vonImma Luise Harms 14.09.2021

Land Weg

Das Land ist Ressource und Erweiterungsgebiet für die Stadt, aber auch ihre bestimmte Negation. Grund zum Beobachten, Experimentieren und Nachdenken.

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Das wird jetzt wahrscheinlich etwas länger. Wie oft habe ich meine Meinung schon geändert; wie komplex und voller Zweit- und Dritt-Motivationen ist die Entscheidungsfindung! Ich fange von vorne an.

Im vergangenen Winter hatte es mich auch erwischt. Mein Mitbewohner und ich hatten uns infiziert – wahrscheinlich bei einem Nachbarn, der im Pflegeheim arbeitet. T. wurde krank, leichter Verlauf, aber erkennbar. Ich hab die Ansteckung nur bemerkt, weil ich mitgetestet wurde, hatte ein bisschen einen trockenen Husten, und das wars. Nach ein paar Tagen hatten wir den charakteristischen Geruchs- und Geschmacksverlust. Da war es dann endgültig klar. Auch C., die befreundete Ärztin, die im Rahmen einer Reihenuntersuchung den Schnelltest mit uns gemacht hatte, meinte, das wäre so eindeutig, dass wir auf einen PCR-Test als Validierung verzichten könnten (war über Weihnachten auch eh ein bisschen schwierig). Wir gingen also in Quarantäne und alle Menschen, mit denen wir Kontakt hatten, auch.
Damit war die Sache zunächst mal durch. Ich fühlte mich frei, denn nun hatte ich ja Antikörper, sozusagen selbstgeimpft. Mit den Impfungen ging es da auch erst los; das war noch keine Frage. Aber schon da war auch klar: meine Infektion ist nur durch Zufall entdeckt worden. Ich war eine sogenannte Asymptomatische. Von denen muss es aber, wie unterschiedliche Hochrechnungen von amtlichen und weniger amtlichen Instituten ergeben hatten, große Mengen geben. Die Unerkannten – die Schätzungen schwankten zwischen dem drei- bis fünffachen der Erkannten – galten als eine große Gefahr, weil sie das Virus unwissentlich weiterverbreiten. Aber in der Folge waren sie dann ja aber auch immun, so wie wir. Schon damals fragte ich mich, warum man das nicht herauszufinden versuchte – also flächendeckende Antikörpertests, um nicht nur die Gefahr, sondern auch die überwundene Gefahr einschätzen zu können.

Nun ja, man hat keinen Einfluss auf das Weltgeschehen, aber man kann versuchen, sich darin richtig zu verhalten, ob es nun einen Effekt hat oder nicht. Wir haben also einen Antikörpertest machen lassen, Blutabnahme in unserer Landarztpraxis. Die Ärztin war nicht da, hatte selbst gerade Corona. Die Sprechstundenhilfen wussten nicht, was ein Antikörpertest ist, ob sie den machen dürfen, ob die Kasse das zahlt, haben uns aber letztlich doch Blut abgenommen und es eingeschickt. Nach einer Woche hatten wir das Ergebnis: Ich hatte Antikörper in ausreichendem Maß, T. nicht. Komisch – er war ja richtig krank, ich nicht! Einen Monat später hat er den Test wiederholen lassen, diesmal war auch sein Antikörperspiegel zufriedenstellend.

Ok, jetzt waren wir sicher, vor weiterer Ansteckung und davor, selbst anstecken zu können. − Nein, eben nicht! Inzwischen war die Impfkampagne angelaufen; die Impfungen wurden zunächst wie Hostien angeboten, immer schön anstellen und warten, bis man an der Reihe ist; die Alten zuerst! Jetzt waren es nicht mehr die Genesenen, die sich auf der sicheren Seite  fühlen durften, sondern die Geimpften. Die Genesenen wurden sozusagen Geimpfte zweiter Klasse, eben selbstgeimpft!

Von da an mehrten sich die Stimmen, es sei unklar, ob wir nicht doch anstecken können und wie lange der Immunschutz überhaupt anhält. In der Zeit hab ich noch versucht, mich durch links und Quellen durchzuarbeiten, und mitbekommen, dass die ersten Erkrankten aus Heinsberg immer noch eine beachtliche Menge an Antikörpern hatten. Aber sicher ist sicher, „Besser nochmal überimpfen!“, meinte die Ärztin, die bei mir die Erkrankung festgestellt hatte. Überimpfen?, das fand ich nun doch etwas lässig. Wenn nur etwas an den Gräuel-Berichten und –Vermutungen der ImpfgegnerInnen dran war – und die nahmen ja täglich zu – dann war das nicht ein Pieks, sondern eine schwerwiegende Entscheidung.

Auf die politische Seite und auf die fatalen gesellschaftlichen und persönlichen Folgen der auflodernden Konflikte darauf will ich mich hier nicht einlassen. Nur so viel: Natürlich gab und gibt es Verschwörungen, nur wissen wir leider nicht, welche welche sind. Das ist wie mit dem Drachen, den der Gelehrte Anastasius Kircher (im Buch „Tyll“ von Daniel Kehlmann) sucht: Die hervorstechende Eigenschaft des Drachen ist, dass er sich unsichtbar machen kann. Wenn man ihn findet, ihn also sieht, kann er kein Drache sein! Wenn die Verschwörung − sagen wir mal, wie bei „Dieselgate“ − auffliegt, ist sie keine mehr, sondern das bedauerliche Fehlverhalten Einzelner. Also lassen wir das.

Ich bin keine prinzipielle Impfgegnerin; vor unserer Südamerikareise habe ich mich gegen alles Mögliche impfen lassen, zum Teil, weil ich es musste, zum Teil, weil ich es selbst für angebracht hielt. Ich halte meinen Körper nicht für sakrosankt, der musste schon einiges aushalten. Der Dauer-Medikamentierung bin ich allerdings immer aus dem Weg gegangen. Lieber einen beherzten, begrenzten Eingriff, und dann ist gut. Was die Medikamente so anrichten, ist mir zu undurchsichtig. Ist die Impfung eher ein beherzter, begrenzter Eingriff oder eine Dauer-Medikamentierung? Ich wurde jedenfalls anfällig für düstere Prophezeiungen und, ja, auch für Misstrauen gegenüber den erst hochgehypten, dann wie Sauerbier angebotenen Impfstoffen.

Nun musste ich auch um meinen Status als Genesene kämpfen. Erst argumentativ in meiner Umgebung, dann auch öffentlich-rechtlich. Im Juni hatten wir nochmals einen Antikörpertest machen lassen, diesmal als präziseren Neutralisationstest und jetzt auf eigene Kosten, denn die Praxen hatten inzwischen gelernt, dass das eine unnötige, also nicht von den Kassen zu tragende Maßnahme ist. Das Ergebnis: ich hatte einen hervorragenden Schutz gegen SARS Covid-2, T. leider und erstaunlicherweise gar nicht.

Die Genesenen-Definition war in der Zwischenzeit rechtlich so festgezurrt, dass nur Menschen mit einem positiven PCR-Test als immun angesehen werden durften, keine Verlängerung möglich. Danach Rückstufung in den Status der Ungeimpften, Ungeschützten, Ansteckenden, mit einem Wort: zu Bekehrenden!  Das kann doch nicht sein, dachte ich mir. Die Impfung macht doch auch nichts anderes als den Antikörperspiegel hochzubringen! Was sollte sie denn bei mir überhaupt bewirken? Es musste Millionen Menschen in der gleichen Lage geben; wo sind sie?

Ich fing an, im Netz zu wühlen, und fand die Anfrage eines Arztes an die Bundesregierung, die diese offensichtliche Benachteiligung der unerkannt Infizierten, aber nachweislich Immunen kritisierte und Änderung der Genesenen-Definition forderte. Das RKI fühlte sich angesprochen und antwortete ausladend, mit zwei Seiten Quellenverweisen, die niemand nachvollziehen kann. Zum Schluss der Ausführung räumt das amtliche Institut allerdings ein:
Die spezifischen SARS-CoV-2-Antikörpernachweise, die in einem Labor erfolgen, welches akkreditiert ist und/oder nach RiLiBÄK arbeitet, sind mittlerweile so zuverlässig, dass sie nunmehr prinzipiell geeignet sind, einen Zustand nach SARS-CoV-2-Infektion nachzuweisen.“
 − Aha! Wenn die das sogar sagen! Aber es geht weiter:
 „Unbeschadet dieser Tatsache kann die formale Definition einer gesicherten Infektion derzeit nicht ohne Weiteres geändert werden, da dies aufgrund der momentan gültigen Rechtsverordnung zu Nachteilen bei bestimmten Personen hinsichtlich ihres Status als Genesene oder vollständig Geimpfte führen würde.“

Was für bestimmte Personen und was für Nachteile im Vergleich zu den Millionen, denen ihre Rechte als Genesene vorenthalten werden? Das fragte auch der anonyme Frager zurück. Ich habe durch einen eigenen Eintrag Kontakt zu ihm gesucht, so immerhin seinen Namen erfahren und konnte mich im Netz nach ihm umsehen. Ich fand ein Youtube-Video, auf dem er während einer Kundgebung spricht, und zwar über den alarmierenden Zusammenhang zwischen dem 5-G-Netz und der Corona-Ausbreitung. Hm, ach so, so einer… Da haben wir ihn wieder, den Drachen, der ganz offensichtlich da ist, weil man ihn ja nicht sieht! Fragwürdige Freunde findet man überall, aber wo sind die, mit denen man sich ohne Reue verbünden kann?

Ich blieb dabei, dass mir Unrecht geschieht, wenn ich nicht als genesen anerkannt werde, hatte dabei aber immer auch ein kleines Unwohlsein, dass ich um Privilegien kämpfe, bzw. darum kämpfe, in die Gruppe der Privilegierten aufgenommen zu werden. Was ist mit den anderen, die, aus welchen Gründen auch immer, sich der Impfung nicht anvertrauen wollen? Bin ich da unsolidarisch? Kein Raum für solche Erwägungen, denn der Solidaritätsbegriff ist schon besetzt: solidarisch ist, wer sich impfen lässt, weil er sonst die anderen gefährdet. Ob das überhaupt stimmt, dazu komme ich noch.

Ein Argument, das mir von ImpfbefürworterInnen oft entgegen gehalten wurde, war, dass es ja fragwürdig sei, ob meine Antikörper auch mit der neuen, der Delta-Variante zurecht kämen. Also nochmal testen. Das Berliner Labor bietet keine spezifischen Neutralisationstests für die Delta-Variante an. Wir müssen woanders suchen. In Leipzig werden wir fündig. Die Firma Adversis Pharma bietet das Produkt „aproof“ an, mit dem wir alles testen lassen können und dann genauestens im Bilde sind. Und hier endet die Vorgeschichte, und die eigentliche Geschichte fängt an.

Wir sind in der letzten Augustwoche in Leipzig und machen uns auf den Weg in die Bio City Leipzig, ein dunkelroter moderne Gebäudekomplex in der Nähe der alten Messe. Der Plan bei seiner Errichtung: Wissenschaft und Wirtschaft unter einem Dach zu vereinen. Hier soll die Firma Adversis zu finden sein und das Produkt Aproof für uns bereit liegen. Auch von innen ein beeindruckendes, aber irgendwie leer wirkendes Gebäude. Eine riesige, repräsentativ gemeinte Eingangshalle, mit begrüntem Lichthof usw.

In einem Seitenflügel finden wir den Raum, in dem wir zur Abgabe unserer Blutprobe verabredet sind. Ein Plakat rechts neben der Tür weist es als „Testzentrum“ aus; auf dem Türschild links steht allerdings „Pathonext – Bioinformatik, Dr. Pablo Santos und Bernd Schulz.“ Hinter der Tür erwartet uns eine junge Frau im weißen Kittel mit einem Namensschildchen „Ulrike Jahnke, wissenschaftliche Mitarbeiterin“. Kurzes blondes Haar; über dem Mundschutz sind die blauen Augen erwartungsvoll auf uns gerichtet. Ja, wir sind die angekündigten Kunden des Testzentrums. Es besteht aus drei Schreibtischen, die bis auf die darauf stehenden, offenbar gar nicht angeschlossenen Bildschirme völlig kahl sind, so wie gerade hineingestellt. Wir nehmen an dem Besuchertischchen Platz, auf dem zwei Testkits für uns bereit liegen. Aber zunächst die Formulare ausfüllen. Es gibt auch ein Formular zu Bestätigung unserer Identität, damit wir uns mit dem Ergebnis des Tests gegebenenfalls ausweisen können. Frau Jahnke weiß, dass das gegenwärtig überhaupt nicht möglich ist. „Aber vielleicht ändert sich ja demnächst was daran“, meint sie.

Wir haben zwei verschiedene Tests; T. hat sich inzwischen einmal impfen lassen, damit rutscht er in die Kategorie der Geimpften. Nun wollen wir unsere Antikörperspiegel vergleichen, unsere ganz private Teststrecke sozusagen. Frau Jahnke packt die Utensilien aus, eine Art winziges Stempelchen, das es uns erleichtern soll, uns selbst in den Finger zu stechen; das darf Frau Jahnke nämlich nicht, denn sie ist keine Ärztin oder Krankenschwester, sondern eben die „wissenschaftliche Mitarbeiterin“, bei was auch immer.

Im ersten Formular, das wir ausgefüllt haben, konnten wir auch angeben, ob die Firma Adversis mit unserer Blutprobe noch weitere Untersuchungen machen darf. Ich frage nach, was das denn für Untersuchungen sind. Ja, man arbeite auch noch an anderen Testverfahren, z.B. zur Krebsdiagnose, aber auch für Wellness-Untersuchungen, wenn Leute Auskunft über ihren allgemeinen Gesundheitszustand haben wollen. Ich werde etwas misstrauisch und vorsichtshalber kreuze ich Nein an. Frau Jahnke nimmt das unkommentiert zur Kenntnis, wird aber mir gegenüber etwas schmallippig; T. hats großzügig erlaubt, und so wird von mir ein Blutklecks aufgenommen und von ihm mehrere.

Die insgesamt 120 Euro, nein 118 Euro, zahlen wir bar. Ein junger Mann in Jeans und Turnschuhen kommt aus dem dritten Stock, um das Geld im Empfang zu nehmen, vermutlich der „Junior Business Development Manager“, Dominik Lindner, der uns zuvor per Email an den Termin erinnert hatte. Ärgerlich, dass er die zwei Euro Wechselgeld nicht in der Tasche hat, da muss er den Weg nochmal machen und wird etwas mürrisch.

Das Ergebnis der kostspieligen Untersuchung sollten wir drei Tage später als pdf per Internet abrufen können. Damit war der Besuch beendet.

Wir sitzen zwischen den Grünpflanzen in der Empfangshalle und fragen uns, was war das denn gerade? In was für eine Briefkastenfirma sind wir da geraten?
Briefkästen, ja, da hängen sie alle untereinander: „Biophysical Tools“, „Isodetect GmbH“, „VL-Diagnostics GmbH“,  dazwischen der Briefkasten eines Honorarkonsulats von Peru, und ganz oben das Fach, das sich Adversis mit acht anderen Bio-Firmen teilt, unter anderem auch Pathonext und die Gabert Industriebeteiligungen GmbH. Der Herr Prof. Jörg Gabert scheint ein umtriebiger Mensch zu sein; er ist Geschäftsführer bei Adversis, bei  Pathonext, bei Genolytic GmbH, natürlich bei den Gabert Industriebeteiligungen. Und sieh an: Er ist auch der Honorarkonsul für Peru.

Der Pförtner, den wir in seiner großen Glasvitrine beim Ankommen gar nicht gesehen hatten, weiß Bescheid. „Die haben ständig neue Firmen da oben, Man blickt gar nicht mehr durch.“

Was forschen die alle? Was untersuchen, entwickeln und verkaufen die? Uns kommt ein böser Verdacht: Die Blutproben von all den ängstlichen und eigensinnigen Menschen wie zum Beispiel uns, die ihren Impf- oder Antikörperstatus bestätigt sehen möchten, sind für diese Biotech-Unternehmen natürlich Gold wert! Wie kämen sie sonst in so großer Zahl an Untersuchungsmaterial, schön mit allen persönlichen Angaben versehen, die für eine Clusterbildung notwendig sind? Noch dazu müssen sie diese Blutproben nicht bezahlen, sondern verdienen auch noch daran! Schön blöd sind wir, voll reingelatscht! Mit hängenden Ohren schieben wir unsere Räder vom Hof.

Drei Tage später schickt uns die Firma zwei pdfs mit unseren Testergebnissen: „NEGATIV“ steht bei mir lapidar unter der Kategorie Antikörper. Keine IgG-Antikörper nachweisbar. Was soll das denn heißen?! Vor zwei Monaten hatte ich noch Antikörper in der höchsten Dosierungsklasse, und jetzt keine? Da habe ich aber Fragen. Der Ergebnis wurde von Ulrike Jahnke validiert – die kennen wir ja schon – und von einem Dr. Lipp freigegeben. Diese Dr. Lipp stünde auch für weitere Erklärungen zur Verfügung. Ja, die möchte ich bitte haben!

Ich rufe also unter der angegebenen Nummer an.
Nein, Dr. Lipp ist nicht zu sprechen.
Ja, wann denn?
Das ist nicht so einfach, da soll ich erst eine Email mit meinen Fragen schicken.
Aber die Nummer ist hier doch für Rückfragen angegeben!
Nein, den Dr. Lipp können Sie nicht so einfach sprechen, ich kann Sie aber mit unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterin verbinden.
Nein danke, ich will jetzt den Arzt, hab schließlich fast fünfzig Euro für das Wörtchen NEGATIV bezahlt.

Wer ist das überhaupt, dieser Dr. Lipp. Ich google wieder. Auch so ein Umtriebiger; nicht weniger als 19 Ämter hat er auf sein Haupt gehäuft, wie auf seiner Web-Seite steht, unter anderem als 2. Vorsitzender der Richard-Wagner-Gesellschaft. Nun, mit diesem Mann zu telefonieren, ist ja eine Auszeichnung und schon die Hälfte der ausgegebenen fast 50 Euro wert. Aber es gelingt mir nicht.

Ich schreibe eine Mail an seine Praxis, in Kopie an die Adversis-Firma und bitte um die mir versprochene Erläuterung des Befundes durch den zuständigen Arzt. Meinen Befund aus dem Juni, der den hohen Antikörperspiegel bescheinigt, hänge ich an. Der Arzt reagiert nicht, aber nun meldet sich der Junior Business Development Manager, Dominik Lindner, und entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten. Das reicht mir nicht, ich will jetzt die Rücksprache. Eine Woche später schreibe ich einen zweiten Brief an den Junior, beschwere mich über die nicht eingehaltene Zusage und will mein Geld zurück. Ich bekomme eine automatische Antwort: Dominik Lindner sei nicht mehr für die Adversis Pharma tätig; ich möge mich bitte an seine Kollegen wenden. Da mache ich, noch einen Versuch. Wer antwortet? Ulrike Jahnke! Sie weiß auch nicht, warum der Arzt nicht reagiert, bietet mir aber noch einmal als wissenschaftliche Mitarbeiterin eine Erklärung der Diskrepanz zwischen den beiden Testergebnissen an. „In seltenen Fällen werden nach einer Infektion keine Antikörper gegen das N-Protein, sondern nur gegen das S-Protein gebildet. Dies scheint bei Ihnen der Fall zu sein, da der Neutralisationstest auf das S-Protein abzielt“, schreibt sie, um dann unbeirrt wieder ihr Produkt anzubieten: „Somit könnten Sie Ihren weiteren Immunstatus mit unserem AProof® Corona Impfstatus Test überprüfen lassen.“ Na, verbindlichen Dank! Jetzt reicht‘s mit AProof!

Nun ist aber weiter die Frage ungeklärt, habe ich einen Körper-eigenen Immunschutz, ja oder nein? Das Labor von Adversis sagt Nein, das Berliner IMD-Labor hatte Ja gesagt. Muss ich mich nun impfen lassen? Soll ich mich nun impfen lassen? Kann ich anstecken? Kann ich angesteckt werden? Seufz!

Die Lawinen-artigen Ergüsse von Studien und Expertisen überfordern mich schon lange. Aber eine Mitteilung hat sich in meinen Gedanken verhakt und beleuchtet die Frage neu. Aus seriöser Quelle und soweit ich weiß, von niemandem mehr bestritten, stammt die Erkenntnis, dass Geimpfte das Virus ebenso weitertragen können wie Ungeimpfte, wohl nicht die gleiche Virenlast und auch nicht so lange wie Ungeimpfte, wenn sie denn erkranken. Das heißt aber für mich, dass Impfen kein Gebot der Solidarität mehr ist, denn anstecken können alle, die in den Einzugsbereich von Viren kommen, und diese weitertragen, wenn auch nur über kurze Strecken. Da kommt mir doch die Separierung von Geimpften und Ungeimpften, bei denen die Geimpften alle Vorsicht fallen lassen dürfen, wie der nackte Wahnsinn vor. Es wären danach die Geimpften, die die Ungeimpften anstecken, ihnen das Virus zutragen, ohne selbst davon noch groß behelligt zu werden. Hah, selbst schuld! Ich seh‘ schon die aasige Schadenfreude bei den Geimpften, die fröhlich spreaden, weil‘s ihnen ja nichts anhaben kann!

Ja, dann lass dich doch einfach auch impfen! Ja, vielleicht, mal sehen. Wenn ich nicht so bedrängt würde, könnte ich es eher. Erst nochmal den Antikörperspiegel testen lassen.

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https://blogs.taz.de/jottwehdeh/2021/09/14/soll-ich-mich-impfen-lassen-oder-nicht/

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