ethologie, war nebenbei Leiter des Aquariums und sie war die erste Frau, die Direktorin des Berliner Zoos wurde – 1945, da alle Männer/Biologen, die in Frage kamen, zu nazibelastet waren. Das Buch über ihre gemeinsame Forschung heißt „Die Vogel-WG“.

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Journalistenwatch.com titelte: „Corona-Tracking-App: Die grüne Geilheit auf Totalüberwachung“.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland titelte mit einem Satz des „ZDF-Wissenschaftlers Harald Lesch: ‚Beim Coronavirus hat sich der Pöbel entladen‘.“

Ähnliches drohte auch Frankreich: „zackzack.at“ veröffentlichte ein Dossier „Frankreich ein Pulverfass“. Es gab bei einigen Jugendaufständen schon Tote.

Das Handelsblatt entschied sich zeitgemäß für eine virale Randaleursache mit der  Schlagzeile: „Ein Virus namens Hysterie“

Die South China Morning Post titelte: „‚Wir sind nicht die Täter‘. Peking sagt den Amerikanern, sie sollen aufhören, China für die Corona-Pandemie verantwortlich zu machen.“

In der Zeit schrieb Thomas Assheuer über „Menschenopfer für den Kapitalismus“ und befürchtete, „dass in der Corona-Krise gefährliche Denkmuster zurückkehren“

Der österreichische Kurier berichtete über eine französische Coronastudie, in der man feststellt hatte, dass Nikotin das Virus abwehrt, Rauchen mithin gesundheitsfördernd sei in diesem Ausnahmezustand, da sich anscheinend so vieles umdreht. Z.B. auch viele Politiker, die eben noch beinharte Neoliberale waren und nun plötzlich einen Neokeynesianismus predigen. In Frankreich begann nach Bekanntwerden der Nikotinstudie sofort ein Run auf Nikotin-Pflaster im Internet und in Apotheken, woraufhin die Regierung deren Verkauf nicht mehr erlaubte.

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Die taz-Nichtraucher fanden die Pariser Nikotin-Studie absolut kontraproduktiv und letztlich verwerflich. Aber man muß wohl alle „Kampfmittel“ gegen die tückische Pandemie  ausprobieren.

Der Spiegel stellt dagegen die „Leserfrage zum Coronavirus: „Darf mir mein Chef das Rauchen verbieten?“ (im Homeoffice?)

Der SZ gestand Ministerpräsident Markus Söder, dass er quasi seine Erfüllung gefunden habe: „Mein Tag ist rund um die Uhr mit Corona erfüllt“

An anderer Stelle fragte die SZ: „Wegen des Coronavirus haben die Menschen weniger Lust auf Sex?“ – und gab auch sogleich die Antwort:  „Aber nein.“ Denn sie hatte „Covid-Pornos, ausverkaufte Vibratoren und Swingerpartys auf Zoom“ entdeckt – wahrscheinlich beim Googeln.

Für die Alten Herren der FAZ stellte sich desungeachtet sofort die Frage: „Fing die Pandemie etwa in Paris an?“

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Zwischendurch gingen die systemrelevanten Presseorgane immer mal wieder ins Grundsätzliche  – die  einen fragten sich: Wird wirklich nach Corona nichts mehr so sein wie es davor war, und die anderen waren davon überzeugt, dass sich nichts aber auch gar nichts ändern wird – nach Corona. Wieder andere behaupteten steif und fest: Es wird alles noch viel schlimmer werden. Die Berliner Zeitung dichtete einfach schon mal drauflos: „Corona: Ein Virus verändert die Welt“. Bei Christian Morgenstern hieß  es bereits: „Ein Knie geht um die Welt“.

Die Virologen wurden nacheinander so gut wie alle in den Medien verbraten, „addendum.org“ ließ z.B. den „renommiertesten schwedischen Epidemiologen“ Johan Giesecke zu Wort kommen: „Lockdown verschiebt Tote in die Zukunft,“ meinte er.

Der Tagesspiegel erklärte: „Schweden will am Kurs in Coronavirus-Krise festhalten.“

Und titelte gleich danach: „Rasch raus aus dem Corona-Lockdown“ – wobei er sich auf einige Prominente, einen Virologen, eine Juristin und einen Politiker berief. So viel Meinungsvielfalt in einem einzigen Blatt.

Das mußte die FAZ natürlich mit einem nachdenklichen Riemen toppen: „Warum wir gerade lieber Drosten als Sloterdijk hören“

Telepolis veröffentlichte einen langen Beitrag von einem Science Fiction Fan (Der Brunner-Affekt) und schrieb dazu: „Der Autor stellt als Abschluss seines Textes über die Auswirkungen von Corona auf den Alltag die These auf, dass wir die Herausforderungen, die eine Welt nach dem Ende der Pandemie für uns bereithält, bewältigen können. Aber nur, wenn wir uns sehr anstrengen.“ (Das haben unsere Lehrer in den Fünfzigerjahren auch immer gesagt, wir haben aber diesen alten Nazisäcken nicht geglaubt.)

Der Philosoph Markus Gabriel sah in der NZZ die allgemeine, wenn nicht sogar die Weltlage so: „Wir haben eine politische Monokultur, und alle halten sich auf unsicherer empirischer Grundlage an dieselben epidemiologischen Modelle“

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Newsweek enthüllte: Der Coronavirus-Kommittee-Vorsitzende Dr. Fauci „Backed Controversial Wuhan Lab with Millions of U.S. Dollars for Risky Coronavirus Research“

Die Süddeutsche Zeitung drehte plötzlich in ihren Homeoffices durch: „Europa muß Chinas Angriff abwehren,“ titelte sie.

In der Deutschen Welle sprach der Chinaforscher Wemheer von einer „Eurozentrischen Arroganz gegenüber China“

Die BILD-Zeitung wurde deutlicher und titelte: „Coronavirus: Geheimdossier belegt. So hat China die ganze Welt betrogen“

Die CIA und vier weitere westliche Geheimdienste ließ über einige deutsche Provinzblätter verlauten: „Coronavirus stammt wahrscheinlich doch aus Wuhan-Labor“. Die „Intelligence-Analysts“ erhoben in ihrem Dossier „schwere Vorwürfe“

Der BND bat dagegen nicht vergeblich das befreundeten Nachrichtenmagazin Der Spiegel um die Schlagzeile: „BND zweifelt an Corona-Geheimdienstdossier über China“

Unbekannte veröffentlichten eine Opferliste:

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T-online meldete: „Erdogan: Türkei-Präsident findet, Homosexualität sei Grund für Virus-Ausbruch“

Die Agence France Press publizierte die Schlagzeile „Coronavirus: Brazil’s Jair Bolsonaro says WHO encourage homosexuality and masturbation in children“

t-online meldete: „Corona-Forscher in den USA erschossen“

Drosten motivierte Focus zu der Schlagzeile: „Drosten sauer – warum der Druck aus der Politik auf Virologen so gefährlich ist“

Journalistenwatch empörte sich: „Arzt nennt Corona eine aufgebauschte Grippewele – nun droht Berufsverbot.

Zuvor waren bereits ein Arzt und eine Juristin, die lauthals das selbe verkündet hatten, psychiatrisiert worden, so hieß es, in Wirklichkeit war natürlich alles viel komplizierter, wie es dann auch hieß.

Die Welt zitiert den „zweitreichsten Mann der Welt“ Warren Buffett in der Überschrift „Das wahre Problem sind Menschen wie wir“

Die Bundeswehr, die coronamäßig gerne irgendwie (als Friedenstauben?) mitmischen würde – weltweit, startete schon mal die Plakatkampagne „Einsatz gegen Corona“, in der sie den ganzen verlogenen Militär- und Staatsjargon in einem Satz unterbrachte: „Für Euch gemeinsam stark“

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Die Corona-Polizei unterwegs mit Zollstock

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Die Frankfurter Rundschau kam noch mal auf Bill Gates zurück – unter der Überschrift „Die Privatisierung der Weltrettung“

Die Chefin der Heinrich-Böll-Stiftung ebenfalls – mit einem dicken Dossier unter dem Titel: „Wohlwollende Alleinherrscher?“

Die Berliner Zeitung empörte sich: „Corona: Bill Gates erhöht den Druck auf Regierungen“

Der Deutschlandfunkkultur sendete einen bissigen Beitrag zum Thema: „Was gesund ist, bestimmt Bill Gates“. Und ließ auch danach nicht locker.

Kaum hatte der Tagesspiegel getitelt: „Reproduktionszahl in Schweden sinkt unter wichtige Marke von 1“ Da meldete Focus schon: „WHO will von Sonderweg lernen: Plötzlich wird Schwedens Corona-Strategie  zum Vorbild“

Und während noch Die Zeit ein Dossier über Fledertiere veröffentlichte – „Bats und das Coronavirus jenseits von Verschwörungstheorien“ – machten Virusforscher schon statt die Fledertiere das Schuppentier für die ganze Viruskacke verantwortlich.

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Im „Qualitätsjournalismus“ kam es daraufhin laufend zu Verwechslungen zwischen Schuppen- und Gürteltieren. Ich fühlte mich in der taz verpflichtet, aufzuklären:

Armadillo Pangolin – Das ist nicht der Name eines mexikanischen Revolutionärs, sondern zweier uralter Säugetiere: des in Südamerika lebenden Gürteltiers (Armadillo) und des in Asien und Afrika beheimateten Schuppentiers (Pangolin), auch Tannenzapfentier genannt. Beide graben Höhlen und ernähren sich vor allem von Ameisen und Termiten, bei Gefahr können sie sich zu einer Kugel zusammenrollen. Der Panzer des Gürteltiers und die Schuppen des Tannenzapfentiers sind sehr hart und können nicht ohne Weiteres von Raubtieren durchbissen werden, gegen den Menschen helfen sie jedoch nicht. Das Schuppentier ist das weltweit am meisten gewilderte Tier. Sein Fleisch gilt als Delikatesse (ein Kilo kostet 300 Dollar) und seine Schuppenwerden zermahlen in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet.Das hat dieses Tier an den Rand der Ausrottung gebracht, wobei alle acht noch lebenden Arten bedroht sind. In Europa hält einzig der Leipziger ZooSchuppentiere: zwei Formosa-Ohrenschuppentiere namens Quesan und Tou-Feng. Eigentlich will man mit ihnen züchten, aber ihre Ernährung ist in Gefangenschaft kompliziert: Sie bekommen einen Brei bestehend aus Bienenlarven, Mehlwürmer, Apfel und Eigelb, gemixt und im Reiskocher sanft gegart, dazu ein bißchen Heilerde und Vitamingranulat.

Die im Kongo und in Uganda Gorillas medizinisch betreuende Tierärztin Ute Eilenberger schreibt in ihrem biographischen Bericht „Die Dschungelfrau“ (2004): „Das einzige, was man von den großen Schuppentieren im Wald je zu Gesicht bekam, waren ihre Bauten im Boden. Sie hatten so große Eingangsöffnungen, dass fast ein Mensch hätte hineinkriechen können.“ Es sind nachtaktive Tiere und ihre Bauten haben mehrere Ausgänge, aber einmal entdeckte die Autorin ein kleines Schuppentier, es befand sich auf einem Ast und näherte sich einigen Meerkatzen, diese ignorierten es jedoch. Die Bewohner im kongolesischen Urwald fangen gerne Schuppentiere, töten sie und „legen sie mit ihren Schuppen einfach zum Rösten ins Feuer, wenn sie gar sind, kann man die verkohlten Schuppen wie die Blätter einer Artischocke abziehen und die fertige Mahlzeit genießen.“ Laut Ute Eilenberger gehören die Schuppentiere zu den wenigen Lebewesen, die nicht vor den gefürchteten Treiberameisen flüchten, im Gegenteil: „Sie öffnen ihre Schuppen und lassen sie die Parasiten wegfressen, die unter den Schuppen leben. Haben die Ameisen ihre Aufgabe erledigt, schließt der Wirt seine Schuppen, die Ameisen sterben und werden von ihm aufgefressen.“

Auch das Gürteltier wird in einigen Gegenden Lateinamerikas gegrillt gegessen. Sein aus kleinen verknöcherten Platten bestehender Panzer, der ihm über den Kopf reicht, nützt ihm gegen seinen Hauptfeind, den Menschen, nichts. Da bleibt ihm laut „Die Zeit“ „nur der Rückzug in seine Höhle, die es sich in sieben Metern Tiefe einrichtet und darin 16 Stunden verschläft.“ Das Gürteltier hat eine lange Schnauze, eine noch längere Zunge und große Ohren. Wenn es sich aufrichtet, sieht es aus, als hätte es sich ein Kettenhemd umgelegt, das anscheinend sogar kugelsicher ist. „Die Welt“ berichtete: „In Texas wollte ein Mann mit drei Schüssen ein Gürteltier in seinem Garten töten. Doch er zog nicht den schützenden Panzer des Tieres in Betracht. An dem prallte eine Kugel ab – und traf den Schützen im Gesicht.“ Die bei Bremen ansässige Firma PSV, die Panzerautos herstellt, hat ein Gürteltier als Logo und deswegen die Patenschaft für das im Berliner Zoo lebende männliche Weißborsten-Gürteltier namens Horst übernommen, das dann mit dem weiblichen Gürteltier Franzi Nachwuchs zeugte. Die Geburt gilt als spektakulär, denn Zuchterfolge sind bei dieser Spezies eine Seltenheit. Die beiden Jungtiere sind der erste Gürteltier-Nachwuchs seit 1945 im Berliner Zoo, wie ein Sprecher mitteilte. Im Dortmunder Zoo befestigte die Tierpflegerin am Schwanz des dort lebenden Weißborsten-Gürteltiers Kasimir einmal für einige Tage einen Schrittzähler. Das Ergebnis war überraschend: In seinem nicht eben großen Gehege legte es täglich fast sechseinhalb Kilometer zurück und das auch noch, obwohl es ein nachtaktives Tier ist, am hellichten Tag.

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) sieht das Gürteltier nicht vom Aussterben bedroht, jede der noch lebenden 21 Arten ist jedoch unterschiedlich stark gefährdet. U.a. werden sie in der Andenregion bei der Herstellung eines Musikinstruments genutzt: des Charangos, ein ursprünglich aus den Alpen stammendes Saiteninstrument, das z.T. aus Holz gefertigt wird, dessen Korpus jedoch aus dem ausgehöhlten Panzer eines Gürteltiers besteht. In der brasilianischen Savanne ist es der zunehmende Anbau von Gen-Soja, der ihnen den Lebensraum nimmt, wie Greenpeace berichtete.

Die in Brasilien Ameisenbären studierende Biologin Lydia Möcklinghoff, will, wenn sie in Rente geht, Gürteltiere erforschen, die ebenfalls, wie sie dem Deutschlandfunk sagte, noch „ganz unerforscht“ seien. Aber sie lassen sich in der freien Wildbahn Brasiliens beobachten und legen zum Teil ungewöhnliche Verhaltensweisen an den Tag. „Wir wissen Sachen über sie, die in der Literatur unbekannt sind. Zum Beispiel veranstalten sie Sexpartys. Die sind eigentlich immer einzeln unterwegs, und auf einmal sieht man 13 Gürteltiere auf einem Haufen, überall sitzen sie aufeinander, und machen da ihre kleinen Partys. Da gibt es viele Fragen: Zum Beispiel, wie verabreden die sich?“ Erst einmal drehte jedoch ein deutsches Naturfilm-Team bei ihr in Brasilien eine dieser „Sexpartys“, dazu schreibt Lydia Möcklinghoff auf ihrer Internetseite: „Aufnahmen von vögelnden Gürteltieren für’s deutsche Fernsehn gibt’s jetzt also zuhauf. In allen Posen, allen Kombinationen, riesige Penisse die sich wie Partytröten ausrollen, sechs Gürteltiere in Polonaise hintereinander herrennend, wie alle sich einbuddeln, vier Gürteltiere in einer Höhle und dann hört man nur noch leise Blue Hotel von Chris Isaak da unter der Grasnarbe spielen. Irgendwann hat das Weibchen keinen Bock mehr und quetscht sich unter einem niedrigen Zaun durch. Das Männchen, das gerade begattend auf dem Rücken hängt wird dabei frontal gegen das Zaunbrett gezimmert und perlt nach hinten runter ab. Das Weibchen trabt davon, um endlich Ruhe zu haben, aber schnell nehmen vier andere Männchen die Verfolgung auf.“

„Wie sieht es eigentlich mit der Verbreitung der ‚ventro-ventralen Kopulation‘, also der ‚Missionarsstellung‘, im Tierreich aus?“ fragte „Die Zeit“ – und zählte sogleich einige Säugetiere auf, ein Sonderfall sei dabei das Gürteltier, denn „man kann sich leicht vorstellen, dass der Panzer andere Arten des Geschlechtsverkehrs verhindert.“ Der Schweizer „Blick“ meldete unterdes: „Unbändiger Sexualtrieb“: „Ein liebestolles Gürteltier fällt in Brasilien völlig hemmungslos über das Bein einer Frau her.“

Da das deutsche Tierfilmteam noch nicht bei den Schuppentieren war, „ist über das Paarungsverhalten der Schuppentiere noch wenig bekannt,“ heißt es auf Wikipedia.

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das Armadillo in alten Zeiten – als es noch groß war und die Menschen klein.

Beim heutigen Pangolin ist es umgekehrt (Foto: deutsche welle)

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Die NZZ titelte: „Neue Studie aus Deutschland zeigt: Wer mit einem Infizierten im gleich Haushalt lebt, wird nicht unbedingt selbst angesteckt“

Der Hippologe Detlef Kuhlbrodt postete für seine FB-Freunde: „…es gibt Pferdebesitzer, die ihre Pferde wieder sehen wollen“. Ich glaube, er meinte das mitfühlend.

RTL kam uns mit der Schlagzeile: „Wegen Coronakrise: Migranten flüchten zurück nach Afrika. 5800 Euro an Schlepper gezahlt.“

Focus schrieb nach einem Bericht aus Österreich: „Forderung der Nachbarn per Zettel – Krankenpflegerin soll ausziehen“ („Wir wollen keine Seuche im Haus!“ schrieben sie auf einen Zettel an ihrer Wohnungstür)

Das Magazin „zackzack.at“ nahm ebenfalls eine soziale Sauerei in Österreich ins Visier: „Ausländische Jagdpächter sind von den scharfen Einreisebestimmungen ausgenommen: Bei einer Einreise nach Österreich benötigen sie im Gegensatz zum ‚Durchschnittsausländer‘ kein ärztliches Attest und müssen sich nicht in Quarantäne begeben.“ Die Redakteure fragten sich: Sind sie etwa „systemrelevant“?

Anders in Holland: Ausländische Hobby- bzw. Trophäenjäger bekommen keine Sonder-Einreisegenehmigung und inländische Waffenbesitzer müssen sich seit 2019 „auf ihre psychische Verfassung prüfen lassen“, wie die Tierschutz-Foren berichteten. Gleich zwei Meldungen über den Umgang mit Jägern. Hier sind noch zwei Geschichten darüber, wie sie mit den Tieren umgehen:

1. „Die Jagd ist eine Kunst“ – steht in der heute musealisierten Jagdhütte von Marschall Tito nahe Belgrad. Der Psychoanalytiker Paul Parin, der bei den Tito-Partisanen als Arzt arbeitete, war auch ein leidenschaftlicher Jäger und Angler, der bereits als 13jähriger bei seinem ersten tödlichen Schuß auf ein Haselhuhn einen Orgasmus bekam: „Seither gehören für mich Jagd und Sex zusammen“. Dieser Doppelschuß, wenn man so sagen darf, machte ihn zum „Mann: glücklich und gierig“. Vor dem offiziellen Erwachsenenstatus steht aber noch eine sadistische „englische Erziehung“: Bei einer Jagd mit Hunden beging er als junger Treiber so viele Fehler, dass sein gutsherrschaftlicher Vater ihn von seinem Förster auspeitschen läßt – „auf den blanken Hintern“ inmitten der Treiberschar. Die darf ihn sich gleich anschließend noch einmal im Keller des Landschlosses vornehmen, dabei ziehen sie ihn ganz aus. Sein „Papa stand daneben und genoss das Schauspiel“. Anschließend legte sich einer der Burschen nackt neben ihn, „nahm meinen Pimmel in die Hand, steckte ihn in den Mund und fing an zu saugen und mit der Zunge zu streicheln. ‚Er will mich trösten‘, dachte ich und drehte mich so, dass ich seinen Pimmel auch zu fassen kriegte, und steckte ihn meinerseits in den Mund. Es war wirklich ein Trost.“

Das war aber noch nicht die eigentliche „Initiation“. Die kam erst mit 17 – als er seinen ersten Bock schoß. Ein Onkel hatte ihn in seine Jagdhütte eingeladen, als Paul Parin oben ankam, bedrängte dieser gerade mit heruntergelassener Hose seine Haushälterin am Kachelofen. „Komm in zehn Minuten wieder,“ rief ihm der Onkel zu, „dann sind wir mit Vögeln fertig. Dann sind auch die Mädels da, die ich gemietet hab. Sie sind scharf auf dich, haben sie gesagt“. Abends erzählt der Onkel Jagdgeschichten, danach geht der Bub mit einem der drei Mädchen auf sein Zimmer. Erst läßt sie sich von ihm mehrmals mit der Hand befriedigen, dann holt sie ihm einen runter. Anschließend schläft sie sofort ein, er kann nicht schlafen, stattdessen zieht er sich wieder an, schnappt sich sein Gewehr und geht in den Wald, wo er dann von einem Hochsitz aus einen „starken Bock“ mit Blattschuß erlegt. Beim Frühstück muß er alle Einzelheiten erzählen. Auch das gehörte zum „Ritual“.

Seitdem erfaßte ihn „das Jagdfieber immer wieder mit der gleichen Macht wie sexuelles Begehren“. Das ging auch seinem Jugendfreund so: „Dulli war Jude und zeitlebens dem Jagdfieber verfallen. Von seinem liebsten Jagdkumpan an die deutsche Besatzungsmacht verraten, wurde er Widerstandskämpfer und in der titoistischen Republik Slowenien Minister für Jagd und Fischerei“. Ein „aufgeklärter Mensch jagt nicht“ und auch ein „Jude jagt nicht“ – das sind „gleichermaßen Gesetze abendländischer Ethik. Ich muss mich zu den Ausnahmen zählen“. Aber Paul Parin hat von sich selber und vielen anderen erfahren: „Wenn mein Vater nicht seine Jagd gehabt hätte, wären wir Kinder in der strengen und sterilen Familienatmosphäre erstickt“. Deswegen kann er jetzt eher genuß- als reuevoll z.B. seine Jagd auf eine Gazelle in der Sahara und das Forellenfischen in Alaska – als Sucht – beschreiben.

Sucht heißt, dass der narzisstische Genuß am Morden mit der Jagd weltweit einen Freibrief hat“. Am Beispiel von Milovan Djilas, leidenschaftlicher Angler, Mitkämpfer und Vertrauter Titos, gibt er jedoch zu bedenken: „Später, als Dichter, wusste Djilas: Keine Ausübung der Macht über das Volk, über die Schwachen bleibt ohne verbrecherische Taten. Wäre es nicht besser gewesen, der eigenen Leidenschaft Raum zu geben und den flinken Forellen nachzustellen…?“ Im Russischen gibt es ein volkstümliches Wort für Jagd und Lust: Ochota. Parins eigene „Jagdleidenschaft“ erlosch bald nach dem 84. Geburstag seiner Frau Goldy, am 30 Mai 1995: „An diesem Tag habe ich im Fluß Soca in Slowenien die größte Forelle meiner Laufbahn gefangen“. Anschließend erzählte er seiner Frau, daß er am Fluß einen jungen verwilderten Mann, der ihn beklauen wollte, fesselte – dann hätte er ihn ausgepeitscht bis zum „Flash“, woraufhin sie beide zum Orgasmus gekommen wären. Während Paul Parin diese Geschichte schließlich als eine „Phantasie“ darstellt, ist die Psychoanalytikerin Goldy sich da „nicht so sicher…Kann sein, dass du nicht nur die Riesenforelle erwischt hast, sondern auch einen Gayboy aus Kärnten“. Sie einigen sich darauf: „Es könnte so sein oder auch nicht…Gehen wir schlafen“.

In einer Art Nachwort rühmt Christa Wolf Paul Parins „Lebenskunst und Schreibkunst“, diese im richtigen Augenblick kennengelernt zu haben, hält sie für eine „glückliche Fügung“. Mich hat sie eher verwirrt. Parins Buch ist 2018 überarbeitet neu herausgegeben worden, es heißt jetzt: „Die Jagd – Licence for Sex and Crime“.

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Auf der wegen Corona-Lockdown leergefegten Straßen traut sich in einer japanischen Stadt ein Rudel Hirsche zu ruhen.

 

2. Der Arzt Robert McCormick war ein Vogelliebhaber , und das hieß im 19. und auch noch im 20 Jahrhundert, dass so einer jeden Vogel, den er interessant fand, vom Himmel holte. Er kam vor allem als Schiffsarzt auf einer mehrjährigen Expedition der englischen Admiralität in die Antarktis auf seine Kosten. Während der Reise erschoß er quasi alles, was fliegen konnte, natürlich auch Pinguine. In seinem Reisebericht rechtfertigte er sein Tun: „Auch wenn es zu meinen Pflichten gehört, diesen ausgesprochen schönen und interessanten Tieren den Garaus zu machen, tut es mir doch in der Seele weh, und jeder Schuß ist von Gewissensbissen begleitet, so sehr liegen mir diese gefiederten Wesen am Herzen.“

Mit ähnlichen Worten haben viele Zoologen, wenn sie alt und endlich anerkannt waren, solche Tötungen rechtfertigt und bedauert. Zuletzt las ich sie bei einem australischen Wissenschaftler, er ging von der Vermutung aus, es müsse noch viel mehr Säugetiere als bekannt auf den Südseeinseln geben – und klapperte sie der Reihe nach ab. Er fing mit Netzen u.a. Flughunde, dabei entdeckte er tatsächlich ein paar neue Arten. Sie kamen ausgestopft in das Sydneyer Naturkundemuseum, hunderte andere waren Forschungsabfall. So wie bei Drosten 5000 Fledermäuse. Solche Fälle sind selten geworden – so wie fast alle Tiere. Die Biologen gerieren sich heute meist als Naturschützer, wobei sie sich oft auf eine Art konzentrieren, der sie ihre Forscherkarriere verdanken.

Sonst geht es ihnen wie z.B. den DDR-Forschern am Otto-Suhr-Institut der Westberliner FU: Als die DDR verschwand, standen sie plötzlich dumm da. In der Biologie heißt es immer: Um eine Art schützen zu können, muß man sie kennen. Das nimmt gelegentlich seltsame Züge an: Wenn z.B. eine karibische Eidechsenart, die weit verbreitet ist, bei einer Feldforschung mit gentechnischem Analyseanteil in „Wahrheit“ aus fünf gleich aussehenden Arten besteht – von denen zwei in ihrem Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht sind. Und also muß man sie dann doch schützen.

Während die westliche Lebenswissenschaft langsam ihren Objekten nicht mehr das Leben nimmt, vermehren sich die Trophäenjäger. In vielen z.B. afrikanischen Nationalparks sind diese reichen Weißen hochwillkommen, während die Einheimischen eher als Wilderer verfolgt (und in Kenia neuerdings sogar hingerichtet werden). Die Parkverwaltungen, die nicht selten noch mit Weißen besetzt sind, müssen ständig die Waffen ihrer schwarzen Wildschützer verbessern, weil auch die Wilderer inzwischen Nashörner und Elefanten z.B. mit Drohnen jagen. Auch die meisten Sponsoren und Biologen sind Weiße. Die reichen Hobbyjäger argumentieren: „Findet Trophäenjagd unter kontrollierten Bedingungen statt, kann sie für den Bestand einer Wildart sehr nützlich sein,“ so z.B. der Jäger und „Welt“-Redakteur Eckard Fuhr in seinem Buch „Schafe“ (2017).

Es ändert jedoch nichts daran, dass einzig das Töten zum Verzehr noch sozial tolerierbar ist. Auch wenn immer mehr junge Frauen einen Jagdschein machen und Bücher über ihre „Beute“ veröffentlichen. In den sozialen Netzwerken wird mindestens einmal in der Woche ein Foto gepostet, das ein reiches Arschloch zeigt, das stolz auf oder hinter einem erschossenen Löwen oder Schneeleoparden posiert. Die Fotos sind Steckbriefe mit Namen und Adresse dieser „Tiermörder“.

Das akzeptierte Töten geschieht entweder für den Eigenbedarf oder industriell für den Markt. Die moderne Agrarproduktion steht aber ebenso in der Kritik wie von Naturschützern (u.a. dem Dänen Morten Jörgensen) kritisiert wird, dass man den indigenen Völkern, die von der „traditionellen Jagd“ leben, eine Quote z.B. an Eisbären einräumt: Da ist nichts „Traditionelles“ mehr an der Jagd meint er. „Die Inuit gehen mit hochtechnischen Motorschlitten und wummstarken Gewehren, mit Feldstechern und Spezialkleidung auf das Eis.“ Der Münchner Ökologe Josef Reichholf erwähnt in seinem Buch „Der Bär ist los“ (2007), dass auch die Trophäenjagd sich weiterentwickelt hat: Sie ist heute ein mit viel Geld bezahlter Einsatz moderner Waffentechnik aus sicherer Entfernung. Man könne sogar schon „Abschüsse per Computer“ kaufen. „Der Schütze“ ist mit einem echten Gewehr draußen in der Wildnis über das Internet verbunden und so in seinem Homeoffice in der Lage, „tatsächlich den Bären zu schießen. Das Video wird frei Haus geliefert, das Fell kann als Trophäe erworben werden. Peinlicher kann ein solcher ‚Sieg‘ über das große Tier nicht mehr werden.“ Inzwischen ist noch das Kampfmittel Drohne beim den Trophäenjägern hinzugekommen, das auch für Tierfilmer inzwischen unverzichtbar ist.

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Jetzt weiß ich schon von vier Autoren, die ein Coronabuch schreiben.

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Der Tagesspiegel versucht wie kritischen jungen Journalisten die Corona-Lockdown-Maßnahmen mit den Erforfernissen einer klimafreundlichen Öko-Wende in Einklang zu bringen, genaugenommen also zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – seine  Kolumnistin machte sich unter der Überschrift „Energiesparen im Homeoffice“ Gedanken.

Der Merkur fragt sich zerknirscht: „Coronavirus in Deutschland: War der Lockdown/das Shutdown ein ‚Riesenfehler‘?“

T-online fragt sich das auch – praktisch: „Dürfen Enkel ihre Großeltern wieder besuchen?“

Gleichzeitig fragt sich das Nachrichtenprotal ob der ganzen angekündigten baldigen Isolationslockerungen bang: „Greift Deutschlands Corona-Notbremse?“

Die Huntington Presse fragt sich, ob der „Chefvirologe der Charité“ Drosten mit zu den „happy few“ gehört hätte, die auf  Jeffrey Epsteins und Ghislaine Maxwells Partys eingeladen worden wären, wenn man den Ausbruch der Coronaviruserkrankung schon 2018 bemerkt hätte.

Der Spiegel wundert sich: „Zunächst wurde Dr. Drosten als Halbgott mit Wuschelhaaren gefeiert. Wer nicht gleich ein Kind von ihm haben wollte, ging zumindest mit ihm und seinem Podcast ins Bett. Millionen Deutsche waren bereit, ihm überallhin zu folgen. Auch in die Isolation.“ – Aber dann wurde aus ihm laut Spiegel ein Buhmann – wie konnte das geschehen? Mir war dagegen sein „Rise and Fall“ gar nicht groß aufgefallen.

Außer Bill Gates gibt es auch noch andere Big Spender, die enorme Mittel zur Bekämpfung des Virus bereit stellten, keinblatt.de schreibt: „Vatikan spendet eine  Milliarde Euro zur Entwicklung eines wirksamen Gebets gegen Corona“.

 

Fragen über Fragen.

Während ich im Botanischen Garten war, fielen zwei neue Corona-Tales an, die mich überraschten:

tagesschau.de: „Mehrere katholische Bischöfe kritisieren die Corona-Maßnahmen und greifen dabei auf weitverbreitete Verschwörungstheorien zurück. Sie sehen den ‚Auftakt einer Weltregierung‘. In einem in mehreren Sprachen veröffentlichten Aufruf warnen sie vor dem ‚Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht‘  und bedienen sich dabei einer derzeit weit verbreiteten Verschwörungstheorie.“ Dazu zeigt die tagesschau ein Foto vom sympathischen Arzt und Gesundheitspolitiker Wolfgang Wodarg, der sich als Kritiker des Ausnahmezustands bzw. der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eine Menge „Follower“ geschaffen hat. In einer Art TV-Streitgespräch hat Christian Drosten argumentativ dagegen gehalten.

Auf Facebook postete Jan Jessen vor 5 Stunden ein Foto, das eine Menschenmenge auf einem Platz zeigt. Darunter schrieb er:  „Wir sehen auf diesem Bild aus Stuttgart einige Tausend Menschen, die ihre Meinung nicht sagen dürfen und die sehr hart von der aufkeimenden Hygiene-Diktatur unterdrückt werden. Das pflegende und medizinische Personal in Stuttgart und Umgebung wird dann wohl doch demnächst 12-Stunden-Schichten schieben müssen. In München durften heute ebenfalls 3000 Menschen eng an eng gegen die brutale Unterdrückung ihrer Freiheitsrechte demonstrieren. In Nürnberg waren es 2000, die sich aus revolutionärem Impetus knuddelten. In Berlin hat ein veganer Koch nach eigenem Bekunden eine Rede gehalten, die das Land verändern wird, falls es an euch vorbeigegangen sein sollte. Auch in der Hauptstadt haben Menschen heute die neuesten Erkenntnisse aus der Youtube-Universität auf die Straße gebracht und sind dabei beinahe sehr ungerecht behandelt worden.“

Der Spiegel postete auf seiner Seite ebenfalls ein Foto von einer Menschenmenge auf einem Platz (der aussieht wie der in Stuttgart), aber der Fotograf ist sehr viel näher rangegangen oder hat sich die Menschen näher rangezoomt, auch von oben (vielleicht von einer Drohne aus), aber man kann Einzelne unterscheiden – sie halten den magischen 1 Meter 50 Abstand weitgehend ein. Der Spiegel illustrierte damit seine Schlagzeile „Tausende demonstrieren gegen Corona-Regeln“ – weiter heißt es: „Stoppt Gates“, „Legt den Maulkorb ab“, „Widerstand“: In mehreren deutschen Städten haben Bürger gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. Auf Abstandsregeln nahmen nicht alle Rücksicht.“

Auf der selben Seite weist der Spiegel auf zwei seiner Finanzexperten hin: Der eine weiß: „So retten Sie Ihr Geld durch die Coronakrise“, der andere, ein ehemaliger taz-Mitarbeiter, rät: „Legen Sie Ihr Vermögen so grün wie möglich an.“ Die hiesigen Migranten haben ein anderes Problem, das von dem Hamburger Nachrichtenmagazin dann auch noch zur Sprache gebracht wurde: „Sie schicken jährlich Hunderte Milliarden Dollar in ihre Herkunftsländer. Ihre Angehörigen sind meistens darauf angewiesen. Doch in der Coronakrise drohen diese Zahlungen wegzubrechen.“ Während sich die FAZ eher über „Bolsonaros Spiel mit dem Virus“ entsetzt: „Brasiliens Präsident hält die Angst vor Corona für übertrieben. Ihm ist die Wirtschaft wichtiger als der Seuchenschutz. Eine tödliche Strategie.“ Im Übrigen findet das Frankfurter Kapitalmedium es disgusting, dass immer neue Orte als Coronavirus-Herd identifiziert werden – nach Kalifornien war es zuletzt Frankreich. Die Zeitung bleibt bei „Wuhan“ und fragt sich: „Was ist dran an den Studien, die Wuhan in Frage stellen? Darauf kann eigentlich nur eine Verschwörungstheorie-Antwort folgen.

Ich hatte insgeheim gehofft, es mit den Corona-Schlagzeilen genug sein zu lassen. Aber die Unterbrechung des Alltags heißt wohl nicht umsonst Pandemie. Da passiert viel. So berichten amerikanische Zeitungen, dass die US-Bürger wegen des Lockdowns massenhaft „Pets“ sich aus den Tierheimen holen. Diese seien sehr froh darüber. Während englische Zeitungen davon sprechen:  „Thousands of pets are being abandoned in the UK by owners during lockdown.“ Es sind also genau entgegengesetzte Verhaltensweisen in Erscheinung getreten. Dazu könnte man noch die laufende Fotoserie von gequälten und geschlachteten Hunden in China und speziell in Wuhan zählen, die mindestens einmal am Tag anklagend auf Facebook ergänzt wird.

Ich hatte immer ein eher angerührtes Verhältnis zu den chinesischen Hundeessern, bis ich auf einer Autobahn in Südkorea einmal einen Transporter mit Schlachthunden sah. Ab da nahm ich es sogar den norwegischen Polbezwingern Nansen und Amundsen übel, dass sie auf ihren Expeditionen die Hunde nicht nur zum Schlittenziehen, sondern auch als Proviant für sich und die Hunde mitführten. Es gab einen Hund, der kannibalistische Skrupel hatte, er fraß das Fleisch erst als es hartgefroren war.

Meine Anrührung rührte zuvor vom Bild einer kleinen chinesischen Idylle, wie sie in einem chinesischen Roman aus den Fünfzigerjahren geschildert wurde: Wenn sich zwei alte Freunde nach Jahren wieder treffen, dann tischt der eine am Liebsten einen Hund auf und öffnet dazu eine Flasche Reisschnaps, auch wenn er arm ist. Viele haben noch nicht einmal in ihrem Leben Reisschnaps getrunken.

Es mehren sich in den sozialen Medien Fotos von im Westen zu Tode gequälten Hunden und Katzen, das hat vielleicht etwas mit Corona und den Restriktionen zu tun.

Kaum glaublich ist eine kleine Berichtsserie aus Niedersachsen: Da wird erst gemeldet, dass die Bauern über zu viele Wühlmäuse in ihren Äckern und auf ihren Wiesen klagen. Dann stolz, dass die niedersächsischen Jäger mehr Füchse denn je zuvor zur Strecke gebracht hätten. Füchse stehen dort fast ganzjährig unter Beschuß. Und dann freuten sich die niedersächsischen Jäger noch, dass ihre Pirsch nun auch auf die ganz jungen Füchse gehen darf. Einige niedersächsische Tierschützer gaben ihnen darob zu bedenken, dass die Wühlmaus-Populationen vor allem von Füchsen in Schach gehalten werden, die sie immer mehr dezimieren.

Eher mit Corona hängt es zusammen, dass die Hauptstadtpresse erst einen „Goldschakal vor den Toren Berlins“ meldete und nun auch noch einen „Wolf in Berlin“ – in einem Ganzamrand-Bezirk. Der Wolf hat einen GPS-Sender am Hals und von daher weiß man, wie er heißt bei den Wolfsforschern: „FX-7“ oder ähnlich blöd. Aus allen möglichen Städten werden alle möglichen Tiere gemeldet, fotografiert. Es ist jetzt auf den Straßen Nachts so leer wie in Stockholm schon immer. Hanns Zischler hat vor Jahren einmal einen längeren Bericht mit Foto in der FAZ über einen Wolf veröffentlicht, der sozusagen seelenruhig durch Stockholm wanderte.

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Foto: Guillaume Paoli

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Noch ein Corona-Widerspruch: Zum „Tag des Sieges“ am 8.Mai hat man auf den öffentlichen Gebäude Halbmast geflaggt. Als man für die „Herrmannschlacht“ am Teutoburger Wald ein neues Museum baute, an einem anderen Schlachtort, da benamte man das einstige Partisanengemetzel um – nicht mehr nach dem siegreichen Partisanenführer „Herrmann, Cherusker“ sondern nach dem unterlegenen Eroberer Varus, der dann auch noch ein Denkmal bekam, es ist allerdings zwergenhaft gegen das gigantische Herrmannsdenkmal bei Detmold.

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Fotos: Wikipedia

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Bei der modernen Bewirtschaftung des Waldes ging in der BRD stets Holz vor Jagd. In der DDR war es umgekehrt. Das begann zunächst damit, dass die Rote Armee im sowjetisch besetzten Sektor 1945 ein absolutes Jagdwaffenverbot anordnete. Ab da jagten fast nur noch Offiziere der Roten Armee. „Die sowjetischen Truppen nutzten diesen rechtsfreien Raum und etablierten einen regen Handel mit Wildbret,“ heißt es in Helmut Suters Jagdgeschichte „Honeckers letzter Hirsch – Jagd und Macht in der DDR“ (2018). Nachdem die SED alle Wälder der DDR zu Volkseigentum erklärt hatte, wurden die sowjetischen Jäger irgendwann zu „Wilderern“ und ihre Abnehmer zu „Hehlern“. Zuvor hatte der Geheimdienst der Roten Armee (SMAD) noch versucht, mit Befehlen die Jagd einzudämmen, indem die Zuständigen nur noch „Militärjagdkollektive“ und „Jäger der allrussischen Militärjagdgesellschaft“ zuließen sowie nach Wildtierarten unterschiedene „Schonzeiten“ festlegten, um „die barbarische Ausrottung seltener Tierarten zu verhindern“.

Die Landbevölkerung klagte derweil über eine „Wildschweinplage“. 1949 wurden dagegen „Jagdkommandos“ aus der Deutschen Bereitschaftspolizei aufgestellt, die von der SMAD bewaffnet wurden. Im selben Jahr fand laut Suter „die erste Regierungsjagd“ statt. Nach und nach bekamen auch die Förster Waffen, die neuen „Staatsforstbetriebe“ waren für die „Beschaffung, Kontrolle und Verwaltung der volkseigenen Waffen verantwortlich“. Es wurden „Jagdkollektive“ gegründet, theoretisch konnte jeder Jäger werden, aber damit hatte er noch keine Waffe und kein Jagdrevier. Mit einem neuen Jagdgesetz 1953 „sicherten sich die Politbüromitglieder interessante Jagdgebiete, auch für die SMAD, gegenüber den Jagdkollektiven“. Diese 129 „Sonderjagdgebiete“ wurden immer mehr erweitert, immer stärker geschützt, auch die Volksarmee und die Staatssicherheit bekamen solche Reviere. Gleichzeitig wurden bis in die Achtzigerjahre die „Jagdhütten“ immer üppiger ausgebaut, zu wahren Jagdschlössern, wo einige Minister allein 5 Köche beschäftigten.

„Für das Geschehen in der Schorfheide war in den Fünfzigerjahren Walter Ulbricht verantwortlich.“ Davor war es die SMAD gewesen, davor Hermann Göring und davor die „führenden Würdenträger der Monarchie und der Weimarer Republik. Bereits die Askanier begründeten dort im 12. Jahrhundert eine Tradition der Jagd der Herrschenden. Dass sich in den sozialistischen Ländern nahezu alle Regierenden der Jagd widmeten, geht auf die Tradition der Adels- und der Volksjagd zurück – letzteres vor allem in Russland und Amerika, wo nur wenig Menschen auf einem riesigen Territorium lebten, hinzu kam eine mehr oder weniger ausgeprägte partisanische Vergangenheit. Einer der eifrigsten Jäger war Trotzki, der großen Konflikten in der Partei gerne auswich, um erst einmal jagen zu gehen, noch in seinem Exil auf der Insel Büyükada bei Istanbul verlangte er als erstes von seiner Deutsch-Übersetzerin Angelschnur aus England. Der Zürcher Ethnopsychoanalytiker Paul Parin schreibt in seinem Buch „Die Leidenschaft des Jägers“: Ein „aufgeklärter Mensch jagt nicht“ und auch ein „Jude jagt nicht“ – das sind „gleichermaßen Gesetze abendländischer Ethik. Ich muss mich zu den Ausnahmen zählen“. Parin nahm als Arzt am jugoslawischen Partisanenkrieg teil. Am Beispiel von Milovan Djilas, leidenschaftlicher Angler, Mitkämpfer und Vertrauter Titos, gibt er jedoch zu bedenken: „Später, als Dichter, wusste Djilas: Keine Ausübung der Macht über das Volk, über die Schwachen, bleibt ohne verbrecherische Taten. Wäre es nicht besser gewesen, der eigenen Leidenschaft Raum zu geben und den flinken Forellen nachzustellen…?“

In einem Dokumentarfilm über deutsche Jäger heute meint die Regisseurin: „Jäger wissen viel über den Wald, Wildtiere, Krankheiten.“ Der Zürcher Zoodirektor und Tierpsychologe Heini Hediger war sich dagegen sicher, dass die Jäger wenig zum Wissen über die Tiere, die sie jagen, beitragen. Das Jagen bietet im Grunde wenig Gelegenheit zum Beobachten. Ein Schuß, selbst ein Meisterschuß, ist eben niemals Beginn, sondern stets das Ende einer allzu kurzen und meist nicht sehr vielsagenden Beobachtung.“

Seitdem die „Jagden“ auch auf dem Gebiet der DDR privatisiert sind, hätten die jetzigen „Trophäenjäger“ den Wildbestand noch vergrößert, meinte ein Biologe in Görlitz. Zur Freude der Wölfe, fügte er hinzu, die sich von dem ersten eingewanderten Wolf nach der Wende bis zu den heutigen Rudeln in den Bergbaufolgelandschaften und auf den Truppenübungsplätzen in der Lausitz angesiedelt haben. Leider gäbe es nicht genug Wölfe. Das sei die allgemeine Meinung der hiesigen Natur- und Umweltschützer.

In Wannsee feierte ein Ehepaar eine kleine Gartenparty, verboten, der Nachbar zeigte sie an, die Polizei kam. Nun muß jeder Teilnehmer 1500 Euro zahlen – insgesamt 24.000 Euro. Man kann sich denken, dass es bei solchen Summen in den Armenbezirken leicht zu Aufständen kommen kann. In Frankreich hat die Polizei ausdrücklich den Befehl, sich in den Banlieues der Prekären zurückzuhalten.

Ein Klimaleugner aus Bielefeld postet: „Das Gute an Corona ist, man hört nichts mehr von Greta“.

In der „Kreizeitung Wochenblatt“ schreibt Stephanie Bargmann aus Stade: „‚Gegen das Coronavirus isst man am besten täglich drei Knoblauchzehen. Es wirkt zwar nicht gegen das Virus, aber der Abstand von eineinhalb Meter wird definitiv eingehalten‘. Das Internet ist zurzeit voll mit Coronawitzen.“ Auch „Die Wienerin“ sah das so:

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Man darf nicht nur Corona Witze machen, man kann sogar Witze mit Corona machen (das läuft vielleicht bereits auf Charlotte Brives „viruses as companion species“ hinaus):

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In eine ganz andere Corona-Richtung dachten einige Autoren und recherchierten und bastelten folgende Graphik:

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Mancher hat auch einfach Glück und findet zum globalen Lockdown aus dem Stand einen passenden Fotokommentar:

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Ein anderer macht es sich noch einfacher:

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Überhaupt ist Corona-Global wie nichts Gutes dazu angetan, es zu kommentieren, mindestens irgendwelche Kommentare zu „liken“ – wie z.B. christliche Tierschützer einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung: „Schlachthöfe entwickeln sich zu Corona-Brennpunkten“. Unangenehm stößt mir dagegen ein Fleißarbeiter in den sozialen Medien auf, der wöchentlich einen „Body-Count“ veröffentlicht – mit den Zahlen aller Coronatoten, gerankt nach Ländern. Zuletzt war die USA Weltmeister, aber das ist sie ja bei so vielem, verwundert also ebenso wenig wie der ewige Deutschlandmeister Bayern München.

Die Tierschützer machen auch so etwas: Sie berichten immer wieder mit ganzen Zahlen über Fledermäuse, die man massenhaft in  Peru und in Rajastahn totgeschlagen hat und über Flughunde, die man in Südostasien abschoß – fast guten Gewissens, um den Erreger des Coronavirus auszurotten. The Guardian belehrte mit der Headline: „Should we blame bats for the terrible coronovirus? We should not. Bats are our friends“

Die Welt titelte: „Maybrit Illner: Yogeshwar rechnet ab jetzt mit manipulierten Corona-Zahlen“. Der News Feed Reader listet zum aktuellen Stichwort Corona 132.550 Schlagzeilen auf.

Mich erreichte noch ein Text aus Frankreich, der sich zwischen „Das egoistische Virus“ aus England und dem kalifornischen „Virus als Begleitart“ (wie deepl „companion species“ übersetzt) entschieden hat. Muß man das?

Wegen der Möglichkeit einer in den Zoos um sich greifenden Depression, weil die Tiere und Tierpfleger wegen des Lockdowns kein Publikum mehr haben, fragte ich einen Mitarbeiter der Zoopresseschau, ob er mir dazu Konkretes sagen könnte. Er meinte, die Zoos werden seit Jahren mit seuchenbegründeten Problemen gebeutelt. Maul- und Klauenseuche hatte im Frühling 2001 etliche Zoos zu Schließungen gezwungen (Köln, Münster, Karlsruhe, Gelsenkirchen u.a.). Dann kam Vogelgrippe, Blauzungenkrankheit, Schweinepest…Diesmal ist es aber finanziell dramatischer und trifft alle, sonst waren eher die Tiere in Gefahr (nicht unbedingt direkt, sondern wegen der Keulungs-Verfügungen).

In Polen kam zum Corona-Virus noch die afrikanische Schweinepest, ebenfalls ein Virus. Der Staat verfügte sofort die „Keulung“ von 24.000 Zucht- und Mastschweinen. Darüberhinaus sollen die polnischen Jäger alle Wildschweine im Land abschiessen.

Schon bei der Vogelgrippe hatte ein russischer General vorgeschlagen: Alle Zugvögel beim Überqueren der Grenze abzuschießen.

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Was anderes zwischendurch: Die venezuelanische Orinocotribune meldete: „China Will Nott Accept Any US Invasion in Venezuela: Spokeswoman Hua Chunying says.“ Während die hiesige Qualitätspresse Neues aus Syrien erfahren haben will: Assad wankt und Putin verliert langsam die Geduld mit ihm. Stattdessen ließ er am Tag, als die Zählung der russischen Eisbären begann, ein Foto aus dem Jahr 2011 veröffentlichen, dass ihn zeigt, wie er den Sitz eines Senders am Halsband eines  betäubten Eisbärs kontrolliert.

Aber dann ging es doch wieder weiter mit Corona:

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Ein CDU/EU-Politiker kam ihnen in der FAZ mit einem Kompromißvorschlag: Axel Voss im Interview: „Wer die App hat, soll zuerst wieder ins Restaurant dürfen.“

Thomas Gsella dichtete: „Wo Widerstand zu rechts wird, wird Chip-Impfung zur Pflicht“

Woanders hat man noch andere Anti-Corona-Ideen als Apps unjd Chips – Focus zitierte „Kanadische Forscher“: „Cannabis schützt möglicherweise vor dem Coronavirus“

Am nächsten Tag stießen mir zwei Berichte auf über die Demonstrationen gegen die Anti-Corona-Maßnahmen der Herrschenden, wenn man so sagen darf. Auf Youtube ein Clip „Hoffnungsschimmer München – POLIZEI nimmt Helme ab. Remember 1989!“ Und im Münchner Focus-Magazin der Titel „Anti-Corona-Demos in ganz Deutschland: ‚Diese Menschen haben es nicht verstanden‘.“

Ähnlich widersprüchlich die beiden Schlagzeilen dazu in den Kapitalmedien:

Die SZ: „Wer für Grundrechte eintritt, ist deshalb kein Verschwörungstheoretiker. Ein Ebersberger Landkreisbürger darf die von der Regierung verordneten Corona-Maßnahmen infrage stellen. Mehr noch: Es ist wichtig, dass dies geschieht.“

Die FAZ: „Covidioten sind unter uns. Sie sind wieder da – die selbsternannten Retter von Freiheit und Demokratie. Sie gehen auf die Straße und gerieren sich als Widerständler gegen eine vermeintliche Corona-Diktatur.“

Verräterisch ist hierbei das völlig unreflektierte, bewußtlos eingesetzte „selbsternannt“: Findet dieser FAZ-Dumpfmeister, ein unverantwortlich, nur aus Karrieregeilheit selbsternannter Journalist bloß fremdernannte Demonstranten akzeptabel – etwa so wie die Personage der US-Inszenierungen z.B. in Venezuela?

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Keine Verschwörungs- sondern eher eine Verheißungstheorie:

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Auf den selbsternannten „NachDenkSeiten“ findet man dazu eine andere Verschwörungstheorie: „Verschwörungstheorie, Rechtsradikale, AfD-nah – so oder ähnlich lauten die Etiketten für jedermann und jede Frau, die den Regierenden und Meinungsführern nicht passen. Am konkreten Fall kann man zeigen, wie das geht und wie die Etikettierung angewandt wird. Menschen, die die amtliche Bewertung der Corona-Krise und vor allem die Lockdown-Entscheidungen von Bund und Ländern nicht für richtig halten und für Lockerung plädieren, werden zu Verschwörungstheoretikern erklärt. Das ist die erkennbare große Linie der Meinungsmache. Was jetzt, besonders massiv am vergangenen Wochenende, zur Bewertung und Abwertung des Protestes benutzt wird, ist zuvor geplant und angelegt worden.“

Dazu auf Facebook ein Betroffenen-Comic, auf dem ein Mann zu sehen ist, der ein Protestplakat schreibt, seine Frau, die hinter ihm steht, sagt: „Mach noch mehr Ausrufezeichen, sonst glaubt uns wieder keiner!“ Das „Redaktions-Netzwerk Deutschland“ fragt sich: „Corona-Lockdown: Haben wir den Weg zur Normalität vermasselt?“ In einer weiteren Lieferung erinnerte das RND an den wahren „8.Mai“ (in Russland der 9.Mai) und interviewte dazu den Potsdamer SPD-Politiker Matthias Platzeck – mit dem Fazit.“Rote Armee hat Hauptlast getragen“.

Der österreichische Kurier stieß derweil mit einem Foto vom Ortsschild des Skidorfes Ischgl eine neue Verschwörungstheorie zum Corona-Herd an: „Von Ischgl aus verteilte sich das Virus auf fünf Kontinente. Über 5.000 Personen wollen sich nun an einer Sammelklage gegen die Republik Österreich beteiligen.“

Man spricht hierbei besser von einer „Verschwörungspraxis“. Schon ist absehbar, dass die Justiz mehr als dreißig Jahre brauchen wird, um alle Corona-Akten zu bearbeiten. Insofern hatte die Bundeskanzlerin recht, als sie die „Corona-Seuche“ mit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs verglich. Die NZZ schreibt: „Es war der verheerendste Krieg der Geschichte. Das lässt sich auch an den Unmengen der Daten ablesen, die er hinterlassen hat.“ Die Zeit meldet unterdes aus Brasilien: „Abholzung im Amazonasgebiet steigt um 55 Prozent.“

Und hier noch eine schöne Verschwörungstheorie – von Iris Boss auf Facebook: Wie kam es, dass zu Beginn der Pandemie überall Klopapier ausverkauft war? Die gleichgeschaltete Presse machte sich über die „Hamsterer“ als Verursacher lustig, aber die Autorin hat nie geglaubt, dass dadurch so ein kapitalistischer GAU eintreten konnte. Jetzt bekam sie vom Cousin einer guten Freundin, der ein bekannter Gastroenterologe ist, ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt: „Die haben einfach Zeit gebraucht, um das Klopapier mit winzigen Mikrochips zu manipulieren, die dann beim Abwischen direkt über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen. Leute, passt auf Euch auf!!!“

Und noch eine kleine Verschwörungstheorie: „Xavier Naidoo ist aus einem Labor in Wuhan entflohen“.

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Heute ist übrigens Muttertag.

 

 

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