vonChristian Ihle & Horst Motor 21.01.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

Wie jedes Jahr wirft der Popblog auch heuer einen Blick in die Glaskugel und sagt, welche Bands 2008 beherrschen werden. Grundbedingung für eine Nennung in der „I Predict A Riot“ Rubrik ist dabei das Fehlen eines Debütalbums, also nur Bands, die bisher erst in der Single / Demo – Phase sind, werden als Tipps für 2008 vorgestellt.

Heute beginnen wir mit 5 Tipps, die im weitesten Sinne zum Pop zählen dürfen.

Santogold

Du findest M.I.A. schon irgendwie geil, aber auch zu grell, zu laut, zu nervig? Dann breite schön die Arme aus und umarme Santogold, die massenverträglichere Variante von M.I.A., was keineswegs ein Diss sein soll. Santogold hat eine handvoll brillanter Songs, die richtigen Freunde, ist ein Hingucker und hat Style, so dass es mehr als verwundern sollte, wenn 2008 nicht ihr Jahr werden würde.

*Anhören: L.E.S. Artistes
* Indiepedia
*MySpace

The Ting Tings

Als die Ting Tings letztes Jahr ihre auf 500 Stück limitierte Debütsingle „That’s Not My Name“ veröffentlichten, hätte niemand für möglich gehalten, dass das unter anderem Namen bereits bei einer großen Plattenfirma gescheiterte Duo als heißer Tipp für 2008 gelten kann, aber voilà, das ist Pop. Und Pop sind auch die Ting Tings. „That’s Not My Name“ ist indielight oder kredibler Chartpop, der so ansteckend ist, dass zurecht bereits eine Platzierung in des Popblogs PopTop10 heraussprang. Wie schon damals erwähnt: eine Sängerin, die dir „They call me ‘quiet girl’ / But i’m a riot“ entgegenschreit, sollte immer einen ehrfurchtsvollen Blick wert sein.

*Anhören: That’s Not My Name
*MySpace

Those Dancing Days

Hach, es ist aber auch schwer bei einer schwedischen Pop-Gruppe mit einer Sängerin nicht in lazy journalism #36 zu verfallen und die ABBA-Referenzkarte zu zücken! Aber man läge ja auch total daneben: hier ist kein Björn zu sehen und kein Benny weit und breit, aber fünf blutjunge Mädchen der Kategorie A, von denen nicht einmal alle volljährig sind. Was Those Dancing Days neben dem tollen Bandnamen so interessant macht, ist die Mischung aus dem jugendlichen Elan der Musik und der für eine 18jährige nun wirklich gänzlich unpassende, vor Ihren Jahren gealterte Stimme von Sängerin Linnea Jonsson. Aber über ihre Frisur würden wir gerne mal ein ernstes Wörtchen reden, die nächste Vogelgrippe kommt bestimmt.

*Anhören: Those Dancing Days
*MySpace

David E. Sugar

Eine handvoll Singles, ein paar Compilationbeiträge und Remixe für die Crème de la Crème der britischen Indieszene zieren Sugars Lebenslauf. Aber man kann schreiben, was man will, an der Nennung von „Oi New York! This Is London!“ kommt man nicht vorbei. Electro, House, 8Bit-Sounds und eine Kampfansage dem New Yorker Nachtleben. Dass so etwas nicht unwidersprochen bleiben kann, zeigen Singles und Remixe wie „Oi Berlin! This Is London!“ oder gar „Oi Oi London! This Is Kreuzberg!“, in der ExerciseOne die Ansage zurück über den Ärmelkanal schieben.
Die jüngste Single „Chelsea Girls“ zeigt, dass Sugar durchaus auch den größeren Markt im Auge hat. Nicht nur, dass der Gameboy-Sound der frühen Singles einer heftig produzierten Attacke gewichen ist, nein, der Herr selbst zeigt sich im Video und präsentiert sein für dieses Genre überdurchschnittliches Äußeres. Und wie wir alle wissen: das muss auch mal sein.

*Anhören: Oi New York! This Is London!
*MySpace

Black Kids

Die Musikwelt 2.0 hat für junge Bands ihre Vor- wie Nachteile. Einerseits finden zwar Gruppen wie Black Kids eine Hörerschaft, obwohl sie noch nicht einmal einen Plattenvertrag haben, andererseits ist die anarchische Hypewelt des Netzes auch so unberechenbar und eben nicht durch die Industrie orchestriert, dass manchmal der Hype für eine Band zu früh kommt. Dieses Phänomen könnte die Black Kids erwischen. Ihr sehr gutes erstes Demo „Wizard Of Ahhh“ machte die Runden im Netz und bescherte ihnen überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit, doch auch der Backlash hat bereits begonnen. Wir lehnen uns dennoch zurück und genießen ihren besten, brillant betitelten Song „I’m Not Gonna Teach Your Boyfriend How To Dance“, harren der Dinge, die die Welt mit den Black Kids vorhat und sind vor allem gespannt, wie sich die angenehm schlammige Produktion dieses vom 80er Jahre Pop beeinflussten Tanzflächenknaller auf eine richtigen Platte transportieren lassen wird.

*Anhören: I’m Not Gonna Teach Your Boyfriend How To Dance
*MySpace

Christian Ihle

Weiteres:
Teil 2: Singer & Songwriter
Teil 3: aus deutschen Landen
Teil 4: I Predict A Riot 2008: New Rave
Teil 5: I Predict A Riot 2008: Willkommen im Untergrund
Teil 6: I Predict A Riot 2008: Brit Guitar
Teil 7: I Predict A Riot 2008: Gitarren All Over The World

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/popblog/2008/01/21/2008-i-predict-a-riot-teil-1-pop/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.