vonChristian Ihle & Horst Motor 06.02.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Geradezu bestechend, wie sich die Lebensläufe von Chan Marshall und Conor Oberst gleichen. Beide erschaffen nach Jahren und Alben der depressiven Selbstauflösung jeweils ein „Band-Album“, das den zukünftigen Weg markieren wird.Cat Power

Bei Bright Eyes war es 2007 „Cassadaga“, bei Chan marshall aka Cat Power 2006 das Album „The Greatest“. Nun ist sie die erste, die im Kopf-an-Kopf-Rennen nachlegt. Und das ausgerechnet mit einem COver-Album. Klar, nach zwei Jahren hätte man es sich durchaus gewünscht, ein komplettes neues Meisterwerk vorgelegt zu bekommen, mit lauter kleinen und großen Songs, die ihren Status als Ikone schlussendlich untermauern würden. Aber so eine Person ist Marshall nicht, sie hat schon immer Haken geschlagen. Einer dieser Haken ist „Jukebox“, das zweite „Cover-Album“ ihrer Karriere. Wo „The Covers Record“ noch ein im wahrsten Sinne des Wortes sturztrunkenes Kleinod war, schafft „Jukebox“ den Sprung auf die große Bühne. Marshall macht klar, was viele andere Künstler immer gern verneinen – dass sie ein Produkt ihrer Einflüsse ist. Kein Wunder, dass der einzige neue, selbst geschriebene Song auf „Jukebox“ ausgerechnet „Song To Bobby“. Adressiert an – natürlich – Bob Dylan, der seine Karriere einst mit dem ersten selbstgeschriebenen „Song to Woody“ (Guthrie) begonnen hatte. Ihre Dylan-Hommage ist dann auch keineswegs ein Folk-Stück, sondern hat den Glanz eines „Blood On The Tracks“-Stückes. Sanft, feminin, eng gefasst, fast zutraulich – Attribute, die früher eher selten waren im Cat power Universum. Aber bei der fantastischen Backing-Band „Dirty Delta Blue“ inklusive Jim White (Dirty Three), Gregg Foreman (Delta 72), Judah Bauer (Jon Spencer Blues Explosion“ und Erik Paparozzi (Lizzard Music) kann fast nichts schief gehen. Aus dem Klassiker „New York“ von Sinatra wurde mal eben ein dreckiges Rythm’n’Blues Stück gezaubert, dessen prophetische Zeilen „I want to wake up, in a city that doesn’t sleeps / And find I’m king of the hill / Top of the heap“ aus der rauhen, sinnlichen Kehle Marshall wie ein Versprechen klingen.

Nach 2 Millionen verkauften Alben von „The Greatest“ wird es aber auch wirklich Zeit, dass Cat Power die Welt erobert. Wer sich so gekonnt vor Hank Williams, James Brown, Dylan, Billie Holiday und Joni Mitchell verneigt, sen Haupt dabei aber nicht den Boden berühren lässt, hat jede große Bühne verdient. „Jukebox“ ist mehr als ein Cover-Album. Es ist zugleich Huldigung und Versprechen. „Top Of The Heap“ eben. (Robert Heldner)

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