vonHans Braumüller 26.09.2026

Meta + Post

Meta + Post ist ein Blog des Künstlers Hans Braumüller über Mail Art und die Kunst des Lebens.

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Der Kunstverein Buchholz/Nordheide zeigt vom 27. September bis 25. Oktober 2026 „Dialog mit der Kunst. Einblicke in die Sammlung Ulla und Heinz Lohmann“. Mit dabei sind ein Sonderbriefkasten für Mail Art, ein Briefmarkenbogen aus dem Netzwerkprojekt OPERATION MANKIND und zur Finissage ein Kunst-Talk über Mail Art und Konzeptkunst.

Ausstellungsraum mit weißen Wänden und grauem Fliesenboden. An einer Stellwand hängen eine ausgeschnittene Figur mit roten Stiefeln und das Plakatbild „Die Leute von heute“, davor stehen kleine Betonhäuser auf dem Boden, rechts weitere Bilder.
Blick in die Ausstellung „Dialog mit der Kunst“ im Kunstverein Buchholz/Nordheide.

„Kunst ist nicht dekoratives Beiwerk. Kunst ist das Zentrum.“ So beginnen Ulla und Heinz Lohmann ihren Text im neuen Katalog ihrer Stiftung. Seit mehr als fünfzig Jahren ist experimentelle Gegenwartskunst die Leidenschaft des Hamburger Sammlerpaares. Sie ist für beide persönliches Arbeitsmaterial und Katalysator zum Verständnis unserer Zeit. Gesellschaftlicher, kultureller, politischer, technischer und interkultureller Wandel beschäftigt die beiden im Arbeitsleben ebenso wie in der Kunst.

Jetzt würdigt der Kunstverein Buchholz/Nordheide diese lebenslange Auseinandersetzung mit der Ausstellung „Dialog mit der Kunst. Einblicke in die Sammlung Ulla und Heinz Lohmann“. Ausgewählte Arbeiten werden ergänzt durch ein Rahmenprogramm mit Kunstexpertinnen und -experten, Künstlerinnen und Künstlern sowie persönlichen Führungen der Sammler.

Sammeln als Dialog

Die Sammlung umfasst heute rund 1.000 Werke, darunter Malerei, Skulpturen, Objekte, Arbeiten auf Papier, Fotografie, Video- und Computerkunst und nicht zuletzt Mail Art. Seit 1994 betreiben Ulla und Heinz Lohmann in Hamburg den nichtkommerziellen Ausstellungsraum C15, in dem Künstlerinnen und Künstler der Sammlung ihre neuesten Arbeiten zeigen.

Die beiden besuchen Ateliers, diskutieren, schreiben Katalogtexte, eröffnen Ausstellungen und geben Bücher heraus. In ihrem Kunstsalon bringen sie Menschen ins Gespräch, die sonst nicht ohne Weiteres zusammenkommen würden. Die Idee dahinter heißt „mal Undenkbares Denken“, so wie auch ihr Buch mit Texten zur Kunst aus den letzten 25 Jahren.

Ein Gesicht auf dem Scanner

Ausstellungsraum mit hellen Wänden. Links hängt ein großformatiges, gescanntes Gesicht in Brauntönen mit weißem Haar, rechts eine rote Rose im Stil eines Computerfensters mit der Titelzeile „Is a rose a rose?“, dazwischen weitere Arbeiten.
Links im Bild Claudia Liekams großformatiges Porträt von Ulla Lohmann.

Ein Blickfang der Ausstellung ist ein Porträt der Sammlerin selbst. Es stammt von der Hamburger Medienkünstlerin Claudia Liekam und gehört zu ihren „Faces“ aus der Serie „Humanscans“. Seit 1993 arbeitet Liekam in Hamburg als Multimedia-Künstlerin. Mit Computer, Scanner und Videokamera macht sie den menschlichen Körper zu ihrem Thema. Wie der Serientitel verrät, entstehen die Bilder mit dem Scanner. Das Gesicht wird aus nächster Nähe abgetastet und wirkt zugleich vertraut und fremd. Maschine trifft Sinnlichkeit, ein passendes Bild für eine Sammlung, die den technischen Wandel immer mitdenkt.

Die Stiftung und „Kunst macht Mut“

Titelseite des Katalogs „Kunst macht Mut“ der Ulla und Heinz Lohmann Stiftung mit einem dunklen, gemalten Motiv mit schwebenden bunten Rauten in Rosa, Orange, Gelb und Blau.
„Kunst macht Mut“, die Veröffentlichung der Ulla und Heinz Lohmann Stiftung zur Ausstellung.

Zur Ausstellung erscheint eine Veröffentlichung der ULLA UND HEINZ LOHMANN STIFTUNG für experimentelle Gegenwartskunst. Die Sammler haben sie 2024 als Treuhandstiftung der Haspa Hamburg Stiftung gegründet, um ihre jahrzehntelange Arbeit mit Künstlerinnen und Künstlern auf eine stabile Grundlage zu stellen und für die Zukunft zu sichern. Die Stiftung setzt den Dialog mit der Kunst fort. Sie fördert Ausstellungen, Projekte und Veröffentlichungen und vergibt jährlich einen Kunstpreis. Dem Vorstand gehören neben dem Stifterehepaar die Juristin Ines Kehrein, der Künstler Peter Nikolaus Heikenwälder und Marcus Buschka als Vertreter der Haspa Hamburg Stiftung an.

Warum das gerade jetzt wichtig ist, begründen die Stifter selbst. Kunst rege den Diskurs an, stelle Gewissheiten infrage und könne zu neuen Erkenntnissen verhelfen. Das sei immer schon bedeutsam gewesen und heute „vielleicht von besonderem Gewicht“.

„Sie erlaubt, eigentlich Undenkbares zu denken, sie kann erstarrte Formen aufbrechen, neue Räume eröffnen und schließlich Mut machen.“

Ulla und Heinz Lohmann über die Kunst

OPERATION MANKIND in der Sammlung

Weiße Wand mit vier Arbeiten, links ein gerahmter Bogen voller kleiner Künstlerbriefmarken mit einer Weltkarte in der Mitte, rechts oben ein Comic-Druck mit einem Roboter und einem Porträt, rechts unten zwei bunt gestaltete Mail-Art-Umschläge.
Links der Briefmarkenbogen des internationalen Mail-Art-Projekts OPERATION MANKIND, rechts oben ein Comic von Carmen Oberst mit dem Roboter NAO und Heinz Lohmann (2017), darunter Mail Art aus der Sammlung.

Mail Art hat in der Sammlung Lohmann ihren festen Platz. So hängt in Buchholz auch der Briefmarkenbogen des internationalen Mail-Art-Projekts OPERATION MANKIND von Hans Braumüller. Nach dem Mail-Art-Prinzip „Add & Return“ (ergänzen, verändern, zurückschicken) haben sich 67 Künstlerinnen und Künstler aus 21 Ländern beteiligt. Gezeigt wurde das Projekt im Kunstkabinett des LBK Hamburg, das Heinz Lohmann als Vorstand des damaligen Hamburger Krankenhausunternehmens mitbegründet hatte.

Als Dokumentation entstand ein Bogen mit Künstlerbriefmarken (Vierfarbdruck, 49 × 60 cm, signiert). Die Beiträge aus aller Welt stehen darauf dicht an dicht wie Briefmarken, ein Netzwerk im Kleinformat. Online sind sie unter mankind.crosses.net dokumentiert.

Mail Art zum Mitmachen im Sonderbriefkasten

Gelber DHL-Karton als „Sonderbriefkasten“ mit aufgeklebter Anleitung. Postkarte aus dem Ständer nehmen, Adresse eintragen, einwerfen, und nach der Ausstellung kommt ein Original-Kunstwerk von Jürgen O. Olbrich per Post.
Der Sonderbriefkasten im Ausstellungsraum. Postkarte adressieren, einwerfen, fertig.

Mail Art lebt vom Mitmachen, und das ist in Buchholz ausdrücklich erwünscht. Während der gesamten Laufzeit können Besucherinnen und Besucher Teil einer Kunstaktion von Jürgen O. Olbrich werden. Der Kasseler Künstler ist einer der führenden Vertreter der visuellen Poesie und der internationalen Copy- und Mail-Art-Szene. Zu seinem 70. Geburtstag erschien hier im Blog ein eigener Beitrag.

So geht’s. Man nimmt eine Postkarte aus dem Ständer, trägt eine Adresse nach Wahl ein und wirft die Karte in den „Sonderbriefkasten“ im Ausstellungsraum. Olbrich bearbeitet jede Karte individuell und gibt sie mit einer Sonderbriefmarke auf den Postweg. Nach dem Ende der Ausstellung hält die Empfängerin oder der Empfänger ein Originalkunstwerk in der Hand, als Erinnerung an die Ausstellung und als Anregung für den eigenen Dialog mit der Kunst.

Termine

Alle Veranstaltungen finden im Kunstverein Buchholz/Nordheide, Kirchenstraße 6, statt.

  • Vernissage am Sonntag, 27. September, um 11 Uhr
  • Midissage am Sonntag, 11. Oktober, um 11 Uhr mit dem Künstlerinnenfilm „Pabaltis“ von Maria und Natalia Petschatnikov, Heinz Lohmann im Gespräch mit den Künstlerinnen, „Inszenierung des Augenblicks“ mit Carmen Oberst
  • Vortrag am Sonntag, 18. Oktober, um 11 Uhr. Der Kunsthistoriker Dr. Sven Nommensen, Vorsitzender des Kunstvereins Buchholz, spricht über „Kunst und Gesellschaft“
  • Finissage am Sonntag, 25. Oktober, um 11 Uhr mit dem Mail-Art-Projekt von Jürgen O. Olbrich und einem Kunst-Talk zu Mail Art und Konzeptkunst mit Jürgen O. Olbrich, falk.brvt (falk von traubenberg) und Hans Braumüller, moderiert von Heinz Lohmann

Nach der Eröffnung und nach den weiteren Veranstaltungen führen die Sammler jeweils um 12:30 Uhr durch die Ausstellung. Geöffnet ist donnerstags und freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr.

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