vonericbonse 02.05.2026

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

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Es war der erste EU-Gipfel ohne Orban.  „Endlich ein Treffen ohne Russland“, jubelte Polens Regierungschef Tusk beim Spitzentreffen auf Zypern.

Thema Nummer eins war die Ukraine. Präsident Selenskyj war extra angereist, um den “historischen” Kriegskredit für sein Land zu feiern und einen schnellen EU-Beitritt zu fordern.

Weitere Themen waren die Beistandsklausel im EU-Vertrag und das künftige Mehrjahresbudget. Entscheidungen wurden keine getroffen. Wohin die Reise geht, haben die EU-Chefs nicht verraten – sie wissen es wohl selbst nicht.

Nur ein Ziel haben sie klar vor Augen: die Ukraine für mindestens zwei weitere Jahre gegen Russland zu rüsten – und sich auf einen großen Krieg in EUropa vorzubereiten, der wenn nötig auch ohne die USA geführt werden soll.

Eine besonders prominente – und problematische – Rolle übernimmt dabei Deutschland. Das größte EU-Land will nicht nur die größte konventionelle Armee Europas haben, womit es in Konkurrenz zu Polen und Frankreich tritt.

Russland als Feind

Verteidigungsminister Pistorius hat nun auch Russland ganz offiziell um Feind erklärt – so steht es in seiner neuen Militärdoktrin. Russland müsse abgeschreckt, die Ukraine zum Bollwerk ausgebaut werden.

Jetzt ist es “unser” Krieg” – so die bittere Botschaft aus Berlin und Brüssel bzw. Nikosia. Allerdings müssen “wir” nicht kämpfen – dafür schicken wir die Ukraine vor.

Bis auf Weiteres bleibt es also ein Stellvertreterkrieg – allerdings nicht mehr im Namen der USA (die sind weitgehend raus), sondern Deutschland und EU gegen Russland…

P.S. Mein Krieg ist es nicht, viele Deutsche dürften ähnlich denken. Doch sie werden nicht gefragt…

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