vonEdmond Jäger 26.04.2022

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Am Dienstagmorgen soll ein Radiomast im transnistrischen Maiak durch zwei Explosionen zerstört worden sein, die sich um 6 Uhr 40 und 7 Uhr 5 Ortszeit ereignet haben sollen. Dies teilte das Innenministerium des von Moldau abtrünnigen Transnistrien auf Telegram mit, wie die moldauische Zeitung Ziarul de Garda berichtet . Weitere Informationen teilten die Machthaber in der Hauptstadt der abtrünnigen Region Tiraspol bisher nicht mit.
Dies ist nicht der erste angebliche Anschlag diese Woche. Bereits am Montag hatten Explosionen das Territorium der Separatisten-Region Transnistrien erschüttert. Nach Angaben der Polizei in Tiraspol sei am Montag das Gebäude des Ministeriums für öffentliche Sicherheit mit mobilen Granatwerfern angegriffen worden. Da nach dem orthodoxen Kalender Ostermontag und damit ein arbeitsfreier Tag war, sei das Gebäude leer gewesen und niemand sei verletzt worden.
Die Ukraine beschuldigt Russland hinter den Angriffen zu stecken. Der ukrainische Geheimdienst hatte ein Dokument veröffentlicht, das dies belegen soll. Das Dokument soll vom Freitag vergangener Woche stammen und eine Anweisung der Tiraspoler Behörden sein, sich auf einen bevorstehenden Notfall am später angeblich angegriffenen Gebäude einzustellen und konkrete Schutzmaßnahmen zu treffen. Damit hätten die Behörden also vom demzufolge gestellten Anschlag gewusst.

Russland ruft „Haltet den Dieb“

In Russland wiederum machen kremlnahe Stimmen nun Rumänien und die NATO verantwortlich. Auf der Homepage der russischen Zeitung Pravda gab sich der russische Politologe Sergei Markov überzeugt, dass Rumäniens Einmarsch in der Republik Moldau und in Transnistrien bevorstehe. Er gehe davon aus, dass Sympathisanten Russlands in dem Land dann in Gefahr seien. Markov ist Ko-vorsitzender kremlnaher Institutionen der Geschichtspolitik und Außenpolitik. Der ehemalige Verteidigungsminister der abtrünnigen ukrainischen Region, Donezker Volksrepublik, Igor Strelkov wird in dem Beitrag von Pravda.ru gleichlautend zitiert. Nach seinen, nicht näher benannten, Quellen bereite sich Rumänien auf einen Einmarsch in dem Land vor. Strelkov ist nach Recherchen von Bellingcat Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Bei beiden Personen ist es kaum vorstellbar, dass sie solche Warnungen ohne Absprache mit dem Kreml äußern würden, beide sind fest eingebunden in das Putin-Regime. Dass Rumänien in der Republik Moldau einmarschieren wollen würde, ist ein immer wiederkehrender Topos prorussischer Parteien in der Republik Moldau. Doch bis auf die rechtsextreme Partei AUR, hat sich keine rumänische Partei oder ernstzunehmende politische Persönlichkeit in Bukarest einen Anschluss Moldaus an Rumänien auf ihre Fahnen geschrieben. Von einer gewaltsamen Annexion ganz zu schweigen.

Hybrider Krieg als Vorbereitung einer Invasion?

Wenn man bedenkt, welche möglichen Folgen die Angriffe zeitigen werden und wie diese in Russland bewertet werden, ist die plausibelste Erklärung, dass es sich um hybride Kriegsführung des Kreml handelt. Das Ziel dürfte die Vorbereitung der Angliederung Transnistriens an eine russisch besetzte Zone im Süden der Ukraine sein. Das Kriegsgeschehen hat sich seit dem Rückzug der russischen Truppen aus der nördlichen Ukraine nicht nur in den Osten, sondern auch in den Süden des Landes verlagert. Dass Russland eine zusammenhängende Besatzung des Südens des Landes anstreben könnte, hatten auch Äußerungen des russischen Generalmajors Rustam Minnekayev am vergangenen Freitag verraten. In Moldau nimmt man diese Bedrohung sehr ernst. Das moldauische Außenministerium hatte nach den Äußerungen des Generals den russischen Botschafter einbestellt. Heute Nachmittag trifft sich der nationale Sicherheitsrat in Chisinau und berät das weitere Vorgehen. Doch ob sich die kleine Republik zwischen der Ukraine und Rumänien zur Wehr setzen kann, ist fraglich. Sollte Russland die gesamt Schwarzmeerregion der Ukraine kontrollieren, wird Moldaus abtrünnige Region Transnistrien kaum außen vor bleiben. Und ob die russischen Truppen am Fluss Nistru halt machen, der Transnistrien vom Rest Moldaus trennt, oder gleich das ganze Land besetzen, ist die andere Frage.

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kommentare

  • Ob es eine besetzte Zone im Süden der Ukraine geben wird halte ich persönlich noch für keineswegs sicher. Das benutzte Vokabular ist ja fast schon identisch mit den Äußerungen die im Vorfeld des völkerrechtswidrigen Angriffs auf die Ukraine der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde. Allerdings ist mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst den hartgesottensten Verehrern Putins mittlerweile klar geworden das jetzt, da die militärischen Erfolge der glorreichen russischen Armee doch eher bescheiden ausfallen, nur noch der Angriff nach vorne eine im eigenen Land bisher noch bestehende Zustimmung aufrecht erhalten kann. Lange kann das nicht mehr gutgehen, selbst auf dem Land wird man langsam merken das da etwas ganz gehörig schief läuft. Hoffentlich wird diese Erkenntnis sehr bald aufkommen .

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