vonGerhard Dilger 24.05.2026

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Es ist nun schon ein paar Wochen her, dass der Papst in Kamerun über unsere „masters of war“ hergezogen ist:

The “masters of war” pretend not to acknowledge that “it only takes a moment to destroy, yet often a lifetime is not enough to rebuild.” The Pope lamented how those in power turn a blind eye to the billions of dollars spent on killing and devastation, “yet the resources needed for healing, education and restoration are nowhere to be found.”

In den USA, aber auch etwa in Italien hat man das gleich vielfach als Dylan-Zitat erkannt, und es stimmt ja: Der Klassiker ist heute noch aktueller als 1962.

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Nichts geändert hat sich auch im mehr oder weniger christlichen Westen an der Gewissheit, natürlich auf der richtigen, ja auf Gottes Seite zu stehen:

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In den Worten des Dylanologen Rüdiger Dannemann:

Wie wir bereits gesehen haben, hat sich Dylan – anders als Bono oder früher Bruce Springsteen (Namen aus dem deutschsprachigen Raum wären leicht zu ergänzen) – mit den Mächtigen unserer westlichen Welt (fast) nie gemein gemacht. Er ist, wie auch seine Songauswahl zeigt, eine sehr amerikanische Person, aber zu unserem Glück noch immer die des »anderen« Amerika, von dem Greil Marcus und Sean Wilentz berichtet haben. Der Autor von »Masters of War« ist und bleibt weder ein Freund des vorigen noch des jetzigen Präsidenten. Nachdenkend über das Amerika der Kriege gegen Japan, Vietnam und den zweiten Irak-Krieg verweist er auf Robert McNamara, der in dem Dokumentarfilm »The Fog of War« über die traurige, Hunderttausende Menschenleben vernichtende Rolle spricht, die der amerikanische General Curtis LeMay und er, US-Verteidigungsminister von 1961 bis 1968 und Präsident der Weltbank von 1968 bis 1981, im Zweiten Weltkrieg bei der Bombardierung von 67 japanischen Städten und dem anschließenden Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki gespielt hätten. Der Autor konstatiert unmissverständlich und ganz im Sinne einer internationalen ­Justiz, die alle Verbrechen gegen die Menschenrechte verfolgen sollte: »Wenn wir den Krieg verloren hätten, wären wir als Kriegsverbrecher an­geklagt worden.«

Dylans Sympathie mit den Outlaws ist aber keineswegs naiv, er betont den Unterschied zwischen Outlaws und Verbrechern: »Verbrecher können Dienstmarken tragen, Armee­uniformen oder  sogar im Repräsentanten­haus sitzen. Sie können Milliardäre sein, Heuschrecken oder Analysten an der Börse.«

Dylan, der sich seit langer Zeit skeptisch gegenüber seinem alten Genre des Protestsongs äußert, bleibt dennoch in der Substanz der Linie seines 1964-Klassikers »With God on Our Side« treu, wenn er schreibt: »Als Volk neigen wir dazu, sehr stolz auf uns und unsere Demokratie zu sein. Wir stellen uns in eine Kabine, geben unsere Stimme ab und heften uns ›Voted‹-Aufkleber wie Ehrenabzeichen an. Aber die Wahrheit ist komplexer. Nach Verlassen der Kabine haben wir genauso viel Verantwortung wie beim Betreten. Wenn die Leute, die wir wählen, andere in den Tod oder Schlimmeres schicken – Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel, an die wir keinen Gedanken verschwenden, weil sie nicht so aussehen und nicht klingen wie wir –, und wir nichts tun, um es zu verhindern, sind wir dann nicht ebenso schuldig? Wenn wir ­einen Kriegsverbrecher sehen wollen, müssen wir nur in den Spiegel schauen.« Hier artikuliert sich eine Definition von patriotischem Stolz, die nichts mit dem Maga-Chauvinismus gemein hat.

Rüdiger Danne­mann: I Shall Be Free No. 10. Bob Dylans Songphilosophie. Bertz und Fischer, Berlin 2026, 136 Seiten, 14 Euro

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