vonChristian Ihle & Horst Motor 23.03.2007

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Ach ja, die Musikindustrie! Das ist wenigstens noch eine Business-Sparte, die richtige Probleme hat und sich nicht mit Kinkerlitzchen wie der Erderwärmung, der Gesundheitsreform oder dem Rauchverbot herumschlagen muss. Gestern geriet sie in Wallung, weil einer der Hauptsponsoren ihrer Idiotenpreisverleihung „Echo“ auf Eco-Betrieb schalten wollte. Dachte sich doch der freche Volkswagenkonzern, der wie die gesamte deutsche Autoindustrie dieser Tage ob der Umweltfeindlichkeit seiner Produktpalette unter Beschuss geraten war, „da setzen wir mal ein Zeichen“ und entschied sich, den VIP- und Superstarshuttleservice nicht mit diesen endcoolen, heißbegehrten und credibilityträchtigen VW Phaetons (wie? was?) zu bestücken, sondern mit dem kleinen Umweltfreund VW Polo.

Die Reaktionen der Musikmanager war laut Spiegel enthusiastisch und reichte von „Wie soll ich denn meinen Stars klarmachen, dass sie sich im Abendkleid in einen Kleinwagen reinquetschen sollen?“ bis zur wunderbar sinnlosen Feststellung, das sei mal wieder „typisch deutsch“ (eh, was? Mit kleinen Autos zu fahren? Stars zu quetschen? Phaetons nicht zu benutzen?).

Noch schöner ist aber die tatsächlich typisch deutsche Befürchtung, es sei ohnehin schon schwer genug, schillernde Stars nach Berlin zu holen (klar, ist ja auch nur einer der größten Musikmärkte der Welt) und diese würde man mit einem angedrohten VW-Polo-Transport gänzlich verschrecken. Ein Argument, das vor allem an die große Mariah Carey erinnert, die einst die Benutzung von Treppen mit dem fantastischen „I don’t do stairs“ – Satz ablehnte.
Nun ist man gespannt, ob Yusuf alias Cat Stevens am Sonntag abend wütend mit dem Fuß aufstampfen und unter Androhung, ab jetzt die Luft anzuhalten, „I don’t do Polos“ in die Berliner Nacht brüllen wird.

Mit Freuden haben wir dagegen gestern vernommen, dass Eltern in Schweden ihre Kinder nun nach Hardrock-Bands benennen dürfen. „Metallica“ ist der Name der Wahl und alleine die Vorstellung, dass Mutter Frida in wenigen Jahren „Metallica, fass nicht auf die Herdplatte!“, „Metallica, lass das liegen!“ oder „Wie heißt das Zauberwort, Metallica?“ rufen wird, erfreut doch ungemein.
Korrekterweise sei nachgetragen, dass angeblich gar nicht die napsterhassende Band um Lars Ulrich Namenspatron wäre, sondern lediglich eine Kombination aus den Vornamen der beiden Elternteile. Sollten in Zukunft auch Berufsbezeichnungen ersatzweise als gerichtstaugliche Begründung akzeptiert werden, so freuen wir uns schon auf den kleinen Judas Priest Fagerström.

Spam-Betreff des Tages: „chronically vagina“.

Christian Ihle

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